#1

Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 01.03.2011 21:52
von Hans55 | 762 Beiträge

Hallo, alle zusammen! 1984 bekamen wir unsere erste Neubauwohnung zugewiesen und von da an war ein mal im Monat"Subbotnik"! Ein Samstag im Monat wurde von der Hausgemeinschaft rund um den Neubaublock sauber gemacht.Es wurde streng darauf geachtet,wer dran teil nimmt und wer nicht.( Ist bei uns hier in der Ecke,wieder im kommen) Hans55


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#2

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 01.03.2011 21:55
von Theo85/2 | 1.197 Beiträge

Nicht nur bei Dir.

Wir machen schon seit Jahren Frühjahrsputz. Natürlich freiwillig und unentgeldlich.

Theo 85/2


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#3

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 07:00
von Pit 59 | 10.123 Beiträge

Bei der ersten Neubau Wohnung AWG mussten wir ein paar Hundert Stunden puddeln,hatte aber überhaupt nix mit der Wohnung zu tun.Irgendweloche Schwachsinnigen Ausschachtungen irgendwo.Haste den "Aufseher"mal ein Bierchen ausgegeben,haste eben mal ein paar Stunden mehr bekommen.War also wie überall in der DDR,Lug und Betrug.


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#4

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 08:47
von wosch (gelöscht)
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Zu meiner Zeit fiel das "Nationale Aufbauwerk" zweimal im Jahr immer auf den "arbeitsfreien" Sonntag. Aufgerufen zu solche "Pflicht-Veranstaltungen" hatte regelmäßig unser Kaderleiter, der auch daran teilnahm, sich aber dadurch auszeichnete, daß er nur rumlief und "coole" Sprüche kloppte! Mann konnte sich als Lehrling Dem nicht entziehen und als Bezahlung gab es anschliessend den Handschlag von ihm, auf den wir damals Alle gerne verzichtet hätten. Angeblich waren solche "Veranstaltungen" freiwillig, in Wirklichkeit wurden wir Lehrlinge zu ihnen "gezwungen".
Schönen Gruß aus Kassel.


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#5

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 10:53
von VNRut | 1.483 Beiträge

Diese Sobbotnik* oder "Schöner unser Städte und Gemeinde**"- Aktionen waren gar nicht verkehrt, zumal man die Jugend durch diese Arbeiten zur Anerkennung von gesellschaftlichen und privaten Eigentum anerziehen wollte. Mir hatten die Arbeiten immer Freude bereitet. Man war in der Gesellschaft eingebunden und hinterher gab es meist noch ein feuchtfröhliches Grillfest. Heute gibt´s wieder in vielen Städten und Dörfern den Frühjahrsputz.

Wenn ich mich heute in den Großstädten die mit Graffiti beschmierten Häuser und Brücken sowie Waggons der DB anschaue, dann bekomme ich die Zornesröte im Gesicht. Und wenn dann noch das eigene Grundstück ...Schade das ich keine Kalaschnikow mehr habe.

*http://de.wikipedia.org/wiki/Subbotnik
**http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne...e_und_Gemeinden
http://www.zeitzone-ddr.de/de/patenbrigade/subbotnik.html
und heute:
http://www.bleib-sauber-magdeburg.de/fruehjahrsputz/
http://www.bleib-sauber-magdeburg.de/art...ger-im-einsatz/

Gruß VN_Rut


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 11:02 | nach oben springen

#6

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 11:09
von matloh | 1.203 Beiträge

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, einen "Hausmeister" oder ähnliches anzustellen und dieser Person diese Arbeiten machen zu lassen?
Hätte zwar etwas gekostet, dafür wäre die Arbeit vermutlich effizienter erledigt worden. Da ja jeder das machen sollte, was er gut kann, hätte der Hausmeister die Wohnanlage in Schuss gehalten, der Dreher im Betrieb gedreht und der Schlosser im Betrieb "geschlossert".

Was wäre eigentlich gewesen, wenn man just an dem Wochenende, an dem der Frühjahrsputz anstand etwas anderes Privates vorgehabt hätte? Hätte ja sein können, dass man gerade auf Urlaub auf Hawai äh, ups, in Nowosibirsk ist.
Galt es das eigene Privatleben dem sozialistischen kollektiven Gemeinwohl hintanzustellen? Oder gab es sonst sowieso kein/kaum Privatleben?

