#1

GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 10:56
von Rabe (gelöscht)
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Hallo

Um die an mich gestellten Fragen zum obigen Thema zu beantworten, hab ich versucht z.B. bei Google u.ä. etwas zum Zusammenwirken ( ZW ) der GT und PKE zu finden. Fehlanzeige. Wäre daher selber an eventuelle Hinweisen auf Quellen dankbar.
Auf der GÜST Mbn./A. war der Kommandant der GÜST der " oberste Kriegsherr " im Rang eines Oberst der GT. Ihm oblag die
militärische Sicherung der GÜST und das " Facility Management . Gegenüber den Mitarbeitern der PKE war er, bezüglich der Kontrolle und Abfertigung des grenzüberschreitenden Personen- und Güterverkehrs, nicht weisungsberechtigt. Er wurde von uns milit. gegrüßt und legte die Anzugsordnung ( Winter/Sommer) fest.
Das tägliche Dienstgeschehen auf der GÜST realisierte der Diensthabende Offizier des Kommandanten im 24 h Dienst. Auch er hatte
keine Weisungsbefugnisse zur Grenzabfertung. Dem DHO war ein Gehilfe aus der SIK zugeordnet.
Der Ansprechpartner des DHO war der Diensthabende Offizier der PKE. Zwischen beiden fand täglich (gegen 00.00 Uhr ) eine Abstimmung für den Tag statt.
Es erfolgte eine Abstimmung von Sofort/Eilfahndungen, Reinigungs- Reperatur- und Wartungsarbeiten
statt. War darüber hinaus ein ZW erforderlich z.B. Winterdienst, Verkehrsunfälle, Sachbeschädigung, Alkoholdelikte durch Reisende, med. Hilfeleistungen, Anforderung Abschleppdienst Einsatz der 'Betriebsfeuerwehr ' zur Brandbekämpfung erfolgte dies zeitnah und
gegenenfalls auch unter Einbeziehung des Gehilfen.
Die Mitarbeiter der PKE hatten auf der GÜST gegenüber den Angehörigen der GT ( auch Zoll oder DRK usw. ) keinerlei Weisungsbefugnisse oder Befehlsgewalt. Die in Anspruchname von Einrichtungen der GT z.B. MHO war nicht gestattet bzw.
nur nach Zustimmung des Kommandanten. ( Wer fragt schon gerne einen Oberst ?).
Mit den Angehörigen der SIK hatten die Mitarbeiter der PKE in der Dienstdurchführung praktisch keine Berührungspunkte. Mir ist z.B. nicht einmal der Name des Chefs der SIK oder der Zugführer bekannt gewesen. Warum auch?
Mehr möchte ich hier nicht " preisgeben". Beantworte jedoch gerne Eure Fragen.

Rabe


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#2

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 11:25
von Jameson | 759 Beiträge

Ja schwarzer Vogel, ick hätte da n´paar Fragen. 1.Wie war das Verhältnis zu den Mitarbeitern der Zollverwaltung? Mit denen scheint ihr ja dann mehr Berührungspunkte gehabt zu haben. 2. Im Falle eines versuchten Grenzdurchbruchs hätte ja der DHO die Entscheidungsgewalt wer, was zu tun oder zu lassen hätte? Handelt der zu erst der am nähesten dran ist, nach dem Motto, wir haben das gleiche Ziel? Waffenträger waren ja alle.
Und zum heutigen Tag fällt mir noch eine Frage ein. Habt ihr den 1.12. mitgefeiert und/oder erst im Februar? Rein äusserlich hätte man euch ja auch gratulieren können.

Ahoi Jameson



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#3

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 15:50
von Rabe (gelöscht)
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@ Jameson

Danke für Deine Fragen.
Zum 01.12., den Tag der GT, haben wir nicht gefeiert, aber wohl gratuliert. Gehört sich doch so!
Du hast recht, wenn Du sagst, daß die PKE zum Zoll mehr Berührungspunkte hatte. Die ergaben sich auch daraus, daß der Zoll
auf der GÜST das" Betriebsessen "( Mittag/Nacht ) versorgte und die Mitarbeiter der PKE dort gegen Bezahlung am Essen teil-
nehmen konnten. Im Ernst, auch der Zoll war ein selbstständiges Organ. Zur Durchführung der Zollkontrollen war die PKE nicht be-
fugt und auch nicht qualifiziert. Dies schließt jedoch nicht aus, daß bei bestimmten Kontrollfeststellungen des Zoll die PKE informiert
werden mußte z.B. nichtangemeldete Waffen und Munition, Gifte oder auch bei der versuchten ungesetzlichen Einfuhr größerer
Mengen Literatur.
Zum Handeln bei einem versuchten gewaltsamen Grenzdurchbruch, war nicht derjenige befugt, der ein Waffe trug. Die Angehörigen des
Zoll waren ja auch Waffenträger. Es stimmt, daß auf dem Kontrollterritorium zuerst die PKE handelte. Außerhalb des Kontrollterritoriums ( im sogenannten Grenzstreckenabschnitt ) waren zunächst
die Angehörigen der GT ( SIK ) zuständig.

Rabe


zuletzt bearbeitet 01.12.2010 15:54 | nach oben springen

#4

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 18:08
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Hallo Rabe.

schön wäre es ,wenn du das erste mal die Abkürzungen ausschreiben könntest,also z.b. PKE(Passkontrolleinheit),Güst(Grenzübergangstelle),SIK(Sicherungskompanie).

Manch einer kennt sich damit weniger aus,deshalb dieser allgemeine Hinweiss.



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#5

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 18:33
von Mike59 | 7.951 Beiträge

Zitat von Zermatt
Hallo Rabe.

schön wäre es ,wenn du das erste mal die Abkürzungen ausschreiben könntest,also z.b. PKE(Passkontrolleinheit),Güst(Grenzübergangstelle),SIK(Sicherungskompanie).

Manch einer kennt sich damit weniger aus,deshalb dieser allgemeine Hinweiss.


-------------------------------
Dafür sollte eigentlich die Suchfunktion ausreichen. Schade das unser Wiki futsch ist.
Mike59


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#6

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 20:32
von Rabe (gelöscht)
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Hallo
mit den Abkürzungen tut mir leid. Hatte die Abkürzungen in anderen Beiträgen von anderen Usern auch schon gelesen.Bessere mich.

Rabe


zuletzt bearbeitet 01.12.2010 20:33 | nach oben springen

#7

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 21:05
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Hallo @rabe,

kann ich nur alles so bestätigen.der Oberst M. in Marienborn ließ sich schon nicht die butter vom Brot nehmen...

aber es gab doch die Einlaßkontrollen an den Güst'en Autobahn und Bahnhof,diese wurden doch durch Posten der Sik besetzt.Dort soll es manchmal zu kontroversen gekommen sein.die Sik hat dort seeehr übereifrig kontrolliert,die PKE hat sich öfter beim Kommandanten beschwert.Aber es kam nie zu Maßreglungen.ganz im gegenteil,Belobigungen wegen guter Dienstdurchführung.der Oberst ließ auf seine Leute nie was kommen.Selbst erlebt.Mir hat er auch mal einen Stern gerettet.und das war hart an der grenze...welcher junge Hauptmann wird gerne wieder zum Oberleutnant

Da hatte er echt bei mir(und nicht nur bei mir)einen Stein im Brett,auch wenn er manchmal als schrullig verschrien wurde(ich sage nur Zigarillos)

ich hörte vor kurzem er soll noch in Magdeburg leben?


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#8

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 01.12.2010 22:47
von Gert | 12.354 Beiträge

@Rabe, ich war ja nicht nur Grenzsoldat sondern später auch "Kunde" bei den PKE. Ich reiste überwiegend über die die GüSt Wartha Autobahn nach Thüringen in die DDR ein. Da habe ich zur Abfertigung eine Frage : Es wurde einem zuerst Reisepass, Visum und Zählkarte abgenommen. Der MA der PKE sass in einem Häuschen mit Milchglasscheiben, man konnte nicht verfolgen, was der mit einem Pass machte. Er gab den Pass dann auf ein Förderband ( eingehaust) und ca. 50 - 100 m weiter war ein weiteres Häuschen ebenso gebaut, dass man nichts einsehen konnte und dort bekam man den Pass zurück. So habe ich es in Erinnerung. Was wurde mit dem Pass so angestellt ? Was wurde alles kontrolliert vor der Rückgabe ? Ich bin neugierig , ne ? Ich denke aber heute kann man darüber etwas sagen.

Gruß aus dem Rheinland


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#9

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 02.12.2010 15:08
von Rabe (gelöscht)
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@Pitti53 Hallo

Von solchen Kontroversen, wie Du es nennst, habe ich keine Kenntnis. Wirklich nicht. Ich hätte so etwas auch nicht geduldet.
Wenn ich mal kontrolliert wurde ( sehr selten ), war es immer korrekt.

Rabe


zuletzt bearbeitet 02.12.2010 15:08 | nach oben springen

#10

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 02.12.2010 15:22
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Also wenn wir mal als SiP1 oder 2 auf der Güst Sonnenallee vom einem DHO rund gemacht wurden, wegen angeblich mangelnder Anzugsordnung oder Dienstdurchführung oder so haben sie oft durchblicken lassen, den Tip hätte er von der PKE bekommen. Ob das wirklich so war oder ob er es auf seinen Monitoren gesehen hat oder mit dem DF geschraubt hat, weiß ich nicht. Vielleicht war es auch Absicht um die Konkurrenz zu schüren? Auch hat der Güst-Kommandant manchmal etwas gebrubbelt über Entscheidungen der PKE, die ihm nicht so passten, war meist im Bereich Wartung/ Sicherstellung o.ä.

Ansonsten war es wie überall, es gibt Solche und Solche!


zuletzt bearbeitet 03.12.2010 09:46 | nach oben springen

#11

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 02.12.2010 16:19
von Rabe (gelöscht)
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@ Hallo Gert

Aus zweierlei Gründen beantworte ich Deine Fragen gern:
1. Du fragst nicht nach dem Sinn oder Unsinn dieser Veranstaltung.
2. Bezeichnest Du Dich als " Kunde ". Es war auch meine persönliche Auffassung, daß der oder die Reisenden Kunden waren.
Mein Motto war: Der Paßkontrolleur wird vom Reisenden als uniformierter Vertreter des Staates wargenommen, den er be-
suchen wollte. Also der erste Eindruck ist entscheidend( meist auch bleibend ) vom Staat.

Was geschah nun mit den Reisedokumenten?
Um den Kontroll- und Abfertigungsprozeß optimal zu gestalten, wurde dieser im " Taktstraßen -System " gestaltet. Es gab also mehrere
Arbeitsplätze und die Reisedokumente wurden über Bänder und Rutschen von einem Platz zum anderen Platz transportiert. Der 1. Platz war der Paßannehmer/Kassierer. Er forderte vom Reisenden, den Reisepaß, den Fahrzeugschein, die ausgefüllte Zählkarte und
den Berechtigungsschein zum Empfang des Visum. Überprüft wurde hier die Gültigkeitsdauer des Reisepasses und der Berechtigungsschein zum Empfang des Visum. Die entsprechende Gebühr wurde erhoben und die Gebührenmarke als Quittung in den Paß geklebt. Alle Reisedokumente wurden für den nächsten Arbeitsplatz vorsortiert in eine Transporttasche gesteckt. Auf der Transporttasche befand sich ein Plasteschild. Auf diesem Plasteschild erfolgte mit einem Fettstift der sogenannte Personenschlüssel,
d.h. die Anzahl der Reisenden im PKW. Bei einem Einzelreisenden 1/0, zwei Erwachsene und ein Kind 2/1 usw. Die Tranporttaschen waren nummeriert, wegen der Reihenfolge der PKW und Abfertigung. Die Transporttasche wurde auf das Band zum Weitertransport gelegt.
Ich denke, daß die Milchglasscheiben an dieser " Hütte " ( Paßannehmerhäuschen ) nichts verdecken sollten. Bisher war nix geheim.Es handelte sich um einen einfachen Wärme- und Blendschutz. Klimaanlage gabs nicht.
Vom Paßannehmer gelangte die Transporttasche über das sichtbare Transportband ( je länger das Transportband, umso mehr
PKW standen in der Spur, desto besser war die kontinuierliche Abfertigung ) zum nächste Arbeitsplatz - dem Fahnder. Dieser
Paßkontrolleur überprüfte das Fahrzeugkennzeichen und die Personalien des Reisenden in der Fahndungskartei. Hieran schloß
sich die Echtheitsbeurteilung des Reisepasses an. Fälschungen, Verfälschungen, Fingierungen, Nachahmungen und Licht-
bildauswechslungen sollten festgestellt werden. ( Die DDR - Paßkontrolle hatte in der gesamten Welt eine große Wertschätzung. Ein DDR - Paßstempel war so etwas wie ein Gütesiegel für den Reisepaß ) Die Reisedokumente wurden wieder eingetütet in die Transporttasche
und gelangten schließlich zum Visaerteiler. Durch den Visaerteiler waren folgende Arbeitsgänge zu erledigen: Überprüfung der Reisedokkumente - Sachfahndung ( Vergleich der Reisepaß-Nr. mit Paßnummern von in den Meldeämtern der BRD in Verlust oder
geklauten Reisepässen. Abhandengekommene oder entwendete Fahrzeugscheine und Siegel, sowie die Realisierung der
Lichtbildfahndungen u.a.m. ) Nun wurde die Visaerteilung vorgenommen. Die Zählkarte und der Reisepaß gestempelt. Einreiseteil der
Zählkarte und Berechtigungschein zum Visaempfand wurden in entsprechende Ablagefächer abgelegt. Die Reisedokumente wurden
wieder eingetütet und an den Identitätskontrolleur weiter geleitet. Durch den Identitätskontrolleur wurde der PKW abgerufen, nachdem der Vergleich
des PKW - Kennzeichens mit dem Fahrzeugschein erfolgt war. Die Reisedokumente wurde noch einmal auf Vollständigkeit ( Anzahl der Reisenden und Anzahl der Pässe ) und auf fehlerfreie Abfertigung überprüft. Letztendlich erfolgte dann die Identitätskontrolle und der
Reisende konnte endlich seine Fahrt zum sehnsüchtig wartenden Zoll fortsetzen.
Nun ist es ein Roman geworden. Kürzer hab ich es nicht gepackt. Sorry !

Rabe


AlfredTetzlaff und PKE haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 02.12.2010 21:04
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Rabe
@ Hallo Gert

Aus zweierlei Gründen beantworte ich Deine Fragen gern:
1. Du fragst nicht nach dem Sinn oder Unsinn dieser Veranstaltung.
2. Bezeichnest Du Dich als " Kunde ". Es war auch meine persönliche Auffassung, daß der oder die Reisenden Kunden waren.
Mein Motto war: Der Paßkontrolleur wird vom Reisenden als uniformierter Vertreter des Staates wargenommen, den er be-
suchen wollte. Also der erste Eindruck ist entscheidend( meist auch bleibend ) vom Staat.

Was geschah nun mit den Reisedokumenten?
Um den Kontroll- und Abfertigungsprozeß optimal zu gestalten, wurde dieser im " Taktstraßen -System " gestaltet. Es gab also mehrere
Arbeitsplätze und die Reisedokumente wurden über Bänder und Rutschen von einem Platz zum anderen Platz transportiert. Der 1. Platz war der Paßannehmer/Kassierer. Er forderte vom Reisenden, den Reisepaß, den Fahrzeugschein, die ausgefüllte Zählkarte und
den Berechtigungsschein zum Empfang des Visum. Überprüft wurde hier die Gültigkeitsdauer des Reisepasses und der Berechtigungsschein zum Empfang des Visum. Die entsprechende Gebühr wurde erhoben und die Gebührenmarke als Quittung in den Paß geklebt. Alle Reisedokumente wurden für den nächsten Arbeitsplatz vorsortiert in eine Transporttasche gesteckt. Auf der Transporttasche befand sich ein Plasteschild. Auf diesem Plasteschild erfolgte mit einem Fettstift der sogenannte Personenschlüssel,
d.h. die Anzahl der Reisenden im PKW. Bei einem Einzelreisenden 1/0, zwei Erwachsene und ein Kind 2/1 usw. Die Tranporttaschen waren nummeriert, wegen der Reihenfolge der PKW und Abfertigung. Die Transporttasche wurde auf das Band zum Weitertransport gelegt.
Ich denke, daß die Milchglasscheiben an dieser " Hütte " ( Paßannehmerhäuschen ) nichts verdecken sollten. Bisher war nix geheim.Es handelte sich um einen einfachen Wärme- und Blendschutz. Klimaanlage gabs nicht.
Vom Paßannehmer gelangte die Transporttasche über das sichtbare Transportband ( je länger das Transportband, umso mehr
PKW standen in der Spur, desto besser war die kontinuierliche Abfertigung ) zum nächste Arbeitsplatz - dem Fahnder. Dieser
Paßkontrolleur überprüfte das Fahrzeugkennzeichen und die Personalien des Reisenden in der Fahndungskartei. Hieran schloß
sich die Echtheitsbeurteilung des Reisepasses an. Fälschungen, Verfälschungen, Fingierungen, Nachahmungen und Licht-
bildauswechslungen sollten festgestellt werden. ( Die DDR - Paßkontrolle hatte in der gesamten Welt eine große Wertschätzung. Ein DDR - Paßstempel war so etwas wie ein Gütesiegel für den Reisepaß ) Die Reisedokumente wurden wieder eingetütet in die Transporttasche
und gelangten schließlich zum Visaerteiler. Durch den Visaerteiler waren folgende Arbeitsgänge zu erledigen: Überprüfung der Reisedokkumente - Sachfahndung ( Vergleich der Reisepaß-Nr. mit Paßnummern von in den Meldeämtern der BRD in Verlust oder
geklauten Reisepässen. Abhandengekommene oder entwendete Fahrzeugscheine und Siegel, sowie die Realisierung der
Lichtbildfahndungen u.a.m. ) Nun wurde die Visaerteilung vorgenommen. Die Zählkarte und der Reisepaß gestempelt. Einreiseteil der
Zählkarte und Berechtigungschein zum Visaempfand wurden in entsprechende Ablagefächer abgelegt. Die Reisedokumente wurden
wieder eingetütet und an den Identitätskontrolleur weiter geleitet. Durch den Identitätskontrolleur wurde der PKW abgerufen, nachdem der Vergleich
des PKW - Kennzeichens mit dem Fahrzeugschein erfolgt war. Die Reisedokumente wurde noch einmal auf Vollständigkeit ( Anzahl der Reisenden und Anzahl der Pässe ) und auf fehlerfreie Abfertigung überprüft. Letztendlich erfolgte dann die Identitätskontrolle und der
Reisende konnte endlich seine Fahrt zum sehnsüchtig wartenden Zoll fortsetzen.
Nun ist es ein Roman geworden. Kürzer hab ich es nicht gepackt. Sorry !

Rabe











Ausgezeichnet Rabe, hast du sehr gut und verständlich dargestellt. Überrascht bin ich vom Umfang des Prüfungsverfahrens. Wenn ich zurückdenke, ging das Ganze, gemessen an den einzelnen Arbeitsschritten, doch recht zügig voran. Besten Dank.

Gruß Gert


.
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#13

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 02.12.2010 21:30
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Rabe und Gert, ich möchte euch nur schnell den User PKE, seine Website und seine Veröffentlichungen zu eurem Thema nahelegen.

u12_PKE.html
http://www.passkontrolle-ddr.de/


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#14

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 03.12.2010 12:27
von Zkom IV | 320 Beiträge

Hallo miteinander,
kann zu den hier gestellten Fragen auch nur auf die Publikationen vom User PKE verweisen. Habe gerade sein Buch "Guten Tag, Paßkontrolle der DDR" gelesen.
Viele neue und interssante Erkenntnisse. Eine Sache ist mir besonders aufgefallen. Im Buch, wie auch jetzt von @ Rabe wurde immer besonderer Wert auf das Erscheinungsbild sowie auf den Umgang mit den Reisenden gelegt.
Als geborener Westberliner ist man ja sehr häufig Transit gefahren oder auch mal in den Ostsektor eingereist. So weit ich zurückdenken kann, erfolgte die Abfertigung immer extrem korrekt. Aber von Freundlichkeit konnte da leider keine Rede sein. Ich fühlte mich immer extrem unerwünscht in diesem Staat.
Erst gegen Ende der 80iger Jahre wurde es etwas lockerer. Da konnte man sogar mal ein paar Worte wechseln, die nicht unmittelbar mit der Abfertigung zu tun hatten. Ein Erlebnis ist mir bei einer Einreise nach Ostberlin in Erinnerung geblieben.
Auf der Einreisekarte hatte ich unter Beruf nur "Beamter" eingetragen. Bei der Zollkontrolle fragte mich der dort eingesetzte Kollege dann: "Was für ein Beamter sind Sie denn ?" Ich antwortete: "Ich bin Zöllner, so wie Sie" . Er antwortete nur "Das ist schön" und entließ mich aus der Kontrolle.
Seitdem habe ich unter Beruf immer "Zollbeamter" eingetragen und damit auch nie Schwierigkeiten gehabt.
Noch eine Frage zum Verhältnis PKE/GT zum Zoll.
Als ich in der Wendezeit (Dez.1989 bis Sommer 1990) recht gute Kontakte zum Ostzoll bekam, hatte ich immer den Eindruck dass das Verhältnis zwischen diesen beiden Verwaltungen nicht so gut war. Ich selbst habe das im Fruühjahr 1990 an der neu errichteten GÜSt Kleinmachnow erfahren müssen. Ich weilte an diesem Tag etwa 50m auf DDR Gebiet, in "voller Montur" bei den dortigen Kollegen der DDR Zollverwaltung als der Kommandant der GÜSt, ein Major M., zu mir trat und mich recht unmißverständlich aufforderte das Terretorium der DDR zu verlassen, es gäbe hier noch kein "Verbundzollamt"!!
So trabte ich "befehlsgemäß" wieder Richtung Westsektor. Einige Tage später sagten mir die Ostkollegen, dass sie diese Aufforderung recht unhöflich fanden, aber das Zusammenarbeiten mit der PKE/GT sei schon immer schwierig gewesen.
Wie war den nun aus eurer Sicht das Verhältnis zwischen Zoll und PKE. Wir haben, so glaube ich, hier keinen ehemaligen DDR-Zöllnern im Forum?
Gruß Frank



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#15

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 03.12.2010 12:39
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Zkom IV
Wir haben, so glaube ich, hier keinen ehemaligen DDR-Zöllnern im Forum?



Was den Zeitraum von 1990 bis zum Aussortieren von "belasteten" Kadern betrifft zumindest einen. Allerdings weiß ich nicht wieviel @Gilbert zu deiner Frage beitragen kann, da es ab 1990 ja quasi schon eine vollkommen andere Zeit war. Zum Verhältnis Zoll/PKE sollte aber auch @Drewitz etwas sagen können.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 03.12.2010 12:39 | nach oben springen

#16

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 03.12.2010 13:02
von sentry | 1.083 Beiträge

Zitat von Pitti53
..aber es gab doch die Einlaßkontrollen an den Güst'en Autobahn und Bahnhof,diese wurden doch durch Posten der Sik besetzt.Dort soll es manchmal zu kontroversen gekommen sein.die Sik hat dort seeehr übereifrig kontrolliert,die PKE hat sich öfter beim Kommandanten beschwert.Aber es kam nie zu Maßreglungen.ganz im gegenteil,Belobigungen wegen guter Dienstdurchführung.der Oberst ließ auf seine Leute nie was kommen.



Erst einmal zur Info: Der letzte Kommandant der GÜSt wohnt in Harbke OT Autobahn, sozusagen auf dem alten Kasernengelände. Über den langjährigen Kommandanten Oberst M., von allen nur "Obst" genannt, kann ich allerdings nichts sagen.

Jetzt erst einmal schönen Dank an Rabe für die Auskünfte - sehr aufschlussreich, wenn sie mir auch sehr "political correct" vorkommen.
Die Schilderungen bzgl. der Befehlsgewalt in der GÜSt waren allerdings sehr hilfreich, zumal aus erster Hand.
Ich hatte natürlich Anlässe aus meiner eigenen Dienstzeit, die mich nach den Zusammenhängen PKE/SiK fragen ließen.
Da die Darstellungen von Rabe allerdings im Großen und Ganzen Harmonie ausstrahlen, decken sie sich nicht so ganz mit meinen Erlebnissen.
Insbesondere an den von Pitti erwähnten Einlasskontrollen kam es relativ häufig zu kleinen formellen Reibereien. Einem übermütigen Gefreiten, der kurz vor der Entlassung stand, brachte das sogar ein paar Tage nachdienen ein. Er hatte wohl einem PKE-Fahrzeug Teile seiner Postenverpflegung (Apfel) hinterhergeworfen. Der Anschiss war sicher in soweit berechtigt, wenn auch die Strafe vielleicht unverhältnismäßig hart ausfiel. Aber das Ereignis sagt schon ein bisschen etwas über das Verhältnis SiK-Soldaten/PKE aus...sowohl der Apfelwurf als auch der prompte Anschiss und die harte Strafe.

Die Aussagen in Pitti's Zitat muss ich denn auch ein bisschen relativieren. Ganz allgemein hat die Sik nicht übereifrig kontrolliert - im Gegenteil, viele Soldaten haben bekannte Zivilisten, aber auch täglich wiederkehrende Fahrzeuge (Bäcker, Post usw.) überhaupt nicht kontrolliert. Das galt natürlich nicht, wenn Vorgesetzte oder eben Angehörige der PKE in der Nähe waren. Meistens waren dann aber auch die Zivilisten besonders vorbildlich und hielten statt z.B. normalerweise der klein zusammengefalteten Zeitung ihre Papiere aus dem LKW-Fenster.
Penibel wurden tatsächlich die PKEler kontrolliert...sie wurden auch mal warten gelassen, wenn man bei der Kontrolle die Wahl zwischen mehreren Ankömmlingen hatte.
Das Pochen auf die Vorschriften und die vorzuweisenden Dokumente führte denn auch tatsächlich zu gelegentlichen Beschwerden. Auch dazu ist mir eine prägende Anekdote bekannt, die meinen Kameraden Gefr. H. zum kleinen Helden der SiK machte, die den Obst und unseren KC zwar tatsächlich heißblütig für das Verhalten der Soldaten eintreten ließ, letztendlich aber doch zur Änderung der Vorschriften an diesem Postenpunkt führte und zwar ganz im Sinne der PKE.

Naturgemäß verteidige ich natürlich meine Kameraden, aber man muss auch ganz klar zugeben, dass wir als Soldaten unsere kleine Machtposition an den Kontrollpunkten oder auch als Gehilfe des DHO/Eisenbahn schamlos ausnutzten. Es war uns natürlich regelmäßig ein innerer Abgang, wenn man einen Offizier (der Stasi) ein bisschen schikanieren konnte, einfach in dem man sich besonders vorschriftengetreu verhielt oder die persönlichen Möglichkeiten ausnutzte, um ihn ein bisschen zum Kochen zu bringen. Auch dazu könnte ich viele kleine Anekdötchen erzählen.
In der Summe, denke ich, haben wir aber dennoch verloren. Meistens war die Dienstdurchfürung eben nicht besonders akurat, so dass wir potenziellen Anscheissern durch Dummheit mehr Futter boten, als wir ihnen durch kleine Schikanen abringen konnten.
Und sicher hätten wir damals gerne jede kleine Warteminute zurückgenommen, wenn wir dem blöden Apfelwerfer dadurch das Nachdienen hätten ersparen können.


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#17

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 03.12.2010 16:40
von Zkom IV | 320 Beiträge

Muß jetzt nochmal nachfragen ob ich die Struktur einer GÜSt richtig verstanden habe.
Da gabs also drei Bereiche: Zoll, PKE und GT. Die Sicherungskompanie gehörte zu den GT. Chef einer GÜSt war der Kommandant, welcher den GT angehörte. Der war Chef des gesamten Geländes, aber den Paßkontrollkräften nicht weisungsbefugt. Die Zöllner hatten als Chef den Leiter des GZA.
Wer war denn jetzt direkter Vorgesetzer für die PKE.

Gruß Frank



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#18

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 03.12.2010 17:13
von Rabe (gelöscht)
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Hallo Zkom IV

Auch die Paßkontrolleinheit hatte einen Chef. Leiter der Paßkontrolleinheit.

Rabe


zuletzt bearbeitet 03.12.2010 17:17 | nach oben springen

#19

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 03.12.2010 17:23
von Zkom IV | 320 Beiträge

Hallo @ Rabe,
Habe ja gerade das Buch "Guten Tag, Paßkontrolle der DDR" gelesen, konnte mich aber daran nicht erinnern. Dank vorerst für den Hinweis. War der Leiter PKE denn auch gleichzeitig Zugführer PKE, denn den gabs doch auch ?
Bei so vielen selbstständigen Bereich war doch eigentlich ein Kompotenzgerangel von vornherein angesagt. Warum hat eigentlich nicht der Kommandant der GÜSt für ALLE das Sagen gehabt. Wäre das nicht einfacher gewesen ?

Gruß Frank



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#20

RE: GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

in Grenztruppen der DDR 03.12.2010 17:48
von Eumel | 139 Beiträge

Zugführer waren die "Schichtleiter" und falls der Leiter der PKE bzw. dessen Stellvertreter (je nach Größe der Güst gab es da auch mehrere (z. B.: Leiter Operativ)) nicht da waren bzw. ausser Dienst, dann waren diese amtierende Leiter. Entscheidungen gingen aber auch bei Wichtigkeit über Lage- Informationsgruppe bzw. Fahndungsleitstelle. Leiter PKE war natürlich je nach Vorkommnis auch sofort zu informieren. War nicht alles so einfach mit den Kompetenzen.

Der Kommandant hatte ja bei der Sicherung der Güst das Sagen. Allerdings eben nicht bei den operativen Vorgängen. Da gehörte eben (sehr weit gefasst) auch die Abfertigung dazu. Also spezielle Zoll- und Abfertigungsprozesse wurden von den eigenen Ministerien verantwortet. Durch die Involvierung verschiedener Ministerien hatte eben auch jeder seine eigenen Kompetenzen. In der Wendezeit wurde das ja dann auch verändert und die Grenztruppen waren auch für Abfertigung verantwortlich.

Zum Verhältnis Zoll - PKE kann ich auch nichts negatives sagen. Man hat zusammen gegessen und gab eigentlich auch in der Zusammenarbeit aus meiner Erinnerung keine Probleme. Gab da auch private Kontakte. Wird da auch überall anders gewesen sein. Trifft sicher auch auf SiK zu. Da gab es eben auch kaum Kontakte je nach Güst. Ansonsten kann ich da Rabe nur bestätigen. Auf alle Fälle war es wichtig, den Kommandanten als Chef des ganzen zu grüßen, sonst gab es Beschwerden


PKE hat sich für diesen Beitrag bedankt
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