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"Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 28.01.2011 21:53
von 94 | 10.792 Beiträge

Wie in Agentenschleusen versprochen und in Anbetracht der Vakanz des Postens eines Forumspöten möchte ich hier mal ein kleine Kurzgeschichte platzieren. Sie ist dicht an der Wahrheit, also Frag wurde NICHT Frag genannt und war Ufw./UaZ/StZF und Schach spielten wir beide nicht *grins*


Und ist der Plan dann doch gelungen, wir ändern selbst die Änderungen

Dienstag, der xx.November 198x, 09.00 Uhr, Dienstzimmer des Kompaniechefs.
Die allmorgendliche Lagebesprechung war endlich bewältigt. Einziges 'Vorkommnis' war mal wieder ein Alkoholschmuggler bei den VKU-Rückkehrern. Und einer der Ausgänger, erst seit kurzem ein EK, hatte gestern abend den Spieß volltrunken sein noch recht langes Maßband gezeigt. Für diesen hatte der alte Stabsoberfähnrich strengste Maßnahmen gefordert, welche ihm auch vom KC zugesichert wurden. 'Schon gut, Hauptfeld' grinste süffisant der Alte, 'nachher ist Planung!'
Dem Unterleutnant, Zugführer des betroffenen Soldaten, war nicht wohl nach dieser Ansage. Der Alte würde jetzt bei der Planung besonders auf diesen Postenführer achten. Möglichst viele Nachtschichten an der linken Trennungslinie, ein äußerst unbeliebter Postenpunkt mit möglichst vielen als Langweiler bekannten Posten war, was dem KC vorschwebte. In der kurzen Zigarettenpause vorhin hatte sich der Ulu mit Frag, dem StZF eines anderen Zuges beraten. Frag hieß übrigens nicht wirklich Frag, sondern hatte sich den Spitznamen eingefangen, als er einen Fähnrichschüler im Praktikum öfters so nannte, es ging schon manchmal komisch zu auf einer Grenzkompanie. Aber ich schweife ab, die Beiden Unter waren sich einig. Es wird mal wieder eine 'Skat'-Planung, also Unter sticht Ober.
Außer den Zweien saßen noch zwei Leutnante am Tisch, einer eigentlich schon Oberleutnant. Doch dieses Jahr gab es aus einem ihm unbegreiflichen Grund erst zum 1. Dezember die begehrten Pickel, entsprechend war er motiviert. Der andere dagegen war frisch von der Schule penetrant stolz auf sein Diplomabzeichen, welches er sogar auf der Dienstbluse trug. Aber ich schweife schon wieder ab.
Die Planung startete wie immer, 'Vorschläge, Genossen Offiziere, Unteroffiziere und Unterleutnants' schnarrte der Alte sonor. Unterleutnants waren für ihn spätestens seit dem Tag keine Offiziere mehr, als ihm mal einer fahnenflüchtig geworden war. Dem Ulu war das 'schnurz', wie er ständig zu sagen pflegte, im war sein Ansehen bei 'seinen' Soldaten wesentlich wichtiger. Mit diesen mußte er täglich seine acht Stunden Grenzdienst überstehen. Die Machtspielchen der Buckel, wie die Berufssoldaten im Jargon genannt wurden, waren ihm auch schnurz. Aber das hatten wir ja schon.
Um eben dieses Ansehen galt es nun zu kämpfen. Er wußte, seine Soldaten erwarteten von ihm keinen Verheizung. Und eigentlich konnten sie sich bisher da auf ihn verlassen. Und das, was der Alte mit einem seiner Soldaten vorhatte, fiel deutlich in die Kategorie Verheizung! Also kam es mal wieder auf Frag an. Die Beiden konnte man, was taktische Spielerei anging, als gut aufeinander abgestimmt betrachten. Spätestens seit unzähligen Fernschachpartien übers GMN während endloser Nachtschichten waren sie aufeinander'eingespielt'.
Der Alte, selbst ja auch ein alter Fuchs, war überrascht, mit wie wenig Gegenwehr die beiden Unterdingsbumse ihm Kräfte zur Verfügung stellten. Sogar ein zusätzlicher Posten für den linken Abschnitt war zwei Nächte hintereinader kein Problem. Das gibt Pluspunkte im Battalion. Spätestens dort hätte er eigentlich stutzig werden müssen. Der Ulu verheizte 'gnadenlos' nicht nur besagten Gefreiten, sondern gleich seinen ganzen Zug? Und Frag tapfer mit dabei! Haben sie es endlich begriffen, wer hier das Sagen hat, dachte sich frohlockend der Alte. In ihm wallte dieses wohlig-warme Gefühl auf, einige nennen es Macht, er nannte es Verantwortung. Und er wußte was er seinen Untergeben schuldig war, man ist ja schließlich kein Unmensch.
'Kurze Pause! Unterleutnant, holen sie mal fünf Kännchen! Der Unterfeld kann ihnen ja helfen!' Die beiden machten erwartungsgemäß geqäulte Gesichter, war das doch nach Buckel-Spielregeln eine Brüskierung. Eigentlich eine Aufgabe für den Koch oder den GUvD, aber nicht für einen Zugführer oder einen Stelli. Trotzdem trabten die Beiden befehlsgemäß ab, viel Zeit hatten sie nicht die weitere Taktik abzusprechen, bevor dem Alten die gute Laune verflog. 'Also wer?' fragte der Ulu. 'Ich könnte den MüllerZwo nehmen', überlegte Frag, als sie in der Küche auf den Kaffee warteten. 'Der ist TS-Fahrer und dann haut es dem Alten die A-Gruppen-Planung komplett durcheinander. 'Hmm, das könnte klappen!' freute sich der Ulu. Hatte der Alte in dem Übereifer seinem alten Hauptfeld Satisfaktion für die gestrigen Schmach zu verschaffen, doch tatsächlich den Feldarbeiter-Posten für die ersten drei Tage der Planung vergessen. 'Gleich, oder erst noch den Kaffee?' 'Gleich, einen richtigen Kaffee können wir dann in Ruhe trinken', grinste der Unterleutnant. 'Hee, Koch! Nicht den Guten Rondo!' 'Wie, nicht für den Chef?' fragte verlegen der Koch, welcher eigentlich recht froh war seinen Grund-Wehr-Ehren-Dienst in recht geregelten Verhältnissen einer recht gemütlichen Kompanieküche ableisten zu dürfen und diesen Zustand auch bis zu seiner Entlassung in sechs Monaten beizubehalten gedachte. 'Eben! Nur ein Kännchen Rondo, den Rest Truppenkaffee' zwinckerte ihm Frag zu. 'Naja, die Beiden werden schon wissen, was sie machen' dachte sich der Gefreite. Immerhin hatte dieser Frag ja noch was gut bei ihm und eigentlich war der Ulu ja auch ganz 'bestätigt', wie den er Tischgesprächen seiner Soldaten entnehmen konnte.
Zurück mit dem Muckefug, als Kaffee konnte man die braundunkle Brühe nun wirklich nicht bezeichnen, war der Radiergummi des Kompaniechefs bereits fast aufgebraucht. Er hatte inzwischen auch den Kardinalfehler in seiner Planung entdeckt. 'Stellen sie den Kaffee erstmal beiseite, Genosse Unterleutnant!' herrschte er den Ulu an. 'Nein, meinen können sie mir ruhig schon mal geben!' und er bekam das Kännchen mit dem angesprungenem Deckel. Es verbreitete sich ein wohliger Kaffeeduft in dem Raum, in welchem schon die anderen beiden Leutnantszugführer über dem Bereitstellung des vergessenen Feldarbeiterposten hirnten. 'Der Feldarbeiter fehlt!' warf der Alte vorwurfsvoll den beiden Untern entgegen. Jetzt war der Moment gekommen. Ulu spielte Trumpf an! 'Wieso? Welcher Feldarbeiterposten? Sind den überhaupt welche noch den Rest der Woche? Bis Mittwoch jedenfalls ist doch keiner geplant.'
Das Gesicht des Alten nahm eine ungesunde Färbung an. Noch versuchte er sich zu beherrschen. 'Sie halten sich wohl für besonders schlau, Genossen Unterleutnant? Eben DIESER fehlt!' Verstohlen grinste Ulu Frag an. 'Wieso, da können wir doch den Soldaten MüllerZwo mit TS nehmen? Wenn wir den zweiten Linksposten weglassen so wie immer, kann der Rest so bleiben!' bedient Frag in Hinterhand mit dem Trumpf-Ass. 'Oh, noch so ein Schlaumeier!' Die Farbe im Gesicht des Kompaniechefs wurde ein Grad hektischer. 'Und wer bitteschön soll da der Postenführer sein, hä?' presste der Alte heraus.
Nun war es endlich an der Zeit, die blanke Trumpf-Zehn mit einem Unter abzuholen. Der Unterleutnant spielt an und nennt den Namen des EKs, welcher am Abend zuvor den Hauptfeld mit einem Blick zur Sonne 'belobigt' hatte. Der Alte explodierte. 'Planungsbücher hier lassen! ICH räume den Schrott selber auf! Nach der TAPI können sie dann abschreiben. Unterfeld, bereiten Sie sich auf einen UvD-Dienst heut abend vor. Und Unterleutnant! Sie übernehmen heut abend meinen DHO und morgen früh laufen sie den K-6' triumphierte er. 'Die richtigen Offiziere dürfen mich natürlich bei der Planung unterstützen!' schaute er gönnerhaft die beiden Leutnante an, die sich schon fast auf einen freien Vormittag gefreut hatten.
Ulu und Frag trollten sich schleunigst in die Unterkunft des Unterleutnants, um bei einem Boiler richtigen RONDO-Kaffees einige Partien Schach zu spielen. Die Planung werden sie dann heut abend ihren Bedürfnissen entsprechend anpassen. 'Adaptive Planung' nannten die beiden Unter das. Am Wichtigsten dabei war, das am Abend nach der nächsten Planung der eine UvD und der andere sein DHO sein würde. 'Eine Sache werde ich wohl nie begreifen', fragte Frag den Ulu. 'Wieso läufst Du eigentlich so gerne den K-6?'
'Eines Tages nehme ich den Alten mal mit auf den Sechser' sinnierte der Unterleutnant.

[MultiEdit]Noch en bissel Stiehl gepfeilt und Dippfählers erschlachen
So, Vorm und Stiehl itzo rund, den Rest der Dippfählers spende ich wohltätighen Zwecken[/MultiEdit]


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#2

"Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 30.01.2011 13:53
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von GZB1
wieso schreibst du eigentlich nicht mal nen Buch "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

Bissel langweilig der Titel, odär? Und @GZB1, was glaubst Du, was das hier wird, hä? *grins*


Zitat von 94
... 'Eine Sache werde ich wohl nie begreifen', fragte Frag den Ulu. 'Wieso läufst Du eigentlich so gerne den K-6?'
'Eines Tages nehme ich den Alten mal mit auf den Sechser' sinnierte der Unterleutnant.

'Mit Koeter? Also manchmal glaube ich, Du hast eine Vollmeise', entgegnete Frag.'Pass lieber auf den Läufer auf E7 auf, naja, jetzt nicht mehr, Du bist nämlich Matt. Und apropos Matt, ich matte jetzt ab und das solltest Du auch!'

Auf den Koeter gekommen
Der Soldat wartete vor der Waffenkammer. Eigentlich hatte er sich auf den Dienst heut früh gefreut. Er war ursprünglich mit 'Kugelblitz', dem kleinen gemütlich-dicken Hundeführer-Uffz. mit seinem Hasso zur Kontrolle des Kontrollstreifens (6m), kurz K6 oder salopp Sechser genannt, eingeteilt gewesen. Eigentlich war ja die Diensteinteilung bis zur TAPI und die Postenzusammenstellung bis zur Vergatterung ein Staatsgeheimniss. Aber eben nur eigentlich. Kugelblitz, der wohl deswegen so genannt wurde weil er wie der Zwillingsbruder von Califax von den Abrafaxen aussah, liebte keine Überraschungen und war für einen geregelten Dienstablauf. So hatte er gleich nach der letzten Planung seine Dienste in Erfahrung gebracht und auch seine potentiellen Posten informiert.
Und nun wartete der Soldat seit über einer halben Stunde. Auf den 'Spitz', den Waffenuffz. und diesen Unterleuchtmann und eigentlich nur, das überhaupt etwas passiert. Irgendwie scheint immer alles schief zu gehen, wenn man sich zu sehr drauf freut. Und auf eine Streife mit Hund hatte er sich nun wirklich gefreut.
Seit der gestrigen Befehlsausgabe nach der TAPI war die Stimmung der Kompanie im Eimer. Der Ulu, sagte einer der alten Gefreiten, hätte sich mal wieder mit dem KC angelegt und die Planung durcheinander geworfen. Und nun hat es ihm der Alte mal wieder gezeigt und lässt ihn den Sechser laufen. Ein Anderer der Ehs, wie sich die G'freiten seit kurzem stolz nennen durften, wieß den Wortführer darauf hin, das eine Ursache ja auch der Hauptfeld sein könnte, der ja seit dem letzten Ausgang des Wortführers eben diesen auf dem Kieker hatte. Und dem Wortführer war nicht ganz wohl, als er an die Geschichte mit seinem Bandmaß erinnert wurde. Komisch war nur, bis jetzt war von der großspurig vom Hauptfeld angekündigte 'Verheizung' irgendwie noch nichts zu spüren.
Und der Soldat steht vor der Waffenkammer und ihm geht ein Spruch durch den Kopf, die Hälfe seines Lebens wartet der Soldat vergebens. Und eigentlich sollte er seit über 10 Minuten auf Streife sein, mit diesem U-Boot.
Aber Ulu hatte beschlossen, zu duschen. Und das tat er ausgiebig und mit Wonne im 42 Grad heißem Wasser. Und Duschen mit dieser Temperatur, das ging auf einer Grenzkompanie nur um diese Uhrzeit. Und da war es ihm egal ob da ein Glatter vor der Waffenkammer wartete, der Spitz braucht ja nicht aller naselang seine vergitterte Tür zu petschieren. Der Aufzug um fünf war überpünktlich gerollt, galt es doch die Nachtschicht abzulösen. Und kurz nach fünf war die Anton, so werden die Ablösungen hier bezeichnet, auf Kompaniehof. Der Ulu kam auch zu dieser Zeit die Treppe heruntergeschlendert, in seiner, nun etwas schlampigen Dienstuniform mit der Hose lang und die Dienstpistole baumelte fast in der rechten Kniekehle. Aber nur um seine Makarow abzugeben. Hier und da schnappt er scheinbar unbeteiligt Gesprächsfetzen der Antoner auf, die nur noch Eines wollten, in die Sau kulpen. Also ins Bett.
Und dann verschwand er mit diesem Frag, der heute überraschenderweise UvD hatte, im Zimmer des Kompaniechefs und fünf Minuten später brachte der Nachtkoch den Beiden auch noch zwei Kännchen lecker duftenden Rondo-Kaffee. Doch keine zehn Minuten, und der Ulu ging in den Keller! Seit über einer halben Stunde war Frag allein im KC-Zimmer! Der junge Soldat verstand diese Grenzkompaniewelt nicht und wartenderweise noch weniger.
Der frisch geduschte Offizier auf Zeit stand auf einmal im Felddienstanzug mit seiner Kaschi in der rechten Hand vor der UvD-Bude und feixt den Soldaten an. 'Hee, Ihre Knispel gibts heute beim UvD! Es ist schon nach Null-Sechshundert und der Sechser noch lang! Also, Zet-Emm-Zet-Zet!' Ach wie der junge Soldat diese Abkürzungen hasste. So langsam verstand er ja einige, jetzt zum Beispiel meint der Ulu 'Zu mir, ziemlich zügig'. Ein Eh hätte sich jetzt über die vielen Zetts mokiert, aber dem Ulu war das schnurz.
Die beiden Waffen für die Kontrollstreife wurden bei der letzten Öffnung der Waffenkammer in die UvD-Bude getragen und der Soldat gab jetzt dem GUvD seine Waffenempfangskarte. Dieser würde die spielkartengroße Pappe dann dem Spitz geben und alles hätte wieder seine Ordnung. Hoffentlich, aber was blieb dem Soldaten als 'Keim' anders übrig, als zu hoffen.
Eigenartigerweise verließ die Streife die Grenzkompanie nicht direkt in Richtung Grenze, sondern steuerte das Dorf an, in welchem gerade der sozialistische Alltag begann. Hinter dem Dorf befand sich im Grenzabschnitt eine Hundelaufanlage, kurz HuLa genannt. Die Hunde schlugen wie wild an, als Ulu eine der armen Kreaturen von der Laufrolle ab- und an eine Hundeleine anklinkte, die er der Seitentasche seiner Felddiensthose entnommen hatte.
'Ein Grenzstreife ohne Hund, wo gibts den sowas?' waren seit dem regelwidrigen Waffenempfang die erste Worte, die er an den Soldaten richtete. Dieser war sprachlos. 'Sie hatten sich doch schon auf eine Streife mit Koeter gefreut, oder Genosse Soldat?' 'Ähm ja, natürlich' sprudelte es aus dem Soldaten heraus. 'UFT und DF oder Koeter?' fragte Ulu. Sein Posten verstand nicht. 'Also gut, dann nehm ich eben Koeter' sagte Ulu und wollte das Funkgerät und das Fernglas dem Soldaten umhängen. 'Den Köter, also eigentlich den Hund heißt das!' Der Soldat wurde blass. Er hatte laut gedacht, war ihm das peinlich. Aber Worte sind wie Geschosse, verlassen sie erst mal den Mund hält keine Macht der Welt sie auf.

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zuletzt bearbeitet 05.02.2011 15:37 | nach oben springen

#3

"Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 31.01.2011 10:41
von 94 | 10.792 Beiträge

@ek40 wieso möchtest Du Geld ausgeben, für etwas was man auch für umme haben kann, hä? Halte mal die STRG-Taste (ja, die unten links) gedrückt und betätige mal die P-Taste! Alles klar? Also wenn Du unbedingt Geld los werden möchtest, page-spenden.html

@GZB1 Der 2000er saß bei mir zum Befehl44 oft länger. Ich hab mich immer gefragt warum, hmm? Und einen Titel? Ja bin ich den so taff wie der Forumspöt? Nö, den Titel gibts erst ganz zum Schluß, weiß ja immer noch nicht wo dieser JumChaidin oder wie der hieß, seine Mittelpunkt-Erde hatte. Wenn Du unbedingt Einen brauchst, können wir ja deinen Vorschlag als Arbeitstitel nehmen, ohne Tantiemen! Nicht das wir wieder eine Spendenaffäre hier im Forum haben *grins*

Und da ich Schriftstellerei als brotlose Kunst betrachte werde ich meine Brötchen wie bisher mir besorgen. Trotzdem, für die nächsten paar Tage ist hier erst mal Teil 3 ...

Zitat von 94
'UFT und DF oder Koeter?' fragte Ulu. Sein Posten verstand nicht. 'Also gut, dann nehm ich eben Koeter' sagte Ulu und wollte das Funkgerät und das Fernglas dem Soldaten umhängen. 'Den Köter, also eigentlich den Hund heißt das!' Der Soldat wurde blass. Er hatte laut gedacht, war ihm das peinlich. Aber Worte sind wie Geschosse, verlassen sie erst mal den Mund hält keine Macht der Welt sie auf.


Das Sechzehn-Sterne-Taxi

Der Unterleutnant zuckte zurück. 'Stimmt, da hammse recht. Nun, DER Hund hört auf den Namen Koeter.' Er steckte das Funkgerät in die Beintasche und hängte sich das Doppelfernglas 7x40 wieder selbst um den Hals, den Tragriemen vom Funkgerät darüber. 'Mit Hunden kennen Sie sich aus' und drückte dem Soldaten die Leine in die Hand.
Der wußte nicht, was er sagen sollte. War das eine Frage oder eine Feststellung. Und nach dem Faupax eben wollte er nicht noch mal ins Fettnäpfchen tappen. Er wurde aber durch den Unterleutnant überraschend schnell aus der Zwickmühle erlöst, als dieser feststellte 'Sie sind ja im Zivilberuf Schäfer, und nun erzählen sie mal bissel was. Wozu hab ich Sie sonst mitgenommen. Und Koeter ist auch schon ganz gespannt.'
Nun begannen sie mit ihrer eigentlichen Aufgabe.
Drei Stunden später wirkte das Erlebte in dem Soldaten noch nach. Inzwischen saßen sie in einem kleinem Erdbunker am Ufer der Werra. Hinter ihnen ein Wehr, ein Sperrwerk mitten durch den Fluß, welches bei Hochwasser geöffnet werden konnte. Ansonsten war selbst hier die Grenze dicht, keine Möglichkeit einfach mal so ... aber was dachte er da, schreckte der Soldat auf und schaute schuldbewußt den Ulu an. Ob der Gedanken lesen konnte? Und pennt der eigentlich? Die Augen hatte er jedenfalls geschlossen. Inzwischen traute er dem blutjungen Offizier fast alles zu. Wie alt ist der eigentlich? In dieser Uniform schwer zu schätzen, sie macht so ... na eben uni-form. Außerdem, auf was warten sie eigentlich hier. Ihre Dienstzeit war mit 06/10 angegeben. Und sie befanden sich nun an dem von der Kompanie entferntesten Postenpunkt im Grenzabschnitt. Als der Ulu 'Konrad Sechs Otto Anton' ins Funkgerät brabbelte, hatte die Meisteranker-Digital-Armbanduhr des Soldaten vorhin blaß 09:25 geblinkt.
Er hatte sie zur Firmung von entfernter Westverwandschaft bekommen. Nun war wieder eine Knopfzelle nötig. Hoffentlich hielt sie noch durch bis zum nächsten Urlaub. Ach, Urlaub, noch weit weg war der nächste. Eine Freundin hatte er zwar nicht, aber trotzdem verflog das Glücksgefühl der letzen Stunden mit dem Hund etwas, wenn er an den noch ach so weit entfernten und dann trotzdem viel zu kurzen Urlaub dachte. Eben der Hund, sie hatten ihn einfach vor der Führungsstelle angebunden stehen lassen. Ach, er wurde aus diesem Zeitoffizier einfach nicht schlau ...
Vorhin mußte er mit dem Posten der Führungsstelle im A-Gruppenraum warten, während der Ulu mit dem Kommandeur Grenzsicherung, einem Feldwebel, oben war. Und dann kam dieser Feldwebel nach unten und nötigte die beiden Soldaten zum Skatspiel, während der Ulu einige Telefonate führte. Aus den Gesprächsfetzen, die nach unten drangen, konnte man entnehmen das es sich dabei um eine längere Konversation mit diesem Frag handelte. Auch so eine undurchsichtige Gestalt, aber fair, äußert fair! Dann folgten noch zwei kürzere Gespräche. Eines mit dem Techniker, so eine Art KfZ-Meister auf der Grenzkompanie. Und noch eines mit Irgendjemand im Battalion?
Nach nicht mal zwei Runden, alle Spiele verlor der Soldat ob gewagt oder nur mitgespielt, drängte der Ulu zum Aufbruch. 'Ich laß den Feldarbeiterposten dann den Sechser in der Aue machen und Du fährst dann mit uns mit rein' bettelte der Feldwebel den Offizier. 'Ich glaube dir hamse ins Hirn geschißen und vergessen umzurühren' baffte der Ulu zurück, 'ICH kann mir gerade keine Delikte leisten!' und grinste den Feldwebel breit an.
Da war wieder dieser barsche Ton, der dem sensiblen Soldaten fast körperliche Schmerzen bereitete und außerdem, Keine Delikte! Was war denn das, was er da so die letzten Stunden erlebt hatte, dachte der Soldat. Ihm war unwohl, bestimmt würde das noch alles schreckliche Folgen haben. Solange er den Hund führen durfte, verdrängte das Glücksgefühl diesen Gedanken. Aber die letzen paar Kilometer durch die scheinbar endlose Werraaue ohne das Tier, welches bestimmt immer noch auf dem kalten Betonplatten vor der 'Hütte', wie die Führungstelle auch genant wurde, lag ... ach, er durfte gar nicht daran denken. Aber Folgen würde dieser verrückte Morgen bestimmt haben. Und dabei hatte er sich doch fest vorgenommen, nirgends anzuecken während seiner achtzehn Monate ...
'Wir werden ja doch noch fast pünktlich in der Kompanie sein' schreckte ihn der Ulu aus den Gedanken. 'Da kommt unser Taxi' und zeigte auf einen den Kolonnenweg langhoppelnden Stoffhund, wie die Grenzer liebevoll ihren Trabbi nannten. 'Übrigens, da passt auch die Batterie einer Ruhlauhr. Ich bring Ihnen eine mit aus Eisenach, Ende der Woche.' sagte er, als der Soldat wieder auf die Uhr schaute. Er konnte Gedanken lesen! Und oh Schreck! Von den Vordersitzen der Grenzpappe blinkten ihm sechzehn getarnte Fähnrichssterne entgegen. Neben dem Techniker, der teilweise hektisch, aber gekonnt an dem Lenkrad rumrüherte saß der Hauptfeldwebel!
Der Spieß sprang auch gleich aus dem Trabbi, kaum dieser mit einem leichtem Schleudern zum Stehen kam. 'Komm, Unterlolli! Mach hin, auf den Rücksitz! Ich habe hier eigentlich wichtigeres zu tun, als Möchtegernoffiziere durch die Gegend zu kutschen!' ranzte der Stabsoberfähnrich den Unterleutnant an.
'Ruhig, Grauer! Ich mach ja schon' brabbelte der Ulu als er sich hinter den Fahrer quetschte. Man brauchte kein Psyschologe zu sein, um zu erkennen, Feuer und Wasser waren ein Traumpaar gegen die Beiden. Dem Soldaten war das alles schon wieder zu undurchsichtig und er wollte gleich hinterher, damit der Hauptfeld wieder als Beifahrer Platz nehmen konnte.
'Halt, Genosse Soldat!' bremste ihn der Spieß 'Sieee, Mit Hunden kennen Sieee sich aus?! Da ist nämlich einer von der HuLa losgekommen. Sieee ham ja vorbildlichst beim Einfangen der Bestie gehandelt!' Der Spieß, obwohl verantwortlich für die Sicherstellung der Diensthunde, hatte eine sagenhafte Angst vor diesen Bestien. 'Ähm, nö, äh ja, also weiß nich' stammelte der Soldat und blickte hilfesuchend zu dem Unterleutnant. Dieser aber tuschelte mit dem anderem Stabsoberfähnrich und beide schüttelten mehrmals grinsend den Kopf.
'Na na, nicht soo bescheiden. Wir, also Sieee werden die Bestie schon bändigen!' schnarrte der Spieß und klopfte joval dem Soldaten auf die Schulter. 'Nehmen Sieee mal neben diesem UNTERleutnant Platz und auf zur FÜSt, da vornerum diesen Berg rauf!'
'Ich weiß selber, wo es hier langgeht, Hauptfeld' konterte der Techniker. 'Kümmere Du Dich lieber um Deine maroden HuLas, der Alte hat ja den Anschiß vom Battalion eins zu eins an Dich weitergegeben, schon vergessen?' Und die Fuhre setzte sich in Bewegung. Man fuhr hintenrum den Berg rauf. Der von Spieß vorgeschlagene Weg wäre für die Kupplung des Stoffhundes mit so vielen Dienstjahren an Bord auch viel zu steil gewesen.