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#7

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 11:13
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Es gab mehr als genug private Nischen und Privatleben und wenn nun eine Person im Urlaub war, dann war dies halt so. Auffällig/Negativ war nur wenn diese Person immer genau an diesem Tag im Urlaub war, aber dies war sicher auch nur selten der Fall.

Ich war eigentlich fast immer dienstlich entschuldigt, versuchte aber 2-3 mal im Jahr dabei zu sein. Gleiche Aktionen gab es bei uns analog auch immer im Kleingartenverein, auch hier wurde alles durch uns selbst erledigt.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 02.03.2011 11:14 | nach oben springen

#8

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 11:16
von exgakl | 7.223 Beiträge

Hallo @all,

ich kenne diese Arbeitseinsätze auch aus den 70igern und 80iger Jahren aus meinem ehem. Wohnort. Am sogenannten "schwarzen Mrett" waren regelmäßig Aushänge vom Rat der Gemeinde wo zu öffentlichen Arbeitseinsätzen aufgerufen wurde. Meist handelte es sich dabei um gemeinnützige Projekte wie z.B. die Reinigung oder Pflege der Parkanlagen, aber auch die Urbarmachung eines Grundstücks auf dem später ein neuer Konsum errichtet werden sollte.
Zu dieser Zeit gab es keinen Zwang daran teilzunehmen und ich muß sagen... ja ich hab auch freiwillig mitgemacht und als jugentlicher war ich stolz darauf was geschaffen zu haben.
Man hat an solchen Tagen viele interessante Leute kennengelernt und politisch ging es dort beim besten Willen nicht zu.
Und Matloh..... ich glaube Du kannst dir gar nicht vorstellen, was so ein gemeinschaftlicher Einsatz alles an Effizienz an den Tag bringen kann

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#9

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 11:41
von wosch (gelöscht)
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Zitat von exgakl
Hallo @all,

ich kenne diese Arbeitseinsätze auch aus den 70igern und 80iger Jahren aus meinem ehem. Wohnort. Am sogenannten "schwarzen Mrett" waren regelmäßig Aushänge vom Rat der Gemeinde wo zu öffentlichen Arbeitseinsätzen aufgerufen wurde. Meist handelte es sich dabei um gemeinnützige Projekte wie z.B. die Reinigung oder Pflege der Parkanlagen, aber auch die Urbarmachung eines Grundstücks auf dem später ein neuer Konsum errichtet werden sollte.
Zu dieser Zeit gab es keinen Zwang daran teilzunehmen und ich muß sagen... ja ich hab auch freiwillig mitgemacht und als jugentlicher war ich stolz darauf was geschaffen zu haben.
Man hat an solchen Tagen viele interessante Leute kennengelernt und politisch ging es dort beim besten Willen nicht zu.
Und Matloh..... ich glaube Du kannst dir gar nicht vorstellen, was so ein gemeinschaftlicher Einsatz alles an Effizienz an den Tag bringen kann

VG exgakl




............................................Also exgakl, bei uns sahen diese damals "zwangsfreiwilligen" Arbeitseinsätze im Rahmen des "NAW" folgendermaßen aus: Sonderschicht auf derselben Baustelle, mit der selben Brigade, ohne Kennenlernen interessanter Leute, unter Aufsicht vom Kaderleiter, dem FDJ-Sekretär des Betriebes und eines Fotografen (der dann die Letzgenannten, die sich bei der Arbeit nicht die Hände schmutzig gemacht hatten, in das "richtige" Licht zu rücken hatte), ohne einen gewissen Spaß- und Stolzfaktor und ohne einen feierlichen Umtrunk am Ende. Man war einfach froh, wenn es zu Ende war und man nach Hause gehen konnte. Um ehrlich zu sein, wir fühlten uns mißbraucht!!
Schönen Gruß aus Kassel.


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#10

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 11:45
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von wosch

Zitat von exgakl
Hallo @all,

ich kenne diese Arbeitseinsätze auch aus den 70igern und 80iger Jahren aus meinem ehem. Wohnort. Am sogenannten "schwarzen Mrett" waren regelmäßig Aushänge vom Rat der Gemeinde wo zu öffentlichen Arbeitseinsätzen aufgerufen wurde. Meist handelte es sich dabei um gemeinnützige Projekte wie z.B. die Reinigung oder Pflege der Parkanlagen, aber auch die Urbarmachung eines Grundstücks auf dem später ein neuer Konsum errichtet werden sollte.
Zu dieser Zeit gab es keinen Zwang daran teilzunehmen und ich muß sagen... ja ich hab auch freiwillig mitgemacht und als jugentlicher war ich stolz darauf was geschaffen zu haben.
Man hat an solchen Tagen viele interessante Leute kennengelernt und politisch ging es dort beim besten Willen nicht zu.
Und Matloh..... ich glaube Du kannst dir gar nicht vorstellen, was so ein gemeinschaftlicher Einsatz alles an Effizienz an den Tag bringen kann

VG exgakl




............................................Also exgakl, bei uns sahen diese damals "zwangsfreiwilligen" Arbeitseinsätze im Rahmen des "NAW" folgendermaßen aus: Sonderschicht auf derselben Baustelle, mit der selben Brigade, ohne Kennenlernen interessanter Leute, unter Aufsicht vom Kaderleiter, dem FDJ-Sekretär des Betriebes und eines Fotografen (der dann die Letzgenannten, die sich bei der Arbeit nicht die Hände schmutzig gemacht hatten, in das "richtige" Licht zu rücken hatte), ohne einen gewissen Spaß- und Stolzfaktor und ohne einen feierlichen Umtrunk am Ende. Man war einfach froh, wenn es zu Ende war und man nach Hause gehen konnte. Um ehrlich zu sein, wir fühlten uns mißbraucht!!
Schönen Gruß aus Kassel.




Hallo Wosch,

in dem, wie von Dir beschrieben Fall hätte ich mich auch mißbraucht gefühlt und auch keine Lust verspürt dort für irgendwas auch nur einen Finger krumm zu machen.
Ich persönlich kenne diese Sachen aus meiner Jugend zum Glück anders und ich würde mir wünschen, daß heute vielleicht mehr Leute auch mal über ihren eigenen Tellerrand rausschauen und was fürs Allgemeinwohl oder für ihren eigenen Wohnort tun.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#11

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 11:49
von Büdinger | 1.502 Beiträge

Hallo @all ,

hier mal die Begriffserklärungen lt. Wikipedia:

Nationales Aufbauwerk (NAW)

Subbotnik

Und ich stimme zu: Mehr freiwilliger Zwang.

Gruß

Ricardo


.

Ich finde Menschen faszinierend, die meinen mich zu kennen.
Manchmal drängt es mich sie zu fragen, ob sie mir ein bisschen was über mich erzählen können ...

Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich sage, aber niemals für das, was andere verstehen!

.
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#12

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 02.03.2011 12:46
von meifra | 14 Beiträge

Das machen wir Schwaben schon viel länger, Thema

Schwäbische Kehrwoche


aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:


"Die schwäbische oder korrekterweise württembergische Kehrwoche ist die geregelte Reinigung gemeinschaftlich benutzter Bereiche in Mehrparteienwohnhäusern im Gebiet des ehemaligen Württemberg. Sie beruht auf einer Vielzahl von Erlassen, die seit Ende des 15. Jahrhunderts in Württemberg herausgekommen sind, um die Menschen zu Ordnung und Sauberkeit im häuslichen Umfeld anzuhalten.

So stand im Stuttgarter Stadtrecht von 1492:

„Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinausführen, (…) jeder seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen anlegen. Wer kein eigenes Sprechhaus (WC) hat, muss den Unrath jede Nacht an den Bach tragen“.

In der Folge gab es diverse „Gassensäuberungs-Ordnungen“, die die Frequenz der erforderlichen Reinigung und die Art der Durchführung genauer regelten."



wieder etwas was die Roten geklaut haben.

Franz


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#13

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 03:02
von student | 89 Beiträge

@ Franz: Wenn die Schwaben das schon seit dem Mittelalter so akribisch festgelegt haben, dann würde ich doch eher vermuten, daß sie von sich aus zu so reinlichem Verhalten nicht fähig waren ... Aber im Ernst, es ist mit den Subbotniks so gewesen wie mit jeder anderen Sache, die an sich gut ist: Das zweite Parkinsonsche Gesetz besagt, daß bei jeder Aktion, an der mehr als ein Mensch beteiligt ist, nach einiger Zeit das eigentliche Anliegen an die Peripherie gerät und im Zentrum die Bürokratisierung und Verwaltung des Vorgangs steht. Das wird durch die Vereinsforschung bestätigt. In der DDR war es anfangs angeblich sinnvoll (wiki), solche Subbotniks durchzuführen. Die Subbotniks sind aber eine Erfindung der späten DDR, denn anfangs wurde sonnabends halbtags sowieso gearbeitet. Der ursprüngliche Zweck der „Subbotniks“ war es, zb die Mieter in den weiß Gott preisgünstigen Wohnungen durch eigene Betätigung dazu anzuhalten, das „gesellschaftliche Eigentum“ pfleglich zu behandeln. Und anfangs war es auch so wie beschrieben: Man erledigte die notwendigen Arbeiten und blieb anschließend noch zusammen. Punkt eins war gut, Punkt zwei verfänglich, denn der unverzichtbare Kasten Bier (im Norden gab es Köhm) löste die Zungen und es wurde sehr häufig über Versorgungsprobleme oder andere Widrigkeiten geredet. Nicht gut ! Später bemächtigten sich die Funktionäre dieser Angelegenheit, und da wurde es dann so wie auch beschrieben: Nach und nach hat man sich deren Kampagnen entzogen, irgendwann standen sie dann mit sich alleine da, weil alle anderen unaufschiebbare Dinge zu erledigen hatten. Verpflichtet werden konnte man nicht wirklich dazu, und man mußte dann einfach damit leben, daß man in die gleiche Kategorie wie etwa ein Wahlverweigerer eingeordnet wurde. In den Betrieben gab es als Pendant dazu die „Initiativschichten“ – bei Dreischichtbetrieb wurde sonnabends sowieso gearbeitet. So eine Schicht wurde dann mit viel Brimborium angekündigt, an so einem Tag mußten dann die Faulpelze aus der Verwaltung, dem Vertrieb usw. mit ran und die Zementmühlen sauberschippen. War so eine Schicht angekündigt, wurden auch besondere Ergebnisse erzielt und lauthals propagiert. Meistens saß dann die nächste Schicht herum und wußte nicht recht, was sie machen sollte, weil entweder zuerst Material aufgefüllt werden mußte oder aber die Aggregate bis an ihre Grenze beansprucht wurden und schlicht den Geist aufgaben. War ein toller Anblick, wenn in der Dämmerung ein Drehrohrofen glühte wie ein Kanonenofenrohr und schon durchhing wie ein Hängebauchschwein – keine Gnade ! Abgeschaltet werden durfte nicht. Eine Schicht Höchstleistung und anschließend vierzehn Tage Stillstand zur Reparatur, das kam heraus, wenn Funktionäre eine Sache in die Hände bekamen, von der sie absolut nichts verstanden, wo sie aber die Kompetenz hatten, Entscheidungen zu treffen. Und das ist schon wieder eine Sache, wo ich heute nicht so sicher bin, ob das wirklich überwunden ist.


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#14

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 09:47
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von student
@ Franz: Wenn die Schwaben das schon seit dem Mittelalter so akribisch festgelegt haben, dann würde ich doch eher vermuten, daß sie von sich aus zu so reinlichem Verhalten nicht fähig waren ... Aber im Ernst, es ist mit den Subbotniks so gewesen wie mit jeder anderen Sache, die an sich gut ist: Das zweite Parkinsonsche Gesetz besagt, daß bei jeder Aktion, an der mehr als ein Mensch beteiligt ist, nach einiger Zeit das eigentliche Anliegen an die Peripherie gerät und im Zentrum die Bürokratisierung und Verwaltung des Vorgangs steht. Das wird durch die Vereinsforschung bestätigt. In der DDR war es anfangs angeblich sinnvoll (wiki), solche Subbotniks durchzuführen. Die Subbotniks sind aber eine Erfindung der späten DDR, denn anfangs wurde sonnabends halbtags sowieso gearbeitet. Der ursprüngliche Zweck der „Subbotniks“ war es, zb die Mieter in den weiß Gott preisgünstigen Wohnungen durch eigene Betätigung dazu anzuhalten, das „gesellschaftliche Eigentum“ pfleglich zu behandeln. Und anfangs war es auch so wie beschrieben: Man erledigte die notwendigen Arbeiten und blieb anschließend noch zusammen. Punkt eins war gut, Punkt zwei verfänglich, denn der unverzichtbare Kasten Bier (im Norden gab es Köhm) löste die Zungen und es wurde sehr häufig über Versorgungsprobleme oder andere Widrigkeiten geredet. Nicht gut ! Später bemächtigten sich die Funktionäre dieser Angelegenheit, und da wurde es dann so wie auch beschrieben: Nach und nach hat man sich deren Kampagnen entzogen, irgendwann standen sie dann mit sich alleine da, weil alle anderen unaufschiebbare Dinge zu erledigen hatten. Verpflichtet werden konnte man nicht wirklich dazu, und man mußte dann einfach damit leben, daß man in die gleiche Kategorie wie etwa ein Wahlverweigerer eingeordnet wurde. In den Betrieben gab es als Pendant dazu die „Initiativschichten“ – bei Dreischichtbetrieb wurde sonnabends sowieso gearbeitet. So eine Schicht wurde dann mit viel Brimborium angekündigt, an so einem Tag mußten dann die Faulpelze aus der Verwaltung, dem Vertrieb usw. mit ran und die Zementmühlen sauberschippen. War so eine Schicht angekündigt, wurden auch besondere Ergebnisse erzielt und lauthals propagiert. Meistens saß dann die nächste Schicht herum und wußte nicht recht, was sie machen sollte, weil entweder zuerst Material aufgefüllt werden mußte oder aber die Aggregate bis an ihre Grenze beansprucht wurden und schlicht den Geist aufgaben. War ein toller Anblick, wenn in der Dämmerung ein Drehrohrofen glühte wie ein Kanonenofenrohr und schon durchhing wie ein Hängebauchschwein – keine Gnade ! Abgeschaltet werden durfte nicht. Eine Schicht Höchstleistung und anschließend vierzehn Tage Stillstand zur Reparatur, das kam heraus, wenn Funktionäre eine Sache in die Hände bekamen, von der sie absolut nichts verstanden, wo sie aber die Kompetenz hatten, Entscheidungen zu treffen. Und das ist schon wieder eine Sache, wo ich heute nicht so sicher bin, ob das wirklich überwunden ist.




