#21

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 16:45
von wosch (gelöscht)
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Also, zu meiner Zeit war es in etwa so, Hatte der Vater einen Schlachterladen, übernahm ihn später der Sohn oder der Schwiegersohn. Bei den Bäckern und den anderen sebständigen Handwerkern sah das ähnlich aus. Ich kann mich nicht erinnern, daß das zu meiner Zeit anders geregelt wurde. Kann mich auch nicht an selbständige Betriebe erinnern, die in den letzten Jahren vor meinem Weggang eröffnet wurden. Vielleicht sollte man die Frage anders stellen, nämlich so: Wer von Euch hatte sich in der DDR , vor der Wende und wenn mit was selbstständig gemacht? Bei der Vielzahl der hiesigen Mitglieder müßten sich doch eigentlich ein paar daran erinnern!!
Schönen Gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 02.02.2011 16:46 | nach oben springen

#22

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 17:53
von Major Tom | 847 Beiträge

Ich glaube die wenigsten Handwerker hatten damals Interesse sich selbstständig zu machen konnte man doch durch "Nachbarschaftshilfe" sich ein ordentliches Geld nebenher verdienen, oft mehr wie das eigentliche Gehalt. Das Wort Schwarzarbeit gab es damals noch nicht, niemanden, nicht einmal den ABV hat es gestört wenn auf einer Baustelle nach Feierabend plötzlich die Lichter wieder angingen.


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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#23

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 17:59
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von Major Tom
Ich glaube die wenigsten Handwerker hatten damals Interesse sich selbstständig zu machen konnte man doch durch "Nachbarschaftshilfe" sich ein ordentliches Geld nebenher verdienen, oft mehr wie das eigentliche Gehalt. Das Wort Schwarzarbeit gab es damals noch nicht, niemanden, nicht einmal den ABV hat es gestört wenn auf einer Baustelle nach Feierabend plötzlich die Lichter wieder angingen.



Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn jemand seinen oder einen Glauben hat. Trotz allem bringt uns der Glauben oder das, was man selber glaubt nicht unbedingt hier im Forum weiter.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#24

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:12
von Backe | 480 Beiträge

Zitat von wosch
Also, zu meiner Zeit war es in etwa so, Hatte der Vater einen Schlachterladen, übernahm ihn später der Sohn oder der Schwiegersohn. Bei den Bäckern und den anderen sebständigen Handwerkern sah das ähnlich aus. Ich kann mich nicht erinnern, daß das zu meiner Zeit anders geregelt wurde. Kann mich auch nicht an selbständige Betriebe erinnern, die in den letzten Jahren vor meinem Weggang eröffnet wurden. Vielleicht sollte man die Frage anders stellen, nämlich so: Wer von Euch hatte sich in der DDR , vor der Wende und wenn mit was selbstständig gemacht? Bei der Vielzahl der hiesigen Mitglieder müßten sich doch eigentlich ein paar daran erinnern!!
Schönen Gruß aus Kassel.


Mein Vorgänger im VEB.....hat sich 1977 selbständig gemacht und eine KFZ-Elektrik Werkstatt eröffnet.Wie das ging entzieht sich meiner Kenntniss.Heute freie Werkstatt. Damals gab es aber auch noch andere selbständige Handwerksmeister in BRB z.b.Werkstatt für MZ heute Honda,Werkstatt für Simson,danach Yamaha, heute Rentner, Gas,Wasser,Sch...,heute vom Sohn weitergeführt.Fleischerei E.....vom Sohn übernommen.
VG aus Brandenburg nach Kassel


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
zuletzt bearbeitet 02.02.2011 18:16 | nach oben springen

#25

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:12
von Major Tom | 847 Beiträge

Zitat von exgakl
Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn jemand seinen oder einen Glauben hat. Trotz allem bringt uns der Glauben oder das, was man selber glaubt nicht unbedingt hier im Forum weiter.



Du kannst ja gerne mal erzählen was an meinem Beitrag falsch ist. PS: Ich war selber Maurer in der DDR.

Was Du glaubst zu denken was andere Leute glauben dass, so glaube ich interessiert hier niemanden. Glaube ich jedenfalls.


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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#26

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:28
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von Major Tom

Zitat von exgakl
Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn jemand seinen oder einen Glauben hat. Trotz allem bringt uns der Glauben oder das, was man selber glaubt nicht unbedingt hier im Forum weiter.