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zuletzt bearbeitet 05.02.2011 15:38 | nach oben springen

#4

"Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 02.02.2011 13:10
von 94 | 10.792 Beiträge

Eigentlich hat das doch alles nichts mehr mit der Planung zu tun, oder vielleicht doch? Also ... hier mal ein weiterer Handlungsstrang.




Doof wie hundert Meter Feldweg

Als in dem 300-Seelen-Dorf der sozialistische Alltag begann, stand auch der Chef der Grenzkompanie auf. Er riß das Fenster auf und atmetet tief die frische kalte Morgendämerung ein. Vor einer knappen halben Stunde hätte er eine Grenzstreife durch das Dorf schlendern sehen können. Aber die Buckelranch, wie der Wohnblock für die Berufssoldaten genannt wurde stand, stand etwas abseits und da hätte er sich schon weit aus dem Fenster lehnen müssen. Außerdem war es da noch stockdunkel.
Sein Schädel brummte noch nach dem gestrigem Abend. Leider konnte er nicht in den Dorfkrug gehen. Wer weiß was dieser Ulu mit SEINER Kompanie anstellt und außerdem mußte er telefonisch erreichbar sein. Und in diesem Kulper-Kaff gab es nun mal nur fünf Telefonanschlüße, er hatte einen davon. Der Kneiper nicht.
Aber es war ja noch ein halbwegs gelungener Abend geworden. Auf richtige Berufssoldaten ist eben Verlaß. Der Parteisekretär, als Grenzaufklärer ganz scharf auf den Posten des Hauptfeldwebels, hatte seine Wohnung direkt unter ihm in der Buckelranch. Zwar nur Oberfähnrich, aber eben doch ein ganzer Kerl. Als GAkl verfügte dieser über so ein silbergraues Enduro und auf diesem war er, als er von dem überraschend freiem Abend seines Chefs erfahren hatte, im Dorf rumgekurvt und so waren auch der Bürgermeister und der Dorfsheriff, wie der VP-Hauptmann genannt wurde, mit von der Partie Doppelkopf linksrum.
Außerdem hatte er noch einen Kasten Pilsner aus dem Konsum im Nachbardorf organisiert und auch zwei Flaschen Braunen nicht vergessen. Dann wurde die Telefonklingel 'verlängert' und die Runde nahm in der Wohnung des Parteisekretärs den Spielbetrieb auf.
Mit keinem Deut gedachte der Kompaniechef mehr an den Erfinder seiner Telefonverlängerung, diesem Frag. Feinmechanik mit Abitur hatte Frag gelernt und nach seinem ersten Urlaub rückte dieser mit seinem Bastelzeug, wie er es nannte, im Gepäck an. Der Hauptfeld konnte einen Lötkolben nicht von einem Tauchsieder unterscheiden und hat folgerichtig alles sichergestellt. Und dann macht dieser Frag auch noch Rabbatz!? Zum Ausgleich durfte er dann dem KC diese Telefonklingelverlängerung legen. Eigentlich nur fünfzehn Meter Klingeldraht, einen Schalter und eine stinknormale Türklingel. Aber Frag hatte sich gut verkauft und so zwei Nachmittage auf der Buckelranch zugebracht.
Mann, hammse den Parteisekretär gestern abend rasiert, dachte der KC beim der Morgentoilette. Aber die vielen Extraschnäppse, er sollte da wohl kürzer tretten? Egal! Er war ja ein richtiger Mann und nicht so ein Waschlappen wie dieser Unterleutnant, welcher scheinbar Alkohol in jeglicher Form verabscheute. Nicht mal ein Kasten Radeberger hatte er ihm aus seiner Heimatstadt mitgebracht, obwohl er ihm extra in der Woche einen 'Urlaub' geplant hatte.
Überhaupt dieser Unterleutnant! Na dem würde er dann gleich erstmal Licht ans Fahrrad montieren! Eben kein richtiger Offizier. Na, wo soll's auch herkommen? Nur ein Jahr Schule und dann gleich in die Truppe, da muß man ja noch Flausen im Kopf haben. Aber die würde er ihm schon noch austreiben! Kein Vergleich mit diesem Diplomleutnant, der hatte ihm gestern brav seine Planungsideen mitgeschrieben, vielleicht sollte er in Zukunft nur noch mit ihm die Planung machen? Jedenfalls die ganze Woche lang einen zusätzlichen Posten für die Nachtschicht! Da würde dieser Batalionskommandeur nichts mehr sagen können. Außerdem, als Hauptmann schon Batallioner, während er seit Jahren schon Major war. Er hatte inzwischen das Ende seiner Offizierskarriere zur Kenntniss genommen, aber seine Frau?!
Zum Glück war die schon auf Frühschicht in dieser kleinen Außenstelle des Fahrzeugelektrik-Herstellers. Dort waren eigentlich alle Frauen der Berufsoldaten beschäftigt. Nur die Seine hatte sich lange gesträubt. Klar, vom Geld her war es nicht nötig, Gehalt bekam Grenzoffizier mehr als genug. Als aber bei seiner Beförderungsfeier vor einigen Jahren sie ostentativ von den anderen Frauen geschnitten wurde und die Alte vom seinem damaligen Polit, diese Kratzbürste, sogar fragte, ob sie als Majorsfrau nun endgültig was Besseres sei ...? Mann, hatte sie IHM zu Hause eine Szene gemacht. Doch dann wurde sie erst vernünftig und später Brigadier, also ebend doch was Besseres.
Doch jetzt war erst mal dieser 'Möchtegerne-Offizier' dran, eine Schlampe vor dem Herren. Per Du mit den Unteroffizieren und den meisten Gefreiten! Aber mit den 'wichtigsten' Berufssoldaten per Sie. Na klar, wenn er auch keinen Einstand gegeben hat! Ein Abitur mit Eins Komma Zwo und dann will er noch irgendso'ne brotlose Kunst studieren, Sineologie. Was auch immer das sein soll, auf jeden Fall nichts Gescheites. Laut dem Vau-Nuller schreibt er sogar Gedichte während der Nachtschichten auf der Führungsstelle. Aber er würde ihn heute PERSÖNLICH zum Grenzdienst vergattern! Mit Zweitbewaffnung und Leuchtertasche und Regenrolle und Fernglas und Funkgerät und GMN-Hörer! Mehr geht leider nicht, sonst steigt ihm wieder dieser Stasi-Hauptmann von der Verwaltung 2000, kurz Vau-Nuller genannt, aufs Dach. Was der sich auch immer einmischt, keine Ahnung vom richtigen Dienen.
Während dieser Gedanken war seine Metamorphose zu ein richtiger Major abgeschlossen, hatte er doch seine Dienstuniform nun an. Zehn Minuten später, eben noch voll auf Zack mit Mitte dreißig, lief er an der UvD-Bude vorbei und es traf ihn fast der Schlag. Der GUvD, ein Reservist, fast gleich alt wie der KC, beantwortete die Frage nach dem Aufenthaltsort der beiden Unter absolut NICHT zu seiner Zufriedenheit.
'Das U-Boot ist aufm Sechser und der Frag wartet schon in ihrem Zimmer, sonst ist keiner da' maulte ihn verschlafen der Gehilfe des Unteroffiziers vom Dienst an. 'Das heißt Unterleutnant und UvD, Sie Vollpfosten! Kein Wunder das sie kein Postenführer sind, so doof wie hundert Meter Feldweg!' Der Gefreite der Reserve hatte seinen Grundwehrdienst bei der Artillerie geleistet und dachte sich seinen Teil. War er doch noch drei Wochen lang Dauer-GUvD, bevor er seine Schüler wieder mit Cotangens, Tafelwerk und Rechenschieber beschäftigen konnte.
So langsam dämerte es dem Kompaniechef. Er hatte zwar die Postenzusammenstellung gestern noch vor der Befehlsausgabe geändert, aber nicht die Dienstzeit der 6m-Kontrollstreife. Und dieser Unterleutnant hatte, statt ihn auf dieses Versehen hinzuweisen, wie das ein ordentlicher Offizier getan hätte, diesen Umstand schamlos ausgenutzt. So hatte er vor seiner Streife die Kompanie an diesen Frag 'übergeben' und dabei noch nicht einmal gegen einen seiner Befehle verstoßen.
Damit er nicht wegen jeden 'Affenschiß' auf die Kompanie gerufen wird, hatte er ja diesen Diensthabenden. Ein absoluter Druckposten für solche Unterleutnants oder Frags. Die fühlten sich glatt wie auf der Fritz Heckert! Deswegen folgte bei solchen Kameraden IMMER eine Streife im Anschluß. Diese aber von Acht bis Zwölf, nach der Lagebesprechung um halb acht.
Nun, so sein Befehl: Im Außnahmefall konnte der Dienst einem anderen Berufssoldaten mit Führungsberechtigung übergeben werden. Beides traf zwar auf Frag zu, und obwohl er nur Unteroffizier auf Zeit war, hob ihn doch seine Dienststellung als stellvertretender Zugführen in den höheren Stand. ABER doch nicht als UvD! Gemeint waren in diesem nicht so ganz zur Dienstvorschrift kompatiblem Befehl solche treuen Genossen wie der Parteisekretär oder der Hauptfeldwebel.
Dem Major schwante Schlimmes! Dieser Frag flätzt bestimmt in SEINEM Chefsessel, die Knobelbecher auf SEINEM Tisch und er studiert bestimmt wieder SEINE Planung! Dem würde er ... nichts davon traf zu, als er endlich sein Dienstzimmer öffnete.
'Habe ich herein gerufen?' balverte es dem Major entgegen. 'Ach SIE sind es, keine Vorkommnisse, Genosse Major! Keine Krankmeldungen, keine Urlauber, eine Streife 1/0/0/1 und dritter Zug mit 0/0/2/8 im Abschnitt, GAkl mit 0/1/0/0 im Hinterland, keine Lagen! Hier ihre Schlüssel, gestatten Sie, das ich zur Weiterführung meines UvD's wegtrete?' Eine vorschriftmäßige Ehrenbezeigung und ...
'Halt, Genosse Unterfeld! Sooo einfach kommen Sie aus dieser Nummer nicht raus! Wo ist dieser Unterleutnant, hä?'
'Na auf'm Sechser, so wie sie's gestern bei der Planung befohlen haben. Oder wer sollte denn sonst die erste Eins bei der ersten Streife, wie so eben gemeldet, sein?' Das war fast zuviel für einen RICHTIGEN Offizier!
'Trätten Zie wech!' konnte er sich gerade noch beherrschen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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zuletzt bearbeitet 05.02.2011 15:38 | nach oben springen

