#81

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 15:40
von karl143 (gelöscht)
avatar

Ich verallgemeinere nicht, ich habe das so geschrieben, wie ich es von westlicher Seite aus erlebt habt, und welche Eindrücke ich aus dieser Zeit mitgenommen habe.
Erfahrungen, welche hier geschildert wurden, sind auch Eindrücke, nur von der anderen Seite des Zaunes. Es waren nicht nur die persönlichen Erlebnisse. Diese Meinung entwickelte sich aus Gesprächen. Mit Zöllnern, mit Besuchern, auch mit ganzen Besuchergruppen einschließlich dem Führer. Immer wieder kam dann das Thema, warum gehen "die nicht auf Gespräche ein", warum wird nicht zurückgewunken usw. Und es sind Erfahrungen, die auch auch bei wochenlangen Begleitungen der Grenzkommission im Bereich Zusammenfluß - Rhodener Straße gesammelt habe. Du magst ja sogar geantwortet oder genickt haben. Ich habe hier keinem unterstellt, zu lügen. Aber allgemein das Bild aufzubauen, es gab hier ein Verhältnis unter den Deutschen, wie zum Beispiel mit Grenzern an der West- oder Nordgrenze, ist schlichtweg falsch. Und du kannst auch nicht die kurzen zwischenmenschlichen Erleichterung über Weihnachten in den Weltkriegen als Beispiel heranziehen. Denn es gibt zu diesen Ereignissen einen himmelweiten Unterschied. Die "Weihnachtsfeier" im I. Weltkrieg, über welche vor kurzem ein Film zu sehen war, wurde mind. von der Kompanieführung auf beiden Seiten geduldet. Und bei den Grenztruppen galt doch wohl das Prinzip der gegenseitigen Überwachung. Jeder mußte damit rechnen, das ihn der andere anschwärzt. Darauf war doch auch die Diziplin aufgebaut. Aus diesem Grund, sind beide Ereignisse keineswegs vergleichbar. Kein Zugführer oder mehr, bzw. weniger hätte sich darauf einlassen können. Und noch eines möchte ich dir sagen. Ich habe kein persönliches Feindbild und hatte auch keines. Aus diesem Grund steht hier nichts, was ich aus einem Feindbild heraus hätte schreiben können. Jeder soll hier seine Meinung kundtun - aber meine lasse ich mir auch nicht verbiegen.


nach oben springen

#82

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 16:16
von sentry | 1.077 Beiträge

Klar soweit. Allerdings auch wenn Du schreibst, Du verallgemeinerst nicht, so hast Du es doch getan.
Warum wurde nicht geantwortert? Weil es verboten war?
Warum wurde nicht trotzdem geantwortet? Weil man Schiss hatte, dass man von einem Beobachter angeschissen wird.
Aber es gab auch Grenzer, die aus Prinzip, aus einer inneren Einstellung heraus, auf Ansprache nicht reagiert haben...und manche haben eben doch - man kann das nicht verallgemeinern.

Natürlich hast Du Recht mit dem Prinzip der gegenseitigen Überwachung. Das ist ja auch eigendynamisch, wenn jeder Schiss vor jedem hat. Aber ganz so allgemeingültig ist das eben nicht. Vielleicht ist es ja eine neue Erkenntnis, dass es auch unter Grenzern echte Freundschaften geben konnte.
Es gab durchaus einige Soldaten in meiner Kompanie, die volles Vertrauen zueinander hatten. Ich hatte bestimmt 4,5 solcher Kameraden...vielleicht war es echte Freundschaft, vielleicht war es Glück, dass das Vertrauen nie wirklich geprüft wurde. Wer will das sagen?
Und solche Soldaten haben im Grenzdienst eben auch Sachen gemacht, die man als Außenstehender (oder sogar als Grenzer) vielleicht nicht glauben mag.
Deine letzten Beiträge in diesem thread könnten genauso gut auch von einem anderen Grenzer verfasst sein, in dessen Kompanie es ganz anders zu ging.
Viele Grenzer hatten hervorragende Verhältnisse zu ihren Offizieren, bis in die Kompanieführung, in meiner Einheit gab es das überhaupt nicht.
Wir haben im Grenzdienst auch 'mal geschlafen, wenn es gar nicht mehr ging, andere würden sagen, das hat es an der Grenze nicht gegeben, weil sie es sich nie getraut hätten.
Antifaschistischer Schutzwall, Eiserner Vorhang, Nahtstelle zwischen zwei Weltsystemen war uns völlig Wurst. Wir wollten unseren Wehrdienst 'rumkriegen, nicht von einer Postenkontrolle erwischt werden, 'mal wieder richtig ausschlafen und unter gar keinen Umständen auf Menschen wie auf Hasen ballern.
Andere haben in ihrem Grenzdienst einen Dienst am Weltfrieden oder für ihr Land gesehen und ihn auch dementsprechend absolviert.

