#21

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 19:48
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Folgender Beitrag ist eigentlich OT, aber ernstliche Fragen sollen ja dem Verständnis des Forums nach beantwortet werden. Wenn ein Admin der Meinung sein sollte, dann können die beiden Beiträge gern in ein eventuell neu zu eröffnendes Thema "Rechtliche Fragen" oder so ähnlich verschoben werden.

Zitat von SET800

Galt auch in der DDR Aussage- und Zeugnisverweigerung gegenüber Familienmitgliedern? Beispiel: Sohn versuchte unerlaubt über die Grenze, folgte auf das Bekenntnis des Vaters in der Vernehmung es gewußt aber nicht unterstützt zu haben eine Strafe?



Deine Frage ist etwas unsauber formuliert, denn du vermischst hier mit dem Recht zur Aussageverweigerung nach der StPO und der Anzeigepflicht nach dem StGB zwei verschiedene Rechtsnormen. Ich denke dies liegt am mangeldem Fachwissen und will daher gerne versuchen mit meiner Antwort deiner Frage trotzdem gerecht zu werden.

Die Rechtsvorschriften der DDR orientierten sich zum Teil an denen der Sowjetunion und diese kannte kein Aussageverweigerungsrecht. Dort folgte man dem Grundsatz dass im Gerichts- und Ermittlungsverfahren alle möglichen Beweismittel umfassend gewürdigt werden müssen, um so die objektive Wahrheit zu ermitteln. Das berechtigte gesellschaftliche Interesse, in diesen Verfahren die Wahrheit zu ermitteln, ging nach dieser Ansicht also den Einzelinteressen der betroffenen Personen zur Aussageverweigerung vor. Eine vernüftige Ansicht der ich heute noch folge, allerdings gehen ja heute in allen Bereichen die Einzelinteressen vor.

Im ersten Teil deiner Frage fragst Du ob es das Recht zur Aussageverweigerung für Familienmitglieder gibt und dies ist grundsätzlich mit ja zu beantworten. Geregelt war das Aussageverweigerungsrecht für die Familie in §26 StPO und das für besondere Berufsgruppen in § 27 StPO. Wie oben beschrieben orientierten sich die Rechtsvorschriften an denen der UdSSR und daher gab es eine Einschränkung in dem Sinne, dass bei Straftaten die nach §225 StGB anzeigepflichtig waren kein Aussageverweigerungsrecht nach den §§26, 27 StPO gab. Somit hing es auch immer von der Straftat ab ob das Recht zur Aussageverweigerung in Anspruch genommen werden konnte.

Jetzt zum zweiten Teil deiner Frage.

1. Wäre der Vater schon recht dumm gewesen dies freiwillig zuzugeben. Die Frage zu möglichen Mittätern bzw. Mitwissern zu klären war Aufgabe des Untersuchungsführers im nun gegen den Sohn zu eröffnenden Ermittlungsverfahren. Mit der richtigen vernehmungstaktischen Grundlinie wurde dieser Kampfauftrag in der Regel auch erfüllt, ergänzend gab es jedoch zur Klärung dieser Frage auch immer Befragungen der Angehörigen.

2. Die versuchte Republikflucht des Sohnes war eine Straftat nach § 213 (1), (4) StGB und war daher nach § 225 (1) Nr. 5 StGB anzeigepflichtig. Aus § 26 (1) S. 2 ergibt sich dass der Vater in diesem Fall also kein Recht zur Aussageverweigerung hat. Wird nun auch noch das Wissen des Vaters um die Flucht, bzw. die Fluchtvorbereitungen seines Sohnes bekannt, dann liegt bei ihm eine strafbare Handlung nach § 225 StGB vor. Mögliche Folgen: Öffentlicher Tadel, Geldstrafe, max. 5 Jahre Freiheitsstrafe oder Verurteilung auf Bewährung.

Frage zufriedenstellend und verständlich beantwortet?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 19:58 | nach oben springen

#22

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 20:41
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Feliks D.
Was wollt ihr beide eigentlich @Wosch und Ungedienter? Reicht es nicht wenn einzelne Fehlentwicklungen und auch die persönliche Schuld daran mitgewirkt zu haben eingestanden wird? Soll man zu Kreuze kriechen und sich am besten gleich komplett dafür entschuldigen jemals dem MfS angehört zu haben? Wenn das eure Ansicht von Versöhnung oder Verstehen ist, na dann kein Wunder wenn die meisten sagen "Nein Danke"... mehr dazu verkneif ich mir jetzt!




...............................................Feliks, Deine Frage ist ja so gestellt, als ob Du mir unterstellen würdest, daß ich Dir etwas "Schlimmes" anhängen möchte. Dein "eigentlich" hört sich schon sehr vermessen an, Du bringst meiner Meinung nach damit zum Ausdruck, daß ich Dir zuliebe mal besser meinen "Mund" halten sollte. Nein Feliks, dafür habe ich mich in diesem Forum nicht angemeldet und ich nehme mir genauso wie Du das Recht heraus, so zu schreiben wie es aus meiner Sicht angemessen ist. Wenn es auch nicht in Deinem Sinne ist, glaube mir, lieber Feliks, ich ertrage etliche Deiner und einige Anderer Beiträge auch nur mit einem flauen Gefühl in der Magengegend und wenn meine Antworten Dir ebenso unerträglich sein sollten, dann wären wir diesbezüglich quitt. Wegen mir mußt Du nicht "zu Kreuze" kriechen, aber dann sei wenigsten so "tapfer" und vertrage auch das "Echo". Wir sind doch hier um miteinander zu reden, deswegen müssen wir doch nicht die "gleiche" Sprache sprechen! Jeder aus seiner Sicht, ohne daß man sich anpöbelt, daß sollte Jedermann mit und trotzt seiner eigenen Vergangenheit noch hinkriegen. Ich wüßte auch nicht, wieso Du Dich bei mir entschuldigen solltest, mir hast Du nichts getan und mir geht es auch nicht um Deine Person. Mir geht e s um das Regime, in dem Du nur ein kleines "Rädchen" warst. Es gab viele kleine "Rädchen", in ihrer Vielzahl ergaben sie aber das große "Getriebe" und das muß man wohl noch sagen dürfen!
Schönen Gruß aus Kassel.

PS: Feliks, ich habe übrigens nie behauptet, daß ich mich mit Dir und ehemaligen Mitarbeitern des MfS versöhnen will, dafür besteht für mich auch überhaupt kein Anlaß, ich bin hier um die verschiedensten Ansichten zur Kenntnis zu nehmen und die Meine in den Raum zu stellen. Nicht Mehr und nicht Weniger!


eclipse1983 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 22:47 | nach oben springen

#23

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 20:58
von Backe | 480 Beiträge

Zum Beitrag Heute 19:48
2. Mögliche Folgen Wiedergutmachung an der Gesellschaft käme doch auch in Betracht


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 21:00 | nach oben springen

#24

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 20:59
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von Backe
Zum Beitrag Heute 19:48
2. Wiedergutmachung an der Gesellschaft käme doch auch in Betracht



und was genau stellst du dir da so vor?


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#25

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 21:02
von Backe | 480 Beiträge

Zitat von Pitti53

Zitat von Backe
Zum Beitrag Heute 19:48
2. Wiedergutmachung an der Gesellschaft käme doch auch in Betracht



und was genau stellst du dir da so vor?



Erpressung zum IM,Sorry Wiedergutmachung an.......


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#26

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 21:08
von Mike59 | 7.972 Beiträge

Zitat von Backe

Zitat von Pitti53

Zitat von Backe
Zum Beitrag Heute 19:48
2. Wiedergutmachung an der Gesellschaft käme doch auch in Betracht



und was genau stellst du dir da so vor?



Erpressung zum IM,Sorry Wiedergutmachung an.......



---------------------------
Hatte auch schon Überlegt, aber jetzt hat's bei mir auch click gemacht. Danke.
Wie war das bei dir, überwogen die Vor- oder die Nachteile? Sorry, interessiert mich nur persönlich.

Mike59


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#27

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 21:08
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von Backe

Zitat von Pitti53

Zitat von Backe
Zum Beitrag Heute 19:48
2. Wiedergutmachung an der Gesellschaft käme doch auch in Betracht



und was genau stellst du dir da so vor?