#5

"Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 04.02.2011 14:54
von 94 | 10.792 Beiträge

Hier mein Geschenk zur morgigen dritten Jährung der Anmeldung der Users Nummer Eins.
Ein bissel Feedback wäre nicht schlecht?

Zitat von 94
'Halt, Genosse Unterfeld! Sooo einfach kommen Sie aus dieser Nummer nicht raus!
Wo ist dieser Unterleutnant, hä?'
'Na auf'm Sechser, so wie sie's gestern bei der Planung befohlen haben. Oder wer sollte denn sonst die erste Eins bei der ersten Streife, wie so eben gemeldet, sein?' Das war fast zuviel für einen RICHTIGEN Offizier!
'Trätten Zie wech!' konnte er sich gerade noch beherrschen.




Westfernsehn

Er ließ sich in seinen Chefsessel fallen. Und er versuchte zu überlegen. Mann, jetzt brummte auch wieder der Schädel. Er öffnete die untere linke Tür seines Schreibtisch und entnahm einem leeren Aktenordner eine Flasche Lunikoff und ein Glas aus bömischem Bergkristall mit Goldrand. Ursprünglich für Notfälle wie überraschende Beförderungen und das damit verbundene Pickelsaufen vorgesehen, wurde jetzt die Flasche mit dem kugeligen Hals und dem rot-blauen Etikett aller drei bis fünf Wochen erneuert. Leise sprach er vor sich hin 'Wüpijet sato schtobüi u nass bühl powod dlja prasdnika' - Ahhhh, noch einen kleinen und er bemerkte, wie sein Denkapperat wieder in Schwung kam. Er hatte zwar nicht bemerkt, wie sein Stellvertreter, ein Oberleutnant, kurz den Kopf durch die Verbindungstür zwischen ihren beiden Dienstzimmern steckte um einen guten Morgen zu wünschen. Aber jetzt hatte er endlich diesen Frag am Arsch! Er sprang auf und aus seinem Zimmer, stürmte durch einen Pulk Soldaten und einige Unteroffiziere, die vom Hauptfeldwebel beim Rückweg vom Frühstück überwacht wurden.
'Natürlich sind diese Schnitten alle für mich, Genossen Hauptfeld! Nein, ich hole kein Frühstück für die Ehs, ähm die Gefreiten!' stritt sich ein Soldat gerade mit ihm.
Der KC stürmte die Treppe hinauf, zwei Stufen auf einmal. Er war immer noch auf Zack und stürmte in der Klubraum in der obersten Etage. Hatte doch dieser Frag jetzt wer weiß wie lange seine Petschaft gehabt. Und mit Technik kannte sich der Unterfeldwebel aus, das wußte der Kompaniechef. Diesmal endlich würde er den eingestellten Westsender finden, sozusagen auf frischer Tat. Und die Petschierung auf der Klappe vor den Sendereinstellknöpfen war auch recht frisch! Und es war die xxx 301, seine Nummer! Dabei hatte doch der Hauptfeld letztens erst ... oder war das schon länger ...? Egal! Inzwischen piepsten ihn ein Kilo Hertz aus der Kiste entgegen, DDR F1 stand über 07 28 36 ... 37 ... 38 in dem schlierigem Ei, welches eigentlich ein Kreis sein sollte. Klack. Rauschen. Klack. 'Say after me please' Ha, das war Englisch! Achso, Schulfernsehen, schade! Klack. Klack-Klack. Total verrauscht dieser Kanal, hä? Das Testbild hat ja gar keine Uhrzeit! ZDF! Jetzt hat er ihn! Klack, Klack, Klack...
Der KC klickt jetzt wie wild alle acht Programmtasten durch, wo ist dieser Feindsender, das kann doch nicht sein! Er hat es doch eben eigenäugig gesehen. Z D F war dick und fett in dem verrauschtem Testbild gestanden. Er spürt wieder dieses Klopfen hinter der Schläfe.
'Kein Westen?' resigniert er.
'Wieso, ist das neuerdings erlaubt, Genosse Major?' Der zuckte zusammen. Da stand doch dieser Frag in der Tür vom Kompanieklub und grinst in breit und frech an.
'Übrigens, man wartet mit der Lagebesprechung auf sie, Genossen Major ... Achso, ja, die Führunsstelle hat gerade gemeldet, irgendwie ist links ein Hund von der HuLa losgekommen.' Sprachs, dreht sich rum und geht an der Treppe vorbei in Richtung seiner Unterkunft, als UvD! Ha, jetzt hat er ihn! Nö, Frag biegt eine Tür vorher in den Waschraum mit den Toiletten ab.
'Upps, das war knapp' dachte sich Frag beim Händewaschen. 'Obwohl der Ulu nicht den leisesten Schimmer von Elektrik, geschweige den von Elektronik hat, kennt er doch recht gut die Psyche seiner Vorgesetzten. Und um drei Tasten zu drücken benötigt man zwei Hände. Aber wer benutzt schon die zweite Hand, um den Sender zu wechseln, hä? Besonders wenn man zwei linke und nur Daumen hat.' waren damals seine Worte. Frag dachte dann auch nur kurz drüber nach und seit dem müssen gleichzeitig die Tasten für das erste DDR-Fernsehen und zwei der unbelegten Programplätze gedrückt werden, um Westen zu sehen. Sogar in Farbe, klar bei einem Colorlux 4010.
'Geile Idee' lobte sich in Gedanken Frag, 'nur noch leicht anpassen, so wie die Planung. Wenn der Ulu das nächste mal die Petschaft vom Alten hat, müssen sie noch eine Taste Abstand lassen. Damit ihnen nicht mal das Wurstfingersyndrom zum Verhängniss wird.' Er begab sich nun doch auf seine Unterkunft, aber nur um die Schachfiguren zu holen. Der Mathelehrer als GUvD war ein richtiger Glücksfall!
Im Dienstzimmer des KCs war in zwischen alles mit Rang und Namen um den Tisch quer zum Schreibtisch des Alten versammelt. Der StKC-Oberleutnant hatte die Führung der Vorgesetztenmeute übernommen und vorher auch noch schnell das Goldrandglas sichergestellt. Schließlich wußte er was er seinem KC schuldig war, auch wenn er mit dem Führungsstil des Alten selten einverstanden war. So wie jetzt, aber wehe wenn der Chef warten mußte! Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgesetzten war der Oberleutnant der Meinung, Befehle werden am ehesten ausgeführt, wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht.
Der Hauptfeld und der Noch-Leutnant übertrumpften sich beim Erzählen von Witzen etwas unter der Gürtellinie, während der Diplom-Leutnant sich versuchte bei StKC einzuschleimen. Vielleicht wollte er auch nur freundlich sein oder auch nur seine Unsicherheit ob dieser in der Dienstvorschrift so nicht vorgesehenen Situation überspielen. Da kam ja endlich der Chef.
'Achtung! Genosse Major, Zugführer erster und vierter Zug sowie Hauptfeldwebel zur Lage. Es meldet Oberleu ...'
'Schon gut. Das sehe ich selber! Wo sind die anderen Zugführer und der Polit? Ein Sauladen ist das hier!'
'Der Polit ist doch mit seinem Privat-KfZ und den Anderen im Regiment zur GWW, der Unterleutnant sollte doch eigentlich auch mit. Nun ist er aufm Sechser und Frag hat UvD. Übrigens, die FÜSt hat gerade angerufen. Der Ulu hat am Postenpunkt 109 einen losgekommenen Hund von unserer linken Hula eingefangen. Er nimmt ihn erstmal mit zur FÜSt.'
'Vermutlich, Oberlolli, vermutlich!' Der Spieß sprach alle Leutnante mit Lolli an.
'Nö, da bin ich mir sicher, das der Ulu den Hund an der FÜSt parkt.'
'Ich meine ja auch, ist ja nur vermutlich von UNSERER Hula, Oberlolli! Weil das kann eigentlich nicht sein!'
Gerade als der KC sich in das Gespräch einmischen wollte, schnarrt penetrant das Telefon auf seinem Tisch.
'750 der ...' der KC kam nicht dazu sich vorschriftsmäßig mit voller Tarnzahl und -namen zu melden, schließlich erkannte er am Klingelrythmus den externen Anrufer, als eine ihm wohlbekannte Stimme einfach ins Wort fiel! Der Batallioner!
'Was höre ich da, auf der Kompanie, die durch einen meiner erfahrensten Kompaniechefs geführt wird, machen sich Hunde selbstständig? Um zwölf Uhr dreißig werde ich mich persönlich von dem Eins-Ahh-Zustand des Diensthundewesen auf ihrer Kompanie überzeugen!' Klack! Aufgelegt! Jetzt explodierte der Major, der Kompaniechef, der Alte!
'Hauptfeld! Ich habe von Deinem Schlampenladen die Schnauze voll. Schere Dich raus an die Hula! StKC, sofort die Personalunterlagen ALLER Diensthundeführer zu mir! Leutnante, Ihr kümmert euch mit ALLEN verfügbaren Kräften um den Zwinger. Und das mir bis zwölfe alles, alles, ...' seine Stimme schnappte über. 'Auzsfiehrungk! Wechträtten!'
Vor der Kompanie stolperte der Hauptfeld über einen Stoffhund, mit welchem der Techniker eine Probefahrt machen wollte. Der Schlosser hatte gestern abend die Zündung eingestellt. 'Mensch, Tscharly, wo will'stn hinne?' fragte der Hauptfeld scheißfreundlich. 'Du, haste nicht Lust ein bissel im Abschnitt rumzukurven, ich könnte da mitkommen?' schleimte er. Der Techniker überlegte kurz, sollte doch der Ulu mit Posten mitgebracht werden von dieser Probefahrt. Ob dieses Bedürfniss des Dienstgradgleichen nach Grenzabschnitt etwas damit zu tun hatte?
'Klar Hauptfeld, dann solltest Du Dir aber noch Deine Makarov holen! Und wenigstens noch eine FDU-Jacke überziehen.'
Frag, der beschlossen hatte die Schachpartie mit dem Mathelehrer auf später zu verschieben, war natürlich schon im Bild und informierte brühwarm den Feldwebel auf der Führungsstelle über die Entwicklung der Lage.
'Genauso, wie es der Ulu vorhergesagt hat. Sach'ma, kann der hellsehen?'


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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zuletzt bearbeitet 05.02.2011 15:39 | nach oben springen

#6

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 05.02.2011 15:42
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

In Absprache mit dem Autor der bisherigen Beiträge, wurde dieser Themenbeitrag extra eröffnet und die Beiträge aus dem bisherigen Thema "Dienstzeiten.........." hierher verschoben.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#7

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 05.02.2011 15:56
von mannomann14 | 625 Beiträge

Hallo 94,
wo bleibt denn der heutige Beitrag, irgendwie fehlt mir das
gruß mannomann


Etwas über mich zu schreiben, um sich dann daraus ein Bild von mir machen zu können , wäre ungefähr so, wie der Versuch Architektur zu tanzen...
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#8

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 05.02.2011 16:36
von LO-Fahrer | 607 Beiträge

@ 94 wirklich eine schöne geschicht und super erzählt. Wenn du das irgendwann auf mind. 100 Seiten bringst und veröffentlichst kaufe ich den Schmöker..... versprochen!!