......................................Hallo Student!
Ich finde, das hast Du sehr gut geschrieben, vor allen Dingen stimme ich mit Dir bei Deiner Einschätzung zu den Funktionären überein.
Bei meinen unentgeltlich geleisteten NAW-Stunden blieben im Anschluß nur noch die Funktionäre zusammen und die hatten nicht nur Bier, sondern auch noch Köhm zur Verfügung, obwohl sie am wenigsten geleistet, aber sich dafür auf unsere Kosten "profiliert" hatten. Wir Lehrlinge durften an diesen Feierlichkeiten eh nicht teilhaben.So war das jedenfalls bei uns im VEB-Bau (K) Ludwigslust, in der "Griesen Gegend" von Mecklenburg in der Zeit von 1958- 1961.
Schönen Gruß aus Kassel.


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#15

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 10:02
von bendix | 2.642 Beiträge

Hallo @wosch,wo Du gerade über diese Gegend schreibst....
unsere Subotniks fanden tatsächlich in der "Griesen Gegend",sprich Grebs und Göhren auch einmal in der Nähe Eldena, statt.
Wir wurden dort zum Kartoffeln ernten vergattert und hatten unsern Spaß dabei,war ja sozusagen ne Brigadeveranstaltung und da haben wir auch so den einen oder anderen Umtrunk gehabt dabei und auch danach
Hieß das nicht auch NAW-Aufbaustunden?Ist mir so in Erinnerung.
Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#16

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 10:11
von Landeposten (gelöscht)
avatar

Hallo,ich glaube ihr werft alles in einen Topf:NAW-Stunden,AWG-Stunden,Subotnik,freiwilliger Arbeitseinsatz im Betrieb,Frühjahrsputz,große Hausreinigung,Hausreinigung,freiwilliges arbeiten in der Kleingartenkolonie waren bis auf die Hausputze vollkommen verschiedene Sachen,die nichts miteinander zu tun hatten.
Außer vielleicht,daß alles mit Arbeit verbunden war.


zuletzt bearbeitet 03.03.2011 10:15 | nach oben springen

#17

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 10:30
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Der sogenannte Subbotnik wird in unserem Ort seit Jahren praktiziert.
Der offiziell Frühjahrsputz wird aber von allen Teilnehmern Subbotnik genannt.
Außer der Säuberung des Ortes wird auch der Zusammenhalt der Einwohner gefördert.
Subbotnik war eigentlich ein unbezahlter Arbeitstag (Sonnabends) im Betrieb.
Beim NAW dem Nationalen Aufbau Werk wurde in den Gemeinden von freiwilligen Baubrigaden,
bei uns z.B. der Brigade "Fern Ost" ausgeführt.


