#81

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2011 18:56
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von 94

Zitat von Oss`n
In der GK wurde ordendlich "Guten Morgen" oder "Guten Tag" gesagt. (bis auf Polit und KC) und das war gut so.

Wie, die wurden nicht gegrüßt *grübel*





"Guten Morgen " ist doch grüßen - oder ?

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#82

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2011 18:58
von Oss`n | 2.779 Beiträge

ok - hab es gemerkt - Verzögerungszünder !
Die wurden nat. mit Genosse DG gegrüßt !
94er - altes Schlitzohr.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#83

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 07.09.2011 04:57
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Zitat von 94
Wann wurde denn eigentlich der Befehl 15/37 eingeführt?



Der wurde 1974 erlassen und hieß 30/74, in der Soldatensprache jedoch 15/37, weil er nur zur Hälfte befolgt wurde.

Es gab insgesamt drei der sogenannten Alkoholbefehle:

30/66 / 30774 und 2/84/


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#84

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 07.09.2011 11:52
von Bärchen | 66 Beiträge

Hallo @

Alk während der Schichten war auch bei uns absolutes Tabu, aber wie überall wurde für die Freizeit organisiert was ging. Wenn wir vom Dienst durch Unterweid liefen, sind wir an unserer Stammkneipe mit ran und haben die Termosflaschen "nachgefüllt".

Kennt ihr "Maikäferbenzin" ? Absolut süffig, aber haut einem ganz schön die Füße weg, wenn man Druckbetankung macht...

1 Flasche Klarer, 1 Flasche Weißwein, 1 Flasche Sekt, alles schön mixen. Wenn ihr gut seit 3-4 Gläser


mfg
Bärchen

05/85 Eisenach
07/85 bis 10/86 Kaltenwestheim
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#85

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 07.09.2011 12:41
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo,

im Grenzdienst wurde nicht getrunken. In der GK haben wir manche Flasche geleert. Da gab es die Prima-Sprit + Cola-Mischungen oder in Sprit eingelegte Früchte, so eine Art Rumtopf. Den Rotwein in Büchsen hat mir mein Schwiegervater geschickt. Er hatte privat eine Büchsenmaschine.
Die Komp.leitung ist in Lockstedt fast nie auf Flaschensuche gegangen. Und gefunden wurde sowieso nichts.
Die Versorgung war recht einfach. Die Kinder des Dorfes haben uns das Zeug ins Objekt getragen. Mit einem kleinen Trinkgeld versteht sicht.
Das Obst für den "Rumtopf" haben wir teilweise aus dem Küchenkeller geklaut. Durch das aufgehebelte Kellerfenster konnte man in Armlänge befindliche Büchsen rausholen. Dazu später mehr.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#86

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 07.09.2011 16:43
von damals wars | 12.205 Beiträge

Ich kann mich auch nicht erinnern, das an der Grenze getrunken wurde.
Dafür auf dem Zimmern. Damit wurde ich schon an meinem ersten Tag konfrontiert. Da bei unserem Eintreffen die Entlassungkanditaten noch nicht entlassen waren, wurde mir ein Zimmer zugewiesen, in dem ein U- Boot und ein Ufz. lebten.
Als ich die Decke meines Bettes zurückschlug, war alles voller leerer Flaschen.
Nach meinen Hinweis wurden die Flaschen in folgender Weise entsorgt:
Eine Zeitungkam um die Flasche und dann wurde die Flasche zerschlagen. Dann alles kam in einen großen Karton und wurde im Container entsorgt. Und das wurde dann die ganzen zweieinhalb Jahre so gemacht.
Da ich einen von den Funker kannte, versorgte der mich, wenn ich Bedarf hatte, mit Alkohol. Die kamen öfter mal raus.
Meist blauer Würger (klarer Juwel). Auch der BU war gegen Obulus hilfreich.
Getrunken wurde aber nur nach der Frühschicht. Und auch nicht oft. Wie die meisten wissen, wurde Früh- Spät- Nachtschicht geschoben.
Das war stresig genug.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#87

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 08.09.2011 16:55
von Geier | 51 Beiträge

Zitat von GeMi
Hallo,

im Grenzdienst wurde nicht getrunken. In der GK haben wir manche Flasche geleert. Da gab es die Prima-Sprit + Cola-Mischungen oder ......



