#21

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 17:18
von Lutze | 8.029 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #20
Schön das dieser Thread hervorgeholt wurde. Möchte daher noch einiges dazu schreiben aus den Jahren meiner Kindheit. Da in unserer Nähe Sowjets stationiert waren fanden wie oft Flugblätter auf russisch mit der Aufforderung an die Soldaten zu desertieren.Auf deutsch stand da mit darauf diese Flugblätter nicht mit Nachhause zu nehmen,sondern liegen zu lassen. Doch wir sammelten diese ein wollten sie den"Russen" selber geben. Da gab es aber richtigen Ärger. Wir mussten Kartoffelkäfer sammeln die angeblich die Amerikaner abgeworfen haben um die Ernte zu vernichten..Wer kennt noch Timur und sein Trupp?Wir zogen mit dem Handwagen durch die Straßen und sammelten Lumpen,Flaschen,Eisen und Papier für den Wideraufbau. Wir halfen alten Menschen beim Einkaufen und was sonst noch so zu erledigen war.Vor einem Lehrer und dem Polizisten hatten wir großen Respekt ,und in der Straßenbahn standen wir noch auf um einem Erwachsenen den Platz anzubieten.Neue Klamotten? Nee von den größeren wurde es weitergetragen oder umgeändert.Da es keinen Fernseher gab waren wir viel mehr draußen und kannten uns bestimmt besser in der Natur wie die Kinder von heute aus. Zum Lesen erinnere ich mich noch als Kind an die Frösi.Meine Kindheit war mit viel Freiheit verbunden,das lag aber auch mit an einem Elternhaus was nicht ideal war. Später im Kinderheim hatte ich es deswegen schwerer mich unterzuordnen. Ich vermisste meine Freiheit sehr. Das ich mit meinen Geschwistern in ein Kinderheim kam ,hatte allerdings nichts mit Politik zu tun. Hier kam der Staat seiner Fürsorgepflicht nach.Positiv im Heim war ,wir hatten immer genug zu essen . Unsere Einheitkleidung hasste ich allerdings . Mit dieser Kleidung waren wir immer als Heimkind zu erkennen und wurden teilweise gemieden. Ich höre immer noch manche Frage "warum bist Du böse?" Das bin ich nicht! Aber Du bist doch im Heim! Mit dem Heim war ich aber auch zum ersten Mal in einem Ferienlager auf Usedom. Das war schön.Da wir ein gemischtes Heim waren hatten wir spätestens mit 14 unsere spezielle Aufklärung. Ich denke so einiges bekommen wir schon in der Kindheit mit auf unseren Weg und daher kann es doch nicht alles schlecht gewesen sein.

das Buch "Timur und sein Trupp"hatten wir als Pflichtlektüre in der Schule,
genauso "Wie der Stahl gehärtet wurde",das Buch hat mir mal ein Schulkamerad
zum Geburtstag geschenkt,die Freude hielt sich Grenzen
neben der Frösi gabs noch Atze als Kinderzeitschrift


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#22

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 17:25
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #21
Zitat von turtle im Beitrag #20
Schön das dieser Thread hervorgeholt wurde. Möchte daher noch einiges dazu schreiben aus den Jahren meiner Kindheit. Da in unserer Nähe Sowjets stationiert waren fanden wie oft Flugblätter auf russisch mit der Aufforderung an die Soldaten zu desertieren.Auf deutsch stand da mit darauf diese Flugblätter nicht mit Nachhause zu nehmen,sondern liegen zu lassen. Doch wir sammelten diese ein wollten sie den"Russen" selber geben. Da gab es aber richtigen Ärger. Wir mussten Kartoffelkäfer sammeln die angeblich die Amerikaner abgeworfen haben um die Ernte zu vernichten..Wer kennt noch Timur und sein Trupp?Wir zogen mit dem Handwagen durch die Straßen und sammelten Lumpen,Flaschen,Eisen und Papier für den Wideraufbau. Wir halfen alten Menschen beim Einkaufen und was sonst noch so zu erledigen war.Vor einem Lehrer und dem Polizisten hatten wir großen Respekt ,und in der Straßenbahn standen wir noch auf um einem Erwachsenen den Platz anzubieten.Neue Klamotten? Nee von den größeren wurde es weitergetragen oder umgeändert.Da es keinen Fernseher gab waren wir viel mehr draußen und kannten uns bestimmt besser in der Natur wie die Kinder von heute aus. Zum Lesen erinnere ich mich noch als Kind an die Frösi.Meine Kindheit war mit viel Freiheit verbunden,das lag aber auch mit an einem Elternhaus was nicht ideal war. Später im Kinderheim hatte ich es deswegen schwerer mich unterzuordnen. Ich vermisste meine Freiheit sehr. Das ich mit meinen Geschwistern in ein Kinderheim kam ,hatte allerdings nichts mit Politik zu tun. Hier kam der Staat seiner Fürsorgepflicht nach.Positiv im Heim war ,wir hatten immer genug zu essen . Unsere Einheitkleidung hasste ich allerdings . Mit dieser Kleidung waren wir immer als Heimkind zu erkennen und wurden teilweise gemieden. Ich höre immer noch manche Frage "warum bist Du böse?" Das bin ich nicht! Aber Du bist doch im Heim! Mit dem Heim war ich aber auch zum ersten Mal in einem Ferienlager auf Usedom. Das war schön.Da wir ein gemischtes Heim waren hatten wir spätestens mit 14 unsere spezielle Aufklärung. Ich denke so einiges bekommen wir schon in der Kindheit mit auf unseren Weg und daher kann es doch nicht alles schlecht gewesen sein.

das Buch "Timur und sein Trupp"hatten wir als Pflichtlektüre in der Schule,
genauso "Wie der Stahl gehärtet wurde",das Buch hat mir mal ein Schulkamerad
zum Geburtstag geschenkt,die Freude hielt sich Grenzen
neben der Frösi gabs noch Atze als Kinderzeitschrift


Und den Bummi nicht vergessen.


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#23

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 17:27
von Gelöschtes Mitglied
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Timur und sein Trupp - Pioniere mit dem Bollerwagen unterwegs, um anderen Menschen, besonders Älteren zu helfen. Das war eine sehr schöne Sache, wenn man dann noch die Dankbarkeit und das Leuchten in den Augen dieser Menschen gesehen hat. Und wir fühlten uns wirklich wie das sowjetische Vorbild. Ich muß auch unwillkürlich daran denken, wenn man in den Medien das Leid und Schicksal vieler pflegebedürftiger Menschen im diesem Land sieht. Sicherlich waren Timur und seine Trupps keine Fachkräfte in der Altenpflege, aber kleine Hilfen im täglichem Haushalt.

