#21

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 10:54
von Moskwitschka (gelöscht)
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Es wird hier, wie bei vielen anderen Themen die weit in die Kindheit reichen, unterschiedliche Erinnerungen geben. Zum einen ist es von der Zeit und dem Ort der Schulzeit abhängig, zum anderen welche Erinnerungen man an seine Pionier - und FDJ - Zeit hat.

In der ersten Klasse wurde ich Jungpionier. Das war 1964. Und damit begannen auch die Rituale, die eng mit dem Unterricht verbunden waren. So gab es bei uns den Meldedienst, den Tafeldienst und den Blumendienst, der wöchentlich wechselte. Der Melddienst gab nicht nur dem Lehrer die Bereitschaft zum Unterricht bekannt sondern hatte auch das Privileg das morgendliche Lied zu bestimmen.

Später hatte eben dieser Meldedienst - das war ab 5. Klasse, wo man wegen des hinzukommenden Fachunterrichtes auch den Raum wechselte, die "ehrenvolle" Aufgabe des Transportes des Klassenbuches hinzu. Schon deshalb war dieser Dienst attraktiv, weil man in den Pausen auch mal im Klassenbuch blättern konnte. Je nach "Charakterstärke" des Meldedienstes, wurde dann auch den anderen ein Blick ins Klassenbuch gewährt.

Wie konsequent das durchgezogen wurde - mit dem Gruß, weiß ich nicht mehr. Nur, dass wir alle gemeinschaftlich in der 8.Klasse froh waren, dass wir das "Immer bereit" los wurden. Mit "Freundschaft" kamen dann die ersten rebellischen Gedanken. Denn nicht jeder Lehrer war einem freundschaftlich gesinnt.

In der EOS (ab 1972) hob sich das teilweise auf. Im Englischunterricht wurde sich mit "Good morning", im Russischunterricht mit "Dobroje utro" begrüßt. Meinem damaligen Klassen - und Mathematiklehere ist nie das "Freundschaft" über die Lippen gekommen, sondern ein manchmal freundliches, manchmal ironische "Guten Morgen meine Damen und Herren". Dafür hat unser Stabülehrer und Parteisekretär der Schule mir mit seinem "Freundschaft" die Ernsthaftigkeit dieser Begrüßungsformel ausgetrieben. In der 11. Klasse bekamen wir eine junge Absolventin als Stabülehrerin - das genaue Gegenteil. Ihr "Freundschaft" und auch ihr Unterricht waren offener.

Ob nun mit "Immer bereit" oder "Freundschaft" oder einem "Guten morgen" - eins war damit immer verbunden: Wenn der Lehrer das Klassenzimmer betrat, standen alle auf. Da werden wahrscheinlich auch wieder die Ansichten auseinander gehen, aber es war für mich im Rückblick ein Zeichen der Höflichkeit und des Respektes, wenn der Lehrer den Raum zum Unterricht betrat.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 10:57 | nach oben springen

#22

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:00
von Vogtländer (gelöscht)
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@Krepp
Unterm Strich wars immer das gleiche.Bei mir stand Hausaufgabenheft drauf.


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#23

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:05
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Das tägliche Lippenbekenntnis der Kinder erfolgte formell -automatisch, ohne in dem Moment darüber nachzudenken.
So funktionierte Beeinflussung nicht.

Das war genauso formelhaft wie zuvor "Heiltler" oder heute "Schland".................


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 31.08.2014 11:06 | nach oben springen

#24

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:06
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #22
@Krepp
Unterm Strich wars immer das gleiche.Bei mir stand Hausaufgabenheft drauf.


Es gab in meiner Schulzeit 2 Hefte - das Hausaufgabenheft und das Mitteilungsheft, Merkheft, dass in der Grundschulszeit später auch mal Muttiheft genannt wurde.

Hat sich übrigens bis heute gehalten. Habe gerade welche im Zeitungs - Kiosk mit Biene Maja oder dem Maulwurf gesehen.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 11:07 | nach oben springen

#25

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:09
von Vogtländer (gelöscht)
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Ham se mich also damals ums 2. Heft betrogen!Jetzt wird mir klar,warum ich ne schwere Kindheit hatte!

Ich kann mich nur an 1 Heft erinnern!


Krepp hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#26

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:18
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Krepp im Beitrag #20
Zitat von Rostocker im Beitrag #17


Da stimme ich Dir zu. Aber schaut es heute anders aus? Aber spannend wurde es zu Hause, wenn man mit einen Eintrag im Hausaufgabenheft oder Merkheft an kam und wollte von den Eltern eine Unterschrift.


Hallo,
hieß das damals nicht Muttiheft


"Muttiheft" ein kleines Heftchen in blau wenn ich mich recht entsinne !?
Gab es nicht auch "Eintragungen" mit dem Stempel und dem Bienchen ?


xxx
zuletzt bearbeitet 31.08.2014 11:19 | nach oben springen

#27

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:32
von Moskwitschka (gelöscht)
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Wiki weiß fast alles http://de.wikipedia.org/wiki/Mitteilungsheft



LG von der Moskwitschka


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#28

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:37
von Vogtländer (gelöscht)
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Hab gerade nochmal mit Mutter telefoniert.Sie meint,in der 1. Klasse hätte ich auch noch zum Hausaufgabenheft nen Muttiheft gegeben.Man,bei mir setz wohl doch langsam der Lochfraß ein.Kann mich echt nicht mehr dran erinnern.
Aber an Bienchen im Hausaufgabenheft für gute Leistungen bei der Altstoffsammlung kann ich mich noch erinnern.Das war inne 2.Klasse.


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#29

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:46
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #28
Hab gerade nochmal mit Mutter telefoniert.Sie meint,in der 1. Klasse hätte ich auch noch zum Hausaufgabenheft nen Muttiheft gegeben.Man,bei mir setz wohl doch langsam der Lochfraß ein.Kann mich echt nicht mehr dran erinnern.
Aber an Bienchen im Hausaufgabenheft für gute Leistungen bei der Altstoffsammlung kann ich mich noch erinnern.Das war inne 2.Klasse.


Siehste so ist das. Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, in der 1. Klasse ein Hausaufgabenheft gehabt zu haben. Wäre auch vollkommen sinnlos gewesen. Konnte ich zum Anfang eh nicht schreiben. Und erst recht nicht die Hausaufgaben für den nächsten Tag.

Ich habe übrigens damals die Schüler in der Sowjetunion beneidet. Bei denen hieß es "Dnewnik" - Tagebuch. Kam dem irgendwie näher. Hat auch nicht so an die Hausaufgaben erinnert.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 11:46 | nach oben springen

#30

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:49
von Vogtländer (gelöscht)
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Beim Hausaufgabenheft haben unsre Lehrer für uns die Aufgaben immer eingetragen.In der ersten Klasse.Mutter meinte,das das bei meiner nichtidentifizierbaren Handschrift damals auch besser gewesen wäre.Ganz unrecht hatte sie nicht!


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 11:51 | nach oben springen

#31

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:52
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Zitat von Vogtländer im Beitrag #30
Beim Hausaufgabenheft haben unsre Lehrer für uns die Aufgaben immer eingetragen.


Dann haben die ja richtig Stress gehabt, bei einer Klasse von zirka 30 Schülern


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#32

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:52
von Vogtländer (gelöscht)
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Jepp.Viel wars nicht an Hausaufgaben,aber wir hatten welche.


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 11:53 | nach oben springen

#33

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:53
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #30
Beim Hausaufgabenheft haben unsre Lehrer für uns die Aufgaben immer eingetragen.


Arme Unterstufenlehrerin in der 1.Klasse Auch an das kann ich mich nicht erinnern. Wahrscheinlich weil es das bei mir nicht gab. Und das hatte einen einfachen Grund - vom Unterricht sind wir gemeinschaftlich in den Hort gewandert, wo dann auch die Hausaufgaben gemacht wurden.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 12:00 | nach oben springen

#34

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:54
von Vogtländer (gelöscht)
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Heimatkunde-war das Fach schon in der 3.Klasse oder doch nur in der 4.?


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#35

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:56
von Vogtländer (gelöscht)
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Hausaufgaben hab ich immer zu Hause oder später so ab der 7.Klasse kurz vor der Stunde gemacht.
Oder auch überhaupt nicht,wenns um Lieder und Gedichte auswendig lernen ging.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 31.08.2014 11:56 | nach oben springen

#36

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 11:59
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #34
Heimatkunde-war das Fach schon in der 3.Klasse oder doch nur in der 4.?


Bei mir (eingeschult 1964) ab 1. Klasse. Denn im Rahmen des Heimatkundeunterrichtes begann auch das Anlegen der Friedensfahrt - Tagebücher.

Mit der 5. Klasse und dem Fachunterricht in Biologie, Geografie ist er dann weggefallen.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 12:04 | nach oben springen

#37

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 12:04
von Vogtländer (gelöscht)
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Siehste,da kommen Erinnerungen hoch.


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#38

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 12:11
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #37
Siehste,da kommen Erinnerungen hoch.


Nun muss man aber auch dazu sagen, dass des Schulsystem in der DDR sehr starr war, die Lehrpläne und die Stundentafeln zwischen 1945 und 1990 sich aber auch gewandelt haben. Daher sind die Erinnerungen an die Schule auch nicht einheitlich.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 31.08.2014 12:34 | nach oben springen

#39

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 12:46
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Schulzeit von 1957 bis 1967 und ich kann mich auch nicht daran erinnern das wir die Unterrichtsstunde mit dem Pioniergruß, später ab 8 Klasse mit "Freundschaft" begannen.
Ein Schüler meldete dem Lehrer meistens 'Klasse X mit Y Schülern ist zum Unterricht bereit' oder so ähnlich, der Lehrer bedankte sich und begüßte uns je nach Tageszeit mit Guten Morgen oder Guten Tag. Ja wir standen auch alle auf wenn der Lehrer zum Unterrichtsbeginn die Klasse betrat. Das gab es sogar an der BBS noch.
In der Grundschulzeit, erste bis vierte Klasse hatte unsere Lehrerin manchmal den netten Einfall das wir uns erst setzen durften wenn wir eine Kopfrechenaufgabe gelöst hatten oder andere Fragen je nach Fach beantworten konnten ......
Bei 36 Schülern gab es dann 36 Aufgaben, mindestens .....

Ab neunte Klasse mußten uns die Lehrer sietzen und je nach dem wie beliebt der jeweilige Lehrer in der Klasse war, besonders wenn er schon Unterricht in den vorangegangen Klassenstufen bei uns hatte, "gastatteten" wir Schüler ihm uns weiter zu Dutzen.

Der Schüler der zum Unterrichtsbeginn die Meldungen machte war glaube ich immer der/die Gruppenratsvorsitzende oder der/die Stellvertreter.
Tafeldienst wechselte einmal die Woche und dessen Aufgabe war es für ausreichend Kreide zu sorgen, saubere Schwämme und Wasser. Wir hatten keine Waschbecken im Klassenraum.

Ein sogenanntes Muttiheft kenne ich nicht, das von @Moskwitschka herausgekramte Heftchen kenne ich nur als sogenanntes Vokabelheft im Russischunterricht.

Hausaufgaben und allgemeine Mitteilungen wurden ins Hausaufgabenheft eingetragen. Für die allgemeinen Mitteilungen gab es in diesem Heft hinten mehrere Seiten.
Da kamen auch die Tadel vom Lehrer rein, in der Art " Nostalgiker stört den Unterricht durch alberne Bemerkungen", "Nostalgiker schwatzt im Unterricht", "Nostalgiker hat mit dem Stuhl gekippelt". Einmal soll ich auch die Schuhe des hinter mir sitzenden Mädels aus dem Fenster geworfen haben. Sie schlenkerte mit den Beinen und ihre Füsse trafen dabei immer meinen Stuhl, das ständige "geklopfe" an meinen Sitz nervten einfach. Sie kippte dafür den Inhalt meiner Schultasche ihren Schuhen hinterher ........

Ab vierte Klasse so ungefähr beherrschte man die Unterschrift seiner Eltern fast perfekt ......
Weil es überhand nahm, mußten die Eltern jede Mitteilung gegenzeichnen und da war es schwierig ihnen einzureden das sie schon wieder vergessen haben das sie in der letzten Woche 3 oder 4 Tadel unterschrieben hätten ....

"Beliebt" waren auch Strafarbeiten, meist eine A4 Seite zu solch spannenden Themen wie "warum ich im Unterricht nicht mit meiner Nachbarin Schiffe versenken spielen darf" oder warum wir im Chemieraum mit solch einer Viererbank( Klappsitz und Klapptischen pro Person und das ganze im "Stück")nicht kippeln dürfen (Wir sind nämlich alle Vier damit umgekippt.)

Mit der Anzahl der Einträge und Tadel pro Schuljahr ging es natürlich mit der Betragensnote im Zeugnis nach unten ........

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#40

RE: Jeder Tag begann mit sozialistischem Gruß

in Leben in der DDR 31.08.2014 13:08
von damals wars | 12.204 Beiträge

Von der ersten bis zur vierten Klasse war ich im Hort, zum Spielen ging es erst raus, wenn die Hausaufgaben von der Hortnerin auf Fehlerfreiheit kontrolliert waren.
Heutzutage unvorstellbar.

Ja, auch wir mussten noch aufstehen, wenn die Lehrerin/Hortnerin den Raum betrat.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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