#41

RE: Grenzalarm wegen desertierter Rotarmisten

in Grenztruppen der DDR 04.08.2015 23:40
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Fritze im Beitrag #25
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #24
Was war eigentlich der sowjetische "Tarif" für Desertionen? Mit welcher Strafe musste ein aufgegriffener Rotarmist rechnen?
Theo


Moin Theo ! Nicht nur in Dresden gab es Friedhöfe für Sowjetsoldaten !

MfG Fritze


An der Grenze hatte ich weniger damit zu tun, später auf der Revierzweigstelle Karlshorst in Berlin schon. Meines Wissens lag der "Tarif" zwischen 2 Monaten Strafeinheit bei schlicht unerlaubtem Entfernen und sieben Jahren Haft in schwerem Fall. Ich bin einigen Soldaten und auch Offizieren so mehrfach in die Quere gekommen (1986-88) und schon das belegt, das von Todesstrafe eigentlich keine Rede sein konnte.
Allgemein haben sich die "Abgängigen" lieber uns als ihren eigenen Leuten ergeben und wenn wir jemanden dann in der Herrmann-Duncker-Straße (heute Treskowallee) ablieferten, war erst mal "Billard" dort angesagt. Soll heißen, die meist stark angetrunkenen Soldaten oder Offiziere wurden im Wachgebäude von ihren Leuten verdroschen. Aber so manchen habe ich öfter gesehen. Wer sich freilich nicht ergeben, Geiseln genommen oder die Waffe nicht abgelegt hat bekam wenig Gelegenheit, dies wieder gut zu machen. Ich bin, gemeinsam mit "Boris W." (ein altgedienter Obermeister, der fließend Russisch sprach), ja öfter in der Herrmann-Duncker-Straße wie auch in der Siegfried Widera-Straße (heute Rheinsteinstraße/Zwieseler Str.) gewesen und der O-Ton war immer, dass nicht verhandelt wird, sie unsere Praxis da so gar nicht in Ordnung fanden aber andererseits auch wieder akzeptierten.
Nachtrag: Wir haben nie einen Abgängigen, den wir im Bereich Karlshorst festnahmen, den offiziellen Weg via Gewahrsam und Keibelstraße (Präsidium) geschickt. Für den Bereich von "Klein-Moskau" galt die direkte Praxis der Übergabe entweder in der Kommandantur Herrmann-Duncker-Str. oder, wenn er zur Grenztruppe/KGB gehörte, beim Wachhabenden in der Zwieseler Straße.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


vs1400 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.08.2015 23:50 | nach oben springen

#42

RE: Grenzalarm wegen desertierter Rotarmisten

in Grenztruppen der DDR 05.08.2015 00:28
von vs1400 | 2.389 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #37
Zitat von Schakal im Beitrag #35
Wurde der Grenzalarm vorsichtshalber ausgelöst, wenn ein Russe aus einer Garnision in euer Nähe desertierte oder erst, wenn man sich sicher war, dass generell ein Fahnenflüchtiger Richtung Grenze unterwegs war? Letzteres würde ja bedeuten, dass man wusste, wo er sich in etwa aufhält.

Keine Ahnung wie das vor meiner Zeit (ab 1979) war. Wegen Russen die in Fahndung standen (das war öfter der Fall) wurde kein Grenzalarm ausgelöst. Erst wenn die Richtung Grenze in Betracht gezogen wurde, dann wurde die Truppe "sensibilisiert". Deswegen gab es da keinen Grenzalarm. Wenn überhaupt wurde die Postendichte erhöht, was dann Hälftedienst bedeutete. Hieß das Hälftedienst?
Egal, Grenzalarm gab es wenn Anzeichen einer Grenzverletzung vorlagen.


hallo Mike59,
zu meiner zeit gab es derartige meldungen eher selten. doch wenn es sie gab,
dann wurde halt der a-zug "sensibilisiert", mit ihm die postendichte erhöht und mag flog dann eben ohne grenzalarm trotzdem raus.

der häfltedienst, in der/ meiner realität, man kam von dieser extremen lage rein, wurde von der küche etwas belohnt, brauchte keine grenzdienstnachbearbeitung tätigen und,
man "durfte" nach 6 stunden "ruhe" wieder einen postenbereich beziehen.
danach war man fertig, Mike59.

gruß vs


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#43

RE: Grenzalarm wegen desertierter Rotarmisten

in Grenztruppen der DDR 05.08.2015 07:26
von Hansteiner | 1.412 Beiträge

Hallo zusammen,

auch in meiner DZ mitte 70 waren Fahndungsmeldungen nach Sowjetsoldaten beinahe wöchendlich keine Seltenheit.
Aber in VGS sind wir des wegen nicht gegangen.
an ein Fall kann ich mich erinnern, dass mal ein zusätzlicher Po, mit P3 und Panzerbüchsen an der "Katzbrücke" in Arenshausen, eingesetzt wurde. Aber lange dauerten solche "Lagen" eigendlich nicht.

VG H.



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#44

RE: Grenzalarm wegen desertierter Rotarmisten

in Grenztruppen der DDR 05.08.2015 16:21
von VNRut | 1.486 Beiträge

Es muss Sommer 1983 in Groß Glienicke (GR-34) gewesen sein. Kurz vor der Vergatterung erhielten wir den Befehl wegen bewaffneter desertierter Sowjetsoldaten mit Stahlhelm und vier Magazine (normal waren zwei) in den Grenzdienst auf zuziehen. Eine gewisse Aufregung war in unsere Kompanie schon vorhanden. Ich wurde im 4. Grenzabschnitt Höhe Schönwalde/Eiskeller eingesetzt. Den ganzen Tag war es einigermaßen ruhig im Abschnitt bis kurz nach Mittag im Hinterland die Russen mit ihren SPW´s auffuhren und in Stellung gingen. Von da an begriff auch der Letzte, dass die Situation heiß ist. Wir durften nach unseren Dienst gleich noch´ne Schicht anhängen und Zwischenposten beziehen. Erst zwei Tage später soll man die Deserteure gefasst haben.


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle
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#45

RE: Grenzalarm wegen desertierter Rotarmisten

in Grenztruppen der DDR 05.08.2015 20:17
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

In Potsdam, nicht weit von der Glienicker Brücke und Cecilienhof, gab es eine geschlossene KGB-Stadt. Dort befand sich auch ein KGB-Gefängnis, wo (unter anderem) auch gefasste Deserteure vernommen, angeblich gefoltert und dann zur Bestrafung nach Russland weitergeschickt wurden.

Quelle: Welt

Die Organisation "Memorial" hat das einst ins Leben gerufen und den Abriss verhindert. Deshalb ist da ist heute eine interessante Gedenkstätte. Der Besuch lohnt sich sehr.

http://www.gedenkstaette-leistikowstrass...halt/index.html

http://www.gedenkstaette-leistikowstrass...spfad/index.php


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.08.2015 20:22 | nach oben springen



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