#1

Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 12:06
von Gelöschtes Mitglied
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Diesen interessanten Artikel fand ich heute in der Volksstimme und möchte euch ihn nicht vorenthalten.
Werden Opfer und Täter jemals vernünftig zusammen finden können?
Was meint ihr dazu?
Ich glaube,als Opfer wird man immer wieder Vorurteile gegenüber den Tätern ins Spiel bringen.
Eine Versöhnung in Form von "Vorbei und Vergessen" oder gar Freundschaft könnte es zwischen diesen Gruppen wahrscheinlich nicht geben.
Höchstens der Versuch des Verstehens,warum die Gegenseite so handelte.............
Das ist meine Meinung.

Gruß ek40
-----------------------------------------------------------------------------------------------------
Hier nun der Artikel:
Quelle: http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichte...?em_cnt=1957737&

Opferverbände und evangelische Kirche diskutieren heute in Halle Umgang mit DDR-Tätern

Versuch einer Annäherung hinter verschlossenen Türen



Von Silke Janko und Wolfgang Schulz

Versöhnung und Vergebung" – unter diesem Titel tagen heute die Opferverbände in der Gedenkstätte "Roter Ochse" in Halle. Prominenter Gast ist die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann.

Das hochbrisante Thema Versöhnung schwelt in der Gesellschaft seit Jahren: Im Kern geht es dabei um die Frage des Umgangs mit der DDR-Vergangenheit, mit den Systemträgern und jenen Menschen, die zum Täter wurden – die inzwischen, 20 Jahre nach der Wende, kontrovers diskutiert wird. Und es geht dabei um das Verhältnis zu jenen Menschen, die unter dem SED-Regime gelitten haben. Wer dieses Spannungsfeld seit Jahren beobachtet, dem fällt es schwer zu hoffen, dass es zwischen Tätern und Opfern zu Gesprächen kommen kann.

Die aus Baden-Württemberg stammende Junkermann, seit 2009 Bischöfin der vor zwei Jahren neugegründeten EKM, hat auf der letzten Synode im Herbst 2010 einen Vorstoß gewagt, der ihr viel Kritik eingebracht hat. Schritte zur Versöhnung mit Menschen, die andere einst bespitzelt und verraten haben, sei eine Aufgabe, "die noch mehr vor als hinter uns liegt", hatte Junkermann in Wittenberg gesagt.

Sie betonte, auch wenn viele in der Kirche während und unter der DDR-Zeit gelitten hätten und sich berechtigt als Opfer verstünden, sollten Menschen, die dem Regime nahestanden, "nicht in Schubladen" gesperrt werden. Mit Menschen in Schubladen lasse sich "nicht reden und nicht Gesellschaft bauen".

Die "Vereinigung der Opfer des Stalinismus" (VOS) sprach daraufhin von einer "schallenden Ohrfeige für Verfolgte der SED-Diktatur. Der damals noch im Amt befindliche Beauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, Gerhard Ruden, riet Junkermann, sie hätte sich lieber bei den Opfern und den Aufarbeitern der SED-Diktatur kundig machen sollen. Und Ruden sprach von "einer verschwiegenen Front ehemaliger Funktionsträger" – womit er den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Denn nur wenige sind bereit, offen zu sprechen.

Allerdings gerade an der Person Rudens zeigte sich die Schwierigkeit mit weißen Flecken in mancher Biografie: Der inzwischen abgesetzte Stasi-Beauftragte hatte in seiner Jugendzeit einen Freund in einem Stasi-Verhör im November 1968 belastet. Mit diesem Fakt vor einem Jahr konfrontiert, erklärte Ruden: "Wenn einer verhaftet wird, hat er ja wohl in erster Linie selbst daran Schuld." Ein Satz, der ihm sein Amt kostete. Weniger der Fakt, dass er seine Aussagen in einem Stasi-Verhör durch die Stasi in seiner Jugendzeit nie von sich aus thematisiert hatte.

Rudens Rat an Junkermann, mit den Opferverbänden zu reden, folgt die Bischöfin mit dem heutigen Gespräch im "Roten Ochsen". Soweit die Vorgeschichte. Was jedoch stark verwundert, ist, dass beide Seiten hinter verschlossenen Türen sprechen. Die heutige Veranstaltung war zunächst im Terminplan März 2011 der EKM angekündigt worden, dann aber vorgestern "als nicht öffentlich" erklärt worden. Das diene dem Schutz der Opferverbände, hieß es in der Behörde des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Außedem könnten bestimmte Dinge besser beredet werden, wenn die Presse nicht dabei ist. Die Veranstalter erklärten sich jedoch bereit, heute nach der Tagung für ein Pressegespräch zur Verfügung stehen zu wollen.

VOS-Bundeschef Johannes Rink, der an der Tagung mit weiteren Stasi-Opfern aus Magdeburg teilnimmt, schloss im Gespräch mit der Volksstimme eine Versöhnung mit den Tätern kategorisch aus. "Wenn die Täter auf breiter Front wenigstens Einsicht zeigen, dann sind wir zu Gesprächen bereit", sagte er. Von Reue sei jedoch bei den Tätern nichts zu spüren. Da sie juristisch nicht verurteilt wurden, fühlten sie sich auch nicht als Täter und verhöhnten nicht selten ihre Opfer.

Junkermann selbst kann man nicht absprechen, das brisante Thema nur im stillen Kämmerlein diskutieren zu wollen. Nach der heftigen Kritik zu ihrem Vorstoß auf der Synode stellte sie sich im März vorigen Jahres auf einem Forum christlich-demokratischer Juristen. In der Debatte erinnerte sie kritisch an den einstigen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (1913-2007), der erklärte: "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein."

Und in der Januar-Ausgabe der "Mitteldeutschen Kirchenzeitungen" spricht sie von einer "Wand des Schweigens zwischen denen, die zum Opfer, und denen, die zum Täter in einem durch die Stasi durchsetzten Beziehungsgeflecht geworden waren". Kann die Wand des Schweigens irgendwann gebrochen werden?


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#2

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 12:18
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von ek40
Diesen interessanten Artikel fand ich heute in der Volksstimme und möchte euch ihn nicht vorenthalten.
Werden Opfer und Täter jemals vernünftig zusammen finden können?
Was meint ihr dazu?
Ich glaube,als Opfer wird man immer wieder Vorurteile gegenüber den Tätern ins Spiel bringen.
Eine Versöhnung in Form von "Vorbei und Vergessen" oder gar Freundschaft könnte es zwischen diesen Gruppen wahrscheinlich nicht geben.
Höchstens der Versuch des Verstehens,warum die Gegenseite so handelte.............
Das ist meine Meinung.

Gruß ek40



@ek 40,interessanter beitrag. als diskussionsgrundlage wäre doch die die frage maßgeblich: wer oder was ist ein opfer bzw. ein täter. wollen wir hier vom strafrechlichen herangehen ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#3

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 12:37
von wosch (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow


@ek 40,interessanter beitrag. als diskussionsgrundlage wäre doch die die frage maßgeblich: wer oder was ist ein opfer bzw. ein täter. wollen wir hier vom strafrechlichen herangehen ?




.........................................Ich persönlich glaube nicht daß es heute noch um "Strafrecht" geht, sondern eher um das "Moralische".
Im strafrechtlichen Bereich hatte man sich mit den einschneidenden Passagen im Einigungsvertrag eh schon fast aller in Frage kommenden Mittel selbst beraubt und heraus kamen nur so beschämende Urteile wie für einen Polizistenmord für Erich Mielke. Nein eine "strafrechtliche" Herangehensweise ist schon lange nicht mehr akut und was Opfer und Täter sind oder waren, braucht man eigentlich gar nicht diskutieren, das ist keine Frage der Ansicht, sondern das ergibt sich aus der "Sprache der vom MfS angelegten Akten"!!
Schönen Gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 02.03.2011 13:12 | nach oben springen

#4

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 12:48
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat GilbertWolzow: @ek 40,interessanter beitrag. als diskussionsgrundlage wäre doch die die frage maßgeblich: wer oder was ist ein opfer bzw. ein täter. wollen wir hier vom strafrechlichen herangehen ?
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ja,dass solche Frage kommt war mir klar @GW,hatte auch auf dich oder @FD "getippt".
Ich möchte dir antworten.
Ein Opfer von damals ist für mich z.B. ein politisch Verfolgter,der durch die Staatssicherheit inhaftiert wurde.
Ich spreche jetzt nicht von Saboteuren o.ä.,sondern von Leuten,die einfach ihr Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung oder Ausreise in Anspruch nehmen wollten und dann als Verbrecher &Staatsfeinde,Asozial und dergleichen dargestellt wurden oder gar eingesperrt worden sind.
Täter sind für mich die Leute der Stasi,die im Kadavergehorsam einer Partei (und nicht dem Volk) dienten und diese Menschenrechte mit Füßen traten.
Heute werden sich viele Opfer von damals als Sieger fühlen und die Täter von damals als Opfer.
Wer von diesen beiden Gruppierungen kann nun über seinen eigenen Schatten springen?
Wer kann Fehler eingestehen und geschehenes Unrecht aufrichtig bedauern?
Ohne sich verleugnen zu müssen.....einfach nur ehrlich sein.
Es sind wohl die wenigsten.......man kann es in diesem Forum ja jeden Tag erleben.
Sorry,Nachtrag: Nein,ich will es nicht vom strafrechtlichen herangehen,sondern eher von der menschlichen Seite aus, von der Moral,wenn es die denn noch gibt.............

Gruß ek40


zuletzt bearbeitet 02.03.2011 12:54 | nach oben springen

#5

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 12:55
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Interessanter Artikel den Du da gefunden hast @ek40

Zitat
Wer dieses Spannungsfeld seit Jahren beobachtet, dem fällt es schwer zu hoffen, dass es zwischen Tätern und Opfern zu Gesprächen kommen kann.



Stehe ich dem Begriff Täter kritisch gegenüber, da er in Deutschland fest mit dem Täter im strafrechtlichen Sinne assoziiert ist. Will man seinem Gegenüber nicht sofort einen gewissen Stempel aufdrücken sollte man sich in einer sachlichen Diskussion auf die Begrifflichkeit Verantwortliche festlegen. Auch das "Opfer" mag sich zwar als ein solches fühlen, ist jedoch eher ein betroffener. Sonst könnte ich mir heute, wie Gilbert in einem anderen Thread anmerkte, auch ganz schnell den Opfer-Schuh anziehen.

Zitat
Da sie juristisch nicht verurteilt wurden, fühlten sie sich auch nicht als Täter und verhöhnten nicht selten ihre Opfer.



Zu Recht wie ich finde! Folgte man dieser Logik und bezieht dann folgerichtig auch die Organe des MdI, des MfNV und alle SED-Kader in diese ein, dann wären wir ja ein Volk mit Millionen von Tätern. Auch so kann man eine Gesellschaft dauerhaft spalten.

Zitat
Sie betonte, auch wenn viele in der Kirche während und unter der DDR-Zeit gelitten hätten und sich berechtigt als Opfer verstünden, sollten Menschen, die dem Regime nahestanden, "nicht in Schubladen" gesperrt werden. Mit Menschen in Schubladen lasse sich "nicht reden und nicht Gesellschaft bauen".



Eine bemerkenswerte und ehrliche Aussage. Hätte man sich diese Ansicht auch in politischen Kreisen zu eigen gemacht, dann hätte der Prozess der Aufarbeitung und Einigung gänzlich anders verlaufen können. Hieran ist man jedoch nicht interessiert.

Zitat
Und in der Januar-Ausgabe der "Mitteldeutschen Kirchenzeitungen" spricht sie von einer "Wand des Schweigens zwischen denen, die zum Opfer, und denen, die zum Täter in einem durch die Stasi durchsetzten Beziehungsgeflecht geworden waren". Kann die Wand des Schweigens irgendwann gebrochen werden?



Dafür, dass es bei beiderseitigen Willen durchaus geht, gibt es auch hier im Forum Beispiele.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#6

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 13:00
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von ek40

Wer kann Fehler eingestehen und geschehenes Unrecht aufrichtig bedauern?
Ohne sich verleugnen zu müssen.....einfach nur ehrlich sein.
Es sind wohl die wenigsten.......man kann es in diesem Forum ja jeden Tag erleben.



Sorry ek aber ich habe in diesem Forum durchaus schon jede Menge Beiträge gesehen, in denen einige Repressionsmaßnahmen zur "Bewältigung" gesellschaftlicher Missstände, die durch die Politik hätten gelöst werden müssen, durchaus kritisch gesehen wurden und klar als Fehler benannt wurden.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#7

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 13:09
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.


Sorry ek aber ich habe in diesem Forum durchaus schon jede Menge Beiträge gesehen, in denen einige Repressionsmaßnahmen zur "Bewältigung" gesellschaftlicher Missstände, die durch die Politik hätten gelöst werden müssen, durchaus kritisch gesehen wurden und klar als Fehler benannt wurden.




.........................................Ich glaube @ek40 meinte eher das Eingestehen eigener Fehler!!
Schönen Gruuß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 02.03.2011 13:11 | nach oben springen

#8

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 13:29
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Dadurch dass diese Maßnahmen durch den Einzelnen mitgetragen und man teils auch an ihrer Umsetzung direkt beteiligt war, würde ich diese heutige Einschätzung durchaus auch als das Eingestehen eigener Fehler bezeichnen.

Nun stellt sich nur die Frage wie man denn, sofern man diese auch damals schon als Fehler erkannt hatte und nicht nur als Unsinn ansah, darauf hätte reagieren sollen? Auch heute wird sich der eine oder andere Beamte mit den Vorgaben seines Dienstherren schwer tun, daraus jedoch gleich persönliche Konsequenzen zu ziehen werden jedoch die wenigsten in Betracht ziehen. Viele Angehörige der BW, die sich vor 10 oder 20 Jahren als Kampfeinsätze im Ausland noch Utopie waren, sehen ihre heutigen Einsätze auch als Fehler oder zumindest falsch an, ohne jedoch den Marschbefehl zu verweigern bzw. den Dienst zu quittieren und sich damit ihrer materiellen Existenz zu berauben. Wie die BW war auch das MfS ein militärisches Organ in dem man sich nicht so einfach auflehnen konnte, das sollte bei der Betrachtung nicht vergessen werden.

Solch gravierende Fehlentwicklungen die einem letztendlich nötigten seine Entlassung aus dem MfS zu beantragen sahen letztendlich nur die allerwenigsten, auch wenn man fairerweise sagen muss dass es solche Fälle gab.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#9

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 13:30
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

das was @ek 40 hier anspricht gab es auch anfang bzw. mitte der 90´er jahre in berlin. wenn mich mein gedächtnis nicht trübt, hiess die gesprächsreihe in einer berliner kirche "zwiegespräche". dort ist man aber nicht mit dem pauschalen "täter- opfer- täter" herangegangen. meines erachtens gab es dazu auch eine kleine broschür-reihe.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#10

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 13:40
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
das was @ek 40 hier anspricht gab es auch anfang bzw. mitte der 90´er jahre in berlin. wenn mich mein gedächtnis nicht trübt, hiess die gesprächsreihe in einer berliner kirche "zwiegespräche". dort ist man aber nicht mit dem pauschalen "täter- opfer- täter" herangegangen. meines erachtens gab es dazu auch eine kleine broschür-reihe.



Richtig, diese fanden unter der Leitung von Oberkonsistorialrat Dr. Schröte in der Erlöser-Kirche statt.
Die "broschür-reihe" war jedoch eine Zeitschrift und die Zusammenfassung aller Ausgaben ist hier erhältlich... http://www.trafoberlin.de/3-89626-093-6.htm


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#11

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 14:10
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Feliks D.
Dadurch dass diese Maßnahmen durch den Einzelnen mitgetragen und man teils auch an ihrer Umsetzung direkt beteiligt war, würde ich diese heutige Einschätzung durchaus auch als das Eingestehen eigener Fehler bezeichnen.

Nun stellt sich nur die Frage wie man denn, sofern man diese auch damals schon als Fehler erkannt hatte und nicht nur als Unsinn ansah, darauf hätte reagieren sollen? Auch heute wird sich der eine oder andere Beamte mit den Vorgaben seines Dienstherren schwer tun, daraus jedoch gleich persönliche Konsequenzen zu ziehen werden jedoch die wenigsten in Betracht ziehen. Viele Angehörige der BW, die sich vor 10 oder 20 Jahren als Kampfeinsätze im Ausland noch Utopie waren, sehen ihre heutigen Einsätze auch als Fehler oder zumindest falsch an, ohne jedoch den Marschbefehl zu verweigern bzw. den Dienst zu quittieren und sich damit ihrer materiellen Existenz zu berauben. Wie die BW war auch das MfS ein militärisches Organ in dem man sich nicht so einfach auflehnen konnte, das sollte bei der Betrachtung nicht vergessen werden.

Solch gravierende Fehlentwicklungen die einem letztendlich nötigten seine Entlassung aus dem MfS zu beantragen sahen letztendlich nur die allerwenigsten, auch wenn man fairerweise sagen muss dass es solche Fälle gab.




......................................Feliks, da der Thread nicht eröffnet wurde um von den eventuellen Betrachtungen der Bundeswehrsoldaten zu spekulieren, sollte man nicht vom Thema abschweifen (Dieses hast du selbst oft genug bei anderen Themen eingefordert) sondern sich nicht um eine korrekte Antwort drücken, indem man pauschal auf nachträglich eingestandende Fehler des Systems hinweist, zu einem Zeitpunkt wo solche Hinweise absolut ungefährlich sind. Es geht hier um das Eingestehen von "persönlichem " Fehlverhaltens im Sinne von moralischen und nicht von unmoralischen Vorgaben. Sich auf Gesetze zu berufen, die im Gegensatz zu den elementarsten Menschenrechten standen und auch im Nachhinein als rechtens angesehen werden ist meines Erachtens kein Eingestehen von eigenen Fehlern, sondern eher eine Rechtfertigung für damaliges Mitwirken an begangenem Unrecht.
Schönen gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 02.03.2011 14:11 | nach oben springen

#12

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 15:15
von SET800 | 3.090 Beiträge

Nicht vergessen, die meisten die sich heute als Opfer stilisieren waren Täter, machten sich nach dem Recht der DDR strafbar.

Konkrete Frage:

Galt auch in der DDR Aussage- und Zeugnisverweigerung gegenüber Familienmitgliedern? Beispiel: Sohn versuchte unerlaubt über die Grenze, folgte auf das Bekenntnis des Vaters in der Vernehmung es gewußt aber nicht unterstützt zu haben eine Strafe?



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#13

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 18:00
von UNGEDIENTER (gelöscht)
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Zitat von wosch

Zitat von Feliks D.
Dadurch dass diese Maßnahmen durch den Einzelnen mitgetragen und man teils auch an ihrer Umsetzung direkt beteiligt war, würde ich diese heutige Einschätzung durchaus auch als das Eingestehen eigener Fehler bezeichnen.

Nun stellt sich nur die Frage wie man denn, sofern man diese auch damals schon als Fehler erkannt hatte und nicht nur als Unsinn ansah, darauf hätte reagieren sollen? Auch heute wird sich der eine oder andere Beamte mit den Vorgaben seines Dienstherren schwer tun, daraus jedoch gleich persönliche Konsequenzen zu ziehen werden jedoch die wenigsten in Betracht ziehen. Viele Angehörige der BW, die sich vor 10 oder 20 Jahren als Kampfeinsätze im Ausland noch Utopie waren, sehen ihre heutigen Einsätze auch als Fehler oder zumindest falsch an, ohne jedoch den Marschbefehl zu verweigern bzw. den Dienst zu quittieren und sich damit ihrer materiellen Existenz zu berauben. Wie die BW war auch das MfS ein militärisches Organ in dem man sich nicht so einfach auflehnen konnte, das sollte bei der Betrachtung nicht vergessen werden.

Solch gravierende Fehlentwicklungen die einem letztendlich nötigten seine Entlassung aus dem MfS zu beantragen sahen letztendlich nur die allerwenigsten, auch wenn man fairerweise sagen muss dass es solche Fälle gab.




......................................Feliks, da der Thread nicht eröffnet wurde um von den eventuellen Betrachtungen der Bundeswehrsoldaten zu spekulieren, sollte man nicht vom Thema abschweifen (Dieses hast du selbst oft genug bei anderen Themen eingefordert) sondern sich nicht um eine korrekte Antwort drücken, indem man pauschal auf nachträglich eingestandende Fehler des Systems hinweist, zu einem Zeitpunkt wo solche Hinweise absolut ungefährlich sind. Es geht hier um das Eingestehen von "persönlichem " Fehlverhaltens im Sinne von moralischen und nicht von unmoralischen Vorgaben. Sich auf Gesetze zu berufen, die im Gegensatz zu den elementarsten Menschenrechten standen und auch im Nachhinein als rechtens angesehen werden ist meines Erachtens kein Eingestehen von eigenen Fehlern, sondern eher eine Rechtfertigung für damaliges Mitwirken an begangenem Unrecht.
Schönen gruß aus Kassel.




@wosch
Wolfgang, genau so ist es. Solange man sich immer wieder zu rechtfertigen versucht für damaliges Mitwirken an begangenem Unrecht, wird es nie zu einer echten Aufarbeitung kommen. Es wird dann immer wieder abgelenkt auf Themen in anderen Ländern oder in der BRD ( wie Mauer in Mexiko oder BND ).
Kleinkinder früher in der Schule waren genauso. Immer wenn der Lehrer sie bei etwas Unrechtem erwischte, kam die Aussage: Aber der Schüler XYZ hat das auch gemacht.
Tröstlich ist für mich nur, das solche Meinungen eine Minderheit sind und nicht der heutigen Denkweise der grossen Mehrheit der Bürger in den neuen Bundesländern entsprechen, wie ich es gottseidank immer wieder bei Gesprächen mit Landsleuten aus den neuen Bundesländern erlebe.
Fehler aus der Vergangenheit zugeben zu können, zeugt nicht nur von menschlicher Größe, sondern öffnet auch Türen und Herzen sich die Hand zu reichen.


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#14

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 18:04
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Zitat von UNGEDIENTER

...Fehler aus der Vergangenheit zugeben zu können, zeugt nicht nur von menschlicher Größe, sondern öffnet auch Türen und Herzen sich die Hand zu reichen...



Ja, wäre gut wenn sich das alle Prota- und Antagonisten hinter die Ohren schreiben und auch leben würden!


zuletzt bearbeitet 02.03.2011 18:11 | nach oben springen

#15

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 18:28
von PF75 | 3.291 Beiträge

VOS-Bundeschef Johannes Rink, der an der Tagung mit weiteren Stasi-Opfern aus Magdeburg teilnimmt, schloss im Gespräch mit der Volksstimme eine Versöhnung mit den Tätern kategorisch aus. "Wenn die Täter auf breiter Front wenigstens Einsicht zeigen, dann sind wir zu Gesprächen bereit", sagte er. Von Reue sei jedoch bei den Tätern nichts zu spüren.;
Zitat Volksstimme

wenn ich solche Aussagen lese drängt sich mir immer der Verdacht auf diese Leute wollen gar keine aufarbeitung ,Versöhnung,Den anfang müssen immer erst die anderen machen und dann kann man sich immer noch überlegen ob das reicht oder mann weiter schmollt,es sollten sich sich vieleicht mal beide seiten bewegen bzw. mit gutem beispiel vorangehen, immer nur auf die anderen zeigen ist ja auch keine lösung und mal über seine Schatten springen kann man ja mal versuchen.


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#16

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 18:35
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Was wollt ihr beide eigentlich @Wosch und Ungedienter? Reicht es nicht wenn einzelne Fehlentwicklungen und auch die persönliche Schuld daran mitgewirkt zu haben eingestanden wird? Soll man zu Kreuze kriechen und sich am besten gleich komplett dafür entschuldigen jemals dem MfS angehört zu haben? Wenn das eure Ansicht von Versöhnung oder Verstehen ist, na dann kein Wunder wenn die meisten sagen "Nein Danke"... mehr dazu verkneif ich mir jetzt!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 18:36 | nach oben springen

#17

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 18:38
von Pit 59 | 10.123 Beiträge

Es wird niemals eine Versöhnung geben,schon deshalb nicht weil doch alle nur "IHRE" Pflicht getan haben.Ich kenne keinen der sagt,ja ich habe Bürgern geschadet und dafür Entschuldige ich mich,ganz im Gegenteil die haben heute noch nichts gelernt.


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#18

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 18:42
von Thunderhorse | 3.993 Beiträge

Zitat von SET800
Nicht vergessen, die meisten die sich heute als Opfer stilisieren waren Täter, machten sich nach dem Recht der DDR strafbar.





Mal wieder die typische allumfassende Einstufung/Klassifizierung.


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 18:42 | nach oben springen

#19

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 18:50
von PF75 | 3.291 Beiträge

Wie schrieb doch vor ein paar Tagen ein User ,bei einigen Schreibern ist die Einstellung 1989 eingefroren (oder so),bloß er vergaß zu erwähnen, das man das auf beide Seiten der Diskussionsfront beziehen kann(und muß?).


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#20

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 19:36
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von Pit 59
Es wird niemals eine Versöhnung geben,schon deshalb nicht weil doch alle nur "IHRE" Pflicht getan haben.Ich kenne keinen der sagt,ja ich habe Bürgern geschadet und dafür Entschuldige ich mich,ganz im Gegenteil die haben heute noch nichts gelernt.



Pit ehrlich... ich liebe Deine wirklich fundierten Beiträge!


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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