#41

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 15.12.2010 09:46
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Josy95
Du fasst in Deinem Schreiben eigentlich alles zusammen,was zu sagen ist.Du hast es eben Diplomatischer gemacht als manch anderer(auch ich ) Prima.

Gruß aus Thüringen


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#42

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 15.12.2010 13:04
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von josy95


....... hier und da noch zusätzlich in SED- kontrollierte und beherschte Massenorganisationen einzutreten.

Ja, und: Es gab eben Menschen, und das nicht gerade wenige, die das nicht wollten, damit nichts am Hut hatten, andere Interessen und Lebensauffassungen hatten!

josy95




Meine Verwandschaft, Bruder der Schwiegereltern samt deren Kindern hatten kein Problem damit, fanden
den "Druck", das auffordern sich zu engagieren völlig i.O. und lösten es zur eigenen Zufreidenheit und der der SED.

Vater war Genosse und Gemeinderat, Sohn als Elektriker bei der Reichsbahn sowieso unabkömmlich - Havariefälle, bei der Armee als Tankwagenfahrer, Schwiegersohn Kommandant in der freiwilligen Ortsfeuerwehr, Tochter Sanitätszug und Ausbilderein im Roten Kreuz. "Rotlichtbestrahlung", sehr wenig, fachliche Arbeit als freiwilliger Bürger!

Mit Betriebskampfgruppen oder länger zu den "Organen" wurde keiner von denen belästigt.

Und weil es beruflich paste durfte Vater mit Ehefrau passend zur Fachmesse in Frankfurt auch zum Westbruder dort in der Nähe reisen.



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#43

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 15.12.2010 16:28
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Rotti
Hallo,
speziell an Rabe:
Wieso bist Du entsetzt? Das ist ein Zeitungsartikel. Das bedeutet die Geschichte dieser Frau wurde redaktionell überarbeitet. Es wurden Teile komprimiert und umgeschrieben. Das ist nicht die originale Erzählung dieser Frau. Nochmals, das ist ein Zeitungsartikel.

Wer soll beeindruckt werden? Na doch wohl der interessierte Leser dieser Zeitung. Wohlgemerkt dieser Artikel ist keine wissenschaftlich historisch korrekte Arbeit. Bereits der Titel sagt doch eigentlich alles.
Die Fakten:
Lehre:
- Irgendwas in der Landwirtschaft – sicherlich Facharbeiter für … o.ä. . Vom Redakteur /Journalist wurde eben der Begriff Fachangestellter für Landwirtschaft gewählt. Auch heute heißt der gemeinte Beruf mit Sicherheit anders. Aber der Leser hat zumindest eine Vorstellung was gemeint ist.
- Es war nicht der Traumberuf. Soll ja vorkommen, nur wer unbedingt Krankenschwester werden will, wird als Bäuerin nicht unbedingt glücklicher.
- Der Vergleich mit heute hinkt. Es gibt immer Druck bei der Wahl der Ausbildung. Nicht unbedingt immer direkt, gerne auch indirekt. Sicherlich gesellschaftlich gerechtfertigt. Nur die Betroffenen sehen das meistens anders. Hier haben sicher mehrere mitgewirkt, sicher auch die Familie.
- Zeitlich passt das auch: es fällt genau in die Übergangsphase von 8.Klasse – Schule zur 10.Klasse-Schule. Sie könnte, zumindest theoretisch, schon mit der Lehre fertig gewesen sein.
Partei:
- Wenn ich mich richtig erinnere, konnte man bereits mit 17. Kandidat werden. Entsprechend früh begannen die Gespräche. Ich kann mich daran erinnern, während der Lehrzeit auch, wenn auch nicht „ständig“ so doch regelmäßig, darauf angesprochen worden zu sein.
- Für Männer gab es hier sicher deutlich mehr Gespräche: Partei, Offizier, längerer Wehrdienst etc. Immer mit demselben Hauptargument: Wir, d.h. die Gesellschaft, der Staat, die Organisation xyz, die Partei, wir brauchen Dich. Wir (…) haben Dich ausgebildet usw. usf.. Mag ja alles stimmen, geht einem nur irgendwann auf den Keks und kann eine Abwehrhaltung erzeugen.
- Zwang? Wieso Zwang – geleitete Führung! Man kann ja NEIN sagen. Dummerweise wurden einem nur die negativen Folgen dieses Neins erklärt. Häufig passierte nach einem Nein einfach gar nichts. Warum sollte jemand der nein sagt, mit Zwang rekrutiert werden? Die Abwehrhaltung verstärkt sich dann doch noch. Leider haben viele dann doch ja gesagt und viele wurden Mitläufer statt aktiv Handelnde im Sinne der Sache um die es ging.
Helfer für Beräumung:
- Auch hier haben wir nur die Redaktionell bearbeitete Version. Ich vermute, dass hier Leute gesucht wurden und auch gebraucht wurden. Man konnte sich für diesen Einsatz melden. Und das war die Gelegenheit. An Zwang glaube ich hier nicht, halte Ihn aber durchaus für möglich.
Flucht:
- Glück gehabt. Und warum keine Warnschüsse? Wenn ich mich richtig erinnere, durfte auf „ dem Anschein“ nach Frauen und Kinder sowieso nicht gezielt geschossen werden.
Zusammenfassung: Dies ist ein Zeitungsartikel, er beschreibt eine Flucht und versucht zu beschreiben warum jemand abgehauen ist. Warum diese „Gründe“ bei einer 16-Jährigen so eskalierten wird nicht beschrieben. Vielleicht ist man ja bei der „geleiteten Führung“ etwas zu weit übers Ziel gegangen. Jugendliche sind ja nicht unbedingt für ausschließlich rationales Handeln bekannt. Der Rest des Artikels dient der emotionalen Untermauerung nach dem heutigem Standartmuster: schwere Kindheit, im Osten, durfte nicht den Beruf ergreifen der gewünscht war, Partei, Zwang, Flucht, die Familie, die Einsamkeit, zum Schluss wird alles gut oder endet im Verbrechen, Elend etc. Ich glaube die Geschichte hinter dem Artikel ist komplexer und gleichzeitig einfacher als im Artikel beschrieben.
Über die Flucht mit Schusswaffengebrauch gibt es vielleicht sogar noch die Akten.
Im Übrigen möchte ich Euch an den Anspruch des Forums erinnern: Zeitzeugen
Anekdoten ja, aber auch Erklären, Analysieren, Verdeutlichen – nicht die Phrasen von heute oder damals einander um die Köpfe schlagen.
Noch eine kurze Frage an das Forum: werden jetzt alle Zeitungsartikel mit dem Thema Grenze ausgewertet? Wenn ein solcher Artikel eingestellt wird, dann doch bitte mit einer Fragestellung oder kurzen Einschätzung dessen der den Artikel einstellt.

