#41

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 17.04.2011 19:26
von GZB1 | 3.287 Beiträge

@Tobeck

niemand hat gesagt das es einfach geworden wäre.

Die "Auswanderung" von den neuen in die alten Bundesländer hat in den letzten 20 Jahren zig-tausendfach ebenfalls stattgefunden!


zuletzt bearbeitet 17.04.2011 19:27 | nach oben springen

#42

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 17.04.2011 20:14
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Tobeck

Zitat von Gert

Über die tschechische Republik weiss ich ein bischen, weil ich öfter dort bin.
Meine Schwiegermutter hat ihr Leben lang gearbeitet und bekommt etwa 10.000 czk eigene Rente ( Tschechische Krone 1 € = 24,2 czk also etwa 416 €), sie ist Witwe und bekommt keine Witwenrente ( ist in der CZ nicht bekannt ). ( nach 40 Jahren Arbeit und 2 Kinder )
Meine Frau überweist regelmäßig Geld, damit die Schwiegermutter (über)leben kann.
Preisniveau : Im Land hergestellte Lebensmittel sind preisgünstiger als in D, Importlebensmittel sind genauso teuer wie bei uns.
Industrieartikel wie Elektronik, Autos ( gleiche Angebot wie D)genau so teuer wie bei uns, Benzin und Diesel, etwas günstiger ca 15 %
Ein Arzt verdient 25000 czk = 1.000 € ( ich glaube dafür würde Huf morgens nicht aufstehen ). Viele Ärzte pauken intensiv deutsch und haben ihre Arbeitsstellen gekündigt. Sie werden wohl ab Mai hier auftauchen. Die tschechischen Patienten bekommen dann allerdings Probleme, weil keine Ärzte mehr da sind. Das ist Europa. Die Infrastruktur Autobahnen, Strassen sehr gut ausgebaut, Städte sehen nun auch gepflegt aus.

Gruß Gert




Zitat von Gert

Ich denke, das muss man mal sehen, wenn einige von einem selbstständigen Aufbau der Wirtschaft und einer Konförderation DDR- BRD sprechen. Bie diesen Löhnen würde die DDR stehen, wenn sie den Weg in den letzten 21 Jahren allein gegangen wäre. Nach Ansicht von Experten braucht Tschechien noch 30 Jahre um die Kaufkraft von Frankreich und D zu erreichen.



Gert, weißt Du zufällig auch noch wie hoch die Mieten und Wohnungs- bzw. Hauspreisen in Tschechien sind? Das ist ja in der Regel der größte Haushaltsposten.

Dein Beitrag über Tschechien, aber auch die Situation in Polen und die große Zahl an ausgewanderten Polen zeigt, dass der alternative Weg, ein selbständiger Aufbau der Wirtschaft in der DDR, alles andere als einfach gewesen wäre.




@Tobeck
Also, ich habe mich mal bei meiner Frau kundig gemacht um deine Frage zu beantworten. Eine 2 Zi Wohnung zur Miete kostet ca. 7000 czk (285 €), ein Haus einfache Bauweise aus den 60 er Jahren , ca 110 qm Wohnfläche, auf ca. 700 qm Baugrund in einer mittleren Stadt in Südmähren ( nahe der österr. Grenze ) kostet 2,5 Mio czk ( 102.000€), moderne neue Einfamilien- Häuser ca. 6 Mio czk ( 245.000 € ). Der Durchschnittsverdienst pro Person und Monat etwa 20.000 czk ( 815 €), wie schon in einem anderen Post erwähnt. Also für einen Hauskauf muss eine alte Frau lange stricken, die Miete beträgt immerhin 35 % des Durchschnitsseinkommens, das hat man hier aber auch schon.
Ich habe mal gerechnet, wenn 2 (1 Paar) beide arbeiten und Durchschnitt verdienen, brauchen sie 12,5 Jahresverdienste um da sHaus für 6 Mio zu kaufen.
Wenn hier in Deutschland ein Paar arbeitet , so hat es in 2010 etwa 2 x 32.000 €* verdient = 64.000 €. Ein neues Haus mit Grundstück hier im Rheinland kostet 350.000 - 400.000€, das deutsche Paar braucht also 5,5 - 6,25 Jahreseinkommen um das Haus zu erwerben.
Das ist doch eine Aussage über die Kaufkraft in den beiden Ländern CZ und D. Natürlich muss man das herunterbrechen auf die eigenen
Zahlen und Möglichkeiten, denn Durschnittswerte können nur als Richtwerte dienen. Bemerkung : Die Tschechen waren sehr fleissig in den Jahren seit der samtenen Revolution ( so nenne sie das, sie standen damals zu Tausenden auf dem Prager Wenzelsplatz und klingelten mit dem Schlüsselbund: das bedeute für die Kommunisten: Schlüssel abgeben - es sind eben Schwejks) Sie haben viel aus eigener Kraft geschaffen, denn sie haben gut ausgebildete Leute und eine hohe Motivation.

Gruß Gert


* Durchschnittsverdienst D in 2010 brutto.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#43

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 28.04.2011 08:03
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von Tobeck

[quote]20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung geht die ZDF-Dokumentation "Beutezug Ost" der Frage nach: Wie konnte aus dem Wert der DDR-Betriebe, den der erste Treuhandpräsident Detlev Rohwedder auf 600 Milliarden D-Mark schätzte, ein Milliardendefizit werden? Die Treuhandanstalt, zuständig für die Privatisierung der DDR-Betriebe, hinterließ einen Schuldenberg von 250 Milliarden D-Mark (zirka 125 Milliarden Euro).

