#101

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 02.09.2014 10:45
von damals wars | 12.182 Beiträge

Meine Mutter wurde vom Kantor unterrichtet, auch der war nicht so schnell zu ersetzen:
In Mitteldeutschland und zu früheren Zeiten war das Amt des Kantors oft mit dem Amt des örtlichen Lehrers verbunden, so dass der Begriff „Kantor“ (auch „Kanter“ ausgesprochen) mit dem Begriff des Lehrers identisch war (z. B. in der Magdeburger Börde).

http://de.wikipedia.org/wiki/Kantor


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
zuletzt bearbeitet 02.09.2014 10:46 | nach oben springen

#102

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 02.09.2014 18:44
von der glatte | 1.356 Beiträge

Also, als ich 1967 in die Schule kam, gab es noch das Fach "Christenlehre". Später, so ab der Dritten Klasse war diese Stunde dann nicht mehr im Schulgebäude, sondern im Gemeinderaum der ev. Kirche.

Das Halstuch und die Pionierkleidung wurde bei uns nur zu besonderen Tagen gefordert. Meist zum Beginn und Ende eines Schuljahres. Am Pioniergeburtstag (13. Dezember), glaube ich. Oder aber auch an den Pionier-Nachmittagen. Da kam es darauf an was so geplant war, meist reichte das Halstuch aus.

Es gab bei uns in der Unterstufe noch eine besondere Strafe. Man konnte das Pionierhalstuch auf Zeit entzogen bekommen. Das wurde dann auf einem extra Fahnenappell vor allen angetretenen Schülern vollzogen. Erst wurde allen mitgeteilt was man gemacht hatte und dann nahm auf Anweisung des Direktors die Klassenlehrerin dem Schüler das Halstuch ab. Das konnten schon einmal vier Wochen sein.
Ich kann mich noch an einen Schüler der Zweiten Klasse erinnern, welcher wegen Schulschwänzerei das Halstuch abgeben musste. Der hatte damals geheult wie ein Schlosshund. Ob es aber etwas gebracht hatte? Keine Ahnung!

Meist gab es aber schönere Dinge zu erleben. Wir gingen zum Beispiel alle ins Kino und schauten uns Märchenfilme an oder ein Besuch bei der Patenbrigade war meist auch interessant.

Gruß vom Glatten


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#103

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 02.09.2014 19:15
von 94 | 10.792 Beiträge

Hast Du noch mit 'Für Frieden und Völkerfreundschaft! - Seid bereit ./. Immer bereit!' gegrüßt oder war bei Dir schon der Sozialismus en vouge?

Und achso, also ich meine mich so erinnern zu können, trug die Klasse Halstuch wegen Pioniernachmittag (meist Mittwochs?) oder Halbjahresendappell oder sonstigen besonderm Anlaß, na dann wurde auch mit Seidbreit-Immerbreit gegrüßt. Mit der Jugenweihe oder besser gesagt mit der Aufnahme in die FDJ kam dann das Sie und Freundschaft! - Freundschaft! - Setzen! welches schleichend über die Zeit der Oberstufe in ein Freundschaftsetzen! mit grumurmelgrum als Antwort. Auf der Penne, die sich auch irgendwie in der Tradition eines humanistischen Gymnasiums sah, grüßten alle Lehrer außer dem Sportlehrer normal, der Sportlehrer, welcher auch Geographie gab immer mit SPORT-FREI!.
Zum Thema Pünklichkeit, die meisten Stunden an der Penne fanden in den sogenannten Fachkabinetten statt, da war hinter der Tafelwand ein extra Raum für die Lehrer. Mit Klingeln verließen sie diesen und die Stund begann.
Da nun aber auch, wenn der Unterricht nicht in 'ihrem' Fachkabinett, sondern woanders in der Schule stattfand, einige Lehrer auch erst mit Klingeln losliefen und dann unterwegs noch andere Kollegen mit gleicher 'Unart' getroffen haben, inklusive eines kleinen Schwatzes, begann bei uns regelmäßig die Mathestunde donnerstags nach der großen Hofpause exakt 7½ Minuten nach dem Ertönen der Schulklingel.
Na bis auf einmal, warum auch immer, die Mathelehrerin war pünktlich! Das wir als Dreierclique etwas was später kamen (also so wie immer) war nicht so das Problem, aber unser erstaunter Gesichtsausdruck und die Bemerkung 'Wie, schon da?' brachte die Gute dann doch etwas in Rage. Sie erkundigte sich inqisitorisch nach dem Grund unserer späten Ankunft und ich schob ein Gespräch beim FDJnick wegen Planungen von Ordnungsgruppeeinsätzen zum Schulball und solcher Dinge vor. Damit betrachteten wir die Sache als erledigt ...hmm, dem war nun aber nicht so. Also der FDJnick hätte uns schon das Alibi gegeben, wenn er nur drum gewußt hätte. Kam nicht dazu ... die Mathelehrerin nun nach der Stund nun schnurstarcks zu FDJnick.
Aber nicht direkt gefragt, sondern mehr so hintenrum ...
Nun, dass hatte ja schon einen Grund, das sie auch Logik unterrichtete *nachträglich_noch_verlegen_grins*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 02.09.2014 19:17 | nach oben springen

#104

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 02.09.2014 19:19
von Gert | 12.355 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #102
Also, als ich 1967 in die Schule kam, gab es noch das Fach "Christenlehre". Später, so ab der Dritten Klasse war diese Stunde dann nicht mehr im Schulgebäude, sondern im Gemeinderaum der ev. Kirche.

Das Halstuch und die Pionierkleidung wurde bei uns nur zu besonderen Tagen gefordert. Meist zum Beginn und Ende eines Schuljahres. Am Pioniergeburtstag (13. Dezember), glaube ich. Oder aber auch an den Pionier-Nachmittagen. Da kam es darauf an was so geplant war, meist reichte das Halstuch aus.

Es gab bei uns in der Unterstufe noch eine besondere Strafe. Man konnte das Pionierhalstuch auf Zeit entzogen bekommen. Das wurde dann auf einem extra Fahnenappell vor allen angetretenen Schülern vollzogen. Erst wurde allen mitgeteilt was man gemacht hatte und dann nahm auf Anweisung des Direktors die Klassenlehrerin dem Schüler das Halstuch ab. Das konnten schon einmal vier Wochen sein.
Ich kann mich noch an einen Schüler der Zweiten Klasse erinnern, welcher wegen Schulschwänzerei das Halstuch abgeben musste. Der hatte damals geheult wie ein Schlosshund. Ob es aber etwas gebracht hatte? Keine Ahnung!

Meist gab es aber schönere Dinge zu erleben. Wir gingen zum Beispiel alle ins Kino und schauten uns Märchenfilme an oder ein Besuch bei der Patenbrigade war meist auch interessant.

Gruß vom Glatten

wozu musstest du da ins Kino gehen ? Die Realität draußen vorm Kino war doch märchenhaft ( wenn man der SED geglaubt hätte )


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
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#105

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 02.09.2014 19:50
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #104
Zitat von der glatte im Beitrag #102
Also, als ich 1967 in die Schule kam, gab es noch das Fach "Christenlehre". Später, so ab der Dritten Klasse war diese Stunde dann nicht mehr im Schulgebäude, sondern im Gemeinderaum der ev. Kirche.

Das Halstuch und die Pionierkleidung wurde bei uns nur zu besonderen Tagen gefordert. Meist zum Beginn und Ende eines Schuljahres. Am Pioniergeburtstag (13. Dezember), glaube ich. Oder aber auch an den Pionier-Nachmittagen. Da kam es darauf an was so geplant war, meist reichte das Halstuch aus.

Es gab bei uns in der Unterstufe noch eine besondere Strafe. Man konnte das Pionierhalstuch auf Zeit entzogen bekommen. Das wurde dann auf einem extra Fahnenappell vor allen angetretenen Schülern vollzogen. Erst wurde allen mitgeteilt was man gemacht hatte und dann nahm auf Anweisung des Direktors die Klassenlehrerin dem Schüler das Halstuch ab. Das konnten schon einmal vier Wochen sein.
Ich kann mich noch an einen Schüler der Zweiten Klasse erinnern, welcher wegen Schulschwänzerei das Halstuch abgeben musste. Der hatte damals geheult wie ein Schlosshund. Ob es aber etwas gebracht hatte? Keine Ahnung!

Meist gab es aber schönere Dinge zu erleben. Wir gingen zum Beispiel alle ins Kino und schauten uns Märchenfilme an oder ein Besuch bei der Patenbrigade war meist auch interessant.

Gruß vom Glatten

wozu musstest du da ins Kino gehen ? Die Realität draußen vorm Kino war doch märchenhaft ( wenn man der SED geglaubt hätte )


Uns haben damals die Märchen interessiert, wo meist das Gute siegte. Die Märchenerzähler haben uns damals weniger beeindruckt.

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


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#106

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 02.09.2014 19:56
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #103
Hast Du noch mit 'Für Frieden und Völkerfreundschaft! - Seid bereit ./. Immer bereit!' gegrüßt oder war bei Dir schon der Sozialismus en vouge?

Und achso, also ich meine mich so erinnern zu können, trug die Klasse Halstuch wegen Pioniernachmittag (meist Mittwochs?) oder Halbjahresendappell oder sonstigen besonderm Anlaß, na dann wurde auch mit Seidbreit-Immerbreit gegrüßt. Mit der Jugenweihe oder besser gesagt mit der Aufnahme in die FDJ kam dann das Sie und Freundschaft! - Freundschaft! - Setzen! welches schleichend über die Zeit der Oberstufe in ein Freundschaftsetzen! mit grumurmelgrum als Antwort. Auf der Penne, die sich auch irgendwie in der Tradition eines humanistischen Gymnasiums sah, grüßten alle Lehrer außer dem Sportlehrer normal, der Sportlehrer, welcher auch Geographie gab immer mit SPORT-FREI!.
Zum Thema Pünklichkeit, die meisten Stunden an der Penne fanden in den sogenannten Fachkabinetten statt, da war hinter der Tafelwand ein extra Raum für die Lehrer. Mit Klingeln verließen sie diesen und die Stund begann.
Da nun aber auch, wenn der Unterricht nicht in 'ihrem' Fachkabinett, sondern woanders in der Schule stattfand, einige Lehrer auch erst mit Klingeln losliefen und dann unterwegs noch andere Kollegen mit gleicher 'Unart' getroffen haben, inklusive eines kleinen Schwatzes, begann bei uns regelmäßig die Mathestunde donnerstags nach der großen Hofpause exakt 7½ Minuten nach dem Ertönen der Schulklingel.
Na bis auf einmal, warum auch immer, die Mathelehrerin war pünktlich! Das wir als Dreierclique etwas was später kamen (also so wie immer) war nicht so das Problem, aber unser erstaunter Gesichtsausdruck und die Bemerkung 'Wie, schon da?' brachte die Gute dann doch etwas in Rage. Sie erkundigte sich inqisitorisch nach dem Grund unserer späten Ankunft und ich schob ein Gespräch beim FDJnick wegen Planungen von Ordnungsgruppeeinsätzen zum Schulball und solcher Dinge vor. Damit betrachteten wir die Sache als erledigt ...hmm, dem war nun aber nicht so. Also der FDJnick hätte uns schon das Alibi gegeben, wenn er nur drum gewußt hätte. Kam nicht dazu ... die Mathelehrerin nun nach der Stund nun schnurstarcks zu FDJnick.
Aber nicht direkt gefragt, sondern mehr so hintenrum ...
Nun, dass hatte ja schon einen Grund, das sie auch Logik unterrichtete *nachträglich_noch_verlegen_grins*



Nee, damals hat man einfach mit "Seid bereit" gegrüßt. Pio-Nachmittag war meist Mittwoch, auch bei uns. Der Gruß "Sport -Frei" wurde auch bei uns immer in der Sportstunde gebraucht. Und das auch bis zum Schluss, ein "Freundschaft" gab es beim Sport nicht.

Gruß vom Glatten


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