Dazu hab ich auch eine kleine Episode zu erzählen.
In GD Alkohol trinken kenne ich auch nicht.
Aber bei uns auf der Bude wurde mal vor einer Nachtschicht eine Runde mit PrimaSprit+Cola gemacht. Ich habe da bloß ein kleinen Schluck probiert und das reichte mir dann aber auch und ich verzichtete dann auf die anderen Runden. Als wir abends dann geweckt wurden schauten einige ganz schön schief aus der Wäsche. Ein Kamerad hat aber so tief in die Flasche geschaut, das er nicht mehr richtig ansprechbar war. Er wurde dann von uns angezogen, seine Waffe hat jemand mit abgeholt und bei der Vergatterung wurde er in der hinteren Reihe von 2 Mann einigermaßen senkrecht gehalten. War zum Glück Winter und schon dunkel. Dann wurde er auf den LO verfrachtet und am Postenpunkt wieder vom LO gezogen und in die Beobachtungsstellung gesetzt. Er gab bis dahin so gut wie keine richtigen Lebenszeichen von sich. Zum Glück war er so zu, das er nicht mehr sprechen konnte oder irgendwelchen Rabatz gemacht hatte. Das erste was der Posten machte war das er ihm, zu seiner eigenen Sicherheit, seine Kaschi wegnahm.
Wir alle hofften bloß das es eine ruhige Schicht wird und es zu keiner Kontrolle von 'oben' kam.
Es blieb zum Glück auch alles ruhig und er kam dann so gegen 3Uhr Nachts das erste mal wieder zu sich. Er wußte von garnichts mehr und wunderte sich bloß wie er überhaupt an den Kanten gekommen war. Am morgen als wir wieder zurück in der Kompanie waren entschuldigte und bedankte er sich bei uns, das wir ihm nicht hatten auffliegen lassen.
Er war ein sehr guter und beliebter Kamerad und nur desshalb haben wir uns zu so einer Aktion hinreißen lassen. Was wäre geschehen wen da irgend etwas geschehen wäre in der Nacht. Da wären warscheinlich ettliche Köpfe gerollt und 'Schwedt' hätte wieder Zuwachs bekommen.
Das war uns eine Lehre gewesen und ist dann auch nie wieder passiert das wir uns vor einer Schicht so die Köpfe zugenagelt haben.
Gruß Geier


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#88

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 08.09.2011 16:59
von BauerTim | 2 Beiträge

Hallo
Zu meiner Zeit gab es im gd mit Alkohol einen Vorfall
Posten hatte Arbeiten zu sichern
Hat sich von Fahren Alk mitbringen lassen
Im gd Pulle mit Posten ausgetrunken

Zitat von damals wars
Ich kann mich auch nicht erinnern, das an der Grenze getrunken wurde.
Dafür auf dem Zimmern. Damit wurde ich schon an meinem ersten Tag konfrontiert. Da bei unserem Eintreffen die Entlassungkanditaten noch nicht entlassen waren, wurde mir ein Zimmer zugewiesen, in dem ein U- Boot und ein Ufz. lebten.
Als ich die Decke meines Bettes zurückschlug, war alles voller leerer Flaschen.
Nach meinen Hinweis wurden die Flaschen in folgender Weise entsorgt:
Eine Zeitungkam um die Flasche und dann wurde die Flasche zerschlagen. Dann alles kam in einen großen Karton und wurde im Container entsorgt. Und das wurde dann die ganzen zweieinhalb Jahre so gemacht.
Da ich einen von den Funker kannte, versorgte der mich, wenn ich Bedarf hatte, mit Alkohol. Die kamen öfter mal raus.
Meist blauer Würger (klarer Juwel). Auch der BU war gegen Obulus hilfreich.
Getrunken wurde aber nur nach der Frühschicht. Und auch nicht oft. Wie die meisten wissen, wurde Früh- Spät- Nachtschicht geschoben.
Das war stresig genug.


