#1

Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 18.11.2010 20:51
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Das Leben eines Grenzers im Spiegel der Satire.

Es war Frühling und wir wurden in das heutige Kinder- und Jugenderholungsheim geschickt.

http://www.dittrichshuette.de/pdf/lagepl...richshuette.pdf

Eine kostenlose Eisenbahnfahrt erwartete uns auf der wir Jungs uns kennen lernen durften. Die Gegend versprach viel von den Landschaftlichen Reizen und wir sollten nicht enttäuscht werden diese auch kennen zu lernen.

Meine Unterkunft war im Hamsterbau und ich packte meine Sachen aus. Das meiste durfte ich wieder nach Hause schicken weil man sich sogar um Kleidung für uns bemüht hatte und einen eigenen Spind gab. Weil junge Menschen immer schusselig sind, nahm der Leiter unserer Gruppenleiter (Obergruppenleiter) den 2.Schloßschlüßel an sich.
In den vielen nächsten Tagen brachte man uns bei, wie man läuft ohne von den anderen Gruppen aufzufallen. Ja sogar das singen lernten wir und die Gegend mal so richtig kennen.

Da gab es einen Spielplatz mit Tunnelröhre zum verstecken, eine Balkenbarriere bei der wir mal richtig unten drunter durch den Schlamm kriechen durften und sogar eine Holzwand gegen die wir anfangs gerne rannten. Leider war der schöne graben nicht mit Wasser gefüllt, einige hätten bestimmt im Sommer mal ein schönes Bad genommen.

Auch unser Gruppenleiter war sehr nett zu uns, er achtete immer darauf dass unsere Stiefel gut geputzt sind, welche wir dann vor dem Spind stellten. Aber der Nicolaus war wohl zu sehr beschäftigt, denn unsere Stiefel füllte er nie. Dafür tröstete uns der Gruppenleiter jeden Morgen mit Spielen wie Einholen und Überholen, das machte soviel Freude dass wir oft 3.000 Meter liefen und uns hinsetzten mit schlechter Laune weil das Spiel vorbei war. Oder wir durften mal mit Panzerkettenglieder Spielen wie echte Panzersoldaten.

Aber am meisten machten die Nachtwanderungen Spaß, man dachte jetzt muss man schon wieder um 22.00 Uhr die Nachtruhe einhalten und dann pfiff jemand und sagte. Ganz schnell aufstehen, wir machen heute mal Nachtwanderung. Man was waren wir vor Freude schnell in den Klamotten und standen voller Spannung vor unserem Hamsterbau. Meistens schwindelte uns der Gruppenführer nur an und wir mussten wieder ins Bett. Aber einmal, da kamen richtig große Autos angefahren und nun durften wir Schnippseljagt in der Nacht machen.

Inzwischen kannten wir die Gegend ja so gut dass sich niemand verlaufen konnte.

Nach 6 Wochen gab es eine große Feier und unsere Eltern durften uns besuchen um zu sehen wie es uns geht, aber keiner wollte mit nach Hause, es war ja sooo schön dort.
Ich glaube wir wurden schon auf irgendwelche Berufe vorbereitet, die meisten wollten Diener werden denn (fast) alle sagten: „Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik“.

Ich wollte eigentlich etwas anderes lernen, aber sagte es auch und so wurde mir auch die Anfangsstufe der Küche gezeigt. Wer Dienen möchte sollte die Lebensmittel und ihre Verarbeitung kennen, also schälten wir auch oft Kartoffeln. Ich weis nicht für wen, denn von meinen geschälten Kartoffeln bekam ich nur 5 ab.

Endlich durften wir mal alleine in die nächste Stadt, wie die Eltern zu Hause bemühte man sich um Korrektheit, das wir auch saubere Fingernägel haben und gut aussehen, denn wir sollten ja lernen Mädchen anzubaggern. Damit sich keiner verläuft kontrollierten immer einige vom Lager ob wir noch wissen wo wir sind. Sie fuhren uns dann auch wieder in den Hamsterbau. Zuhause musste ich immer laufen.
Irgendwann wurden wir nach Hause geschickt, aber das gefiel vielen nicht und so kam es das wir uns alle nach einigen Tagen wieder im Jugendlager Trafen. Alle sind von zu Hause wieder abgehauen. Auch ein 2. versuch uns nach Hause zu schicken fruchtete nicht. Also behielt man uns ein ganzes Halbes Jahr mit der Qual sich immer wieder neue Spiele ausdenken zu müssen. Wo erlebt man heute soviel Führsorglichkeit?

Nach einem halben Jahr kam der Lagerleiter und sagte, „Ich habe so viele Anfragen von anderen Jungs die auch hier Urlaub machen möchten, darum müsst ihr uns jetzt verlassen“.
Es war ein Trauriger Tag und man dachte sich als Andenken einen Trauermarsch aus, der das Ganze Umfeld noch einmal erleben ließ, sogar auf den Spielplatz durften wir uns noch mal austoben und die ganzen schönen Regendichten Sachen bim Laufen anziehen.

Wir wurden getröstet das wir in ein neues Lager kommen und dort brauchten wir auch keine Angst haben uns zu verlaufen. Man hatte extra für uns 2 Zäune gebaut wo wir ungestört die Tiere beobachten können oder Pilze sammeln, sogar nachts gäbe es einen schönen Sternenhimmel zu sehen und wenn jemand lange weile hat darf er sogar mal eine Weiße Leuchtpatrone abschießen um sich dann aus dem Behälter etwas zu basteln für Bandmaß oder so. Ein Bandmaß ist zum nähen nie verkehrt, also sollte es geschützt sein.

Wir wurden nicht enttäuscht, ich hoffe die Heute dort Ferien machen haben weniger Spass, ich gönne ihnen unsere Freude nicht.

EK 82/2

Eine kleine Geschichte zum Lachen oder auch nicht, aus lange Weile geboren.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
Fischerhütte, T55TK, Ostlandritter und Harsberg haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 18.11.2010 22:04
von Theo85/2 | 1.198 Beiträge

Hallo EK82/2

Ich finde Deine Geschichte wirklich gut. Sie kommt einem irgendwie bekannt vor!

Theo 85/2


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#3

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 18.11.2010 23:56
von P3 | 357 Beiträge

Hallo EK, Deine Geschichte hat mich zu Tränen gerührt ! Genau so habe ich es auch erlebt, konnte es aber nie so ausdrücken !

Übrigens, ein netter Onkel von damals, ist dort heute noch aktiv !

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


zuletzt bearbeitet 18.11.2010 23:57 | nach oben springen

#4

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 19.11.2010 17:02
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

hi p3,
siehste,so betrachtet war doch alles gar nicht so schwer.
somal es ja noch viel mehr gab.der gute onkel (scholz,nehme ich an) organisierte immer solche guten märchenstunden wo uns aus büchern von rotkäpchen und dem bösen wolf vorgelesen wurde und erst das sandmännchen im frnsehen (ich glaube es hieß karl eduard von der hütte)
erzählte immer so gruselige einschlafgschichten das wir nacher lachten um unsere angst zu verdrängen.
auch alle unkrautsorten lernten wir im kiesgarten kennen, der onkel erlaubte uns ganze eimer voll zu sammeln.

ja so war sie die gute hütte.

gruß andy.


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
zuletzt bearbeitet 19.11.2010 17:04 | nach oben springen

#5

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 19.11.2010 19:30
von P3 | 357 Beiträge

Hallo Andy,

Deine satirische Schiene gefällt mir !

Ich versuche es auch einmal !