Grenze war doch ein bisschen komplizierter und vielschichtiger, als man es durch einen Streckmetallzaun erkennen konnte...

Die "Weihnachtsfeier" habe ich denn auch nur als Beispiel für Handlungen gebracht, die einem unvorstellbar vorkommen mögen, so lange man keine Beweise dafür sieht, nicht als Vergleich der Befehlsketten oder der militärischen Apparate.


zuletzt bearbeitet 29.06.2009 16:18 | nach oben springen

#83

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 19:51
von manudave (gelöscht)
avatar

@Karl

In Antwort auf:
Und es sind Erfahrungen, die auch auch bei wochenlangen Begleitungen der Grenzkommission im Bereich Zusammenfluß - Rhodener Straße gesammelt habe


Das ist eine Super-Sache, dass du das miterlebt hast. Ich möchte dich bitten doch hierzu mal einen Thread zu eröffnen
und die Ereignisse zu schildern, die du dort mitbekommen hast. Die Grenzkommission ist noch ein weitgehend unbekanntes
Feld im Forum.


nach oben springen

#84

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 07:50
von S51 | 3.733 Beiträge

Als "Kontaktaufnahmen" würde ich, obwohl sie es rein sachlich waren, solche kleinen Sachen nicht bezeichnen. Es kam auf die Umstände an. Eher als rudimentären Smalltalk. Begegnungen GAK - BGS oder Zoll hatten in der Regel immer Publikum. Schon, weil man grundsätzlich immer mit einem Anschi... rechnen musste, verboten sich Dinge, für die es dann Zeugen gegeben hätte grundsätzlich. Ohne Zeugen kam es darauf an, mit wem man es zu tun hatte. War es jemand, der alles meldete, wäre jedes Wort beruflicher Harakiri gewesen. Denn das hätten unsere Leute erfahren. Bei den Amis war dies noch extremer. Einerseits waren sie ja gar nicht da (der Spionageturm und die Peripherie waren ein offenes Geheimnis) anderererseits haben sie ja sogar die militärische Ehrenbezeigung per Funk offen durchgegeben. Damit war dann in der Kompanie Haltung angesagt, die Meldung war schneller dort als man selbst. Bei den Briten war der BFSO einerseits vor Zeugen mit der Einweisung seiner Kräfte beschäftigt, hat aber vorher und nachher oft allein den Abschnitt beobachtet. Mal war liegengebliebener Krempel zu entsorgen. Dann meist ohne Zeugen. Denn bei 13/81 hatte der Postenführer nachzuschauen, ob die nicht immer so friedlichen Aufklärer der Briten mal wieder ein Andenken hinter- oder mitgehen ließen. Der Dokumentierer war dann etwas weiter hinten. In solchen Fällen war man quasi ohne Zeugen. Einerseits waren die BFSO sicherlich auch MA des MI6 aber anders als bei Amis oder BGS/Zoll viel abgeklärter. Da kam dann schon ein "Entschuldigung, die Dinge sind so, nicht so gemeint". Dafür hat man sich, war man nur zu zweit, schon mal entschlossen, diesem oder jenem Gegenstand, der bei uns zu liegen kam, von hinten einen Schubs zu geben, so dass der sonst entstehende Aufwand nicht entstand. Das war den Briten auch recht, denn wie erklärt man einen Fotoapparat oder ein Fernglas gut zwei Meter auf DDR-Gebiet? Dann gab es auch mal knappe Worte, warum nicht. Wenn es keiner sah und hörte? Die Briten haben nicht gepetzt. Das haben wir getestet. Damit wurden keine Geheimnisse ausgetauscht oder preisgegeben, keine besonderen Verbindungen geschaffen. Es diente einfach nur dem "Frieden".