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#9

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 05.02.2011 17:17
von anamu (gelöscht)
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Zitat von mannomann14
Hallo 94,
wo bleibt denn der heutige Beitrag, irgendwie fehlt mir das
gruß mannomann



ganz meine meinung.

aber mach dir keine stress, pöten brauchen zeit sonst leidet die quali :)

grusels anamu


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#10

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 05.02.2011 19:52
von utkieker | 2.925 Beiträge

Hier können wir das Manuskript lesen, was demnächst in keiner guten Buchhandlung fehlen sollte!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#11

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 05.02.2011 21:10
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Wußte ich doch, dass es wenigstens zum "Arbeitstitel" reicht!


zuletzt bearbeitet 06.02.2011 13:02 | nach oben springen

#12

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 07.02.2011 09:32
von 94 | 10.792 Beiträge

Na ihr macht mir Spazzz, schön das Euch die Geschichte bis jetzt so gefällt. Ein paar kritische Stimmen wären aber auch nicht schlecht gewesen. Wieso ist eigentlich keinem aufgefallen, das es zum Beispiel das zweite DDR-Programm hätte sein müssen, da dieses auch im Band IV gesendet wurde. Oder das die Beiden einen äußerst scharfen Schritt gelaufen sein müßten, um nach knapp anderthalb Stunden bis zur FÜSt gekommen zu sein. Na offensichtlich kennen Einige den beschriebenen Abschnitt dann doch nicht sooo gut. Nun, die Beiden sind ganz gemütlich gelaufen. Den Sechser um den Gansberg hat die halbe A-Gruppe erfahren, während Ulu direkt zum 'langen Berg' handelte. So hat er grenztaktisch sinnvoll eine Konzentration der Kräfte vermieden. Den Rest zur linken Trennungslinie wurde ohnehin vom dort eingesetzten Posten kontrolliert, was soll der auch sieben Stunden auf einer Stelle bleiben, hä?

Und übrigens, kaum das ich mich hier unter Druck setzen lasse! Schließlich möchte ich auch mal ein internetfreies Wochenende genießen. Es gibt immer eine Folge, wenn diese rund ist. Und ein paar Aufpaß!-Fallen werde ich auch wieder verschreiben *grins*
Doch nun erstmal zum Schlußteil von ersten Kapitel, schön durchkomponiert. Nach These und Antithese, also den beiden Handlungssträngen, kommt jetzt die Synthese.

Zitat von 94
'... und auf zur FÜSt, da vornerum diesen Berg rauf!'
'Ich weiß selber, wo es hier langgeht, Hauptfeld' konterte der Techniker. 'Kümmere Du Dich lieber um Deine maroden HuLas, der Alte hat ja den Anschiß vom Battalion eins zu eins an Dich weitergegeben, schon vergessen?' Und die Fuhre setzte sich in Bewegung. Man fuhr hintenrum den Berg rauf. Der von Spieß vorgeschlagene Weg wäre für die Kupplung des Stoffhundes mit so vielen Dienstjahren an Bord auch viel zu steil gewesen.


Außer dem Soldaten wußte eigentlich jeder im Stoffhund, das der einzige Geländepunkt, den der Spieß fehlerfrei im Grenzabschnitt benennen konnte, die Führungsstelle war. Und so wollte der Techniker auch an dieser vorbei in Richtung Grenzkompanie brettern. Allerdings winkte aus dem geöffneten Fenster des Betonturmes wild eine Hand mit einem Telefonhörerahnlichen Teil mit fast anderthalb Meter Spiralschnur, einem Grenzmeldenetz-Hörer.
'Wasn los?' rief der Techniker den Feldwebel, welcher noch knapp zwei Stunden Dienst als Kommandeur Grenzsicherung absitzen mußte, zu.
'Der Alte will den Spieß ans Sprechgerät, habt ihr nen Knochen dabei? Nö, dachte ich mir, fang!'
'Und nun?' fragte etwas verdutzt der Hauptfeldwebel, als er den GMN-Knochen vom Boden aufhob.
'Na da vorn istne GMN-Säule, reinstecken, ich verbinde dann ...'
Dem Ulu mißfiel diese Entwicklung gleich zweifach. Zum ersten konnten so alle Grenzposten das Gespräch mithören. Wobei, das war ja unter diesen Umständen eigentlich noch ganz lustig. ER hätte den Spieß die beiden steilen Metallgittertreppen hochjapsen lassen. Allerdings war auch der Soldat inzwischen aus den Kübelwagen gekrabbelt und auf den immer noch am Blitzableiter angebundenen Hund zugegangen. Koeter begann wie ein Welpe in allen Tonlagen zu fiepen und wedelte wie wild mit der Rute, als der gelernte Schäfer mit sachkundiger Stimme beruhigend auf das Tier einsprach und es hinter den Ohren zu kraulen began. Unterschwellig nahm der Unterleutnant ein Gefühl war, welches der gemeinen Eifersucht schon recht nahe kam. Und dieses Gefühl wurde auch nicht gerade schwächer, als er den Hautfeld sagen hörte: 'Genossen Soldat, sie bleiben erstmal als Paula-Zwo an der Führung und wir, Techniker sollten noch schnell die HuLas inspizieren. Die Ablösung rollt eine Stunde eher, also gleich und bringt das Reperaturmaterial mit.'
Nun, der Feldwebel oben auf der Führungsstelle nahm dies erfreut zur Kenntniss, hatte er doch nun seine Skatrunde wieder komplett. Nur der Techniker und der Ulu schauten etwas verdutzt. Der eine, weil er um die pünktliche Abgabe seines Tele-Lotto-Scheines bis um zwei nun doch bangte und der andere weil, hmm... Ach das wußte er selber nicht. Nur irgend etwas nagte bitter seit einigen Minuten in seinem Innersten. Und überhaupt, er war jetzt seit fast 28 Stunden auf den Beinen, hatte er sich doch nicht, wie es ihm von Frag empfohlen ward, noch etwas abgemattet. Dann noch neben den normalen Pflichten des DHOs den Rest der Nacht die Planung des Alten ausgebügelt und jetzt das. Eigentlich war er inzwischen stinksauer.
Moment, der Hauptfeld, die faule Socke hatte sich ja nur die Felddienstjacke übergeworfen.
'Also ich würde mich so NICHT vom Batallioner im Grenzabschnitt erwischen lassen! Übrigens, den Knochen kann ich Dir abnehmen, Hauptfeld' sprach der Ulu, seinen Frust gekonnt überspielend.
'Au, Ulu! Da haste sogar mal recht. Mensch, da habsch ja garnücht dran gedacht, Tscharly, WIR müssen dringend in die Kompanie!'
Den GMN-Hörer hatte der Unterleutnant allerdings mit Bedacht dem Stabsoberfähnrich abgenommen. So konnte er die Spurensicherheit am GSZ-Tor melden und sich bei dieser Gelegenheit auch über die aktuelle Entwicklung informieren. Und was er da hörte, verbesserte nicht gerade seine ohnehin schon miesse Stimmung.
'Der Frag glaubt wohl, ja was glaubt er eigentlich wohl, hä? Achso, Tor hundertpaarundsiebzig, Spurensicherheit!' und nahm dem Hauptfeld die Harke aus der Hand. 'Scher dich nach hinten, StabsUNTERfähnrich, nicht mal Spurensicherheit kannste!' belferte Ulu den über doppelt so alten Berufssoldaten an. Dieser, einen solchen Ton schon seit Jahren nicht mehr gewöhnt, kam der Aufforderung zum Erstaunen des Technikers sogar nach, während der Unterleutnant mit ein paar geübten Bewegungen die Reifenspuren verwischte. Dann nahm er als Beifahrer Platz.
So kam die Fuhre dann auch inmitten einem Pulk schlechtgelaunter Grenzern, welche sich unter Führung des Diplom-Leutnants sich vorfristig auf den Grenzdienst vorbereiteten, mitten auf dem Kompaniehof zum Stehen. Nach Buckelspielregeln war die Sitzplatzverteilung im Trabbi ein Bloßstellung des Hauptfeldwebel vor dem Diplom-Leutnanten, saß doch vorn rechts der Fahrzeugverantwortliche. Dem Ulu war das schnurz! Er sprang aus dem Trabbi noch bevor dieser vollständig zum stehen gekommen war, stürmte zum Entladeplatz und riß aber schon auf halben Weg das Magazin aus der Kalaschnikow. Sicherungshebel nach unten, kurz durchgerissen und abgedrückt gab er sich selbstständig Sicherheit.
Er hatte nur noch einen Gedanken. Frag!


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zuletzt bearbeitet 07.02.2011 09:37 | nach oben springen

#13

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 13:02
von 94 | 10.792 Beiträge

Na dann will ich mal bevor der Laden hier dicht gemacht wird noch schnell das erste Kapitel zum Abschluß bringen. Ich mag nun mal offene Baustellen nicht leiden. Übrigens, bei dem letzten Teil hab'ch die Zwischenüberschrift vergessen, die ich nun nachreichen möchte.


Streit im Wachbureau

Zitat von 94
Dem Ulu war das schnurz! Er sprang aus dem Trabbi noch bevor dieser vollständig zum stehen gekommen war, stürmte zum Entladeplatz und riß aber schon auf halben Weg das Magazin aus der Kalaschnikow. Sicherungshebel nach unten, kurz durchgerissen und abgedrückt gab er sich selbstständig Sicherheit.
Er hatte nur noch einen Gedanken. Frag!

'Eh, Du Scheißkerl!' fauchte Ulu Frag in seinem Wachbureau, wie er auch gerne die UvD-Bude nannte, an.
'Was habsch Dir getan, das Du mir MEINEN Koeter wegnimmst, hä?'
Frag schaute etwas verdattert den vermeintlichen Freund an und spürte ganz genau, das jeder Versuch einer Klarstellung oder Rechtfertigung sinnlos sein würde. In seinem Zorn hatte Ulu den Stellvertreter des Kompaniechefs vollkommen übersehen, welcher sich auch im Wachbureau aufhielt.
'Genossen Unterleutnant, jetzt kommen sie mal wieder runter. Und was einem nicht gehört, kann einem auch nicht weggenommen werden. Abgesehen davon, es war mein Vorschlag den Soldaten Schäfer als Diensthundeführer einzusetzten. Und bevor sie weiter einen ihrer letzten persönlichen Freunde hier auf der Kompanie aufs Korn nehmen, mir wurde auch nichts gesteckt. Ich habe selber Augen im Kopf und beobachte schon eine Weile, was hier abgeht. Falls weiterer Aufklärungsbedarf besteht, in zehn Minuten in meinem Dienstzimmer! Ziehen sie sich erstmal um. Und ich würde an ihrer Stelle auch mal ausnahmsweise Stiefelhose und GEPUTZTE! Stiefel tragen, wenn demnächst der Batallioner hier aufschlägt. Und kleiner Tipp nebenher, bringen sie die Unterlagen zum Befehl 44 des Soldaten Schäfer auf Vordermann.'
Nun war es an dem Ulu, verdattert aus der Felddienstuniform schauen. Jetzt erst bemerkte der junge Offizier, das er sich einen recht großen Bahnhof für seinen Auftritt geschaffen hatte. Nicht nur der GUvD und Waffenunteroffizier waren Zeuge dieser Auseinandersetzung geworden, sondern auch einige Kraftfahrer. Diesen nun unterschrieb der StKC die Fahrbefehle in den blauen Kladden, damit der Mittagsaufzug eine Stunde zeitiger nun endlich rollen konnte.
Noch mehr traf es aber Ulu, das auch der Hauptfeldwebel breit grinsend zumindest das Ende dieser Ansage mitbekommen haben mußte.
'Tschuldschung, Frag, war nicht so gemeint, Du weißt doch ...' stammelte er hilflos.
'Genossen Unterleutnant, gestatten Sie daß ich vorbeitrete!' brüskierte Frag den vermeintlichen Freund, aber mit Egomanen konnte er nun mal nicht. Und auch der StKC bemerkte, das da soeben etwas zerbrochen war.

~ Ende 1. Kapitel ~




Im nächsten Kapitel werde ich dann mal etwas auf die Diensthundeausbildung eingehen, es wird sich auch wieder zwischen Frag und Ulu einrenken, woran allerdings der Techniker einen nicht unerheblichen Anteil haben wird. Konnte er doch seinen Tippschein noch rechtzeitig abgeben und gewann sogar einen Dreier. Aber dafür konnten weder Ulu noch Frag etwas, oder doch? *grins*
Auch der Hund wird dann immer noch ein bissel Ulu's Koeter sein, zumindest wenn der Unterleutnant seinem Soldaten als Scheintäter für die lange Flucht bei der Schutzhundeausbildung zur Verfügung steht.


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#14

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 13:28
von Landeposten (gelöscht)
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Hallo vierundneunzig,schönes erstes Kapitel.Ich freue mich schon aufs zweite,eine Erzählung wie aus dem Leben gegriffen.Nur weiter soo.


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#15

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 13:34
von GZB1 | 3.287 Beiträge

94, der ein Freund der Canis lupus familiaris ist. Bin schon auf Kapitel 2 gespannt!

Hätte der Stv.KC seine Bemerkung zum Ulu bzgl. B44 vor den Soldaten so gesagt?


zuletzt bearbeitet 10.02.2011 13:53 | nach oben springen

#16

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 15:40
von 94 | 10.792 Beiträge

Nich 'hätte', er hat! Der B44 war doch mehr oder weniger ein offenes Geheimniss und zu Personalentscheidungen sollte dieser auch 'up-to-date' sein. Das Vorhandensein von B44-Einschätzungen war allgemein bekannt, nur der Inhalt sollte es nicht sein.

Doch eine Frage noch, soll das bröckelesweise oder 'Kapitel am Stück' weitergehen? Bröckelesweise bekommt ihr öfter Lesestoff, nur sind dann unter Umständen Storybugs unvermeidlich. So wie im ersten Kapitel, wo jetzt der Soldat mit dem Zivilberuf Schäfer nun auch Schäfer heißt. Is ä bissel flach, odär?


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#17

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 15:49
von GZB1 | 3.287 Beiträge

@94, ist wie beim Fortsetzungsroman in der Zeitung. Kleinere Häppchen sind leichter "verdaubar". Man kann ja erst das Kapitel schreiben und es dann scheibchenweise veröffentlichen, so würden Bugs vorher ausgemerzt und der "Druck" auf den Schreiberling wäre nicht ganz so groß.


zuletzt bearbeitet 10.02.2011 15:50 | nach oben springen

#18

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 16:36
von 94 | 10.792 Beiträge

Nee, so wird das nix! Da ist mir der Aufwand zu groß. Hast Du schon mal einen 'fleißigen' ITler erlebt, hä? Eben. Also bröcklesweise und mit Bugs *grins*
Zeitplan so ungefähr ein Kapitel (à fünf bis sieben Bröckele) pro Monat. Handlungsrahmen Wende ± 1...2 Jahr. Zwei oder drei Handlungsstränge/Protagonisten. OMG, was habsch da gerade geschrieben, das artet ja in Orbeet aus. Und schön wäre es auch, wenn das Machwerk mal eines nicht zu fernen Tages auch wieder öffentlich lesen könnte. Nun, man kann halt nur die Resourcen nutzen, die auch zur Verfügung stehen. Bis zur Osseria wird es erstmal nix geben.


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#19

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 17:07
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von 94
Nee, so wird das nix! Da ist mir der Aufwand zu groß. Hast Du schon mal einen 'fleißigen' ITler erlebt, hä? Eben. Also bröcklesweise und mit Bugs *grins*
Zeitplan so ungefähr ein Kapitel (à fünf bis sieben Bröckele) pro Monat. Handlungsrahmen Wende ± 1...2 Jahr. Zwei oder drei Handlungsstränge/Protagonisten. OMG, was habsch da gerade geschrieben, das artet ja in Orbeet aus. Und schön wäre es auch, wenn das Machwerk mal eines nicht zu fernen Tages auch wieder öffentlich lesen könnte. Nun, man kann halt nur die Resourcen nutzen, die auch zur Verfügung stehen. Bis zur Osseria wird es erstmal nix geben.



nö nicht wirklich, dat kannste doch nicht machen. Oder brauchste neue Anregungen und nutzt dafür den Besuch der "Osseria"?


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#20

RE: "Grenzerlebnisse eines Uleu´s"

in Grenztruppen der DDR 10.02.2011 17:17
von 94 | 10.792 Beiträge

Tschuldschung das ich NICHT meine Brötchen mit den Schreiben verdiene!
Nee, habe gerade ein paar Projekte am Start und ein freies Wochenende muß auch noch erarbeitet werden. Und das es bei Auf ein Bier..... einige Anregungen geben könnte? Na die Fragen kann ich auch hier stellen. Zum Beispiel wann war die KSÜ? Frühjahr oder Herbst? Oder wie hieß der TÜP in der Nähe von Nazza an der Werra. Und hoffentlich ist das kein Sach-Fred, nicht das ich noch wegen dem Schreiben von Märchen abgemahnt werde. Manchmal bin ja selbst ein bissel erschrocken, was ich damals alles so erleben durfte. Und wann gabs der Eppelmann-Eid, wobei, das weiß auch die Wikipedia.


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