#61

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 23:20
von S51 | 3.733 Beiträge

Informationen über die "Gegenseite" haben wir auf verschiedene Weise gesammelt, nicht nur durch Fotos.
Die Zeiten, an denen dort jemand an einer bestimmten Stelle war, wurden genau protokolliert. Wenn Namen gehört wurden oder auch zu lesen waren, stand dies in diesen Einsatzberichten zusammen mit Tagesdaten, Ort, Fahrzeugbeschreibung, Beschreibung der Bewaffnung und Ausrüstung. So detailliert, wie nur möglich. Diese Berichte gingen über den Zugführer Aufklärung an das Bataillion und von dort weiter. Zeitgleich wurde durch die Funkaufklärung der militärischen Aufklärung der Funkverkehr mitgeschnitten und mit unseren Berichten verglichen. Davon erhielten wir begrenzt lagebezogene Auswertungen.
Unsere Fotos, oder genauer, die Filme (über jeden Film wurde genau Buch geführt) gingen den gleichen Weg. Regulär hatten wir keine Möglichkeit, etwas zurück zu behalten. Theoretisch hat mit der Auflösung der DDR der letzte Verteidigungsminister Eppelmann die militärische Aufklärung abgewickelt. Ob die Fotos und Berichte vernichtet oder in Bundesarchiven eingelagert wurden, ist mir nicht bekannt. Genausowenig, ob das MfS davon Duplikate erhielt. Davon gehe ich aber aus, da wir immer nur einen Bericht gefertigt haben und die 2000 bei Auswertungen in der Regel dabei war. Dies galt nur für bestimmte Sonderlagen nicht, die gemeinsam mit Schneewittchen abgewickelt wurden. Dann stand im Bericht nur Dienstbeginn und -Ende, mehr nicht.
Ja, regulär... Wir bekamen über die Aufklärung kleine Fotomappen zurück, in denen die BGS-, Zoll und ggf. Polizeibeamten mit Foto und wenigen persönlichen Daten (Nachname, Dienstgrad, Dienststelle) vermerkt waren. Genauso war es mit den Verbindungsoffizieren der BAOR und den Einsatzkräften auf den amerikanischen Spionageturm (Wurmberg) und den sogenannten Feuerwerkern. In diesen Fällen aber nur mit willkürlich vergebenen Decknamen. Alles nur für unseren Bereich. GAK aus anderen Abschnitten hatten analoge Unterlagen für ihren Bereich. Für den Krisenfall gab es versiegelte Unterlagen mit genaueren Daten (Klarnamen, Adressen). Diese kleinen Mappen gab es etwas reduziert auch für die Postenführer, sie wurden an den jeweiligen Nachfolger weiter "vererbt" und immer wieder aktualisiert (manchmal auch nicht...). Was aus diesen Mappen nach der Wende geworden ist, weiß ich nicht. Da war ich schon lange nicht mehr dabei. Theoretisch wurden sie vernichtet. Aus mancherlei Kontakten mit ehemaligen Kollegen weiß ich, das hier und da noch private Fotos existieren.
Ich habe so etwas (privat verbotenerweise fotografiert) zwar auch gemacht, jedoch nur im Hinterland. Leider. Ansonsten waren private Aufzeichnungen ebenfalls verboten aber ein paar Reste habe ich noch. Nur leider arbeite ich im Moment weit weg.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#62

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 23:45
von Buedinger | 1.503 Beiträge
Zitat von Augenzeuge
... Vielleicht haben wir ja einen BGS-Insider hier, der mal das Gelöbnis der anderen Seite bringt.
Mehr würde mich nicht interessieren. ...


So steht die Eidesformel in der vom Bundestag am 05.02.2009 beschlossenen Neufassung des Bundesbeamtengestzes (BBG). In Kraft getreten ist es am 12. Februar 2009, einen Tag nach Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt (BGBl) I, S. 551.

§ 64 Eidespflicht, Eidesformel

(1) Beamtinnen und Beamte haben folgenden Diensteid zu leisten: „Ich schwöre, das Grundgesetz und alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren und meine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir Gott helfe. “

(2) Der Eid kann auch ohne die Worte „so wahr mir Gott helfe“ geleistet werden.

(3) Lehnt eine Beamtin oder ein Beamter aus Glaubens- oder Gewissensgründen die Ablegung des vorgeschriebenen Eides ab, können an Stelle der Worte „Ich schwöre“ die Worte „Ich gelobe“ oder eine andere Beteuerungsformel gesprochen werden.

(4) In den Fällen, in denen nach § 7 Abs. 3 eine Ausnahme von § 7 Abs. 1 Nr. 1 zugelassen worden ist, kann von einer Eidesleistung abgesehen werden. Sofern gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, hat die Beamtin oder der Beamte in diesen Fällen zu geloben, ihre oder seine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen.

Quelle: Bundesbeamtengesetz

Der Amtseid hat sich nicht verändert. So habe ich ihn auch 1995 geleistet.

Hier gibt es noch weitere Informationen zu Amtseiden und deren Eidesformel.

Tschüß
Ricardo

.

Ich finde Menschen faszinierend, die meinen mich zu kennen.
Manchmal drängt es mich sie zu fragen, ob sie mir ein bisschen was über mich erzählen können ...

Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich sage, aber niemals für das, was andere verstehen!

.
zuletzt bearbeitet 09.06.2009 23:46 | nach oben springen

#63

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 10.06.2009 04:41
von bleschen (gelöscht)
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hallo,aber vielleicht kennt ja jemand diese geschichte hier

und weiß etwas genaues darüber,ob wahr oder nicht wahr.

http://www.mdr.de/mdr-figaro/hoerspiel/5690109.html

zuletzt bearbeitet 10.06.2009 04:42 | nach oben springen

#64

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 10.06.2009 08:27
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo bleschen,

danke für diese unglaubliche Geschichte. Ich bezweifle sie keinesfalls, jedoch stellt sie sicher einen Ausnahmefall dar.
Es ist für mich schwer vorstellbar, das geflüchtete Arbeiter straffrei nach der Flucht zurückkehren durften und dann noch mit den Familien gemeinsam ausreisen konnten. Hier stimmt für mich irgendetwas nicht. Ich vermute, dass sie sich zur Zusammenarbeit mit dem MfS verpflichtet hatten. Sonst wäre das nie so abgelaufen. Denn die Arbeiter, die an diese Stellen durften waren immer 100%ig.

Gruß, Augenzeuge


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#65

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 10.06.2009 10:07
von josy95 | 4.915 Beiträge

Hallo Raimann2 und alle anderen.

Möchte mich Deiner Meinung/ Auffassung anschließen. Wird im erheblichen Teil schon etwas mit Überzeugung zu tun gehabt haben. Die Grenzaufklärer wurden, so weiß ich es auch aus Gesprächen mit vielen Gedienten und Kennern, oft als "ganz Echte und Lupenreine" eingestuft. Die Stasi wird wohl hier bestimmt ganz gründlich gearbeitet haben, bevor einer diese Tätigkeit hat ausüben dürfen! Gehe auch mal davon aus, das Elternhaus, familiäre Verhältnisse da eine ganz gewichtige Rolle gespielt haben. Liegt auch auf der Hand, das diese auch gewisse Privelegien ect. hatten, um gar nicht erst einen Fluchtgedanken aufkommen zu lassen. Die Frage bei soetwas ist doch immer: Was hab ich zu verlieren und was erwartet mich. Denk auch mal, das auch erheblicher Druck auf dieses Klientel ausgeübt wurde mit dem Delikt der Fahnenflucht und dem Motto "...wir kriegen Dich, auch im Westen...!". Beweise über s. g. "Rückführungen" gibt es ja auch genug.

Will da noch mal kurz eine Episode schildern von einem s. G. "Echten".

War 1989 kurz nach der Wende. Grenzübergang Stapelburg war ca. 3 Wochen schon "offen", sonstige Sperrzone aber anscheinend immer noch tabu. Wollte mal wieder in meinen "Hauswald" sprich Suental in Ilsenburg. War mit Hund spazieren und traf auf einen dieser "Aufklärer", den ich selbst über meinen Vater recht gut kannte. Übliche (freundliche) Begrüßung, auf meine Frage, ob man denn schon "...in den Wald, sprich Suental und Sperrgebiet dürfe..." verfinsterte sich seine Mine arg und er zog die absolute Show des preußisch- korrekten Büttels ab mit "Personenkontrolle, zeitweiliger Festnahme und Zuführung zur Suentalkompanie!

Es ist wirklich kein Scherz!

Angekommen in der Suentalkompanie hatte der diensthabende Offizier (Hauptmann) nur ein müdes Lächeln für seinen diensteifrigen Genossen übrig und für mich ein paar aufmunternde Worte: "..nimm`s ihm nicht übel Kumpel, er hat`s noch nicht geschnallt und geh wohin Du willst, paß nur etwas auf wegen der Hunde (die Hundetrassen waren ja noch vorhanden)...!"

Dieser Grenzaufklärer stand später in einem der wohl späktakulärsten Prozesse gegen die einen "**desschützen" vor Gericht und wurde in 1. Instanz und wohl auch als einzigster Angehöriger der Grenztruppen der DDR zu lebenslänglich verdonnert! Das Urteil hat man dann in zweiter oder dritter Instanz (weiß nicht so genau) in eine Haftstrafe umgewandelt.

Besagter "Aufklärer" hat Anfang der 80-er im Eckertal bei Stapelburg in der Nähe des späteren Grenzüberganges (B 6/ Deutschlandhaus) einen Harzburger erschossen, der im alkoholisierten Zusztand wohl schon öfter gern mal die DDR "besucht" hatte. Der Vorfall muß damals schon wahnsinnige Wellen gemacht haben das die Stasi nachher die Leiche nach Magdeburg ans Elbufer geschafft hat und dort als "unbekannten Toten" hat "auffinden" lassen. Sogar in der damaligen DDR- Presse (natürlich nur Lokalpresse Magdeburg) war ein Hilfeersuchen der Kriminalpolizei an die Bevölkerung ergangen, "...wer kennt diese unbekannte Person...". Derartige "Ersuchen" gehörten auch aus ideologischen Gründen in der DDR eher zur Superausnahme! Den Mann kannte natürlich niemand und so wurde die Leiche eingeäschert und anonym bestattet, wie heute in Fällen bei unbekannten Toten immer noch üblich.

Das ist alles erst in der 2. oder 3. Instanz ans Tageslicht gekommen. Wohl auch, das zu diesem Zeitpunkt und in diesem Grenzabschnitt wohl irgendeine streng geheime Operation lief, denk mal vielleicht Agentenschleusung oder so und dieser Mann einfach nur zur verkehrten Zeit am verkehrten Ort war.
Trotzdem bleibt da für mich ein ganz fader Beigeschmack! Man ballert keinen Menschen ab wie einen Hasen!

In einem Forumbeitrag stand auch, das bei speziellen "Grenzverletzungen" oder der Jagd auf Grenzverletzer auch spezielle Leute zugezogen wurden...:

Wer ein wenig Phantasie hat, spricht doch wohl alles für sich!

M. f. G. josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#66

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 11.06.2009 21:48
von S51 | 3.733 Beiträge

Diese Sache kenne ich nicht. "Lebenslänglich" gibt es nur für Mord und ein Fall, der als socher behandelt wurde, ist mir nur aus Raum Potsdam bekannt, wo jemand noch nach der Festnahme niedergeschossen wurde. Der Mann hatte sich bereits ergeben! Aus dem Raum Harz kenne ich so etwas nicht.
Nach der Wende noch jemanden als VGO (Verletzer Grenzordnung) festzunehmen ist aber auch schon recht nahe an der Grenze zum Kadavergehorsam. Nun ja.
GAK waren mit Sicherheit mehrfach gesiebt und wurden immer wieder überprüft. Das weis ich selbst sehr genau. Aber dass sie aus 100 %-igen Familien stammten, würde ich eher stark bezweifeln. Dann wäre der "Kulturschock" an der Grenze viel zu stark gewesen. Alle, die ich kenne, stammen eher aus Familien, deren andere Angehörige in der Welt verstreut lebten, Seefahrer waren oder sonst wie beruflich auch im NSW (nichtsozialistisches Währungssystem) tätig (Eisenbahner, Diplomaten, als Entwicklungshelfer in Afrika, Kuba und so weiter) waren. Sicher auch deshalb, weil dann bei einem Verrat die Auswirkungen auf die Familie sehr viel krasser gewesen wären. Und das war jedem bekannt.
Sondereinsätze von "besonderen Leuten", na sicher die gab es. Jedoch eher nicht, um kurzen Prozeß zu machen sondern für das Gegenteil. In den 80-er Jahren waren Tote und Verletzte an der Grenze etwas, was die DDR-Oberen möglichst vermeiden wollten, da waren solche Sachen sehr unerwünscht. Das sollte alles immer still und leise ablaufen. Siehe auch diese Geschichte mit dem Offizier, der gleich mehrfach die Seiten gewechselt hat. Da wurden auch extreme Gerüchte gestreut und im Endeffekt erging es ihm besser, als manchem, der ehrlich blieb.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#67

