#41

RE: Gut Essen Gut Arbeiten: Betriebsessen in der DDR

in Leben in der DDR 20.01.2013 22:03
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #30
Bei mir ging es um Rangierer, die (eine Zeit lang) einfach keine Winterkleidung bekamen. Die hatten nicht vergessen zu bestellen, es war "aus".



Das muß ich auch bestätigen. Ich mußte wegen dieser ideotischen FDJ- Initative "Rangieraufgebot", auch sozialistische Hilfe genannt, 1980/81 3 Monate zum Rangieraufgebot nach Köthen. Zwangsweise versteht sich, weil man ja Lokführer werden wollte....! Heute wohl kaum zu glauben! Was keiner verstand, verstehen konnte und wollte. Dieser Aberwitz von irgendwelchen Schreinbtischbonzen im Blauhemd hat der personalsorgengeplagtenReichsbahn einige fähige Kräfte gekostet, die sich dieses Spielchen haben nicht gefallen lassen.

Ich war über den Jahreswechsel 80/81 dort. Natürlich wollte man mich Weihnachten und Silvester gleich mit Nachtschichten verhökern, war ja nur durch Gwd schon 78 und 79 nicht zu Haus. Da hat es mir gereicht. Hab im Bw Wernigerode die Kündigung auf den Tisch geknallt, urplötzlich waren Schichten über den Jahreswechsel kein Thema mehr....

Aber darum soll es mir nicht gehen. Der Winter war auch sehr streng, kalt und schneereich. In Köthen schwammen die Rangierwege zwischen den Gleisen auch bei strengem Frost. Ursache waren aus den Wagons gerieseltes Salz. Dazu pfiff der A- Typische Bahnhofswiind dort besonders heftig! Anständige Winterklamotten, angedangen von Schuhwerk, Wattejacke: Fehlanzeige! Weil ich es vor Kälte nicht mehr ausgehalten habe und mal wieder mit Abzug drohen mußte, wollte man mir eine (gebrauchte, verdreckte und verkeimte, stinkende Wattejacke andrehen, die würde heute kein Obdachloser nehmen! Wieder Theater, man hat mir dann eine neue Wattejacke aus meiner Dienststelle geschickt! Kann mir doch bis heute keiner erzählen, das eine nicht gerade kleine Dienststelle wie der Bf Köthen keine Wintersachen für die Mitarbeiter hatte!
Unsere Unterkunft auf der Güterabfertigung war auch der sozialistische Krösus! Kaputte Fenster, ein Ofen der die beste Zeit auch hinter sich hatte und wo die Klappe defekt war. Beim Heizen immer einen Eimer Wasser daneben...Dielenfußboden...!

Warmes Essen oder Tee bei der eisiegen Kälte? Fehlanzeige! In der Tagschicht gab es eine Kantiene in der Lokeinsatzstelle Köthen. Die war aber soweit weg, das sich der Weg dahin nicht lohnte. Wir waren immer froh, wenn auf dem Stellwerk oder in der Aufsicht uns die dortigen Kollegen einen türkischen Kaffee kochten. Machte aber auch nicht jeder!

Der absolute Hammer war dann, wenn wir durchgefroren von der Schicht kamen, besonders schlimm waren die 12- Stunden Nachtschichten an den Wochenenden und wollten (warm) duschen, dann war meißtens das warme Wasser alle, weil wir erst in unsere Unterkunft mussten, um Handtuch usw. zu holen. Denn Umkleideschränke vor Ort gab es für uns nicht...

Das war Reichsbahn- Sozialismus und alles zum Wohle des werktätigen Menschen Anno 1980/81 pur...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

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zuletzt bearbeitet 20.01.2013 22:04 | nach oben springen

#42

RE: Gut Essen Gut Arbeiten: Betriebsessen in der DDR

in Leben in der DDR 20.01.2013 23:42
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #25
Am Beginn jeden schlechten Essens stehen unedingt Ideen- und Lieblosigkeit in der Küche.

Genau das war die Grundbedingung. Auch in Großküchen musste das Essen nicht unbedingt schlecht sein, war es aber oft, da dort keine Ideen zugelassen wurden, was immer dazu führt, dass die Liebe schnell verblasst. An eines erinnere ich mich aber in allen Kantinen: Der typische Geruch nach dem künstlichen Soßenpulver, dass eingesetzt werden musste (sowas wird auch heute noch eingesetzt, riecht aber nicht mehr ganz so penetrant). Das war ganz markant und das bekam man, war es einmal in der Kantine, auch nie mehr raus. Um so erstaunter war ich, als ich vor ein paar Monaten in eine Berliner Kantine kam und mir original dieser Geruch entgegenschlug. Zwei Gefühlsausbrüche übermannten mich: Die Freudenträne ob der Nostalgie und der Magenkrampf ob der Abneigung gegen das Zeug.

In einem kleineren Berliner Betrieb, tief im Osten der Stadt, erlebte ich auch im Jahre 2010 noch eine Kantine, wie zu Ostzeiten. Es war ohne Kunst aber zumindest liebevoll gekochte Hausmannskost, bei der die Teller fast überliefen. Die Kommunikation mit dem Typen in der Küche war fast familiär und er beging sogar den typisch ostdeutschen markentingtechnischen Selbstmord, auch noch Deteils über Beschaffung und Zubereitung lauthals zu erzählen. Es gab auch noch zum Teil Plastegeschirr und Alubesteck, aber das war egal. Den Leuten hat es geschmeckt, der Preis war außerordnetlich moderat für heutige Zeiten und mal ehrlich, wenn man im Arbeitsanzug in eine Kantine kommt, muss es nun weiß Gott nicht aussehen, wie im Adlon. Leider, möchte man fast sagen, wurde die Kantine inzwischen renoviert.

ciao Rainman


nun , die geschmäcker sind verschieden , habe sehr viel respekt vor dem beruf des 'koch's' !!! ist auch ein unterschied ob man für sag mal übertriebene tausend koche oder für wenige hundert !! aber zu mindest gab es zu ddr - zeiten in den meisten betrieben etwas zu kauen und das zu spottpreisen im gegensatz zum heute !!



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#43

RE: Gut Essen Gut Arbeiten: Betriebsessen in der DDR

in Leben in der DDR 21.01.2013 18:47
von josy95 | 4.915 Beiträge

@frank, ...dem ist wohl so!

Und allein. ob mir ein Essen von der Zusammenstellung und der Art her schmeckt oder nicht, daran kann ich noch lange keine Küche, keinen Koch und seine Mitarbeiter beurteilen. Beispiel Grützwurst oder besser bekannt unter tote Oma. Das kann noch so lecker zubereitet sein, da kriegt mich keiner ran!

Man merkt aber auch deutlich die Qualität und die Kunst des Koches und seiner Manschaft. Denn auch hier gilt und galt besonders zu DDR- Zeiten und Mangelwirtschaft, einige haben das Talent, aus Nichts was zu machen. Andere versauen sogar ein banales Spiegelei...


josy95


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