Als am 1. Juli 1990 die DDR-Mark im Verhältnis 1:1 und 1:2 in D-Mark umgetauscht wurde, vervielfachten sich die Lohn- und Herstellungskosten für die DDR-Betriebe. Mit der Währungsunion brach der Absatz selbst lukrativer Betriebe schlagartig ein. Edgar Most, der ehemalige Vizepräsident der DDR-Staatsbank, sieht in der D-Mark-Umstellung die Hauptursache für den Untergang der DDR-Industrie.



Anerkanntermaßen ist der Autor ein sehr kluger Finanzexperte mit einer "Bankersicht", der genau weiß, was er schreiben darf und auch in Interviews ganz klar abgrenzt, bis zu welcher Tiefe er Fragen beantwortet. Und die kurze Feststellung der "Hauptursache" trifft er aus seiner Bankersicht(!) und ist ja auch schön einfach und für jeden leicht zu verdauen, darum wird das natürlich gern entgegen genommen. Ob das volkswirtschaftlich stimmt wird ja gar nicht in Frage gestellt. Haben sich denn schon mal Volkswirte "beider Lager" gegenüber gesessen und darüber diskutiert?


Zitat von tobeck


Zeitungsunwissen? Dieser Wert entspricht genau dem Liquidationswert, nur der ist beim Verkauf . . . .



Aha, das hast Du aber schön auf den Punkt gebracht, es ging also gar nicht um die Weiterführung der Betriebe sondern um Liquidation um jeden Preis. Denn nur dann, wenn ich unbedingt verkaufen will - und das wussten ja die Käufer, dass Rohwedder unbedingt verkaufen will - bin ich hinsichtlich des Preises angreifbar. Aber es gab doch gar keinen echten Zwang zum Verkaufen, außer dass in der BRD keiner Ahnung hatte, wie volkseigene Betriebe zu führen sind und man diese Betriebe zum Anfang einfach nur schnell aus der "staatlichen Aufsicht" loswerden wollte. Das von Dir erwähnte Modell mit Unternehmenskonzept kam doch erst zum Tragen, nachdem die Filetstücke rechtskräftig verjubelt waren. Das Zeitfenster der - ich nenne es mal "Anarchie" war zwar nur kurz offfen, aber das hat gereicht.


Zitat von tobeck


Der Staat hatte natürlich ein Interesse daran, das zu erzielen, was möglich war. Warum sollte er sich selbst schädigen? Und der Goodwill ist auch Teil des Kaufpreises. Nur was nützt das, wenn für das gesamte Unternehmen niemand viel zahlen will?



Nur bei Insolvenz gibt es einen Zwang zum Verkaufen. Wenn ich nicht den Kaufpreis erziele, den ich will, verkaufe ich nicht. Und es gab nicht nur schwarz und weiß in der Zeit und es gab auch eine Entwicklung. Und vor allem in der ersten Zeit wurden Betriebe einfach verscherbelt oder liquidiert, unter Zwangsverwaltung westdeutscher Gesellschafter und Geschäftsführer gestellt, ohne dass die Zukunftsprognose für ein selbständiges Überleben überhaupt ernsthaft geprüft wurde (z.B. Zeuke- TT).
Der Sinneswandel kam doch erst später, nachdem die großen Filetstücken u.a. bei Deutsche Bank, Arcelor Mittal oder ELF schon auf der Pfanne lagen und nur noch Ohren, Schwanz und Hufe übrig waren und.

Zitat von tobeck

800 Mrd. DM und keiner hat´s gemerkt, was sich andere angeeignet haben? Da haben die Staatsanwaltschaften Anklagen erhoben, wo es um zwei oder dreistellige Millionenbeträge ging, aber die 800 Mrd. sollen Ihnen entgangen sein. Ich habe schon bessere Verschwörungstheorien gelesen.



Verstehendes Lesen? Rohwedder hat gesagt, dass über die Treuhand nur der gerinere Teil abgewickelt wurde und von illegalen Geschäften hat auch keiner gesprochen, nur von geheimgehaltenen.

Zitat von tobeck

50 - 70 %? Da kommen aber andere zu anderen Werte, nämlich nur 27 %:
Wolfgang Seibel (Hrsg.): „Verwaltete Illusionen: Die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt und ihre Nachfolger 1990–2000“, Campus Verlag 2005




Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich man das Thema interpretieren kann. Die Wahrheit lügt in der Mitte.
Griechenland, Irland und Spanien hatten hatten ja auch beim Poker um die glänzende Volkswirtschaften mitgezockt und sind beim Zeigen vom Stuhl gefallen. So toll und glaubhaft ist Statistik in westlichen Demokratien und selbstverständlich nicht politisch indoktriniert.

Da hätte der von Dir erwähnte Herr Gutachter Prof. Lippe ja seine wahre Freude . . . Ach nee, da geht es ja um befreundete Volkswirtschaften. Da wäre sicher kein verächtlicher Unterton in seiner Stellungnahme.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#44

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 28.04.2011 09:43
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von werner

Zitat von Tobeck

[quote]20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung geht die ZDF-Dokumentation "Beutezug Ost" der Frage nach: Wie konnte aus dem Wert der DDR-Betriebe, den der erste Treuhandpräsident Detlev Rohwedder auf 600 Milliarden D-Mark schätzte, ein Milliardendefizit werden? Die Treuhandanstalt, zuständig für die Privatisierung der DDR-Betriebe, hinterließ einen Schuldenberg von 250 Milliarden D-Mark (zirka 125 Milliarden Euro).

Als am 1. Juli 1990 die DDR-Mark im Verhältnis 1:1 und 1:2 in D-Mark umgetauscht wurde, vervielfachten sich die Lohn- und Herstellungskosten für die DDR-Betriebe. Mit der Währungsunion brach der Absatz selbst lukrativer Betriebe schlagartig ein. Edgar Most, der ehemalige Vizepräsident der DDR-Staatsbank, sieht in der D-Mark-Umstellung die Hauptursache für den Untergang der DDR-Industrie.



Anerkanntermaßen ist der Autor ein sehr kluger Finanzexperte mit einer "Bankersicht", der genau weiß, was er schreiben darf und auch in Interviews ganz klar abgrenzt, bis zu welcher Tiefe er Fragen beantwortet. Und die kurze Feststellung der "Hauptursache" trifft er aus seiner Bankersicht(!) und ist ja auch schön einfach und für jeden leicht zu verdauen, darum wird das natürlich gern entgegen genommen. Ob das volkswirtschaftlich stimmt wird ja gar nicht in Frage gestellt. Haben sich denn schon mal Volkswirte "beider Lager" gegenüber gesessen und darüber diskutiert?


Zitat von tobeck


Zeitungsunwissen? Dieser Wert entspricht genau dem Liquidationswert, nur der ist beim Verkauf . . . .



Aha, das hast Du aber schön auf den Punkt gebracht, es ging also gar nicht um die Weiterführung der Betriebe sondern um Liquidation um jeden Preis. Denn nur dann, wenn ich unbedingt verkaufen will - und das wussten ja die Käufer, dass Rohwedder unbedingt verkaufen will - bin ich hinsichtlich des Preises angreifbar. Aber es gab doch gar keinen echten Zwang zum Verkaufen, außer dass in der BRD keiner Ahnung hatte, wie volkseigene Betriebe zu führen sind und man diese Betriebe zum Anfang einfach nur schnell aus der "staatlichen Aufsicht" loswerden wollte. Das von Dir erwähnte Modell mit Unternehmenskonzept kam doch erst zum Tragen, nachdem die Filetstücke rechtskräftig verjubelt waren. Das Zeitfenster der - ich nenne es mal "Anarchie" war zwar nur kurz offfen, aber das hat gereicht.


Zitat von tobeck


Der Staat hatte natürlich ein Interesse daran, das zu erzielen, was möglich war. Warum sollte er sich selbst schädigen? Und der Goodwill ist auch Teil des Kaufpreises. Nur was nützt das, wenn für das gesamte Unternehmen niemand viel zahlen will?



Nur bei Insolvenz gibt es einen Zwang zum Verkaufen. Wenn ich nicht den Kaufpreis erziele, den ich will, verkaufe ich nicht. Und es gab nicht nur schwarz und weiß in der Zeit und es gab auch eine Entwicklung. Und vor allem in der ersten Zeit wurden Betriebe einfach verscherbelt oder liquidiert, unter Zwangsverwaltung westdeutscher Gesellschafter und Geschäftsführer gestellt, ohne dass die Zukunftsprognose für ein selbständiges Überleben überhaupt ernsthaft geprüft wurde (z.B. Zeuke- TT).
Der Sinneswandel kam doch erst später, nachdem die großen Filetstücken u.a. bei Deutsche Bank, Arcelor Mittal oder ELF schon auf der Pfanne lagen und nur noch Ohren, Schwanz und Hufe übrig waren und.

Zitat von tobeck

800 Mrd. DM und keiner hat´s gemerkt, was sich andere angeeignet haben? Da haben die Staatsanwaltschaften Anklagen erhoben, wo es um zwei oder dreistellige Millionenbeträge ging, aber die 800 Mrd. sollen Ihnen entgangen sein. Ich habe schon bessere Verschwörungstheorien gelesen.



Verstehendes Lesen? Rohwedder hat gesagt, dass über die Treuhand nur der gerinere Teil abgewickelt wurde und von illegalen Geschäften hat auch keiner gesprochen, nur von geheimgehaltenen.

Zitat von tobeck

50 - 70 %? Da kommen aber andere zu anderen Werte, nämlich nur 27 %:
Wolfgang Seibel (Hrsg.): „Verwaltete Illusionen: Die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt und ihre Nachfolger 1990–2000“, Campus Verlag 2005




Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich man das Thema interpretieren kann. Die Wahrheit lügt in der Mitte.
Griechenland, Irland und Spanien hatten hatten ja auch beim Poker um die glänzende Volkswirtschaften mitgezockt und sind beim Zeigen vom Stuhl gefallen. So toll und glaubhaft ist Statistik in westlichen Demokratien und selbstverständlich nicht politisch indoktriniert.

Da hätte der von Dir erwähnte Herr Gutachter Prof. Lippe ja seine wahre Freude . . . Ach nee, da geht es ja um befreundete Volkswirtschaften. Da wäre sicher kein verächtlicher Unterton in seiner Stellungnahme.





@werner, wenn man vom Rathaus kommt, ist man immer schlauer. Wenn man über das Vereinigungsprocedere spricht, ist es wie beim Fussball. Da gibt es auch 82 Mio deutsche Bundestrainer.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
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Geld ist geprägte Freiheit!
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#45

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 28.04.2011 09:55
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat
Da gibt es auch 82 Mio deutsche Bundestrainer.


Unwahrscheinlich. Viele Frauen und einige Männer (Auch ich) interessieren sich nicht für diese Wirtschaftsunternehmen mit Geschäftsidee "Abzocke durch kindliches Ballgestreite"


zuletzt bearbeitet 28.04.2011 09:55 | nach oben springen

#46

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 28.04.2011 12:16
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von Gert



@werner, wenn man vom Rathaus kommt, ist man immer schlauer. Wenn man über das Vereinigungsprocedere spricht, ist es wie beim Fussball. Da gibt es auch 82 Mio deutsche Bundestrainer.

Gruß Gert



Also, bei manchen Abteilungen in unserem Rathaus habe ich eher das Gefühl, dass die nach meinem Besuch schlauer sind!

Und bei dem Thema hilft auch kein Kleinreden.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#47

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 28.04.2011 21:16
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von werner

Anerkanntermaßen ist der Autor ein sehr kluger Finanzexperte mit einer "Bankersicht", der genau weiß, was er schreiben darf und auch in Interviews ganz klar abgrenzt, bis zu welcher Tiefe er Fragen beantwortet. Und die kurze Feststellung der "Hauptursache" trifft er aus seiner Bankersicht(!) und ist ja auch schön einfach und für jeden leicht zu verdauen, darum wird das natürlich gern entgegen genommen. Ob das volkswirtschaftlich stimmt wird ja gar nicht in Frage gestellt. Haben sich denn schon mal Volkswirte "beider Lager" gegenüber gesessen und darüber diskutiert?



Werner, der Herr ist mittlerweile 71 Jahre alt und Rentner. Bei Banken und beim Bankenverband war er bis 2004 tätig. Man kann davon ausgehen, dass er sich heute relativ frei äußern kann. Sicherlich kommen jetzt wieder einige "Spezialisten", die behaupten, er habe irgendwelche "Geheimverträge" unterschreiben müssen, in denen er sich verpflichten musste, sich bis zu seinem Lebensende nur zu Gunsten der Banker-Lobby zu äußern. Er sagt aber auch Dinge, die den Banken mit Sicherheit nicht schmecken, wie erst vor Kurzem:

Zitat
Edgar Most, der unmittelbar nach der Wende Vizepräsident der (ehemaligen) DDR-Staatsbank wurde, die DKB-Bank gründete und jahrelang leitete sowie anschließend mehr als ein Jahrzehnt dem Direktorium der Deutschen Bank angehörte, erklärt, warum eine Rückkehr zu einem festen, auf Edelmetall basierenden Geld nicht ohne tiefgreifende Einschnitte möglich ist. Seit der Aufhebung des Goldstandards in den 1970er-Jahren, so Edgar Most, „hat sich das Finanzvermögen der Welt um das 35-Fache, teilweise sogar um das bis zu 40-Fache vermehrt, aber die Realwirtschaft nur um das 13-Fache. Das heißt, um die Wirtschaft zu gesunden, müssten wir das Kapital um zwei Drittel abwerten. Wir müssten einen Kapitalschnitt machen, aber nicht in Deutschland, sondern weltweit.“
http://www.daserste.de/plusminus/beitrag...kiwepc0j~cm.asp



Was soll denn aus Sicht der Volkswirte des "anderen Lagers" die Hauptursache sein, wenn es nicht die Währungsumstellung ist? Geheimgehaltene Geschäfte? Das die Währungsumstellung der Hauptgrund für den Niedergang der DDR-Betriebe war, wird doch von den wenigsten angezweifelt. Das gleiche kann man doch heute wieder im Falle Griechenlands sehen. Einem Staat eine zu harte Währung zu verpassen, führt am Ende dazu, dass die Betriebe nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Wenn dem Staat eine Abwertung seiner Währung unmöglich gemacht wird, so wie 1990 im Fall der DDR - da dies von der Bevölkerung und Politik so gewünscht war - oder heute Griechenland, hat man eine dahinsiechende Wirtschaft.


Zitat von werner

Aha, das hast Du aber schön auf den Punkt gebracht, es ging also gar nicht um die Weiterführung der Betriebe sondern um Liquidation um jeden Preis. Denn nur dann, wenn ich unbedingt verkaufen will - und das wussten ja die Käufer, dass Rohwedder unbedingt verkaufen will - bin ich hinsichtlich des Preises angreifbar. Aber es gab doch gar keinen echten Zwang zum Verkaufen, außer dass in der BRD keiner Ahnung hatte, wie volkseigene Betriebe zu führen sind und man diese Betriebe zum Anfang einfach nur schnell aus der "staatlichen Aufsicht" loswerden wollte. Das von Dir erwähnte Modell mit Unternehmenskonzept kam doch erst zum Tragen, nachdem die Filetstücke rechtskräftig verjubelt waren. Das Zeitfenster der - ich nenne es mal "Anarchie" war zwar nur kurz offfen, aber das hat gereicht.

Nur bei Insolvenz gibt es einen Zwang zum Verkaufen. Wenn ich nicht den Kaufpreis erziele, den ich will, verkaufe ich nicht. Und es gab nicht nur schwarz und weiß in der Zeit und es gab auch eine Entwicklung. Und vor allem in der ersten Zeit wurden Betriebe einfach verscherbelt oder liquidiert, unter Zwangsverwaltung westdeutscher Gesellschafter und Geschäftsführer gestellt, ohne dass die Zukunftsprognose für ein selbständiges Überleben überhaupt ernsthaft geprüft wurde (z.B. Zeuke- TT).
Der Sinneswandel kam doch erst später, nachdem die großen Filetstücken u.a. bei Deutsche Bank, Arcelor Mittal oder ELF schon auf der Pfanne lagen und nur noch Ohren, Schwanz und Hufe übrig waren und.



Der Staat hatte nicht das Interesse, die Betriebe selber lange im Besitz zu behalten. Warum? Er wollte eben keine Fortführung von Staatsbetrieben, die jeden Monat neue Schulden machten und subventioniert werden mußten, einem Konzept das weltweit scheitert, aktuell in Kuba. Im Verbund mit der Weltwirtschaft und nach der Währungsaufwertung waren diese Betriebe überhaupt nicht mehr konkurrenzfähig. Da bleibt nur die Abwicklung oder der Verkauf - wenn man einen Käufer findet. Die Absatzmärkte in Osteuropa waren angesichts der Währungsaufwertung und der Wirtschaftskrise in Osteuropa weggebrochen, selbst die eigene Bevölkerung in der DDR wollte zunehmend Westwaren. Dazu bestand hoher Investitionsbedarf um die Betriebe zu modernisieren, für die Sanierung von Altlasten u.s.w. Die wettbewerbsfähigere Industrie in Westeuropa hatte ohnehin Überkapazitäten, also Absatzprobleme. Wer kauft in einer solchen Situation DDR-Betriebe um sie weiterzuführen? Nicht viele. Heute werden weltweit immer wieder Betriebe für große Summen gekauft, weil sie aus Sicht der Käufer einen hohen Wert haben. Das war bei den DDR-Betrieben nicht der Fall.

Hier noch ein Beispiel:

Zitat


Wolfgang Seibel: Bis zur Wiedervereinigung kam es nur zu einigen wenigen Privatisierungen, jedenfalls bei größeren Betrieben. Was schnell funktionierte, war die Privatisierung im Dienstleistungsgewerbe, wie etwa bei Gaststätten und im früheren HO-Betrieben.

Doch bei den Großunternehmen wird schnell klar: Oft bleibt nur die Liquidation. Als erstes trifft es den Kamerahersteller Pentacon in Dresden.

Jürgen Börner: Wir waren die einzigen, die in der DDR Fototechnik herstellten und zwar Spiegelreflex-Kameras mit einer Jahresstückzahl von einer knappen halben Million - so zwischen 430.000 bis 480.000 Stück.

Jürgen Börner arbeitet 1990 in der Forschungsabteilung von Pentacon. Die Mitteilung über die Liquidation erreicht ihn am Vorabend der Wiedervereinigung.

Jürgen Börner: Also hier in Dresden war natürlich doch die Bestürzung recht groß. Wir wurden an diesem 2. Oktober in das Hygienemuseum geladen. Und dort wurde von Herrn Dr. Wellesieg, unserem Liquidator, bekannt gegeben, dass sich Pentacon in Liquidation befindet. Und alle, die damit umzugehen wussten, was das heißt, was dieses Wort beinhaltet, die kannten natürlich auch die Tragweite dieses Beschlusses.

Die Manager, die bei der Treuhand das Aus für Pentacon besiegeln, begründen ihre Entscheidung mit dem Weltmarkt für Fototechnik. Eine Kamera, deren 900 Einzelteile allesamt in Deutschland produziert werden, ist für sie nicht konkurrenzfähig.

Klaus Nickol: Die Begründung, das muss man ganz offen und ehrlich sagen, ist nachvollziehbar.

Klaus Nickol arbeitet 1990 in Vertrieb und Kundendienst.

Klaus Nickol: Wenn ich mir mal die ehemaligen alten Bundesländer anschaue oder Westeuropa, dann ist ja dort bereits in den Siebziger Jahren die Foto-Industrie quasi eingestellt worden und quasi abgewandert an asiatische Fertigungsstandorte. So dass man sagen muss: Allen leitenden Mitarbeitern von Pentacon war schon klar: Das Umfeld, Fototechnik hier in Deutschland oder Europa zu produzieren, hatte sich so verändert, dass mit einer Fortsetzung eines Großbetriebes mit tausenden Beschäftigten eigentlich nicht zu rechnen war.

Die Pentacon-Belegschaft hat Glück im Unglück. Viele finden relativ schnell eine Umschulung oder einen neuen Job.
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/380155/



Es wurde ein Prozeß nachgeholt, der in Westdeutschland schon vorher begonnen hatte und bis heute anhält. Produktion wird in Billiglohnländer verlagert. In den siebziger Jahren begann auch die Abwanderung der Textilindiustrie nach Südostasien, um eine weitere Branche zu nennen. Auch die Lederindustrie ist eine dieser Branchen.

Was will man? Eine Einbindung in den offenen Welthandel und der Verlust von Arbeitsplätzen im produzierenden Sektor? Oder einen Schutz der eigenen Industrie durch Protektionismus? Welches das bessere Konzept ist, ist umstritten, da man die Erfahrung in den dreißiger Jahren gemacht hatte, dass die Depression durch den zunehmenden Protektionismus noch verschärft wurde.

Zitat von werner

Verstehendes Lesen? Rohwedder hat gesagt, dass über die Treuhand nur der gerinere Teil abgewickelt wurde und von illegalen Geschäften hat auch keiner gesprochen, nur von geheimgehaltenen.

Wann und wo soll er das gesagt haben? In den meisten Quellen ist davon nicht zu finden. Wenn die Treuhand, die 14.000 Betriebe abgewickelt hat, damit den geringeren Teil abgewickelt hätte, würde das doch in den meisten Quellen angegeben werden. Die Gesamtzahl der Betriebe lässt sich nicht verschleiern.

[quote="werner"]
Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich man das Thema interpretieren kann. Die Wahrheit lügt in der Mitte.
Griechenland, Irland und Spanien hatten hatten ja auch beim Poker um die glänzende Volkswirtschaften mitgezockt und sind beim Zeigen vom Stuhl gefallen. So toll und glaubhaft ist Statistik in westlichen Demokratien und selbstverständlich nicht politisch indoktriniert.

Da hätte der von Dir erwähnte Herr Gutachter Prof. Lippe ja seine wahre Freude . . . Ach nee, da geht es ja um befreundete Volkswirtschaften. Da wäre sicher kein verächtlicher Unterton in seiner Stellungnahme.



Schon wieder die Parallele von Griechenland zur DDR, die hatte ich ja bereits in einem anderen Zusammenhang genannt. Niemand bestreitet, dass alle Staaten Statistiken fälschen können - anscheinend tun das Staaten immer dann, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Die USA sollen ihre Inflation schönrechnen, indem sie nur noch die sog. Kerninflation berechnen. Deutschland und Österreich frisieren ihre Arbeitslosenstatistiken, dies wurde schon 1998 von der OECD bemängelt.


zuletzt bearbeitet 28.04.2011 21:56 | nach oben springen

#48

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 28.04.2011 22:55
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von EDGE-Henning

Zitat
Da gibt es auch 82 Mio deutsche Bundestrainer.


Unwahrscheinlich. Viele Frauen und einige Männer (Auch ich) interessieren sich nicht für diese Wirtschaftsunternehmen mit Geschäftsidee "Abzocke durch kindliches Ballgestreite"




Du hast offenbar das Bild, das ich vermitteln wollte , gar nicht verstanden. Es geht nicht um Fussball. Denk noch mal nach.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#49

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 04.10.2011 17:18
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von

Zitat von Jawa 350
Es ist schon interessant und sehr zutreffend was Felix da zusammengetragen hat!
Besonders dieser Link http://files.homepagemodules.de/b150225/...07p145074n1.pdf sollte für unsere Nachkommen erhalten werden.




Ohje, toller Link. So viel Mühe, und dann kommt so viel Gift heraus. Zum Glück können die Jugendlichen heute auch reelle Informationen bekommen.

Zitat daraus:"An der Annexion der DDR ist nichts abgeschlossen. Sondern sie ist der Ausbruch eines imperialistischen Schwelbrandes, sie zeigt den Imperialismus in seiner Reinform: Ausbreitung der Macht um den Maximalprofit zu bekommen. Das Volk bezahlt es mit Elend und Verderben.
Und eine Antwort können wir am Schluß noch allen jenen geben, die uns immer wieder staunend fragen: Und ihr in der FDJ wollt also die DDR wieder haben? Nein, antworten wir darauf, niemand will sein gestohlenes Auto als Schrott wiederhaben, nachdem es vom Dieb kaputt gemacht worden ist. Wir wollen ein neues Auto haben , eine neue DDR und alle angerichteten Schäden ersetzt!"

Vor allem der letzte Satz ist mehr als eine Frechheit. Für solche Jawas wie dich hätte man eine eigene Republik (besser Diktatur des Proletariats) erbauen sollen, damit man immer sehen kann, zu was du und deinesgleichen besonders geeignet bist. Natürlich dann ohne Solizuschlag. Fritz




Und was ist mit den geschlossenen und abgerissenen Betrieben (auch wenn dort manche maschine überaltert und manches Gebäude Sanierungsbedürftig war, hatten diese Betriebe Patente, Markenrechte, Kundenbeziehungen, eine eingespielte Belegschaft, also sog. nichtmaterielles Vermögen)? Allein aus meinem Bereich kann ich festsellen, daß bereits 1990 die 300 neusten E-Loks in den Westen zwangsverliehen wurden, weil dort wegen mangelnder Neubeschaffung Lokmangel herrschte. Hunderte Kilometer Strecken wurden still gelegt und abgerissen, tausende Loks und Wagen verschrottet oder zu Schleuderpreisen ins Ausland verkauft. Eine Wiederherstellung der DR im Zustand von 1990 (also Wiederaufbau abgerissener Strecken und Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen) würde die deutsche Staatsverschuldung auf griechisches Niveau treiben.



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#50

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 04.10.2011 17:25
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von Tobeck

Zitat von Jawa 350
Es ist schon interessant und sehr zutreffend was Felix da zusammengetragen hat!
Besonders dieser Link http://files.homepagemodules.de/b150225/...07p145074n1.pdf sollte für unsere Nachkommen erhalten werden.




Es ist erstaunlich, was für fragwürdige Behauptungen und Halbwahrheiten in dem Artikel aufgestellt werden. Schauen wir uns einmal die Kernaussagen an.Dort wird behauptet, die Betriebe hätten einen Wert von 600 Mrd. DM. Dabei wird verschwiegen, das das kein durch Verkäufe realisierter Wert, sondern lediglich eine Annahme im Herbst 1990 war. Dieser Annahme erwies sich später als falsch. Etwas ist nur soviel wert, wie anderer bereit ist dafür zu zahlen, und nicht was ich mir wünsche.
Quelle: http://www.bpb.de/wissen/025720317523949...stalt.html#art1

Dann werden noch weitere Werte wie Grund und Boden hinzuaddiert und man kommt auf 1.020 Mrd. DM. Tatsächlich ergab sich bei der Realisierung der Werte, beim Verkauf, nur ein Wert von 60 Mrd. DM, denen aber Ausgaben von 300 Milliarden entgegenstanden - für Personal, Fördergelder, die Sanierung von Umweltschäden. Es ergab sich also ein negativer Wert von 240 Mrd DM. Die Betrieben hatten also sogar einen negativen Wert.

Wie kam das?

Erstens: Nur 40 % der Betriebe waren überhaupt rentabel.

Zweitens: Der Umstellungskurs von 1:1 oder 1:2 ruiniert die meisten Betriebe, akzeptabel wäre für viele Betriebe nur ein Kurs 1:4 gewesen, für manche sogar nur ein Kurs von 1:12 - dazu ein Beispiel:

Zitat
(...)Vor einem Kollaps steht auch die ostdeutsche Wirtschaft. Für die meisten Betriebe ist die Währungsumstellung ein Schock. Sie müssen nun Löhne in D-Mark zahlen - für die Produktion von Waren, die keiner mehr kaufen will. Ausgerechnet die Währungsunion macht über Nacht nahezu alle DDR-Unternehmen zum Sanierungsfall.

(...)Im Mannsfeld wurde Kupfer produziert. Zum Teil wurde da der Abraum aus der Lutherzeit noch mal verhüttet. Da kostete die Tonne Kupfer 135.000 Mark der DDR. Auf den Weltmärkten kostete damals eine Tonne 11.000 D-Mark. Das heißt, in dem Moment wo ich die Währung eins zu eins umstellte, kostete die Tonne Kupfer immer noch 135.000, aber jetzt D-Mark. Und damit war es sofort aus und vorbei. (...)
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/380155/



Drittens: War die Produktivität sehr gering:

Zitat
Die Arbeit wurde dadurch erschwert, dass die DDR am Tag der Währungsunion praktisch bankrott war und selbst Vorzeigekombinate nicht auf dem Stand der Technik waren (polemisch wurde von „Industriemuseen“ gesprochen). So ging damals ein großer Teil der Investitionen in die Reparatur dieser veralteten Anlagen. Die Produktivität der DDR-Industrie war auf einem sehr niedrigen Stand, so lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner bei 27,1 % des westdeutschen Wertes. Aus ideologischen Gründen herrschte in den Volkseigenen Betrieben ein Personalüberhang von ca. 15 %, und nach Aufhebung der staatlich kontrollierten Planwirtschaft standen viele Betriebe vor dem Kollaps. Dazu kam ein Einbrechen der Nachfrage nach DDR-Produkten.






Wenn bei der Treuhandgesellschaft auf den entscheidenten Posten Vertreter der kaufenden westlichen Unternehmen saßen, wurde natürlich ein "Kaufpreis" nach dem Wunsch des Käufers gemacht. Der wirkliche Wert spielte keine Rolle, Käufer aus dem ausland kamen meist nicht zum Zuge, es wurden sogar Stillegungs- und Konkurrenz-Ausschlüsse (z.B. alle Kaligruben, die K&S nicht wollte, mußten geschlossen werden und durften nicht an andere Unternehmen verkauft werden).
Das StGB nennt sowas "Untreue in besonders schweren Fall".
So konnte man die leistungsfähigste Wirtsschaft des RGW in ein Null- bzw. Minusvermögen verfälschen.



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#51

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 04.10.2011 17:29
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von werner
@Tobeck, Wo kann man denn die von Dir genannten Daten mal nachlesen? Eine Quelle hast Du ja leider nicht angegeben . . .
Dass die BPB unter einem politischen Auftrag ihre Veröffentlichungen erstellt, sollte auch Dir klar sein. Insofern sind derartige Veröffentlichungen durchaus zu hinterfragen und sind ganz bestimmt auch nicht neutral und objektiv.

Neulich kam auf Phoenix unter dem Titel „Beutezug Ost“ http://www.phoenix.de/beutezug_ost/331686.htm ein Beitrag, der Deine Ansagen gewissermaßen relativiert. Und auch in dem Buch „Die Liquidatoren“ liest sich das ein wenig anders. Hieraus habe ich einige der folgenden Fakten entnommen.

Dass gewaltige Mittel in das Anschlussgebiet flossen und fließen ist unbestritten. Aber etwas differenzierter muss das dennoch gesehen werden und es sollte nicht einfach übernommen werden, was die Herrschenden so von sich geben, um Unwahrheiten in Wahrheiten umzuwandeln.

Nur mal so als ein Beispiel:

Die im JW- Artikel genannten 600Mrd DM sind eine Angabe, die Rohwedder gemacht hat. Von den sogenannten Fünf Weisen wurde dieser Wert in ihrem Jahresgutachten 1995/96 auf 584 Mrd DM präzisiert. Dieser Wert ist bereits unter dem Gesichtspunkt ermittelt worden, dass die DDR wirtschaftlich stark angeschlagen war.

Und was Du dort als Argument anführst, dass die Betriebe nur das wert sind, was jemand dafür bezahlen will, ist widergekautes Zeitungsunwissen. Für die platte Aussage „Etwas ist nur soviel wert, wie anderer bereit ist dafür zu zahlen . . .“ würdest Du bei jedem Prof. von Heidelberg bis Hamburg nicht nur mit einem Stirnrunzeln belohnt werden und zum anderen im Falle der Betriebe der DDR ist die Preisbildung nicht durch eine Marktsituation entstanden sondern künstlich erzeugt.

Wenn es nur „einen Käufer" gibt und andere nicht zugelassen werden, gibt es auch keine Preisbildung, sondern es werden Mondpreise gemacht. (In der anderen Richtung funktioniert es übrigens genauso). Eine Verpflichtung zur europaweiten Ausschreibung gab es damals noch nicht . . . Dann hätte die "Treuhand" ihrem Auftrag wohl auch gerecht werden müssen und das Beste aus dem ihr anvertrauten Vermögen rausholen müssen.

Und ich kann mich nicht erinnern, dass in der BRD heute Betriebe, die nicht rentabel arbeiteten für 1EURO den Besitzer wechseln, selbst bei Insolvenzen nicht. Das nennt man Untreue. Erstaunlicherweise war dieser Vorgang aber staatlich sanktioniert beim Verscherbeln der Betriebe und eher die Regel als die Ausnahme. Firmen haben immer neben dem reinen Sachwert einen „Goodwill“.

Und weiter wäre zu berücksichtigen, dass laut Rohwedder der Treuhandanstalt nur etwa 40% der DDR übertragen wurden, der weitaus größere Teil dieses gigantischen Deals ging über andere Kanäle, die zum großen Teil im Dunkeln liegen. Das waren u.a. Wohnungen, Gebäude und Grundstücke staatlicher Einrichtungen, der bew. Organe, Sondervermögen der DR, der Post, Botschaften und Residenzen . . . Wert ca. 800Mrd DM!! Die Gewinne hieraus werden in die düstere Rechnung dem Zweck folgend natürlich nicht eingerechnet. Diese Einnahmen hat man versucht geheimzuhalten, einiges ist aber doch hochgekommen. Z.B. Unter den Linden 13-15 ist für 310Mio DM an die Deutsche Bank gegangen - so wenig war die DDR wert?

