#121

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.02.2011 08:46
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von matloh
Um zum Thema Hohenschönhausen zurück zu kehren: Stimmt das, dass HSH nicht im Stadtplan eingezeichnet war?

Wenn ja: Wie muss man sich das denn vorstellen? In der Nähe wird ja auch jemand gewohnt haben, den Leuten müsste doch aufgefallen sein, dass im Stadtplan keine Strasse eingezeichnet war, aber in Wirklichkeit doch eine da war...?


Nachtrag: Warum war HSH eigentlich am Stadtplan nicht eingezeichnet?




@matloh, bis mitte der 70´er jahre war hohenschönhausen ein stadtteil von lichtenberg und wurde dann auf grund der grösse ein eigener stadtbezirk. vor ein paar jahren wurde hohenschönhausen wiederum ein stadtteil von lichtenberg. auch das finanzamt hohenschönhausen wurde in das finanzamt lichtenberg eingegliedert.
hohenschönhausen war immer auf den karten verzeichnet. nur die sperrgebiete, auch dieses um welches es sich hier ständig dreht, war als solches gekennzeichnet. auch für die anwohner war es als militärisches sperrgebiet gekennzeichnet.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#122

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.02.2011 17:43
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Hohenschönhausen-der verbotene Stadtteil im Stasi Sperrbezirk



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#123

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.02.2011 18:16
von Landeposten (gelöscht)
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Zitat von Zermatt
Hohenschönhausen-der verbotene Stadtteil im Stasi Sperrbezirk



???
Hallo,diese Aussage kann ich beim besten Willen nicht deuten.


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#124

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 23.02.2011 18:24
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von Landeposten

Zitat von Zermatt
Hohenschönhausen-der verbotene Stadtteil im Stasi Sperrbezirk



???
Hallo,diese Aussage kann ich beim besten Willen nicht deuten.




ich denke der gute Zermatt hat nur aufs Smilie verzichtet... oder?


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#125

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.03.2011 22:25
von Carolus (gelöscht)
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Guten Abend allerseits,
2009 habe ich in einem ländlichen Hotel im Burgenlandkreis übernachtet und kam im Laufe des Abends mit einem Mit-Gast ins Gespräch. Er war naturalisierter Norweger und arbeitete für ein deutsches Transportunternehmen. Irgendwie hat er sich 1988 auf "dubiose" Geschäfte mit höheren DDR-Funktionären eingelassen. Letztlich landete er für 6 Monate in Hohenschönhausen. Niemand vom Personal sprach mit ihm, er wusste nicht wo er war, zu unterschiedlichen Tag- und Nachtzeiten wurde er zu Verhören abgeholt, die sich mehrfach über Stunden hinzogen. Ein Anklagepunkt wurde ihm nie genannt. Er bekam kein Buch, keine Zeitschrift und musste letztlich den ganzen Tag auf einem Hocker beschäftigungslos sitzen. Nachts mussten die Hände über dem Zudeck liegen, bei Zuwiderhandlungen wurde er geweckt. Oftmals mehrfach in der Nacht. Nach 6 Monaten wurde er ohne Kommentar entlassen und nach Norwegen ausgeflogen.

Wenn so eine "Verwahrung" keine Folter ist , was ist dann Folter ?

Ich glaube seinen Ausführungen, da er mir die räumlichen Situationen in Hohenschönhausen so geschildert hat, wie ich sie bei dem Besuch mit meinem Sohn vorgefunden habe.

Natürlich hatte ich tausend Fragen, die aber ohne Beantwortung blieben.

mfg

Carolus


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#126

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 10.03.2011 22:41
von SkinnyTrucky | 1.260 Beiträge

Zitat von Carolus
Wenn so eine "Verwahrung" keine Folter ist , was ist dann Folter ?



Carolus....es gibt hier einige Experten, die sich noch melden werden und dir sagen werden, das das eine ganz normale Untersuchungshaft dort war....auch werden sie dir sagen, das niemand ohne Grund dort war und das Verwahren angemessen war.....und sie werden dir sagen, das Verurteilte im Strafvolzug sich nach HSH zurückgewünscht haben, weil es dort sooooo gut war......

.....ja Carolus....du wirst hier im Forum deöfteren solche Experten begegnen, die das noch immer behaupten.....

groetjes uit Orte

Mara


Kein Sex mit Nazis...!!!
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#127

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 08:33
von Rabe (gelöscht)
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Auf der ersten Seite zum Thema, wurde durch einen User gefordert, daß mit den Verantwortlichen und Durchführenden ebenso verfahren wird, wie mit den Untersuchungshäftlingen in " Hohenschönhausen ". Hier nun eine Schilderung, wie es einen Verantwortungsträger der DDR in der Untersuchungshaft der BRD erging:

Schilderung von Fritz Streletz, Generaloberst a. D. der NVA

Sie wollten gern einiges über meinen "Aufenthalt" in der Justiz-Vollzugs-Anstalt Moabit erfahren. Dieser Bitte komme ich gern nach.

Ich war über 40 Jahre lang Angehöriger der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik und habe alle militärischen Dienstgrade vom Soldaten bis zum Generaloberst durchlaufen.

Von 1971 bis 1989 war ich bei Beibehaltung meiner Funktion Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. Von 1979 bis 1989 hatte ich die Funktion des Stellvertreters des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef des Hauptstabes der Nationalen Volksarmee inne. Gleichzeitig war ich in diesen elf Jahren der Stellvertreter des Oberkommandierenden der Vereinigten Streitkräfte der Staaten des Warschauer Vertrages für die Nationale Volksarmee. In diesen drei Funktionen hatte ich eine bestimmte Verantwortung für die Organisation der Landesverteidigung der DDR und für die Grenzsicherungsmaßnahmen.

