#1

lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 04.04.2011 20:16
von Thomas-Porta | 55 Beiträge

Bei einem lockeren Bierabend waren die Freunde meines Sohnes zu Gast, welche alle entweder bei der Bundeswehr waren oder sind. Ich glaube, sie haben meine kleinen Geschichten im Zusammenhang mit NVA bzw GT nicht so ganz geglaubt.

Ich erzählte von:
-Winter 1978/79, extrem viel Schnee, wir saßen 2 Tage im Bahnhof Leipzig fest um nach Falkensee zu kommen, trotz Pferdedecke-sprich Wintermantel und immer langer Unterwäsche froren wir -bedingt durch die Halbschuhe zur Ausgangsuniform
-wir wurden entweder in der Braunkohle als Helfer oder zum Eisschollen sprengen eingesetzt in diesem extremen Winter
-im Zimmer ein Radio, auf welchen die Sender der DDR mit kleinen Pflasterstreifen gekennzeichnet waren, und beim Betreten des Zimmers klopften wir an und gingen rein, so wussten die Zimmerinsassen-es waren die Zimmerkameraden (leider war in unserem Block eine Etage tiefer der OVD- so fiel das Trinken leise aus und es gab kaum Lärm oder Aktionen auf den Fliesen (Kugel rollen oder Schildkröte wie bei den Mucker-Einheiten)
-Urlaub zweimal im halben Jahr und wenn man Pech hatte und war Eisenschwein-Fahrer wurde der Urlaub wegen der bekannten Gefechtbereitschaft gestrichen (die Bundeswehr geht 17 Uhr nach Hause)
-wir Pioniere hatten zusätzlich zur schwarzen Kombi sowohl zweiteilige Arbeitskombi als auch eine Arbeitswatteuniform, die z.B. blau war und nicht grau , diese blaue Watteuniform trug ich beim letzten Feldlager zur Pionierausbildung, alles graue Watteuniformträger und ein blauer Punkt dazwischen
(an Maßband(Kontrolle!) und Löffel mit Kragenbinde auf einen hohen Punkt am Baum annageln will ich gar nicht erwähnen, glaubt mir die Burschen auch nicht)
-einige unsere Zimmergenossen wurden von Falkensee an die grüne Grenze lange Zeit kommandiert, so dass Ihr Spind immer zum Einlagern von diversen Getränken diente
-bei den Stiefeln auf der Sohle den Steg zwischen Absatz und Fußsohle mit Schuhcreme eincremen...??!!

Hattet ihr auch Gespräche mit euren Kindern oder deren Freunde in dieser Art und Weise...
Es kommt noch dazu, das auch Gespräche mit Gleichaltrigen ähnlich liefen, weil ich in den alten Bundesländern seit 1990 arbeitete

Thomas
GAR40 Pionierkompanie Falkensee(Nov.1978-April 1980)


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#2

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 01:47
von Bongo (gelöscht)
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hallo Thomas,

irgendwie muß ich immer innerlich grinsen wenn hier in den verschiedensten Beiträgen etwas übertrieben gesagt hier die "Weicheier" von der BW und dort die "harten Jungs" von der NVA speziell von den GT stilisiert werden. Ich frag mich, ob da nicht manchmal ein ganz ganz klein wenig Neid zum Vorschein kommt und die Mangelwirtschaft hochstilisiert wird, nach dem (übrigens auch im Westen gern vorgebrachten) Motto "was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter".
Ich habe auch 78/79 gedient, aber auf der anderen Seite vom Zaun.
Auch bei uns war der Winter genauso hart und kalt. 14 Tage TÜP Hohenfels waren da auch kein Zuckerschlecken. Natürlich haben wir in Baracken übernachtet und natürlich gab es keinen Mangel an Heizmaterial und natürlich hatten wir alle einen gefütterten Schlafsack (gab es sowas bei der NVA überhaupt? bisher habe ich hier immer nur von Wintermantel und "Pferdedecke" gelesen).
Streife laufen im Mun-Lager und Fahrzeugwache machen bei solchen Temparaturen auch nicht soooo viel Spass. Da wurde auch alles angezogen; angefangen von kurze Unterhose, lange Unterhose, Trainingshose Arbeitshose. Und oben ähnlich + gefüttertem Parka (dfie Filzläuse waren zum Glück schon ausgemustert). In den Stiefeln selbstgebastelte Einlagesohlen aus Zeitungspapier oder dünnem Styropor und 2 Paar Socken (eigentlich immer zum besseren Marschieren). War das jetzt schon wieder zu weicheierig??? Nööö, denn ein 20-km-Marsch durfte da auch noch mit schweren Waffen (MG, Panzerfaust) erledigt werden.

Genauso haben bei uns die Braunkohletagebaue eben funktioniert und wenn Kohle eingefroren ist im Eisenbahnwaggon wurde sie eben mit entsprechendem Gerät gelöst. Ich war doch bei der Bundeswehr und nicht Sklave in der Industrie.
Und das mit Dienstschluss um 17 Uhr das ist natürlich immer deeer Aufhänger, genauso die Wochenendheimfahrten.
Ja sorry, wenn eure Staatsführung in paranoider Anwandlung eine ständige Gefechtsbereitschaft aufrechterhalten muß. Selber schuld und Pech gehabt eben irgendwie.
Ich bin mir ziemlich sicher, auch die Führung im Osten wußte ganz genau, dass ein Überaschungsschlag der Nato sehr sehr unwahrscheinlich war. Sie war ja bestens informiert (Respekt, ehrlich). Auch sie wußte, dass es vor einem Angriff sicher eine gewisse Spannungsphase geben würde mirt einem gegenseitigen Hochschaukeln. Und dann wäre bei der BW am WE und nach Dienstschluß die Kaserne sicher auch nicht leer gewesen, oder insofern leer, dass die Truppe eben im Verfügungsraum gelegen hätte.
Also warum soll ich dann in der Kaserne abhängen? Jeden Abend nach Dienstschluß draußen einen drauf machen scheiterte schon an der Kohle (denn die Heimfahrt am WE kostete ja auch Fahrgeld/Sprit). Also saßen auch viele eben auf der Bude und lasen oder beschäftigten sich sonst irgendwie. Und es soll - ganz ganz dunkel erinnere ich mich - auch Tage gegeben haben, da war die Ausbildung oder sogar der Dienst so anstrengend, dass man einfach keinen Bock mehr hatte noch etwas zu unternehmen. Und übrigens, Alk sprich Bier (harte Sachen soff meist nur der Spieß, abgesehen von Apfelkorn, dieses Gesöff kam in diesen Jahren ja sehr in Mode).
Radio hören? kein Problem, stand auf jeder Bude eines (mußte beim Stubendurchgang eben verschwinden wegen der GEMA). Wir hatten sogar einen kleinen tragbaren Fernsehapparat auf der Stube (aber das war schon fast grenzwertig).
Aber auch das mit freiem WE und frühem Dienstschluß relativiert sich bei den Einheiten, die selber Wache schieben mußten und nicht wie heute von irgendwelchen Wachonkels bewacht wurden.
Als Infantrieeinheit (ich weiß heute gehören die Grenadiere zu den Panzertruppen, aber in der Heeresstruktur IV(??) gehörten wir noch zur Infantrie. So stehst in meinen Aufschrieben und zudem hatten wir auch die grüne Schulterlitze) hatten wir MunLager-Wache, Kasernenwache, jeweils Nachtverstärkung, Kasernenbereitschaft (keine Ahnung mehr, was das eigentlich war) und zusätzlich Bereitschaft für ein Sonderwaffenlager (durchgängig eine Woche aufgerüstet) zu stellen, so dass in den 15 Monaten da auch einiges zusammenkam. Aber man hatte eben auch die Möglickeit, so man nicht zu weit weg wohnte, wenn man bspw. Nachtverstärkung Sonntag auf Montag hatte Freitagnachmittags abzudüsen und Sonntags zum Waffenempfang und zur Wachbelehrung und Vergatterung wieder da zu sein. (Falls jemand mit dem Begriff Nachtverstärkung nichts anfangen kann: tagsüber patroulierte im Munlager und in der Kaserne immer eine Doppelstreife, nachts wurde diese durch eine weitere Doppelstreife verstärkt Dauerte wimre von abends 6 bis morgens 6 und wehe der wachfahrer war nicht pünktlich.
Ach ja und das Schönste an der Wache war - und darum war mir Wacheschieben nicht so ungelegen - der DIENSTAUSGLEICH sprich ZUSATZURLAUB!!!
Andere Sachen waren dann wieder "gesamtdeutsch" trotz Teilung. So z.B. Maßband mit Kontrolle, Vize (6 Monate vor Entlassung) und Reservisten (3 Monate vor Entlassung). Nur diese menschenverachtenden Zeremonien wie Musikbox und Schildkröte gab es bei uns nicht. Sicher in der Stammeinheit versuchten die Vize und Reservisten die Neuen zu duschen oder ähnlichen eher harmlosen Unfug.
Auch der intensive Gebrauch von Schuhwichse (und das war echt Qualitätsware, u.a. zum Abdichten der Kampfstiefel) ist mir noch in guter Erinnerung. Ob der Steg auch schwarz gemacht werden mußte, kann ich heute nicht mehr ganz sicher sagen. Aber die schönen Halbschuhe haben wir ja immer geschont und im Spind stehen lassen. Denn wer ließ sich denn schon im kleinen Diener in der Zivilisation blicken wenn er nicht unbedingt mußte.
Auf alle Fälle mußten die Kampfstiefel geschwärzt werden, denn die Bw hatte in jener Zeit eine Fehllieferung brauner Kampfstiefel erhalten und diese mußten dann eben mit Schuhcreme geschwärzt werden. Mit der Folge, dass es schöne schwarze Streifen auf dem Linoleumboden der Bude gab, die dann spätestens Freitags vor dem Stubendurchgang mittels Acopads wieder entfernt werden mußten bevor der Boden gebohnert werden konnte.
Und ich nehme an das Wissen um die verschiedenen Schmutzstellen, die immer blieben und wo die Uffze dann immer ihr Staubkorn fanden, hat sich wahrscheinlich von der Wehrmacht gleichmäßig auf NVA und BW verteilt.
Ähnlich wird es sich mit den dummen Sprüchen der Unterführer verhalten, die sicher auch grenzenlos sind wie die "Elefanten" im G3- oder MG-Lauf nach dem Waffenreinigen, oder das berühmte "können Sie mich noch sehen?" nach der "Auslösung einer Staubwolke beim Stubendurchgang.

Wie es heute beim Bund zugeht weiß ich nicht, aber so ganz die Luschen waren wir früher doch auch nicht, gell???

Wer Ironie, Rechtschreibfehler, Schadenfreude?, Mitleid? findet, darf alles behalten. Nix für ungut.

Bongo


coldwarrior67 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 08:25
von Thomas-Porta | 55 Beiträge

Moin Bongo,

Deine Antwort find ich super, ausgenomen dass ich niemanden mit Weichei oder ähnlichem tituöieren wollte, aber Ironie und etwas
Augenzwinkern finde ich bei diesem Thema einfach gut
Die Sprüche beim Waffenreinigen und Stubendurchgang waren wirklich abgleichbar...der wenige Urlaub, die ständige Gefechtsbereitschaft
und der nicht imer angenehme Ausgang mit den zivilen Nachbarn waren wirklich nicht angenehm und die einen haben viel gebastelt(so hatten wir immer einen Notstand an Holzklammern) die anderen getrunken und einige geheult und getrunken wenn die Freundin weg war und man kam nicht nach Hause....
Mein Gespräch war je auch mit jüngeren Männern und diese haben heute andere Verhältnisse und Anforderungen.
Aber es mutet heute komisch an, wenn man sich so unterhäl, aber damals im Dienst alles so verboten war, wie keine Unterhaltung mit dem "Gegenüber" an der Grenze, oder kein Besuch zu Hause wenn Westbesuch angekündigt war
Das typisch preußische war nichts für mich, geb ich zu, also dieser anfänglich exalte Bettenbau oder wie war oft der Satz den ich zu hören bekam..." Kragen zu und Feldmützensitz (Käppi) verbessern
Na dann bis bald
Gruß
Thomas


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#4

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 12:21
von RalphT | 878 Beiträge

Mahlzeit Bongo,

ich war etwas später bei der Bw. Einiges kannte ich genauso wie Du. Allerdings muss ich sagen, dass ich bei der Luftwaffe war und allein daher schon ein Unterschied bestand. Bei uns rannten noch ganz wenige mit braunen Stiefeln rum. Ich hatte bei meiner Einberufung 1984 schon schwarze Stiefel empfangen. Ich kenne jetzt so keinen, der z.Z. bei der Bundeswehr ist. Daher kann ich zu früher und jetzt keinen Vergleich anstellen.
Ich kann mit gut vorstellen, dass es die dumme Sprüche von Vorgesezten in Ost und West damals, sowie früher und heute genauso gibt.


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#5

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 13:57
von YYYYYYYY (gelöscht)
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Zitat
Ich kann mit gut vorstellen, dass es die dumme Sprüche von Vorgesezten in Ost und West damals, sowie früher und heute genauso gibt.




ja diese sprüche werden von ausbilder generation zu ausbilder generation weitergereicht.

ein paar beispiele die wohl jeder mal zuhören bekam der bei der BW gedient hat:

Zitat


ich bin gott, ich kann machen, daß sie alle gleich aussehen! ABC-alarm!!!

es heißt nicht endschuldigung!! Ein deutscher soldat endschuldigt sich nicht, er bettelt um harte und gerechte strafe!

dies ist ein deutsches bundeswehr-gebäude! das steht von alleine, ALSO WIRD SICH NICHT ANGELEHNT!!!

und stellen sie das blöde gegrinse ein! wenn sie sich freuen, mich zu sehen, wedeln sie von mir aus mit dem schwxxx aber stellen sie das blöde gegrinse ab!!!

soldat: "wir ziehen uns zurück!"
ausbilder: "sie können ihre vorhaut zurückziehen; WIR weichen aus!!!!"

wenn ich sage 'auf die stuben wegtreten', dann will ich nur noch verbrannten gummi riechen...

soldat meldet sich mit einem 'Yo': "
ausbilder:cowboy joe lebt in texas und fängt rinder, hier heißt das 'jawohl'!"




das sind nur einige sprüche von hundert anderen.diese sprüche gibt es heute noch.wobei man dazusagen muss,das die BW sich in den letzten jahren sehr verändert hat im bezug auf menschenführung und schliff. ich sage da nur konzept "innere führung".


coldwarrior67 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.04.2011 14:05 | nach oben springen

#6

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 14:06
von marc | 575 Beiträge

Tja, ist halt ein Unterschied ob man dienen darf oder muss!



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#7

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 14:12
von YYYYYYYY (gelöscht)
avatar

@ marc

ja das stimmt wohl. bei mir stellte sich nie die frage ,ob ich dienen muss,sondern nur: wo muss ich unterschreiben und wann geht es los.


VG


zuletzt bearbeitet 05.04.2011 14:23 | nach oben springen

#8

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 15:02
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Bongo
... Schlafsack (gab es sowas bei der NVA überhaupt? ...)


Gab's, aber nicht für die Mannschaften.


Quelle: raeer.com


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#9

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 05.04.2011 19:46
von RalphT | 878 Beiträge

@ HpTGefr82

ja, die meisten Sprüche kannte ich auch auch noch. Die jungen Leute lassen sich aber auch nichts Neues einfallen


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#10

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 06.04.2011 10:05
von Tobeck | 488 Beiträge

Zitat von Bongo
hallo Thomas,
Auch bei uns war der Winter genauso hart und kalt. 14 Tage TÜP Hohenfels waren da auch kein Zuckerschlecken. Natürlich haben wir in Baracken übernachtet und natürlich gab es keinen Mangel an Heizmaterial und natürlich hatten wir alle einen gefütterten Schlafsack (gab es sowas bei der NVA überhaupt? bisher habe ich hier immer nur von Wintermantel und "Pferdedecke" gelesen).


Hallo Bongo,
nicht immer wurde in Baracken übernachtet. Manchmal wurde auf den Truppenübungsplätzen auch im Zwei-Mann-Zelt übernachtet. Da war es im Winter selbst mit Schlafsack so kalt, dass man kaum schlafen konnte. Das man Mannschaften nicht mit Schlafsäcken ausstattet, wie in der NVA, ist nur schwer nachzuvollziehen. Was den Dienstschluss nach 17.00 Uhr betrifft, nützt das wie du schreibst, relativ wenig, wenn man 300 oder 400 Km vom Wohnort entfernt stationiert war.



Zitat von Bongo

Ja sorry, wenn eure Staatsführung in paranoider Anwandlung eine ständige Gefechtsbereitschaft aufrechterhalten muß. Selber schuld und Pech gehabt eben irgendwie.
Ich bin mir ziemlich sicher, auch die Führung im Osten wußte ganz genau, dass ein Überaschungsschlag der Nato sehr sehr unwahrscheinlich war. Sie war ja bestens informiert (Respekt, ehrlich). Auch sie wußte, dass es vor einem Angriff sicher eine gewisse Spannungsphase geben würde mirt einem gegenseitigen Hochschaukeln. Und dann wäre bei der BW am WE und nach Dienstschluß die Kaserne sicher auch nicht leer gewesen, oder insofern leer, dass die Truppe eben im Verfügungsraum gelegen hätte.


Der hohe Gefechtsbereitschaftsgrad von 85 % in der NVA war eine Forderung der Sowjets, wohl aus den Erfahrungen von 1941. Umgekehrt wurde der niedrige Bereitschaftsgrad in der Bundeswehr als Schwachpunkt gesehen, für einen Angriff des WP/WV aus dem Stand - am Besten an einem Wochenende im Juni oder Juli, um in 48 Stunden am Rhein und in 7 bis 14 Tagen am Atlantik zu sein. Hierzu meint ein höherer westlicher Offizier:


Zitat
(...)Hier war der eigentliche kritische Punkt des Kalten Krieges - die Frage, ist die Gruppe der sowjetischen Truppen zusammen mit NVA, PVA und tschechische Volksarmee in der Lage "aus dem Stand" und ohne irgendwelche Vorwarnung einen erfolgreichen Angriff gegen die NATO in West-Europa vorzutragen. Dies wurde immer und immer wieder erörtert. Die Konsequenz war die hochgradig differenzierte Alarm- und Aufmarschplanung der NATO. Einerseits sollte jede Eskalation seitens der NATO vermieden, andererseits - bei vorliegenden gesicherter Erkenntnisse - das Beziehen der Vtg-Räume imRahmen eines hochkomplexen Aufmarschplanes binnen 48 Std machbar sein.
Alle seinerzeitigen Analysen kame zu dem Ergebnis, dass die GSTD mit ihren Verbündeten zwar in der Lage war, mit 24 Std Vorbereitung einen Angriff auf die BRD und Westeuropa zu beginnen, aber ohne nachhaltige Verstärkungen aus der SU einen solchen Angriff auch bei möglichen Anfangserfolgen nicht hätte durchhalten können, zumal die NATO-Luftstreitkräfte denen des WP deutlich überlegen waren und den erforderlichen Nachschub für die Angriffsformationen unterbinden konnte. Also war Hauptaugenmerk der NATO, was denn auf den Verbindungslinien zwischen der SU und der DDR/CSSR geschieht. Da waren die Sowjets auf wenige Linien eingeengt - im Wesentlichen auf 3 Bahntrassen über die Spurwechselzone in Polen, eine Bahntrasse nach Ungarn und später die Fährverbinding Klaipeda - Mukran auf Rügen (und den Rügendamm). Mit Hilfe des in den 70er entwickelten "Side looking Airborne Radar (SLAR) und den da schon verfügbaren Satelliten war es möglich, ungewöhnliche Truppen- und Nachubverstärkungen frühzeitig zu erkennen. Damit gewann die NATO genügend Vorwarnzeit, um mit einem politischen und alarmplanmässigen Szenario einer Krise zu begegnen.(...)


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#11

RE: lustiges Gespräch zwischen einem älteren Gedienten bei den GT mit jungen Leuten von der Bundeswehr

in Grenztruppen der DDR 06.04.2011 10:27
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Durch die modernen Aufklärungsmittel wäre eine Überraschung mit konventionellen Truppen in den 80er Jahren wohl ausgeschlossen gewesen. Deshalb wurde die Gefahr eines nuklearen Erstschlages (Enthauptungsschlages) aufgrund der minimalen Vorwarnzeiten der Kurz- und Mittelstreckenwaffen umso größer, und D wäre der nukleare Hauptkriegsschauplatz gewesen. Sozusagen Hiroschima hoch 1000.


zuletzt bearbeitet 06.04.2011 10:31 | nach oben springen


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