#21

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 10:27
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Honecker war zu diesen Zeitpunkt in der DDR schon politisch mausetod!

Bezüglich der DDR-Wirtschaft kann man sagen, dass diese von allen anderen soz. Ländern wohl noch die Beste war unter den damalige politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Tschechien, Polen und Ungarn haben es nach dem politischen Umbruch in einem Transformationsprozess auch geschafft weiter zu bestehen, obwohl diese schlechtere Ausgangpositionen hatten. Aber die besondere nationale Lage DDR-BRD und der Wunsch genauso zu leben wie die Bürger im Westen, mit dem gleichen Geld in der Tasche und die Witschafts- und Währungsunion haben zu der massiven Abwertung der Betriebe und der anderen Werte geführt. Viele DDR-Bürger haben diese wirtschaftliche Wechselwirkung damals nicht verstanden oder wollten sie nicht verstehen. Man glaubte dem heilsbringenden Kohlschen Versprechen: "Niemand werde es schlechter gehen aber Vielen besser" und von den "blühenden Landschaften", taktisch klug platziert kurz vor der DDR-Wahl am 18. März 1990 wo alle Umfragen doch einen Sieg der DDR-SPD voraussagten. Durch diesen Coup gewann aber völlig überraschend die DDR-CDU und ihre "Allianz für Deutschland" die letzte Volkskammerwahl. Sicher mußte das geschichtliche Fenster genutzt werden, aber eine Konföderation mit Reisefreiheit hätte der DDR bzw. auch der BRD wirtschaftlich mehr genutzt.
Aber das war politisch, durch bestimmte wirtschaftliche Interessen, nicht gewollt!
Gewinne wurden somit privatisiert, Schulden,Verluste, Zusatzsteuern(Soli) und Sozialleistungskosten dem Steuerzahler übergeholfen!


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 12:30 | nach oben springen

#22

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 10:55
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Die im schon oben zitierten Link angestellte Rechnerei ist absoluter Humbug:
http://files.homepagemodules.de/b150225/...07p145074n1.pdf
Zum einen war die Mark der DDR eine reine Binnenwährung, deshalb ist der reale Wert nicht feststellbar. Er konnte nur geschätzt werden. Und: Die Vermögensauflistung berücksichtigt die Verkehrswerte. Da die DDR abgewickelt wurde, müssten aber Liquiditätswerte eingesetzt werden. Diese sind immer wesentlich tiefer, da die Werte in kurzer Zeit verwertet werden müssen. Die Erwerber können also den Preis drücken. So haben viele 1990 und später ein Schnäppchen gemacht und die Fördergelder gleich noch dazu in den eigenen Sack einkassiert, denke ich, ohne einen grossen Beitrag an die derzeit real existierenden blühenden Landschaften im Osten geleistet zu haben.
Theo


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#23

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 10:56
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von GZB1
Honecker war zu diesen Zeitpunkt in der DDR schon politisch mausetod!

Bezüglich der DDR-Wirtschaft kann man sagen, dass diese von allen anderen soz. Ländern wohl noch die beste war unter den damalige politischen und wirstchaftlichen Verhältnissen. Tschechien und Polen haben es nach dem politischen Umbruch auch geschafft weiter zu bestehen, obwohl diese schlechtere Ausgangpositionen hatten. Aber die besondere nationale Lage DDR-BRD und der Wunsch genauso zu leben wie die Bürger im Westen, mit dem gleichen Geld in der Tasche und die Witschafts- und Währungsunion haben zu der massiven Abwertung der Betriebe und der anderen Werte geführt. Sicher mußte das geschichtliche Fenster genutzt werden, aber eine Konföderation mit Reisefreiheit hätte der DDR bzw. auch der BRD wirtschaftlich mehr genutzt.
Aber das war politisch nicht gewollt!



Damals konnte niemand wissen, wie lange das "Fenster der Gelegenheit" offen stehen würde, dies hat die Politik richtig erkannt. Wie @eisenringtheo schon richtig festgestellt hat, bestand immer die Gefahr eines abrupten Machtwechsels in der Sowjetunion. Ob dann noch ein sowjetischer Truppenabzug möglich sein würde und ob er für Deutschland noch immer relativ günstig gewesen wäre, war unsicher. Nach einer Aussage eines politischen Beraters der britischen Premierministerin Thatcher, soll diese wütend gewesen sein, dass die Deutschen den sowjetischen Truppenabzug für 12 Mrd. DM bekamen - "die hätten auch 100 Mrd. zahlen können." So viel zu unseren "Freunden" im Westen. Unter diesen Prämissen wurden die Entscheidungen getroffen.

Konföderation? Wie sollte die denn aussehen? Wie die Confoederatio Helvetica oder die Konföderierten Staaten von Amerika? Das waren und sind im Prinzip auch nur eine bestimmte Form von Bundesstaaten. Schon aufgrund der Wirtschafts- und Währungsunion war es klar, dass es auf eine Wiedervereinigung hinausläuft. Und die Bürger im Osten wollten ja unbedingt die DM zu einem guten Umtstellungskurs - obwohl sie damit einen Teil ihrer eigenen Arbeitsplätze zerstört haben. Ein vollständiger Erhalt der Arbeitsplätze hätte einen anderen Umstellungskurs erfordert, der aber zu extrem niedrigen Löhnen geführt hätte. Das hätte die Abwanderung in den Westen aber noch verschärft.

Eines sollte man immer bedenken - man hatte ein "Experiment" durchzuführen, für das es keine Erfahrungswerte gab. Man hatte nur Erfahrungen mit der Umstellung von Marktwirtschaft auf Planwirtschaft, aber nie mit dem umgekehrten Fall.


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 10:58 | nach oben springen

#24

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:06
von werner | 1.591 Beiträge

@Tobeck, Wo kann man denn die von Dir genannten Daten mal nachlesen? Eine Quelle hast Du ja leider nicht angegeben . . .
Dass die BPB unter einem politischen Auftrag ihre Veröffentlichungen erstellt, sollte auch Dir klar sein. Insofern sind derartige Veröffentlichungen durchaus zu hinterfragen und sind ganz bestimmt auch nicht neutral und objektiv.

Neulich kam auf Phoenix unter dem Titel „Beutezug Ost“ http://www.phoenix.de/beutezug_ost/331686.htm ein Beitrag, der Deine Ansagen gewissermaßen relativiert. Und auch in dem Buch „Die Liquidatoren“ liest sich das ein wenig anders. Hieraus habe ich einige der folgenden Fakten entnommen.

Dass gewaltige Mittel in das Anschlussgebiet flossen und fließen ist unbestritten. Aber etwas differenzierter muss das dennoch gesehen werden und es sollte nicht einfach übernommen werden, was die Herrschenden so von sich geben, um Unwahrheiten in Wahrheiten umzuwandeln.

Nur mal so als ein Beispiel:

Die im JW- Artikel genannten 600Mrd DM sind eine Angabe, die Rohwedder gemacht hat. Von den sogenannten Fünf Weisen wurde dieser Wert in ihrem Jahresgutachten 1995/96 auf 584 Mrd DM präzisiert. Dieser Wert ist bereits unter dem Gesichtspunkt ermittelt worden, dass die DDR wirtschaftlich stark angeschlagen war.

Und was Du dort als Argument anführst, dass die Betriebe nur das wert sind, was jemand dafür bezahlen will, ist widergekautes Zeitungsunwissen. Für die platte Aussage „Etwas ist nur soviel wert, wie anderer bereit ist dafür zu zahlen . . .“ würdest Du bei jedem Prof. von Heidelberg bis Hamburg nicht nur mit einem Stirnrunzeln belohnt werden und zum anderen im Falle der Betriebe der DDR ist die Preisbildung nicht durch eine Marktsituation entstanden sondern künstlich erzeugt.

Wenn es nur „einen Käufer" gibt und andere nicht zugelassen werden, gibt es auch keine Preisbildung, sondern es werden Mondpreise gemacht. (In der anderen Richtung funktioniert es übrigens genauso). Eine Verpflichtung zur europaweiten Ausschreibung gab es damals noch nicht . . . Dann hätte die "Treuhand" ihrem Auftrag wohl auch gerecht werden müssen und das Beste aus dem ihr anvertrauten Vermögen rausholen müssen.

Und ich kann mich nicht erinnern, dass in der BRD heute Betriebe, die nicht rentabel arbeiteten für 1EURO den Besitzer wechseln, selbst bei Insolvenzen nicht. Das nennt man Untreue. Erstaunlicherweise war dieser Vorgang aber staatlich sanktioniert beim Verscherbeln der Betriebe und eher die Regel als die Ausnahme. Firmen haben immer neben dem reinen Sachwert einen „Goodwill“.

Und weiter wäre zu berücksichtigen, dass laut Rohwedder der Treuhandanstalt nur etwa 40% der DDR übertragen wurden, der weitaus größere Teil dieses gigantischen Deals ging über andere Kanäle, die zum großen Teil im Dunkeln liegen. Das waren u.a. Wohnungen, Gebäude und Grundstücke staatlicher Einrichtungen, der bew. Organe, Sondervermögen der DR, der Post, Botschaften und Residenzen . . . Wert ca. 800Mrd DM!! Die Gewinne hieraus werden in die düstere Rechnung dem Zweck folgend natürlich nicht eingerechnet. Diese Einnahmen hat man versucht geheimzuhalten, einiges ist aber doch hochgekommen. Z.B. Unter den Linden 13-15 ist für 310Mio DM an die Deutsche Bank gegangen - so wenig war die DDR wert?

Und, wie erstaunlich, gab es für die Beschäftigten keine Möglichkeit der Bildung einer AG, der man die Betriebe übertragen hätte. Die Regel war, dass selbst bei funktionierenden und rentablen Betrieben mit vollen Auftragsbüchern diese ihre Geschäftstätigkeit unter Treuhandregie nur fortführen konnten, wenn ein westdeutscher Geschäftsführer und Gesellschafter einstieg. Wichtige Produktionsunterlagen, Ergebnisse aus Neuentwicklungen verschwanden einfach und wie durch Zauberhand gingen diese Unternehmen dann oftmals Pleite.

Auch wenn das Produktionsergebnis je Einwohner bei nur etwa 70 - 50 % der BRD (laut DIW) lag und das Investitionsvolumen stetig sank, sprach selbst das DIW, dem ja nun auch in der BRD Sachkunde und Objektivität anerkannt wurde 1987 davon, dass die DDR im RGW das Land mit dem höchsten Leistungsniveau ist.

Erstaunlicherweise gab es noch 1990 statistische Jahrbücher, die eine Aussage über die Wirtschaftskraft des Anschlussgebietes gaben, danach wurden hierüber keine Zahlen mehr veröffentlicht. Etwa, weil man sich die Frage gefallen lassen müsste, wohin denn das BIP entschwunden ist?

Die laut Einigungsvertrag verpflichtende Bestandsaufnahme des Vermögens wurde mit einem Federstrich nicht nur ignoriert sondern regelrecht abgebügelt. Ist das die Rechtsstaatlichkeit, die alle wollen?


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#25

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:12
von GZB1 | 3.287 Beiträge

@Tobeck

Bis zum Versprechen von Kohl bezüglich der Wirschafts und Währungsunion und das die DDR-Bürger die D-Mark bekommen sollten, stand die Möglichkeit einer Konföderation im Raum. Auch Tschechien und Polen hatten keine freikonvertierbare Währung bzw. eine Binnenwährung und haben es als verlängerte Werkbank des Westens geschafft. Sogar mit gewendeten Sozialisten an der Macht, mangels anderer Möglichkeiten.


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 11:44 | nach oben springen

#26

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:17
von werner | 1.591 Beiträge

@Tobeck, zu Deinem Beitrag von eben noch eine Anmerkung:

Ja, es war klar, wohin die Reise geht und auch die politischen Verhältnisse in der Sowjetunion spielten da eine Rolle. Woran man wieder erkennen kann, dass es nicht nur um die Bürger der DDR und deren Wohlergehen allein ging, alles spielte sich in einer sehr turbulenten Zeit ab.
Denn es war auch durchaus denkbar, dass der anfängliche Taumel DDR - Bürger schnell nachlässt, und die DDR - Bürger ihre Regierung wieder wegen Inkompetenz und Misswirtschaft ganz schnell noch mal zum Teufel jagt. Die "letzte Regierung" der DDR würde unter den machtpolitischen Gesichtspunkten der BRD auf Grund der fehlenden Kompetenz überhaupt nicht als regierungsfähig akzeptiert werden. Und ich denke, darüber war sich Kohl schon im Klaren und hat genau diese Schwäche und das Andienern der Selbstgefälligen gerne angenommen, um sein Spiel zu spielen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#27

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:25
von GZB1 | 3.287 Beiträge

@ werner

ich denke eher, diese Personen wurden gezielt aus diesen Gesichtspunkten ausgewählt!
Das große "Spiel" war schon länger vorher im Gange. Nach meiner Meinung schon seit 1985/86.


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 11:29 | nach oben springen

#28

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:30
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Zitat von Tobeck
(...)Eines sollte man immer bedenken - man hatte ein "Experiment" durchzuführen, für das es keine Erfahrungswerte gab. Man hatte nur Erfahrungen mit der Umstellung von Marktwirtschaft auf Planwirtschaft, aber nie mit dem umgekehrten Fall.


Das stimmt. Allerdings gab es anfangs der 80er Jahre "Süderweiterungen " der EU (Griechenland, Spanien, Portugal), wobei man lange Laufzeiten hatte, um die teilweise maroden Staatswirtschaften zu sanieren. Die deutsche Einheit zählt allerdings nicht als EU Erweiterung und musste fast vollständig aus der Staatskasse der BRD und nicht aus der EU Gemeinschaftskasse bezahlt werden. Viele BRD Bürger fühlten sich damals etwas "gerupft". Als leistungsfähigstes Land der EU zuerst die Südländer bezahlen und dann gleich wieder in die DDR einzahlen.
Theo


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#29

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:35
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Da stellt sich doch die Frage, warum D immer wieder als Zahlmeister Europas auch in der heutigen Zeit herhalten muss.
Ich sehe darin ein System!

Zitat

Zitat von Tobeck
...Nach einer Aussage eines politischen Beraters der britischen Premierministerin Thatcher, soll diese wütend gewesen sein, dass die Deutschen den sowjetischen Truppenabzug für 12 Mrd. DM bekamen - "die hätten auch 100 Mrd. zahlen können." ...