Erpressung zum IM,Sorry Wiedergutmachung an.......




sprich ruhig weiter


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#28

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 21:18
von Backe | 480 Beiträge

Thema: welche Beweggründe gab es, als IM tätig zu werden vom 11.02.11 ab 17:14 bis 20:21
mal lesen.Da geht es um "Wiedergutmachung"
VG


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#29

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 21:24
von Mike59 | 7.972 Beiträge

Zitat von Backe
Thema: welche Beweggründe gab es, als IM tätig zu werden vom 11.02.11 ab 17:14 bis 20:21
mal lesen.Da geht es um "Wiedergutmachung"
VG


-----------------
Ok habs gelesen,
ich hoffe du hast das beste daraus gemacht. Damit meine ich für dich persönlich und nichts anderes.

Mike59


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#30

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 02.03.2011 23:20
von SEG15D | 1.121 Beiträge

Ich weiß nicht so richtig: sollte man nicht irgendwo mehr als 20 Jahre danach seinen Frieden machen können?
Vielleicht sich auch mal privat drüber unterhalten über das wieso und warum....
und einfach respektieren und akzeptieren, wieso damals Sachen so gelaufen sind wie sie sind....

Hier steht immer so was wie konträre Meinungen aber immer der Dialog im Vordergrund... Wieso das nicht auch mal so leben?!


mfG SEG15D



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#31

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 00:23
von utkieker | 2.922 Beiträge

Ob ein Opfer zur Versöhnung bereit ist überlasse ich dem Opfer, erwarten soll man es nicht. Es ist eine höchstpersönliche Angelegenheit, die zur Vergebung Anlass geben könnte. Anders ist es mit dem Vergessen, die geschichtlichen Ereignisse sollte man tief im Gedächtnis behalten.
Straftaten sollten aufgeklärt und die Täter bestraft werden. Mit der Moral habe ich so meine Schwierigkeiten, der "Moral"- Begriff ist mir ganz einfach zu schwammig. Wie soll ich denn in Erscheinung treten?
Sorry, ich war Grenzsoldat und hab die Zeichen der Zeit nicht erkannt und bin nicht desertiert. Ich habe mich im Grenzdienst zwar nicht mit Ruhm bekleckert, bin aber trotzdem mit allen Ehren in den Reservistenstand versetzt worden. Ich war ein Rädchen im Getriebe der DDR und ich distanziere mich nicht von meiner Vergangenheit. Meine blütenreine Weste verträgt kein Spee, darum bitte ich um den Persilschein. Erweckt den Geist von Mc Carthy und ich gebe zu eine Hexe zu sein.

Gruß Hartmut


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#32

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 01:19
von wosch (gelöscht)
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Zitat von utkieker
Ob ein Opfer zur Versöhnung bereit ist überlasse ich dem Opfer, erwarten soll man es nicht. Es ist eine höchstpersönliche Angelegenheit, die zur Vergebung Anlass geben könnte. Anders ist es mit dem Vergessen, die geschichtlichen Ereignisse sollte man tief im Gedächtnis behalten.
Straftaten sollten aufgeklärt und die Täter bestraft werden. Mit der Moral habe ich so meine Schwierigkeiten, der "Moral"- Begriff ist mir ganz einfach zu schwammig. Wie soll ich denn in Erscheinung treten?
Sorry, ich war Grenzsoldat und hab die Zeichen der Zeit nicht erkannt und bin nicht desertiert. Ich habe mich im Grenzdienst zwar nicht mit Ruhm bekleckert, bin aber trotzdem mit allen Ehren in den Reservistenstand versetzt worden. Ich war ein Rädchen im Getriebe der DDR und ich distanziere mich nicht von meiner Vergangenheit. Meine blütenreine Weste verträgt kein Spee, darum bitte ich um den Persilschein. Erweckt den Geist von Mc Carthy und ich gebe zu eine Hexe zu sein.

