#1

Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.01.2011 18:10
von Angelo | 12.397 Beiträge

Bis 1990 förderte die DDR in Sachsen und Thüringen Uran für die Atombomben der Sowjetunion. Mehr als 20.000 Bergleute sind an den Folgen des Uran-Abbaus erkrankt.Es ist Juni, dennoch trägt Reporter Oliver Glasenapp bei seinem Besuch auf der Abraumhalde eine wattierte Jacke und Gummistiefel. Nicht gegen die Kälte, sondern gegen radioaktive Strahlung - Arbeitsvorschrift. Die Wismut GmbH will hier aus der Halde des früheren Uran-Abbaus einen begrünten Hügel entstehen lassen, quasi nicht zu unterscheiden von den echten Wäldern und Bergen der Umgebung. Das Gebiet des ehemaligen Uranabbaus erstreckt sich über zwei Bundesländer: Thüringen und Sachsen. Unser Reporter Oliver Glasenapp bereist diese große Gebiet und fragt: wie Deutschland mit dem strahlenden Erbe des Uran-Abbaus umgeht.


nach oben springen

#2

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.01.2011 18:39
von exgakl | 7.237 Beiträge

oh, da werden bei mir Erinnerungen wach. Als Kind bin ich bis zu meinem 6.Lebensjahr in Ronneburg aufgewachsen. Dort wurde auch seit den 50iger Jahren Uran abgebaut.
Als Kind war ich immer beindruckt, wenn ich vom Kinderzimmer bei meinen Großeltern in der Zeitzer Straße die Hunte auf den Abraumhalden beobachten konnte.
In Ronneburg bzw. kurz daneben befand sich bis vor wenigen Jahren das größte und tiefste Loch Europas. Hier wurde Uran im Tagebau abgebaut. Zu Spitzenzeiten hatte der Tagebau eine Tiefe von 240 Metern!
Sehr interessant ist die Seite des Bergbauvereins Ronneburg http://www.bergbauverein-ronneburg.de/index.php
die im Filmbeitrag genannte Radonstrahlung in und um Ronneburg ist allerdings keine Folge des Bergbaus. Diese Strahlung war auch lange vor Beginn des Bergbaus im Revier Ronneburg bekannt.
Es ist erstaunlich, wie die Landschaft dort seit 1990 wieder kultiviert wurde. Wer Ronneburg aus DDR-Zeiten kennt und jetzt z.B. das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau sieht wird dort nichts mehr wiedererkennen.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
nach oben springen

#3

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.01.2011 18:45
von exgakl | 7.237 Beiträge

hier noch ein gutes Video aus der ARD Mediathek.
Es zeigt sehr deutlich wie sich die Landschaft um Ronneburg in den letzten Jahren verändert hat.

http://mediathek.daserste.de/daserste/se...54&pageId=&show=


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
nach oben springen

#4

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.01.2011 20:17
von werner | 1.591 Beiträge

War im Herbst zweimal in den s.g. Zinnkammern in Pöhla http://www.zinnkammern.de/presse.cfm (hab vergessen, wie man den Link in den Text einbindet). Ist wohl das einzige Bergwerk der Wismut, bei dem man mit dem Zug richtig einfahren kann.
Habe mit dem Besichtigungsführer am Rande ein paar Worte gewechselt. Nachdem unter sowjetischer Führung aus Kostengründen nicht bergmännisch abgebaut werden durfte, wurde die Lagerstätte nicht von unten nach oben erschlossen, d.h. mit dem Abraum die abgebauten Stollen wieder verfüllt. Dadurch entstanden über den Stollen Hohlräume, was nicht ganz ungefährlich war. Nach 1990 kam mit dem Ende des Uranabbaus die Order, alles zu verschließen. Aus Zeitgründen (vermutlich auch wegen der Kosten) hat man das Meiste einfach volllaufen lassen, statt zu verfüllen. Angeblich ist das Gebirge dadurch trotzdem ausreichend stabilisiert. Das Abbaugebiet zog sich bis unter den Fichtelberg.

Interessanterweise hat sich die UdSSR hauptsächlich für das Uran interessiert, die anderen Edelmetalle und Metalle hat man liegenlassen. Angesichts der steigenden Rohstoffpreise denkt die Wismut GmbH wohl schon wieder darüber nach, die Halden aufzubereiten und stillgelegte Abbaugebiete wieder zu erschließen.

Von dem in der DDR abgebauten Uranerz sollen irgendwo in Russland immer noch über 30% unverarbeitet lagern. Übrigens ist wohl nur ein kleiner Teil in die Waffenproduktion geflossen . . .