Das mit den Heimkindern habe ich auch so in Erinnerung. In Gülze hinter Bahlen in Richtung Vorderhagen gab es auch ein Kinderheim. Sie kamen in die Schule wie "Uniformierte" und jeder wußte sogleich, das Heim ist da. Es gab aber auch sehr viel Anteilnahme mit diesen Kindern. Wir sind z.B. zum Wochenende mit den Fahrrädern nach Gülze gefahren, um mit diesen Altersgenossen etwas gemeinsam zu unternehmen. Das nahegelegene Kiefernwäldchen war das gemeinsame Terrain. Kann mich auch erinnern, dass einige dieser Heimkinder später zurück gekehrt sind und sich auch im Umland familiär nieder gelassen haben.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 22.01.2013 18:01 | nach oben springen

#24

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 18:11
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,

ich hab's ja gemacht. Hier ein Auszug zur Wohnsituation in der DDR Ende der 1950-iger Jahre:

Unsere Wohnung bestand aus dem Flur, einem Wohnzimmer, der Küche, dem Schlafzimmer und einem Kinderzimmer. Insgesamt so 50 Quadratmeter. Hölzernes Trockenklo eine halbe Treppe tiefer, im Kloraum eine Zinkbadewanne. Dazu noch ein Keller mit Separees für die Braunkohlenbriketts und die Einlagerungskartoffeln. Und eine kleine Bodenkammer. Mitbenutzungsrechte für die Waschküche im Keller, den Oberboden und die Wiese im Hinterhof. Acht Quadratmeter eigengenutzter Garten. Das Wohnzimmer wurde auch „gute Stube“ genannt. Ein Bücherschrank, zwei Sessel, eine Couch, Couchtisch, Schreibtisch mit Stuhl, Essecke mit vier Polsterstühlen und einem furnierten Tisch, Kachelofen. Über der Couch hing ein Ölgemälde „Wald mit Weg“. Die „gute Stube“ wurde eigentlich nur am Wochenende sowie zu Feiertagen zur Einnahme der Mahlzeiten genutzt. Ausnahme war der Schreibtisch, an dem Vater zu abendlicher und oft auch nächtlicher Zeit viel las und schrieb. Das Alltagsleben spielte sich in der Küche ab. Gasherd, vier Holzstühle, ein einfacher Holztisch, Sofa, Küchenschrank, kleines Tischchen, darauf ein Radio mit „magischem Auge“ (eine runde Scheibe, auf der die Senderstärke mit fluoreszierendem Licht angezeigt wurde; dieses Leuchten faszinierte mich). Waschbecken mit Wasserhahn, aus dem nur kaltes Wasser lief (diente auch zur Morgen- und Abendtoilette). Das Kinderzimmer war klein, darin standen lediglich ein Bett und ein Schrank.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#25

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 18:47
von icke46 | 2.593 Beiträge

Da turtle vorhin in seinem Beitrag also Kindheitserinnerungen das Sammeln von Kartoffelkäfern erwähnte, möchte ich hier mal
zwei Zitate aus einem Landwirtschaftsforum bringen - da ging die Diskussion eben um Kartoffelkäfer, die scheinbar auch heute
noch zu einem Problem werden können.

Zitat 1:

Das Absammeln von Kartoffelkäfern war ja jahrzehntelang ganz normal - nur sind die nicht immer gleich zerkniffen worden, sondern wurden auch Eimerweise an die Hühner verfüttert.
Und weil der Kartoffelkäfer hier nicht heimisch ist, sondern genau wie die Kartoffel nur eingeschleppt wurde (heißt auch "Colorado-Käfer") gabs zu Zeiten des kalten Krieges auch die Geschichte, das die Amerikaner Kartoffelkäfer mit dem Flugzeug über der DDR abgeschmissen hätten. (man erkannte die amerikanischen Käfer aber nicht wirklich an den Kreppsohlen (die es damals auch nur im Westen gab), das war n Gerücht...)

Zitat 2:
Kartoffelkäfer als Mittel der Propaganda
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs vermehrten sich Kartoffelkäfer in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands sprunghaft, bis um 1950 fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche befallen war. Die DDR-Führung war nicht in der Lage, der Katastrophe Herr zu werden, nutzte die Plage aber zu propagandistischen Zwecken im Kalten Krieg, indem sie fälschlicherweise behauptete, dass eigens in den USA gezüchtete Käfer durch amerikanische Flugzeuge gezielt als biologische Waffe zur Sabotage der sozialistischen Landwirtschaft abgeworfen wurden. Ab 1950 wurde auf Plakaten und in zahlreichen Medienberichten eine Kampagne gegen die Amikäfer oder Colorado-Käfer gestartet, die Saboteure in amerikanischen Diensten genannt wurden. Das gleiche Argument hatte zuvor im Zweiten Weltkrieg schon das NS-Regime gebraucht und behauptet, die Kartoffelkäfer seien von amerikanischen Flugzeugen abgeworfen worden.

Die amerikanische Regierung forderte infolgedessen von der Bundesrepublik Deutschland Gegenmaßnahmen. Man beschloss als Gegenmaßnahmen den Postversand an sämtliche Räte der Gemeinden der DDR und den Ballonabwurf von Kartoffelkäferattrappen aus Pappe mit einem aufgedrucken „F“ für „Freiheit“.

Gruss

icke



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#26

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 19:26
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #13
Bei Gemeinsamkeiten muss ich an das Sammeln von Kaugummibilder, Bildern aus der Schokolade (Milka?) und Matschboxautos denken.
War das nur im Osten oder auch im Westen verbreitet?


Du meinst die Matchboxautos ? Ja wir Pänz waren ganz scharf darauf..und wer ein neues hatte kam sich vor wie ein König.Sobald ich 2,50 Mark
zusammen hatte gings in den Laden..die Augen wurden immer grösser.



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#27

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 22.01.2013 22:03
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Zermatt im Beitrag #26
Zitat von damals wars im Beitrag #13
Bei Gemeinsamkeiten muss ich an das Sammeln von Kaugummibilder, Bildern aus der Schokolade (Milka?) und Matschboxautos denken.
War das nur im Osten oder auch im Westen verbreitet?


Du meinst die Matchboxautos ? Ja wir Pänz waren ganz scharf darauf..und wer ein neues hatte kam sich vor wie ein König.Sobald ich 2,50 Mark
zusammen hatte gings in den Laden..die Augen wurden immer grösser.
Das waren für mich immer die Highlights,wenn die Westverwandschaft kam,oder eben die "Westpakete".
Habe die meisten heute noch,bis auf jene,welche Junior in seiner Kindheit demontierte.


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#28

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 08:28
von Gelöschtes Mitglied
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Die Beiträge in einem anderem Thread lassen wieder viele Kindheitserinnerungen wach werden und zeigen, dass unsere Kindheit trotz mancher Entbehrungen eine gute Schule für das spätere Leben war.

Ich bin Jahrgang 1949, meine beiden Brüder folgten 1950 und 1951 - also ein 3er-Set. Wenn etwas im Umfeld passierte, dann hieß es immer, die "Drei" waren auch dabei.
Nun aber ein paar kleine Episoden, die Dieser oder Jener von euch auch erlebt hat.
Ich kann mich noch sehr gut erinnern an die Ernteinsätze, bei denen die "Städter" auf die Dörfer fuhren, um den Bauern bei der Ernte zu helfen. Mähdrescher und Kartoffelvollerntemaschinen gab es damals noch nicht, sondern noch den guten alten Mähbinder, der entweder von Pferden oder einem "Pionier" gezogen wurde und der Kartoffelroder war hinter einem "Famulus".
Wenn die Getreideernte in der Teldau anstand, so fuhren wir mit den Eltern nachmittags mit raus, um die Getreidegarben aufzuhocken. Schon die Fahrt war ein Erlebnis. Es war der "Granit" des damaligen "Überfallkommandos" und manchmal wurde kurz vor dem Zielort auch mal für uns Kinder die Blaulichtorgel und das Martinshorn eingeschaltet.
Der absolute Höhepunkt war dann immer die Kaffeepause, wenn die Bäuerin mit dem großem Verpflegungskorb an das Feld kam. Frisches Brot mit selbstgemachter Leber- und Rotwurst, Räucherbauchscheiben und dazu frischer Muckefuck - Kaffee bzw. Milch. Da kam ich mir manchmal wie im Schlaraffenland vor.
Wer kennt nicht noch die berühmten Kartoffelferien im Oktober. Wir mußten uns rechtzeitig zum Kartoffelsammeln in der Schule anmelden, damit die LPG´s die entsprechenden Transportfahrzeuge bereitstellen konnten. In der Regel LKW´s mit Planen.
Mit diesen LKW´s ging es dann in Richtung Schwartow, Gresse, Lüttenmark und Greven. An den Sitzen der LPG´s wurden wir dann nach Bedarf für die jeweiligen Felder aufgeteilt und dann dorthin gefahren. Manchmal haben wir ganz schön gefröstelt, nicht nur auf den LKW´s.
Die Felder waren in Sammelabschnitte gleichmäßig aufgeteilt und wurden dann auch so zugeteilt. Der "Famulus" mit dem Roder vorneweg und wir sofort in die Spur zum aufsammeln der Kartoffeln. Die vollen Körbe wurden dann auf bereitgestellte Anhänger verkippt und man erhielt dafür einen Bon (sah aus wie eine Kinokarte). Mittags ging es dann rein zur LPG-Küche, wo wir dann so richtig beim Essen zuschlugen.
Abends erfolgte dann die Abrechnung der Tagesleistung. Entsprechend den vorgelegten Sammelbons erhielt man dann sein Entgelt, dass für damalige Verhältnisse manchmal nicht unerheblich war. Einen Teil gab man dann zu Hause bei Muttern ab und der Rest durfte dann behalten werden, um sich diesen oder jenen heimlichen Wunsch zu erfüllen. Mein Geld floss meistens in die Anschaffung von Büchern. Mein Bruder kaufte sich Kranich-Modellbaubögen und Modellbaukästen von Plasticart. Und der Jüngste ??? Weiß ich nicht mehr so genau.

Westkontakte hatten wir schon recht zeitig, denn die F 5 (heute B 5) war ja die damalige Transitstrecke zwischen Hamburg und Berlin und sie kreuzte in Boizenburg die Bahnstrecke Hamburg-Berlin. Es gab Zeiten, da standen am geschlossenem Bahnübergang dann Militärkonvois der US-Army bzw. der britischen Armee, die nach Berlin wollten, bzw. von Berlin kamen.
Unsere ersten Erfahrungen mit Farbige, die wir noch nie zuvor gesehen hatten. Diese GI´s waren immer recht kinderfreundlich und reichten uns dann Schokolade in runden Blechdosen, Kaugummis und andere Süßigkeiten aus ihren Fahrzeugen. Diese Kontakte waren nicht erwünscht, aber sie konnten auch nicht unterbunden werden. Trotz väterlichen Verbotes haben wir uns trotzdem dazu gesellt.

Man könnte noch mehr schreiben und schildern.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 23.01.2013 08:49 | nach oben springen

#29

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 08:34
von damals wars | 12.113 Beiträge

Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#30

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 09:58
von erkoe | 301 Beiträge

Die erste Zigarette...

2 Kameraden der CA lagen in einem Graben unweit unseres Wohnblocks. Ich würde heute sagen, es waren Regulierer. Kunze und ich, ca. 8 Jahre alt, legten uns 20 Meter weiter. Glotzten immer wieder rüber und schließlich winkten uns die Kameraden zu sich. Gebrochenes Deutsch: Sichern Kreuzung. Hab Stab dabei. Das war für uns interessant. Stab geschnappt und Kunze sperrte die Kreuzung. Ich blieb im Graben und der Kollesche bot mir ne Kippe an. Ich zog... 1 mal, 2 mal, wurde grün im Gesicht und fiel um. Ich bemerkte das Lachen im Graben und russisches Gelaber. Sie stellten mich wieder auf die Beine, nahmen Kunze den Stab weg und jagten uns von dannen...

Wir standen wieder vor unserem Block und ich fragte den Kunze, ob er riecht, dass ich geraucht habe. "Sischer Erik, wenns der Vater erfährt, gibts den Arsch voll." In diesem Moment ging die Haustür auf und der Alte stand dahinter. Er hatte alles gehört.

Ab in die Bude. Meine Mutter hatte Besuch und so kam ich für ne halbe Stunde um den "Arsch voll" rum. OK, die halbe Stunde war rum und es gab mächtig auf den Senkel. Ich hatte die Beichte abgelegt, den Kunze nicht belastet und der Alte zog mich am Ohr... Zu den Genossen Regulierern. Die kippten glatt aus den Latschen. Er redete im feinsten sächsich auf sie ein, Ohrfeigte einen von ihnen und ich stand nur daneben. Auch im Alter von 45 sehe ich diese Situation immer noch vor mir...

Kollesche 2 zog die Spagina durch und das hatte der Alte wohl begriffen. Ab nach Hause. Es gab mächtig den Wanst voll, Kunze und ich haben uns nie wieder im Graben blicken lassen. Kleiner Lichtblick: Kunze hatte den Arsch eher voll als ich...


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#31

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 10:39
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von erkoe im Beitrag #30
Die erste Zigarette...

2 Kameraden der CA lagen in einem Graben unweit unseres Wohnblocks. Ich würde heute sagen, es waren Regulierer. Kunze und ich, ca. 8 Jahre alt, legten uns 20 Meter weiter. Glotzten immer wieder rüber und schließlich winkten uns die Kameraden zu sich. Gebrochenes Deutsch: Sichern Kreuzung. Hab Stab dabei. Das war für uns interessant. Stab geschnappt und Kunze sperrte die Kreuzung. Ich blieb im Graben und der Kollesche bot mir ne Kippe an. Ich zog... 1 mal, 2 mal, wurde grün im Gesicht und fiel um. Ich bemerkte das Lachen im Graben und russisches Gelaber. Sie stellten mich wieder auf die Beine, nahmen Kunze den Stab weg und jagten uns von dannen...

Wir standen wieder vor unserem Block und ich fragte den Kunze, ob er riecht, dass ich geraucht habe. "Sischer Erik, wenns der Vater erfährt, gibts den Arsch voll." In diesem Moment ging die Haustür auf und der Alte stand dahinter. Er hatte alles gehört.

Ab in die Bude. Meine Mutter hatte Besuch und so kam ich für ne halbe Stunde um den "Arsch voll" rum. OK, die halbe Stunde war rum und es gab mächtig auf den Senkel. Ich hatte die Beichte abgelegt, den Kunze nicht belastet und der Alte zog mich am Ohr... Zu den Genossen Regulierern. Die kippten glatt aus den Latschen. Er redete im feinsten sächsich auf sie ein, Ohrfeigte einen von ihnen und ich stand nur daneben. Auch im Alter von 45 sehe ich diese Situation immer noch vor mir...

Kollesche 2 zog die Spagina durch und das hatte der Alte wohl begriffen. Ab nach Hause. Es gab mächtig den Wanst voll, Kunze und ich haben uns nie wieder im Graben blicken lassen. Kleiner Lichtblick: Kunze hatte den Arsch eher voll als ich...


womit bewiesen wäre, daß der Spruch "von der Sowjetunion lernen, heisst siegen lernen" nicht der Wahrheit entsprach


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#32

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 10:43
von Lutze | 8.029 Beiträge

wir als 12/13 jährige waren immer viel mit unseren Diamant/Mifa-rädern unterwegs,in unserer Stadt am Tollensesee
fand des öfteren auch das Schlagerstudio statt,wir nichts wie hin und wollten autogramme ergattern,hat auch oft
geklappt,eine Begegnung werde ich dabei nicht vergessen als Frank Schöbel dort an kam mit einem etwas
zerbeulten Wartburg Tourist,wir dachten uns der kann sich bestimmt sich was besseres leisten,die meisten Interpreten waren mit Lada,Golf und auch Volvo angereist,das fanden wir
schon erstaunlich,die Phudys hatten meistens noch einen Mercedes dabei,der Frank war sehr locker und
freundlich drauf was wir nicht von jeden sagen konnten,aber egal für uns war das immer spannend
gruss Lutze


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#33

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 11:20
von erkoe | 301 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #31
Zitat von erkoe im Beitrag #30
Die erste Zigarette...

2 Kameraden der CA lagen in einem Graben unweit unseres Wohnblocks. Ich würde heute sagen, es waren Regulierer. Kunze und ich, ca. 8 Jahre alt, legten uns 20 Meter weiter. Glotzten immer wieder rüber und schließlich winkten uns die Kameraden zu sich. Gebrochenes Deutsch: Sichern Kreuzung. Hab Stab dabei. Das war für uns interessant. Stab geschnappt und Kunze sperrte die Kreuzung. Ich blieb im Graben und der Kollesche bot mir ne Kippe an. Ich zog... 1 mal, 2 mal, wurde grün im Gesicht und fiel um. Ich bemerkte das Lachen im Graben und russisches Gelaber. Sie stellten mich wieder auf die Beine, nahmen Kunze den Stab weg und jagten uns von dannen...

Wir standen wieder vor unserem Block und ich fragte den Kunze, ob er riecht, dass ich geraucht habe. "Sischer Erik, wenns der Vater erfährt, gibts den Arsch voll." In diesem Moment ging die Haustür auf und der Alte stand dahinter. Er hatte alles gehört.

Ab in die Bude. Meine Mutter hatte Besuch und so kam ich für ne halbe Stunde um den "Arsch voll" rum. OK, die halbe Stunde war rum und es gab mächtig auf den Senkel. Ich hatte die Beichte abgelegt, den Kunze nicht belastet und der Alte zog mich am Ohr... Zu den Genossen Regulierern. Die kippten glatt aus den Latschen. Er redete im feinsten sächsich auf sie ein, Ohrfeigte einen von ihnen und ich stand nur daneben. Auch im Alter von 45 sehe ich diese Situation immer noch vor mir...

Kollesche 2 zog die Spagina durch und das hatte der Alte wohl begriffen. Ab nach Hause. Es gab mächtig den Wanst voll, Kunze und ich haben uns nie wieder im Graben blicken lassen. Kleiner Lichtblick: Kunze hatte den Arsch eher voll als ich...


womit bewiesen wäre, daß der Spruch "von der Sowjetunion lernen, heisst siegen lernen" nicht der Wahrheit entsprach



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Hi exgakl,

ich möchte es mal gepflegt formulieren: "Von der SU lernen heißt ...." so richtig den Arsch voll zu kriegen. Wir waren eine Garnisionsstadt (Zeitz) und hatten ca. 10.000 Russen am Start. Da passierte ständig was. Für uns Kinder war das natürlich richtg spannend.

Wir wohnten damals in der Forststr. (2x um die Ecke und du standest vor der Kaserne) und kauften im s.g. "Russenmagazin" ein. Mein Vater hat mich immer vor den Kolleschen gewarnt. Gehört habe ich trotz allem nicht.

Kind eben. Die Russen hatten ne Panzerwäsche. Dort waren wir öfter zu Gast. Und wir durften auch mal Platz nehmen. So hatte ich mein Erlebnis im richtigen T-54. Es stank wie die Pest nach Sprit, Umweltschutz spielte keine Rolle. Wir zogen 1974 um und ich verlor das Ganze aus den Augen.

Mit 15 und einem Mopped fiel mir der Platz wieder ein. Wir tauschten Sprit gegen Sprit. 2 Flaschen Grubenfusel vom Alten gegen 20 Liter Benzin. Bisschen Addinol dazu und die Karre lief. Meine allerdings nicht mehr, Kolben fest. Der Alte hat wieder getobt, ich bekam den Ranzen voll und 2 Tage später brachte er einen neuen Kolben, samt Ringe, angeschleppt.

Wismut eben. Ich möchte nicht wissen, was die noch so alles getauscht haben.