Gruß Hartmut




..........................................Hallo Hartmut, ich habe es mal rot hervorgehoben, daß mit dem "Bestrafen". Darum geht es doch garnicht mehr, Erstens ist Alles außer Mord doch schon verjährt und Zweitens hatte die Politik Alles dafür getan, daß der Justiz nach der Wende die Hände für die Ahndung von begangenem Unrecht gebunden waren. Dein Wunsch, daß "aufgeklärt" und "Täter" bestraft werden sollen, ist und bleibt also reines Wunschdenken. Was bleibt dann noch außer der Frage nach der Moral, die doch nur an Diejenigen gerichtet wird, Die mir auch heute noch erzählen wollen,daß ihr damaliges Handeln absolut in Ordnung war, selbst wenn sie damit unsägliches Leid verursacht hatten, Die sich nicht scheuen aus der Anonymität des Internets heraus auf eine Demokratische Regierungsform "draufzuhauen", obwohl sie sich bis zur Wende nur für eine menschenverachtene Diktatur eingesetzt hatten. Es geht nicht um den Soldaten, ob bei der NVA oder den GT, egal ob Gezogen, oder Freiwillig, es geht darum was er heute von sich gibt und er sollte sich nicht wundern, wenn seine Äußerungen kritisch betrachtet werden. Ja Hartmut, die geschichtlichen Ereignisse sollten nicht in Vergessenheit geraten. Dazu gehört aber auch, daß man sich gegen geschichtliche Verklärungen Einiger zur Wehr setzen muß und dazu gehört eben, daß man nicht Alles so stehen lassen kann, wie es hier Hin-und Wieder vorgebracht wird.
Hier wird meiner Meinung nach viel zu viel versucht den Status von Opfern und Tätern zu definieren, man sollte sich statt dessen mehr mit dem Begriff "Moral" beschäftigen! Und kommt mir jetzt Keiner mit dem "Guttenberg", hier hat die Demokratie letztendlich bewiesen, das sie so etwas nicht duldet!
Schönen Gruß aus Kassel.


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#33

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 02:17
von student | 89 Beiträge

Ich hatte die Gelegenheit, gewissermaßen auf beiden Seiten Erfahrungen zu sammeln. Auch ich sage heute von mir, daß ich das gesellschaftliche System der DDR vorbehaltlos unterstützt habe, so lange ich von ihm überzeugt war. Ich habe zu dieser Zeit auch nie die Versuchung gehabt, diesen einen Schritt zu machen, der nach der Auffassung mancher die „Freiheit“ bedeutet hätte. Ich halte es für wesentlich, danach zu differenzieren, wie man seinen „Job“ an der Grenze oder an einer beliebigen anderen vergleichbaren Stelle getan hat. (Wobei man auch immer berücksichtigen muß, daß Menschen zu irrationalem Verhalten neigen, wenn sie sich von anderen beobachtet fühlen, und das war ja doch gerade in den Linieneinheiten ziemlich lückenlos der Fall.) Aber man konnte, wie selbst erlebt, eine grundsätzliche Professionalität wahren, die z.B. ohne übertriebene Härte gegenüber denen auskam, die man etwa festgenommen hatte, oder man konnte diese Gelegenheit dazu nutzen, besondere Systemkonformität zu demonstrieren. Ich habe Vorgesetzte erlebt, die sehr sachlich und –wenn man das in diesem Zusammenhang so nennen will- human mit denen umgingen, die sich heute als Opfer sehen, und das genau so von ihren Unterstellten verlangten. Ebenso gab es andere, und leider muß ich in diesem Zusammenhang immer die Politstellvertreter ansprechen, die mit martialischem Gerede einen besonders harten Umgang mit solchen „Subjekten“ verlangten – meist allerdings, ohne das dann selbst auch zu praktizieren. Es war nicht notwendig, einen durch eine SM70 Verletzten vom LO zu zerren und dann im Objekt einfach fallen zu lassen. Wenn solche Grenzen überschritten wurden, dann ist auch zu verstehen, wenn die Beteiligten eine tiefe Kluft zwischen sich konstatieren müssen, vorausgesetzt, es sind beide noch am Leben. Und später habe ich wieder beide Typen kennengelernt – den sachlichen, ganz auf den objektiven Sachverhalt konzentrierten Offizier ebenso wie den, der mit Geschrei und Drohungen nichts anderes versuchte als seine eigene Zuverlässigkeit zu demonstrieren. Es wird sicher überall beide Typen geben – den, der, vielleicht sogar nur sich selbst gegenüber, einräumen muß, daß er unter den gegebenen Umständen korrekt behandelt wurde, und den anderen, der Dinge erleben mußte, die auch aus der Sicht der damals offiziellen Auffassungen nicht zu vertreten waren. Und wenn dann, ohne großartige und medienwirksame Verbrüderung, wenigstens auf Rachegelüste verzichtet wird, dann ist doch schon viel erreicht. Wir sind schließlich alle in eine Welt hineingeboren worden, die wir so nehmen mußten, wie sie war und ist. Es ist, im Großen wie im Kleinen, so, daß wir einmal Sieger und einmal Besiegte sein können, und –das ist meine eigene Erfahrung- man sollte sich als „Sieger“ so aufführen, daß man dann, wenn man durch die Umstände von der einen auf die andere Seite gerät, immer noch zu dem stehen kann, was man getan oder unterlassen hat, ohne daß man sich von ganz allgemeinen menschlichen Gesichtspunkten her dafür schämen muß. Das Besondere unserer Situation sehe ich darin, daß wir in einem System großgeworden sind, in dem das Lippenbekenntis eine herausragende Rolle spielte. Also spielte auch das demonstrative Handeln eine große Rolle, und daher bin ich auch geneigt, gegenüber den Akteuren Nachsicht zu üben, die in Situationen geraten sind, wo nur noch sehr wenig Blut im Adrenalin war und man eigentlich nur noch mechanisch antrainierte Abläufe geschehen ließ. Eine Ausnahme mache ich bei denen, wo man deutlich merkte, wie sehr sie ihr kleines bißchen Macht genossen haben – aber selbst das ist eine Charakter- und keine Systemfrage. Auf alle Fälle halte ich wenig von "Nun gebt euch die Hand und vertragt euch", eine Aufforderung, die immer nur von denen kommt, die selbst nicht wissen, worum es geht. Wenn es von beiden Seiten die Bereitschaft dazu gibt, geschieht es sowieso, und verordnen kann man so etwas einfach nicht. Meistens werden die eigentlich Betroffenen auch zu Objekten für Leute, die nur medienwirksam ihr Gutmenschentum inszenieren wollen.


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#34

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 07:47
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von wosch

........die mir auch heute noch erzählen wollen,daß ihr damaliges Handeln absolut in Ordnung war, selbst wenn sie damit unsägliches Leid verursacht hatten........

........sie sich bis zur Wende nur für eine menschenverachtene Diktatur eingesetzt hatten........

........man sollte sich statt dessen mehr mit dem Begriff "Moral" beschäftigen!........



Wie bereits 2 mal zuvor erklärt spricht ja hier niemand von absolut in Ordnung, das überliest Du jedoch immer gern. Paßt ja auch nicht so ganz in dein Weltbild, aber immer wieder schön von Dir Geschichte erklärt zu bekommen. Mann bekommt einen ganz besonderen Blick für die Feinheiten.

Zur Moral wollen wir mal Johann Wolfgang von Goethe zu Wort kommen lassen: „Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand mehr Gewissen (Moral) als der Betrachtende.“


Zitat von Backe
Zum Beitrag Heute 19:48
2. Mögliche Folgen Wiedergutmachung an der Gesellschaft käme doch auch in Betracht



Richtig, auch wenn es "Absehen von Maßnahmen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit" heißen muss. Dies war in §25 des StGB geregelt und letztendlich auch ein Ausdruck des humanistischen Gedankens im sozialistischen Strafrecht. Dass hieß wenn ein Beschuldigter im Anschluss an seine Tat durch Handlungen, die geeignet waren den Schaden der materiell oder an der Gesellschaft entstanden war zu beseitigen, tätige Reue zeigte konnte von weiteren strafrechtlichen Maßnahmen abgesehen werden. Ein stets einwandfreies Verhalten vor der Tat reichte hier jedoch nicht, es kam immer auf seine Bemühungen nach der Tat an. Ausführliches dazu findet sich im Kommentar zum StGB . Persönlich sind mir jedoch nur eine handvoll Fälle bekannt, in denen bei der angesprochenen Fallkonstellation der §25 zur Anwendung kam.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 03.03.2011 07:50 | nach oben springen

#35

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 07:58
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Eine vernüftige Ansicht der ich heute noch folge, allerdings gehen ja heute in allen Bereichen die Einzelinteressen vor.

Frage zufriedenstellend und verständlich beantwortet?




Dreimal Zustimmung, danke!



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#36

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 09:19
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von Feliks D.
[quote="wosch"]
........die mir auch heute noch erzählen wollen,daß ihr damaliges Handeln absolut in Ordnung war, selbst wenn sie damit unsägliches Leid verursacht hatten........

........sie sich bis zur Wende nur für eine menschenverachtene Diktatur eingesetzt hatten........

........man sollte sich statt dessen mehr mit dem Begriff "Moral" beschäftigen!........



-------------------------------------------------------------------------------------------

Wie bereits 2 mal zuvor erklärt spricht ja hier niemand von absolut in Ordnung, das überliest Du jedoch immer gern. Paßt ja auch nicht so ganz in dein Weltbild, aber immer wieder schön von Dir Geschichte erklärt zu bekommen. Mann bekommt einen ganz besonderen Blick für die Feinheiten.

Zur Moral wollen wir mal Johann Wolfgang von Goethe zu Wort kommen lassen: „Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand mehr Gewissen (Moral) als der Betrachtende.“



...............................................Hallo Feliks, Du magst mir ja unterstellen, daß ich ein ganz besonderes "Weltbild" habe, wobei ich nicht verstehe, was mein "sogenanntes" Weltbild mit dem zu tun hätte, um was es sich hier dreht?! Ich brauche doch garnicht so weit in die Ferne schauen, denn All das, über daß wir hier debattieren und diskutieren lag in unmittelbarer Nachbarschaft von mir und meiner in der DDR wohnenden Familie. Es ist schon bezeichnend, wenn man seinem ehemaligen Auftraggeber (SED), dem man jahrelang loyal gegenüberstand, dem man zu "verdanken" hatte daß man eine Position inne hatte die sich vom Rest der DDR-Bevölkerung gravierend abhob und in der man All das durchzusetzen hatte, was als Recht deklariert war, aber mit Recht im eigentlichen Sinne nichts gemein hatte und nach gezwungener Beendigung dieses "Arbeitsverhältnisses" meint, nur weil man an bestimmten Maßgaben dieser Partei im nachhinein kein Gutes Haar läßt und ihr die alleinige Schuld für alle Mißstände überträgt, hätte man seinen Teil für die Aufarbeitung der Geschichte geleistet. Ich brauche Dir die Geschichte nicht zu erklären Feliks, Du bist intelligent genug um zu wissen was sich in der DDR wirklich abgespielt hatte, in Bezug darauf wie mit Denen umgegangen wurde, die ihr kritisch gegenüberstanden! Mag auch die "Partei" der "Auftraggeber" gewesen sein, "ausfüherndes" Organ war sie nicht! Man sollte sich deswegen erst mal auf seine eigene "Zuständigkeit" beschränken, bevor man die Schuld auf Andere abwälzt! Siehst Du Feliks, das meinte ich mit "Moral"
Deinem Hinweis auf den Ausspruch von Johann-Wolfgang von Goethe setze ich mal Dieses gegenüber:
http://de.wikipedia.org/wiki/Moral

Schönen Gruß aus Kassel.


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#37

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 09:42
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Auf welche Moral wollen wir uns denn jetzt beziehen? Auf die sozialistische Moral an der sich die damaligen Handlungen messen lassen müssen, oder die Siegermoral die letztendlich die bürgerliche Moral ist? Zur bürgerlichen Moral und ihrer Beschränktheit äußerte sich Marx wie folgt: "Die Moral ist die ‚Machtlosigkeit in Aktion‘. So oft sie ein Laster bekämpft, unterliegt sie.". Was sollen wir jetzt also auf diese geben?

Langsam kommen wir aber mit der schiefen Moralschiene als Massstab für staatliches Handeln auf ein Gebiet für das @Turtle schon vor längerem ein Thema eröffnet hatte... Gewissen oder auch nicht!?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 03.03.2011 09:59 | nach oben springen

#38

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 09:56
von wosch (gelöscht)
avatar

[quote="Feliks D."]Auf welche Moral wollen wir uns denn jetzt beziehen? Auf die sozialistische Moral an der sich die damaligen Handlungen messen lassen müssen, oder die Siegermoral die letztendlich die bürgerliche Moral ist? Zur bürgerlichen Moral und ihrer Beschränktheit äußerte sich Marx wie folgt: "Die Moral ist die ‚Machtlosigkeit in Aktion‘. So oft sie ein Laster bekämpft, unterliegt sie.". Was sollen wir jetzt also auf diese geben?