Bei Ablösung vom Kc betrunken gefunden
Nicht mehr von beiden in meiner Dienstzeit gehört


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#89

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 19.09.2012 18:28
von Duck | 1.741 Beiträge

Harte Sachen waren Tabu im Grenzdienst aber wenn wir auf unseren K2 - Marsch, zufällig in unseren Grenzörtchen unseren Hausmeister getroffen haben und der auch noch zufällig im Dorf eigenen Klubraum war, gab es schon mal ein Bierchen.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#90

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 20.09.2012 15:38
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

1983 haben wir einen unserer Gefreiten erwischt, es war eine seiner letzten Schichten kurz vor dem Heimgang. Der Hauptfeld macht eine Kontrolle der Postentaschen und fand eine Thermosflasche voll mit Klarem. Der Gefreite bekam, wenn ich mich recht erinnere, 10 Tage Arrest und musste entsprechend nachdienen. Leider musste ich nach den Heimgängen erfahren, welche "Partys" gelegentlich im Grenzdienst gefeiert wurden. Allerdings spielte da Alkohol weniger eine Rolle. Entweder es wurde tatsächlich keiner getrunken oder die Erzählenden fürchteten, dass ihre eigene Verstrickung in solche Sachen Folgen für sie haben könnten. Die kritischste Zeit war die Rückfahrt vom Grenzdienst. Die wurde oft genutzt, um im Dorf noch etwas zu besorgen. Die Dorfgaststätte hatte zwar ein striktes Verbot, aber ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#91

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 07:44
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Nachts A-Gruppe (zwei Postenpaare) aus der Kompanie raus und wir haben erst draußen gemerkt das einer bretthart war.
Hatte arge private Probleme die keiner bemerkt hatte und sich heimlich abends betrunken, versteckte "Reserven" waren ja fast immer da.
Ist blöd mit so einer Situation umzugehen, er saß heulend auf dem Kolonnenweg.
Mussten Meldung an den Führenden machen, der ließ uns zu viert zusammen und wir mussten ihn entwaffnen.
Glücklicherweise war es nur eine Wildauslösung.
Erstaunlicherweise wurde der Vorfall kompanieintern geregelt, eventuell wegen menschlicher Komponenten, oder befürchteter "Sackstand", keine Ahnung.
Auf jeden Fall sollten wir zur Führungstelle kommen und der Kommandierende, ein altgedienter Oberfähnrich, legte uns nahe "die Schnauzen zu halten".
Er war bis dahin auch der sprichwörtliche "gute Soldat" gewesen.
Wäre so ein Vorfall nach dem offiziellem Dienstweg, ich sag mal schon Schwedttauglich gewesen?


zuletzt bearbeitet 21.09.2012 07:49 | nach oben springen

#92

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 10:56
von Rotti | 83 Beiträge

Von solch wilden Abenteuern kann ich "leider" nicht berichten.
Allerdings war Alkohol allgegenwärtig. Auch bei der Hundetruppe.
An richtig große Gelage außerhalb des Ausganges kann ich mich nicht erinnern.
Nur muss man dazu sagen, daß ich eh kein großer Trinker bin und auf Grund meiner Veranlagung zum Denken (auch im Grenzdienst) schon genug Probleme hatte, die ich nicht weiter vergrößern wollte. Durch die ständige Verfügbarkeit von Alkohol sind jedoch auch bei uns einige zu richtig harten Trinkern geworden. Meißtens aus Langeweile. Ich hatte mein Feierabendbier, gelegentlich einen Schnaps und gut wars.
Mein Alkohol war gut gesichert, im Winter gewärmt. Keiner hätte es gewagt bei meiner geliebten Arie in die Hütte zu fassen. Rottweilerhündinnen sind sehr ! sehr ! personenbezogen. Arie hat jeden die Zähne gezeigt, der ihr auch nur die Hand entgegen gestreckt hat. Die armen Soldaten von Elend durften jedesmal den Abschnitt räumen wenn sie Sehnsucht nach mir bekam, sich losriss und im Wald umherzog um mich zu finden.