Am 31.12.1989, wurde ich nach 41 Dienstjahren auf eigenen Wunsch in Ehren aus der Armee entlassen.

Am 20.05.1991, es war ein Pfingstmontag, wurde ich gegen 21.30 Uhr in meiner Wohnung verhaftet und befand mich danach 28 Monate in der Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Moabit. Auf die schweren Bedingungen und z. T. diskriminierenden Maßnahmen während der Untersuchungshaft möchte ich nicht näher eingehen.

Es sei mir jedoch gestattet, ein Schreiben des Vorsitzenden Richters des Landgerichtes Berlin an den Anstaltsleiter zu zitieren, dass einen bestimmten Aufschluß über meine Lage in der Untersuchungshaft gibt.

In diesen Schreiben heißt es:

"Betrifft den Untersuchungsgefangenen Fritz Streletz der Justizvollzugsanstalt Moabit, Gefangenenbuch Nr. 2296/91 (Wobei diese Nummer immer wichtiger war als der Name. Danach wurde man immer eingeteilt, wurde man immer aufgerufen, wurde man sortiert)

Unter Bezugnahme auf das heutige Telefongespräch teile ich mit, dass von hier aus keine Bedenken bestehen, dass der oben angeführte Untersuchungsgefangene nach Maßgabe der technischen und personellen Möglichkeiten ein- bis zweimal monatlich unter Bewachung mit seiner Ehefrau telefoniert. Ich bitte ebenfalls, die Voraussetzungen für die Teilnahme an einer zweiten Freistunde und für einen Haftraum mit Stromversorgung zu schaffen, da der oben angeführte Untersuchungsgefangene sich seit dem 20. Mai 1991, d. h. fast 14 Monate, in U-Haft befindet.

Der Vorsitzende, ´Bräutigam´, Vorsitzender Richter am Landgericht."

Aus diesen Schreiben ist ersichtlich:

* 14 Monate befand ich mich in einer Zelle ohne Stromanschluß

* über ein Jahr war es mir nicht erlaubt, mit meiner Frau zu telefonieren,

* über 400 Tage durfte ich mich täglich nur eine Stunde an der frischen Luft bewegen, 23 Stunden saß ich täglich in der Zelle.

Da ich unter die Kategorie "Tatgenossen" fiel - das heißt tatsächlich so in westdeutschen Sprachgebrauch bei der Justiz, das hat nichts mit unseren Genossen zu tun, ich hatte einen großen blauen Punkt auf meiner Zellentür - bedeutete das:

* keine Teilnahme am Sport,
* keine Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen,
* keine Teilnahme an der Arbeit von Beschäftigungsgruppen sowie
* eine Reihe weiterer Einschränkungen

Das Ziel bestand darin, alles zu verhindern, was dazu führen könnte, daß ich mit den anderen Untersuchungshäftlingen - Honecker, Stoph, Mielke und Keßler - zusammentreffen konnte.

Diese Isolierungsmaßnahmen waren so perfekt organisiert, daß ich mit den anderen Angeklagten erst bei Prozeßbeginn, d. h. nach 17 Monaten, das erste Mal zusammengetroffen bin.

Ich war sehr froh darüber, daß den Angeklagten in den nachfolgenden Prozessen, diese schwere Zeit der Untersuchungshaft erspart geblieben ist.

Bis zum Prozeßbeginn hatte ich sechs Haftprüfungstermine. Jedesmal wurden zwei Gründe für das Fortbestehen der Untersuchungshaft angegeben:

Erstens:

Dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr bestehen aus den bisherigen Gründen fort.

Zweitens:

Die Fortdauer der U-Haft steht weiterhin nicht außer Verhältnis zu der Bedeutung der Sache und der zu erwartenden Strafe.

Nach über sieben Monaten Untersuchungshaft erfolgte meine erste Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft.

Sieben Monate hat man uns schmoren lassen, bevor sich die Staatsanwaltschaft zum ersten Mal mit uns befaßte.

Am 2.6.1992,ich war bereits länger als ein Jahr in der Untersuchungshaft, erhielt ich die 783 Seiten umfassende Anklageschrift. Aber bereits 14 Tage vorher, am 15.5.1992, wurde durch den Rundfunk bekannt gegeben, daß die fast 1.000 Seiten umfassende Anklageschrift fertiggestellt worden ist.

Es war charakteristisch während unseres Aufenthaltes in der Untersuchungshaft, daß wir fast alle Entscheidungen, die uns betrafen, zuerst durch die Massenmedien erfuhren.

Fast 20 Stunden habe ich Fragen des Gerichts, der Staatsanwaltschaft, der Nebenkläger sowie der Verteidiger beantwortet. Dabei bin ich immer von meiner Grundposition, daß ich niemals gegen die Verfassung oder die Gesetze der DDR verstoßen habe und immer meine Aufgaben auf der Grundlage des geleisteten Fahneneides erfüllt habe, ausgegangen.

Immer habe ich unterstrichen: Zu meiner Verantwortung und zu meiner Biographie stehe ich. Es gibt keinen Befehl, den ich in meiner über 40 jährigen Dienstzeit erteilt habe, dessen ich mich heute vor mir oder der Geschichte schämen müßte.

Jeder Tote an der Grenze, ob Grenzverletzer oder Grenzsoldat war ein Toter zuviel.