Du kannst ja gerne mal erzählen was an meinem Beitrag falsch ist. PS: Ich war selber Maurer in der DDR.

Was Du glaubst zu denken was andere Leute glauben dass, so glaube ich interessiert hier niemanden. Glaube ich jedenfalls.




Ich stelle jetzt nur für Dich Deinen eigenen Text nochmal als Kopie ein......

Ich glaube die wenigsten Handwerker hatten damals Interesse sich selbstständig zu machen konnte man doch durch "Nachbarschaftshilfe" sich ein ordentliches Geld nebenher verdienen, oft mehr wie das eigentliche Gehalt. Das Wort Schwarzarbeit gab es damals noch nicht, niemanden, nicht einmal den ABV hat es gestört wenn auf einer Baustelle nach Feierabend plötzlich die Lichter wieder angingen.

Dein erster Satz sagt aus was Du glaubst Glauben ist ja nun nicht mit Wissen gleichzusetzen, sollte es da gewisse Änderungen geben nehme ich die gern zur Kenntnis.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#27

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:44
von Major Tom | 847 Beiträge

Zitat von exgakl

Zitat von Major Tom

Zitat von exgakl
Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn jemand seinen oder einen Glauben hat. Trotz allem bringt uns der Glauben oder das, was man selber glaubt nicht unbedingt hier im Forum weiter.



Du kannst ja gerne mal erzählen was an meinem Beitrag falsch ist. PS: Ich war selber Maurer in der DDR.

Was Du glaubst zu denken was andere Leute glauben dass, so glaube ich interessiert hier niemanden. Glaube ich jedenfalls.






Ich stelle jetzt nur für Dich Deinen eigenen Text nochmal als Kopie ein......

Ich glaube die wenigsten Handwerker hatten damals Interesse sich selbstständig zu machen konnte man doch durch "Nachbarschaftshilfe" sich ein ordentliches Geld nebenher verdienen, oft mehr wie das eigentliche Gehalt. Das Wort Schwarzarbeit gab es damals noch nicht, niemanden, nicht einmal den ABV hat es gestört wenn auf einer Baustelle nach Feierabend plötzlich die Lichter wieder angingen.

Dein erster Satz sagt aus was Du glaubst Glauben ist ja nun nicht mit Wissen gleichzusetzen, sollte es da gewisse Änderungen geben nehme ich die gern zur Kenntnis.

VG exgakl




Ich glaube wir lassen es sein, Wortklaubereien haben mit diesem Thema nichts zu tun. In einem anderen Thread kann ich Dir gerne erzählen dass das Wörtchen glauben zur Umgangssprache gehört und man damit auch andere Dinge ausdrückt wie etwas spezielles zu wissen. "In aller Regel bedeutet glauben, etwas Fürwahrhalten auf Grund eines glaubwürdigen Zeugen oder einer glaubwürdigen Informationsquelle." Quelle Wikipedia. Was Du sonst noch aus meinem Beitrag herauslesen möchtest ist Dir überlassen. Der geneigte Leser wird mich schon verstanden haben. Glaube ich zumindest.

Zürück zum Thema


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zuletzt bearbeitet 02.02.2011 18:45 | nach oben springen

#28

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:47
von Backe | 480 Beiträge

Ich möchte auch einmal Oberlehrer sein,denn ich weissdas Thema lautet Selbständigkeit in der DDR, nicht Glauben oder Wissen.Also schön beim Thema bleiben. So und nun schlagt mich.


"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#29

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:53
von Oss`n | 2.777 Beiträge

Zitat von Angelo
Ich habe da mal eine Frage zur Selbstständigkeit in der DDR wie war das den gewesen ? Konnte man sich ohne Probleme selbständig machen oder gab es Auflagen ? Angenommen ich wollte jetzt eine Metzgerei oder Bäckerei aufmachen.....ging das einfach ?





Ein wenig darüber hatte ich heute schon 14:45 geschrieben.
Ich hatte gedacht, du hättest so was in der Richtung gemeint.