Ich glaube der GD war zwar belastend jedoch auch häufig öde und langweilig. Dann kommt man irgendwann zum Alkohol. Der Vorteil der Hundetruppe war es gerade, daß wir immer was zu tun hatten. Und ich habe lieber Hundeausbildung gemacht als mir die Kante zu geben.

Gruß
Rotti


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#93

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 13:09
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #91

Wäre so ein Vorfall nach dem offiziellem Dienstweg, ich sag mal schon Schwedttauglich gewesen?


bestimmt...

Ich krame mal in meinen Erinnerungen zum Thema:
An Alkohol-Orgien im GD kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.
Dass Primasprit und anderes in die Kompanie geschmuggelt wurde und vorrangig im Mix mit Cola (in vernünftigen Mengen !!) als Schlaftrunk diente, um mit den aufreibenden Schichtwechseln und damit ständig anderen Schlafenszeiten zurechtzukommen - nun, das war Tagesordnung.
An ein einziges persönliches Erlebnis mit Alkohol im unmittelbaren GD erinnere ich mich noch:
Eine Nachtschicht gemeinsam mit einen Uffz (ich als Posten, 2.DHJ) als Kontrollstreife auf dem Rhökopf (zwischen Frankenheim und Birx).
Mein PF klopfte an die Scheibe des Küchenfenster der Dorfkneipe in Birx und kurz darauf standen 2 Biergläser (0,25 l) auf dem Fensterbrett für uns bereit, eine wirklich nette Geste des Wirts, um uns die Nachtschicht erträglicher zu machen.
Selbstverständlich sprachen wir damals nie mit einem anderen über die Angelegenheit:
Der Kavalier geniesst und schweigt.
Nun, und mal ein Bier von 0,25 l - das ist für mich keine Alkohol-Orgie.
Auch kann ich mich an keine grösseren Alkohol-Entgleisungen bei den Ausgängen in der Grenzkompanie erinnern.
Als wir als Rekruten in Eisenach nach 2 Monaten EIngesperrt-sein zum ersten Mal in den Ausgangang durften, sah das ganz ander aus... au wei !!!
Aber das konnte man überhaupt nicht mit den Verhältnisssen auf einer Grenzkompanie vergleichen.


Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 21.09.2012 13:12 | nach oben springen

#94

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 13:34
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #91
... Erstaunlicherweise wurde der Vorfall kompanieintern geregelt, eventuell wegen menschlicher Komponenten, oder befürchteter "Sackstand", keine Ahnung.
Auf jeden Fall sollten wir zur Führungstelle kommen und der Kommandierende, ein altgedienter Oberfähnrich, legte uns nahe "die Schnauzen zu halten".
Er war bis dahin auch der sprichwörtliche "gute Soldat" gewesen.
Wäre so ein Vorfall nach dem offiziellem Dienstweg, ich sag mal schon Schwedttauglich gewesen?