Oft wurden meine Ausführungen in überheblicher Art als Schutzbehauptung abgetan. Der größte Teil der Beweisanträge wurde abgeschmettert.

Allein bei der 49. Sitzung, am 1. Juni 1993, wurden elf Beweisanträge abgelehnt. Nicht anders verhielt es sich mit der Ladung von Zeugen oder Sachverständigen.

So zum Beispiel von Hr. Gorbatschow, Marschal Kulikow und Hr. H. Kohl.

Ebenso wurden die Anträge wegen der Besorgnis der Befangenheit der Richter abgelehnt.

Nach 64 Verhandlungstagen wurde der Prozeß am 16.9.19993 mit der Urteilsverkündung beendet. Ich wurde wegen Anstiftung zum Totschlag zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt und - mit den entsprechenden Beauflagungen - nach 851 Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen.

Am 26.11.1996 habe ich mich zum erneuten Strafantritt in der Justizvollzugsanstalt Hakenfelde gemeldet.

Am 25.10.1997 wurde ich nach einer Strafverbüßung von drei Jahren und drei Monaten aus der Vollzugsanstalt entlassen. Meine "Bewährungszeit" betrug drei Jahre.

Als der "Einigungsvertrag" zwischen der DDR und der BRD beschlossen wurde, wurde uns ein Rechtsstaat und eine Gleichbehandlung versprochen. Nachdem der Beitritt vollzogen war, haben die annährend 150 Generale und Admirale sowie 30.000 Offiziere und die anderen Berufsgruppen der NVA und der Grenztruppen zu spüren bekommen, was es heißt, sich bedingungslos einem neuen System unterzuordnen. "Gedient in fremden Streitkräften", hieß es.

Einmalig in der deutschen Militärgeschichte ist die Armee der durch die Eingliederung untergegangenen Staates, also die Armee der Besiegten, in Form einer Zusatzvereinbarung zum "Einigungsvertrag" in ihrer Gesamtheit degradiert worden.

Kein General, Admiral oder Offizier der früheren Nationalen Volksarmee darf den in Ehren erworbenen letzten Dienstgrad nach seinen Ausscheiden weiterführen, was in jeder anderen Armee der Welt eine Selbstverständlichkeit ist.

Ich weise auf die diskriminierenden Sachverhalt nicht nur aus persönlich Betroffener hin, sondern weil ich annehme, daß ein solche Herangehen auch kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Bundeswehr ist, die angeblich nach der Erklärung der Bundesregierung die nationale Volksarmee beispielgebend in ihre Reihen integriert hat.

Ich bitte um Verständnis, daß es mir und vielen Angehörigen der NVA und der Grenztruppen nicht leicht fällt, diesen Rechtsstaat zu bewundern und ihn als unseren Staat anzuerkennen.

Meine Strafrente als Generaloberst der NVA mit 41 Dienstjahren ist so hoch wie das Gehalt eines Unteroffiziers der Bundeswehr.

Durch die hohen Gerichts- und Anwaltskosten bin ich bis an mein Lebensende in das soziale Abseits gestoßen.

Im Leben lernt man sehr viel auch aus den Niederlagen. Wut , Haß und Rachegefühle waren noch nie gute Berater bei der Lösung von anstehenden Aufgaben.

Ich hadere nicht mit meinen Schicksal, trotz der vielen Verleumdungen, Erniedrigungen, Schikanen und Demütigungen blicke ich erhobenen Hauptes in die Zukunft.

Jedes Land wird auch danach beurteilt, wie es seine früheren Gegner behandelt !

Als Nelson Mandela in seiner bedeutsamen Rede vor dem Deutschen Bundestag verkündete, in Südafrika gilt der politische Grundsatz "Versöhnung statt Vergeltung" erhielt er von allen Abgeordneten des Bundestages Beifall. Aber Schlußfolgerungen für die eigene Aufarbeitung der deutschen Geschichte wurden durch den Deutschen Bundestag leider nicht gezogen.

Fritz Streletz
Generaloberst a. D.


Rabe


zuletzt bearbeitet 11.03.2011 08:34 | nach oben springen

#128

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 10:45
von eisenringtheo | 9.162 Beiträge

Siegerjustiz. Die DDR ist nicht mehr, die BRD ist noch. Zurückgeblieben ist ein Heer bösartiger Stasi und schiesswütiger Grenzer a.D. Viele im Westen (und Osten) sahen das in den 90er Jahren so. Im Laufe der Jahre begannen nicht wenige an dieser einfachen Sicht zu zweifeln, wollen das jetzt genauer wissen und die Diskussion wird intensiver.
Theo


zuletzt bearbeitet 11.03.2011 10:45 | nach oben springen

#129

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 11:22
von werner | 1.591 Beiträge

Ist aber noch ein langer Weg bis zu einem sachlichen Umgang. Und "was wäre wenn", "wie hätte denn", "wie hättet ihr denn" - Kommentare mancher Teilnehmer hier sind auch nicht wirklich geeignet, eine offene Diskussion zu fördern. Nüchterne Darstellungen, die nicht der öffentlich gewollten Meinung entsprechen, als Verhöhnung, Relativierung abzustempeln, macht es auch nicht einfacher.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#130

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 12:11
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Carolus
Guten Abend allerseits,
2009 habe ich in einem ländlichen Hotel im Burgenlandkreis übernachtet und kam im Laufe des Abends mit einem Mit-Gast ins Gespräch. Er war naturalisierter Norweger und arbeitete für ein deutsches Transportunternehmen. Irgendwie hat er sich 1988 auf "dubiose" Geschäfte mit höheren DDR-Funktionären eingelassen. Letztlich landete er für 6 Monate in Hohenschönhausen. Niemand vom Personal sprach mit ihm, er wusste nicht wo er war, zu unterschiedlichen Tag- und Nachtzeiten wurde er zu Verhören abgeholt, die sich mehrfach über Stunden hinzogen. Ein Anklagepunkt wurde ihm nie genannt. Er bekam kein Buch, keine Zeitschrift und musste letztlich den ganzen Tag auf einem Hocker beschäftigungslos sitzen. Nachts mussten die Hände über dem Zudeck liegen, bei Zuwiderhandlungen wurde er geweckt. Oftmals mehrfach in der Nacht. Nach 6 Monaten wurde er ohne Kommentar entlassen und nach Norwegen ausgeflogen.

