#1

Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 02.03.2009 22:58
von Rainman2 | 5.753 Beiträge
Hallo, vor allem an die Grenzer,

eigentlich ist es ja eher so eine Art visuelle Erinnerung, die ich hier "bewahren" und der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Als Offizier konnte man die verschiedensten Aufgaben bekommen. Während des Dienstes in der Stabskompanie des Regiments gehörte dazu der Streifendienst. Weißes Koppelzeug angelegt, einen Fahrer und einen Posten geschnappt und ab ging es, durch die Kneipenlandschaft von Dermbach und Umgebung. Gern gesehen war man nicht, aber hätte ich gemocht werden wollen, hätte ich schon mal grundsätzlich nicht Offizier werden sollen. Gelle?!

Von einer dieser Streifen brachte ich zwei Angehörige meiner Kompanie und einen von der Nachrichtenkompanie mit dem Auto "nach Hause" in den Stab, allerdings nur bis in die Ausnüchterungszelle. Während der Genosse der Nachrichtenkompanie am nächsten Morgen die Zelle 1 total zerlegte (komplett unter Restalkohol - er wusste Stunden später nichts mehr davon), unser Waffenunteroffizier die Nacht in Zelle 2 endlich mal zum Ausschlafen nutzte, war ein Gefreiter in Zelle 3 nicht bereit, mein Durchgreifen zu akzeptieren. Bereits in der Kneipe hatte er mir gegenüber Beleidigungen im Beisein anderer Angehöriger meiner Kompanie und Angehöriger des Stabes von sich gegeben. Ich weiß nicht mehr, was er gesagt hat, aber nett war es nicht. Unter den Tisch kehren konnte man es auch nicht, die Streife muss schon respektiert werden. Am nächsten Morgen forderte ich eine Stellungnahme, die fiel dünn aus. Es war ein Wiederholungsfall für ihn in dieser Art, also musste die Bestrafung entsprechend ausfallen. Ich vertrat zu diesem Zeitpunkt meinen Kompaniechef, also lag die Sache bei mir. In Abstimmung mit dem Offizier Innerer Dienst des Regiments, entschloss ich mich, dem Gefreiten 3 Tage Arrest zu geben.

Anbei die entsprechenden Scheine. Wir durften als Stabskompanie unsere eigenen Leute nicht in unseren Arrestzellen in der Wache unterbringen, sondern wir mussten sie in Mot.-Schützenregiment nach Bad Salzungen bringen. Deshalb auch die Vergleichmitteilung als An- und Abmeldung für die Verpflegungsstärke.

So einer war ich also auch.

ciao Rainman
Angefügte Bilder:

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 02.03.2009 23:01 | nach oben springen

#2

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 03.03.2009 17:31
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Guten Tag Rainman,wie war das eigentlich grundsätzlich mit dem Alkohol,war doch
bestimmt ein Thema bei euch. Haben sich viele heimlich aus Frust einen gezischt
oder wie war das. Wurde in der "Freizeit "viel getrunken ? Haben die Vorgesetzten
auch heimlich getrunken?
Kann mir vorstellen,das so manche Flasche geleert wurde.



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#3

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 03.03.2009 17:45
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo @Zermatt,

will der Antwort von @Rainman nicht vorgreifen, aber sicher war das bestimmt nicht anders als bei "unserer" Bundeswehr?! Da wurde und wird ja auch gesoffen was das Zeug hält. Zu meiner Zeit gab's etliche Z'ler mit Alkoholproblemen. Von den Wehrpflichtigen will ich gar nicht reden, sicher kennst Du den Spruch: Beim Bund lernst du das Bettenmachen und das Saufen.

Aber wie gesagt, ich will der Antwort von Rainman nicht vorgreifen ...


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#4

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 03.03.2009 18:18
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Hallo Zermatt,

Alkohol und Armee hat schon immer zusammengehört. Große Jungs sind halt stolz drauf, wenn sie viel vertragen. Ich kenne nicht allzu viele, die an der Offiziershochschule nicht an den Alkohol herangeführt wurden. Der einzige Schutz war oft eine recht- oder, in diesem Falle oft frühzeitige Hochzeit. Ich lernte das "richtige" Trinken mit Offizieren des Lubliner Garde-Mot.-Schützenregiments. "Sto gram" wie es bei den Russen heißt, 100 Gramm Wodka im Glas und ex. Somit kamen, wie ich, die meisten Offiziere mit alkoholischen Erfahrungen an die Grenze. Was gab es dort an Möglichkeiten der Freizeitgestaltung? Oft nur die Kneipe im Ort. Also ging es weiter. Es war kein zwingender Automatismus, aber hattest Du nichts und niemanden, der Dich motivierte, aus dem Teufelskreis rauszukommen, dann warst Du schnell gefangen. Gerade bei den unteren Stabsoffiziersdienststellungen lernte ich einige kennen, die bereits vollständig abhängig waren. Auch zu Feiern und Festtagen war das Trinken fester Bestandteil und bis hoch in höchste Regierungskreise Tradition.

Im Dienst an der Grenze konnte es vorkommen, dass ein Offizier mit Restalkohol zum Dienst kam. Das wurde als Kavaliersdelikt betrachtet und übergangen, solange er den Eindruck erwecken konnte, halbwegs Dienstfähig zu sein. Nebenher heimlich zu trinken galt eigentlich als unüblich. Allenfalls wenn Besuch da war (sowjetische Offiziere) oder wenn es etwas zu feiern galt. Aber Grundsatz war immer, einsatzfähig zu sein. Es gab aber auch Ausnahmen. Ein Studienkollege von mir, bereits zu Offiziersschulzeiten alkoholabhängig, wurde zum Soldaten degradiert und entlassen, weil er im Dienst getrunken hatte.

Dass Soldaten Alkohol in die Einheiten schmuggeln und ihn da auch trinken, wurde vorausgesetzt. Wer so blöd war, sich erwischen zu lassen, wurde halt bestraft. Das ging uns an der Offiziershochschule drei Jahre lang auch nicht anders, da kannten wir kein Mitleid. Nahm aber jemand den Alkohol mit in den Grenzdienst, z.B. in einer Thermosflasche der Postenversorgung, war das nahezu sicher eine Arreststrafe wert.

In der Stabskompanie wurden die Dinge nicht ganz so hart angefasst. Ich selbst wurde hin und wieder im Vorzimmer des Regimentskommandeurs von der Sachbearbeiterin auf ein Schnäpschen eingeladen um Wartezeit zu überbrücken und besser reden zu können. Mit unseren EK's unterhielt ich mich meistens vor ihrem Heimgang und erfuhr viele Geschichten, wie wir Offiziere über's Ohr gehauen worden waren. Meine Lieblingsgeschichte erzählte mir einer, der mir sagte, er habe mich einmal abgrundtief gehasst. Sie hätten etwas auf der Stube getrunken, ich sei reingekommen. Er habe die Schnapsflasche schnell mit seinem Fuß gegen die Wand gedrückt und die Decke drübergeworfen. Und dann war ausgerechnet ich, der Polit, da und laberte und laberte. Am Ende hatte er einen Krampf im Fuß, aber die Flasche wurde gerettet.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#5

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 03.03.2009 18:43
von nightforce (gelöscht)
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Hallo zusammen,
es gab schon einen Unterschied zur Bundeswehr, der Größte war sicherlich, daß Dienstfrei der Soldaten nicht auch gleich Ausgang aus der Kaserne bedeutete.
Klar wurde ab und an mal eine Flasche Schnaps in die Kompanie geschmuggelt, aber die wurde gemeinsam vernichtet, so daß man davon wohl kaum besoffen werden konnte.
Wenn allerdings Ausgang oder auch ne Urlaubsfahrt anstand, dann haben es einige sehr übertrieben.
Wer dabei erwischt wurde, für den war der Urlaub gelaufen.
In den größeren Umsteigebahnhöfen war immer ne Millitärstreife present, und die schaute eben nach allen Uniformierten.
Wer sich da auffällig benahm, wurde eben einkassiert.
Im Ausgang an der grünen Grenze gab es meißt nur eine Wirtschaft, in die man einkehren konnte, man trank dort ein paar Bierchen und noch eins zwei kurze und das war es dann, da passte der Wirt schon auf, daß es keiner übertrieb.
Bei uns in Gandow wurden wir bis zur Wirtschaft gebracht und abends auch wieder abgeholt, um uns den Fußweg nach Lenzen und zurück zu ersparen.
Das lief insgesammt sehr gesittet ab.
Probleme gab es wohl eher in größeren Ortschaften, wo mehrere Gaststätten zur Verfügung standen, dort wurde eben dann vermehrt Streife gefahren.

Gruß nightforce

zuletzt bearbeitet 03.03.2009 18:47 | nach oben springen

#6

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 03.03.2009 20:12
von Bürger (gelöscht)
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Hallo!

Bei uns war das auch so, in der GK habe ich nie etwas mitbekommen das getrunken wurde. Wer Ausgang hatte, wurde bis zur Kneipe gefahren und auch wieder abgeholt ohne Problehme und ganz in Ruhe.

Gruß Bürger


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#7

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 04.03.2009 00:07
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Hallo zusammen,

ich glaube, in den Grenzkompanien liefen diese Dinge überall recht entspannt ab. Es gab krasse Ausnahmen, und das waren Orte in denen "notorisch gesoffen" wurde. In dort angesiedelten Kompanien gab es regelmäßig Vorkommnisse mit Alkohol.

Aber mich würde mal interessieren, wie die Soldaten unter uns die Sache mit Arrest und vor allem mit dem Nachdienen aus heutigem Blickwinkel sehen. Ich meine, die Sache mit der Beleidigung der Streife in der Öffentlichkeit war schon derart beschaffen, dass man allein schon für die Dämlichkeit, das zu tun, bestraft werden musste. Es gab aber auch andere Delikte und auch "saisonale Bestrafungen". Als sich beispielsweise in unserem Regiment die Fälle von fahrlässigem Schusswaffengebrauch häuften, befahl der Regimentskommandeur pauschal: "Für jeden der fahrlässig schießt drei Tage!" Gab es so etwas bei Euch und wie seht Ihr das aus heutiger Sicht?

ciao Rainman


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#8

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 04.03.2009 08:21
von Transitfahrer (gelöscht)
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Moin,

ich kann mich da an zwei Vorfälle erinnern.
1. Neues Quartal, neue Rekruten. Einer durfte gleich bei Antritt ins "Café Viereck". 21 Tage Bau wegen einer Restjugendstrafe.
2. Ostern ist ein Rekrut aus dem Bau entlassen worden. Heimgang gab es natürlich nicht. Also hat er sich ein paar Flaschen Alk in den Kopf gehauen. Da er Fahrer war, klaute er sich den Schlüssel vom MAN-LKW und donnerte auf die Schranke zu. Zum Glück kam er von der Strasse ab und mähte einen Lichtmast um. Der ging direkt wieder in den Bau. Was dann weiter mit ihm geschah weiß ich nicht.

Die Zellen waren auch recht hübsch eingerichtet. Eine Schlafpritsche, die am morgen hochgeklappt und verschlossen wurde. Ein Stuhl und Tisch, die im Boden verankert waren. Ein Klo. Das wars.

Aber um in den Bau zu kommen, muß man schon recht herbe Vergehen begangen haben. Eine Beleidigung langte da nicht aus. Dafür gab es andrere "erzieherische Maßnahmen".

Alkohol bei der BW war damals kein Problem. Eine Kiste Bier kostete im Mannschafts- bzw Uffzheim etwa die Hälfte wie draußen. Anerkannte Alkoholiker liefen auch rum. Und ein paar Meter hinterm dem Tor gab immer eine Kneipe.

Außerhalb der Kasernen waren die Feldjäger für Ruhe und Ordnung zuständig.

Gruß
Peter


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#9

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 13.03.2009 15:07
von Rainman2 | 5.753 Beiträge
Hallo zusammen,

Die Arrestzeit bei uns musste "nachgedient" werden. Das war der eigentlich schlimmste Teil der Bestrafung, um den man fast nicht herumkam. Die Sache hatte aber auch eine zweite Seite, die eher wir Offiziere mitbekamen. Wir hatten in meiner Einheit einen Soldaten, der mit nahezu krankhafter Penetranz eine "Schwejkiade" durchzog. Ich weiß bis heute nicht, ob er das nur spielte oder ob er wirklich so war, meine zehn Gramm Menschenkenntnis lassen mich für zweites plädieren. Am Ende war er allen verhasst. Er wurde von Soldaten nachts verprügelt (einer dieser Soldaten musste deswegen nach Schwedt -Militärstrafanstalt- für ein viertel Jahr). Bis hin zum Offizier Innerer Dienst des Regiments waren alle mit den Nerven fertig. Man konnte ihn nur noch mit Arrest bestrafen. Aber der Offizier Innerer Dienst verhinderte regelmäßig die Arrsteinlieferungen mit dem Satz: "Um Himmels Willen, je mehr wir ihn einsperren, desto länger haben wir ihn." Am Ende wurde ich fast vom Regimentskommandeur bestraft, weil ich es zugelassen hatte, dass dieser Soldat die Angehörigen meiner Einheit tyrannisiert hatte und ihn nicht oft genug in den Arrest geschickt hatte. - Nur mal wieder so eine Geschichte aus dem Leben.

ciao Rainman

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zuletzt bearbeitet 13.03.2009 15:09 | nach oben springen

#10

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 13.03.2009 19:23
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Bei uns wurde auch "nachgedient", jedenfalls bei mir. Einen Monat durfte ich meinen Kameraden nachweinen. Und dabei hatte ich meinen Regimentskommandeur über einige, nach meinem Empfinden, Ungerechtigkeiten aufklären wollen. So richtig Ungerecht war am Ende dann nur meine Bestrafung. Upps, da komm ich in's Grübeln.


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#11

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 13.03.2009 20:22
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Mensch Wolfgang,

da tun sich ja Abgründe auf! War der Monat ein Ergebnis langer Aufenthalte im Arrest, oder konnte bei Euch Nachdienen als Strafe verhängt werden?

ciao Rainman


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#12

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 14.03.2009 13:52
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Tja Rainman,

im Arrest war ich keine Sekunde. Das Ganze nahm, ich nenn es, den in unserer Gesellschaft üblichen, demokratischen Weg. Man reißt das Maul auf, wird zum Rächer der Witwen und Enterbten, ist dabei zu 100% auf der rechtlichen, verfassungsmäßigen oder weiß der Geier welcher sicheren Seite, wird dann aber von "Fürstens" eiskalt durch die Hintertür, natürlich mit Hilfe und Zustimmung der Witwen und Enterbten, abserviert.
So in etwa würde ich die gängige Praxis unseres "Rechtsstaates", ohne politische Reden zu schwingen, in einem Satz umschreiben. Da ich mir bis heute den Mund nicht verbieten lasse, traf's mich damals, trifft's mich heute. Die Einen nennen's Dummheit, die Anderen Charakter.


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#13

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 14.03.2009 14:22
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Hallo Wolfgang,

gerade im Bezug auf die Bunte Wehr habe ich 1992 eine Gruppierung kennengelernt, die nur aus Leuten besteht, die sich "gerne" Ärger einhandeln. Es ist das "Darmstädter Signal". Die meisten von ihnen fanden und finden zu dieser Gruppe aus zwei Gründen: Erstens haben sie in einer bestimmten Situation Zivilcourage gezeigt und zweitens wurden dafür bestraft oder zumindest schikaniert. Es ist erstaunlich, wie relativ Freiheit werden kann, wenn bestimmte Interessen ins Spiel kommen. Den Signalern wünsche ich weiterhin viel Rückgrat und Durchhaltevermögen. Sie müssen leider immer wieder gegen Mehrheiten kämpfen, die aus wenigen Bestimmern und vielen Schweigenden bestehen.

ciao Rainman


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#14

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 10.11.2010 20:44
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Schönes Thema zu dem es sicher noch einiges mehr zu berichten gibt...


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#15

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 10.11.2010 20:54
von Oss`n | 2.777 Beiträge

[quote="Rainman2"]Hallo, vor allem an die Grenzer,

eigentlich ist es ja eher so eine Art visuelle Erinnerung, die ich hier "bewahren" und der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Als Offizier konnte man die verschiedensten Aufgaben bekommen. Während des Dienstes in der Stabskompanie des Regiments gehörte dazu der Streifendienst. Weißes Koppelzeug angelegt, einen Fahrer und einen Posten geschnappt und ab ging es, durch die Kneipenlandschaft von Dermbach und Umgebung. Gern gesehen war man nicht, aber hätte ich gemocht werden wollen, hätte ich schon mal grundsätzlich nicht Offizier werden sollen. Gelle?!

Von einer dieser Streifen brachte ich zwei Angehörige meiner Kompanie und einen von der Nachrichtenkompanie mit dem Auto "nach Hause" in den Stab, allerdings nur bis in die Ausnüchterungszelle. Während der Genosse der Nachrichtenkompanie am nächsten Morgen die Zelle 1 total zerlegte (komplett unter Restalkohol - er wusste Stunden später nichts mehr davon), unser Waffenunteroffizier die Nacht in Zelle 2 endlich mal zum Ausschlafen nutzte, war ein Gefreiter in Zelle 3 nicht bereit, mein Durchgreifen zu akzeptieren. Bereits in der Kneipe hatte er mir gegenüber Beleidigungen im Beisein anderer Angehöriger meiner Kompanie und Angehöriger des Stabes von sich gegeben. Ich weiß nicht mehr, was er gesagt hat, aber nett war es nicht. Unter den Tisch kehren konnte man es auch nicht, die Streife muss schon respektiert werden. Am nächsten Morgen forderte ich eine Stellungnahme, die fiel dünn aus. Es war ein Wiederholungsfall für ihn in dieser Art, also musste die Bestrafung entsprechend ausfallen. Ich vertrat zu diesem Zeitpunkt meinen Kompaniechef, also lag die Sache bei mir. In Abstimmung mit dem Offizier Innerer Dienst des Regiments, entschloss ich mich, dem Gefreiten 3 Tage Arrest zu geben.

Anbei die entsprechenden Scheine. Wir durften als Stabskompanie unsere eigenen Leute nicht in unseren Arrestzellen in der Wache unterbringen, sondern wir mussten sie in Mot.-Schützenregiment nach Bad Salzungen bringen. Deshalb auch die Vergleichmitteilung als An- und Abmeldung für die Verpflegungsstärke.

So einer war ich also auch.

ciao Rainman[/quot

Hallo Klaus-Peter,
der Schein ------------------ melde dich mal über PM

Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#16

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 10.11.2010 21:01
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Rainman2
Hallo, vor allem an die Grenzer,

eigentlich ist es ja eher so eine Art visuelle Erinnerung, die ich hier "bewahren" und der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Als Offizier konnte man die verschiedensten Aufgaben bekommen. Während des Dienstes in der Stabskompanie des Regiments gehörte dazu der Streifendienst. Weißes Koppelzeug angelegt, einen Fahrer und einen Posten geschnappt und ab ging es, durch die Kneipenlandschaft von Dermbach und Umgebung. Gern gesehen war man nicht, aber hätte ich gemocht werden wollen, hätte ich schon mal grundsätzlich nicht Offizier werden sollen. Gelle?!

Von einer dieser Streifen brachte ich zwei Angehörige meiner Kompanie und einen von der Nachrichtenkompanie mit dem Auto "nach Hause" in den Stab, allerdings nur bis in die Ausnüchterungszelle. Während der Genosse der Nachrichtenkompanie am nächsten Morgen die Zelle 1 total zerlegte (komplett unter Restalkohol - er wusste Stunden später nichts mehr davon), unser Waffenunteroffizier die Nacht in Zelle 2 endlich mal zum Ausschlafen nutzte, war ein Gefreiter in Zelle 3 nicht bereit, mein Durchgreifen zu akzeptieren. Bereits in der Kneipe hatte er mir gegenüber Beleidigungen im Beisein anderer Angehöriger meiner Kompanie und Angehöriger des Stabes von sich gegeben. Ich weiß nicht mehr, was er gesagt hat, aber nett war es nicht. Unter den Tisch kehren konnte man es auch nicht, die Streife muss schon respektiert werden. Am nächsten Morgen forderte ich eine Stellungnahme, die fiel dünn aus. Es war ein Wiederholungsfall für ihn in dieser Art, also musste die Bestrafung entsprechend ausfallen. Ich vertrat zu diesem Zeitpunkt meinen Kompaniechef, also lag die Sache bei mir. In Abstimmung mit dem Offizier Innerer Dienst des Regiments, entschloss ich mich, dem Gefreiten 3 Tage Arrest zu geben.

Anbei die entsprechenden Scheine. Wir durften als Stabskompanie unsere eigenen Leute nicht in unseren Arrestzellen in der Wache unterbringen, sondern wir mussten sie in Mot.-Schützenregiment nach Bad Salzungen bringen. Deshalb auch die Vergleichmitteilung als An- und Abmeldung für die Verpflegungsstärke.

So einer war ich also auch.

ciao Rainman


@ rainman,
von mir mal auch 2 erlebnisse.
an der grenze nam mich ein major fest weil ich zwar mit genehmigungsschein im schutzstreifen war,aber ohne waffe(faulheit,kraftfahrer und ich hatten den schein und sollten ja nur 15 minuten rein um etwas zu prüfen)
naja der kc mußte uns auslösen.
in prenzlau(ich war resi bei der WK15) kam eine streife ins haus am see wo wir herzlich tranken,alle standen auf,nur wir grenzerresis und ein stabsgerfr.resi von feliks blieben sitzen und zeigten unsere papiere.ich weis nicht genau,irgendwie gab es ein wortgeplenkel und wir sagten das sie uns wegen diesem vergehen ja einbuchten können weil wir unsere 18 monate hinter uns haben und nur verstärkung sind.es geschah uns gar nichts,sie kontrollierten und gingen.wohl bemerkt,wir blieben sachlich,aber sitzen.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#17

RE: Ich war nicht immer nett - Arresteinlieferung

in Grenztruppen der DDR 10.11.2010 21:13
von SkinnyTrucky | 1.260 Beiträge

Ich fand den Arrest nicht schlimm, er war bei mir ja auch nur pro forma auferlegt.....im Grunde war ich ja auch nicht ständig in der Zelle, nee, da war ich nur abends und nachts.....am Tage mußte ich arbeiten....an einem Tag führ ich als Beifahrer bei einem Resi im Barkas mit um Besorgungen in Rostock zu machen.....klar das wir nicht ohne Stopp an einer Trinkhalle vorbei kamen......

....zum Thema Alkohol....bei uns gab es so ziemlich beinahe jeden Abend was zu trinken....wir hatten zwei Wege um da dran zu kommen....entweder wir liefen zum näxten Dorf und holten was oder wir liessen uns vom W50 mitnehmen der immer zwischen der Technischen Zone und der Kaserne pendelte und liessen uns unterwegs absetzen bei der Kneipe dazwischen und uns auf dem Rückweg wieder mitnehmen.....echt kein Offizier machte sich jemals die Mühe dies zu unterbinden, die liessen uns eh echt in Ruhe.....und die Wache am Tor war eh durch uns gestellt und die krichten halt auch immer was ab.....in der technischen Zone hatten wir mehrere echt gute Verstecke für die ganzen Flaschen, eines isst auf Google Earth noch zu erkennen, ich weiß die Stelle genau, da ich das Versteck geschaffen habe....es handelte sich um einen Essenskübel, den ich eingegraben hatte....genau an der Stelle ist ein dunkler Fleck auf Google Earth...scheinbar hat man ihn im Nachhinein gefunden und augegraben.....auf jeden Fall paßte dort sehr viel rein.....

....ein Verssteck war die Holzvertefelung in unserem Schlafbunker unter der Station, die war echt dafür prädestiniert....

Echt, es war schon krass was bei uns dahingehend ablief.....wir hatten ein System, so das diejenigen kein Revierreinigen hatten, die für den Alkohol gesorgt hatten.....und ja, echt so gut wie jeden Abend sind welche was besorgen gewesen.....in eine Sturmgepäcktaschen passen 10 Flaschen Bier und eine Flasche Korn.....wenn zwei losgingen, dann hatte jeder zwei Taschen dabei.....wir waren knapp 40 Leute wovon einige kaum was tranken aber die anderen umso mehr.....und nee, nie ist irgendetwas rausgekommen, man glaubt es kaum.....aber so war das....

groetjes

Mara


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