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#34

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 11:37
von Gelöschtes Mitglied
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Noch eine kleine Kindheitsepisode, da wir uns ja im Forum DDR Grenze befinden. Blaubeeren sammeln im Grenzgebiet, genauer gesagt im Schutzstreifen. Diejenigen, die im Abschnitt Schwanheide / Piperkaten ihren Dienst versehen haben, werden sich noch erinnern, wenn morgens die Blaubeersammler aus Boizenburg mit dem Zug in Schwanheide eintrafen und dann in Scharen in Richtung Waldstücke Piperkaten zogen.
Es war in den Sommerferien immer die Möglichkeit das Angenehme mit dem Nützlichem zu verbinden. Spiel und Spass im Wald und das Sammelergebnis bescherte einem noch eine Aufbesserung des Taschengeldes für das Ferienlager. Man bekam u.a. beim Tante Emma - Laden Franz Ebmeyer für einen 10 Liter - Eimer Blaubeeren immerhin 20,00 bis 25,00 Mark.
Bei jeder Fahrt nach Schwanheide die Ermahnung des Vaters, auf der "richtigen Seite" beim Sammeln zu verbleiben, was wir in der Regel auch taten. Aber die Versuchung war viel zu groß, auch einmal die andere Seite zu inspizieren , um sehen, ob die Blaubeeren dort nicht doch noch größer sind.
So haben wir dann eines Tages alle Ermahnungen in den Wind geschlagen in der Hoffnung, unsere Behältnisse mit größeren Blaubeeren recht schnell zu füllen, um somit mehr Zeit für Spass und Spiel zu haben.
Es wurde unsererseits alles ignoriert, was es zu ignorieren galt und es kam, was kommen mußte. Einer von uns löste den Signaldraht aus und es dauerte auch nicht lange, bis die Grenzer vor uns standen. Wir wurden "eingesackt" und nach Nostorf ins Bataillon verbracht. Per Funk wurde schon vorab mitgeteilt, wer die "Grenzverletzer" sind.
In Nostorf angekommen wurde es für uns unheimlich, der Bataillonskommandeur, ein Freund meines Vaters, trat uns mit sehr ernster Miene gegenüber und wir wurden immer kleiner und kleinlauter. Wir boten ihm im unserer kindlichen Naivität an, die gesammelten Blaubeeren gegen unsere Freilassung und Nichtinformation an den Vater. Die Blaubeeren wurden dankend angenommen und wir bekamen erst einmal etwas im Speiseraum zu essen. Die anwesenden Grenzer amüsierten sich über den Anblick den wir boten - einheitlich gekleidet in braune Trainigsanzüge (noch innen angerauht und mit Pumphosen) und blaubeerverschmierten Händen und Gesichtern. Die Zeit verging und nichts tat sich - es ging auf Abend zu und wir hätten schon zu Hause sein müssen.
Dann hielt irgendwann der Dienstwagen meines Vaters und sein Fahrer stieg aus. Nun wußten wir, was die Stunde geschlagen hat. Es verhieß nichts Gutes, was uns zu Hause erwartete. Aber es kam alles dann ganz anders. Meine Mutter konnte sich beim Anblick ihrer sonst so stolzen Drei nicht mehr mit dem Lachen zurückhalten. Auch mein Vater, der uns mit todernster Miene ansah, konnte dann auch nicht die Szenerie mit dem gebotenem Ernst beenden. Es blieb bei ermahnenden Worten und unserer Einsicht. Er hatte sich mit dem Batailloner in Nostorf abgesprochen, dass wir dort als "Strafe" für einige Stunden festgehalten werden.
Jahre später, als ich dann mit einigen Offizieren der GT in Schwanheide und Nostorf dienstlich zu tun hatte, kam man auch auf diese Episode zu sprechen und man amüsierte sich immer noch über dieses Grenzvergehen.

Vierkrug


exgakl und seaman haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#35

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 14:21
von turtle | 6.961 Beiträge

1. Zigarette? Ja wir Kinder durften mal an der Machorka ziehen,eingedreht in Prawda Papier.Da nahmen die Mücken schnell reißaus.Und wir nahmen uns vor nie zu rauchen.


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#36

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 14:34
von Udo | 1.258 Beiträge

Wir haben, als Horde, den ganzen Tag gebolzt, Cowboy und Indianer gespielt und und und.
Heute sind auf meinem kindlichen Spielplatz riesige Bäume gewachsen und ein Wald ist entstanden. Nicht, das dies so sein sollte, die Pflanzen haben sich dort selbst ausgesäht und haben nach und nach Klettergerüste, Fußballtore, Schaukeln und Wippen erobert.
Es sind einfach keine spielenden Kinder mehr da, die auch nur den Ansatz einer Pflanze durch ihr wildes Getobe zunichte gemacht hätten.
Gehe ich heute durch die Strassen meiner Kindheit finde ich nur ferngesteuerte und chillende Kinder vor. Richtiges Spielen habe ich das letzte Mal in einem kleinen Dorf gesehen, wo Kinder mit Bullerwagen und großem Hallo durch die Wiesen zogen.


furry, Schmiernippel und Hackel39 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#37

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 15:11
von erkoe | 301 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #35
1. Zigarette? Ja wir Kinder durften mal an der Machorka ziehen,eingedreht in Prawda Papier.Da nahmen die Mücken schnell reißaus.Und wir nahmen uns vor nie zu rauchen.


Hätte der Alte nicht an der Tür gelauscht, wäre mir die Tracht erspart geblieben. Zur 1. Zigarette: Pappfilter, 2 x drehen, 1 x ziehen... Hose voll. Der Tracht hätte es nicht mal bedurft, ich war eh pappesatt. Für 7 Jahre hat diese Erfahrung gereicht. Für mehr leider nicht. Bei der NVA hab ich dann richtig angefangen zu rauchen.... Und tue es auch heute noch.


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


zuletzt bearbeitet 23.01.2013 15:11 | nach oben springen

#38

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 23.01.2013 17:51
von furry | 3.562 Beiträge

Bevor ich von meiner Kindheit berichte, möchte ich zuvor etwas zu meinen Eltern schreiben.
Vater und Mutter stammten aus Schlesien. Meine Mutter ist mit ihrer Mutter nach der Flucht bei einer Tante in der Nähe von Nordhausen in Thüringen untergekommen. Sie lernte gleich anschließend in Erfurt den Beruf einer Krankenschwester. Mein Vater kam 1950 aus französischer Gefangenschaft, folgte seiner Jugendliebe nach Thüringen. Als gelernter Kesselschmied heuerte er bei der Bahn an und wurde auch bald Lokführer. Die Ausgangsbasis der beiden entsprach quasi Null, keine Bestände, außer dem was man unter beiden Armen tragen konnte, und keine Erbmasse. Gewohnt haben wir 4 (incl. Oma) bis 1960 in dem Dorf, in das es meine Oma und Mutter verschlagen hat. Die Wohnung bestand aus ganzen drei Zimmerchen, Plumpsklo über den Hof und Wasser musste per Eimer von einer Pumpe im Dorf geholt werden. Da Vater und Mutter in Schichten arbeiteten, musste mir Oma ab und an die Leviten verlesen. Zur Verbesserung der Wohnsituation haben meine Eltern eine AWG-Wohnung beantragt. Dafür musste mein Vater 800 Aufbaustunden leisten. Zusätzlich hat er aber auch möglichst viele Überstunden im Lokfahrdienst gemacht, denn in die neue Wohnung sollten ja auch neue Möbel. Soviel zur Ausgangslage.
Trotzallem hat mein besonders Vater immer Zeit gefunden, mit mir etwas zu unternehmen. Mit seinem zusammengestoppelten Fahrrad und Kindersitz auf der Querstange ist er mit mir durch die Gegend gefahren, wir waren bei Moto-Crossrennen, Geländefahrten und Reitturnieren. Er ist viel mit mir gewandert und hat mir dabei auch sehr viel erklärt. Ich denke da an eine Wanderung zu einem trigonometrischen Punkt, der damals noch mit einem hohen Holzturm überbaut war. Fast zeitgleich war in einer Beilage der "Frösi" (die ich heute noch habe) beschrieben, wie Landkarten hergestellt werden. Natürlich waren wir auch oft bei der Bahn und sind durch den Lokschuppen marschiert. Später hat er mich öfters mal auf der Lok mitgenommen. Da stand man als Zwerg auf diesem riesigen Dampfungetüm und Vater sprach nur noch von Tonnen, die er für zusätzliches Geld durch die Gegend kutschierte. Bei einem dieser Bahnbesuche wurde auch eine meiner Essgewohnheiten kuriert. Ich mochte keine Wirsingkohlsuppe. Aber wenn wir schon bei der Bahn waren, wurde gleich in der Kantine zu Mittag gegessen. Und was gab es? Wirsingkohlsuppe in Schüsseln und dazu eine Scheibe Brot. Da saß ich nun neben meinem Vater und anderen Lokführern, die genüßlich ihre Suppe schaufelten und sich Zahlen von irgendwelchen Zügen um die Ohren hauten. Ich habe die Suppe wie ein stolzer Spanier gegessen und sie schmeckte mir von Stund an.
Und bevor ich den Server lahm lege, ende ich an dieser Stelle.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#39

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 26.01.2013 13:39
von Gelöschtes Mitglied
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Bitte weiter schreiben, es ist herrlich hier zu lesen!
Ich stelle mir Euch Buben bildlich vor.

Nach Deutschland kam ich erstmalig zu Besuch 1956, da war ich acht Jahre alt. Habe heute noch die britische Staatsangehoerigkeit, aber auch die Deutsche habe ich seit 1961, u.a. In England war zu der Zeit noch alles rationiert, trotzdem waren die Menschen froehlicher als in Deutschland. Deutschland kam mir vor wie ein dunkles Land mit ebenso dunkel gekleideten Menschen, die nie lachten. Ich war viel zu jung um zu verstehen.

Ich erinnere mich genau an die Fahrt 1956 mit der Eisenbahn von Hoek van Holland nach Koeln, vor allem an den Rheinland, und Duisburg kann ich mich gut erinnern, wo mein Grossvater nach der Flucht von Westpreussen (deutscher Korridor in Polen) zunaechst eine neue Heimat gefunden hatte. Mein Vater war zum ersten Mal nach Inhaftierung wieder in Deutschland, nachdem er freiwillig 1941 wie viele andere Hitler gefolgt war.
Alles war so anders als in England. Dort gab es auch Bombenschaeden, aber nicht wie in Deutschland. Ich weiss noch wie heute, wie ich meine Nase gegen die Zugfenster drueckte und nicht glauben konnte, dass so viele Haeuser kaputt waren, unendliche Kilometer ging es so. Es war ein schreckliches Bild, das ich nie vergessen werde. Damals habe ich gefragt, warum denn nur Frauen zu sehen waren beim aufraeumen und warum keine Maenner mithalfen. Eisiges Schweigen. Auch nicht vergesse ich, wie die Deutschen Verwandten lebten, die Fluechtlinge genannt wurden. Das Wort Zone ist mir gut in Erinnerung. Ich wusste zunaechst nicht, was das bedeutete. Die vielen Fluechtlinge, auch ein Teil meiner deutschen Familie, lebten in heruntergekommenen Baracken am Weserdeich. Ich war damals froh, wieder nach England zurueckzukehren, obwohl wir auch dort in aermlichen Verhaltnissen lebten. An Reichtum gab es nur viele Kinder und die Enkel, die dazukamen. Erst 1960 kam ich wieder in die BRD, da sah es schon bedeutend besser aus, aber trotzdem gab es noch ueberall Ruinen und riesige Klinkerhaufen. Viele, wie meine deutsche Familie, suchten Verwandte.
In Deutschland, so kam es mir vor, gab es nur Soldaten und Schlagbaeume. Ich wohnte in British Niedersachsen, in einem Dorf noerdlich von Bremen, wo die Grenze von Bremen und Niedersachsen durch das Dorf ging. In BN waren die Briten stationiert, in einer grossen Kaserne auf der anderen Weserseite. US Truppen hatten aber Zuwegung und den Seaport Bremerhaven und waren unweit von unserem Dorf in der Lucius D. Clay Caserne. Das, obwohl BN den Briten ‚gehoerte“. Da gab es so manches zu sehen. Einmal schlugen sich Briten und Amis, weil einer aus der Gruppe die Briten als fu.... limeys beschimpft hatte. Das war ein brawl vom feinsten (eine Schlaegerei) Limeys und Jerrys schlugen so lange aufeinander ein, bis das Blut floss und fast alle am Boden lagen. Nur ein Brite konnte sich gerade noch aufrecht halten, der johlte und freute sich, dass durch ihn die Briten den Kampf gewonnen hatten. Die Freude verging als die MPs eintrafen und ihre Leute unter Schlaegen einsammelten. Da gab es Kloppe! Das habe ich so schlimm, spaeter nur bei den russichen Freunden gesehen! Nur die US und britischen Offiziere gingen respektvoll miteinander um.
Die grossen Lkw der Briten mit ihren BN Zone Kennzeichen kamen und halfen oft beim Strassenausbau und entschaeften auch viele Blindgaenger, die im Dorf und bei den alten Flakstellungen der Wehrmacht lagen. Zwei britischen Onkel waren in Bielefeld und in Goslar stationiert. Deutschland war ein Tummelplatz fuer die Besatzer. Sehr beliebt bei den Dorfbewohnern waren diese Soldaten alle nicht. Welches Maedchen mit einem der US boys ausging, wurde ganz schnell als Negerlillie abgestempelt. Es kamen auch dann auch einige huebsche braune Kinder zur Welt mit krausen Haaren, da hoerte ich zum ersten mal das Wort Mulatte. Und wenn man dache, die Farbigen wuerden diese Kinder gut behandeln hiess es von denen, das sind keine Farbigen, und die Weissen sagte, das sind keine Weissen.
Auch die Englaender hinterliessen einige Andenken. Und an ein Kinderheim kann ich mich erinnern, das im alten KZ untergebracht war. Dort waren viele Jungen und Maedchen, die man Kriegswaisen nannte und auch die sog. Besatzungskinder wurden oft dort abgegeben, weil die jungen Muetter sie nicht haben wollten. Wurden die Soldaten immer schnell vesetzt, Ansprueche fuehrten zu nix! In dem Heim waren auch Hydrocephaluskinder (Wasserkopf) aus dem ehemaligen KZ untergebracht. Ein furchtbares Elend, diese Kinder bruellten den ganzen Tag und die ganze Nacht erbaermlich, bis ins Dorf konnte man es hoeren. Wir Maechen suchten uns, selbst erst 12/13 Jahre alt, aus dem Heim Kinder aus, die wir nur durch den Zaun um das Heim besuchen konnten. Eine kleine namens Rosemarie, die stark schielte und kein Wort redete, etwa vier jahre alt war ‚mein Kind‘. Eines Tages kamen einige US Soldaten und hoben uns ueber den Zaun, einmal nur habe ich dieses kleine Maedchen richtig in den Arm nehmen koennen. Die Soldaten gaben uns Schokolade, die wir an die Heimkinder verteilten. Eines Tages waren diese Kinder ploetzlich weg. Ich denke heute noch an die Kleene, die sich jedesmal so freute, mich zu sehen und der ich bis auf ein wenig Freundlichkeit nichts geben konnte.
Ein grosses Erlebnis war Anfang der 60iger, wenn die 61st. Army Band sich am kargen Schuetzenumzug beteiligte. Die bunten schoenen Uniformen und die Blasmusik waren einfach unbeschreiblich schoen und brachten Farbe und Pomp ins Dorfleben. Zwei jahre spaeter wurde ich ausgeguckt von einem baumlangen Trompeter Sergeant. Leider er wurde versetzt und ich blieb zurueck, fast unberuehrt aber mit meiner ersten Flakon Chanel No. 5. Einige sagten er waere ein hoeflicher und guter Mann gewesen, andere wiederum, spaeter sagte er waere ein Idiot gewesen und kein Mann. Es war immer nett, mit Sgt. Cox zusammen zu sein. Bis mein Vater dahinter kam. Naja, Pruegel war auch ohne solche Vorkommnisse an der Tagesordnung. Heute weiss ich, dass viele Eltern mit diesen Pruegelorgien ihren Frust ausleben konnten, hinzu kam ihre eigene strenge Erziehung.
Im Fruehjahr 1961 bin ich erstmalig in die DDR gekommen. Wegen der fehlenden Deutschkenntnisse entging mir einiges. Damals habe ich nicht verstanden, warum es zwei Deutsche Staaten gab. Ich habe daher geglaubt, wenn von Nazis die Rede war, dass diese in der DDR waren. Also, die boesen in der DDR und die guten Deutschen waren in der BRD. Die Stadt Berlin war mir unheimlich, zu der Zeit hatte ich eine wahnsinnige Angst vor russischen Soldaten noch, weil so erzogen. Und trotzdem war ich ein Laika Fan und trauerte unendlich um das Huendchen im All.

Die deutschen Frauen in der Familie kochten sehr gut, aber sie waren sehr arm nach dem Krieg und es gab nicht so grosse Auswahl an Lebensmittel. Kaum einer hatte Geld, obwohl es keine Schwierigkeit war Arbeit zu bekommen. Ich kann mich an Nudelsuppe aus Paeckchen erinnern, und an die erste braune Maggiflasche, von der salzigen Wuerze konnte ich nie genug bekommen. Hinterher war ich durstig, dann gab es kleine Brausewuerfel, die in alten abgewetzten AluTassen in Wasser aufgeloest wurden, oder man spuckte auf die Handinnenflache und legte den Wuerfel drauf. Es kitzelte in der Hand, und wer es am laengsten aushielt, den suessen Schaum nicht aufzulecken, der hatte gewonnen. Das sehe ich noch wie heute. Ich liebte die gruenen Wuerfel!
Alles war so anders in Deutschland. Mir fehlte damals das englische Essen sehr, auch wenn dort keinesfalls es ueppig gewesen war. Ganz normale Sachen wie Stangensellerie, Tomaten, Gurken, und vor allem das Weetabix, das ich heute noch jeden Morgen esse mit Haferflocken, und die Baked Beans, und auch die verschiedenen Muscheln, die eigenhaendig von den Felsen am Meer eingesammelt wurden. Ich musste mich an Rotkohl und Sauerkraut gewoehnen, und den schrecklichen Geruch! Heute gehoert Sauerkraut zu meinen Lieblingsspeisen. Aber Blutwurst kann ich bis heute nicht essen. Ja, mein Blutwurstdeutschland war ein ganz anderes Land. Und auch der schwarze Tee fehlte, der mit dicker Suessmilch getrunken wurde, der fehlte mir besonders. Weder Deutschland noch Russland haben mich davon abbringen koennen, den Tee zu trinken wie meine Englaender. Aber, bis auf den englischen Humor und die Sprache, ist der Tee fast das einzige was uebrig blieb an englischen Gepflogenheiten. In Deutschland gab es statt Tee Ersatzkaffee, z.B. Lindes und Eitzer. Das Zeug schmeckte einfach nicht wie Kaffee heute! Es gab wohl Melitta aber den konnte sich keiner leisten. Erst viel viel spaeter gab es die anderen Lebensmittel in Deutschland. Und ich weiss noch, dass in der DDR der richtige Kaffee auch sehr teuer war. Es gab damals kaum Kunstfasern oder Dralon, sondern nur Baumwoll- oder Wollkleidung. Die Wolle kratzte immer auf der Haut, vor allem die Unterwaesche. Struempfe wurden grundsaetzlich gestopfen. Ich glaube nix wurde weggeschmissen. Gebrauchte Kleidung zu tragen, war voellig normal.
Auch die Schule war total anders. Die Ganztagsschule in England war sehr schoen, mit Mittagessen, Kakao und Milch, Schularbeiten und schwere Taschen gab es nicht. Und wir hatten immer Schuluniform an, darauf wurde streng geachtet. Weisse Bluse, grauer Flannelrock, rote Strickjacke und Schlips, weisse Struempfe und schwarze Schuhe! Maedchen durften nicht Hosen anziehen! In der Deutschen Schule gab es keine Uniformen und auch keine Schulflagge. Ueberhaupt schien es in Deutschland keine Flaggen zu geben. Der Unterricht wurde in sechs Stunden hineingepresst und dann gab es Schularbeiten auf fuer zuhause.
Ich war mehr staedtisch aufgewachsen in England, in Deutschland war ich auf dem Lande in einem kleinen Dorf. Das fand ich aber auch schoen, und kann mich an die Weizenfelder, an Mohn- und Kornbluemen erinnern und an die Hausfrauen, die fuer die Bauern auf Haenden und Knien Kartoffel aus der Erde holten. Ein Sack Kartoffeln, gabe es fuer mehrere Tage stundenlange Arbeit auf dem Feld, und war mehr als lebensnotwendig fuer die Winterversorgung. Heute ist alles bebaut dort und schick und modern.
Die Menschen waren alle schwer problembelastet damals, wie ich dann langsam lernte, waren das Kriegsfolgen. Ueber viele Dinge durfte nicht gesprochen werden. So auch, wer Nazi gewesen war in der Familie. Das wusste ich ja.
Auch wenn ich mich an ein ganz anderes Leben gewoehnen musste, ich fand das Leben mit meiner gleichaltrigen deutschen Cousine gut, auch wenn wir uns mit Haenden und Fuessen unterhielten mussten, und mir meine englische Heimat und vor allem meine englische Familie sehr fehlte. Ich weigerte mich Deutsch zu sprechen ueber Jahre, verstand alles, aber antwortete immer auf English. Da halfen auch keine Schlaege. Ich hatte bereits einen schrecklichen Trotzkopf entwickelt. Wat Wunder.
Wir hatten kein Telefon, kein Fernsehgeraet, nur ein kleines knisterndes Radio. Damit habe ich damals mir die Kubakrise angehoert auf BFBS Radio Bielefeld und AFN Bremerhaven und auch das Attentat auf Kennedy. Wir haben in Deutschland in kaputten Bunkern gespielt, auf Panzergelaende und dort auf Graebern mit kyrillischen und hebraeischen Buchstaben, die wir vesuchten zu lesen, wir wussten noch nichts von dem was dieser Krieg den Menschen fuer Leid verursacht hatte. Lehrer gab es, die mit Sicherheit der braunen Brut angehoerten.
Munition haben wir gesammelt, saeckeweise! Die Jungs haben diese aufgebrochen und das Schwarzpulver gesammelt. Einige Male kam es vor, dass Kinder bei dieser ‚Taetigkeit‘ umkamen oder schwer verletzt wurden.
Die Eltern meiner Cousine hatten auf der Flucht ihre andere Tochter als vierjaehrige in Polen verloren, die erst nach Jahren als zwoelfjaehrige gefunden wurde. Ingrid sprach kein Wort Deutsch mehr, nur polnisch und war fuer die Familie ein fremdes Kind geworden, das weinte und wieder nach Polen zurueck wollte. Fuer die Mutter, die ihr Kind liebte und so vermisst hatte, war es eine einzige Qual. Es war gewiss keine einfache Zeit. Von den Schwierigkeiten und der ganz offensichtlichen Front zwischen meiner englischen Mutter und den deutschen Verwandten will ich hier nicht eingehen.
Eines ist sicher. Ich denke wir waren schon als Kinder sehr belastet und deshalb viel reifer in jungen Jahren und wir haben eine gewisse Staerke erworben, erwerben mussen, die vielen jungen Menschen heute fehlt. Nichts war selbstverstaendlich. Vor allem wussten wir, was das Wort Hunger bedeutete, Hunger tat weh. Ein Stueck Schwarzbrot mit grober grauer Leberwurst war eine Koestlichkeit. Damals wurde jeder Knust vom Brot aufgegessen. Heute sehe ich beim Brotschneiden in den Geschaeften, dass die Leute immer die Knuste und sogar die letzten kleinen Scheiben liegen lassen, ganz zu schweigen von dem was an Lebensmittel vernichtet wird. Am Sonntag gab es damals ab und zu ein kleines Stueckchen Fleisch, meistens Pferdefleisch gab es vom Schlachthaus in Bremen. Das Wort Markenkleidung kannten wir nicht, und auch keine Psychologen und auch kein Neid untereinander. Es gab nix um das man den anderen beneiden konnte!
Und es gab auch keine Toilette im Haus, sondern ein Plumpsklohaus hinten im Garten. Wenn das aufgesucht werden musste nachts, verging einem der Drang. Vor allem die Spinnen, die im Schein der Taschenlampe an der Wand hingen..... vom Geruch ganz zu schweigen. Als Klopapier diente die Tageszeitung, die in Viertel an der Holzwand hing. Gebadet wurde einmal woechentlich in einer Zinkwanne auf der Diele, einer nach dem anderen, danach wurde die Waesche darin eingeweicht. Kleidung wurde weitergegeben und getragen, bis keine Farbe mehr definierbar war, die Schuhe immer wieder repariert.
Spielzeug hatte ich nicht in Deutschland. Nur drei Buecher hatte ich mitgeschmuggelt aus England, die mit mir die Welt bereist haben spaeter. Eins heisst: The Magic Gate. Das Verzauberte/Magische Tor. Ein ganz anderes Tor gab es dann spaeter in Berlin, und das sicher kein verzaubertes war. Mein kleiner Bruder hatte ein paar Matchbox Autos. Schlittschuhe haben wir selbstgebastelt aus Holz und Bindfaden und waren draussen den ganzen Tag auf den ueberfluteten Wiesen vorm Deich. Durstig, hungig und durchgefroren kamen wir nach Hause und mussten mit dem Vorlieb nehmen was uebrig war, und das war meist nicht viel. Heute die vollen Kuehlschranke......
Es war schon ein Elend fuer uns Kinder damals. Aber was man nicht kennt, vermisst man nicht unbedingt, im Grunde war fuer uns alles normal wie das Leben ablief. Und ich glaube auch gerade deshalb, dass viele von uns alteren ganz andere Dinge spaeter ueberstehen konnten und auch andere Ansichten ueber das Leben heute haben. Ich weiss Dinge zu schaetzen heute, die andere fuer so selbstverstandlich halten. Erinnerungen an eine harte und trotzdem auch teilweise unbekuemmerte Zeit als Kinder bleiben haften, auch wenn Schmetterlinge und Traeume in einer damals gerade wieder aufgebauten Welt vom Kalten Krieg vernichtet wurden.
Die DDR lernte ich dann spaeter kennen, eben in dieser KK Zeit. ich lebte dort einige Zeit in Berlin, sowohl im Westen an der Kommandantenstrasse, direkt an der Mauer, nahe Heinrich Heine Uebergang, und nahe dem Faulen See im Osten, dann auch in Dresden und Potsdam, unter anderem. Ja, auch wenn spaeter, ich hatte ein Leben in der DDR.
Und viele viele Jahre spaeter habe ich dann diesen damaligen kleinen Jungen als gestandenen Mann kennengelernt, der auch wie ich ausgezogen war, allerdings in gegengesetzter Richtung - und der, wie viele Kinder unserer Zeit, er im Osten, ich im Westen, mit seiner kaputten und kargen Welt in der DDR nach dem Krieg aufwachsen musste.
So kam die Welt irgendwie wieder zusammen, und ist trotzdem noch weit davon entfernt, eins zu sein.
korr.kl./la

Angefügte Bilder:
turtle, seaman, damals wars, furry, Damals87 und Peter42 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.01.2013 15:23 | nach oben springen

#40

RE: Meine Kindheit .ein wenig davon möchte ich einmal schreiben!

in Leben in der DDR 26.01.2013 13:58
von damals wars | 12.113 Beiträge

Nachts auf Toilette?
Dank Nachttopf kein Problem. Aber der hatte gar keine Deckel.
Muss damals ganz schön gestunken haben in den Schlafzimmern.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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