Übrigens die eingeschlossensten der eingeschlossenen waren die Westberliner, ist das nicht furchtbar.

Gruß
Rotti



Rotti sehr gut analysiert der Beitrag, kommt der Wirklichkeit sehr nahe.

Gruß Gert


.
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#44

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 15.12.2010 18:45
von Mike59 | 7.979 Beiträge

@ Rotti
Zitat:
Das ist ein Zeitungsartikel. Das bedeutet die Geschichte dieser Frau wurde redaktionell überarbeitet. Es wurden Teile komprimiert und umgeschrieben. Das ist nicht die originale Erzählung dieser Frau. Nochmals, das ist ein Zeitungsartikel.
Zitat Ende

List du so die Zeitung? Dann allergrößten Respekt. Hast du das mit der "guten alten" DDR Presse auch schon so gemacht. Das gilt ja nun auch für die anderen Nachrichten Medien, incl. Internet? Da kann ja noch so einiges redaktionell überarbeitet werden, dass ist aber nicht spassig wenn sich jeder seine eigene Wahrheit strickt und dann unter das Volk wirft. Medien sind Meinungsmacher! und nicht jeder ist so gut drauf wie du. Wie nennt man das "Bildungsferne Schichten", die nehmen das für bare Münze und Handeln dann nach dieser redaktionell überarbeiteten Wahrheit.
Das kann man auch Volksverdummung nennen - die geschichtliche Erfahrung zeigt, dass dies nicht auf Dauer funktioniert, aber bis sie überstanden/überwunden ist, bringt es viel Leid über Land und Leute. Es wurde schon viel zu viel redaktionell überarbeitet in unserem Land!

Aus diesem Grund sehe ich es nicht so entspannt mit dem redaktionellen Überarbeiten!

Mike59


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#45

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 15.12.2010 23:47
von utkieker | 2.926 Beiträge

Hallo Mike59,

Du hast vollkommen Recht, Medien sind Meinungsmacher. Gewiß Maria V. hat ihren Weg gemacht, ich gönne es ihr aber warum wird an der Wahrheit so herumgedoktert? Warum werden die Leute dermaßen für Dumm verkauft? Die gesamte Medienindustrie ist in zwanzig Jahren deutscher Einheit in ihrem Niveau stark gesunken, die "Wahrheit" wird von der Quote bestimmt, saubere Recherche fällt mit einem Federstrich der Profitgier zum Opfer.
Die "gute alte" Presse der DDR vermisse ich nicht aber es muß doch wohl erlaubt sein bei aller Buntheit der Medien auch noch schwarz von weiß zu unterscheiden und bei aller Schönfärberei allen hannebüchenen Quatsch auch beim Namen zu nennen. Ich habe auch Verwandschaft drüben, die in den fünfziger Jahren rübergegangen sind und doch nicht das gefunden haben was sie gesucht haben, aber das ist eine andere Geschichte, viel zu unspektakulär als das sich die Presse dafür interressieren würde.
Seit meiner Kindheit widme ich mich der darstellenden Kunst, das Theater hat es mir angetan und ich kenne auch die Gängeleien, wie mit der Kunst umgegangen wird. Als Akteure auf der Bühne hätten wir beinahe paradiesische Verhältnisse, aber auch nur beinahe, zumindestens sind die Theaterprojekte nicht an finanziellen Bedingungen gescheitert, die Betriebe hatten genug Möglichkeiten Kunst und Kultur junger Laienspieler zu fördern. Jedoch bei der stofflichen Auswahl der Stücke fing das ganze Dilemma an, das eine Stück konnten wir nicht spielen, das nächste Stück wollten wir nicht spielen und das was wir spielen wollten, sollten wir nicht spielen, wenn es wenigstens genügend stoffliche Auswahl gegeben hätte! Heute scheitern viele Projekte an finanziellen Gegebenheiten.


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#46

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 16.12.2010 09:56
von Rotti | 83 Beiträge

@Mike59

Ja, genauso lese ich Zeitung, recherchiere im Internet, schaue Fernsehen, Radio und werte Quellen aus.
Natürlich habe ich das nicht immer so gemacht. Aber im Laufe der Jahre lernt man, nicht alles für bare Münze zu nehmen, was man sieht, hört oder liest.
Das hat etwas mit meinen sonstigen Hobbys zu tun. Hier muss jede bildliche oder schriftliche Quelle analysiert werden. Und erst mit diesem halbwegs korrekten Ergebnis werden dann Interpretationen gewagt.
Leider sieht man dann alles um sich herum mit anderen Augen.

@utkieker

Die Presse wurde nicht schlechter, nur anders. Du hast dich weiterentwickelt.

Gruß
Rotti


zuletzt bearbeitet 16.12.2010 09:58 | nach oben springen

#47

RE: "Wir waren eingeschlossen"

in Leben in der DDR 16.12.2010 17:44
von utkieker | 2.926 Beiträge

Hallo Rotti.

mag sein, daß die Presse "nur" anders geworden ist, aber es gibt ja nicht nur die Printmedien. Nehme ich das Fernsehen und sagen wir der Sender X, hat es mit einer Kochsendung zum Quotenkönig gebracht, prompt ziehen andere Sender nach, plötzlich gibt es auf allen Kanälen Kochsendungen; um in den Genuß der Quote zu kommen?! Wenn jeder vom anderen nur klaut und kupfert bleibt die Kreativität auf der Strecke. Dieses Prozedere erinnert mich irgendwie an das mittelalterliche Mühlenprivileg. So lange nur wenige mit diesen Privileg ausgestattet waren haben sich die Müller dumm und dusselig verdient, irgendwann im 19. Jh kippte das Mühlenprivileg und jeder hat nur die Idee mit einer Mühle, den großen Reichtum einzufahren. Also schoßen Mühlen wie Pilze aus den Boden, mit dem Ergebnis, daß die Mühlen sich hoffnungslos verschuldeten. Und so ist es auch mit den Medien, mit den Dollarzeichen vor Augen bleibt rationales Denken auf der Strecke. Stichwort Hitlertagebücher, als Sensation gefeiert hing plötzlich die gesamte Medienlandschaft am Thema gefälschte Hitlertagebücher. "Experten"- Runden, Talkshows und riesige Schlagzeilen alles drehte sich um diese Thematik. Ich möchte der Presse nicht unterstellen, sie hätten Nazi- Nostagikern frischen Wind in die Segel geblasen. In sofern ist der Beitrag über Maria V. doch eher harmlos.


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