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


nach oben springen

#85

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 14:22
von grenzgänger86 | 375 Beiträge

Hallo zusammen,

genauso wie sentry,sehe ich das auch.
Auch in meiner Kompanie gab es sehr gute Verhältnisse untereinander,man mag sogar von Freundschaften sprechen.Mein Zugführer ein Ultn.und auch noch ein Ltn. sind lieber mit Soldaten oder Gefr.ihrer Züge mal ein Bier trinken gegangen,als mit anderen Offz.in die sogenannte "Aspest-Kneipe" eine Gaststätte in Schierke in die nur Offz.gingen.Sicherlich war immer ein gewisser Respekt voreinander da,aber der Umgang war doch locker,natürlich wäre nie einer mit dem KC ein Bier trinken gegangen.
Und der Umgang mit der "Gegenseite" war ja doch immer vom Mißtrauen geprägt,Grüßen war uns verboten und auch einige Geschichten trugen nicht zur Verbesserung der Lage bei,im Sommer 1985 hat ein Postenpaar vom B-Turm an der Wurmbergschanze aus dem BGS mal das Bandmaß gezeigt.Das Resultat war,als die Grenzer am nächsten Tag zum KC mußten,lagen da Fotos die der BGS gemacht hatte von den beiden und sie konnten ihre Sachen packen und verschwanden irgendwo im Hinterland.

04/86-04/87 in Schierke


nach oben springen

#86

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 15:06
von Rainman2 | 5.752 Beiträge

Hallo zusammen,

wie auch imnmer man es dreht und wendet, es war die Zeit des kalten Krieges. Auf der anderen Seite stand ein Feind. Das war die Sicht und die erwünschte, also anerzogene und antrainierte Haltung. In meinem Beisein hätte sich niemand eine Kontaktaufnahme erlauben dürfen. Und nicht jede Kontaktaufnahme war eine Freundlichkeit. Bisweilen wurden solche Dinge auch gezielt im Rahmen der PSK (psychologischen Kriegsführung) eingesetzt nach dem Motto: "Seht mal, was wir alles über Euch wissen."

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


nach oben springen

#87

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 15:51
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von Rainman2
In meinem Beisein hätte sich niemand eine Kontaktaufnahme erlauben dürfen...


Ja, Du warst ja auch Pilot, ääh Polit - das wäre ja noch schöner gewesen
Aber so ein Kurzzeitgrenzer, wie ich, ließ sich eben doch nicht immer "umstricken". Wenn Du wie ich in Berlin gewohnt hast, viel Westverwandtschaft (Betonung auf Verwandtschaft), Schule gleich neben der Mauer, Wohnung auch, haufenweise Diplomaten im Viertel, im Restaurant "Stadtmitte" gleich am Checkpoint auch schon mal von Wessi's (wir nannten die schon damals völlig wertungsfrei so - einfach nur als regionale Bezeichnung) vom restlichen Zwangsumtausch auf'n Bier eingeladen...da wirst Dukein anderer Mensch, bloß weil Dir einer 'ne Jacke mit Schulterstücken anzieht und Dir (schon wieder) erzählt, die Partei hat immer Recht.
Und von der Sorte kannte ich einige, auch aus ganz anderen Ecken. Die hatten ihre Einstellung im Kopf schon gemacht. Das muss ja gar nicht immer staatsfeindlich und wehrkraftzersetzerisch gewesen sein. Nee! Wir waren gute Soldaten, wir waren sogar gute Grenzer!
Aber wer das dumme Schwein ist, wollte man sich eben nicht vom Stabü-Lehrer oder in Halberstadt erzählen lassen. Da konnte man auch 'mal selber drüber nachdenken.
Dass feindwärts der Feind steht, war mir ein bisschen zu pauschal. Das hätte ja bedeutet, dass jeder Westdeutsche (und alles was da noch so kommt) der Feind ist. Genauso wenig hätte ich gewollt, dass DIE denken, dass hier drüben alle gleichermaßen der Feind sind. "Jeder Grenzer ist ein kleiner Außenminister.", haben die Offiziere immer gesagt. Wenn sie damit nur die Anzugsordnung meinten, hätten sie lieber sagen sollen: "Zieht Euch ordentlich an!"
Wir haben die bilateralen Beziehungen eben gelegentlich durch Kopfnicken, Mimik, Salutieren und (ganz selten) auch 'mal durch Antwort auf Ansprachen gepflegt...fällt vielleicht unter Kategorie "Blauäugig", aber ich habe mich eben besser gefühlt, wenn ich mein Verhalten angemessen auf das meines Gegenüber abgestimmt habe.

So, nun klingt das schon wieder nach Beschönigen und Verklären, aber jetzt ist es mir zu lang zum Löschen


nach oben springen

#88

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 16:12
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Apropos Freundlichkeit, Rainmen2:
aus den hier beschriebenen strengen Verhaltensregularien ist zu erklären, warum die DDR-Uniformierten im allgemeinen Ansehen (in West-Berlin) irgendwie als "Verhaltensgestört durch Ideologieverseuchung" galten. Du konntest ja an einem Wachturm etwas hochrufen. Die haben nicht mit der Wimper gezuckt. Höchstens mal fotografiert. Das ist Dir bei einem Grenzbeamten aus Westdeutschland, Österreich, der Schweiz u.a. Ländern nicht passiert. Die haben bei einem "guten Tag" natürlich überall zurück gegrüßt, wie es sich unter zivilisierten Menschen gehört.

Auch an den Transitübergängen hat es zu gewissen politischen Entwicklungen dementsprechende Stimmungsschwankungen bei den Paßkontrolleuren gegeben. Vor wichtigen Treffen BRD-DDR hat sogar der "schwarze Kanal" abseits der sonstigen Hetze plötzlich harmlose Berichte gesendet.

Ganz lächerlich wurde es nach dem Milliardenkredit von Franz-Jodef-Strauß. Er forderte im Zusammenhang
-Abbau der Selbstschußanlagen
-ein freundlicheres Auftreten der Grenzorgane der DDR

Wir als West-Berliner waren absolut "baff", was uns für eine zuckersüße Charme-Offensive plötzlich aus den Paßkontrollgebäuden entgegenschlug. Die launischen Stasi-Fritzen waren auf einmal sowas von nett! Ein breites Grinsen. Ein lustiger Spruch auf den Lippen. Ein Witzchen...: man dachte anfangs, man ist im falschen Film!

Ein blöder Quatsch, dieses ganze lächerliche Theater! Wir West-Berliner waren das gewöhnt. Haben die dahinterstehende Verblendung erkannt. Und haben trotzdem unsere Spässe gemacht. Man mußte ja leben mit diesem verhaltensgestörten Unsinn, wenn man regelmäßig mit dem PKW in die Ferienwohnung nach Bayern unterwegs war....


zuletzt bearbeitet 30.06.2009 16:21 | nach oben springen

#89

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 16:59
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Zitat von FSK-Veteran
Wir West-Berliner waren das gewöhnt. Haben die dahinterstehende Verblendung erkannt. Und haben trotzdem unsere Spässe gemacht. Man mußte ja leben mit diesem verhaltensgestörten Unsinn, wenn man regelmäßig mit dem PKW in die Ferienwohnung nach Bayern unterwegs war....


