#1

Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 17.11.2010 09:05
von Angelo | 12.397 Beiträge

Seit 20 Jahren ist Deutschland vereint. In unserer Serie erzählen Menschen in loser Folge von ihrer ganz persönlichen Wende: Wie sie den Sprung in die neue Zeit bewältigten und wie sich aus ihrer Sicht ihr Leben verändert hat. Heute: Manfred Etzels Weg vom Verkehrspolizisten zum Polizeihauptmeister in Erfurt.

Ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, einmal eine blaue Polizeiuniform zu tragen. Der Weg bis hierhin war lang, manchmal unsicher, oft aber auch aufregend. Heute bin ich Polizeihauptmeister und vertrete die Polizeidirektion Erfurt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.

Angefangen hat aber alles 1972. Damals kam ich zur Volkspolizei, um genau zu sein, zur Verkehrspolizei. Wir waren die mit den weißen Mützen, mussten den Verkehr regeln, Unfälle aufnehmen und Fahrzeugkolonnen mit Politikern, Schwerlasttransporte und Radsportveranstaltungen begleiten.

Ich gehörte zur "Mot VK", wie das damals hieß. Das war die motorisierte Verkehrspolizei bei der Bezirksbehörde der Volkspolizei. Wir waren für den gesamten DDR-Bezirk Erfurt zuständig und fuhren als Dienstwagen Wartburg 353, B-1000 sowie Ladas und Wolgas aus sowjetischer Produktion. Wie heute auch gab es Geschwindigkeitskontrollen, wurden Rotlichtsünder ertappt und Unfälle aufgenommen. Allerdings konnten wir mit unseren polnischen Radarmessgeräten keine Fotos schießen. Im Bezirk Erfurt waren seit Mitte der 70er Jahre sogar Ladas vor allem auf Autobahnen unterwegs, die sogar während der Fahrt Geschwindigkeitsverstöße erfassen konnten. Mit Hilfe dieser Fahrzeuge sollten vermutlich vor allem von Westreisenden zusätzliche Devisen für Verkehrsverstöße kassiert werden.

Bis kurz vor der Wende spürte ich bei der Verkehrspolizei kaum etwas von der Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die Menschen in der DDR reagierten schon immer auf die weißen Mützen der Verkehrspolizei anders, als auf die grünen der kasernierten Einheiten und Streifenpolizisten.

Selbst am 7. Oktober 1989 habe ich von den Unruhen in Berlin während des Dienstes nichts mitbekommen. Wir mussten an diesem Tag mehrere Busse aus Erfurt in die damalige DDR-Hauptstadt Berlin eskortieren und für freies Durchkommen sorgen. Unsere Fahrzeugkolonne wurde so reibungslos gelotst, dass nichts von den Demonstranten zu sehen war. Sie dürfen sich das nicht wie heute vorstellen, wo über Funk im normalen Dienst alle Ereignisse mitgehört werden können. Damals waren die Funkkanäle den Diensteinheiten zugeordnet.

Von den Demonstrationen bekam ich erst nach Ende des Einsatzes im Fernsehen etwas mit. Im Gegensatz zu anderen Polizeieinheiten erledigten wir auch nach dem 7. Oktober weiter unsere Arbeit: Verkehr regeln und Unfälle aufnehmen.

Der Stress und die Veränderungen begannen erst mit der Öffnung der Mauer am 9. November 1989. Ich wurde mit ins Eichsfeld geschickt, um am dortigen Grenzübergang Teistungen den Verkehr zu regulieren. Bei den kilometerlangen Schlangen vor der Kontrollstelle konnten wir nur wenig ausrichten. Die Leute ertrugen die stundenlange Warterei freundlich. Viele freuten sich einfach nur auf den Moment, das erste Mal in den Westen zu kommen.

Wenige Tage später fuhr dann zwischen Leinefelde und Duderstadt sogar ein Pendelbus, mit dem die Menschen über die Grenze reisen konnten. Diesen Bus musste ich nun mit eskortieren, damit er an den Autoschlangen vorbeikam, um seinen Fahrplan einhalten zu können.

Die Menschen akzeptierten die Bevorzugung und machten Platz. Kaum jemand regte sich auf, dass der Pendelbus nun Vorfahrt hatte und die Verkehrspolizei dies durchsetzte.

Das ging einige Woche so und wir kämpften täglich mit dem zunehmenden Reiseverkehr in den Westen. Eine der Folgen waren deutlich mehr Unfälle, die bearbeitet werden mussten. Um die Automassen im Griff zu behalten gab es weitere Verkehrs- und Geschwindigkeitskontrollen und wir verteilten Stempel für Verkehrsverstöße.

In der DDR gehörte zu jeder Fahrerlaubnis eine Karte mit fünf Stempelfeldern. Wenn alle bedruckt waren, wurde die Fahrerlaubnis eingezogen.

Irgendwann im Sommer des Jahres 1990 bemerkte ich, dass diese Stempel in den Karten offenbar einen Sammlerwert erlangten. Immer öfter stoppten bei Verkehrskontrollen Autofahrer, die nichts falsch gemacht hatten, aber trotzdem um einen oder mehrere Stempelabdrücke baten. Ich erfüllte natürlich diese Bitten, denn es war abzusehen, dass die DDR nicht mehr lange existieren würde und die Stempelkarte ihre richtige Bedeutung verliert.

Mit den nun weit geöffneten Grenzen kamen auch immer mehr Autos aus dem Westen nach Ostdeutschland. Das führte zu einigen Überraschungen. Jeder DDR-Autofahrer wusste, wie er sich bei der Verkehrsregelung mit einem Posten und dem schwarz-weiß-gestreiften Stab zu verhalten hatte. Viele aus den Altbundesländern kannten aber nur die Stoppkelle ihrer Polizei und wirkten an Kreuzungen verunsichert.

Der große Umbruch für die Arbeit bei der Polizei kam mit dem 3. Oktober. Nun galten neue Gesetze und Regelungen. Beispielsweise wurde der Bußgeldkatalog eingeführt.

Gleichzeitig stieg die Verunsicherung unter den DDR-Polizisten. Es war anfangs völlig unklar, wer übernommen wird und wer nicht. Ich weilte im Juni noch im Urlaub. Nach meiner Rückkehr standen plötzlich Opel-Ascona-Polizeiautos neben den Ladas auf dem Hof. Ich erlebte eine völlige Umstellung, ab jetzt fuhr die Polizei mit Automatikgetriebe.

Nur wenige Monate danach begannen die Stasi-Überprüfungen. Die entsprechenden Fragebögen wurden an die Kollegen und mich verteteilt. Meine Vergangenheit bei der Verkehrspolizei bescherte mir zwar ein recht gutes Gewissen, die Verunsicherung blieb aber trotzdem.

Zum Glück kam die Antwort der Gauck-Behörde zu mir sehr schnell und stellte klar, dass es keine Hindernisse gibt, mich weiter als Polizist zu beschäftigen. Auf diesen befreienden Moment musste ich knapp ein Jahr warten.

Zuvor bereits, im Juli 1991, ernannte mich das Land Thüringen zum Beamten auf Probe. Um auch auf Lebenszeit verbeamtet zu werden, war 1992 noch ein zweimonatiger Lehrgang in Meiningen nötig, um das bundesdeutsche Rechtssystem kennenzulernen, wonach ein Polizist nun zu handeln hatte. Am 1. Dezember 1993 erhielt ich dann als einer der ersten Thüringer Polizisten meine Ernennungsurkunde.

Quelle: http://www.otz.de/startseite/detail/-/sp...mten-2023428317


nach oben springen

#2

RE: Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 17.11.2010 12:45
von Pit 59 | 10.158 Beiträge

Es hätte einiges mehr Überprüft werden müssen.Ich kenne zwei Polizei-Beamte die den Wehrdienst mit der Waffe verweigert haben,aus religiösen Gründen,und Heute stolz Ihren Dienst als Beamte auf Lebenszeit leisten Ist in meinen Augen nicht in Ordnung,Oder ?


nach oben springen

#3

RE: Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:32
von Chaoshenne (gelöscht)
avatar

irgendwie kommt mir der Name bekannt vor, ich kann mich aber auch täuschen,denn blaue Uniformen gab es auch in der DDR und zwar war das die Trapo (TRAnsPOrtpolizei) früher,die alle Züge kontrolliert haben und gerne auf Menschen herumgetroschen haben wenn Fussball in der DDR war.


nach oben springen

#4

RE: Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:38
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Zitat von Chaoshenne
irgendwie kommt mir der Name bekannt vor, ich kann mich aber auch täuschen,denn blaue Uniformen gab es auch in der DDR und zwar war das die Trapo (TRAnsPOrtpolizei) früher,die alle Züge kontrolliert haben und gerne auf Menschen herumgetroschen haben wenn Fussball in der DDR war.



bei den Fußballeinsätzen war sicher nicht die Trapo zuständig ,sondern die Bepo(bereitschaftspolizei)


nach oben springen

#5

RE: Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 02.02.2011 18:48
von MK1987 | 50 Beiträge

Zitat von Pitti53

Zitat von Chaoshenne
irgendwie kommt mir der Name bekannt vor, ich kann mich aber auch täuschen,denn blaue Uniformen gab es auch in der DDR und zwar war das die Trapo (TRAnsPOrtpolizei) früher,die alle Züge kontrolliert haben und gerne auf Menschen herumgetroschen haben wenn Fussball in der DDR war.



bei den Fußballeinsätzen war sicher nicht die Trapo zuständig ,sondern die Bepo(bereitschaftspolizei)




Es gab aber auch Trapo-Kompanien und die waren bestimmt auf den Bahnhöfen für´s Verdreschen zuständig...



nach oben springen

#6

RE: Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 02.02.2011 20:01
von Merkur | 1.025 Beiträge

Zitat von MK1987

Zitat von Pitti53

Zitat von Chaoshenne
irgendwie kommt mir der Name bekannt vor, ich kann mich aber auch täuschen,denn blaue Uniformen gab es auch in der DDR und zwar war das die Trapo (TRAnsPOrtpolizei) früher,die alle Züge kontrolliert haben und gerne auf Menschen herumgetroschen haben wenn Fussball in der DDR war.



bei den Fußballeinsätzen war sicher nicht die Trapo zuständig ,sondern die Bepo(bereitschaftspolizei)




Es gab aber auch Trapo-Kompanien und die waren bestimmt auf den Bahnhöfen für´s Verdreschen zuständig...




Ist schon klar. Die Angehörigen der VP haben natürlich auf die sich ordentlich benehmenden "Fußballfans" herumgedroschen. Diese "Fußballfans" haben auch nie die Gästefans angepöbelt/angegriffen, haben nicht mit Flaschen geworfen, haben nicht sinnlos Sachen und Eigentum anderer beschädigt und sind stets den Weisungen der Ordnungskräfte gefolgt.



nach oben springen

#7

RE: Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 02.02.2011 20:08
von Chaoshenne (gelöscht)
avatar

genau die Trapo war immer da, und die Bepo (ehrlich gesagt höre ich die Abkürzung zum ersten mal).Gästefans anpöbeln das solte man zweigleisig sehen denn dafür hat schon die Trapo gesorgt, ich komme aus den Berlinerbereich,ganz gut zusehen gewesen wenn Union Berlin gegen BFC gespielt hat...und das spüren von ausziehbaren stöcken spüre ich heute noch und ich war friedlich..ich schwör...


nach oben springen

#8

RE: Von der Verkehrspolizei zum Beamten

in DDR Zeiten 02.02.2011 20:14
von Merkur | 1.025 Beiträge

Zitat von Chaoshenne
genau die Trapo war immer da, und die Bepo (ehrlich gesagt höre ich die Abkürzung zum ersten mal).Gästefans anpöbeln das solte man zweigleisig sehen denn dafür hat schon die Trapo gesorgt, ich komme aus den Berlinerbereich,ganz gut zusehen gewesen wenn Union Berlin gegen BFC gespielt hat...und das spüren von ausziehbaren stöcken spüre ich heute noch und ich war friedlich..ich schwör...



Na das trifft sich ja. Da können wir ja mal fachsimpeln über den negativen Berliner Fußballanhang und seine Verhaltensweisen. Das waren natürlich alles vorbildliche Jugendliche und Jungerwachsene, die nur des Fußballs wegen in die Stadien gingen.
Dritte Halbzeit, was war denn das ?



nach oben springen



Besucher
35 Mitglieder und 74 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 2338 Gäste und 147 Mitglieder, gestern 3638 Gäste und 176 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14376 Themen und 558678 Beiträge.

Heute waren 147 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen