#1

Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 11:30
von turtle | 6.961 Beiträge

Immer wieder werde damit konfrontiert wie heutige Kinder unzufrieden sind mit dem was sie haben! Und ich denke ich mir die können nicht dankbar genug sein was sie alles haben und bekommen.

Wie war das bei mir ,nun ich denke meine Zeit war eine ganz andere.
Als ich geboren wurde lag Deutschland in Trümmern. Gespielt in Ruinen, Was wir da alles gefunden hatten an gefährlichen Dingen verschweige ich lieber. Auch Müllhalten war unser Revier .Uniformen der Wehrmacht der SS oder SA, fanden wir genauso wie Munition, Gewehre, Pistolen und jede Menge Gasmasken noch im Behälter! Im Winter trugen wir Leibchen ,lange Strümpfe und Igelit Schuhe, Im Waschhaus wurde Zuckerrüben Sirup gekocht, Spielzeug hatten wir kaum. Wir spielten trotzdem Spiele wie Himmel und Hölle, Mit der Kreiselpeitsche und Kreisel, Rad mit Stöckchen. Taschengeld bekam ich nie. Wir haben in den Ruinen Bunt Metall gesammelt und verkauft. In unsere Nähe war eine Kaserne, nach der Wehrmacht kam da die Kasernierte Volkspolizei rein, nicht lange danach kamen die Sowjets. Da wurde es unruhig . Es gab viele Diebstähle vor allen Fahrräder waren bei denen sehr beliebt. Es verschwand auch manche Kuh von den Weiden. Vergewaltigt wurde auch. Ich habe aber auch gesehen wie mancher brutal betraft wurde .Zu uns Kinder waren sie immer freundlich, ich trieb mich oft bei der Kaserne rum ,und bekam manchmal sogar essen von Ihnen. Eine besondere Freude war für mich immer wenn ich mit dem Jeep mit zurück fahren konnte.
Lebensmittel waren knapp, es gab vorgeschriebene Mengen auf Lebensmittel Karten. Es mangelte an allem. Südfrüchte kannte ich damals überhaupt nicht. Wir angelten im Kanal, lasen Ähren von den Stoppelfeldern ,und suchten Felder nach Kartoffeln ab.In die Schule mussten wir Briketts zum Heizen mitbringen. Doch von den Sowjets bekamen wir Schulessen geliefert!!!
Na und die Wohnung ,da gab es noch die gute Stube da durfte ich nur Sonntags rein. Es gab den Sonntagsbraten das war in der Regel Freibankfleisch! In der Woche Mehlsuppe, Kohl, Steckrüben etc. Badewanne oder Dusche in der Wohnung Fehlanzeige und die Toilette war eine halbe Treppe im Haus tiefer. Gebadet wurde einmal die Woche im Waschhaus, da stand eine Zinkbadewanne. Die Termine waren geregelt ,welche Familie an welchem Tag die Wanne benutzen durfte. Fersehen hatten wir natürlich nicht! Ich lasse hier bewusst politisches weg. Ich wollte nur etwas über unsere Kindheit damals schreiben Vielleicht vergleicht der Eine oder Andere mal wie er groß geworden ,und was sich seit damals verändert hat. Da kann er eventuell auch uns Alte etwas besser verstehen! Unsere Werte die wir mitbekommen haben waren nicht die Schlechtesten. Ich verstehe heute noch was Armut und Hunger bedeutet.


praeceptor507, Diskus303, Schmiernippel, Feliks D., jennyblo und Peter42 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.02.2011 11:44 | nach oben springen

#2

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 12:42
von 94 | 10.792 Beiträge

Toll @turtle, Du alter Herr Schildkröt. Waren beide Eltern berufstätig und wie war das mit Musik und lebten Deine Großeltern noch und habt ihr selber gesungen und ... und ...? Kasettenrecorder wie gestern oder MP3-Player wie heute gab es ja vorgestern ja noch nicht. Gruß Achill (der, der die Schildkröte nie einholt)


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#3

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 13:02
von exgakl | 7.237 Beiträge

Peter Deine Beiträge sind immer wieder lesenswert


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#4

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 13:09
von Gohrbi | 575 Beiträge

Hallo @Turtle, schön hast du das geschrieben. Du sprichst mir aus dem Herzen.Bei mir waren zwar die Trümmer schon weg, dafür war der Zaun schon da.
Das Sandmännchen West 18:40 und Ost 18:50 durfte ich schon sehen, denn meine Eltern hatten zeitig nen "Staßfurt Patriot"
Der lief übrigens bei mir im Zimmer noch 1973. Spielzeug haben wir uns viel selbst gebastelt und ab und zu kam ja auch mal ein Paket
von meinen Großeltern. Aber ansonsten hatten wir viel mit Freunden im Wald gespielt, bis auch der ganz dicht war. Leider fehlte zu Absprachen das Telefon, so dass wir immer gezwungen waren alle Wege zu Fuß zu erledigen oder mit dem Roller/Rad.
Lebensmittelmarken kenne ich nur noch unbewußt, aber es gab noch welche.

Freibankfleisch kenne ich noch aus den 70er Jahren, mein Schwiegevater war das der Spezi im beschaffen.
Deine Badeerlebnisse habe ich noch als Vater/Ehemann in unserer ersten Wohnung auch so erlebt. Im Waschhaus waren die Zinkwannen und wenn keine Wäsche dran war, war es eben meine Tochter.
Noch 85 stand unsere Waschmaschine im 6 Familienhaus im Keller im Waschraum. Dort wurde dann nach getaner Arbeit um18:00 uhr angefangen mit waschen und 23:00 Uhr war man dan wieder in der Wohnung
Man hat viel gelernt in dieser Zeit.


zuletzt bearbeitet 01.02.2011 13:10 | nach oben springen

#5

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 13:31
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von 94
Toll @turtle, Du alter Herr Schildkröt. Waren beide Eltern berufstätig und wie war das mit Musik und lebten Deine Großeltern noch und habt ihr selber gesungen und ... und ...? Kasettenrecorder wie gestern oder MP3-Player wie heute gab es ja vorgestern ja noch nicht. Gruß Achill (der, der die Schildkröte nie einholt)




Einen Vater habe ich nie kennengelernt,dafür viele Onkels! Das Elternhaus hatte diese Bezeichnung nie verdient! Musik kam aus der Goebbelsschnauze wenn nicht gerade Stromsperre war!Meine Großeltern sind bereits Anfang der 50er verstorben.Ein Musikinstrument habe ich nie gesehen.Aber wir fühlten uns frei. Im Wald bauten wir Höhlen,oder hatten einen alten Unterstand in Besitz genommen.Klauten ein Huhn ,der Kopf kam ab.wir packten es in Lehm und schmissen es in das Feuer. Die Russen schmissen eine Handgranate in den Fluss ,die kleineren Fische überließen sie uns.Wir fischten auch mit Karpid in der Flasche,Wasser drauf und ab. Leider hatte einer von uns danach 3 Finger weniger.Da haben wir einige Tage lieber den Fluss oder Kanal gemieden!
Gruß Peter(turtle)


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#6

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 14:59
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von turtle
Immer wieder werde damit konfrontiert wie heutige Kinder unzufrieden sind mit dem was sie haben! Und ich denke ich mir die können nicht dankbar genug sein was sie alles haben und bekommen.

Wie war das bei mir ,nun ich denke meine Zeit war eine ganz andere.
Als ich geboren wurde lag Deutschland in Trümmern. Gespielt in Ruinen, Was wir da alles gefunden hatten an gefährlichen Dingen verschweige ich lieber. Auch Müllhalten war unser Revier .Uniformen der Wehrmacht der SS oder SA, fanden wir genauso wie Munition, Gewehre, Pistolen und jede Menge Gasmasken noch im Behälter! Im Winter trugen wir Leibchen ,lange Strümpfe und Igelit Schuhe, Im Waschhaus wurde Zuckerrüben Sirup gekocht, Spielzeug hatten wir kaum. Wir spielten trotzdem Spiele wie Himmel und Hölle, Mit der Kreiselpeitsche und Kreisel, Rad mit Stöckchen. Taschengeld bekam ich nie. Wir haben in den Ruinen Bunt Metall gesammelt und verkauft. In unsere Nähe war eine Kaserne, nach der Wehrmacht kam da die Kasernierte Volkspolizei rein, nicht lange danach kamen die Sowjets. Da wurde es unruhig . Es gab viele Diebstähle vor allen Fahrräder waren bei denen sehr beliebt. Es verschwand auch manche Kuh von den Weiden. Vergewaltigt wurde auch. Ich habe aber auch gesehen wie mancher brutal betraft wurde .Zu uns Kinder waren sie immer freundlich, ich trieb mich oft bei der Kaserne rum ,und bekam manchmal sogar essen von Ihnen. Eine besondere Freude war für mich immer wenn ich mit dem Jeep mit zurück fahren konnte.
Lebensmittel waren knapp, es gab vorgeschriebene Mengen auf Lebensmittel Karten. Es mangelte an allem. Südfrüchte kannte ich damals überhaupt nicht. Wir angelten im Kanal, lasen Ähren von den Stoppelfeldern ,und suchten Felder nach Kartoffeln ab.In die Schule mussten wir Briketts zum Heizen mitbringen. Doch von den Sowjets bekamen wir Schulessen geliefert!!!
Na und die Wohnung ,da gab es noch die gute Stube da durfte ich nur Sonntags rein. Es gab den Sonntagsbraten das war in der Regel Freibankfleisch! In der Woche Mehlsuppe, Kohl, Steckrüben etc. Badewanne oder Dusche in der Wohnung Fehlanzeige und die Toilette war eine halbe Treppe im Haus tiefer. Gebadet wurde einmal die Woche im Waschhaus, da stand eine Zinkbadewanne. Die Termine waren geregelt ,welche Familie an welchem Tag die Wanne benutzen durfte. Fersehen hatten wir natürlich nicht! Ich lasse hier bewusst politisches weg. Ich wollte nur etwas über unsere Kindheit damals schreiben Vielleicht vergleicht der Eine oder Andere mal wie er groß geworden ,und was sich seit damals verändert hat. Da kann er eventuell auch uns Alte etwas besser verstehen! Unsere Werte die wir mitbekommen haben waren nicht die Schlechtesten. Ich verstehe heute noch was Armut und Hunger bedeutet.



Hallo turtle,

solche Zeitreisen sind immer mal hilfreich, zwar kann ich nicht mitreden über die Zustände im Nachkriegsdeutschland, vieles was Du geschildert hast, kann ich mir aber ganz gut vorstellen.
Vieles was wir in unserer DDR- Kindheit erlebt hatten, würde man heute wohl als (materiell) armseelig betrachten, so z.B. hatte ich immer den Auftrag mit dem Böllerwagen Asche zur Kippe zu fahren und brachte oft mehr wieder mit als ich fortgefahren hatte, fast alles konnte man noch mal gebrauchen und was eben nicht ging, hatte ich bei der nächsten Fuhre wieder auf dem Wagen.
Es war aber eben keine Armut, sondern viel mehr kindliche Kreativität, aus eigentlich wertlosen Gegenständen etwas sinnvolles herzustellen.
Auch war ich bereits mit 12-13 Jahren auf dem Feld oder der Apfelplantage arbeiten und war ziemlich stolz darauf, an einem Nachmittag 30 Mark verdient zu haben, moderne Zeitgenossen würden Kindern so etwas heute verbieten, wenn sie könnten und verkennen dabei vollkommen den Wert solcher Erfahrungen.
Unvergessen auch die Opferbereitschaft, die Erwachsene teilweise an den Tag legten, indem sie trotz Vollzeitarbeit am Wochenende sich noch ehrenamtlich um die Angeljugend in der Ortsgruppe kümmerten.
Vor diesen Personen habe ich noch volle Hochachtung, auch wenn es schon 30 Jahre her ist, die Erinnerung an die Nachtangelcamps mit 12 Jahren kann mir keiner mehr nehmen und so beneide ich die heutigen Kids weder um ihre Spielkonsolen noch um die schicken Autos mit denen sie von ihren Eltern zum Fußballtraining gekarrt werden, jenen Eltern, die in der heutigen Arbeitswelt überwiegend nicht mehr die Zeit für ihre Kinder haben wie sie unsere noch hatten.
Ganz zu schweigen vom stark nachgelassenen ehrenamtlichen Engagement an Projekten der Kinder- und Jugendarbeit, hier finden wir in unserem Anglerverein nicht mal genügend Freiwillige, um noch ein Zeltlager im Sommer zu organisieren.
Mit 5-6 freien Tagen pro Monat im Heimatort kann ich somit kaum etwas von dem zurück geben, was ich einst empfangen habe, traurig genug.



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#7

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 16:37
von Gert | 12.356 Beiträge

Hallo Lieber Peter,

wir sind ja nahezu gleichaltrig. Mit große rAufmerksamkeit habe ich deinen Kindheitsbericht gelesen. Ich hatte zwa rein gutes Elternhaus aber die materielle Armut und das durch den Krieg zerstörte Umfeld habe ich auch erlebt. Viele deiner Erinnerungen habe ich so oder ähnlich auch in Erinnerung. Vor allem Hausruinen hatten es uns als Kinder angetan, das war der schönste Abenteuerspielplatz. Als ich dann so etwa 13 , 14 war(Ende der fünfziger Jahre) hatten wir es auch mit den Waffen. Wir fanden eine Waltherpistole, in einem Leinensack umgeben von Schmierfett vergraben. Die war natürlich noch voll intakt, wir haben sie von dem Fett gereinigt und entsprechend Munition fanden wir, dann ging die Ballerei los. Eines Tages hat die VP dem ein Ende gemacht.
In der Nähe meines Wohnorts war ein Fliegerhorst der Russen. Dort standen wir in der Einflugschneise und sahen wie die großen Transportmaschinen mit den´m roten Stern am Leitwerk in 10 m Höhe über uns hinweg zur Landung ansetzten. Vorher hatten sie Lastensegler im Schlepp die vor dem Flugplatz ausklinkten und vor den Motorflugzeugen landeten. Dort haben wir auch mit den russischen Wachposten herumgealbert, Zigaretten probiert usw. Es war eine schöne Zeit und ich vermisste nix. Verglichen mit heutigen Jugendlichen waren wir arm, aber man vermisste nichts.
Schön dass du das aufgeschrieben hast, es hat viele Erinnerungen bei mir aufgefrischt.

Viele Grüße vom Rhein Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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zuletzt bearbeitet 01.02.2011 16:38 | nach oben springen

#8

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 17:18
von wosch (gelöscht)
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Ein sinnvolles "Freizeitvergnügen" war für uns Kinder das "Kohlenklauen". Kein Pferdewagen des Kohlenhändlers war vor uns sicher und wenn am Güterbahnhof Kohlen ausgeladen wurden, waren wir auch zugegen. Etwas Kleingeld verdienten wir uns mit dem Verkauf von selbstgeernteten Korn-Und Mohnblumen und mit dem Sammeln von Heilkräutern, Lindenblüten, Königskerzen, Misteln, Spitzwegerich und den getätigten "Geschäften" mit dem russischen Nachbarn. Gegessen wurde Alles was die Natur hergab und nichts Eßbares wurde weggeschmissen. Mit dem "Hunger" lernte man umzugehen, für meine Geschwister und mich war für die Beschaffung der Fressalien unser Vater zuständig, der hatte als Musiker die Möglichkeit von den Hochzeitsfeiern der Bauern immer was zu organisieren. Er kannte die guten Ecken für Pilze, Blaubeeren, Brombeeren und alles Mögliche, behielt die aber natürlich immer für sich. Oft wurde ich morgens gegen 4:00 Uhr auf die Stangen von Vaters Fahrrad gesetzt und dann ging es in einer guten Stunde an die Elde und es wurde geangelt. Mit den primitivsten Geräten, hatte aber für einen 6-10jährigen Bengel unwahrscheinlich viel Spaß gemacht und abends gab es dann Hecht, Barsc oder auch nur gebratene Plötze. Wie Peter schon schrieb, Waffen und Munition lag noch überall rum, sehr oft in Ölpapier eingewickelt, so als ob man es für später aufbewahren wollte. Wenn wir Kinder mal ´nen Groschen überhatten holten wir uns im Krämerladen eingelegte Salzgurken (vom Geschmack "tausendmal besser wie die Heutigen"), Brausepulver und mit 11 Jahren fing ich an zu rauchen. Von den Russen bekam ich Machorka und später habe ich Zigaretten (Turf, Salrm, Casino) von meinem Vater gestiebitzt, bis er es merkte, von der Mutter gab es dafür "auf den nackten Arsch. Wir Kinder mußten auch Einkaufen gehen, allerdings meistens nur wenn "angeschrieben" werden mußte. Für uns war es nicht peinlich zu sagen "Ein Pfund xxxxx, aber bitte anschreiben. Da hatten wir der Mutter aber eine peinliche Transaktion abgenommen. Aber "Anschreiben" war damals absolut üblich und in einer kleinen Stadt kannte man sich ja. Bezahlt wurde, wenn unser Vater mit seiner Kapelle Musik gemacht hatte und das kam bei ihm relativ oft vor. Mit der Politik hatten wir Kinder bis zu einem bestimmten Alter nichts am Hut, aber so etwa mit 11/12 Jahren veränderte sich das schlagartig. Die Vorgänge des 13. Junis 1953 veränderten mein Bewußtsein und ab da war für mich die Kindheit nicht mehr so schön und unbeschwert wie zuvor. Ich lernte mit der Lüge zu leben und begann zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Ich nahm plötzlich wahr, wie sich in meiner unmittelbaren Nachbarschaft Lücken auftaten und bekam auch sehr schnell mit, daß ein Paket von der Westverwandschaft, Sachen enthielt, die ich bis dahin überhaupt nicht kannte und daß unsere Verwandten aus dem Westen, wenn sie uns besuchten, genau so traurig waren wie wir, wenn sie wieder abreisen mußten.
Schönen Gruß aus Kassel.


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#9

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 19:25
von utkieker | 2.924 Beiträge

Meine Mutter verlebte ihre Kindheit in Bad Kleinen am Schweriner See. Bad Kleinen wurde von britischen Truppen 1945 vom Faschismus befreit. Mein Vater verlebte ein Großteil seine Kindheit nach dem frühen Tod seiner Eltern, bei seinen Großeltern in Hohen Viecheln ebenfalls am Schweriner See. Zwischen Bad Kleinen und Hohen Viecheln verlief bis zum "Potsdamer Abkommen" die Grenze zwischen der britischen und sowjetischen Besatzungszone.
Meine Kindheit verbrachte ich in Bad Kleinen, die Trümmer des Krieges waren beseitigt und ich wuchs nahezu unbeschwert in den goldenen sechzigern auf. Gebadet haben wir auch noch im Waschhaus in der Zinkbadewanne, zeitgleich konnte meine Mutter die Wäsche in einer prähistorischen Bottichwaschmaschine waschen. Ich empfand die Jahre meiner Kindheit durchaus als glücklich. Ich brauchte nur über die Straße zu gehen, auf der anderen Straßenseite erstreckte sich ein riesiger mehrere Hektar umfassender Wald, daß war mein Paradies und der schönste Tummelplatz der Welt. Autos fuhren nur wenige die Straße entlang, somit hatte unsere Rasselbande freien Auslauf. Wir Kinder in der Waldstraße waren eine verschworene Gemeinschaft. Birgit hatte ihren gut 10 Jahre älteren Bruder, der häufig mit an den See kam um uns Kinder zu beaufsichtigen. Birgits Bruder wurde zu den Grenztruppen einberufen zur Zeit des "Prager Frühlings" 1968 schwamm er bei Boizenburg über die Elbe, er wollte nicht zur Verfügung stehen bei der Zerschlagung des "Prager Frühlings".
Ich lernte hier in der Idylle von Wald und See radfahren und schwimmen und meinem Vater zu liebe auch Schach spielen. Mein Vater war Kapitän der ortsansässigen Schachmannschaft die 1963 sensationell den goldenen Traktor gewannen. Als Auszeichnung durften sie als Zuschauer bei der Schacholympiade in Leipzig "teilnehmen".
Gleichzeitig begann in Bad Kleinen meine Bühnen "Karriere", bereits als Siebenjähriger stand ich auf den Brettern, die die Welt bedeuten zunächst im Pionierchor, später auch in der Sprechergruppe unseres Schulensembles wo wir auf naiver Art Kabarett zum besten gaben. 1969 zogen wir dann nach Wismar später nach Rostock aber das waren andere Zeiten.


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#10

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 21:18
von josy95 | 4.915 Beiträge

Leuters, Kinder, User: Ich bin beim kurzen Überlesen der Beiträge irgendwie gerührt- begeistert...!

Und muß mal wieder feststellen, wir haben anscheinend doch mehr Gemeinsames als Trennendes!

Nur wo bleibt das Gemeinsamkeits- und Zusammengehöhrigkeitsgefühl?

Zerstört von Nazis, Stalinisten, Profitgeyern, Raubritterkapitalisten???

Eigentlich die wahren Feinde einer, unserer Gesellschaft!

Stalinisten haben wir 1989 mit teils zweifelhaften Erfolg zum Teufel gejagt..., ihre vom Volk geräumten Plätze waren sehr schnell wieder von Schmarotzern, Schmeißfliegen, eben diesen Profitgeyern und Raubrittern "neuen Typs" im feinen Nadelstreifen besetzt. Teils riegeroser und gewissenloser denn je......!

Uns täte die Besinnung auf die vielen Gemeinsamkeiten, wie hier so treffend bei den Wurzeln beginnend geschildert, so gut!

Statt zu Streiten, Zanken, Giften, Schuldzuweisungen: Nur Einigkeit macht stark und ist eine geballte Kraft, sich von Fesseln und Geißeln zu trennen, endlich mal dauerhaft zu befreien!!

Einfach dem neben mir seine Schwächen, seine Fehler, seine Vergangenheit zu verzeihen. Ist das wiklich so schwer???

Soweit meine emotionale Meinung dazu.

Ein Beitrag speziell zum Thema folgt. Versprochen!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 01.02.2011 21:22 | nach oben springen

#11

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 01.02.2011 21:32
von Carolus (gelöscht)
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Ich bin kurz nach dem Krieg in der britischen Zone geboren. Meinen britischen Kinderausweis habe ich heute noch. Im Sommer trugen wir kurze Hosen, im Winter kurze Hosen mit langen Strümpfen und Leibchen. In den ersten Schuljahren gab es mittags eine warme Suppe aus britischen Gulaschkanonen. Gespielt haben wir in den umliegenden Wäldern und fanden jede Menge Waffen und Munition. Grosse Waldgebiete waren gesperrt, weil man dort Blindgänger vermutete (in unserer Nähe war die "Varta" die im Kriege U-Boot-Batterien herstellte und das Ziel zahlreicher Luftangriffe war). Im Winter 1952/1953 fiel die Schule mehrfach aus da keine Kohle zur Verfügung stand. Die musste nach Frankreich abgeliefert werden. Sonntags war ein Festtag. Da durfte ich mein "Sonntagshemd" anziehen und es gab zu Mittag Fleisch. Meistens Kotlett mit Kartoffeln und brauner Buttersauce (esse ich heute noch gerne). Einmal im Monat fuhren wir in die Kreisstadt. Ich kann mich an meterhohe Trümmerberge links und rechts der Strassen erinnern. Der letzte große Angriff fand im März 1945 statt und hat ca. 80 % der Stadt zerstört. Wenn wir meinen Onkel in Dortmund besuchten war das immer ein besonderes Erlebnis. Er war im Bergbau untertage und da gab`s Zulagen. Da gab es jeden Tag Fleisch in irgendeiner Form und in der Suppe blieb der Löffel stecken.
Vor der Abreise und während der Reise wurden wir mehrfach ermahnt sittsam und nicht so gierig zu essen (hat aber nicht viel geholfen).
Trotzdem, es war eine schöne Zeit.


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#12

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 14:17
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #5

Zitat von 94
Toll @turtle, Du alter Herr Schildkröt. Waren beide Eltern berufstätig und wie war das mit Musik und lebten Deine Großeltern noch und habt ihr selber gesungen und ... und ...? Kasettenrecorder wie gestern oder MP3-Player wie heute gab es ja vorgestern ja noch nicht. Gruß Achill (der, der die Schildkröte nie einholt)



Einen Vater habe ich nie kennengelernt,dafür viele Onkels! Das Elternhaus hatte diese Bezeichnung nie verdient! Musik kam aus der Goebbelsschnauze wenn nicht gerade Stromsperre war!Meine Großeltern sind bereits Anfang der 50er verstorben.Ein Musikinstrument habe ich nie gesehen.Aber wir fühlten uns frei. Im Wald bauten wir Höhlen,oder hatten einen alten Unterstand in Besitz genommen.Klauten ein Huhn ,der Kopf kam ab.wir packten es in Lehm und schmissen es in das Feuer. Die Russen schmissen eine Handgranate in den Fluss ,die kleineren Fische überließen sie uns.Wir fischten auch mit Karpid in der Flasche,Wasser drauf und ab. Leider hatte einer von uns danach 3 Finger weniger.Da haben wir einige Tage lieber den Fluss oder Kanal gemieden!
Gruß Peter(turtle)



Das "Fischen" mit Karbid haben wir auch versucht. Wurde aber zu gefährlich.
Da haben wir die Forellen unter großen Steinen oder der Uferböschung mit den Händen gefangen.
Eine beliebte Methode war, sie mit einem Dachschiefer zu köpfen. War aber sehr unfein.
man sah viele verwundete Forellen und Äschen in der Schwarza schwimmen.
In späteren Jahren sind wir aufs Nacht angeln umgestiegen.


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
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#13

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 14:47
von damals wars | 12.186 Beiträge

Bei Gemeinsamkeiten muss ich an das Sammeln von Kaugummibilder, Bildern aus der Schokolade (Milka?) und Matschboxautos denken.
War das nur im Osten oder auch im Westen verbreitet?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
Peter42 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 15:01
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #13
Bei Gemeinsamkeiten muss ich an das Sammeln von Kaugummibilder, Bildern aus der Schokolade (Milka?) und Matschboxautos denken.
War das nur im Osten oder auch im Westen verbreitet?

und die Diggedags-Hefte wurden auch gerne gelesen,dann waren noch
die kreckschokolade mit dan ganzen Tierbildern,habe ich auch gesammelt,
gab sogar ein Album dazu
gruss Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#15

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 15:43
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Bin im Frühjahr 47 geboren. Scherzhaft habe ich später, meinen Geburtsort charakteriseirend gesagt, dort, wo die gepflasterte Straße aufhört. Dahinter kommt nur noch der Wald und die Russen. Wer es kennt, die Hohe Schrecke. Geboren in einer Dorfküche und schon von Geburt an durch "Urkundenfälschung kriminell". Geboren an einem 13. gegen 0.30 Uhr. Da meine Mutter abergläubisch war, sagte sie der Hebamme, sie solle doch den 12. daraus machen, was diese auch tat. Das Haus gehörte meinem Onkel, mein Vater war das erste Jahr noch dort und fuhr dann nach EF arbeiten. Mein Onkel war Einzelbauer. Die Bodenwerte sind dort nicht so besonders, sodaß er nicht zu den reicheren Bauern gehörte (kein Pferd, keinen Traktor, nur Kühe zum Arbeiten). Zumindest mußte ich keinen Hunger leiden, Milch, Brot und Kartoffeln, auch Fleisch waren zumindest für mich damals erkennbar vorhanden, trotz Ablieferungssoll. Mit 2 Jahren sind wir dann in die Stadt gezogen, zur Pacht in ein größeres Gartenhaus, in dem dann ein Jahr später meine Schwestern geboren wurden (Zwillinge). An Freizeitgestaltung kann ich mich vor allem noch daran erinnern, daß ich den ganzen tag mit Feuer machen beschäftigt war, wenn ich mit meinem Onkel zum Ackern war. Mit dem Nachbarsjungen hinter dem Haus am Bach gespielt, Cliquen gebildet und "Kämpfe" zwischen Ober- und Unterdorf gespielt ohne sich gegenseitig ernsthaft wehzutun, Im Wald rumgestromert. Ein Höhepunkt war es immer für uns, wenn die Russen mit den Panzern durch´s Dorf fuhren und aus irgendwelchen Gründen dort eine Weile rumstanden. Abzeichen erbettelt und man durfte auch mal hochklettern auf so einen T 34. Daß mal ein besoffener Russe im Dorf Radau gemacht und mit der Pistole rumgeballert hatte, ist mir auch noch im Gedächtnis. Auch, daß mal ein Erwachsener zu uns sagte, man müßte uns alle in die Unstrut schmeißen. Warum, kann ich nur vermuten, weil wir mit den Russen Spaß hatten. Einmal hatten die auch am Wald von einem Bauern Holz geklaut und es hatte eine Auseinandersetzung zwischen dem Bauern und den beteilgten Soldaten gegeben, aber es muß wohl glimpflich ausgegangen sein, sonst hätte ich das Theater sicher mitbekommen.
Die Zeit in unserem "Gartenhaus" (von 2 bis 7 Jahren) war ebenfalls ziemlich sorglos, zumind. für mich, trotz Plumsklo und Außenpumpe. Mit Obst und gemüse waren wir Selbstversorger. Meine Mutter hatte sich die Kunst des Nähens angeeignet und aus altem Militärstoff und Möbelstoff konnte sie so manches damals Modische zaubern. In der Nähe befanden sich einige Kiesgruben, z.T. auch mit "Buddelgruben", ein El Dorado für uns. Als 5-Jährige dort im Winter auf´s Eis ! Graue Haare würde ich heute bei dem Gedanken bekommen, wenn meine Kinder das machen würden. Im Gleisschotter einer nahen Bahnstrecke fanden wir scharfe KK-Patronen. Bleikuppe ab, zusammengekniffen und dann einen Stein drauf. Mein Freund hatte mal daher einen Splitter in´s Schienbein bekommen. Damals muß sich schon mein späteres Hobby herausgebildet haben: Ich grub tiefe Löcher im Garten. Zum Milch holen mußte ich in die Stadt. Mit Alu-Kanne dann einige Kilometer durch das Buddelgrubengelände. Später war das auch mein täglicher Schulweg. Damals in der 1.Klasse noch mit Schiefertafel. Wenn meine Mutter mal einen Stadtweg zu erledigen hatte, sperrte sie uns auf dem flachen Boden ein. Mit einem anderen Freund züchteten wir "Eisgewächse" (Sempervivum), brachen dazu sogar in einen anderen Garten ein und machten den dortigen Steingarten ratzekahl. Es gibt noch viele schöne und sehr wenig unangenehme Erinnerungen an diese zeit. Unangenehm habe ich in Erinnerung, daß mir mein vater mal ganz fürchterlich den Hosenboden versohlt hat. Aus heutiger Sicht kann ich ihn verstehen.
Mit 7 Jahren sogen wir dann in eine Stadtwohnung. Die ersten drei Schuljahre habe ich in keiner guten Erinnerung. Unser Klassenprimus, er wohnte noch dazu im Nachbarhaus, war ein Fiesling wie er im Buche steht. Nach Außen zu Hause freundlich tun, in der Klasse stachelte er zur "Klassenkeile" gegen mich auf. Warum, ist mir bis heute ein Rätsel. Er war aber nie vorn mit dabei, wenn die anderen Jungs über mich herfielen. Es kam so weit, daß ich die Schule schwämzte. Als meine Muter mit mir bei der Klassenlehrerin war, wurde ihr nicht geglaubt. Der beste Schüler der Klasse und sowas? nein, das konnte nicht sein. Ich muß dazu sagen, daß seine Eltern Lehrer und streng katholisch waren. Nach knapp drei Jahren sind sie in den Westen abgehauen, damit kehrte mit meiner Klasse wieder Normalität ein. Dieses Erlebnis war mein erster und prägender im Kontakt mit Katholiken. Ich weiß, daß das nicht die Regel ist, aber es bleibt eben was hängen.



seaman, praeceptor507, turtle, furry, exgakl und Peter42 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#16

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 15:57
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #15
Dieses Erlebnis war mein erster und prägender im Kontakt mit Katholiken. Ich weiß, daß das nicht die Regel ist, aber es bleibt eben was hängen.


Ja, ja seit sie den INRI in Jerusalem gekreuzigt haben, Wasser predigen und heimlich den Wein saufen !!! Mein Freund war auch ein Katholik, noch dazu ein Christkind, da am 24.12. geboren - aber diese Freundschaft hielt, bis ich meinen Dienst antrat. Danach gab es nur noch sporadische Begegnungen mit Höflichkeitsgesten. Aber das lag nicht an uns, vielmehr verlangten es die Umstände.

Ein schöner Beitrag, der auch Erinnerungen an die eigene Kindheit wach werden läßt. Altermäßig sind wir ja nur 2 Jahre auseinander.

Vierkrug


praeceptor507 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 16:04
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von utkieker im Beitrag #9
Meine Mutter verlebte ihre Kindheit in Bad Kleinen am Schweriner See. Bad Kleinen wurde von britischen Truppen 1945 vom Faschismus befreit. Mein Vater verlebte ein Großteil seine Kindheit nach dem frühen Tod seiner Eltern, bei seinen Großeltern in Hohen Viecheln ebenfalls am Schweriner See. Zwischen Bad Kleinen und Hohen Viecheln verlief bis zum "Potsdamer Abkommen" die Grenze zwischen der britischen und sowjetischen Besatzungszone.
Meine Kindheit verbrachte ich in Bad Kleinen, die Trümmer des Krieges waren beseitigt und ich wuchs nahezu unbeschwert in den goldenen sechzigern auf. Gebadet haben wir auch noch im Waschhaus in der Zinkbadewanne, zeitgleich konnte meine Mutter die Wäsche in einer prähistorischen Bottichwaschmaschine waschen. Ich empfand die Jahre meiner Kindheit durchaus als glücklich. Ich brauchte nur über die Straße zu gehen, auf der anderen Straßenseite erstreckte sich ein riesiger mehrere Hektar umfassender Wald, daß war mein Paradies und der schönste Tummelplatz der Welt. Autos fuhren nur wenige die Straße entlang, somit hatte unsere Rasselbande freien Auslauf. Wir Kinder in der Waldstraße waren eine verschworene Gemeinschaft. Birgit hatte ihren gut 10 Jahre älteren Bruder, der häufig mit an den See kam um uns Kinder zu beaufsichtigen. Birgits Bruder wurde zu den Grenztruppen einberufen zur Zeit des "Prager Frühlings" 1968 schwamm er bei Boizenburg über die Elbe, er wollte nicht zur Verfügung stehen bei der Zerschlagung des "Prager Frühlings".
Ich lernte hier in der Idylle von Wald und See radfahren und schwimmen und meinem Vater zu liebe auch Schach spielen. Mein Vater war Kapitän der ortsansässigen Schachmannschaft die 1963 sensationell den goldenen Traktor gewannen. Als Auszeichnung durften sie als Zuschauer bei der Schacholympiade in Leipzig "teilnehmen".
Gleichzeitig begann in Bad Kleinen meine Bühnen "Karriere", bereits als Siebenjähriger stand ich auf den Brettern, die die Welt bedeuten zunächst im Pionierchor, später auch in der Sprechergruppe unseres Schulensembles wo wir auf naiver Art Kabarett zum besten gaben. 1969 zogen wir dann nach Wismar später nach Rostock aber das waren andere Zeiten.


Dann kennst du sicherlich auch Bobitz und das Gutshaus in Tressow am See, dass zugleich das Kinderferienlager der Fliesenwerke Boizenburg/Elbe war. Da gibt es sehr viele Erinnerungen an meine Kindheit.

Vierkrug


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#18

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 16:08
von praeceptor507 | 233 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #14
Zitat von damals wars im Beitrag #13
Bei Gemeinsamkeiten muss ich an das Sammeln von Kaugummibilder, Bildern aus der Schokolade (Milka?) und Matschboxautos denken.
War das nur im Osten oder auch im Westen verbreitet?

und die Diggedags-Hefte wurden auch gerne gelesen,dann waren noch
die kreckschokolade mit dan ganzen Tierbildern,habe ich auch gesammelt,
gab sogar ein Album dazu
gruss Lutze

Ich bin 51 geboren. meine Großmutter hat mir von Heft 1 an alle Dige Dag Hefte gekauft.
Könnte mich schwarz ärgern. Alle verborgt, getauscht, oder sonst irgendwie verloren gegangen.


Komm'se mal zurück Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?
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#19

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 16:40
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von praeceptor507 im Beitrag #18
Zitat von Lutze im Beitrag #14
Zitat von damals wars im Beitrag #13
Bei Gemeinsamkeiten muss ich an das Sammeln von Kaugummibilder, Bildern aus der Schokolade (Milka?) und Matschboxautos denken.
War das nur im Osten oder auch im Westen verbreitet?

und die Diggedags-Hefte wurden auch gerne gelesen,dann waren noch
die kreckschokolade mit dan ganzen Tierbildern,habe ich auch gesammelt,
gab sogar ein Album dazu
gruss Lutze

Ich bin 51 geboren. meine Großmutter hat mir von Heft 1 an alle Dige Dag Hefte gekauft.
Könnte mich schwarz ärgern. Alle verborgt, getauscht, oder sonst irgendwie verloren gegangen.


meine Hefte hab ich alle meinen Schwager gegeben,
und der hat sich sehr gefreut


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#20

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 16:57
von turtle | 6.961 Beiträge

Schön das dieser Thread hervorgeholt wurde. Möchte daher noch einiges dazu schreiben aus den Jahren meiner Kindheit. Da in unserer Nähe Sowjets stationiert waren fanden wie oft Flugblätter auf russisch mit der Aufforderung an die Soldaten zu desertieren.Auf deutsch stand da mit darauf diese Flugblätter nicht mit Nachhause zu nehmen,sondern liegen zu lassen. Doch wir sammelten diese ein wollten sie den"Russen" selber geben. Da gab es aber richtigen Ärger. Wir mussten Kartoffelkäfer sammeln die angeblich die Amerikaner abgeworfen haben um die Ernte zu vernichten..Wer kennt noch Timur und sein Trupp?Wir zogen mit dem Handwagen durch die Straßen und sammelten Lumpen,Flaschen,Eisen und Papier für den Wideraufbau. Wir halfen alten Menschen beim Einkaufen und was sonst noch so zu erledigen war.Vor einem Lehrer und dem Polizisten hatten wir großen Respekt ,und in der Straßenbahn standen wir noch auf um einem Erwachsenen den Platz anzubieten.Neue Klamotten? Nee von den größeren wurde es weitergetragen oder umgeändert.Da es keinen Fernseher gab waren wir viel mehr draußen und kannten uns bestimmt besser in der Natur wie die Kinder von heute aus. Zum Lesen erinnere ich mich noch als Kind an die Frösi.Meine Kindheit war mit viel Freiheit verbunden,das lag aber auch mit an einem Elternhaus was nicht ideal war. Später im Kinderheim hatte ich es deswegen schwerer mich unterzuordnen. Ich vermisste meine Freiheit sehr. Das ich mit meinen Geschwistern in ein Kinderheim kam ,hatte allerdings nichts mit Politik zu tun. Hier kam der Staat seiner Fürsorgepflicht nach.Positiv im Heim war ,wir hatten immer genug zu essen . Unsere Einheitkleidung hasste ich allerdings . Mit dieser Kleidung waren wir immer als Heimkind zu erkennen und wurden teilweise gemieden. Ich höre immer noch manche Frage "warum bist Du böse?" Das bin ich nicht! Aber Du bist doch im Heim! Mit dem Heim war ich aber auch zum ersten Mal in einem Ferienlager auf Usedom. Das war schön.Da wir ein gemischtes Heim waren hatten wir spätestens mit 14 unsere spezielle Aufklärung. Ich denke so einiges bekommen wir schon in der Kindheit mit auf unseren Weg und daher kann es doch nicht alles schlecht gewesen sein.


exgakl, OlsenWeilrode und Peter42 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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