An eine Geschichte von der guten Hütte erinnere ich mich auch noch. An einem Morgen, Mitte Dezember 1981 haben wir beim Frühstück wieder mal gebummelt. Und gerade an diesem Tag hatte man Besonderes mit uns vor. Unsere Betreuer waren schon ganz ungeduldig, wir brauchten viel zu lange zum kauen, mussten los, aber das halbe Marmeladenbrötchen durfte man aber nicht mitnehmen. Das Tolle war, ich hatte auch noch Geburtstag. Au fein, dachte ich, mit allen Kumpels Geburtstag auf einem ganz großen Spielplatz feiern, das ist eine feine Sache. So wanderten wir mit unseren Spielsachen in die Heide, es lag Schnee und frischer Regen fiel herunter. Auf unserem Spielplatz gab es viel zu entdecken. Die Spielgeräte waren fast alle aus Beton, und so krabbelten wir von Gerät zu Gerät durch den nassen Schnee. Das war erst langweilig, doch dann spielten wir Verstecken. Dazu hatten wir uns weiße Umhänge übergezogen, so daß uns die Freunde im Schnee nicht erkennen konnten. Ein Spielgerät hieß Schützengraben und der nasse Schnee spritzte so schön beim Hineinspringen. Weil wir so gut versteckt waren, hat uns auch keiner gefunden, bis uns unsere Betreuer wieder einsammelten und wir wieder in unsere Hütte wanderten. Das Wandern tat gut, denn unsere Sachen waren ganz nass vom Spielen und so wurde uns wieder warm. Nach dem Abendessen habe ich dann meinen Geburtstag gefeiert,mit Vita-Cola und Butter-Keksen aus Wurzen.


Ja natürlich, die abendliche Fernsehstunde, ich habe einige Male die Öfen vorbereitet, Kohle mit Kohlenanzünder und Papier in die Kanonenöfen gestopft, denn punkt 19.30 sollte es im Fernsehraum für die Aktuelle Kamera so richtig mollig warm sein !


Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


zuletzt bearbeitet 19.11.2010 19:32 | nach oben springen

#6

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 19.11.2010 19:45
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

hallo p3,
siehste,aus dem richtigen winkel betrachtet hattest du doch auch ein schönes ferienerlebnis und gut beschrieben.
erinnerst du dich noch daran das wir mal in einer schwimmhalle mit sachen ins becken springen durften?das durfte ich nie wieder,schade.
oder das lagerfeuer in plauen wo wir vor freude nur so durchrannten,die hatten zwar kein holz,aber improvisierten mit feuerschalen.

jetzt kommt langsam auch mein sentimentaler durch bei all den schönen erinnerungen.übrigens waren die spielsachen nicht einfach nur aus beton,es waren große legobausteine. und eine wippe gab es auch über die wir gerne rannten.ich will wieder hin!

gruß andy


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zuletzt bearbeitet 19.11.2010 19:50 | nach oben springen

#7

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 20.11.2010 21:34
von P3 | 357 Beiträge

Ja Andy, die Hütte war eine Erfahrung für das ganze Leben. Irgendwie hatte es geprägt, für den Kanten wurde man hart gemacht. Im KU habe ich zu Hause im Laufschritt die Kohlen vom Schuppen ins Haus gebracht !

Ich erinnere mich auch an einen privaten Spezialeinsatz, musste mit Schwarzkombi nebst Beautycase und UW für einige Nächte bereitstehen. Ein Major hat mich dann nach Saalfeld überführt, um für seine Schwiegertochter ein paar Fliesen an die Wand zu bringen. Ich hatte keinerlei Werkzeug zur Verfügung, habe dann mit Töpferzange, Glasschneider, Hutschnur und Stahlnägeln den Auftrag ausgeführt. Meine Kameraden dachten ich wäre in Schwedt, sie freuten sich richtig, als ich nach drei Tagen wieder auf der Hütte war.


Sehe uns noch auf der Hütte erwachen, Rauhreif auf der Bettdecke im Winter 81/82, es gab pro Abend zwei Eimer Kohle. Die war so minderwertig, es stank immer gewaltig nach Schwefel ! kotz] In der Polenkrise haben wir dann mit voller Ausrüstung die Nacht verbracht, um dann bei Probstzella als Dachse die Grenze zu sichern, war lächerlich, nach sechs Wochen Grundausbildung ! Dann war die GK wie eine Erlösung, es gab eine Zentralheizung, das Essen war besser und man war so hart für den Einsatz am Kanten.

Gruß
P3


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#8

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 20.11.2010 22:19
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

@p3,das mit der polenkrise wurde uns gesagt das ausbildungseinheiten als verstärkung kommen,denn von unserem bt wurde ja immer eine gk nach erfurt verlegt.sie saßen abmarschbereit 3 tage auf zügen in erfurt für den transport an die polnische grenze.
zum glück erlebte ich die hütte nie im winter,essen gab es ja im 100 mann zelt,nicht im gebäude.und uns reichte es wenn es beim spielen regnete,aner so richtig schneballschlacht wollten wir nie.
mal sehen,die zeit bringt sicher noch mehr hüttenkumpels zum forum.
gruß andy


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#9

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 21.11.2010 15:05
von Lupo | 31 Beiträge

Passend zur Satiere mal ein Bild....Wer es erkennt, gewinnt eine Fußreise durch den Thüringer Elbsandsteinharz, Gepäck und Unkosten sind selbst zu tragen.....

Angefügte Bilder:

...und denkt immer daran - "morgen geht`s heim" !


zuletzt bearbeitet 21.11.2010 15:06 | nach oben springen

#10

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 21.11.2010 19:07
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

genau in der kurve war der KUGELBAUM ,ganz schön gewachsen das ding.eine kettensäge wäre ein besserer preis.ca.1,5km vom lager entfernt.hin und zurück machte 3 km.das problem der gute gutte war nie vorn.er deckte beim laufen mit roten kopf unsere rückfront.vielleicht sah er sich als schnelle eingreifreserve?
ich liebe das teil.
amdy


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zuletzt bearbeitet 21.11.2010 19:23 | nach oben springen

#11

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 22.11.2010 11:29
von P3 | 357 Beiträge

Ja der prickelnde Lauf am Morgen ! Auf dem Rückweg kamen uns dann die Kameraden entgegen, deren Verfassung nicht so gut war, ihren netten Zugführer mit ermunternden lauten Worten im Genick !

Gruß
P3

Angefügte Bilder:

Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#12

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 22.11.2010 22:09
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

hallo p3,
kannst du dich noch an "becher braun" erinnern?die flogen auf der fahrt in die gk massenhaft in den strassengraben trotz verbot von major braune.ich glaube eifrige sucher finden heute noch welche.
andy


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#13

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 23.11.2010 14:17
von P3 | 357 Beiträge

Hallo Andy !

Kann mich erinnern, daß Dachsbecher auf der Hütte an einer Funkantenne aufgefädelt wurden. Das gab richtig großen Ärger !


Ja man könnte mal im nächsten Jahr auf Spurensuche gehen, was man um die Hütte herum so alles fíndet.



Gruß
P3


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#14

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 23.11.2010 15:57
von moreau | 384 Beiträge

Die Schleiferhütte kenn ich nur aus einem 4 wöchigen Gastspiel im Sommer 84. Da war ein Kradlehrgang angesagt. Während dieser Zeit "durfte" mal einer der eingesessenen "Urlauber" unter Vollschutz und mit sämtlichen Gebäck etliche runden ums Karré rennen. Laut Gerüchten isser mit dem Bus von der Spielwiese reingefahren!? weil er keinen Bock hatte zum Reinlatschen. War das überhaupt möglich ?? BUS ?? Jedenfalls waren die Herren Vorgesetzten not amused. über dererlei unsportlichen Verhaltens.

Gruß
moreau


zuletzt bearbeitet 23.11.2010 16:06 | nach oben springen

#15

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 23.11.2010 16:54
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

ich kann es mir nur so vorstellen das er auf dem rückmarsch in die kompanie von der truppe entfernte und eine station mit dem bus fuhr weil dieser grade kam.
an die art der bestrafung habe ich keine zweifel,wer wollte es verhindern?beschweren hieße ausgangssperre.
andy


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#16

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 23.11.2010 19:33
von P3 | 357 Beiträge

Winter 1982. Ein beliebter Spielplatz für kleine Grenzer war in der Nähe von Plauen. Irgendwas mit Grün und Schnecken, so genau weiß ich es nicht mehr. Besonders im Winter hatte dieser Wandertag für uns tolle Überraschungen parat, wie sich später zeigte. Wir brauchten nicht mal laufen, denn die " Bärenstarken aus Ludwigsfelde " , so nannten wir liebevoll unsere Pferdekutschen, brachten uns zu diesem lustigen Ort. Es war bitter kalt, aber wir waren so aufgeregt und gespannt auf die Spiele, die unsere Betreuer mit uns vorhatten, daß wir die Kälte vergaßen. Man hatte dort schon einiges vorbereitet, so viele tolle Spielgeräte. Da stand ein ganz alter Panzer. Man sagte, unsere sowjetischen Freunde haben den vergessen. Nun durften wir alle mal unter der Bodenwanne durchkriechen. Das hat fast allen Freunden riesig Spass gemacht, außer unserem Dickerchen, der blieb mit seinem Teil Eins in der Mitte des Panzers stecken. Das war erst lustig, doch dann haben wir ihm geholfen, er fand es nämlich gar nicht lustig, wir zogen ihn dann an den Füßen wieder hervor. Dann kam auch endlich die Sonne über dem Platz hervor und der anfangs harte Boden wurde weich und geschmeidig, zum Spielen ideal ! Die besondere Überraschung kam dann gegen Mittag. Ein richtiger Panzer stand für uns bereit ! Er fuhr immer im Kreis, ein lächender Onkel saß auf dem Turm. Da war so ein Loch, wie ein Brunnen, in das wir hineinhopsen mussten. Wir spielten also Panzer bekämpfen ! Nachdem der böse Panzer über das Loch rollte, sollten wir wieder rausgucken und eine Handgranate nach dem Panzer werfen. Da aber ein lächelnder Onkel auf dem Panzer saß, spielten wir nur Handgranate und warfen ein gedachtes Exemplar aus Luft nach dem Bösewicht ! Das hat übelst Spass gemacht ! So langsam weichte der Boden immer mehr auf, und das Loch füllte sich mit so gelben Schlamm. Mein Kumpel fand es auch nicht lustig, daß er stiefeltief im Schlamm steckte, es erwischte ihn auch noch die Kette vom bösen Panzer. So kam der Schlamm auch noch von oben, er tauchte völlig verschlammt aus dem Loch hervor und warf seine gedachte Handgranate. Sie war diesmal nicht aus Luft, sondern aus gelber Pampe. Sie traf den lächelnden Onkel auf dem Turm des Panzers, der sofort das Lächeln einstellte und einige böse Worte dem Werfer entgegen warf. Man konnte es nicht richtig verstehen, weil der Panzer so einen Krach machte, es müssen aber wirklich schlimme Worte gewesen sein, denn die schöne Uniform des Onkels auf dem Panzer war voller gelber Pampe. Er verstand halt keinen Spaß, obwohl wir zum Spielen gekommen waren. Zum Glück wurde die gelbe Pampe auf dem Heimweg schnell trocken und wir konnten dann den ganzen Abend auf der Hütte unsere Spielsachen ausbürsten und hatten damit bis zum Schlafengehen eine sinnvolle Beschäftigung.

Ein weiterer, schöner langer Wintertag auf der Hütte war vergangen und wir hatten so viel gelernt ! Besonders, wie man aus lächelnden Onkels auf Panzern, böse Onkels macht !

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#17

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 13.01.2011 16:33
von TOMMI | 1.987 Beiträge

Ja, so war dies mit diesen Kinder- und Jugenderholungsheimen.
Der erste Durchgang des Jahres begann immer Anfang Mai (meistens der 2.),
der zweite im um den 1.November. Abweichend die Ferienlager, die bestimmt unsere
Freunde Feliks D, Gilbert, Rabe etc besucht haben. Da begann es einen Monat früher.
Fing ein Durchgang am 1.April an, stand auf der Einladung: "Kein Aprilscherz !"


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#18

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 08.09.2011 20:45
von Fischerhütte | 61 Beiträge

Hallo,

hier mal wieder etwas zum "Auffrischen". Durch diesen Thread bin ich ja wieder zurück zu einem Grenztruppenforum gekommen nachdem ich 2008 schon einmal kurze Zeit Zeitzeuge sein durfte. Damals war das Forum aber nach wenigen Wochen aus dem Netz "verschwunden" und ich hatte später andere Sorgen...

Zur Hütte: Meine Vorredner haben schon vieles zum Besten gegeben. Die Erinnerung ist wieder voll da! Nun habe ich damals unter Beachtung aller Vorsichtsmassnahmen tatsächlich während meiner Hüttenzeit ein Tagebuch geschrieben! Das war nicht immer einfach es bei Tiefenkontrollen zu verstecken! Später am Kanten habe ich es dann nicht fortgesetzt. Das war mir doch zu riskant. Deshalb enden meine Aufzeichnungen am 5. 5.1981. Wer erinnert sich zum Bsp. noch an den "3 Tagekrieg" (Komandostabsübung) vom 24.2.-26.2 1981 wo wir durch ganz Thüringen gekarrt wurden, an die Spielwiesentage auf der Schabsheide ("Höhe 609"), an den Grenzausbau in Sparnberg/Hirschberg mit "Campingplatz"in Birkenhügel im März 1981 (9.3. - 27.3.81). Da müsste es sogar vom BGS von Rudolphstein aus noch alte Filmaufnahmen geben, die uns unten in Sparnberg an der Saale bei Zaunneubau zeigen. Vielleicht erinnert sich auch noch jemand nach 30 Jahren an die Schießausbildung in Ruppersdorf und bei Hibu und an die Wachen über Weihnachten/Neujahr 80/81 an verschiedenen Standorten.
Namen sind hier auch schon genannt worden. Einige waren mir auch bekannt " 007" der gute Onkel Of. Sch... mit dem wir als ABK 3 (?) glücklicherweise nur am Rande zu tun hatten. Oder Onkel Major ........ (wie "...hütte"). Dann Uffz. Gu...e -ihr wisst schon wen ich meine. Er hatte auch noch einen anderen Namen ich glaube "Spooky tu" oder so ähnlich. Fortsetzung folgt......

Gruß Fischerhütte (EK 82/1)

@ P3: "war in der Nähe von Plauen. Irgendwas mit Grün und Schnecken": Schneckengrün!



zuletzt bearbeitet 08.09.2011 21:02 | nach oben springen

#19

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 15.09.2011 21:03
von Fischerhütte | 61 Beiträge

Hallo,
in meinem kleinen privaten Museum habe ich auch noch dieses gute Stück aus der Schleiferhüttenzeit gefunden. Man hatte wohl immer eine Ersatztasse parat zumal man ja nicht wußte, ob danach später in der Grenzkompanie gefragt wurde.(Was jedoch dann nicht der Fall war). Jedenfalls flog die eine in den Wachbereich bei Rausfahren aus der Hütte am 29.04.1981 um 5.30 Uhr und eine Zweite hatte man (mitunter) noch als Ersatz im Gepäck. Sie hat bis heute als Relikt überlebt. Eine Teil I Tasche besitze ich ebenfalls noch sowie eine Taschenlampe mit roter bzw. grüner Scheibe für den Kanten. Darauf war HG 82/1 eingeritzt. Beide Teile kommen dann später in die Galerie Ausrüstung......

Gruß von der Fischerhütte

Angefügte Bilder:


zuletzt bearbeitet 15.09.2011 21:04 | nach oben springen

#20

RE: Dittrichshütte als Satire

in Mein Grenzer Tagebuch 27.09.2011 20:08
von Fischerhütte | 61 Beiträge

Hallo,

hier jetzt eine Ereignis kurz beschrieben (oder mehr dokumentiert), das uns damaligen jungen Grenzsoldaten evtl. noch in Erinnerung ist. Kaum jemand wird aber diese Einladung heute noch besitzen.........

Es war wohl der erste Ausgang nach sehr stressiger Ausbildung in der Schleiferhütte mit allen seinen Schikanen etc.

Der 22.11.1980 war ein Samstag und auch ein vom Wetter her damals ein recht angenehmer Tag: "sehr mild, überwiegend hohe Bewölkung, niederschlagsfrei"......

Um 5.00 Uhr ging es los ! Anziehen und im Massentransport nach Rudolstadt zur Bleichwiese. An Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern. Mittags gab es wohl Suppe aus der Kanone........

Auch im Tagebuch finden sich keine weiteren Hinweise außer die eingeklebte Einladung.....

Wir wurden wohl gegen 18.00 Uhr wieder aus Bad Blankenburg zurück gefahren und mussten dann auf der Hütte um 21.00 ins Bett (lt. Tagebucheintrag).........

Gruß von der Fischerhütte

Angefügte Bilder:


zuletzt bearbeitet 27.09.2011 22:49 | nach oben springen


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