Hallo Grenzwolf,

der Oberfähnrich ist ein hohes Risiko eingegangen. Einen solchen Vorfall konnte man tatsächlich verheimlichen, wenn alle Beteiligten dicht hielten. Dann wusste auch die Kompanieführung nichts davon. Wusste man als Offizier der Kompanieführung davon, dann hätte man das nicht mehr vertuschen können. Die Gründe sind vielfältig. Aber eine Sache schoss mir sofort durch den Kopf: Wenn der Mann solche persönlichen Probleme hat, dass er, der sonst diszipliniert ist, sich "bretthart" betrinkt, dann darf er keineswegs eine Waffe in die Hand bekommen. Zumindest nicht, solange die Probleme nicht geklärt waren. Wäre da etwas passiert, hätte man den Oberfähnrich definitiv mit zur Verantwortung gezogen.

War so ein Vorfall "Schwedttauglich"? Das ist nicht leicht zu beantworten. Ein Beispiel: In einer meiner Kompanien haben zwei Soldaten zusammen einen dritten zusammengeschlagen. Einer sagte in der Vernehmung: "Ich bereue das, es war falsch." Der bekam 10 Tage Arrest. Der andere ließ seinen Gefühlen freien Lauf: "Der Typ, der braucht jeden Tag einen drauf!" Der bekam ein viertel Jahr Schwedt. Es ging also nicht nur um die Tat, sondern auch um das Verhalten davor und danach. Wenn ich die Begleitumstände lese, die Du andeutest, wäre hier wahrscheinlich Gnade vor Recht gegangen. Aber Arrest wäre wahrscheinlich gewesen, eventuell mit späterer Streichung der Strafe. Dann musste die Zeit nicht nachgedient werden. Wurde selten gemacht, aber das gab es auch.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 21.09.2012 13:35 | nach oben springen

#95

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 15:29
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2 im Beitrag #94
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #91
... Erstaunlicherweise wurde der Vorfall kompanieintern geregelt, eventuell wegen menschlicher Komponenten, oder befürchteter "Sackstand", keine Ahnung.
Auf jeden Fall sollten wir zur Führungstelle kommen und der Kommandierende, ein altgedienter Oberfähnrich, legte uns nahe "die Schnauzen zu halten".
Er war bis dahin auch der sprichwörtliche "gute Soldat" gewesen.
Wäre so ein Vorfall nach dem offiziellem Dienstweg, ich sag mal schon Schwedttauglich gewesen?

Hallo Grenzwolf,

der Oberfähnrich ist ein hohes Risiko eingegangen. Einen solchen Vorfall konnte man tatsächlich verheimlichen, wenn alle Beteiligten dicht hielten. Dann wusste auch die Kompanieführung nichts davon. Wusste man als Offizier der Kompanieführung davon, dann hätte man das nicht mehr vertuschen können. Die Gründe sind vielfältig. Aber eine Sache schoss mir sofort durch den Kopf: Wenn der Mann solche persönlichen Probleme hat, dass er, der sonst diszipliniert ist, sich "bretthart" betrinkt, dann darf er keineswegs eine Waffe in die Hand bekommen. Zumindest nicht, solange die Probleme nicht geklärt waren. Wäre da etwas passiert, hätte man den Oberfähnrich definitiv mit zur Verantwortung gezogen.

War so ein Vorfall "Schwedttauglich"? Das ist nicht leicht zu beantworten. Ein Beispiel: In einer meiner Kompanien haben zwei Soldaten zusammen einen dritten zusammengeschlagen. Einer sagte in der Vernehmung: "Ich bereue das, es war falsch." Der bekam 10 Tage Arrest. Der andere ließ seinen Gefühlen freien Lauf: "Der Typ, der braucht jeden Tag einen drauf!" Der bekam ein viertel Jahr Schwedt. Es ging also nicht nur um die Tat, sondern auch um das Verhalten davor und danach. Wenn ich die Begleitumstände lese, die Du andeutest, wäre hier wahrscheinlich Gnade vor Recht gegangen. Aber Arrest wäre wahrscheinlich gewesen, eventuell mit späterer Streichung der Strafe. Dann musste die Zeit nicht nachgedient werden. Wurde selten gemacht, aber das gab es auch.

ciao Rainman


Hallo, er hat realisiert welchen Bockmist er gebaut hatte und wie knapp es war.
Aber hatten nicht sehr viele einen Sack voller Probleme wo der selbstgebastelte Deckel draufgehalten wurde?
Wenn die alle zur Waffenabgabe getrabt wären


zuletzt bearbeitet 21.09.2012 15:30 | nach oben springen

#96

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 15:45
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #95
... Aber hatten nicht sehr viele einen Sack voller Probleme wo der selbstgebastelte Deckel draufgehalten wurde?
Wenn die alle zur Waffenabgabe getrabt wären


Hallo Grenzwolf,

naja, wir haben schon zwischen Problemen unterschieden. Wenn jemand plötzlich extrem verhaltensauffällig wurde, dann mussten wir schon reagieren. Es ging ja nicht nur um ihn selbst. Was, wenn jemand mal "durchdrehte"? Ich habe verschiedene Situationen erlebt, in denen Leute unter Angst oder Stress oder beidem hochgradig irrational handelten. Bestimmte Probleme, besonders in der Ehe oder Beziehung, sind nunmal stressig und dann vielleicht ordentlich Alkohol und Selbstmitleid dazu ... Da mussten wir im Mindestfall melden bzw. selbst entscheiden. Gelegentlich fuhren wir auch mit dem Soldaten zu ihm nach Hause, um dort die "Eheprobleme zu klären". In der Grenzkompanie musste ich das noch nicht. Aber in der Stabskompanie mehrmals. Mein erstes Mal war furchtbar. Als 25-jähriger, ohne bis dahin eine eigene längere Beziehung gehabt zu haben, saß ich bei einem gleichaltrigen Soldaten mit Frau und Schwiegermutter zusammen und sollte in dieser bereits total vermurksten Beziheung noch irgend etwas klären. Naja, er hat mir ein paar Wochen später wenigstens noch die Scheidungsklage seiner Frau zum Lesen gegeben. Keine schöne Lektüre. Wir haben auch ihn eine Weile nicht zur Wache eingesetzt.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#97

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 16:55
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #94
Wusste man als Offizier der Kompanieführung davon, dann hätte man das nicht mehr vertuschen können.

Nicht unbedingt, je nach Ambitionen auf einen Bestentitel ging sowas auch sowas auch mit einem brüllenden erhobenen Zeigefinger ab. Auch fehlte ja jeder Arrestant in der Grenzdienstplanung. In der Kompaniestärke waren die Deliquenten ja immer noch vorhanden. Aber als A-Gruppe bretthart, hmm ... da haben ja Einige 'gepennt'. Wer war den Diensthabender in der Kompanie @GW? Und hattet ihr die FÜSt im Objekt oder im Abschnitt? Weil was willstn als KGSi machen @Rainman? 'Kompanie Grenzalarm' etwa? Der Kerle hätte doch keine ruhige Minute mehr auf dieser Grenzkompanie erlebt ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#98

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 17:17
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #97
Zitat von Rainman2 im Beitrag #94
Wusste man als Offizier der Kompanieführung davon, dann hätte man das nicht mehr vertuschen können.

Nicht unbedingt, je nach Ambitionen auf einen Bestentitel ging sowas auch sowas auch mit einem brüllenden erhobenen Zeigefinger ab. Auch fehlte ja jeder Arrestant in der Grenzdienstplanung. In der Kompaniestärke waren die Deliquenten ja immer noch vorhanden. Aber als A-Gruppe bretthart, hmm ... da haben ja Einige 'gepennt'. Wer war den Diensthabender in der Kompanie @GW? Und hattet ihr die FÜSt im Objekt oder im Abschnitt? Weil was willstn als KGSi machen @Rainman? 'Kompanie Grenzalarm' etwa? Der Kerle hätte doch keine ruhige Minute mehr auf dieser Grenzkompanie erlebt ...

Hallo 94,

die Bemerkung war eher mit Blick auf damals real-sarkastisch gemeint: Wusste es sogar die Kompanie, wussten es in der Regel auch andere. Und bei dieser Konstellation ("akute Verhaltensauffälligkeit", da bisher guter Genosse), wäre die Nichtmeldung ein klarer Verstoß gegen den Befehl 44 gewesen. Es mag Kompanieführungen gegeben haben, die das Risiko eingingen ... nun gut, das ist spekulativ.

Ansonsten: A-Gruppe auf der Kompanie, hat Befehl und Belehrung, hockt auf der Bude - da schaut keiner danach. Und wenn die anderen drei schlafen, kann sich einer schon heimlich zulöten. Wenn der Grenzalarm kommt, handeln eh alle fast mechanisch, zumal wenn sie aus dem Schlaf kommen. Im Abschnitt wäre das genauso gegangen. Nein, als Diensthabender Stellvertreter habe ich mir eine A-Gruppe beim Losrennen nur angeschaut, wenn ich zufällig auf dem Gang stand. Der Kommandeur der Grenzsicherung lässt sich bei Grenzalarm auch nicht nochmal alle Schäfchen zeigen, sondern gibt lediglich den Befehl an der Alarmgruppenführer. Ansonsten, wie schon gesagt, der Oberfähnrich ist hier als KGSi ein hohes Risiko eingegangen. Aber warum nicht. Solche Aktionen haben Vorgesetzte und Unterstellte gelegentlich auch mehr zusammengeschweißt.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#99

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 17:31
von LO-Fahrer | 607 Beiträge

Bei uns gab es einen Fall, daß ein Gefr. total blau vorzeitig!!!!! aus dem Urlaub zurückkam mit der Bemerkung "Es ist wahrscheinlich besser, wenn ich die nächsten Tage nicht in den Garten gehe". Er hatte auch Probleme mit seiner Frau, Gerüchten zufolge war ein anderer Mann im Spiel. Die meines Wissens nach einzige Konsequenz für Ihn war, daß er am nächsten Tag nach Halberstadt in den Regimentsstab versetzt wurde und dort seine letzten 4 Monate abgedient hat.


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#100

RE: Alkohol im Grenzdienst?

in Grenztruppen der DDR 21.09.2012 17:40
von Mike59 | 7.979 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #97
Zitat von Rainman2 im Beitrag #94
Wusste man als Offizier der Kompanieführung davon, dann hätte man das nicht mehr vertuschen können.

Nicht unbedingt, je nach Ambitionen auf einen Bestentitel ging sowas auch sowas auch mit einem brüllenden erhobenen Zeigefinger ab. Auch fehlte ja jeder Arrestant in der Grenzdienstplanung. In der Kompaniestärke waren die Deliquenten ja immer noch vorhanden. Aber als A-Gruppe bretthart, hmm ... da haben ja Einige 'gepennt'. Wer war den Diensthabender in der Kompanie @GW? Und hattet ihr die FÜSt im Objekt oder im Abschnitt? Weil was willstn als KGSi machen @Rainman? 'Kompanie Grenzalarm' etwa? Der Kerle hätte doch keine ruhige Minute mehr auf dieser Grenzkompanie erlebt ...


Ich weiß ja nicht - Alk in Abschnitt als eingesetzte AG oder GP im Aufzug - da hat sicher einer den Heimgang satt gehabt. Auf der GK - da habe ich nach dem Spätaufzug schon die ganzen im Objekt verbliebenen AGT inklusive AG + AZ und DHO gut abgefüllt (inklusive meiner Person) erlebt.
Und gepennt - das ist auch immer wieder gewesen - Ich bin mal auf der FüSt (Fb3) aufgewacht und auf dem Tätigkeitsbuch saß eine Maus und beobachtete mich. Meinen Posten auf dem Turm konnte ich laut atmen hören. Offensichtlich war alles sicher.

Mike59


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