...........................................Ich denke nicht, daß man "Moral" in verschiedenen Kategorien einteilen kann, für mich gibt es nur eine Moral und die hat für Alle zu gelten. Der Begriff "sozialistische Moral" ist m.E. genauso fehl am Platz wie der Begriff "Siegermoral" und hat nur von dem abzulenken, was sich hinter dem Begriff "Moral" wirklich verbirgt! Übrigens, von "Moral" leitet sich das Verb "moralisch" ab. Nun ja, was Marx betrifft, heißt es nicht in Bezug auf seine Person des öfteren "er würde sich so manches Mal im Grabe umdrehen?" Man kann ihm viel nachsagen, aber wie er heute seine Thesen einschätzen würde, weiß nur der "liebe Gott" , die Bibel und die Geschichte der Sowjetunion unter und über Stalin wurde auch mehrmals umgeschrieben!
Schönen Gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 03.03.2011 10:16 | nach oben springen

#39

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 10:46
von moreau | 384 Beiträge

Zitat
VOS-Bundeschef Johannes Rink, der an der Tagung mit weiteren Stasi-Opfern aus Magdeburg teilnimmt, schloss im Gespräch mit der Volksstimme eine Versöhnung mit den Tätern kategorisch aus. "Wenn die Täter auf breiter Front wenigstens Einsicht zeigen, dann sind wir zu Gesprächen bereit", sagte er. Von Reue sei jedoch bei den Tätern nichts zu spüren.

Bei dieser Aussage frage ich mich wie die Opferverbände sich das praktisch vorstellen? Soll da der ranghöste EX- MFS-Offizier einen Befehl dazu geben?? " Männer jetzt wird bereut! " Oder wie ?? Ist es den im wahren Leben nicht so, das Reue aus dem geringsten Selbstzweifeln an der eigenen Rolle und seinen eigenen Tun entsteht. Das dieser Vorgang langsam vonstatten geht und für den Einzelnen ein langwieriger und "steiniger" Weg ist, sich sein damaliges "Fehlverhalten" (bitte nicht an dem Begriff festbeißen) einzugestehen? Aber was wird gemacht! Sobald einer der Ehemaligen sich auf diesen Weg macht und sich zu Wort meldet, wird seit 20 Jahren verbal und teilweise medial auf ihn eingedroschen. So nach dem Motto "Das ist uns zu Wenig , er soll konkreter werden und sich nicht wegdrehen". Ist es da ein Wunder das sich keiner äußert und aus der "Deckung" kommt!? Also ich wundere mich nicht! Ich würde es genauso machen! Und dann beklagen sich die Opferverbände über eine "Mauer des Schweigens". Obwohl sie, durch ihr Verhalten, daran auch nicht ganz unschuldig sind. Aber es ist halt einfacher von Anderen zu verlangen über den eigenen Schatten zu springen als es im eigenen Interesse ausmahmsweise mal selbst zutun. Unter diesen Umständen werden die Opfer niemals genugtung von den Ehemaligen erfahren. Eine Aufarbeitung der Geschichte wird es so auch nicht geben. Schade!
Es ist offensichtlich wirklich so, das die Geschichte "aufgearbeitet" ist wenn der Letzte der beteiligten Seiten nicht mehr ist.
Für mich ist das eine äußerst unbefriedigende Entwicklung.

Gruß
moreau


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#40

RE: Wann wird die Wand des Schweigens durchbrochen?Kann sie beseitigt werden?

in Themen vom Tage 03.03.2011 11:08
von Landeposten (gelöscht)
avatar

hallo,tätige Reue wäre für mich,wenn die ehemaligen immer einen leichten Aschestreifen der von ihrem kopf rieselt hinter sich herziehen würden.Hieran könnte man denselben auch immer leicht erkennen und mit dem Finger auf ihn deuten.
Eine zusätzliche Pein ist dabei auch das ständige mitführen von Kehrblech und Handfeger.


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