Und, wie erstaunlich, gab es für die Beschäftigten keine Möglichkeit der Bildung einer AG, der man die Betriebe übertragen hätte. Die Regel war, dass selbst bei funktionierenden und rentablen Betrieben mit vollen Auftragsbüchern diese ihre Geschäftstätigkeit unter Treuhandregie nur fortführen konnten, wenn ein westdeutscher Geschäftsführer und Gesellschafter einstieg. Wichtige Produktionsunterlagen, Ergebnisse aus Neuentwicklungen verschwanden einfach und wie durch Zauberhand gingen diese Unternehmen dann oftmals Pleite.

Auch wenn das Produktionsergebnis je Einwohner bei nur etwa 70 - 50 % der BRD (laut DIW) lag und das Investitionsvolumen stetig sank, sprach selbst das DIW, dem ja nun auch in der BRD Sachkunde und Objektivität anerkannt wurde 1987 davon, dass die DDR im RGW das Land mit dem höchsten Leistungsniveau ist.

Erstaunlicherweise gab es noch 1990 statistische Jahrbücher, die eine Aussage über die Wirtschaftskraft des Anschlussgebietes gaben, danach wurden hierüber keine Zahlen mehr veröffentlicht. Etwa, weil man sich die Frage gefallen lassen müsste, wohin denn das BIP entschwunden ist?

Die laut Einigungsvertrag verpflichtende Bestandsaufnahme des Vermögens wurde mit einem Federstrich nicht nur ignoriert sondern regelrecht abgebügelt. Ist das die Rechtsstaatlichkeit, die alle wollen?



Öffentliches Vermögen (vor 1945 Eigentum des Deutschen Reiches, der Länder oder Kommunen), wozu also die Sondervermögen der Bahn und Post oder öffentlicher Versorger (Stadtwerke) gehörten, waren auch nicht zu privatisieren, sondern analog der Alt-BRD als öffentliches Eigentum des Bundes, der Länder und kommunalen Körperschaften zurückzuführen.



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#52

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 04.10.2011 17:38
von StabsfeldKoenig | 2.648 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von Huf
@Gert, das Engagement für Deine Schwiegermutter ist hoch beachtenswert! Auch wir, meine Frau und ich, unterstützen im engeren Familienkreis Leute finanziell, damit diese über die Runden kommen. Und das machen wir, wie Du gern. Die Familie hat eine große Bedeutung für uns, für Dich offensichtlich auch.
Ich bin davon überzeugt, dass diese familiäre Fürsorge, wie von Dir beschrieben, im großen Maßstab auch in D stattfindet, nämlich von Großeltern, mit noch sicherer Rente, an Kinder und Enkel.

Auch wenn es für Dich, @Gert, und manchen Leser hier unglaubhaft klingen mag, ich frage nie, was ich bekomme für meine Tätigkeit, wenn ich morgens aufstehe.
Die Frage der Absicherung heißt nämlich "sozial" und das ist viel mehr, als finanziell.

Ungeachtet meines Einwandes ist beispielsweise das soziale Engagement für Deine Schwiegermutter viel höher einzuschätzen, als das Gefasel vom Sozialstaat von überbewerteten Politikern, egal, wo auf der Welt.

VG aus Hufland, Huf



@Huf, danke für die Blumen, das ist aber für uns selbstverständlich erstens weil sie enge Verwandte sind aber auch weil wir mehr haben und davon abgeben können.
Bitte nimm das Beispiel mit dem Arztlohn nicht persönlich, ich bin sicher dass du vor einer ärztlichen Hilfe nicht nach dem Lohn fragst.
ich wollte damit nur verdeutlichen, wie das Lohngefälle z.B. für Ärzte zwischen Tschechien und D ist. Der Durschnittslohn in Tschechien liegt bei etwa 20.000 czk das sind 825 €. Ich denke, das muss man mal sehen, wenn einige von einem selbstständigen Aufbau der Wirtschaft und einer Konförderation DDR- BRD sprechen. Bie diesen Löhnen würde die DDR stehen, wenn sie den Weg in den letzten 21 Jahren allein gegangen wäre. Nach Ansicht von Experten braucht Tschechien noch 30 Jahre um die Kaufkraft von Frankreich und D zu erreichen.

Gruß Gert[hallo]





Wie hoch sind die fixen Lebenshaltungskosten (Miete, Strom, Gas usw.) in Tschechien? Bei Miete zwecks Vergleichbarkeit Quadratmeterwerte nettokalt, bruttokalt und bruttowarm mit von-bis-Spannen (ggf. Wohnungen vor / nach 1990 gebaut getrennt angeben).

Wenn ich die alltäglichen Lebenshaltungskosten in der DDR sehe, dann war die mark der DDR eine Währung mit hoher Binnenkaufkraft.
Miete zwischen 0,75 und 1,25 M/m², 20 Pfennig für die Einzelfahrt im ÖPNV, -,50 bis 1,50 M Mittagessen in der Betriebskantine.



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#53

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 04.10.2011 21:56
von damals wars | 12.175 Beiträge

Ich weiß noch, wie es damals in BUNA war.
Die Arbeiter wollten schlicht nicht mehr in der DDR arbeiten. So nach dem Motto "Jetzt werden die Ärmel hochgekrempelt" war nicht drin.
Es ging nur darum schnellst möglich an genug DM zu kommen, um sich ein Auto zu kaufen.

Das Versprechen, ruckzuck zur DM zu kommen, statt sie sich zu erarbeiten, war so verlockend, das nur wenige die ökonomischen Gefahren wahrgenommen haben.
Das mangelnde Wissen, die mangelnde Konkurenzfähigkeit.
Ich habe 4 Jahre gebraucht, um mich auf "Weststandart" zu bringen.

Ja, olle Helmut war damals ganz schön mutig und ohne Blick für die Gefahren.

Und wir haben dafür mit der Deindustriealisierung und mit Millionen Arbeitsplätzen bezahlt.
Daher die so oft beklagte, fehlende Dankbarkeit.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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