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#30

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 02.02.2011 19:23
von P3 | 357 Beiträge

Wie Wosch schon richtig anmerkte, wurden die meisten, privat geführten Handwerksbetriebe, in die nächste Generation vererbt. Vorraussetzung war der Meisterbrief und die Absegnung der hohen Herren des Rates des Kreises. Ich selber begann Mitte der Achziger mit dem Meisterstudium und kann eigentlich behaupten, daß ein bestimmtes Interesse an der Selbstständigkeit in der DDR vorhanden war. In meiner Klasse im Allgemeinkurs waren Ofensetzer, Maler, Isolierer, Glaser, Klempner, Fliesenleger und Steinmetze. Die Gründe dafür lagen einmal in dieser "Pflicht", den väterlichen Betrieb weiterzuführen und die Neueinsteiger suchten die Möglichkeit, ihrer PGH oder dem VEB zu entfliehen. Wirkliche Vorteile für eine Selbstständigkeit gab es wenig, da schon der Erwerb von Werkzeugen und Fahrzeugen ein großes Problem darstellte. Ohne Beziehungen lief da gar nichts. Das nächste Problem waren die Engpässe bei Material, wie Fliesen, Zement, Ziegel, Holz, Heizungskessel etc. Es gab daher einen regen Tauschhandel, wie man ihn aus der Steinzeit vor der Einführung des Geldes kannte.
Spargel, Kaffee und guter Weinbrand waren u. a. ein Mittel, um Vergabestellen milde zu stimmen. Die D-Mark spielte eine Rolle beim Erwerb von Werkzeugen und Baumaterial.
Von den Kreisverwaltungen wurde selbst der private Kleinbetrieb in die Planwirtschaft integriert, es gab terminlich gebundene Vorgaben, für die meist staatlichen Objekte, die dann vom Betrieb ausgeführt werden mussten, danach richteten sich dann die Materialzuweisungen. Der Häuslebauer blieb damals auf der Strecke, aber wie der Major Tom schon bemerkte, wurde die Feierabendarbeit offiziell geduldet und somit hat man ganze Eigenheime nach Feierabend errichtet.
Für mich war Selbstständigkeit in der DDR eine Mischung aus Tradition, Ehrgefühl, und Ausbruch aus der Kollektivgesellschaft.

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#31

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 18:16
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Angelo
Ich habe da mal eine Frage zur Selbstständigkeit in der DDR wie war das den gewesen ? Konnte man sich ohne Probleme selbständig machen oder gab es Auflagen ? Angenommen ich wollte jetzt eine Metzgerei oder Bäckerei aufmachen.....ging das einfach ?




Zum Thema kann ich Dir folgenden "Staatsanwalt" anbieten incl. der typischen Moralpredigt von P. Przybylski
http://www.youtube.com/watch?v=vSQWtun2x...CC35AAC467D93D5
Hier wird der geduldige Zuschauer gar nicht feststellen, daß es in der DDR echte Repressalien gab, falls jemand dem Kombinat entfliehen wollte, sofern er eine konstruktive, realistische Ideen hatte.
Man konnte allerdings damals mit dem Gesetz genauso schnell in Konflikt geraten wie im Einheitsdeutschland, nur daß es für die damaligen "Opfer" heute recht verlockend ist, seine kriminellen Ansätze von damals dem DDR- Regime unterzujubeln.
Wenn es auch nur ein Filmdokument ist, jeder DDR- Bürger wird bestätigen, daß der Fantasie sowohl im "Polizeiruf" als auch dem "Staatsanwalt" nur wenig freier Lauf gelassen wurde.



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#32

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 20:36
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Was mit Sicherheit ein Weg in die Selbständigkeit war, der auch weitestgehend machbar war, war das Kunsthandwerk. Meine Schwester hing Ende der 70er ihren Job als E-Anlagenprojektant an den Nagel und machte erfolgreich auf Kunsthandwerk. Macht sie heute noch und es läuft. Sie hat in der Szene einen Namen. Natürlich mußte sie bei der Materialbeschaffung rührig sein und auch sonst alle Aktivitäten entfalten, die auch heute noch unter bildenden Künstlern notwendig sind. Ich kann mich nicht erinnern, sie einmal über irgendwelche Reglementierungen zu DDR-Zeiten klagen zu hören. Auch ihr Mann war Künstler (Musiker einer Folk-Gruppe), allerding hatte er es wohl eher als eine Art Hobby gesehen. Seine Frau konnte jedenfalls die Familie ernähren.



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#33

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 20:57
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm
Was mit Sicherheit ein Weg in die Selbständigkeit war, der auch weitestgehend machbar war, war das Kunsthandwerk. Meine Schwester hing Ende der 70er ihren Job als E-Anlagenprojektant an den Nagel und machte erfolgreich auf Kunsthandwerk. Macht sie heute noch und es läuft. Sie hat in der Szene einen Namen. Natürlich mußte sie bei der Materialbeschaffung rührig sein und auch sonst alle Aktivitäten entfalten, die auch heute noch unter bildenden Künstlern notwendig sind. Ich kann mich nicht erinnern, sie einmal über irgendwelche Reglementierungen zu DDR-Zeiten klagen zu hören. Auch ihr Mann war Künstler (Musiker einer Folk-Gruppe), allerding hatte er es wohl eher als eine Art Hobby gesehen. Seine Frau konnte jedenfalls die Familie ernähren.



Mir persönlich sind auch weitere, offenbar recht erfolgreiche Geschäftsfelder bekannt:
Auto- Tuning (Karossenbearbeitung...ich habe gesehen, wie aus dem MB 1000 ein optischer Porsche hergerichtet wurde, die Arbeitsmethodik ist mir allerdings nicht bekannt, derjenige mußte aber einige Hunderter hin blättern)
Palmenzucht (Stück 20 Mark, Samen waren Pfennigartikel im Westen).
Geldverleih (allerdings war das noch weniger als Grauzone, sondern eindeutig schwarz)
Gemüseaufzucht (Jungpflanzenverkauf Melonen, Zucchini u.a.)
Angelposen aus Balsaholz, auch die waren professionell und um die 10 Mark teuer, das Material stammte aus dem Flugzeugmodellbau.
Sicher wäre alles ausbaufähig, aber das hätte auch den gefürchteten Bürokram nach sich gezogen, und im Kombinat war es oft viel schöner...



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#34

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 21:21
von S51 | 3.733 Beiträge

Fotografen kenne ich persönlich. Fam. B. aus T... hat für Zeitungen, Betriebe aber auch private Kunden gearbeitet. Die Familie eines Klassenkameraden hatte (und hat) ein Busunternehmen, die Familie eines anderen Klassenkameraden eine private Fleischerei im Ort. Schimpfen noch und nöcher war und ist normal aber arm oder auch nur relativ arm war und ist dort keiner.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#35

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 21:49
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Hackel39, stimmt. Das Geld lag eigentlich auf der Straße. Da es von sehr vielem viel zu wenig gabe, waren der Absatz und auch die Gewinnspanne gesichert. Neben meinen Mineralien war ich noch in der Kakteenfachgruppe. Christusdorn hatte ich gezüchtet. Jedes Eine Mutterpflanze brachte jährlich 8 - 10 Neutriebe, etwas 8 - 12 cm lang. Bewurzelt und für 3,50 Mark gingen sie weg wie warme Semmeln. Irakische Datteln gekauft, gegessen und dann die Kerne gesteckt. Die Keimrate war sehr gut. Als sich die ersten Blätter splitteten, dann verkauft. Mein Schwiegervater hatte Mitte der 80er seinen Job aufgegeben, weil seine Frau öfter in der Küche lag, wenn er von Arbeit heimkam. Da hat er sich ein richtig großes Gewächshaus gebaut, mit Heizung. Zur Vollständigkeit halber muß ich aber ergänzen, das auch mit finanzieller Hilfe seines Schwiegersohnes in Speé (ein Monteur aus Köln). Neben kleinerer Viehzucht auf 2.500 m² hat das die Familie ernährt, einschl. Krankenversicherung und Rentenvorsorge. Die meisten Leute waren einfach zu einfallslos oder zu bequem, sich nach dem Geld zu bücken. Andere saßen schon vor´m Fernseher, ich saß im Keller und habe Schmucksteine geschliffen und meine Frau hat oben Kakteensämlinge pikiert. Natürlich nicht ausschließlich. Es gab ja auch noch andere "Freizeitbeschäftigungen".



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#36

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 21:52
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von S51
Fotografen kenne ich persönlich. Fam. B. aus T... hat für Zeitungen, Betriebe aber auch private Kunden gearbeitet. Die Familie eines Klassenkameraden hatte (und hat) ein Busunternehmen, die Familie eines anderen Klassenkameraden eine private Fleischerei im Ort. Schimpfen noch und nöcher war und ist normal aber arm oder auch nur relativ arm war und ist dort keiner.



Trotzdem sollten nach meinem Verständnis Unternehmer besser gestellt sein als gleich fleißige und tüchtige Angestellte, da Erstere ein höheres Risiko tragen.
Allerdings könnte dieser Abstand, bezogen auf das Gebiet (also keine mobilen Auswärtsarbeiter als Vergleichsgrundlage) tatsächlich gegeben sein.
Da aber Firmen wegen der Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen nun genau diese Kosten (reine Arbeitskosten) auf der Rechnung ausweisen müssen, stellt sich schon ein enormes Mißverhältnis zwischen dem tatsächlichen Lohn der Arbeiter (auch unter Berücksichtigung der Sozialabgaben..die kriegt er als Rentner indirekt ja wieder) dar, so daß man sich fragen muß, wie die mitunter kalkulieren.
Übrigens erfährt man oft ziemlich plötzlich, daß sie überhaupt niemals wirklich wohlhabend waren.
Sobald die Hausbank eine unerwartete Entscheidung trifft, kann es über Nacht vorbei sein.
Ich selbst kenne einen Fall, wo ein Kredit für die Expansion einer mittelständischen Firma plötzlich doch nicht gewährt wurde, weil die Zentrale nicht wollte, die Firma aber schon die Weichen für die Expansion gestellt hatte (Großauftrag angenommen...Maschinen noch nicht am Standort).



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#37

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 21:57
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Hackel39

Zitat von DoreHolm
Was mit Sicherheit ein Weg in die Selbständigkeit war, der auch weitestgehend machbar war, war das Kunsthandwerk. Meine Schwester hing Ende der 70er ihren Job als E-Anlagenprojektant an den Nagel und machte erfolgreich auf Kunsthandwerk. Macht sie heute noch und es läuft. Sie hat in der Szene einen Namen. Natürlich mußte sie bei der Materialbeschaffung rührig sein und auch sonst alle Aktivitäten entfalten, die auch heute noch unter bildenden Künstlern notwendig sind. Ich kann mich nicht erinnern, sie einmal über irgendwelche Reglementierungen zu DDR-Zeiten klagen zu hören. Auch ihr Mann war Künstler (Musiker einer Folk-Gruppe), allerding hatte er es wohl eher als eine Art Hobby gesehen. Seine Frau konnte jedenfalls die Familie ernähren.



Mir persönlich sind auch weitere, offenbar recht erfolgreiche Geschäftsfelder bekannt:
Auto- Tuning (Karossenbearbeitung...ich habe gesehen, wie aus dem MB 1000 ein optischer Porsche hergerichtet wurde, die Arbeitsmethodik ist mir allerdings nicht bekannt, derjenige mußte aber einige Hunderter hin blättern)
Palmenzucht (Stück 20 Mark, Samen waren Pfennigartikel im Westen).
Geldverleih (allerdings war das noch weniger als Grauzone, sondern eindeutig schwarz)
Gemüseaufzucht (Jungpflanzenverkauf Melonen, Zucchini u.a.)
Angelposen aus Balsaholz, auch die waren professionell und um die 10 Mark teuer, das Material stammte aus dem Flugzeugmodellbau.
Sicher wäre alles ausbaufähig, aber das hätte auch den gefürchteten Bürokram nach sich gezogen, und im Kombinat war es oft viel schöner...







Was für volkswirtschaftliche Erfolge......, Hackl glaubst du wirklich, dass die SED Bonzen solche Hobbyaktivitäten als Bedrohung für ihre volkseigenen Wirtschaftsaktivitäten ansahen ? Die Funktionäre waren ja schon ein bischen bescheuert, aber so bescheuert waren sie nun auch wiederum nicht, dass sie solche Dinge nicht laufen liessen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#38

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 22:09
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von Hackel39

Zitat von DoreHolm
Was mit Sicherheit ein Weg in die Selbständigkeit war, der auch weitestgehend machbar war, war das Kunsthandwerk. Meine Schwester hing Ende der 70er ihren Job als E-Anlagenprojektant an den Nagel und machte erfolgreich auf Kunsthandwerk. Macht sie heute noch und es läuft. Sie hat in der Szene einen Namen. Natürlich mußte sie bei der Materialbeschaffung rührig sein und auch sonst alle Aktivitäten entfalten, die auch heute noch unter bildenden Künstlern notwendig sind. Ich kann mich nicht erinnern, sie einmal über irgendwelche Reglementierungen zu DDR-Zeiten klagen zu hören. Auch ihr Mann war Künstler (Musiker einer Folk-Gruppe), allerding hatte er es wohl eher als eine Art Hobby gesehen. Seine Frau konnte jedenfalls die Familie ernähren.



