#1

Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 13.01.2011 05:46
von Angelo | 12.391 Beiträge

Bernd Richter erzählte Werderaner Jugendlichen von seinen Erinnerungen an die DDR – es sind nicht die besten

WERDER - Mit den Worten „Für Frieden und Sozialismus – Seid bereit!“ begrüßte Cordula Preuß die Schüler. Doch statt eines aus vollen Kehlen geschmetterten „Immer bereit!“ gab es nur ratlose Blicke. „So mussten wir das früher am Beginn jeder Stunde machen“, erinnert sich die Sonderpädagogin.

Die Schüler der Klasse 9/19 der Förderschule Am Plessower See in Werder kennen die DDR nur aus Erzählungen und Schulbüchern. Weil das Cordula Preuß nicht genügt, hat sie Bernd Richter als „lebendiges Geschichtsbuch“ in den Unterricht eingeladen.

Der 55-Jährige ist seit vielen Jahren im Auftrag der Potsdamer Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert an Schulen unterwegs. Mit Förderschülern hatte er bisher wenig zu tun. „Das ist schon eine Herausforderung für mich“, sagte Richter. Er wolle versuchen, den Schülern komprimiert Informationen zu vermitteln. Wichtig sei ihm, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen und sie zum Nachdenken anzuregen. „Wenn hinterher viele Fragen kommen, habe ich meine Sache gut gemacht“, erklärt er seine Philosophie.

Vor den Fragen stand die Geschichte und die beginnt Anfang der 60er Jahre, als Bernd Richter beschloss eine Sportschule zu besuchen und sich auf eine Karriere als Zehnkämpfer zu konzentrieren. Weil er nicht groß genug war, überredete ihn sein Trainer, Hammerwerfer zu werden. Richter folgte der Empfehlung. Der Profisport wurde immer mehr zu seinem Lebensinhalt. Er machte sich Hoffnungen auf die Nationalmannschaft. „Ich wollte die Welt sehen, ins Ausland reisen“, erinnert er sich, „als Sportler hatte man dazu als einer der wenigen DDR-Bürger die Möglichkeit dazu.“

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http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/b...innerungen.html


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#2

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 13.01.2011 07:16
von werner | 1.591 Beiträge

Wie kommt es, dass kein einziger Stahlarbeiter (nur mal als Beispiel), der, wie Richter, keinen Job hat, genauso wie Richter auf Staatskosten durch die Schulen geschickt wird und über die DDR erzählen soll?

Weil man da keine so dramatische Geschichte draus machen kann? Und weil der sein Rheuma nicht auf Vitamine oder was auch immer schieben kann?

An den Pioniergruß kann ich mich auch noch erinnern, irgendwann hat das aufgehört, vielleicht so in der 5. oder 6.Klasse, schlief einfach ein. Wir haben das auch nicht weiter beachtet - gehörte halt dazu und die Ratlosigkeit gab´s nur in der 1. Stunde nach der Aufnahme in die Jungpioniere. An der EOS wurde schlicht mit Guten Morgen, Frau ..... gegrüßt.

Auf jeden Fall
waren aber die Lehrer rechtzeitig vor Unterrichtsbeginn in der Klasse und kamen nicht erst zwei Minuten nach dem Klingeln angetrabt, waren ordentlich vorbereitet,
die Regeln zur Vergabe von Noten waren strikt vorgegeben.
Bewerber mit Sprachfehlern wurden von nicht zugelassen,
die stimmliche Belastbarkeit war ebenso eine Voraussetzung für den Lehrerberuf.
Die Lehrer mussten sich erklären, wenn in Ihrem Fach, ihrer Klasse übermäßig schlechte Noten geschrieben wurden. Jeder "Sitzenbleiber" wurde in der Lehrerschaft besprochen.
Der Abschluss nach der 10.Klasse war die Regel, 8. Klasse die Ausnahme.

Wie kam es, dass die Facharbeiter im Westen so gefragt waren, vor und nach dem Anschluss? Weil sie den Pioniergruß beherrschten?

Ich denke, das sind Kriterien, über die man reden kann, aber doch nicht über den Beginn eines Tages, der ungefähr 5Sekunden Zeit in Anspruch genommen hat.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#3

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 03:14
von Batrachos | 1.549 Beiträge

Hallo,

so begann bei uns auch immer der Unterricht mit dem Gruß
" Für Frieden und Sozialismus-Seit Bereit- " Immer Bereit".
Später dann mit Aufnahme in die FDJ begann der Unterricht dann so:
"Wir beginnen den Unterricht mit dem Gruß der Freien Deutschen Jugend-Freundschaft und alle antworteten dann-Freundschaft.

MFG Batrachos


Drosseln sind Vögel. Sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei!!
Motorradfahren ist das schönste, was man angezogen machen kann.
45° ist das zu schräg-bist du zu schwach
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#4

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 03:52
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Es entspricht der Richtigkeit, dass in DDR-Schulen der Begrüßungsritus "Für Frieden und Sozialismus seid bereit! – Immer bereit!" praktiziert wurde. Ich habe das schließlich selbst erlebt.

Allerdings befremdet es mich immens, wenn ein 55-jähriger (ich bin auch so alt) in trauter Einigkeit mit einer sogenannten Sonderpädagogin (früher nannte man das ganz profan Hilfsschullehrerin) irgendwelchen um Lichtjahre vom sogenannten real existierenden Sozialismus entfernt existierenden Schülern, die obendrein von einem geistigen Auffassungsdefizit betroffen sind, irgendwas von der Bösartigkeit des Sozialismus erzählen.

Wer will hier wem was eigentlich erzählen?


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#5

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 09:21
von Udo | 1.258 Beiträge

Ich bin zwischen 73 und 83 in wittenberge an der pos 6 "egon schulz" zur schule gegangen. Diese begrüssungsformel kenne ich nur von fahnenapellen, welche vielleicht 3 bis 4 mal im schuljahr stattfanden. Ansonsten hiess es: guten morgen.


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#6

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 09:28
von katerjohn | 559 Beiträge

Bin im Zeitraum von 1958 bis 1968 in die POS gegangen ,solche Begrüßungen weder als Pionier noch als FDJ ler sind mir fremd ,wurde in meiner Schule nicht praktiziert. Kann mich aber an Schulapelle erinnern wo die genannten Begrüßungen durchgeführt wurden ,war z.B. am Beginn oder Ende eines Schuljahres .
Genau siehe auch den Vorbeitrag !


Nimm dir Zeit für deine Freunde,sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde !
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zuletzt bearbeitet 31.08.2014 09:51 | nach oben springen

#7

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 09:46
von Vogtländer (gelöscht)
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Vor der Schule Guten Morgen!Von Klasse 1-4 das oben erwähnte nd selbst das nicht immer,ab Klasse 5 dann war Ruhe!Auch nix mit "Freundschaft"!


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#8

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:02
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Ich erinnere mich nur daran---zum Unterrichtsbeginn musste einer der Schüler der Lehrerin immer Meldung machen. Da kamen die Worte--seid bereit-immer bereit, auch vor. Naja Fahnenappell, das war grausam--da bekam ich 2 Tadels ausgesprochen.


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#9

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:07
von Udo | 1.258 Beiträge

Tadel? Musste man doch in seiner zehnjährigen laufbahn mindestens einmal kassiert haben, um ein "guter" junge zu sein.


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#10

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:13
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von Udo im Beitrag #9
Tadel? Musste man doch in seiner zehnjährigen laufbahn mindestens einmal kassiert haben, um ein "guter" junge zu sein.


Ja und in Betragen und Ordnung konnte es die Note 3 sein, zu Not ging auch mal ne 4. Dann war man als Junge--OK


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#11

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:16
von Harsberg | 3.244 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #8
Ich erinnere mich nur daran---zum Unterrichtsbeginn musste einer der Schüler der Lehrerin immer Meldung machen. Da kamen die Worte--seid bereit-immer bereit, auch vor. Naja Fahnenappell, das war grausam--da bekam ich 2 Tadels ausgesprochen.



Musstet du da auch vor die Front treten?


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
zuletzt bearbeitet 31.08.2014 10:17 | nach oben springen

#12

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:18
von Udo | 1.258 Beiträge

Für eine Betragen:4 hätte mein alter herr mir in der 8. Klasse noch fast den A.... versohlt.


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#13

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:19
von furry | 3.562 Beiträge

In der zeit von 1958 bis 1966 kann ich mich nicht erinnern, dass mit dem Pioniergruß zu Beginn der Schulstunde gegrüßt wurde.
In der Regel gab es den Tagesgruß, wobei es selten vorkam, dass der eine oder andere Lehrer zur Begrüßung "Freundschaft" mit uns schließen wollte. Aber das war kein Dogma. Es kam eher vor, dass wir ein Liedchen singen sollten, dass dann meistens "Auf du froher Wandersmann" war.


Korrektur: 1966 muss in 1970 geändert werden.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
zuletzt bearbeitet 31.08.2014 16:22 | nach oben springen

#14

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:21
von furry | 3.562 Beiträge

Zitat von Udo im Beitrag #12
Für eine Betragen:4 hätte mein alter herr mir in der 8. Klasse noch fast den A.... versohlt.


Auf meinem ersten Zeugnis in der ersten Klasse hatte ich in Betragen eine 3. War das ein Tanz zu Hause. Die 1 in Lesen war da völlig nebensächlich.
War nicht immer einfach, den Eltern alles gerecht zu machen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#15

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:25
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Nachtrag: Meine Schulzeit in der POS ging von 1965 bis 1975 und wie schon erwähnt, kenne ich die Grußformel "Für Frieden & Sozialismus seid bereit - Immer bereit!"
Allerding wurde sie in den Pionierjahren nicht durchgängig praktiziert, es lag wohl an einer zeitweiligen Anordnung von "oben" bzw. an der Auslegung durch die Lehrer.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#16

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:30
von Udo | 1.258 Beiträge

?...... und dann immer diese blödsinnigen eintragungen auf den letzten seiten ins hausaufgabenheft.
" udo kippelt mit seinem stuhl auf dem neuen fussbodenbelag" waren noch die harmlosesten, über die selbst meine mutter beim unterschreiben schmunzeln musste.
Naja, irgendwann konnte ich die unterschriften meiner eltern ganz gut fälschen und der stress wurde weniger.


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#17

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:32
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #14
[quote=Udo|p383143]Für eine Betragen:4 hätte mein alter herr mir in der 8. Klasse noch fast den A.... versohlt.


Auf meinem ersten Zeugnis in der ersten Klasse hatte ich in Betragen eine 3. War das ein Tanz zu Hause. Die 1 in Lesen war da völlig nebensächlich.
War nicht immer einfach, den Eltern alles gerecht zu machen. [/quote

Da stimme ich Dir zu. Aber schaut es heute anders aus? Aber spannend wurde es zu Hause, wenn man mit einen Eintrag im Hausaufgabenheft oder Merkheft an kam und wollte von den Eltern eine Unterschrift. Da hat mir sogar mein Vater versprochen, wenn sich das nicht ändert--fährt er mit mir Schlitten und das im Hochsommer.


Udo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:33
von Vogtländer (gelöscht)
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Bei den Eintragungen fragte ich mich,ob die Lehrer sich nicht manchmal selber etwas "komisch" vorkamen.


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#19

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:35
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von Vogtländer im Beitrag #18
Bei den Eintragungen fragte ich mich,ob die Lehrer sich nicht manchmal selber etwas "komisch" vorkamen.


Ja man kann auch sagen heute--wir haben es überlebt und schmunzeln drüber.


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#20

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:46
von Krepp | 532 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #17


Da stimme ich Dir zu. Aber schaut es heute anders aus? Aber spannend wurde es zu Hause, wenn man mit einen Eintrag im Hausaufgabenheft oder Merkheft an kam und wollte von den Eltern eine Unterschrift.


Hallo,
hieß das damals nicht Muttiheft



Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin
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