#1

Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 15:13
von stutz | 568 Beiträge

In einem anderen Tread habe ich es schon mal angesprochen und will es hier jetzt ausführlicher erörtern.
Wärend es allgemein üblich war zum Grenzdienst an der Mauer in Berlin auf einen Turm zu klettern, hatte ich ein paar mal das Vergnügen in Berlins Untergrund zu steigen, nämlich in den Geisterbahnhof Bernauer Strasse in der Brunnenstrasse.Von oben gesehen hat er sich von keinem anderen U bahnhof unterschieden. Dem aufmersamen Beobachter wird aber nicht entgangen sein, dass das Gittertor zum Eingang immer verschlossen war. Zur Ablösung der Posten wurde es dann für uns aufgeschlossen ( wer das gemacht hat, weiss ich aber nicht mehr ) und die Ablöseprozetur ging wie üblich vor sich.
War dann die abgelöste Truppe raus, ist wieder zugeschlossen worden und wir waren nun mutterseelen allein.
Der Anfang des Bahsteiges war durch eine Mauer quer vom übrigen Bahnhof getrennt. Das Ganze glich einem Postenturm der breitgezogen war und von wo aus der Bahnhof beobachtet werden konnte. Rechts und links sind eingeglaste Sehschlitze ( etwa 80 X 20 cm ) eingelassen gewesen und vor jedem stand der gängige Barhocker. Uns ist damals erzählt worden, dass das unserer Sicherheit dienen würde, weil schon öfters aus der fahrenden U Bahn geschossen wurde. Heute denke ich aber, dass man die Durchblicke so klein liess, damit niemand in Versuchung kommen sollte. Diese Mauer war das letzte Hinderniss zum Westen, weil in etwa 60 m die Grenze im Tunnel verlief und mit einem breiten weissen Strich rund um die Tunnelwand markiert war. Die Lichter des Bahnhofs Voltastrasse konnte man in etwa 600 m Entfernug auch schon ausmachen. Der einzige Zugang zum Bahnsteig ist von einer verschlossenen schweren Panzerstahltür verwehrt worden.
Die Aufgabe bestand nun darin, dass der linke Mann die Züge, die aus dem Westen gekommen sind und der rechte Posten die Durchfahrt der Bahn in Richtung Gesundbrunnen beobachtet hat.
Wenn jetzt doch mal etwas nicht exakt gelaufen ist und es zu irgend welchen Unregelmässigkeiten bei der BVG gekommen ist, ist es vorgekommen, dass ein Zug im Bahnhof gehalten hat. Bei einem längeren Halt ist es dann passiert, dass einige Passagiere ausgestiegen sind und auf dem Bahnsteig herum gelaufen sind.
Das war dann der Moment in dem wir zu handeln hatten und die Spaziergänger mittels Mikrofon über die Lautsprecheranlage aufforden mussten, ihre Bahn wieder zu besteigen.
Den Anfang des Wortlauts der Durchsage habe ich noch im Kopf: " Bürger der selbständigen Einheit Westberlin, sie befinden sich auf dem Terretorium der DDR. Ich fordere sie auf unverzüglich in ihre Bahn zurück zu gehen ".
Im Grossen und Ganzen war der Posten verhältnismässig ruhig, weil es keine direkte Kontrollmöglichkeiten gegeben hat.
Der Bahnhof Rosenthaler Platz hinter uns ist von der TraPo gesichert worden und an der engsten Stelle des Tunnels hinter uns, die wir nicht einsehen konnten, waren Holzplatten zwischen den Schienen verlegt. Diese Platten haben auf den kleinsten Druck reagiert und hätten ein Signal ausgelöst. Wenn dann ein Streckenläufer der BVG gekommen ist, der uns über das GMN gemeldet wurde, konnten wir diese elektrische Sperre kurzfristig abschalten.
Zwei mal hat mich der Zugführer als Postenführer mit bis zum Grenzstrich mitgenommen Auf dem Inspektionsgang habe ich dann auch die beiden schweren Rollgitter an der an der Decke des Tunneleingags hängen sehen.
Diese Rollgitter, die nur auf irgend jemands Befehl ( weiss nicht mehr wer ) per Knpfdruck, herunter gelassen werden durften, hätten dann den Fahrstrom der U Bahn unterbrochen und hätten alle Signale auf Rot geschaltet.
So weit zu dem Kuriosum. Hat es etwas Ähnliches in anderen Abschnitten gegeben? Ich denke da eventuell an den Potsdamer Platz oder die Heinrich Haine Strasse, vieleicht auch an der grünen Grenze.


"Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk;
und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, ist die deutsche Nation.
Eine ritterliche, stolze und harte Nation." ( Ernst Thälmann )
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#2

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 16:12
von Sonne | 510 Beiträge

Zitat von stutz
In einem anderen Tread habe ich es schon mal angesprochen und will es hier jetzt ausführlicher erörtern.
Wärend es allgemein üblich war zum Grenzdienst an der Mauer in Berlin auf einen Turm zu klettern, hatte ich ein paar mal das Vergnügen in Berlins Untergrund zu steigen, nämlich in den Geisterbahnhof Bernauer Strasse in der Brunnenstrasse.Von oben gesehen hat er sich von keinem anderen U bahnhof unterschieden. Dem aufmersamen Beobachter wird aber nicht entgangen sein, dass das Gittertor zum Eingang immer verschlossen war. Zur Ablösung der Posten wurde es dann für uns aufgeschlossen ( wer das gemacht hat, weiss ich aber nicht mehr ) und die Ablöseprozetur ging wie üblich vor sich.
War dann die abgelöste Truppe raus, ist wieder zugeschlossen worden und wir waren nun mutterseelen allein.
Der Anfang des Bahsteiges war durch eine Mauer quer vom übrigen Bahnhof getrennt. Das Ganze glich einem Postenturm der breitgezogen war und von wo aus der Bahnhof beobachtet werden konnte. Rechts und links sind eingeglaste Sehschlitze ( etwa 80 X 20 cm ) eingelassen gewesen und vor jedem stand der gängige Barhocker. Uns ist damals erzählt worden, dass das unserer Sicherheit dienen würde, weil schon öfters aus der fahrenden U Bahn geschossen wurde. Heute denke ich aber, dass man die Durchblicke so klein liess, damit niemand in Versuchung kommen sollte. Diese Mauer war das letzte Hinderniss zum Westen, weil in etwa 60 m die Grenze im Tunnel verlief und mit einem breiten weissen Strich rund um die Tunnelwand markiert war. Die Lichter des Bahnhofs Voltastrasse konnte man in etwa 600 m Entfernug auch schon ausmachen. Der einzige Zugang zum Bahnsteig ist von einer verschlossenen schweren Panzerstahltür verwehrt worden.
Die Aufgabe bestand nun darin, dass der linke Mann die Züge, die aus dem Westen gekommen sind und der rechte Posten die Durchfahrt der Bahn in Richtung Gesundbrunnen beobachtet hat.
Wenn jetzt doch mal etwas nicht exakt gelaufen ist und es zu irgend welchen Unregelmässigkeiten bei der BVG gekommen ist, ist es vorgekommen, dass ein Zug im Bahnhof gehalten hat. Bei einem längeren Halt ist es dann passiert, dass einige Passagiere ausgestiegen sind und auf dem Bahnsteig herum gelaufen sind.
Das war dann der Moment in dem wir zu handeln hatten und die Spaziergänger mittels Mikrofon über die Lautsprecheranlage aufforden mussten, ihre Bahn wieder zu besteigen.
Den Anfang des Wortlauts der Durchsage habe ich noch im Kopf: " Bürger der selbständigen Einheit Westberlin, sie befinden sich auf dem Terretorium der DDR. Ich fordere sie auf unverzüglich in ihre Bahn zurück zu gehen ".
Im Grossen und Ganzen war der Posten verhältnismässig ruhig, weil es keine direkte Kontrollmöglichkeiten gegeben hat.
Der Bahnhof Rosenthaler Platz hinter uns ist von der TraPo gesichert worden und an der engsten Stelle des Tunnels hinter uns, die wir nicht einsehen konnten, waren Holzplatten zwischen den Schienen verlegt. Diese Platten haben auf den kleinsten Druck reagiert und hätten ein Signal ausgelöst. Wenn dann ein Streckenläufer der BVG gekommen ist, der uns über das GMN gemeldet wurde, konnten wir diese elektrische Sperre kurzfristig abschalten.
Zwei mal hat mich der Zugführer als Postenführer mit bis zum Grenzstrich mitgenommen Auf dem Inspektionsgang habe ich dann auch die beiden schweren Rollgitter an der an der Decke des Tunneleingags hängen sehen.
Diese Rollgitter, die nur auf irgend jemands Befehl ( weiss nicht mehr wer ) per Knpfdruck, herunter gelassen werden durften, hätten dann den Fahrstrom der U Bahn unterbrochen und hätten alle Signale auf Rot geschaltet.
So weit zu dem Kuriosum. Hat es etwas Ähnliches in anderen Abschnitten gegeben? Ich denke da eventuell an den Potsdamer Platz oder die Heinrich Haine Strasse, vieleicht auch an der grünen Grenze.




Sehr interessant , was es alles gab !!!!!


Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend


Wer Stroh im Kopf hat, fürchtet den Funken der Wahrheit.
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#3

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 17:43
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge


Theo


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#4

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 17:52
von Matscher (gelöscht)
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hey Stutz,

ich hatte im Jahr 86 das Vergnügen, als Resi im Regiment Rummelsburg zu dienen. Zwar nur 7 Wochen, aber es reichte fürs erste. Ich wurde als Resi auch in der U-Bahn eingesetzt wie z.B. U-Bahn Heine, U-Bahn Bernauer u.a.m. Hatte so mir einmal Einblick in den Berliner Untergrund unfreiwillig verschafft. So wie Du es geschildert hast, war es auch. Die Luken, die Einbauten auf dem Bahnsteig, der unsichtbare Schließdienst, das Mobilar. Als Resi an diese Punkte zu kommen war eigentlich Grenzern vorbehalten, die sogenannte "rote Punkte" hatten, somit vertrauenswürdig waren. Wie ich zu der Ehre kam, keine Ahnung. Ich kann mich erinnern, dass zur U-Bahn Potsdamer Platz meist immer die selben eingesetzt wurden. Hatten die "lila Punkte"? An einen Postenführer kann ich mich sehr gut erinnern. Er war, wenn unser Zug im Bereich Bernauer Str. eingesetzt war, ständig am Posten Gleisbrücke Liesenstrasse aufzufinden. Dort gab es nur einen weissen Strich . Eines fand ich schon seltsam, eher bedrückend. Die Bahnhöfe wurden bekanntlich sofort geschlossen, alte Filmplakate, Veranstaltungshinweise, Werbung usw. klebten noch an der Wand. Mein Gott, war das trostlos .

Vielleicht fällt mir noch was ein

Gruß aus DD


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#5

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 18:01
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge
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#6

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 18:02
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Theo und Stutz offensichtlich gab es, wie im Film zu sehen, am Postenpunkt einen Schlüssel für einen Notausgang (verschlossener und petschierter Glaskasten) und eine Art Notfalltelefon (Telefon mit roter Scheibe), zusätzlich zum GMN.

@Stutz, wie war denn die Posteneinweisung wenn ein Verdächtiger in Bahnsteig- oder Gleisbereich festgestellt wurde?


zuletzt bearbeitet 03.02.2011 18:02 | nach oben springen

#7

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 19:05
von stutz | 568 Beiträge

Zitat von GZB1
Theo und Stutz offensichtlich gab es, wie im Film zu sehen, am Postenpunkt einen Schlüssel für einen Notausgang (verschlossener und petschierter Glaskasten) und eine Art Notfalltelefon (Telefon mit roter Scheibe), zusätzlich zum GMN.

@Stutz, wie war denn die Posteneinweisung wenn ein Verdächtiger in Bahnsteig- oder Gleisbereich f
estgestellt wurde?



Ja, lieber GZB1...zu meinem Bedauern und zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich nach 40 Jahren nicht mehr alles weiss. Beim Rentner ist wohl doch schleichende Senilität zu erkennen. Aber wenn du es jetzt sagst.....es dämmert ein bischen mit dem Telefon und auch dem peteschierten Kasten. Ich glaube auch mich zu erinnern, dass der Befehl zum herunterlassen der Rollgitter vom damaligen Stadtkommandanten Generalleutnant Poppe oder Kunath, gekommen wäre.
Das Forum verknüpft eben doch wieder ein paar graue Zellen im Kopf.


"Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk;
und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, ist die deutsche Nation.
Eine ritterliche, stolze und harte Nation." ( Ernst Thälmann )
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#8

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 03.02.2011 23:51
von icke-ek71 (gelöscht)
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hallo stutz,danke da hast du was interessantes geschrieben!!ich durfte1987 in die sogenannte selbstständige politische einheit westberlin reisen(wer hatte sich diesen namen blos ausgedacht!!!!!)natürlich bin ich mit der u-bahn und der s-bahn durch den osten gefahren..mir kamen die dunklen bahnhöfe unheimlich vor..ich konnte mir als ehemaliger grenzer auch vorstellen was da im untergrund so ab ging!!an der heinrich heine straße kannste den weißen grenzstrich heute noch sehen..wenn ich mal heute da lang fahre..freue ich mich das jetzt da unten wieder der bär tobt...gruß icke


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#9

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 04.02.2011 01:02
von Zaunkönig | 624 Beiträge

Nen Schönen Guten Morgen allen An- und Abwesenden (Einstein). Den weißen Grenzstrich in den U-Bahntunneln haben wir einer Künstlerin zu verdanken. Das wurde uns jedenfalls auf einer U-Bahn Cabrio-Tour gesagt. Ich weiß nur nicht mehr aus welchem Anlass die das machte. Da sollen auch noch Schilder bei sein, aber die sind wohl bei der rasanten Fahrt aus der geschlossenen U-Bahn nicht zu sehen.
Zaunkönig


März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße
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#10

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 13.02.2011 18:38
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Zitat von eisenringtheo

Theo



Genau hier habe ich 1971 mehrmals Dienst geschoben. Silvester 70/71 habe ich zusammen mit einem Offizier Silvesterraketen eingesammelt, die Westberliner aus der S-Bahn geworfen hatten. Zur Kontrolle mußten wir jedes mal über die Trittbretter, die als Alarmanlage eingebaut waren, bis zu einem weißen Streifen an der Wand gehen. Der Streifen zeigte an, wo überirdisch die Grenze verlief. Ca. 50 Meter weitergehen und man konnte den S Bahnhof auf der Westseite sehen.


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
zuletzt bearbeitet 13.02.2011 18:39 | nach oben springen

#11

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 13.02.2011 18:44
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Zitat von stutz
In einem anderen Tread habe ich es schon mal angesprochen und will es hier jetzt ausführlicher erörtern.
Wärend es allgemein üblich war zum Grenzdienst an der Mauer in Berlin auf einen Turm zu klettern, hatte ich ein paar mal das Vergnügen in Berlins Untergrund zu steigen, nämlich in den Geisterbahnhof Bernauer Strasse in der Brunnenstrasse.Von oben gesehen hat er sich von keinem anderen U bahnhof unterschieden. Dem aufmersamen Beobachter wird aber nicht entgangen sein, dass das Gittertor zum Eingang immer verschlossen war. Zur Ablösung der Posten wurde es dann für uns aufgeschlossen ( wer das gemacht hat, weiss ich aber nicht mehr ) und die Ablöseprozetur ging wie üblich vor sich.
War dann die abgelöste Truppe raus, ist wieder zugeschlossen worden und wir waren nun mutterseelen allein.
Der Anfang des Bahsteiges war durch eine Mauer quer vom übrigen Bahnhof getrennt. Das Ganze glich einem Postenturm der breitgezogen war und von wo aus der Bahnhof beobachtet werden konnte. Rechts und links sind eingeglaste Sehschlitze ( etwa 80 X 20 cm ) eingelassen gewesen und vor jedem stand der gängige Barhocker. Uns ist damals erzählt worden, dass das unserer Sicherheit dienen würde, weil schon öfters aus der fahrenden U Bahn geschossen wurde. Heute denke ich aber, dass man die Durchblicke so klein liess, damit niemand in Versuchung kommen sollte. Diese Mauer war das letzte Hinderniss zum Westen, weil in etwa 60 m die Grenze im Tunnel verlief und mit einem breiten weissen Strich rund um die Tunnelwand markiert war. Die Lichter des Bahnhofs Voltastrasse konnte man in etwa 600 m Entfernug auch schon ausmachen. Der einzige Zugang zum Bahnsteig ist von einer verschlossenen schweren Panzerstahltür verwehrt worden.
Die Aufgabe bestand nun darin, dass der linke Mann die Züge, die aus dem Westen gekommen sind und der rechte Posten die Durchfahrt der Bahn in Richtung Gesundbrunnen beobachtet hat.
Wenn jetzt doch mal etwas nicht exakt gelaufen ist und es zu irgend welchen Unregelmässigkeiten bei der BVG gekommen ist, ist es vorgekommen, dass ein Zug im Bahnhof gehalten hat. Bei einem längeren Halt ist es dann passiert, dass einige Passagiere ausgestiegen sind und auf dem Bahnsteig herum gelaufen sind.
Das war dann der Moment in dem wir zu handeln hatten und die Spaziergänger mittels Mikrofon über die Lautsprecheranlage aufforden mussten, ihre Bahn wieder zu besteigen.
Den Anfang des Wortlauts der Durchsage habe ich noch im Kopf: " Bürger der selbständigen Einheit Westberlin, sie befinden sich auf dem Terretorium der DDR. Ich fordere sie auf unverzüglich in ihre Bahn zurück zu gehen ".
Im Grossen und Ganzen war der Posten verhältnismässig ruhig, weil es keine direkte Kontrollmöglichkeiten gegeben hat.
Der Bahnhof Rosenthaler Platz hinter uns ist von der TraPo gesichert worden und an der engsten Stelle des Tunnels hinter uns, die wir nicht einsehen konnten, waren Holzplatten zwischen den Schienen verlegt. Diese Platten haben auf den kleinsten Druck reagiert und hätten ein Signal ausgelöst. Wenn dann ein Streckenläufer der BVG gekommen ist, der uns über das GMN gemeldet wurde, konnten wir diese elektrische Sperre kurzfristig abschalten.
Zwei mal hat mich der Zugführer als Postenführer mit bis zum Grenzstrich mitgenommen Auf dem Inspektionsgang habe ich dann auch die beiden schweren Rollgitter an der an der Decke des Tunneleingags hängen sehen.
Diese Rollgitter, die nur auf irgend jemands Befehl ( weiss nicht mehr wer ) per Knpfdruck, herunter gelassen werden durften, hätten dann den Fahrstrom der U Bahn unterbrochen und hätten alle Signale auf Rot geschaltet.
So weit zu dem Kuriosum. Hat es etwas Ähnliches in anderen Abschnitten gegeben? Ich denke da eventuell an den Potsdamer Platz oder die Heinrich Haine Strasse, vieleicht auch an der grünen Grenze.



Genau die von dir beschriebenen Trittbretter und der weiße Strich an der Tunnelwand gab es auch im S Bahnhof Potsdamer Platz. Rollgitter gab es dort aber nicht.


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
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#12

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 11:50
von Zaunkönig | 624 Beiträge

Ein Hallo an die unterirdischen Grenzer, habe mal die Bilder von meiner U-Bahn-Cabrio-Fahrt rausgesucht.Wusste doch, das ich den Grenzstrich während dieser Tour fotografiert habe. Der Strich ist auf der U 6 zwischen den Stationen Stadtmitte und Kochstraße unter der Friedrichstraße so etwa beim Checkpoint Charlie.
Hier nun das Ergebnis:

Peter, der Zaunkönig

Angefügte Bilder:
Grenzstrich U6.jpg

März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße
zuletzt bearbeitet 22.02.2011 11:52 | nach oben springen

#13

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 16:25
von dackel | 25 Beiträge

als resi 86 in rummelsburg war ich auch oft da unten, das war das beste was dir in der nachtschicht passieren konnte, zu sehen gabs nachts eh nichts, keiner kam an dich ran ohne sich anzumelden, ausser dem streckenläufer, der hatte immer an die scheibe gepocht und uns begrüsst. unter den fussmatten lagen immer ein paar zeitungen, wochenpost, armeerundschau usw, und es war immer warm. ich war nov. dez. dort, da gabs postenbereiche die schon etwas kälter waren, beispielsweise am spreeufer brrrrr


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#14

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 18:47
von LO-driver | 750 Beiträge

Hier habe ich noch ein Foto gefunden, welches von der Berliner-Unterweltentour stammt. In so einem Raum sind die acht Stunden-Dienste
abgehalten worden.

LO-D

Angefügte Bilder:
Treff.Berlin 2010 072.JPG


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#15

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 18:59
von Major Tom | 851 Beiträge

Wie wurde denn damals verhindert dass jemand im letzten Ost-Berliner Bahhof ins Gleisbett sprang um von dort die eine Station in den Westen zu krabbeln? Gab es dort direkt am Gleis Wachposten? Aus den Sehschlitzen hätte man Personen welche gebückt im Gleisbett laufen nicht sehen können.

War das ein Streckenläufer aus dem Westteil Berlins? Konnte der so einfach dort so herumspazieren?


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
http://www.costarica-forum.net
http://directorios-costarica.com
http://www.link-team.net
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#16

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 19:25
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Major Tom
Wie wurde denn damals verhindert dass jemand im letzten Ost-Berliner Bahhof ins Gleisbett sprang um von dort die eine Station in den Westen zu krabbeln? Gab es dort direkt am Gleis Wachposten? Aus den Sehschlitzen hätte man Personen welche gebückt im Gleisbett laufen nicht sehen können.

War das ein Streckenläufer aus dem Westteil Berlins? Konnte der so einfach dort so herumspazieren?



..............der wäre auf den betreffenden Bahnhöfen nicht mal die Eingangtreppe runter gekommen, geschweige denn auf den Bahnsteig.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#17

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 19:28
von 94 | 10.792 Beiträge

Hallo @LO-driver, Dir ist also auch dieses Bild bei der Tour M der Berliner Unterwelten aufgefallen. Die beiden Grenzer sind ja schon etwas ungewöhnlich angezogen. GWD/UaZ-Bäfo und -Webpelzkragen, aber Hemd(grau) mit Binder und Lederkoppel (braun). Am seltsamsten kommen mir aber die chromledernen Schaftstiefel vor. Wunderlich finde ich außerdem unten links die 'Winkelemente' ohne das Staatswappen.
Vielleicht weiß ja einer von den hauptamtlichen Unterweltlern was Genaueres zu diesem Lichtbild?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#18

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 19:37
von eisenringtheo | 9.170 Beiträge

Die Bahnhöfe in Berlin Mitte der U- und S-Bahn Linien, die in Berlin (West) beginnen und enden, wurden am 13. August geschlossen und anschliessend baulich gesichert. Ausnahme war der Bahnhof Berlin Friedrichstrasse, der zur GüST wurde. Somit war kein unkontrollierter Zutritt mehr möglich. Zutritt hatten nur noch das Dienstpersonal der Bahnen und die bewaffneten Organe.
Beim Streckenläufer handelte es sich wahrscheinlich um einen Bahnstreckenkontrolleur der Reichsbahn. Die oben erwähnte Fluchtmöglichkeit war also theoretisch nur noch den Bahnangestellten und den eingesetzten Grenzern möglich.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeit...0005/index.html
Die Flucht war aber dennoch unwahrscheinlich. Die Grenzer konnten den Posten nicht ohne weiteres verlassen, weil sie eingeschlossen waren. Und wie ich seinerzeit eingeschätzt hatte, konnten die Grenzer sehr wohl ins Gleisbett sehen. Daneben hatten sie Hilfsmittel wie die oben erwähnten Trittbretter. Verschiedentlich wird auch berichtet, dass es Lichtschranken gab, drei übereinander, die Alarm gaben, wenn nicht alle drei gleichzeitig unterbrochen wurden: Alle drei wurden nur gleichzeitig unterbrochen, wenn ein Zug durchfuhr. Personen im Gleisbett lösten maximal zwei aus, weil sie kleiner als ein Zug sind
Theo


zuletzt bearbeitet 22.02.2011 19:39 | nach oben springen

#19

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 19:58
von GZB1 | 3.287 Beiträge

94, war schon nach dem Mauerfall, wahrscheinlich Siker.


zuletzt bearbeitet 22.02.2011 21:04 | nach oben springen

#20

RE: Grenzdienst im Untergrund

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.02.2011 22:12
von dackel | 25 Beiträge

wenn wir zur u-bahn eingeteilt waren bekamen wir den schlüssen für die tore mit, haben uns unten bei der vorherigen schicht angemeldet und sind runter, drin war noch alles so wie es ausser betrieb genommen wurde. der raum in dem man sich aufgehalten hat befand sich auf dem bahnsteig, direkt an der treppe die von oben kommt. es gab auch eine tür zum bahnsteig, die war verschlossen und überwacht.
wenn man dort raus wär hätte man gar nicht gewusst wo es zum westen geht. meiner meinung nach kamen dort die bahnen von den westlinien durch deren streckenverlauf durch die alten ostbahnhöfe ging. da gabs da nochne sprechanlage für den fall das mal ein zug aus technischen gründen stehenbleibt. daneben hing der spruch für den fall, sinngemäss teilte man den passagieren mit das sie auf ostdeutschen gebiet sind und im zug bleiben sollen, natürlich in reinsten amtsdeutsch.


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