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
zuletzt bearbeitet 03.03.2011 10:36 | nach oben springen

#18

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 10:37
von wosch (gelöscht)
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Zitat von bendix
Hallo @wosch,wo Du gerade über diese Gegend schreibst....
unsere Subotniks fanden tatsächlich in der "Griesen Gegend",sprich Grebs und Göhren auch einmal in der Nähe Eldena, statt.
Wir wurden dort zum Kartoffeln ernten vergattert und hatten unsern Spaß dabei,war ja sozusagen ne Brigadeveranstaltung und da haben wir auch so den einen oder anderen Umtrunk gehabt dabei und auch danach
Hieß das nicht auch NAW-Aufbaustunden?Ist mir so in Erinnerung.
Gruß bendix




...........................................Bei uns hatte sowas mit den NAW-Stunden nichts zu tun. In die Kartoffeln ging es immer nur in den Herbstferien, die hießen bei uns dann auch folgerichtig "Kartoffelferien" und es gab dafür auch eine Bezahlung, die allerdings von LPG zu LPG verschieden ausfallen konnte. In der Regel gab es zwischen 8 und 12 Pfennige für eine voll gesammelte Kiepe und der Erlös betrug pro Tag in etwa plus/minus 8,-bis 10,- Mark. Die Qualität des von den LPG´s bereitgestellten Mittagessens gab größtenteils den entscheidenen Ausschlag dafür, für welchen bereitgestellten LKW man sich entschied und die bewegte sich im Rahmen von Gut bis Schlecht. Da wir damals immer Hunger hatten war die bereitgestellte Verpflegung schon sehr wichtig. In die "Kartoffeln" ging es damals in der siebten und achten Klasse und ehrlicher Weise muß ich zugeben, daß der materielle Anreiz, in den Kartoffelferien in etwa einen Hunderter zu verdienen der ganzen Sache einen guten Beigeschmack gab und wir das damals sehr gerne machten!
Schönen Gruß aus Kassel.


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#19

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 11:08
von VNRut | 1.483 Beiträge

Unsere Schulklasse wurde damals zum Subbotnik oft auf unseren erst neu gebauten Busbahnhof (ca. um 1975) im Ort eingesetzt. Immerhin lagen wir an der Hauptverkehrsader (Umsteigebahnhof) zwischen Wernigerode bzw. Eisleben und Magdeburg, wo noch in Minutentakt Busse unseren Ort anfuhren. Allgemeine Arbeiten waren die Rabatten graben und pflegen, die Pflanzausfälle beseitigen, Bänke zu pinseln und die Gehsteige bzw. Haltestellenbereiche zu fegen.

Heute findet man weder die Rabatten, da sie mit Kraut überwuchert und Gewächse mutwillig entfernt wurden. Die Bänke und Haltestellenhäuschen sind zerstört oder mit Graffiti beschmiert. Selbst die paar Busse die uns heute noch anfahren müssen Slalom fahren um sich keine größeren Schäden zu holen, so groß sind mittlerweile die Straßenschäden. Dies ist heute natürlich den klammen Kassen der Kommunen gezollt. Aber wir waren damals auch nicht mit Geld und Materialien übersät, unsere Einsatz und Improvisation allein brachte unser kleines Bördestädtchen einen guten Ruf.

Doch was ist noch aus dieser Zeit geblieben? Nicht nur das die Bevölkerungszahlen von ehemaligen 11.000 Ew. (1945), 6.200 Ew. (1988) auf heutigen 3.600 Ew. gefallen sind. Viele alte eigentümerlose Häuser zerfallen bzw. stürzen ein, so dass gerade erst neugebaute Straßen wegen Gefahrenabwehr und riesigen Schutthaufen bis in die Unendlichkeit gesperrt werden. Bei ehemalige Gaststätten, Bahnhöfe, Industriebrachen etc. werden einfach die Fenster und Türen zugemauert, doch der Putz bröckelt und man überlässt es weiter ungenutzt der Nachwelt. So kann es auch nicht weiter gehen.

Gruß VN_Rut

PS: ...und um eine Abwanderung der Bevölkerung zu verschleiern und Kosten zu sparen gründet man heut einfach eine Verbandsgemeinde.


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
zuletzt bearbeitet 03.03.2011 12:34 | nach oben springen

#20

RE: Arbeitseinsätze am Samstag

in Leben in der DDR 03.03.2011 11:17
von GZB1 | 3.286 Beiträge

VNRut,

warte mal noch ca.15 Jahre, dann kann man die menschenleeren Gegenden des wilden Ostens betrachten. Da bekommst man dann ein ganzes Dorf geschenkt wenn man sich da niederlassen will und ein Notruf-Satelliten-Telefon, damit man dann mit ner Rettungstruppe per Hubschrauber abgeholt werden kann.


zuletzt bearbeitet 03.03.2011 11:39 | nach oben springen


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