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
nach oben springen

#5

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 20:16
von buschgespenst | 625 Beiträge

Ist zwar ein alter Thread. Aber man sollte mal sehen was bisher bei der Sanierung
der Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus so passiert ist.
Der Zeitungsartikel ist erschienen am 13.10.2011

Zitat:
Uran-Erbe schwindet auch auf dem Kamm

Auf fünf Baustellen hat Wismut GmbH Hinterlassenschaften des Uranbergbaus beseitigt

"Sachsenweit ist Johanngeorgenstadt die Kommune mit den meisten Hinterlassenschaften des Wismut-Altbergbaus", sagt Schreyer. Er ist der Leiter des Projektes Altstandorte bei der Wismut GmbH Chemnitz.

Rund 2,5 Millionen Euro hat die Wismut GmbH in diesem Jahr in Johanngeorgenstadt ausgegeben. Das Geld kam zu gleichen Teilen vom Freistaat Sachsen und von der Bundesrepublik Deutschland. Von 2003 bis Ende 2012 investieren beide 78 Millionen Euro in die Sanierung der sogenannten Altstandorte."

quelle:

http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEB...ikel7788096.php

Glück Auf!
bernd


Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.

(Edwin Bauersachs)

Glück Auf!
Bernd
nach oben springen

#6

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 20:42
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Bernd, eine Hinterlassenschaft des Uranbergbaues kannst Du jedoch nicht mit Millionen sanieren - sie hat schon zu viele Opfer unter den "Sonnensuchern" gefordert. Sie haben ihre letzte Einfahrt bereits hinter sich.

Vierkrug


nach oben springen

#7

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 20:46
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Äußerst interessantes Thema, finde ich. Eines von denen, worüber eine Menge publiziert wurde, aber auch worüber eine Menge Schrott und Panikmache von Möchtegern-Profilanten verbreitet wurde. Wenn ich nur daran denke, daß es von Leuten, die nicht die geringste fachliche Ahnung hatten, aber gern in der großen Politik mitspielen wollten, eine Geschrei darüber gab, daß es doch wohl gefährlich sein muß, mit dem Auto über eine Straße zu fahren, die auf einige hundert Meter mit Haldenmaterial als Unterbau geschottert war.
Morgen werde ich dazu mal noch ein paar schöne Fotos vom Mineralien des Uran-Erzbergbaues einstellen.



nach oben springen

#8

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 20:52
von buschgespenst | 625 Beiträge

Volle Zustimmung @Vierkrug

Aber zurück zu den Lebenden.

Die Erkrankten haben derweil Mühe, die Herkunft ihrer Krankheiten nachzuweisen. Rund elf Prozent der seit 1992 untersuchten 10.000 Wismut-Bergarbeiter haben Krebs. Mit jährlich mindestens 300 weiteren Krebsfällen wird gerechnet. Anspruch auf Entschädigung hat nur der, dessen Leiden als Berufskrankheit anerkannt wird. Bis dato sind das 6500, eine Dunkelziffer gibt weitere 7000 Fälle an. Fürs Anerkennungsverfahren spielen Arbeitsdauer und Ort eine Rolle und natürlich auch die Art der Erkrankung. Nur Lungen- und Bronchialkarzinome haben eine Chance, anderen Krebsarten, wie etwa Leukämie, unterstellt man betriebsfremde Ursachen.

quelle: urantransporte.de


Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.

(Edwin Bauersachs)

Glück Auf!
Bernd
nach oben springen

#9

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 20:58
von prignitzer | 281 Beiträge

Ich habe vor kurzem ein aus meiner Sicht sehr interessantes Buch zu diesem Thema gelesen: "Wismut-Uran und Stalins Kernwaffen" von Eberhard Baage. Ich wußte bisher sehr wenig über das Thema "Wismut", vieles habe ich durch dieses Buch erst erfahren. Kann ich nur empfehlen.

mfg prignitzer


Grenzer von 11/69 bis 04/71 im GR 20 / 4. GK (Scharfenstein)


nach oben springen

#10

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 20:59
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von buschgespenst im Beitrag #8
Volle Zustimmung @Vierkrug

Aber zurück zu den Lebenden.

Die Erkrankten haben derweil Mühe, die Herkunft ihrer Krankheiten nachzuweisen. Rund elf Prozent der seit 1992 untersuchten 10.000 Wismut-Bergarbeiter haben Krebs. Mit jährlich mindestens 300 weiteren Krebsfällen wird gerechnet. Anspruch auf Entschädigung hat nur der, dessen Leiden als Berufskrankheit anerkannt wird. Bis dato sind das 6500, eine Dunkelziffer gibt weitere 7000 Fälle an. Fürs Anerkennungsverfahren spielen Arbeitsdauer und Ort eine Rolle und natürlich auch die Art der Erkrankung. Nur Lungen- und Bronchialkarzinome haben eine Chance, anderen Krebsarten, wie etwa Leukämie, unterstellt man betriebsfremde Ursachen.

quelle: urantransporte.de



Eigentlich müßte auch der Zeitraum eine Rolle spielen, da insbesondere in den Anfangajahren der Wismut infolge des Trockenbohrens wesentlich mehjr radioaktive Partikel eingeatmet wurden und wohl auch die Bewetterung nicht den späteren Qualitäten entsprech. So konnte m.E. ein Hauer vor Ort in 5 Jahren zwischen z.B. 1948 - 1953 mengenmäßig mehr radioaktive und quarzhaltige Stäube eingeatmet haben als einer in 10 Jahren in den 70er und 80er Jahren, vermute ich mal. Unter der Erkrankung durch Radioaktivität hatten bereits die Bergleute des Mittelalters zu leiden. Diese war als "Schneeberger Krankheit" berühmt-berüchtigt.



nach oben springen

#11

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 21:05
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von prignitzer im Beitrag #9
Ich habe vor kurzem ein aus meiner Sicht sehr interessantes Buch zu diesem Thema gelesen: "Wismut-Uran und Stalins Kernwaffen" von Eberhard Baage. Ich wußte bisher sehr wenig über das Thema "Wismut", vieles habe ich durch dieses Buch erst erfahren. Kann ich nur empfehlen.

mfg prignitzer


Über die Wismut-Zeit gibt es inzwischen eine ganze Menge Bücher. Zu einem großen Teil durch Kenner der Materie geschrieben, also Bergleute, Steiger bis zu Betriebsleitern. Die Bücher, die ich kenne, halte ich weitestgehend sachlich geschrieben, was sich wohltuend abhebt von allem Geschrei über DDR-Umweltsünden.
Übrigens,es gibt einen Roman, auf dessen Grundlage der Film "Sonnensucher" basiert. Ist eine Tetralogie von Herbert Jobst, der nach seiner Kriegsgefangenschaft bei der Wismut anfing, Steiger wurde und dann schrieb. Liest sich gut, auch wegen der für einen Roman der damaligen Zeit recht drastischen Ausdrucksweise, wie es eben dort und damals so üblich war. Der Romanteil heißt "Der Glücksucher". Habe ich hier.



nach oben springen

#12

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 21:15
von Fritze (gelöscht)
avatar

Ein unrühmliches Kapitel des Bergbaus.In unserer Fam. gab es auch einen Betroffenen .Mein Grossvater verstarb 49jährig genau an meinem Schulanfang.


nach oben springen

#13

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 21:21
von Harzwanderer | 2.937 Beiträge

Im Verkehrsmuseum Nürnberg habe ich mal eine tolle Ausstellung über die Rolle der Reichsbahn beim Urantransport gesehen. Hoffe, die läuft noch. Da wurde ziemlich viel strahlendes Zeug "Yellow Cake" quer durchs Land in die SU gebracht.


zuletzt bearbeitet 08.04.2013 21:22 | nach oben springen

#14

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 21:38
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #13
Im Verkehrsmuseum Nürnberg habe ich mal eine tolle Ausstellung über die Rolle der Reichsbahn beim Urantransport gesehen. Hoffe, die läuft noch. Da wurde ziemlich viel strahlendes Zeug "Yellow Cake" quer durchs Land in die SU gebracht.


Yellow Cake ? Bin jetzt im Moment nicht sicher, ob die Erze bereits hier soweit bis zum "Yellow Cake" aufgearbeitet wurden. Bei den sedimentären Erzen aus Ronneburg und um Pirna kann ich mir das vorstellen, aber nicht bei den primären Erzen des Erzgebirges. Dort wurde die wegen ihrem Radiumgehalt wesentlich stäker strahlende Pechblende (Urandioxid) abgebaut. Die hätte erst einen Verhüttungsprozess durchlaufen müssen. Wurde das hier in der DDR gemacht oder erst in der SU ? Von der Transportfrage hätte der Yellow Cake m.E. keinen wesentlich höheren U-Gehalt gehabt als die Pechblende, eher weniger.



nach oben springen

#15

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 21:44
von Fritze (gelöscht)
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #14
Zitat von Harzwanderer im Beitrag #13
Im Verkehrsmuseum Nürnberg habe ich mal eine tolle Ausstellung über die Rolle der Reichsbahn beim Urantransport gesehen. Hoffe, die läuft noch. Da wurde ziemlich viel strahlendes Zeug "Yellow Cake" quer durchs Land in die SU gebracht.


Yellow Cake ? Bin jetzt im Moment nicht sicher, ob die Erze bereits hier soweit bis zum "Yellow Cake" aufgearbeitet wurden. Bei den sedimentären Erzen aus Ronneburg und um Pirna kann ich mir das vorstellen, aber nicht bei den primären Erzen des Erzgebirges. Dort wurde die wegen ihrem Radiumgehalt wesentlich stäker strahlende Pechblende (Urandioxid) abgebaut. Die hätte erst einen Verhüttungsprozess durchlaufen müssen. Wurde das hier in der DDR gemacht oder erst in der SU ? Von der Transportfrage hätte der Yellow Cake m.E. keinen wesentlich höheren U-Gehalt gehabt als die Pechblende, eher weniger.


Aus den Erzählungen meiner Oma hab ich es auch in der Erinnerung ,daß die Pechblende in die Sojus abtransportiert wurde.Besonders wie sie mal einen silberfarbenen Zug mit 75 Waggons gesehen hatte .Orginalton Oma :"Die Wachmannschaften müssen nach ihrem Aussehen alles Tschetschenen gewesen sein.


zuletzt bearbeitet 08.04.2013 21:45 | nach oben springen

#16

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 08.04.2013 21:47
von buschgespenst | 625 Beiträge

In Königstein (Sächsische Schweiz), wurden ab 1984 die Erzgänge abgeteufter Schächte mit Schwefelsäure ausgelaugt, anschließend das dabei entstandene Laugengemisch aus der Tiefe hinaufgepumpt und gefiltert. Die Aufarbeitung zu Uranoxid erfolgte in der Anlage Seelingstädt.

bernd


Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.

(Edwin Bauersachs)

Glück Auf!
Bernd
nach oben springen

#17

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.04.2013 10:43
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Mal ein paar Fotos, um was es sich bei Uran-Erz so handelt und wie das aussieht. Die Fotos beinhalten folgende Stücke:
1. Uranglimmer auf Quarz, Grube Tannenbergsthal
2. Baryt (Schwerspat), Grube Pöhla
3. Uranglimmer (2 St.), Granitbruch "Am Streuberg" in Bergen/Vogtland. Bemerkenswert: am linken Stück wurde der farblose Quarz im Laufe von wahrsch. millionen Jahre andauernder Bestrahlung durch das Uran (gelbgrüne Kristallgruppe) im Kristallgefüge so verändert, daß er eine rauchbraune Farbe (Rauchquarz) angenommen hat.
4. gediegen Silber (hell) auf gediegen Arsen (schwarz), Grube Pöhla
5. primäres U-Erz (schwarz) und sekundäres Erz (gelb-orange) von Johann-Georgenstadt. Gelängen primäre Erze durch die Abtragung/Erosion in Oberflächennähe, werden diese durch eindringende sauerstoffhaltige Wässer in andere, i.d.R. farbenprächtige Mineralien chemisch umgewandelt.
6. Pechblende (sog. "Mausaugen"), Oberschlema, das primäre und Haupterz des Erzgebirges
7. Stück eines Wismut-Barren. Nach diesem Element, welches in den Uranvorkommen oft als derbe, feinkristalline Massen vorkam, wurde die SDAG Wismut benannt. Wismut selbst ist nicht radioaktiv und ein bedeutender Bestandteil leichtschmelzender Legierungen. Frei kristallisierte Wismutkristalle (ich hatte ma eine kleine Stufe davon) erzielen in Sammlerkreisen Höchstpreise, nicht selten im 4-stelligen Bereich.
In der Grube Pöhla waren vor allem der gelbbraune Baryt sowie kurz vor der Wende das Silber die begehrtesten Sammlerobjekte. Während der Wendezeit, in der kurzen Phase, wo sich kaum jemand verantwortlich fühlte, haben sich einige Sammler mit Insiderkenntnissen und einer Portion Mut dort eine goldene Nase verdient, indem sie die sog. "Silberhalde", auf der dieses Material abgekippt war, durchgewühlt. Das Silber kam erst richtig zum Vorschein, nachdem das metallische Arsen mit Wasserstoffperoxid weggelöst wurde. Einer der aktivsten Sammler, selbst Bergmann dort, hat damit sogar bei der größten internationalen Mineralienbörse in Tucson/Arizona, USA seine geschäfte gemacht. Die Amis zahlen oft Preise, die jenseits von Gut und Böse sind. Da kommt kaum ein mormaler Sammler mit.




Damals87, Duck und buschgespenst haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#18

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.04.2013 11:01
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
historisch interessant finde ich daß die "siegreiche" US-Armee die Uran-Region fast komplett eroberte ( ohne Köniststein fast nur )
sich wieder zurückzog und der UdSSR das Urangebiet überliess. Bei solch strateigischen Fragen war man sonst auch nicht so
besonders vertragstreu..

Wußten die US-Experte nicht wieviel Uran dort im Berg liegt?

2. Im Juni 2012 war ich in Freiberg in der Antiquariatsbuchandlung, dort lag eine kleine wissenschaftliche Arbeit von
1913 ! zum Kauf. "Über die Uranvorkommen im westlichen Erzgebirge". Aus Joachimstal nicht weit weg holte ja auch
Madam Curie ihr Uran für die Radiumgewinnung.

Daß dort Uran vorhanden war, war also kein Geheimniss, warum der lächerliche Name "SAG-Wismut"?



nach oben springen

#19

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.04.2013 11:19
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #18
Hallo,
historisch interessant finde ich daß die "siegreiche" US-Armee die Uran-Region fast komplett eroberte ( ohne Köniststein fast nur )
sich wieder zurückzog und der UdSSR das Urangebiet überliess. Bei solch strateigischen Fragen war man sonst auch nicht so
besonders vertragstreu..

Wußten die US-Experte nicht wieviel Uran dort im Berg liegt?

2. Im Juni 2012 war ich in Freiberg in der Antiquariatsbuchandlung, dort lag eine kleine wissenschaftliche Arbeit von
1913 ! zum Kauf. "Über die Uranvorkommen im westlichen Erzgebirge". Aus Joachimstal nicht weit weg holte ja auch
Madam Curie ihr Uran für die Radiumgewinnung.

Daß dort Uran vorhanden war, war also kein Geheimniss, warum der lächerliche Name "SAG-Wismut"?


Die Amis haben bei den Verhandlungen über die künftigen Besatzungszonen schlichtweg geschlafen. Aber glaube jetzt keiner, daß es zumindest in den ersten zwei Jahrzehnten dort weniger wild, weniger restriktiv und mehr ökologisch zugegangen wäre.
Der Name "Wismut" ist nicht lächerlich. Der wurde so gewählt, um zumindest offiziell etwas vom Uran abzulenken. Da steht bestimmt in einigen der vielen Publikationen, in denen Gründungsväter der Ersten Stunde zu Wort kommen, etwas genaueres.



nach oben springen

#20

RE: Das Erbe des DDR-Uranabbaus

in DDR Zeiten 09.04.2013 11:21
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Die Kumpel der Wismut haben viel zu teuer zahlen müssen für das Geld und die Sonderversorgung die ihnen zuteil wurde.Letztendlich nur Almosen im Vergleich zum Einsatz. Die Friedhöfe im Wismutgebiet zeigen den Preis.
Ich stand eine Weile auch vor der Frage dort zu arbeiten.Bin froh, daß nichts draus geworden ist.


nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Bilder aus der Kindheit
Erstellt im Forum DDR Zeiten von PKE
8 08.06.2016 18:59goto
von PKE • Zugriffe: 1215
Abbau Ost?
Erstellt im Forum Leben in der DDR von
43 12.11.2014 22:35goto
von diefenbaker • Zugriffe: 1489
Gedanken eines DDR-Bürgers zum Tag der deutschen Einheit
Erstellt im Forum Leben in der DDR von Schuddelkind
102 11.10.2014 20:23goto
von damals wars • Zugriffe: 5114
DDR-Bürger im Westen geerbt, wie war das damals?
Erstellt im Forum Leben in der DDR von der glatte
11 26.11.2013 04:22goto
von schulzi • Zugriffe: 1453
Tschernobyl Strahlendes Erbe der Geisterstadt
Erstellt im Forum Themen vom Tage von Angelo
2 08.11.2010 17:52goto
von S51 • Zugriffe: 381

Besucher
28 Mitglieder und 72 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 1651 Gäste und 119 Mitglieder, gestern 3638 Gäste und 176 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14374 Themen und 558629 Beiträge.

Heute waren 119 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen