#1

Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 08.03.2011 21:11
von Hans55 | 763 Beiträge

Hallo,alle miteinander! Aus meiner Dienstzeit bei den Grenztruppen sind mir allein 4 Fälle in Erinnerung ,wo es die Ehe nicht geschafft hat!Einen dieser Soldaten kannte ich auch persönlich und es war bitter sich dieses Elend mit ansehen zu müssen.Ich habe 8 Stunden mit ihm auf dem B-Turm gesessen und er hat nur geflennt.So richtig wußte ich auch nicht,was ich machen sollte.Er sagte nur ,das er einen Brief von seiner Frau bekommen hat und sie sich scheiden lassen will.Urlaubsanträge ,wurden aus Mangel an Postenführer abgelehnt! Später hörte ich nur,das man ihn erstmal aus dem Grenzdienst rausgenommen und doch in Urlaub geschickt hat.Vielleicht auch besser so ,wer weiß was da im Kopf vorgeht!Mich würde ja mal interressieren,wie hoch die Scheidungsrate bei der"Fahne"war? Hans55


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#2

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 06:34
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Hans,

mit genauen Zahlen kann ich leider auch nicht dienen. Allgemein war jedoch bekannt das unter den Angehörigen der NVA die höchste Scheidungsrate innerhalb der DDR zu verzeichnen war.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#3

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 08:23
von moreau | 384 Beiträge

Hallo Hans

Mit Scheidungsraten kann ich dir nicht dienen. Aber bei mir auf der Bude war einer, der hat die Trennungen gezählt ,die innerhalb des ersten Halbjahres unter dem ihm bekannten GWD´lern stattfanden. Egal welchen Status diese Beziehungen hatten. (verliebt,verlobt,verheiratet usw) Er ist auf eine Trennungsrate von ca. 80% gekommen. Das war 1984.

Gruß
moreau

PS: Ich hatte mich den 80% angeschlossen.


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#4

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 09:22
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Die gab es mit Sicherheit.Während meiner Zeit sind mir zwei Fälle bekannt.Zur Klärung haben die Sonderurlaub bekommen,soviel ich weiss hat es aber nichts genutzt.


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#5

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 09:56
von werner | 1.591 Beiträge

Scheidung war in der DDR ja auch nicht wirklich ein Problem. Wirtschaftlich waren die Frauen nicht auf den Versorger angewiesen.

Für eine Soldatenehe sind schon ziemlich leidensfähige Charaktere auf beiden Seiten erforderlich, egal ob Wehrpflichtige, UaZ oder Berufssoldaten, auch wenn bei den drei Gruppen unterschiedliche Bedingungen herrschten.

Bei den Wehrpflichtigen kamen zwei Dinge zusammen:

Die räumliche Trennung - denn oft , wenn nicht sogar überwiegend, war es so, dass die Wehrpflichtigen nicht in der Nähe des Wohnortes kaserniert waren, sondern nach Hause quer durch die Republik reisen musste. Mal eben im Ausgang zur Familie war nicht.

Dazu kam die Bereitschaftsquote. Dadurch bedingt waren bis auf die KU und vKu alle in den Kasernen, auch an den Wochenenden. Das betraf auch die kasernierten UaZ. Also jedes WE nach Hause gab es nicht, Ausgang am WE wurde auf die Quote gerechnet.

Entsprechend lang waren die Trennungszeiten von den Liebsten. Und die Frauen haben die 1 1/2 Jahre nicht unbedingt als vorübergehende Zeit gesehen, die man durchstehen kann: Wozu habe ich einen Mann, wenn er eh nicht da ist?

Bei den Berufssoldaten kam dagegen - wenigstens bei der NVA- das Problem der häufigen Umzüge durch Versetzungen. In meinem Freundeskreis fallen mir aus dem Stand 5 Beispiele ein, die mit ihrer Familie 5 bis 8 mal umgezogen sind, bis die Kinder die Lehre begannen. Da muss die Familie schon sehr leidensfähig sein.

Und wie in anderem Beitrag schon geschrieben wurde, nutzte selbst ein SU oft nur noch wenig, um das wieder gerade zu rücken, denn wenn sich jemand ernsthaft mit dem Trennungsgedanken trägt, ist der Riss schon tief.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#6

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 14:28
von katerjohn | 559 Beiträge

Moin,moin.....ich kenne das Problem,Heirat 02/71 wärend der Uffz.Sch.Fünf Tage SU.Scheidung 05/74.Statistiken hierzu würden mich auch mal brennend interessieren.
Scheidungen stehen zwar in den statistischen Jahrbüchern der DDR aber eine Aufschlüsselung nach Berufsgruppen habe ich noch nirgens gefunden.

Grüsse aus Halle a.d.Saale


Nimm dir Zeit für deine Freunde,sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde !
zuletzt bearbeitet 09.03.2011 14:29 | nach oben springen

#7

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 14:52
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von katerjohn
Moin,moin.....ich kenne das Problem,Heirat 02/71 wärend der Uffz.Sch.Fünf Tage SU.Scheidung 05/74.Statistiken hierzu würden mich auch mal brennend interessieren.
Scheidungen stehen zwar in den statistischen Jahrbüchern der DDR aber eine Aufschlüsselung nach Berufsgruppen habe ich noch nirgens gefunden.

Grüsse aus Halle a.d.Saale




Vielleicht etwas für die Promotion von @Slam. Da haben dann alle was von . . .


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#8

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 15:22
von S51 | 3.733 Beiträge

Systembedingt als Kritik des mehr oder weniger real existierenden Sozialismus scheint es mir jedoch nicht brauchbar. Nach der Wende habe ich bei den Berliner Kollegen auf der Westseite ganz ähnliche Entwicklungen gesehen. Bei etwa einem Drittel haben die Verbindungen gehalten, der große Rest hatte mit Scheidungen, Trennungen und deren Folgen mitunter mehr als auf Ostseite zu kämpfen. Vor allem auf die damals noch gültigen Unterhaltsregelungen waren sie neidisch.
Eigentlich alles, was wir so kritikwürdig fanden, war ansonsten dort auch üblich. Häufige Versetzungen, unregelmäßige Dienste, teilweise extreme Mehrarbeit.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#9

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 17:48
von Ludwig | 252 Beiträge

Mit eigenen Erfahrungten kann ich zum Glück auch nicht dienen, aber wir durften diesbezgl. mal zum Grenzalarm ausrücken.
Einer unserer Uffze hatte über Dritte erfahren, daß seine Gute Schluß machen will und fremdgeht. Er hatte sich dann im Ausgang
die "Kante gegeben" und war mit einem Mal verschwunden. Ein FHG teilte mit, daß er einen AGT in Uniform auf einem Weg gesehen hatte, der Richtung Grenze führte.... Ergebnis war Sackgang, über 4 Stunden. Der Kollege wurde dann bei einer Dorfschönen von
Probstzella aus dem "Nest" geholt.

Man mußte zwar regelmäßig zum Urlaubsgespräch sofort nach der Rückkehr, aber oftmals wurde das nur pro Forma gemacht, ohne daß
auf die wirklichen Probleme eingegangen wurde.



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#10

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 09.03.2011 18:54
von kirsche.ndh | 109 Beiträge

Zu meiner Zeit ( I 81 bis II 82 ) gab es keine mir bekannte Trennungen, nur Hochzeíten.
Ich kenn auch keine Urlaubsgespräche nach der Rückkehr ????
Die einzigen Fragen kamen von der Bude wie schöns mit der Kleinen war und was du zu fressen mitgebracht hast.
Das kam dann auf den Tisch für alle.


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#11

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.03.2011 14:48
von Südharzer | 570 Beiträge

Ich hatte einen auf dem Zimmer dessen Freundin hat auch schluss gemacht. Da hat er seine Mutter beaftragt sie solle ihm Briefe mit dem Absender der Freundin schreiben......????
Er hatte nämlich keine Lust ständig den WE der Einheit zu machen.Das hieße ja täglich 12Stundendienst zudem ja immer irgendwie unter Beobachtung.
In Ellrich wurden die "verlassenen" Soldaten/Gefreiten voerst nicht mehr zum Grenzdienst gelassen,da man nie wusste was im Kopf des Neusingles vorgeht und er es vielleicht vorzieht auf der anderen Seite des Grenzzauns auf Brautschau zu gehen.
Viele Wochen später hat er mir mal im Ausgang bei gefühlten 3,8Promille die Sache gebeichtet.


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#12

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 10.03.2011 23:51
von VNRut | 1.486 Beiträge

In unserer Kompanie hatten wir einen verheirateten Kameraden, der im Ausgang gern jedes Mädchen vernaschte. Als er wieder mal nach einen feucht-fröhlichen Ausgang wenige Tage später in den Urlaub fuhr kam das böse Erwachen. Nach dem VKU oder KU begab er sich zur sofortiger Behandlung in den Med.-Punkt. Er hatte sich irgendwo etwas eingefangen - doch wo?? Da diese Behandlung an unsere Kompanieführung gemeldet werden musste, bekam der Soldat Sonderurlaub um dies mit seiner Frau zu klären. Wir Kameraden grinsten und fragten uns, wie wird er seiner Frau diese "Beanstandung" wohl erklären. Zu unserer Überraschung stellte sich heraus, das seine Frau auch alles nicht so genau sah und fleißig mit einen Arbeitskollegen Fremd ging. Man rechnete schon mit einer Scheidung, aber ihre Ehe überlebte unsere ganze Gwd-Zeit. Er war bis auf einer kurzen Unterbrechung als einer der ersten Jung-Postenführer ständig mit am Kanten.

VN_Rut


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
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#13

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.03.2011 18:37
von 94 | 10.792 Beiträge

Trennungen war eigentlich die Regel, treu bleiben eher die Ausnahme. Wobei, die Ehen hielten eigentlich noch am ehesten. (Mann, war der flach *grins*). So kann ich mich auch nur an drei Scheidungen erinnern.

Einem Gefreiten durfte ich mal in den Urlaub hinterherfahren. Er war im VKU auf's WKK (Abkürzungen im wiki nachschlagen!) und hatte sich Urlaubsverlängerung wegen 'familiären Problemen' erbeten. Nicht mal ein halbes Jahr davor hatte er sich Urlaub im Weihnachtsfünftel mit der Scheidungsdrohung seiner Ehefrau 'erbettelt'. Kaum aus dem Urlaub wieder da erzählte er einem Gummiohr auf seiner Stube, wie man es richtig machen muß, um Weihnachtsurlaub zu bekommen. Seine 'Alte' hätte da schön mitgespielt.
Vielleicht hatte er sie aber auch erst nur auf die Idee gebracht. Diesmal waren ihre Frühlingsgefühle ernsterer Natur. Ich als sein Zugführer durfte nach einer Nachtschicht in Dienstuniform (sic!) quer durch die halbe Reichsbahn-Republik schippern, um die Sache zu überprüfen. Mit Dienstreiseauftrag oder wie immer dieser Zettel hieß. Ne Militärfahrkarte gabs auch vom Spieß. Öffnen tut mir der Lochschwager des Gefreiten. Naja, einen Kaffee haben mir die beiden Frischverliebten dann doch angeboten. Der Nochehemann war zu seiner Mutter ausquartiert. War eine der blödesten Situationen meiner vier Jahre. Zumal ich mehr oder weniger gemeinsam mit dem armen Tropf dann zurück zur GK reiste. Der wollte sich eigentlich die 0,7er-Kante geben, ging aber doch noch irgendwie gut. Den Rest seiner Dienstzeit dann ständige Objektwache.

Der nächste war schon etwas tragischer. Ein junger Lehrer und so ein Everybodys-Darling-Typ. Mit achtzehn und Krach bei seinen Eltern raus und direkt zu seiner Frau, deren Familiennamen er auch annahm. Die beiden hatten einen kleinen Freundeskreis, kam wohl mehr von ihr. Er hatte wohl ein Haufen Kumpels, alle aber irgendwie seiner Holden nicht recht. Mit dem Kinderkriegen klappte es auch irgendwie nicht. Und dann mit Mitte 25 die Einberufung. Und bei seinem letzten zivilen Schuß hat er die Zehn getroffen. Seine Frau ist schwanger und da es eine Problemschwangerschaft wird, auch auf Krankenschein zu Hause. Der Soldat bekam mindestens zwei Briefe pro Tag, oft mehr.
In der Grundausbildung hat er zum erstenmal in seinem Leben einen richtigen Freund kennengelernt, sogar aus der gleichen Stadt. Doch dieser wurde zu den Hinterländlern, also in ein III.GB versetzt. Irgendwie treffen sich die Beiden doch mal im Urlaub und auch seine Frau erkannte diesen Kumpel endlich mal an.
Hmm, dieser hatte auch öfters Urlaub und sowieso ein 'einfühlsames' Wesen. Kurze Rede, Langer Sinn.
Nach einem Urlaub kam er schon einen halben (oder sogar einen ganzen ?) Tag eher zurück und sprach keinen Mucks. So richtig neben der Kappe. Zum Grenzdienst hab'ch den erstmal nimmer gelassen, wobei der KC hatte gleich wieder einen 'Zusatzposten' geplant. Eine Stunde hat er mich angeschwiegen, dann brach es aus ihm raus. Mann, ich glaube da hab ich mich noch beschi..ener gefühlt als wie bei dem Ersten. Am selben Abend kam er noch ins Regiment zu den Delikten, wo er noch glücklich den Rest seiner Dienstzeit verbrachte und sich sogar einige Freundinen in der Garnisionsstadt hielt.
Auf jeden Fall ließ ich es mir nicht nehmen, diesen wirklich feinen Kerl jedesmal zu 'besuchen', wenn ich im Regiment zu gange war. Da gab es immer so schön 'ACHTUNG!' auf seiner Stube, sogar für einen Uleu *grins*

Achso, der dritte Fall war ein GAkl, Fähnrich oder Oberfähnrich. Der durfte dann nicht mehr alleisam ins Hinterland, hatte aber auch keine Führungsberechtigung. Da war dann öftersmal K2-laufen angesagt. Nach 'nem halbem Jahr war er aber schon wieder verheiratet. Und nun kommts, mit seiner Geschiedenen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#14

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 11.03.2011 21:21
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von S51
Systembedingt als Kritik des mehr oder weniger real existierenden Sozialismus scheint es mir jedoch nicht brauchbar. Nach der Wende habe ich bei den Berliner Kollegen auf der Westseite ganz ähnliche Entwicklungen gesehen. Bei etwa einem Drittel haben die Verbindungen gehalten, der große Rest hatte mit Scheidungen, Trennungen und deren Folgen mitunter mehr als auf Ostseite zu kämpfen. Vor allem auf die damals noch gültigen Unterhaltsregelungen waren sie neidisch.
Eigentlich alles, was wir so kritikwürdig fanden, war ansonsten dort auch üblich. Häufige Versetzungen, unregelmäßige Dienste, teilweise extreme Mehrarbeit.



Eine Systemimmanenz wollte ich in meine Ausführungen nicht hinein interpretiert sehen, einen Vergleich erst recht nicht. Aber da es nun mal angeschnitten ist . . .

Dass die Problematik, die ein Dienst als Soldat mit sich bringt, nicht an ein System gebunden ist, versteht sich von selbst. Allerdings kann ich die heutige Situation nur bedingt beurteilen. Kenne jemanden, der sitzt seit 5 oder 6 Jahren in S.H.A.P.E. , geregelter Dienst, kaum Mehrarbeit. Ein anderer dagegen führt, übernommen von der NVA, als Major der BW ein Vagabundenleben.

Beide sind zwar nicht geschieden, aber eben auch nicht verheiratet, mit mehr oder weniger häufig wechselnden Beziehungen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#15

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 12.03.2011 23:10
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Zitat von werner
Scheidung war in der DDR ja auch nicht wirklich ein Problem. Wirtschaftlich waren die Frauen nicht auf den Versorger angewiesen.

Für eine Soldatenehe sind schon ziemlich leidensfähige Charaktere auf beiden Seiten erforderlich, egal ob Wehrpflichtige, UaZ oder Berufssoldaten, auch wenn bei den drei Gruppen unterschiedliche Bedingungen herrschten.

Bei den Wehrpflichtigen kamen zwei Dinge zusammen:

Die räumliche Trennung - denn oft , wenn nicht sogar überwiegend, war es so, dass die Wehrpflichtigen nicht in der Nähe des Wohnortes kaserniert waren, sondern nach Hause quer durch die Republik reisen musste. Mal eben im Ausgang zur Familie war nicht.

Dazu kam die Bereitschaftsquote. Dadurch bedingt waren bis auf die KU und vKu alle in den Kasernen, auch an den Wochenenden. Das betraf auch die kasernierten UaZ. Also jedes WE nach Hause gab es nicht, Ausgang am WE wurde auf die Quote gerechnet.

Entsprechend lang waren die Trennungszeiten von den Liebsten. Und die Frauen haben die 1 1/2 Jahre nicht unbedingt als vorübergehende Zeit gesehen, die man durchstehen kann: Wozu habe ich einen Mann, wenn er eh nicht da ist?

Bei den Berufssoldaten kam dagegen - wenigstens bei der NVA- das Problem der häufigen Umzüge durch Versetzungen. In meinem Freundeskreis fallen mir aus dem Stand 5 Beispiele ein, die mit ihrer Familie 5 bis 8 mal umgezogen sind, bis die Kinder die Lehre begannen. Da muss die Familie schon sehr leidensfähig sein.

Und wie in anderem Beitrag schon geschrieben wurde, nutzte selbst ein SU oft nur noch wenig, um das wieder gerade zu rücken, denn wenn sich jemand ernsthaft mit dem Trennungsgedanken trägt, ist der Riss schon tief.



also meine Ehe war/ist leidensfähig gewesen.Immerhin bald fast 35 Jahr!!

ich hab meiner Frau aber auch von Anfang an klaren Wein eingeschenkt,was sie erwartet.

mein erster Spruch war, erst kommt mein Beruf und dann Familienleben....hält sie mir heute gerne noch vor..nach dem Motto,Mich haste noch...wo ist dein Beruf?

aber nur so konnte nach meiner Überzeugung die Ehe eines Berufsoffiziers funkfionieren...auch wenn unsere Wohnung nur 500m entfernt war sah sie mich nur alle 2-3 Tage


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#16

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 12.03.2011 23:30
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Zitat von 94
Trennungen war eigentlich die Regel, treu bleiben eher die Ausnahme. Wobei, die Ehen hielten eigentlich noch am ehesten. (Mann, war der flach *grins*). So kann ich mich auch nur an drei Scheidungen erinnern.

Einem Gefreiten durfte ich mal in den Urlaub hinterherfahren. Er war im VKU auf's WKK (Abkürzungen im wiki nachschlagen!) und hatte sich Urlaubsverlängerung wegen 'familiären Problemen' erbeten. Nicht mal ein halbes Jahr davor hatte er sich Urlaub im Weihnachtsfünftel mit der Scheidungsdrohung seiner Ehefrau 'erbettelt'. Kaum aus dem Urlaub wieder da erzählte er einem Gummiohr auf seiner Stube, wie man es richtig machen muß, um Weihnachtsurlaub zu bekommen. Seine 'Alte' hätte da schön mitgespielt.
Vielleicht hatte er sie aber auch erst nur auf die Idee gebracht. Diesmal waren ihre Frühlingsgefühle ernsterer Natur. Ich als sein Zugführer durfte nach einer Nachtschicht in Dienstuniform (sic!) quer durch die halbe Reichsbahn-Republik schippern, um die Sache zu überprüfen. Mit Dienstreiseauftrag oder wie immer dieser Zettel hieß. Ne Militärfahrkarte gabs auch vom Spieß. Öffnen tut mir der Lochschwager des Gefreiten. Naja, einen Kaffee haben mir die beiden Frischverliebten dann doch angeboten. Der Nochehemann war zu seiner Mutter ausquartiert. War eine der blödesten Situationen meiner vier Jahre. Zumal ich mehr oder weniger gemeinsam mit dem armen Tropf dann zurück zur GK reiste. Der wollte sich eigentlich die 0,7er-Kante geben, ging aber doch noch irgendwie gut. Den Rest seiner Dienstzeit dann ständige Objektwache.

Der nächste war schon etwas tragischer. Ein junger Lehrer und so ein Everybodys-Darling-Typ. Mit achtzehn und Krach bei seinen Eltern raus und direkt zu seiner Frau, deren Familiennamen er auch annahm. Die beiden hatten einen kleinen Freundeskreis, kam wohl mehr von ihr. Er hatte wohl ein Haufen Kumpels, alle aber irgendwie seiner Holden nicht recht. Mit dem Kinderkriegen klappte es auch irgendwie nicht. Und dann mit Mitte 25 die Einberufung. Und bei seinem letzten zivilen Schuß hat er die Zehn getroffen. Seine Frau ist schwanger und da es eine Problemschwangerschaft wird, auch auf Krankenschein zu Hause. Der Soldat bekam mindestens zwei Briefe pro Tag, oft mehr.
In der Grundausbildung hat er zum erstenmal in seinem Leben einen richtigen Freund kennengelernt, sogar aus der gleichen Stadt. Doch dieser wurde zu den Hinterländlern, also in ein III.GB versetzt. Irgendwie treffen sich die Beiden doch mal im Urlaub und auch seine Frau erkannte diesen Kumpel endlich mal an.
Hmm, dieser hatte auch öfters Urlaub und sowieso ein 'einfühlsames' Wesen. Kurze Rede, Langer Sinn.
Nach einem Urlaub kam er schon einen halben (oder sogar einen ganzen ?) Tag eher zurück und sprach keinen Mucks. So richtig neben der Kappe. Zum Grenzdienst hab'ch den erstmal nimmer gelassen, wobei der KC hatte gleich wieder einen 'Zusatzposten' geplant. Eine Stunde hat er mich angeschwiegen, dann brach es aus ihm raus. Mann, ich glaube da hab ich mich noch beschi..ener gefühlt als wie bei dem Ersten. Am selben Abend kam er noch ins Regiment zu den Delikten, wo er noch glücklich den Rest seiner Dienstzeit verbrachte und sich sogar einige Freundinen in der Garnisionsstadt hielt.
Auf jeden Fall ließ ich es mir nicht nehmen, diesen wirklich feinen Kerl jedesmal zu 'besuchen', wenn ich im Regiment zu gange war. Da gab es immer so schön 'ACHTUNG!' auf seiner Stube, sogar für einen Uleu *grins*

Achso, der dritte Fall war ein GAkl, Fähnrich oder Oberfähnrich. Der durfte dann nicht mehr alleisam ins Hinterland, hatte aber auch keine Führungsberechtigung. Da war dann öftersmal K2-laufen angesagt. Nach 'nem halbem Jahr war er aber schon wieder verheiratet. Und nun kommts, mit seiner Geschiedenen.



ja solche "Erlebnisse " hatte ich auch..

ich hatte des öfteren die "Ehre" Hausbesuche bei gestreßten Ehepartner zu machen

Hab ich wohl schon mal hier irgendwo geschrieben...

manche haben das regelrecht ausgenutzt um einen Sonderurlaub zu bekommen...
Dumm gelaufen, wenn es es in meiner Begleitung geschah

dann flog so manches schnell auf
es gab aber auch weniger schöne Ereignisse


zuletzt bearbeitet 12.03.2011 23:31 | nach oben springen

#17

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 23.08.2015 13:06
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitate aus Zwischenfall Stabskompanie GR-20 Halberstadt März 1988, hier vielleicht besser aufgehoben?

Zitat von B208 im Beitrag RE: Zwischenfall Stabskompanie GR-20 Halberstadt März 1988
Die Versetzung weg von der Grenze hatte ja evtl nur den Grund einem möglichen Fluchtversuch vorzubeugen .
Sicher in erster Linie, doch ein zweites Argument, das fand ich damals zumindest genau so gewichtig, war, man konnte bei einer Lage im Abschnitt nur Posten gebrauchen, welche voll bei der Sache waren, sprich den Kopf frei hatten.

Zitat
nein, es gab keine psychologische betreuung.

Nun, kann nicht gerade als psychologisch bezeichnen, aber der Vaunuller und der Befehl 44 forderten schon von Vorgesetzten eine 'Betreuung' ihrer Unterstellten. Ob diese nun dazu auch in der Lage waren, also mehr oder weniger, gute Frage! Nur danach fragte der Befehl 44 nicht. Der Vaunuller dagegen schon mal, hin und wieder.

Zitat
Diese Eheprobleme tauchten fast immer erst im 3. DH auf.

War eigentlich gleichmäßig verteilt. Nicht selten wurde auch zur Vereidigung Schluß gemacht, wobei das meist Entlobungen waren. Die zwei Scheidungen, welche ich als ZF erleben durfte, waren 2. und 3.DHJ. Nun, bissl Angst hatte ich bei dem Soldaten aus #13 anfangs schon, das der sich was antut.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 23.08.2015 17:09
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

War zwar noch nicht verheiratet, auch nicht verlobt, hatte aber eine feste Freundin und unsere Eltern verkehrten schon miteinander. Nach dem ersten Urlaub nach, wimre, mind. 6 Wochen kam dann ein Brief, daß sie nicht mehr auf mich warten möchte. Sie war 17. Klar war ich erst mal fertig, bin dann aber wohl relativ schnell innerlich damit fertig geworden. Zum Glück.



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#19

RE: Ehescheidungen während der Armeezeit

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.08.2015 00:28
von vs1400 | 2.397 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #17
nein, es gab keine psychologische betreuung.
Nun, kann nicht gerade als psychologisch bezeichnen, aber der Vaunuller und der Befehl 44 forderten schon von Vorgesetzten eine 'Betreuung' ihrer Unterstellten. Ob diese nun dazu auch in der Lage waren, also mehr oder weniger, gute Frage! Nur danach fragte der Befehl 44 nicht. Der Vaunuller dagegen schon mal, hin und wieder.
[/quote]

dieses "... hin und wieder. ... ", 94,
war ein absolutes manko, aus meiner sicht, denn eigentlich hätte der v0ller täglich in jeder kompanie seien müssen.

egal ..., es war halt anders ...
bei der 'betreuung', von unterstellten, wurde nicht selten schindluder betrieben.
klar, es gab auch bei der grenzdienstplanung ne hackordnung,
worüber berichtet werden könnte
und da wurde kein befehl 44 wirklich beachtet.
untere chargen, stellv. zf. zb., hatten praktisch kein mitspracherecht.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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