Mir persönlich sind auch weitere, offenbar recht erfolgreiche Geschäftsfelder bekannt:
Auto- Tuning (Karossenbearbeitung...ich habe gesehen, wie aus dem MB 1000 ein optischer Porsche hergerichtet wurde, die Arbeitsmethodik ist mir allerdings nicht bekannt, derjenige mußte aber einige Hunderter hin blättern)
Palmenzucht (Stück 20 Mark, Samen waren Pfennigartikel im Westen).
Geldverleih (allerdings war das noch weniger als Grauzone, sondern eindeutig schwarz)
Gemüseaufzucht (Jungpflanzenverkauf Melonen, Zucchini u.a.)
Angelposen aus Balsaholz, auch die waren professionell und um die 10 Mark teuer, das Material stammte aus dem Flugzeugmodellbau.
Sicher wäre alles ausbaufähig, aber das hätte auch den gefürchteten Bürokram nach sich gezogen, und im Kombinat war es oft viel schöner...







Was für volkswirtschaftliche Erfolge......, Hackl glaubst du wirklich, dass die SED Bonzen solche Hobbyaktivitäten als Bedrohung für ihre volkseigenen Wirtschaftsaktivitäten ansahen ? Die Funktionäre waren ja schon ein bischen bescheuert, aber so bescheuert waren sie nun auch wiederum nicht, dass sie solche Dinge nicht laufen liessen.




Die ließen Nischen für die unternehmerische Entfaltung aus der Not heraus zu, warum nicht ?
Es gab auch Tabus, natürlich hätte man zum damaligen Zeitpunkt der heilen DDR Niemandem das ND privat herausgeben lassen und ein Braunkohlekraftwerk im Privatgarten bauen lassen, aber das hab ich ja auch nicht behauptet.
Aber in der Not werden Tabus eben auch gebrochen und genauso wie sich die BRD sich 2010 an der Commerzbank beteiligt hat, so hätte die DDR 1993 vielleicht auch private Wohnungen bauen lassen, weil sein Wohnungsbauprogramm nicht lösbar war.
Das eine wie das andere hätte man einfach als systemrelevant deklarieren müssen, und Dinge wären ins Laufen gekommen, von denen nicht mal Du zu träumen gewagt hättest.
1993 wäre laut Schürer- Kommission das Jahr gewesen, in dem die DDR den IWF im Haus gehabt hätte um nicht das zu erleben, was Griechenland im Moment durch macht, und da wäre Schluß gewesen mit Wohnungen für 40 Mark Miete im Monat.
Es ist alles nur eine Frage des Drucks und der Mathematik, weniger der Ideologie.



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#39

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 19.06.2012 22:12
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Aber viele waren richtig neidisch, daß da jemand mehr Geld hatte und sich einige Köstlichkeiten aus dem Deli leisten konnte, wenn ihm danach war. Habe ich auch hin und wieder mal zu hören bekommen. Da machen Behördenmitarbeiter keine Ausnahme. Daß sich ein Politbüro mit solchen Peanuts nicht beschäftigt, war klar. Die rechtliche Auslegung hat man den untergeordneten Organen überlassen und da konnte man eben Glück oder auch Pech haben. Die richtige Begründung, daß die Bevölkerung einen Bedarf danach hat, mußte überzeugend sein.



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#40

RE: Selbstständigkeit in der DDR

in DDR Zeiten 20.06.2012 15:05
von holzwurm | 9 Beiträge

Möchte mich auch mal zu dem Thema melden. Bin seit 1980 selbstständig (Tischlerei), vorher Vater und Großvater(seit 1895). Ich übe den Beruf gerne aus. Zu DDR- Zeiten war die Materialbeschaffung Nr.1. Arbeit war ohne Ende da, Geld war auch bei den Kunden vorhanden, da Häuslebauen immer erstrebenswert war (Wohnungsnot). Heute ist Arbeit da aber das Geld ist knapp, bzw. muß man höllisch aufpassen an keine Betrüger/ Nichtzahler zu geraten.
Habe meinen Meisterbrief 1975 angefangen, mußte aber als kleine Einlage von 11/76-04/78 an den Kanten. Danach 1979 Abschluß und 1980 Übernahme des Betriebes. Man bekam Umsatzzahlen vorgegeben, die aber kein Problem waren. Schlimmer waren die Materialzuteilungen, die immer viel zu knapp waren.
Durch die Übernahme ging es relativ problemlos, zumal die Regierung erkannt hatte das das Handwerk viel effektiver arbeitete als die VEB. Neugründungen waren seltener, da meist Maschinen fehlten.
Gruß Holzwurm.



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