Einfach ein wahrer Spruch aus der damaligen Realität! Schön!


nach oben springen

#90

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 17:14
von karl143 (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainman2
In meinem Beisein hätte sich niemand eine Kontaktaufnahme erlauben dürfen. Und nicht jede Kontaktaufnahme war eine Freundlichkeit. Bisweilen wurden solche Dinge auch gezielt im Rahmen der PSK (psychologischen Kriegsführung) eingesetzt nach dem Motto: "Seht mal, was wir alles über Euch wissen."

Rainman

Diese Erklärung füge ich meinem Posting hinzu, als ich von einer unnormalen Grenze schrieb, die auch unmenschlich war. Unmenschlich war sie schon deshalb, weil es an ihr unzivilisiert zuging. Darunter fällt auch der Schußwaffengebrauch auf Menschen, auf Landsleute. Die waren keine Feinde, die wollten nur ihre Freiheit. Und genauso wie du es hier geschrieben hast, Rainman war die Realität. Jeder hatte irgendwie die Angst, negativ aufzufallen. Und wie naiv muß es vom Denken sein, wenn man dem Zöllner oder BGS Beamten gegenüber unterstellt, der greift jetzt in die Kiste mit psychologischer Kriegsführung. Davon hatte keiner von beiden was gehört, und bei uns gab es auch kein Unterrichtsfach. Wie weiter oben angemerkt ist, mit allen Zöllner oder Grenzer konnte man sich auch vor der EU schon während der Urlaubsfahrt unterhalten, nur bei den eigenen Landsleuten war das nicht möglich - leider.


nach oben springen

#91

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 17:33
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Ich glaube die Stärke,die beiden Seiten nach aussen demonstrierten,war auch gleichzeitig die Schwäche und Unsicherheit,die
an dieser Grenze das Klima bestimmte.Ganz tief im inneren wussten doch die meisten,das hier eine Banalität am Werke ist.



nach oben springen

#92

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 17:33
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von Augenzeuge
Zitat von FSK-Veteran
Wir West-Berliner waren das gewöhnt. Haben die dahinterstehende Verblendung erkannt. Und haben trotzdem unsere Spässe gemacht. Man mußte ja leben mit diesem verhaltensgestörten Unsinn, wenn man regelmäßig mit dem PKW in die Ferienwohnung nach Bayern unterwegs war....


Einfach ein wahrer Spruch aus der damaligen Realität! Schön!


So eine Figur hier vielleicht....

klicke hier:
http://www.amazon.de/gp/reader/386153198..._pt#reader-page

...hat eine gepflegte, unbedarfte, erstmals transitreisende westdeutsche Familie rüde angeschnauzt, weil das linke Ohr nicht gleich sofort bei der Passkontrolle freigelegt war!

Na: die Kinder haben doch einen Schock für´s Leben bekommen! Sowas haben die in ihrem Leben an einer Grenze noch nie erlebt...
Die sind nicht noch einmal mit dem Auto im Transit nach Berlin gefahren....


zuletzt bearbeitet 30.06.2009 17:38 | nach oben springen

#93

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 19:06
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Noch mal kurz zu dem "Hasensatz" von Lothar Loewe,damit der vollständig rüberkommt.
Loewe sagte also am 21.12.1976,die Mauer gut sichtbar im Rücken,folgendes:

Die Zahl der Verhaftungen aus politischen Gründen nimmt im ganzen Land zu.Ausreiseanträge werden immer haüfiger in
drohender Form abgelehnt.Hier in der DDR weiss jedes Kind,das die Grenztruppen strikten Befehl haben,auf Menschen wie auf Hasen zu schiessen.
Bereits mehrfach stand Loewe vor der Ausreise,mit dieser Bemerkung zielte er auf die empfindlichste Stelle der DDR Führung-binnen 24 Stunden musste er Ost-Berlin verlassen.



nach oben springen

#94

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 19:27
von FSK-Veteran (gelöscht)
avatar

Zitat von Zermatt
Noch mal kurz zu dem "Hasensatz" von Lothar Loewe,damit der vollständig rüberkommt.
Loewe sagte also am 21.12.1976,die Mauer gut sichtbar im Rücken,folgendes:

Die Zahl der Verhaftungen aus politischen Gründen nimmt im ganzen Land zu.Ausreiseanträge werden immer haüfiger in
drohender Form abgelehnt.Hier in der DDR weiss jedes Kind,das die Grenztruppen strikten Befehl haben,auf Menschen wie auf Hasen zu schiessen.
Bereits mehrfach stand Loewe vor der Ausreise,mit dieser Bemerkung zielte er auf die empfindlichste Stelle der DDR Führung-binnen 24 Stunden musste er Ost-Berlin verlassen.


Lothar Löwe hat nach seiner Ausweisung ein interessantes Buch geschrieben: "Abends kommt der Klassenfeind"

Hier ein Spiegel-Bericht über seine letzte Stunde in der DDR

Zitat von Spiegel
Um 15.15 Uhr an Heiligabend, drei Viertelstunden bevor er die DDR verlassen haben mußte, kam Lothar Loewe aus dem Haus Schadowstraße 6, in dem das Ost-Berliner Studio der ARD untergebracht ist, und ging im leise rieselnden Schnee allein auf einen Bummel. Ein Rudel parkender Ost-Berliner Autos setzte sich sogleich in Bewegung -- ihm nach, ihm entgegen. an ihm vorbei.

Loewe ging bloß "um den Block". Schadowstraße, Clara-Zetkin-Straße, Otto-Grotewohlstraße, ein Stück Unter den Linden, und überlegte sich die Sätze, die er bei Ankunft in West-Berlin vor der Kamera sagen würde, ernste Sätze. Und zwischendurch stellte er sich vor, was seine ständigen Begleiter von der Staatssicherheit jetzt wohl dachten: Will der Loewe womöglich hierbleiben? Sich protestierend vors Brandenburger Tor setzen? Werden wir den am Ende einfangen müssen?

Lothar Loewe beschloß, solchen Zweifeln ein Ende zu machen, als er bemerkte, daß ihm nicht nur, wie üblich, die Stasi motorisiert nachkam, sondern auch einer jener Bewacher zu Fuß, die er (ihrer Stereotypen Synthetik-Bekleidung wegen) "Spezitex-2000-Männer" getauft hat. Loewe machte abrupt kehrt, steuerte den verdutzten Spezitex-Mann an und sagte, man möge unbesorgt sein, er werde um vier Uhr ordnungsgemäß ausreisen, seinetwegen brauche sich niemand nasse Füße zu holen, und "Ihren Kollegen", die jetzt gewiß auch lieber daheim den Weihnachtsbaum putzen würden, wünsche er trotzdem frohe Feiertage. "Da rang sich der Mann die Worte ab: "Vielen Dank, ich werde es ausrichten." Und stieg in ein Auto."



Quelle:
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument...440&top=SPIEGEL

Ein interessanter Spiegel-Bericht von 1977, der später auch noch die Vorgänge unmittelbar vor seinem "Hasen-Satz" beleuchtet und der Sache eine interessante Erkläung gibt, die er auch in dieser Art in seinem Buch niedergeschrieben hat.

Unbedingt lesen!


zuletzt bearbeitet 30.06.2009 19:28 | nach oben springen

#95

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 19:54
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Zitat von FSK-Veteran
Loewe machte abrupt kehrt, steuerte den verdutzten Spezitex-Mann an und sagte, man möge unbesorgt sein, er werde um vier Uhr ordnungsgemäß ausreisen, seinetwegen brauche sich niemand nasse Füße zu holen, und "Ihren Kollegen", die jetzt gewiß auch lieber daheim den Weihnachtsbaum putzen würden, wünsche er trotzdem frohe Feiertage. "Da rang sich der Mann die Worte ab: "Vielen Dank, ich werde es ausrichten." Und stieg in ein Auto."



Guter aussagekräftiger Artikel,
genau diese Art war es, mit welcher das MfS nicht umgehen konnte- mutig, direkt, ehrlich und offen heraus. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich damit früher auch am Weitesten gekommen bin. Scheinbar waren viele von ihnen nur mit dem Gegenteil vertraut und ebenso ausgebildet worden...Einschüchterung war ihr Prinzip.

Gruß, Augenzeuge


nach oben springen

#96

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 20:29
von dein1945 (gelöscht)
avatar

"Ihren Kollegen", die jetzt gewiß auch lieber daheim den Weihnachtsbaum putzen würden, wünsche er trotzdem frohe Feiertage. "Da rang sich der Mann die Worte ab: "Vielen Dank, ich werde es ausrichten." Und stieg in ein Auto."


Hallo und schönen Abend,

das war besser als jede Diskussion mit diesen Herren in ihren grauen Einheits-Jacken,
übrigens Lothar Löwe sprach seinen Satz vom "Hasen", am 22.12.1976 vor dem abgesperten Haus von Robert Havemann, den man als Regiemkritiker am 26.11.1976 unter Hausarrest gestellt hatte. Ich hab bisher angenommen, das kommt nur in Diktaturen vor, oder war die "DDR" eine ? War das nicht gleichzeitig Berufsverbot ?
Ich hatte den Beitrag 76 im TV verfolgt, da war mir sofort klar, Löwe darf den Koffer packen, ja über uns in der Frontstadt WB herziehen, aber selbst nichts einstecken können, also doch Diktatur.

Gruß, dein1945


nach oben springen

#97

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 21:10
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Hallo dein1945,

ja klar war die DDR eine Diktatur, sogar ganz offiziell.

Ich werde mal versuchen es dir zu erklären, so wie man es dem Volk der DDR erklärt hat....:

Definiert war die Diktatur des Proletariats als politische Herrschaft der Arbeiterklasse im Ergebnis der sozialistischen Revolution. Sie war nach der politischen Ideologie der SED bestimmendes Merkmal der sozialistischen Gesellschaft als Übergangsform zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Diese Diktatur wäre im Kommunismus verschwunden, da gegenstandslos, weil dann die Klassengegensätze aufgehoben seien.

Da sich die SED als Partei der Arbeiterklasse verstand und ihren Führungsanspruch in der Verfassung von 1968 festschrieb, bildete die Lehre von der Diktatur des Proletariats nach Marx und Lenin die direkte Legitimation für die Diktatur der SED.
Die Diktatur des Proletariats beinhaltete auch reale Elemente einer Diktatur, deklariert als "notwendige Maßnahmen" zum Schutz vor Restitutionsversuchen des Kapitalismus.

Auch die Berichte in den Medien dienten letztlich der Propagierung der Diktatur des Proletariats in Gestalt der Macht der SED-Führung als Erfüllung der Lehren von Marx und Lenin.

So weit die Theorie.

Gruß, Augenzeuge


nach oben springen

#98

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 21:20
von dein1945 (gelöscht)
avatar

klar war die DDR eine Diktatur, sogar ganz offiziell.
So weit die Theorie.

Hallo Augenzeuge,
prima erklärt, schade im Westen waren wir in der Hinsicht etwas doof, aber wie sieht die Praxis aus ? z.B. im Herbst gewinnt Rot/Rot die Wahl und Oskar wird Vizekanzler, bekommen wir dann die Praxis?

Gruß aus Berlin


nach oben springen

#99

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 21:47
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Hoffentlich passiert das niemals....


nach oben springen

#100

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 30.06.2009 22:55
von Rostocker | 7.715 Beiträge

^Wie hieß mal ein Satz---Es geht ein Gespenst in Europa um,das Gespenst des Kommunismus.---Oder so ähnlich-


nach oben springen



Besucher
28 Mitglieder und 64 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: rtde
Besucherzähler
Heute waren 2868 Gäste und 172 Mitglieder, gestern 3912 Gäste und 213 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14352 Themen und 556880 Beiträge.

Heute waren 172 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen