#1

besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 25.03.2011 21:53
von Hans55 | 763 Beiträge

Hallo,alle zusammen! Das war das sogenannte"zum Vize schlagen"! Das 2.Diensthalbjahr mußte mit einem weißen Nachthemd bekleidet,auf dem Kopf den Stahlhelm mit einer brennenden Kerze durch den Kompanieflur laufen,ohne das die Kerze ausgeht! Schafften sie es nicht,mußten sie "Revierreinigen",schafften sie es haben wir einen gehoben(mit Schmuggelware).Sie haben es oft geschafft! Dann gab es noch die"Schildkröte"! Unter den Knien und Ellenbogen und auf dem Kopf wurde ein mit Kerzenwachs eingeriebener Stahlhelm befestigt. Dann ging es mit karacho und Speed durch den Kompanieflur! Hat immer einen heiden Spaß gemacht.Es war natürlich strengstens verboten,aber erwischt haben sie uns nicht! Hans 55


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#2

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 25.03.2011 22:15
von Backe | 480 Beiträge

Klaro, Vizefest war toll.
Wörter wie AUS,KAUM,BLAU,GRÜN,waren verboten.Dann kam die Frage :wann gehst du Heim?
Antwort FF , "nie" währe die richtige Antwort,also gab´s einen Schluck "Eiter" aus Tasse oder Kanne,
je nach Befindlichkeit des EK.Wer mußte noch "Eiter" trinken?
Am Ende sind alle Vize geworden und es gab Unmengen Kaffee. und Kuchen?
Bei einer Spindkontrolle wurde mir meine Vizeurkunde weggenommen.
VG aus Brandenburg


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
zuletzt bearbeitet 25.03.2011 22:17 | nach oben springen

#3

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 26.03.2011 08:25
von bendix | 2.642 Beiträge

Aufgrund des Vorkommnisses Ullrich Steinhauer beschränkte sich unser "Vizeschlagen" auf das Knicken der Schulterstücke und 1 Flasche Schnaps pro Stube,am Kanten wurde dann ein Torpedo geraucht.
Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#4

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 26.03.2011 10:05
von ABV | 4.204 Beiträge

Bei uns bestand die Vizeprüfung aus dem Rauchen einer starken Zigarre und dem Verspeisen eines riesigen Stückes eklig süsser Cremetorte. Die Zigarre musste auch von sonst "militanten" Nichtrauchern gequalmt werden! Während des gemeinsamen Rauchens mussten sämtliche Türen und Fenster fest verschlossen bleiben. Ich weiß jetzt leider nicht mehr, ob der Vizeschlag vor, oder nach der "Prüfung" erfolgte. Auf jeden Fall gab es einen Schlag mit dem Hocker auf den stahlbehelmten Kopf. Den Schlag führte ein Dachs aus, der im Bedarfsfall seinen Frust am "Neuvize" abreagieren konnte.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#5

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 26.03.2011 15:44
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von Hans55
Hallo,alle zusammen! Das war das sogenannte"zum Vize schlagen"! Das 2.Diensthalbjahr mußte mit einem weißen Nachthemd bekleidet,auf dem Kopf den Stahlhelm mit einer brennenden Kerze durch den Kompanieflur laufen,ohne das die Kerze ausgeht! Schafften sie es nicht,mußten sie "Revierreinigen",schafften sie es haben wir einen gehoben(mit Schmuggelware).Sie haben es oft geschafft! Dann gab es noch die"Schildkröte"! Unter den Knien und Ellenbogen und auf dem Kopf wurde ein mit Kerzenwachs eingeriebener Stahlhelm befestigt. Dann ging es mit karacho und Speed durch den Kompanieflur! Hat immer einen heiden Spaß gemacht.Es war natürlich strengstens verboten,aber erwischt haben sie uns nicht! Hans 55




Hallo Hans,
das rot eingef. gab es meiner Meinung nach bei den GT nicht.
Alles andere kenne ich auch so oder ähnlich.
Auf geknickte SSt wurde von unserem KC "besonderer Wert" gelegt.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, das ich die "TABI" verlassen mußte, um meine SSt. zu weckseln.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#6

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 26.03.2011 15:57
von bendix | 2.642 Beiträge

Zitat von Oss`n

Zitat von Hans55
Hallo,alle zusammen! Das war das sogenannte"zum Vize schlagen"! Das 2.Diensthalbjahr mußte mit einem weißen Nachthemd bekleidet,auf dem Kopf den Stahlhelm mit einer brennenden Kerze durch den Kompanieflur laufen,ohne das die Kerze ausgeht! Schafften sie es nicht,mußten sie "Revierreinigen",schafften sie es haben wir einen gehoben(mit Schmuggelware).Sie haben es oft geschafft! Dann gab es noch die"Schildkröte"! Unter den Knien und Ellenbogen und auf dem Kopf wurde ein mit Kerzenwachs eingeriebener Stahlhelm befestigt. Dann ging es mit karacho und Speed durch den Kompanieflur! Hat immer einen heiden Spaß gemacht.Es war natürlich strengstens verboten,aber erwischt haben sie uns nicht! Hans 55




Hallo Hans,
das rot eingef. gab es meiner Meinung nach bei den GT nicht.
Alles andere kenne ich auch so oder ähnlich.
Auf geknickte SSt wurde von unserem KC "besonderer Wert" gelegt.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, das ich die "TABI" verlassen mußte, um meine SSt. zu weckseln.

Oss`n



@Oss`n,das rot eingefärbte gab es in Falkensee im GAR,allerdings nicht beim Vizefest,aber dafür mächtig Ärger wegen "Störung der sozialen Beziehung"wie unser KC es nannte.3 Tage Arrest mit Androhnug für 14 Tage Kupfergraben,falls es noch mal vorkommen sollte.
Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#7

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 26.03.2011 20:32
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Die s.g "Schildkröte" war mit Sicherheit bei den Grenztruppen der DDR nicht so überwiegend, wie bei bestimmten Teilstreitkräften der Nationalen Volksarmee (NVA). Dies trifft auch auf das bei der NVA beliebte "Musikbox" zu. Im Rahmen des Militärstrafrechts, wurden nach bekanntwerden solcher "Spiele" sehr strenge Maßstäbe angelegt. Diese führten in den meisten Fällen zu einer Verurteilung oder Bestrafung (über Ebene Regimentskomandeur) des oder der Täter.
Obwohl solche Verhaltensweisen der Armeeangehörigen untereinander als "Störung der sozialistischen Beziehungen" und als Verstoß gegen die militärischen und strafrechtlichen Bestimmungen gewertet wurden, sahen einige Kommandeure über deratige Ereignisse hinweg und stuften diese als "kollektive Selbsterziehung" ein.
Es gab aber auch Grenzkompanieen, wo am Tag des "Anschnittes" kulturelle Ereignisse geboten wurden. Unter einem bestimmten Polit der 2. GK GR 24 wurde an diesem Tag ein Grillfest organisiert. Musikalische Untermalung wurde vom Sendekollektiv geliefert. Selbst das EK kugeln verlief in normalen Bahnen, indem sogar der sich am hinteren Ende des Flures befindliche Heizkörper mit einer Dämmatte isoliert wurde um Schaden durch eine ca. 10 kg schwere und über den Flur geschleuderte Stahlkugel zu vermeiden. Entscheidend war offensichtlich nicht der Sinn nach "Zerstörung" sondern nach Gemeinschaftssinn.
Dass es s.g. EK-Spiele auch bei den Grenztruppen der DDR gab, ist unbestritten. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass gerade in den Linieneinheiten die Gefahr bestand, dass der "Erniedrigte" bei der nächsten Gelegenheit zur geladenen Waffe griff, um sich zu rächen. Somit hielten sich die "Spielchen" in Grenzen.
Der s.g. Vizeknick in den Schulterstücken war allgemein bekannt, jedoch bei den Vorgesetzten nicht gerne gesehen, In einigen Einheiten wurde daher durch den Hauptfeldwebel (Hfw) der "Befehl" erteilt in die Schulterstücke - bei Feststellung der Knicke - diese sofort zu wechseln. Ganz extreme Hauptfeldwebel "befahlen" sogar das Einziehen von Verstärkungsstücke in die Schulterstücke.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#8

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 26.03.2011 21:16
von SEG15D | 1.128 Beiträge

Hallo Chris,

das von Dir genannte kann ich für meine Einheit (NW-16) genauso bestätigen. Meiner Meinung nach gab es die "extremen" Spielchen nur in den sog. Muckereinheiten....(NVA) Bei den Grenztruppen hat man wohl (aus verständlichen Gründen" solche Maßstäbe eher nicht angelegt. Ich weiß nicht, ob ich es schon berichtet hatte...nach Ablauf meiner Grundausbildung in Halberstadt und der anschließenden Versetzung kam ich mir am neuen Ort vor wie im Märchen....: Ich, das Schlimmste erwartend...(aus den letzten Wochen der Knochenmühle) komme mit der Zeltbahn voll Zeuchs in die neue Lokation....oben grinst ein GUvD uns an und sagt: Geil, die Glatten, schmeißt euer Zeuch dorthin, wir ham schonmal den Kaffee fertig...
Mir war wie Weihnachten....klar, die Spielchen der Diensthalbjahre gab es dort auch...aber mehr auf freundschaftlicher Basis...nach dem Motto: Jeder muß da durch, weil es Tradition ist...aber keinen unbedingten Zwang...wir haben uns damals gefreut...zeigte es doch, daß die Zeit weiterlief..zum Dienstende entgegen.
Unsere WE auf der Kompanie waren auch "legendär" ! NDR2 , bis der OvD reinschneit...gut , hat damals einige erwischt.....
Aber: Der Unterschied war wohl folgender: Je brisanter der Einsatzort war (Grenze z.B.) und Je größer der allgemeine Bildungsstand war umso weniger ausgeprägt waren diese Art Repressalien....
Die ersteren, weil man sich auf Posten 200 % auf sein Gegenüber verlassen mußte...und die anderen, weil man einfach intellektuell darüber gestanden hat.....

Das ist nur eine Beobachtung, keinen Wertung!
Ich bin mir durchaus bewußt, daß an der heißen Linie keine Idioten standen sondern Leute wie ich, und ich danke noch heute meinem Schöpfer ,nie in eine solche schwere Entscheidungslage geraten zu sein wie diese Seelen!

Gruß! SEG15D



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#9

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 28.03.2011 18:33
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Spielchen,wenn auch nicht ständig praktiziert waren bei uns z.B. ein "Nest" geben.
Beim sagen der Wörter: blau (Nicht - Vize sogar Grün), Hase oder gar Heimgang wurde einem von einem EK das Bett umgedreht.
War läßtig, aber zu verkraften.
Nat. mußte man auch im Dienst aufpassen, denn ein Hase war nat. kein Hase sondern ein "Nicht Struckturmäßiger Efefant".
Auf so einen blödsinn muß man ersteinmal kommen.
Geschadet hat es keinen von uns.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#10

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 28.03.2011 19:23
von RalphT | 878 Beiträge

Zitat
also gab´s einen Schluck "Eiter" aus Tasse oder Kanne



Klärt doch mal bitte einen Unwissenden auf: Was ist "Eiter"?


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#11

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 28.03.2011 19:38
von Ludwig | 252 Beiträge

Also Sitten wie die "Schildkröte" waren bei uns nicht denkbar. Ich kenne es auch nur vom Hörensagen aus den "Mucker-Einheiten".
Wenn ich mich recht erinnere, kommt es aber im Film "An die Grenze" vor, als der von J. Heinrich gespielte Polit dazukommt und letztendlich wegschaut.
Vize-Schlagen fand statt genau zur Hälfte des 2.DHJ, die E´s in Zivil, der Vize-Kanditat mußte abknien und einen Spruch aufsagen
und wurde dann mit 3 "Schlägen" (linke Schulter, rechte Schulter, Stahlhelm) zum Vize erklärt. Dann wurde die Schulterstücke geknickt
(worüber unsere Offze relativ großzügig hinwegsahen) und die Neuvizes mußten nacheinander Kaffee ausgeben (Blechkanne zu 5 MdDDR).
Verboten für Vizes waren Worte und Kürzel wie FF(Frühling-Freiheit), HH (Herbst-Heimgang), Blau, Aus, Kaum, Bandmaß, sowie das Klopfen des E-Taktes.
Alles in allem harmlos, keine Gewalt oder Erniedrigung. es war eben Spaß, der immer weiter vererbt wurde.



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#12

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 28.03.2011 19:39
von Backe | 480 Beiträge

Eiter: ein undefinierbares Gesöff nach Laune der EK´s zusammengeschüttet
z.b. Wasser,Essig, Salz, Pfeffer, alter Kaffe oder Kaffeegrund oder schlimmeres.
Nach einer "spitzen Antwort" gab es wie schon geschrieben nach "Sympatie" des EK eine Tasse voll oder mehrere Schlucke aus der Kanne.War jedenfalls ein grauenvolles Zeug.Der Ko.zeimer stand gleich daneben.
VG aus Brandenburg


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
zuletzt bearbeitet 28.03.2011 19:40 | nach oben springen

#13

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 28.03.2011 19:47
von RalphT | 878 Beiträge

Zitat
z.b. Wasser,Essig, Salz, Pfeffer, alter Kaffe oder Kaffeegrund oder schlimmeres



Boah, ich glaube mir kommt gerade mein Abendessen hoch.

Wir, bei der Luftwaffe hatten da nichts in der Richtung. Das kann natürlich auch zu den Einheiten (FlaRak, fliegendes Personal, Bodenpersonal, etc) unterschiedlich gewesen sein.

Ich habe nur von unseren Kameraden zu Wasser mitbekommen, dass es beim Überqueren des Äqators oder der Polargrenze, ein kleines "Zeremoniell" gab. Aber vielleicht haben wir hier ja welche, die bei der Marine waren oder sind und mehr berichten können.


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#14

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 28.03.2011 20:00
von Backe | 480 Beiträge

Äquatortaufe auf der Gorch Fock oder eben anderen Schiffen


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#15

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 28.03.2011 20:02
von Greso | 2.377 Beiträge

Also das Spiel ,die Schildkröte gab es auch zu meiner Zeit an der Grenze(1965-67)aber nur freiwillig.
Ansonsten gab es solchen Spielemüll nicht.Es wuren auch alle mitkämpfer geachtet.
Greso


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#16

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 29.03.2011 11:32
von Theo85/2 | 1.202 Beiträge

Zitat von Oss`n
Spielchen,wenn auch nicht ständig praktiziert waren bei uns z.B. ein "Nest" geben.
Beim sagen der Wörter: blau (Nicht - Vize sogar Grün), Hase oder gar Heimgang wurde einem von einem EK das Bett umgedreht.
War läßtig, aber zu verkraften.
Nat. mußte man auch im Dienst aufpassen, denn ein Hase war nat. kein Hase sondern ein "Nicht Struckturmäßiger Efefant".
Auf so einen blödsinn muß man ersteinmal kommen.
Geschadet hat es keinen von uns.

Oss`n



Hallo Oss`n

Für Dachse:

Blau-Himmelrot,
Grün-Wiesenrot

Gruß
Theo85/2


zuletzt bearbeitet 29.03.2011 11:33 | nach oben springen

#17

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 29.03.2011 12:25
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Eine besondere Feierlichkeit war auch der Bandmaßanschnitt.
Meiner erfolgte durch einen Streifen Uffz. und seinem Fahrer,
um Mittermacht auf dem Postenturm "Schallplatte",

Mit Blick auf den Reichstag. (Rückseite)


edidiert durch pitti53


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
zuletzt bearbeitet 30.03.2011 10:26 | nach oben springen

#18

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 29.03.2011 17:09
von utkieker | 2.929 Beiträge

Bei uns wurden die letzten 222 Tage angeklopft. Die Soldaten versammelten sich mit Hocker auf den Flur und wie durch ein geheimes Zeichen schlugen alle mit lauten getöse Abgang. Zufälliger Weise befand sich der KC im Haus und wurde durch den Lärm überrascht. Der Alte verteilte Reviere 3 mal 3, ich glaub aber letztlich wurde nur "einmal" durchgesetzt. Er hat uns dann noch ziemlich zusammengestaucht, und uns wissen lassen, "Wenn ihr schon so ein Scheiß vorhabt, sagt mir vorher bescheid, hätte ja beinahe ein Herzinfarkt bekommen". Beim Bandmaßanschnitt, hat unser KC in einer feierlichen Zeremonie persönlich den Anschnitt vorgenommen, aber dabei gewarnt, "Wer sein Bandmaß offen liegenlässt, dem wird es ersatzlos eingezogen". Für uns Verpflichtung das Bandmaß stets bei sich zu tragen.


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#19

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 29.03.2011 21:28
von Blondi | 164 Beiträge

Zitat von Oss`n
Spielchen,wenn auch nicht ständig praktiziert waren bei uns z.B. ein "Nest" geben.
Beim sagen der Wörter: blau (Nicht - Vize sogar Grün), Hase oder gar Heimgang wurde einem von einem EK das Bett umgedreht.



Hallo Oss'n,

bei uns in Wahlhausen war das indirekt sogar eine Belobigung, nannte sich "Bett blau" und das wo BLAU doch ein verbotenes Wort für alle Nicht-EK's war.

Es grüßt Blondi


Sei was du willst, doch habe den Mut es ganz zu sein.


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#20

RE: besondere Feierlichkeiten

in Grenztruppen der DDR 23.02.2013 19:25
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge

Besondere Feierlichkeiten waren in Weilrode (von der Grundausbildung her kann ich mich an keine "inoffiziellen" Feiertage erinnern, da war eigentlich nur die Vereidigung was Besonderes, weil man zum ersten Mal Schnaps in die Kompanie schmuggelte)

- der erste Dienst am Kanten (die Gebietseinweisung zählte nicht mit, Hinterlandsicherung auch nicht), das wurde allerdings nicht gefeiert, sondern nur bei der Dienstausgabe offiziell gewürdigt

- der erste Kuchensonntag für uns Neue, da gaben die E-s Kaffee aus,

- die erste Dienstverrichtung außer der Reihe, da bekam man von seinen Gruppenmitgliedern allerlei Ehren (Kaffee, Zigaretten, Kuchen, Wurst, je nach Möglichkeit und Vermögen) zum Troste erwiesen,

- Vizerschlag (die Hälfte der regulären Dienstzeit ist um, wurde bei uns mit dem Spaten oder dem Kabel vom Gummiohr gemacht, danach waren die Knicke in den Schulterstücken Pflicht, außer bei der Ausgangsbelehrung, das konnte Folgen haben)

- Ermennung zum Postenführer (bei manchen GKs gab es da später sogar die sogenannten Streifenvize nach der Hälfte der regulären PF-Zeit)

- Balkenvize (die Hälfte der regulären Gefreitendienstzeit ist um), scharfer und wieder geradegebogener Knick im Gefreitenbalken

- Tag des Bandmaßbaubeginns, 180 Tage vor der Entlassung

- Tag des Bandmaßanschnittes (Das war in der Nacht 24 Uhr, der Bandmaßträger stand in Ausgangsuniform auf dem Hocker und hielt das ausgerollte Bandmaß hoch. Am Goldzahn, dem Messingendstück war unten der Stahlheln angebunden. Ein Helfer, anderes DHJ, schnitt den ersten Tage-Abschnitt (mit Goldzahn) ab und der Stahlhelm knallte auf den Boden, überall in der Kompanie). Danach gab es eine Runde Anstoßen mit jedem. Der Polit machte am nächsten Tag zur Dienstausgabe nur eine diesbezügliche Bemerkung, es gab nie Repressalien deswegen!

- Bandmaßvize

- vierter Sonntag vor der Entlassung (noch dreimal Kuchen und einmal Torte, dann spricht der Spieß die Abschiedsworte)

- erster Zivil-Alarm


Als erstes DHJ wurden wir noch als "Zig" bezeichnet, das stammte entweder daher, daß wir noch zig Tage abzudienen hatten oder von der ursprünglichen Höhe des Wehrsoldes von ach-zig DDR-Mark. Die einzige Farbe, die wir außerhalb des Grenzdienstes sehen und kennen durften war ROT. Wer sich bei den Gängern einschleimen wollte hatte möglichst viele rote Sachen, immer die rote Turnhose an, eine rote Seifendose, rote Kugelschreiber oder ähnliches.

Als zweites Diensthalbjahr gab es ROT und GELB an Farben, ab dem Vizeschlag kam GRÜN dazu.

Für Gänger (drittes DHJ) waren alle Farben erlaubt, besonders beliebt war BLAU.
GRAU und BRAUN und SCHWARZ waren sogenannte Z- (von Zivilist, Zivil) Farben, die hätten die Gänger eigentlich auch erst ab der letzten dreißig Tage benutzen dürfen, aber es war ja keiner "Höherer" mehr da, der sie dafür hätte zur Rechenschaft ziehen können.

Zu den verbotenen Worten wurde weiter oben schon allerlei gesagt!

Im Grenzdienst waren auch für die zweiten DHe alle Farben erlaubt, also auch GRÜN und BLAU und so weiter, damit nicht einer auf die Idee kam, bei Auslösung Grenzzaun die grüne Eumel aus Angst vor Gängerstrafen als rote Eumel an die FÜST zu melden. (Erklärung: Eumel ist die Rundumleuchte am Zaunfeld, die bei Auslösung des Grenssignalzaunes angeht und Signal gibt, "feinswärts" rot links, grün rechts vom Tor/Feld/Trennlinie).

Für Vergehen gegen die Gängergesetze, sogenanntes Putschen, also das "Sehen falscher Farben" oder das "Verwenden falscher/unerlaubter Worte" gab es bestimmte Strafen.
Nichts Tragisches, sondern beispielsweise DV (-Schicht, also Schweigeschicht oder Haufen nutzloses Zeugs mitschleppen müssen zum Grenzdienst, Leuchtertaschen bei Tag oder R 109 M/D beispielsweise) oder BB (Bett blank, Abziehen der Matratze) oder KW (Kanadischer Winter, Ausstreuen eines stark schäumenden Reinigungsmittels (P3) im Waschraum und Aufwischen müssen durch den Revierdienst) oder oder oder... Schildkröte oder Musikbox gab es bei uns definitiv nicht!

Meiner Meinung nach wurde der Gängerrat sogar (inoffiziell, beispielsweise wenn ein Gänger auf der FÜST mit dem KC Dienst hatte) in die Grenzdienstplanung einbezogen und durch die "Leitung" befragt, wer "würdig" war, vorzeitig Postenführer oder Gefreiter zu werden. Dabei wurde nicht auf das Schleimen Wert gelegt, sondern auf gute Gebietskenntnisse, technisches Verständnis, klare Meinung, Gängerschläue, Durchblick, Sachverständnis). Auch Dienstvergehen wurden nicht so sehr gewichtet, wenn es um das Gewinnen neuer guter Postenführer ging, die waren knapp. Vor allem nach der Umstellung auf Batallionssicherung, da hatten nur die ehemaligen zweiten DHJe noch Kenntnis vom gesamten Abschnitt. Bei uns gab es außer Alkoholschmuggel (da hatte ich zweimal Arbeitsverrichtung außer der Reihe) eigentlich keine Dienstvergehen. Urlaubsüberschreitung u.ä. war praktisch nicht möglich.

Es gab einen Gängerrat, der aus brauchbaren, vernünftigen Leuten bestand und die Geschicke der Kompanie soldatenseitig lenkte und leitete. Er hatte vor Urzeiten die Gängergesetzte (also z.b. Farbsehen, Strafen, Rituale, Verewigungen und Verewigungsstellen) festgelegt und wachte über deren Einhaltung. Es kam sogar vor, daß sich Gänger vor diesem "Rat" verantworten mußten, wenn sie grundlos Schikanen an das nieder Dienstjahr austeilten. Da war die Strafe ein bestimmter Geldbetrag in die Gängerkasse, ebenso wie für verpassten Bandmaßabschnitt zwischen 17 Uhr und 17Uhr30, Verweigerung der Bamdmaßkontolle (das war heftig, wenn man verschlafen hatte und etliche Gänger bei der Kontrolle zugange waren. Die wurden dann extra herangeholt. Für jeden anwesenden Gänger war eine Mark fällig, für jeden Gänger-Uffz fünf Mark.
Das Geld wurde im nächsten Ausgang gemeinsam versoffen. Oder auch ein Strauß Blumen oder ähnliches zum Geburtstag der allseits beliebten Gerti (eine Küchenangestellte, fast so wie im "Drei Stern rot"-Film siehe dort, die es mit der Liebe nicht so genau nahm) gekauft.

Was ich fast gar nicht mehr weiß waren die Bemalungsregeln für das Bandmaß. Vielleicht kann jemand ergänzen oder mir verraten, wo das im Forum schon mal diskutiert wurde.
Die letzten zehn Tage stellten eine Grenzsäule schwarz-rot-gold dar.
Der Wochentag der Einberufung wurde bei uns schwarz ausgemalt.
Der Tag mit der Postleitzahl des Heimatortes war blau.
Weitere Regeln gab es für den Vize-Tag, den Balkenvize-Tag, den Bandmaß-Vize-Tag, den Sonntag, den Donnerstag...
An der rechten Seite des Bandmaß-Bandes war ein grüner bzw. blauer Streifen für die betreffenden kommenden Vizetage.

Üblich waren zwei Bandmaßbehälter, einer für Ausgang, einer für Grenzdienst. Manche hatten je nach Anzahl der Freundinnen und der Eltern, weitere Bandmaße, die einzelnen Abschnitte wurden sorgfältig gesammelt und nach Hause geschickt. Dort beklebten die Lieben eine Sektflasche, die nach der Entlassung feierlich ausgetrunken wurde.
Beliebte Materialien für den Behälter waren die Endstücke der Leuchterhülsen -ein Stern gelb- der Postensignalgeräte, die Schraubverschlüsse der Handleuchtzeichen, Kleinfilm-Filmpatronen (da konnte nur die abgezogene Folie der Plaste-Maßbänder rein), Schädel von im Gebiet gefundenem Kleinviehzeug, Streichholz-Verklebungen und selbstgestaltete und selbstgebrannte Suralin-Behälter.

HG 82/I
Olsen


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