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 11:37 | nach oben springen

#30

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:36
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von GZB1
@ werner

ich denke eher, diese Personen wurden gezielt aus diesen Gesichtspunkten ausgewählt!
Das große "Spiel" war schon länger vorher im Gange. Nach meiner Meinung schon seit 1985/86.



Du könntest recht haben, denn die "Kontakte" z.B. der "Umweltbibliothek" in den Westen waren schon lange vor 1989 sehr intensiv . . .


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#31

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 11:39
von GZB1 | 3.287 Beiträge

@Werner,
ich meinte das "große Spiel", nicht das kleine in der DDR, auch wenn es ein wichtiger Eckstein war!

Hier auch lesenswert:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682657.html

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13686040.html

Wendemanöver
http://www.perlentaucher.de/buch/22960.html

Länderspiel
http://www.buchfreund.de/Laenderspiel-Ei...2,33219448-buch


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 12:16 | nach oben springen

#32

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 13:20
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von werner
@Tobeck, Wo kann man denn die von Dir genannten Daten mal nachlesen? Eine Quelle hast Du ja leider nicht angegeben . . .
Dass die BPB unter einem politischen Auftrag ihre Veröffentlichungen erstellt, sollte auch Dir klar sein. Insofern sind derartige Veröffentlichungen durchaus zu hinterfragen und sind ganz bestimmt auch nicht neutral und objektiv.

Neulich kam auf Phoenix unter dem Titel „Beutezug Ost“ ein Beitrag, der Deine Ansagen gewissermaßen relativiert. Und auch in dem Buch „Die Liquidatoren“ liest sich das ein wenig anders. Hieraus habe ich einige der folgenden Fakten entnommen.



Ich hatte in meinem Beitrag sogar zwei Quellen angegeben - dort ist alles nachlesbar. Die eine Quelle besteht selbst aus mehreren Quellen, aus einem Interview mit zahlreichen Personen, auch Wirtschaftswissenschaftlen, Politik- und Verwaltungswissenschaftlern, Universitätsmitarbeitern u.s.w..
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/380155/
http://www.bpb.de/wissen/025720317523949...stalt.html#art1

In der von Dir zitierten Quelle (Phoenix) steht auch nichts anderes, als ich geschrieben habe:

Zitat
20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung geht die ZDF-Dokumentation "Beutezug Ost" der Frage nach: Wie konnte aus dem Wert der DDR-Betriebe, den der erste Treuhandpräsident Detlev Rohwedder auf 600 Milliarden D-Mark schätzte, ein Milliardendefizit werden? Die Treuhandanstalt, zuständig für die Privatisierung der DDR-Betriebe, hinterließ einen Schuldenberg von 250 Milliarden D-Mark (zirka 125 Milliarden Euro).

Als am 1. Juli 1990 die DDR-Mark im Verhältnis 1:1 und 1:2 in D-Mark umgetauscht wurde, vervielfachten sich die Lohn- und Herstellungskosten für die DDR-Betriebe. Mit der Währungsunion brach der Absatz selbst lukrativer Betriebe schlagartig ein. Edgar Most, der ehemalige Vizepräsident der DDR-Staatsbank, sieht in der D-Mark-Umstellung die Hauptursache für den Untergang der DDR-Industrie.



Zitat von werner

Und was Du dort als Argument anführst, dass die Betriebe nur das wert sind, was jemand dafür bezahlen will, ist widergekautes Zeitungsunwissen. Für die platte Aussage „Etwas ist nur soviel wert, wie anderer bereit ist dafür zu zahlen . . .“ würdest Du bei jedem Prof. von Heidelberg bis Hamburg nicht nur mit einem Stirnrunzeln belohnt werden und zum anderen im Falle der Betriebe der DDR ist die Preisbildung nicht durch eine Marktsituation entstanden sondern künstlich erzeugt.

Wenn es nur „einen Käufer" gibt und andere nicht zugelassen werden, gibt es auch keine Preisbildung, sondern es werden Mondpreise gemacht. (In der anderen Richtung funktioniert es übrigens genauso). Eine Verpflichtung zur europaweiten Ausschreibung gab es damals noch nicht . . . Dann hätte die "Treuhand" ihrem Auftrag wohl auch gerecht werden müssen und das Beste aus dem ihr anvertrauten Vermögen rausholen müssen.



Zeitungsunwissen? Dieser Wert entspricht genau dem Liquidationswert, nur der ist beim Verkauf relevant und nicht ein Wiederbeschaffungswert, Ertragswert oder andere Bewertungen. Und es wurden selbstverständlich mehrere Käufer zugelassen. Da die Unternehmen ohnehin keine hohen Kaufpreise erzielen konnten - die Preisunterschiede waren nur gering - wurde zusätzlich noch ein Unternehmensplan verlangt, in Einzelfallprüfungen, hier nachzulesen:

Zitat
Wolfgang Seibel: Das beruhte nämlich darauf, dass man einen Unternehmensplan verlangte von dem Investor und der Kaufpreis spielte eine weitgehend untergeordnete Rolle, weil klar war, dass die Unternehmen so schwach waren von ihrer Ertragslage her, dass man sich daran nicht würde gesund stoßen können. So dass die Treuhand-Anstalt tatsächlich etwas getan hat, was ihr umgekehrt etwa von neoliberaler Seite vorgehalten wurde, nämlich dass sie in eine ziemlich gründliche Einzelfallprüfung eingetreten ist. Und hier ist es sehr oft zu Entscheidungen gekommen, wo nicht derjenige den Zuschlag erhalten hat, der vielleicht ein bisschen mehr Geld bezahlt hätte, wenn andere Unternehmenskonzepte vielversprechender waren.



Zitat von werner

Und ich kann mich nicht erinnern, dass in der BRD heute Betriebe, die nicht rentabel arbeiteten für 1EURO den Besitzer wechseln, selbst bei Insolvenzen nicht. Das nennt man Untreue.


Selbstverständlich gibt es heute Fälle, wo nur ein symbolischer Preis von einem Euro gezahlt wird, wenn das Unternehmen nichts mehr wert ist, saniert werden muss und nicht rentabel ist. Was soll daran Untreue sein?

Zitat von werner

Erstaunlicherweise war dieser Vorgang aber staatlich sanktioniert beim Verscherbeln der Betriebe und eher die Regel als die Ausnahme. Firmen haben immer neben dem reinen Sachwert einen „Goodwill“.



Der Staat hatte natürlich ein Interesse daran, das zu erzielen, was möglich war. Warum sollte er sich selbst schädigen? Und der Goodwill ist auch Teil des Kaufpreises. Nur was nützt das, wenn für das gesamte Unternehmen niemand viel zahlen will?

Zitat von werner

Und weiter wäre zu berücksichtigen, dass laut Rohwedder der Treuhandanstalt nur etwa 40% der DDR übertragen wurden, der weitaus größere Teil dieses gigantischen Deals ging über andere Kanäle, die zum großen Teil im Dunkeln liegen. Das waren u.a. Wohnungen, Gebäude und Grundstücke staatlicher Einrichtungen, der bew. Organe, Sondervermögen der DR, der Post, Botschaften und Residenzen . . . Wert ca. 800Mrd DM!! Die Gewinne hieraus werden in die düstere Rechnung dem Zweck folgend natürlich nicht eingerechnet. Diese Einnahmen hat man versucht geheimzuhalten, einiges ist aber doch hochgekommen. Z.B. Unter den Linden 13-15 ist für 310Mio DM an die Deutsche Bank gegangen - so wenig war die DDR wert?

Und, wie erstaunlich, gab es für die Beschäftigten keine Möglichkeit der Bildung einer AG, der man die Betriebe übertragen hätte. Die Regel war, dass selbst bei funktionierenden und rentablen Betrieben mit vollen Auftragsbüchern diese ihre Geschäftstätigkeit unter Treuhandregie nur fortführen konnten, wenn ein westdeutscher Geschäftsführer und Gesellschafter einstieg. Wichtige Produktionsunterlagen, Ergebnisse aus Neuentwicklungen verschwanden einfach und wie durch Zauberhand gingen diese Unternehmen dann oftmals Pleite.



800 Mrd. DM und keiner hat´s gemerkt, was sich andere angeeignet haben? Da haben die Staatsanwaltschaften Anklagen erhoben, wo es um zwei oder dreistellige Millionenbeträge ging, aber die 800 Mrd. sollen Ihnen entgangen sein. Ich habe schon bessere Verschwörungstheorien gelesen.

Zitat von werner

Auch wenn das Produktionsergebnis je Einwohner bei nur etwa 70 - 50 % der BRD (laut DIW) lag und das Investitionsvolumen stetig sank, sprach selbst das DIW, dem ja nun auch in der BRD Sachkunde und Objektivität anerkannt wurde 1987 davon, dass die DDR im RGW das Land mit dem höchsten Leistungsniveau ist.



50 - 70 %? Da kommen aber andere zu anderen Werte, nämlich nur 27 %:
Wolfgang Seibel (Hrsg.): „Verwaltete Illusionen: Die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt und ihre Nachfolger 1990–2000“, Campus Verlag 2005

Das das Leistungsniveau am höchsten war, wird nicht bestritten. Aber nur im Verbund mit den anderen Staaten im Osten konnte die Industrie unverändert fortbestehen.


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 15:03 | nach oben springen

#33

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 13:23
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von werner

Erstaunlicherweise gab es noch 1990 statistische Jahrbücher, die eine Aussage über die Wirtschaftskraft des Anschlussgebietes gaben, danach wurden hierüber keine Zahlen mehr veröffentlicht. Etwa, weil man sich die Frage gefallen lassen müsste, wohin denn das BIP entschwunden ist?



Mit den DDR-Wirtschaftsstatistiken verhielt es sich ähnlich wie mit den Wahlergebnissen. Da kam man doch tatsächlich zu dem Ergebnis, das das BIP/Kopf der DDR höher sei als in Großbritannien, die Produktivität höher als in Italien und Japan. Ausgerechnet Japan, dessen Produktivität zeitweise sogar noch höher als die in Westdeutschland war. Diese geschönten Statistiken waren auch ein Grund für die Fehleinschätzungen der Politiker. Hier die Studien:

http://von-der-lippe.org/dokumente/DDR-SZS.pdf
http://www.uni-due.de/imperia/md/content...de_der_ddr2.pdf


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 14:56 | nach oben springen

#34

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 21:00
von werner | 1.591 Beiträge

Das war gar nicht die Frage, die Frage ist doch vielmehr, warum entgegen der vertraglichen Verpflichtung keine "Schlussbilanz" des Anschlussgebietes erstellt wurde und über Jahre hinweg ebenso keine Statistiken erstellt wurden. Diese Frage sehe ich nirgends beantwortet.

Zu Deinem Kommentar:

Ich gehe mal davon aus, dass auch das DIW wusste, dass die Bilanzen, wie überall so aufbereitet werden, dass sie die gewünschten Informationen liefern und diese Kenntnis über die Schönung in ihren Einschätzungen durchaus mit Abschlägen berücksichtigt hat. Denn die Art der Aufbereitung war keineswegs ein Geheimnis, über das der Herr Prof erstaunt sein müsste, jeder Betriebsleiter eines Kombinates wusste, wie seine Zahlen zustande kamen. Das wusste man also auch im Westen und konnte das entsprechend der eigenen Sichtweise einordnen.

Nicht umsonst werden selbst heute Bilanzen hinterfragt, und unterschieden ob z.B. nach IFRS oder HB II bilanziert wurde. Und wenn ich den Hr. v.d. Lippe richtig verstanden habe, hat es damals international lange gedauert, bis man sich auf Grundstandards verständigen konnte. (Und wenn ich nur an das westliche Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Island und seine Bilanzen denke . . ., weiß, was diese Ansprüche der Enquette - Kommission wert waren und dass dieser Bericht auch nur politisch beauftragt wurde und der Herr Prof entsprechend seiner unverkennbaren politischen Haltung abwertend formuliert hat. Nur so nebenbei bemerkt.

Auch der Hr. Prof v.d. Lippe hat in seiner Einleitung die Legitimität der unterschiedlichen statistischen Betrachtungsweise eingeräumt: Zitat: "Es sollte nicht vergessen werden, daß die Wertmaßstäbe in Ost- und Westdeutschland ganz unterschiedlich waren. Gemessen an den eigenen, von einer Planwirtschaft geprägten Maßstäben war die DDR-Statistik gut, aber gemessen an Maßstäben einer "westlichen Demokratie", wie sie inzwischen auch auf internationaler Ebene wiederholt formuliert worden sind, war sie ein krasses Negativbeispiel für eine amtliche Statistik." Also auch nur eine Frage des Betrachters und Auftraggebers.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
zuletzt bearbeitet 14.04.2011 21:01 | nach oben springen

#35

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 14.04.2011 21:14
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von eisenringtheo
Könnten auch Aufgabenstellungen für eine Arbeit in einer oberen Klasse sein.

Hast recht, ist ja nicht das einzige Forum wo's gepostet wurde. Nur auch dort, Account gebastelt, Frage reingerotzt und ... nix! Naja, die heutige Jugend *tststs*

P.S. Also, allen Beteiligten in diesem Thread, noch viel Spazzz bei der Klassenarbeit *grins*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 14.04.2011 21:15 | nach oben springen

#36

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 15.04.2011 18:31
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von GZB1
@Tobeck

Bis zum Versprechen von Kohl bezüglich der Wirschafts und Währungsunion und das die DDR-Bürger die D-Mark bekommen sollten, stand die Möglichkeit einer Konföderation im Raum. Auch Tschechien und Polen hatten keine freikonvertierbare Währung bzw. eine Binnenwährung und haben es als verlängerte Werkbank des Westens geschafft. Sogar mit gewendeten Sozialisten an der Macht, mangels anderer Möglichkeiten.



Die Alternative, einen anderen Weg einzuschlagen, so wie die anderen osteuropäischen Staaten, ist schon ein interessanter aber komplexer Aspekt, der nicht so leicht zu beantworten ist. Dabei stellen sich einige Fragen:

1. War ein alternativer Weg von der DDR-Bevölkerung und der Politik überhaupt gewünscht und damit realistisch?

2. Sind die Menschen in Polen, Tschechien u.s.w. heute zufriedener als in Ostdeutschland? Dazu müßte man eine länderübergreifende Umfrage machen. Vielleicht gab es solche Umfragen schon.

3. Wie ist die Einkommenssituation, die Arbeitslosigkeit, das Sozialsystem, die öffentliche Infrastruktur heute im Vergleich?

4. Wie groß war und ist die Auswanderung, auch die temporäre Auswanderung (z.B. als Saisonarbeitskräfte)? Das muß bei der Arbeitslosenstatistik berücksichtigt werden! Wieviel Geld fließt durch die Auswanderer in die alte Heimat zurück?

5. Welchen Anteil am Wirtschaftswachstum hatten die Unterstützungen durch die EU, aus den EU-Strukturfonds und den Agrarsubventionen?


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#37

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 15.04.2011 20:55
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Tobeck

Zitat von GZB1
@Tobeck

Bis zum Versprechen von Kohl bezüglich der Wirschafts und Währungsunion und das die DDR-Bürger die D-Mark bekommen sollten, stand die Möglichkeit einer Konföderation im Raum. Auch Tschechien und Polen hatten keine freikonvertierbare Währung bzw. eine Binnenwährung und haben es als verlängerte Werkbank des Westens geschafft. Sogar mit gewendeten Sozialisten an der Macht, mangels anderer Möglichkeiten.



Die Alternative, einen anderen Weg einzuschlagen, so wie die anderen osteuropäischen Staaten, ist schon ein interessanter aber komplexer Aspekt, der nicht so leicht zu beantworten ist. Dabei stellen sich einige Fragen:

1. War ein alternativer Weg von der DDR-Bevölkerung und der Politik überhaupt gewünscht und damit realistisch?

2. Sind die Menschen in Polen, Tschechien u.s.w. heute zufriedener als in Ostdeutschland? Dazu müßte man eine länderübergreifende Umfrage machen. Vielleicht gab es solche Umfragen schon.

3. Wie ist die Einkommenssituation, die Arbeitslosigkeit, das Sozialsystem, die öffentliche Infrastruktur heute im Vergleich?

4. Wie groß war und ist die Auswanderung, auch die temporäre Auswanderung (z.B. als Saisonarbeitskräfte)? Das muß bei der Arbeitslosenstatistik berücksichtigt werden! Wieviel Geld fließt durch die Auswanderer in die alte Heimat zurück?

5. Welchen Anteil am Wirtschaftswachstum hatten die Unterstützungen durch die EU, aus den EU-Strukturfonds und den Agrarsubventionen?





Über die tschechische Republik weiss ich ein bischen, weil ich öfter dort bin.
Meine Schwiegermutter hat ihr Leben lang gearbeitet und bekommt etwa 10.000 czk eigene Rente ( Tschechische Krone 1 € = 24,2 czk also etwa 416 €), sie ist Witwe und bekommt keine Witwenrente ( ist in der CZ nicht bekannt ). ( nach 40 Jahren Arbeit und 2 Kinder )
Meine Frau überweist regelmäßig Geld, damit die Schwiegermutter (über)leben kann.
Preisniveau : Im Land hergestellte Lebensmittel sind preisgünstiger als in D, Importlebensmittel sind genauso teuer wie bei uns.
Industrieartikel wie Elektronik, Autos ( gleiche Angebot wie D)genau so teuer wie bei uns, Benzin und Diesel, etwas günstiger ca 15 %
Ein Arzt verdient 25000 czk = 1.000 € ( ich glaube dafür würde Huf morgens nicht aufstehen ). Viele Ärzte pauken intensiv deutsch und haben ihre Arbeitsstellen gekündigt. Sie werden wohl ab Mai hier auftauchen. Die tschechischen Patienten bekommen dann allerdings Probleme, weil keine Ärzte mehr da sind. Das ist Europa. Die Infrastruktur Autobahnen, Strassen sehr gut ausgebaut, Städte sehen nun auch gepflegt aus.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#38

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 15.04.2011 21:38
von Huf (gelöscht)
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@Gert, das Engagement für Deine Schwiegermutter ist hoch beachtenswert! Auch wir, meine Frau und ich, unterstützen im engeren Familienkreis Leute finanziell, damit diese über die Runden kommen. Und das machen wir, wie Du gern. Die Familie hat eine große Bedeutung für uns, für Dich offensichtlich auch.
Ich bin davon überzeugt, dass diese familiäre Fürsorge, wie von Dir beschrieben, im großen Maßstab auch in D stattfindet, nämlich von Großeltern, mit noch sicherer Rente, an Kinder und Enkel.

Auch wenn es für Dich, @Gert, und manchen Leser hier unglaubhaft klingen mag, ich frage nie, was ich bekomme für meine Tätigkeit, wenn ich morgens aufstehe.
Die Frage der Absicherung heißt nämlich "sozial" und das ist viel mehr, als finanziell.

Ungeachtet meines Einwandes ist beispielsweise das soziale Engagement für Deine Schwiegermutter viel höher einzuschätzen, als das Gefasel vom Sozialstaat von überbewerteten Politikern, egal, wo auf der Welt.

VG aus Hufland, Huf


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#39

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 16.04.2011 10:10
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Huf
@Gert, das Engagement für Deine Schwiegermutter ist hoch beachtenswert! Auch wir, meine Frau und ich, unterstützen im engeren Familienkreis Leute finanziell, damit diese über die Runden kommen. Und das machen wir, wie Du gern. Die Familie hat eine große Bedeutung für uns, für Dich offensichtlich auch.
Ich bin davon überzeugt, dass diese familiäre Fürsorge, wie von Dir beschrieben, im großen Maßstab auch in D stattfindet, nämlich von Großeltern, mit noch sicherer Rente, an Kinder und Enkel.

Auch wenn es für Dich, @Gert, und manchen Leser hier unglaubhaft klingen mag, ich frage nie, was ich bekomme für meine Tätigkeit, wenn ich morgens aufstehe.
Die Frage der Absicherung heißt nämlich "sozial" und das ist viel mehr, als finanziell.

Ungeachtet meines Einwandes ist beispielsweise das soziale Engagement für Deine Schwiegermutter viel höher einzuschätzen, als das Gefasel vom Sozialstaat von überbewerteten Politikern, egal, wo auf der Welt.

VG aus Hufland, Huf



@Huf, danke für die Blumen, das ist aber für uns selbstverständlich erstens weil sie enge Verwandte sind aber auch weil wir mehr haben und davon abgeben können.
Bitte nimm das Beispiel mit dem Arztlohn nicht persönlich, ich bin sicher dass du vor einer ärztlichen Hilfe nicht nach dem Lohn fragst.
ich wollte damit nur verdeutlichen, wie das Lohngefälle z.B. für Ärzte zwischen Tschechien und D ist. Der Durschnittslohn in Tschechien liegt bei etwa 20.000 czk das sind 825 €. Ich denke, das muss man mal sehen, wenn einige von einem selbstständigen Aufbau der Wirtschaft und einer Konförderation DDR- BRD sprechen. Bie diesen Löhnen würde die DDR stehen, wenn sie den Weg in den letzten 21 Jahren allein gegangen wäre. Nach Ansicht von Experten braucht Tschechien noch 30 Jahre um die Kaufkraft von Frankreich und D zu erreichen.

Gruß Gert


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Geld ist geprägte Freiheit!
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#40

RE: DDR Übergang in die BRD

in Das Ende der DDR 17.04.2011 14:49
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von Gert

Über die tschechische Republik weiss ich ein bischen, weil ich öfter dort bin.
Meine Schwiegermutter hat ihr Leben lang gearbeitet und bekommt etwa 10.000 czk eigene Rente ( Tschechische Krone 1 € = 24,2 czk also etwa 416 €), sie ist Witwe und bekommt keine Witwenrente ( ist in der CZ nicht bekannt ). ( nach 40 Jahren Arbeit und 2 Kinder )
Meine Frau überweist regelmäßig Geld, damit die Schwiegermutter (über)leben kann.
Preisniveau : Im Land hergestellte Lebensmittel sind preisgünstiger als in D, Importlebensmittel sind genauso teuer wie bei uns.
Industrieartikel wie Elektronik, Autos ( gleiche Angebot wie D)genau so teuer wie bei uns, Benzin und Diesel, etwas günstiger ca 15 %
Ein Arzt verdient 25000 czk = 1.000 € ( ich glaube dafür würde Huf morgens nicht aufstehen ). Viele Ärzte pauken intensiv deutsch und haben ihre Arbeitsstellen gekündigt. Sie werden wohl ab Mai hier auftauchen. Die tschechischen Patienten bekommen dann allerdings Probleme, weil keine Ärzte mehr da sind. Das ist Europa. Die Infrastruktur Autobahnen, Strassen sehr gut ausgebaut, Städte sehen nun auch gepflegt aus.

Gruß Gert




Zitat von Gert

Ich denke, das muss man mal sehen, wenn einige von einem selbstständigen Aufbau der Wirtschaft und einer Konförderation DDR- BRD sprechen. Bie diesen Löhnen würde die DDR stehen, wenn sie den Weg in den letzten 21 Jahren allein gegangen wäre. Nach Ansicht von Experten braucht Tschechien noch 30 Jahre um die Kaufkraft von Frankreich und D zu erreichen.



Gert, weißt Du zufällig auch noch wie hoch die Mieten und Wohnungs- bzw. Hauspreisen in Tschechien sind? Das ist ja in der Regel der größte Haushaltsposten.

Dein Beitrag über Tschechien, aber auch die Situation in Polen und die große Zahl an ausgewanderten Polen zeigt, dass der alternative Weg, ein selbständiger Aufbau der Wirtschaft in der DDR, alles andere als einfach gewesen wäre.


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