Wenn so eine "Verwahrung" keine Folter ist , was ist dann Folter ?

Ich glaube seinen Ausführungen, da er mir die räumlichen Situationen in Hohenschönhausen so geschildert hat, wie ich sie bei dem Besuch mit meinem Sohn vorgefunden habe.



Irgendwann so denkt man sollten solche Erzählungen doch einmal aufhören, doch weit gefehlt. Natürlich war die ganze Haft ungerechtfertig und er ein "Opfer", so entnehme ich dies der Schilderung.

1. Was waren denn diese "dubiosen" Geschäfte? Scheinbar hatte der U-Haft hier doch einen guten Grund!

2. Einige Anweisungen wird man ihm schon gegeben haben, tiefschüfende Gespräche mit den VH zu führen war nicht die Aufgabe der MA von XIV.

3. Es fand eine richtlerliche Erstvernehmung statt, dieser stellte sich dem Beschuldigten in seiner Funktion vor. Jedem logisch denkenden B. müsste klar sein, das der hier zuständige Richter des Bezirksgerichts Berlin nicht nach Erfurt fährt um diese durchzuführen. Weiterhin gab es anschließend den Haftbefehl, auch aus diesem war die erlassende Behörde klar ersichtlich. Er wußte nun trotzdem nicht in welchem Ort er war? So so, das würde ja Raum für gewisse Überlegungen hinsichtlich der Auffassungsgabe des B. zulassen.

4. Der U-Führer hatte meistens mehrere EV zu bearbeiten, zu vielen EV gab es mehr als einen B., weiterhin gab es noch weitere andere Aufgaben die zu realisieren waren wie z.B. rechtliche Stellungnahmen für andere DE zu erarbeiten und anderes. Logisch, dass die Zeiten zu denen der einzelne B. vernommen wurden daher Schwankungen unterlagen und sich nach den Terminen des U-Führers richteten und nicht nach den Wünschen des B.

5. Dem B. wurde der Haftbefehl mit der Anordnung zur U-Haft eröffnet, aus diesem konnte er wie o.g. nicht nur die ausstellende Behörde, sondern auch die gegen ihn erhobenen Vorwürfte, einschließlich der relevanten §§ des StGB.

6. In der UHA gab es eine Bibliothek und auch Zeitschriften wurden gereicht, das wird auch in HSH nicht anderes gewesen sein.

7. Was ist eine Hausordnung wert die nicht durchgesetzt wird? Auch diese Vorgabe einschließlich der Sichtkontrolle durch die Stationsposten dienten der Sicherheit der VH. Wenn Staat der einen Bürger in Haft nimmt dann ist er auch für dessen Sicherheit verantwortlich. Wie ernst dieser Staat diese Verantworung nimmt könnte einem in den Sinn kommen, wenn man einmal die Zahl der realisierten Selbsttötungen in HSH mit den Zahlen der allein in den letzten 15 Jahren in Moabit in realisierten vergleicht.

Was die Haftbedingungen in der BRD betrifft hat @Rabe ja schon einiges geschrieben, aber auch das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe äußert sich da recht deutlich!
Über HSH sind mir trotz vieler ausländischer Beschuldigter keinerlei Proteste ausländischer Vertreter über die Haftbedingungen bekannt!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 11.03.2011 12:12 | nach oben springen

#131

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 13:00
von turtle | 6.961 Beiträge

. In der UHA gab es eine Bibliothek und auch Zeitschriften wurden gereicht, das wird auch in HSH nicht anderes gewesen sein.

Nein das kann ich nicht bestätigen ich habe das 1964/1965 nie bekommen.

Hier noch einmal Auszüge von mir aus einem alten Thread


. Ich möchte nichts vom Hörensagen schreiben sondern nur was ich selber erlebt habe! Ich war über 6 Monate in der U-Haft in einer Einzelzelle. Ich hatte das Urteil nicht angenommen ,ging in Berufung . Natürlich hat das nichts gebracht also war ich weiter stur und beantragte Kassation! Das wurde aber abgelehnt somit war das Urteil 18 Monate rechtskräftig. Das alles hatte mir keine Sympathie eingebracht. Bei der Urteilsverkündung sagte der Oberrichter „ Ich müsste dankbar sein, das mich die Sicherheitsorgane der DDR vor diesen Schritt bewahrt haben“ (Republikflucht) . Nun hätte ich aber Gelegenheit darüber nachzudenken wie ich wieder ein vollwertiges Mitglied der Sozialistischen Gesellschaft werde! Na wie schon geschrieben ich hatte eine andere Ansicht! Nun zu den von mir Erlebten. Mir wurde Tagelang Schlaf entzogen, damit ich bei den Vernehmungen für sie Brauchbares aussage! Der oder die Vernehmer waren mal allein oder zu zweit.
Wenn ich dachte Ruhe und endlich schlafen wurde ich wieder aus dem VERWAHRRAUM gezerrt, und die Vernehmung begann von vorn.
Das macht schon müde und mürbe. Doch ich konnte nichts brauchbares sagen ,nach 3 Tagen gaben sie auf. In dem VERWAHRRAUM wurde das Bett welches an der Wand befestigt war hochgeschlossen ,nichts mit liegen! Ein Klappbrett zum sitzen und einen Klapptisch gab es aber! Pro Tag gab es 30 ? Min. Hofgang. Beim Ablauf aus den Zellen( Wir mussten immer bei der Meldung Verwahrraum sagen) und auf dem Hof ging es immer schön im Kreis herum. In dem Kreis waren Markierungen mit gewissen Abständen, welche eingehalten werden mussten. So war es nicht möglich etwas zuzustecken. Reden war natürlich verboten! In regelmäßigen Abständen musste ich auf Transport, wohin erfuhr man erst wenn man da war. So konnte niemand großen Kontakt mit Gleichgesinnten aufbauen. Doch könnte ich nun einen Gefängnissführer der DDR herausbringen. Ich war 3x wegen Sturheit ,oder nicht befolgen einer Anweisung in der Arrestzelle! . Ich bekam jeden 3.Tag warmes Essen. Gibt es noch zu erwähnen pro Monat durfte ich 20 Zeilen schreiben, wurde natürlich kontrolliert. Besuch war auch einmal im Monat mit Antrag erlaubt (30 Min) War aber Scheiße, wenn meine Mutter angereist kam, war ich manchmal schon wieder auf Tournee. Gehört habe ich vieles doch erlebt und bestätigen kann ich nur das von mir geschriebene! Vergessen kann ich nie! Doch den ersten Stein werde ich trotzdem nicht werfen, vielleicht haben die tatsächlich gedacht sie sprechen Recht, ansonsten müssten viele Ex-Juristen der DDR heute angeklagt werden oder ihre Zulassung entzogen werden! Das mit den Unrechtsurteilen hatten wir doch schon einmal vor der DDR ! Wie viele mussten sich damals für ihre Unrechtsurteile verantworten?
Na lassen wir das! Sie haben nach den für sie gültigem Recht und Gesetz gehandelt! Ob sie wenigstens manchmal ein schlechtes Gewissen hatten?
Zum Glück habe ich es beim zweiten Versuch geschafft in die BRD zu kommen DDR heute angeklagt werden oder ihre Zulassung entzogen werden! Das mit den Unrechtsurteilen hatten wir doch schon einmal vor der DDR ! Wie viele mussten sich damals für ihre Unrechtsurteile verantworten?
Na lassen wir das! Sie haben nach den für sie gültigem Recht und Gesetz gehandelt! Ob sie wenigstens manchmal ein schlechtes Gewissen hatten?
Zum Glück habe ich es beim zweiten Versuch geschafft in die BRD zu kommen.


Habe noch etwas Interessantes aus dem Spiegel vom 26.07. 1976

Keine Nachsicht für Feinde unserer Ordnung
Strafvollzug in der DDR - hohe Arbeitsnormen und strenge Sanktionen

Wir sind korrekt und höflich behandelt worden" -- als er das sagte, schien Grenztruppjäger Günther Bohle noch immer verwundert: Das Essen sei anständig und ausreichend, die Haftzelle sauber und die Ruhezeit zwischen den Verhören genügend lang gewesen.

Die Bekundungen Bohles, der zusammen mit seinem Bundesgrenzschutz-Kollegen Oberwachtmeister Wolf-Dieter Frese Mitte letzten Monats 73 Stunden in DDR-Haft verbracht hatte, weichen tatsächlich erheblich ab von dem, was bisher im Westen über ostdeutsche Zwangsverwahrung bekannt wurde -- selbst dann, wenn unterstellt werden darf, daß die DDR-Behörden von Anfang an nur eine kurze Beherbergung der beiden "Grenzverletzer" vorhatten,

Haben die von der SED so oft beschworenen humanistischen Prinzipien endlich auch Knast und Untersuchungshaft erreicht? Oder führt die Traditionslinie des ostdeutschen Strafvollzugs auch heute noch eher zu denjenigen, von denen die Kommunisten 1945 KZs und Zuchthäuser wie Buchenwald und Bautzen übernahmen?

Als SED-Chef Erich Honecker 1971 bei Antritt der Ulbricht-Nachfolge den Menschen in den Mittelpunkt aller Gesellschaftspolitik rückte, mochte damit zunächst auch der straffällig gewordene DDR-Bürger gemeint gewesen sein: 1972, zum 23. Jahrestag der Ost-Republik, wurden 31 700 Personen aus U-Haft- und Strafanstalten entlassen. Gut 2000 von ihnen wurde unmittelbar darauf die Ausreise in die Bundesrepublik gestattet.

Im 27. Jahr der DDR dagegen will die Einheitspartei von Milde nichts mehr wissen. Im Gegenteil, so deutete jetzt Generalstaatsanwalt Josef Streit die Ergebnisse des IX. SED-Parteitags, müsse wieder eine "Atmosphäre der Unversöhnlichkeit" geschaffen werden. "Unveränderte Strenge" sei gegenüber Kriminellen aller Art angezeigt, und insbesondere "gegenüber Feinden unserer Ordnung" dürfe es "keine Nachsicht" geben.

Der harte Kurs, so ist von DDR-Fachleuten zu hören, hat nicht zuletzt ökonomische Gründe. Denn nach der Amnestie von 1972 habe es in einzelnen Branchen empfindliche Störungen bei der Planerfüllung gegeben. Die Zuliefer-Fertigung in den -- inzwischen wieder vollgestopften -- Haftanstalten gilt bei vielen Volkseigenen Betrieben als produktivster und profitabelster Unternehmenszweig. Im Zuchthaus Bautzen II beispielsweise, wo unter anderem das Elektroschaltgeräte-Kombinat Oppach sogenannte Wechselspannungsschütze herstellen läßt, liegt die befohlene Arbeitsnorm bei 120 Prozent (siehe Kasten Seite 52).

In seinen acht Stunden Arbeitszeit muß der Bautzener Häftling zwischen 160 und 170 dieser Schaltelemente zusammensetzen -- alle drei Minuten eines. Der Grundlohn für solche Fleißarbeit beträgt monatlich 420 Mark. Davon erhalten Kinder von Strafgefangenen monatlich je 60 Mark. Ansonsten kassiert die Anstalt für Kost, Logis und Krankenbetreuung den Löwenanteil. Nach Abzug von nochmals zwei bis drei Mark Rücklage für den Entlassungstag und 3,40 Mark für das Zeitungsabonnement bleiben dem Häftling für den Einkauf bei der Knast-Dependance des Staatlichen Handels gut 20 Mark. Diese Summe kann er nur durch Überstunden und höhere Normenerfüllung geringfügig aufbessern.

Grundsätzlich besteht im DDR-Strafvollzug Arbeitspflicht. Sie bildet, so bestimmt es ein Strafvollzugs- und Wiedereingliederungsgesetz aus dem Jahr 1968, den "Mittelpunkt der Erziehung". Die Arbeitsorganisation hinter Gittern ist daher weitgehend der volkseigenen Industrie entlehnt und kennt wie sie Brigaden und Bestarbeiter, Prä-

* Nach der Amnestie von 1972 am West-Berliner Sektorenübergang Heinrich-Heine-Straße.

mien und Qualifizierungsanreize. Darüber hinaus allerdings verfügt die Anstaltsleitung, anders als das sozialistische Management, vom "Ausspruch einer Mißbilligung" bis zur "Überweisung in eine strengere Vollzugsart" über ein differenziertes Sanktionen-System, um hohe und kontinuierliche Arbeitsleistungen zu erzwingen.

So können bei Arbeitsverweigerung -- je nachdem, ob sie noch mit "Boykotthetze" gegenüber Mitgefangenen verbunden war-Arreststrafen bis zu 21 Tagen verhängt werden. Während der Gefangene beim "Freizeitarrest" lediglich in eine normale Einzelzelle "umgeschlossen" und von allen Vergünstigungen ausgenommen wird, heißt "schwerer Arrest" totale Isolation: Aufenthalt in einer Drei-Quadratmeter-Zelle, keine Pritsche während des Tages, Lese- und Schreibverbot und stark reduzierte Verpflegung.

Um eine Solidarisierung von Gefangenen möglichst überhaupt zu verhindern, hat das Ost-Berliner Innenministerium, dem alle DDR-Strafanstalten und Straf-Kommandos (früher Haftarbeitslager genannt) unterstehen, sehr rasch eine Trennung nach Delikten und Täter-Typen aufgegeben. So sitzen und arbeiten seit 1951 wegen Spionage Abgeurteilte neben Raubmördern, ehemalige Staatssicherheitsdienstler neben Wehrdienstverweigerern" westdeutsche Fluchthelfer neben ostdeutschen Betriebsfunktionären" die für "Wirtschaftsverbrechen" abgeurteilt wurden.

Obwohl die DDR-Führung erst 1971 überhaupt zugeben mochte, daß in ihren Gefängnissen auch "politische

... Straftäter" einsitzen, übte sich das Wachpersonal gegenüber dieser Gefangenen-Gruppe schon immer in besonderen Diskriminierungstechniken: Der Unterschied zwischen kriminellen und politischen "Langstrafern" wurde etwa im Zuchthaus Brandenburg, in dem von 1939 bis 1945 auch Erich Honecker als politischer Häftling saß, jahrelang so charakterisiert: "Das ist ja nur ein kleiner Mörder, der hat nur einen umgebracht, aber du wolltest ja den Dritten Weltkrieg."

Gleichwohl, so beurteilt es ein ehemaliger "Politischer" aus Brandenburg, sei "offene, brutale Gewalt kein Bestandteil des Vollzugssystems". Zwar werde "offener Widerstand ebenso offensiv gebrochen", die eigentliche Aufgabe der schamhaft "Erzieher" genannten Wärter aber sei die psychologische Anpassung des Gefangenen. Regelmäßige Aussprachen, im Häftlings-Jargon "Beichtstunden" oder auch "Seelenfilzung" genannt, sollen Aufschluß darüber geben, was an offizieller Sprachregelung auf- und angenommen worden ist.

Organisierter, politisch motivierter Widerstand existiert daher in den DDR-Gefängnissen kaum noch. Er beschränkt sich nach den Erinnerungen langjähriger Häftlinge auf jene Jahre, in denen die "Zone" vielen als Provisorium ohne Zukunft, als historischer Betriebsunfall erschien.

Derzeit wird im Westen die Anzahl der politischen Häftlinge in DDR-Strafanstalten auf 7000 geschätzt -- und etwa ebenso viele wurden seit 1969 durch "besondere Bemühungen der Bundesregierung" (so die offizielle Bonner Chiffre) vorzeitig nach Westdeutschland entlassen. Für seine Amtszeit von 1963 bis 1966 gibt der ehemalige Gesamtdeutsche Minister Erich Mende 4000 von Ost-Berlin losgekaufte Polit-Häftlinge an.

Insgesamt soll die DDR im Häftlings-Gegengeschäft in den letzten 13 Jahren aus Bonner Haushaltsmitteln bezahlte Waren im Gegenwert von mehr als 600 Millionen Mark erhalten haben. Während die Taxe pro Normal-Häftling einem Warenwert von 50 000 Mark entspricht, sind in Einzelfällen auch weit höhere Beträge, bis zu einer Million Mark, aufgebracht worden.

"Durch den Freikauf", so urteilte unlängst der militante DDR-Gegner * Das Bild stammt aus der Zeit vor seiner Verhaftung 1959.

Rainer Hildebrandt von der West-Berliner "Arbeitsgemeinschaft 13. August", erreiche die DDR-Regierung allerdings "eine Tabuisierung des Haftwesens". Hildebrandt: "Von den Rechtsanwälten beider Seiten wird den zu Entlassenen strengstens eingeschärft, im Interesse ihrer Mitgefangenen alle Verlautbarungen über ihre Erlebnisse zu unterlassen."

Zugleich gelingt es häufig den ostdeutschen Staatsschützern" durch solche Vergatterung die Erinnerung an jene politischen Gefangenen zu tilgen. von denen sich die DDR um keinen Preis trennen mag. So sitzt in Bautzen II seit mehr als 16 Jahren der Ost-Berliner Elektro-Ingenieur Hans Möhring, einst Abteilungsleiter in der Staatlichen Plankommission der DDR und befreundet mit deren späterem Chef Erich Apel, der sich 1965 aus Protest gegen die wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von Moskau in seinem Büro erschoß.

Möhring, 59, in Bautzen unter der Häftlings-Nummer 50/61 geführt, hatte nach dem Kriege für den britischen Nachrichtendienst gearbeitet -- aus Idealismus, wie seine Ost-Berliner Freunde wissen wollen. Er gehörte zu den Kontaktleuten des MI-6-Agenten George Blake, der in Wirklichkeit längst für die Sowjets arbeitete, 1961 in England verhaftet wurde und fünf Jahre später aus dem Londoner Wormwoods-Scrubs-Gefängnis fliehen konnte. 25 Blake-Mitarbeiter riefen die Briten damals noch aus dem Osten zurück -- weitere 15 wurden prompt vom Ost-Berliner Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verhaftet.

Alle Versuche, Möhrings Freilassung von außen zu erwirken, blieben bislang ohne Ergebnis. Selbst der Ost-Berliner Anwalt Wolfgang Vogel, Honecker-Vertrauter und DDR-Promoter des ungleichen Handels "Kerkerjahre gegen Warenlieferungen" (so der West-Berliner "Tagesspiegel"), mußte passen: Es bestehe keine Aussicht auf Begnadigung.

Angesichts solcher Fälle haben es DDR-Juristen erkennbar schwer, die spezifische Funktion von Strafe im sozialistischen Staat zu definieren, zumal der Strafvollzug unangefochten eine Domäne der Polizeiverwaltung und der mit ihr in diesem Bereich konkurrierenden Staatssicherheit ist. "Strafe", so behilft sich etwa der Ost-Berliner Rechtsprofessor Erich Buchholz, habe "unter sozialistischen Bedingungen" eben einfach "einen revolutionären, progressiven Charakter", und sozialistischer Strafvollzug ziele vor allem auf "die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen".

Karl Marx, von derlei Legitimationszwängen noch frei, hatte es da einfacher: "Strafe", notierte er, sei "nichts anderes als ein Verteidigungsmittel der Gesellschaft gegen die Verletzung ihrer Lebensbedingungen".

Hier der Link dazu: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41157595.html
Gruß Peter(turtle)


zuletzt bearbeitet 11.03.2011 13:09 | nach oben springen

#132

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 13:12
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von turtle
. In der UHA gab es eine Bibliothek und auch Zeitschriften wurden gereicht, das wird auch in HSH nicht anderes gewesen sein.

Nein das kann ich nicht bestätigen ich habe das 1964/1965 nie bekommen.



Mag zu dieser Zeit durchaus noch anders gewesen sein, das will ich nicht abstreiten!
Ich kenne dies aus späteren Zeiten jedoch anders und möchte dazu als persönlich verantwortlichen Zeitzeugen auch einmal einen MA der XIV zu Wort kommen lassen. In einem anderem Forum beschreib er seinen Tagesdienstablauf, unter anderem führt er folgendes aus...

Zitat
Nun setzten sich die allgemeinen Tagesabläufe ab 13.00 Uhr fort.

Da die meisten Termine im Vormittags Zeiträumen gelegt wurden, war der Nachmittag wesentlich entspannter für das Dienst habende Personal. Vereinzelt waren noch einige Vernehmungen oder Sprecher Termine. Gegen 14.00 Uhr kamen die Zeitungen auf die Stationen. Das waren vor allem das ND, Junge Welt, NBI und Für Dich. Diese wurden nun in die Verwahrräume zu den Beschuldigten gegeben. Manch einer lehnte die Lektüre völlig ab, andere suchten darin Zuflucht, um wenigstens etwas von „draußen“ mit zu bekommen. Wenn die Zeitung ausgelesen war wanderte diese nach Kontrolle zum nächsten Verwahrraum.

Meist wurden auch Nachmittags die Schreibstunden realisiert. Das wurde notwendig, wenn ein Beschuldigter sich schriftlich zu einen Sachverhalt äußern wollte oder gar eine Beschwerde/Antrag schreiben wollte. Dazu wurde der Beschuldigte nach vorherige Anmeldung seines Anliegens in einen leeren Verwahrraum verschlossen mit Schreibutensilien. Nachdem er fertig war und sich gemeldet hatte, kam dieser nach Abgabe der Schreibunterlagen wieder zurück.

Einmal wöchentlich kam auch im Nachmittag unser „Bücherwurm“. Ein alter Hauptmann mit Rollwagen der die Bibliothek bediente. Dieser tauschte die Bücher von Verwahrraum zu Verwahraum.



Dies könnte auf Anfrage sicher auch die BStU bestätigen, da dieser ja auch entsprechende Arbeitsunterlagen der XIV vorliegen dürften.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 11.03.2011 13:12 | nach oben springen

#133

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 14:35
von turtle | 6.961 Beiträge

Mir ging es nur darum zu sagen das nicht jeder die Möglichkeit hatte Bücher oder Zeitschriften in der U-Haft zu lesen! Zumindest bis Mitte der 60er Jahre habe ich das so erlebt. Dass es später anders war glaube ich durchaus. Ich habe eben zur falschen Zeit gesessen
Aber um ehrlich zu sein wahrscheinlich hätte ich aus Sturheit die meiste Literatur und das ND im speziellen sowieso abgelehnt.
Damals war ich nach dem Urteil noch uneinsichtiger, und wollte unbedingt der harte überzeugte Antikommunist sein.Dabei ging manches schief und ich musste wieder einmal in den Arrest! Dann habe ich mich im Stillen über mich selber geärgert. Aber nein nur keine Blöße zeigen. Ja so war das eben. Den Sozialismus im Prinzip fand ich ja nicht einmal schlecht, aber die Mittel und Methoden dazu. So sah ich nur den Westen als mein Ziel. Bereut habe ich es nie,ich bin immer zurecht gekommen im "Westen"
Nun ist das alles ein Teil der deutschen Geschichte die DDR, die Stasi, die Grenze und die Mauer! Ich fühle mich aber nicht als einer von der Sieger Seite. Zuviele haben nach der Einheit zu teuer bezahlt. Einen Versuch mit dem Sozialismus war es wert, besonders nach der schlimmen Zeit des Nationalsozialismus. Die Chance wurde kläglich vergeben. Nach vorn sollten wir schauen und gemeinsam aus gemachten Fehlern lernen.
Gruß Peter(turtle)


zuletzt bearbeitet 11.03.2011 14:36 | nach oben springen

#134

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 14:39
von YYYYYYYY (gelöscht)
avatar

das hast du sehr schön geschrieben @ peter (turtle)..


authentisch und ehrlich ..........einfach klasse


zuletzt bearbeitet 11.03.2011 14:41 | nach oben springen

#135

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 15:44
von marc | 562 Beiträge

@turtle,

auf dieser Basis wäre eine Wiedervereingung sicher für beide Seiten besser verlaufen!



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#136

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 15:46
von SkinnyTrucky | 1.260 Beiträge

Ich find das Wort Siegerjustiz sehr unangebracht....es lag in der Hand der Führung und der Diener was aus dem Sozialismusgedanken zu machen.....mündige Menschen einsperren indem man einen fetten Zaun drumrum baut, ist nun mal falsch.....sie zu kriminalisieren, wenn sie sich davon befreien wollen, ja wohl auch.....man hat Menschen in die Verzweiflung getrieben und dann als Schwerkriminelle abgestempelt und nachher verscherbelt.....was bitteschön ist daran normal.....????

.....normal finde ich, das man die Verantwortlichen dann vor Gericht zieht und ihre Mitschuld untersucht.....!!!! Das hat nichts mit Siegerjustiz zu tun.....die Verantwortlichen waren Deutsche, und da es dann ja wohl nur noch ein deutschen Staat gab, so sind sie halt vor einem deutschen Gericht gestanden und mußten sich verantworten.....vollkommen normal.....aus meiner Sicht dann....

groetjes uit Barberino

Mara


Kein Sex mit Nazis...!!!
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#137

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 16:48
von 94 | 10.792 Beiträge

Hallo Turtle, ist zwar jetzt bissel oT. Eine Frage? Gab's damals bei Dir kein Klopfalphabet?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#138

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 17:01
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von exgakl

Zitat von Landeposten

Zitat von Zermatt
Hohenschönhausen-der verbotene Stadtteil im Stasi Sperrbezirk



???
Hallo,diese Aussage kann ich beim besten Willen nicht deuten.




ich denke der gute Zermatt hat nur aufs Smilie verzichtet... oder?



So wie es da steht ist es gemeint.



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#139

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 17:27
von turtle | 6.961 Beiträge

Na klar haben wir uns verständigt., durch Klopfzeichen, Toilette leer schöpfen und reinsprechen,nachts durch pendeln .
Hat mir am Anfang nicht geholfen,ich kannte das alles noch nicht. Das lernt man erst später.


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#140

RE: Hohenschönhausen

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 11.03.2011 17:50
von Rabe (gelöscht)
avatar

[quote="turtle"]Na klar haben wir uns verständigt., durch Klopfzeichen, Toilette leer schöpfen und reinsprechen,nachts durch pendeln .
Hat mir am Anfang nicht geholfen,ich kannte das alles noch nicht. Das lernt man erst später.[/quo

Konnte nicht jeder gute Etagenposten "kloppen "?

Rabe


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