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 12.06.2009 00:13
von S51 | 3.733 Beiträge

Aber ich muss mich revidieren. Es hat mir keine Ruhe gelassen und wozu gibt es Internet. Diese Sache ist tatsächlich passiert. Am 10.Juni 1976. Das konnte ich nicht kennen, da war ich noch in der 6. Klasse. Das Opfer war ein Alkoholiker, der immer wieder mal ein bischen provoziert hat. So etwas ist zu meiner Zeit auch vielfach passiert aber wir haben solche Leute eben einfach zurückgescheucht. Hier jedoch hat der Grenzer geschossen. Der Teufel muss ihn geritten haben.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#68

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 23.06.2009 19:42
von Affi976 (gelöscht)
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@ Augenzeuge,
auch der von mir an anderer Stelle beschriebene Zöllner ( West ), Rudolf Zietz, hatte unmittelbar nach der Wende einen Freund gefunden. Den Grenztruppenmajor Volker Kakoschke. Beide wurden enge Freunde, auch familiär wurde viel zusammen unternommen, bis
der "Freund Volker ( Major Kakoschke ) am 11.8.2002 verstarb". Also was soll`s, sie wurden FREUNDE und nur DAS zählt!!!!!
Gruß Affi


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#69

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 24.06.2009 09:19
von 78er | 74 Beiträge

Was guckst du

Angefügte Bilder:
Foto Manfred Krellenberg.jpg

Wachsamkeit - Die Waffe des Grenzsoldaten
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#70

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 28.06.2009 19:56
von TOMMI | 1.987 Beiträge

Zitat von Angelo
Aber mal ehrlich auch als DDR Grensoldat hat man doch eine gute Kinderstube genossen und ich wäre mir da echt blöd vor gekommen wenn ich am Zaun gestanden hätte und es kommt jemand vorbei und sagt zu mir "Guten Tag" und ich darf nicht darauf antworten.


Mir ging es auch so, in solchen Fällen kam ich mir vor, wie der letzte Depp.
Es gab andere, subtilere Mittel der Grußerwiederung. Heben der Mütze, Zeigen
des Bandmaßes, usw.
Aber man konnte Pech haben und auf westlicher Seite einen Spitzel haben, der einen
dann anzinkte.
Denn so etwas galt als "unerlaubte Kontaktaufnahme".
Es war einmal eine absurde Eintragung im Wachbuch der Führungsstelle zu lesen, die lautete
wie folgt:
(Datum / Uhrzeit) "....versuchte Kontaktaufnahme aus Richtung BRD, durch männliche Person
scheinbares Alter 4 Jahre durch Rufe: 'Huhu, Huhu' "

Mal ehrlich, da tut doch alles weh, oder nicht?


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#71

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 28.06.2009 20:37
von glasi | 2.815 Beiträge

als ich dieses foto gesehen habe fällt mir folgenes erlebniß ein. es war 1988. ich war mit ein parr freunden an der grenze. fast genau wie auf dem foto standen sich bgs und nva gegenüber. es waren alles sehr junge männer. die vom bgs grüssten die nva soldaten. nahrtülich keine antwort. dann sagte einer von denn bgs soldaten. kommt ihr beiden euch nicht blöd vor. und das mitten in deuschland. einer der nva soldaten drehte sich ganz kurz um holte tief luft . sagte aber nichts. hut ab vor denn beiden ddr grenzsoldaten. sie haben sich nie provozieren lassen. ich weiß nicht ob ich das gekonnt hätte.



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#72

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 28.06.2009 21:49
von Augenzeuge (gelöscht)
avatar

Zitat von TOMMI

(Datum / Uhrzeit) "....versuchte Kontaktaufnahme aus Richtung BRD, durch männliche Person
scheinbares Alter 4 Jahre durch Rufe: 'Huhu, Huhu' "

Mal ehrlich, da tut doch alles weh, oder nicht?



Herrlich, der zuständige Major müsste sich hierüber eigentlich an den Kopf gefaßt haben...


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#73

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 00:44
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Also ich möchte mal eine kleine Episode erzählen.Die liegt 35Jahre zurück-ich diente in Zarrentin bei den GT.Jedes mal wenn wir Spätdienst hatten und nächsten Tag zum Nachtdienst raus mussten,waren an den Tag Grenzarbeiten angesagt für einige Züge.Das hieß-Kollonnenwege in stand halten,Schußfeld schaffen durch abholzen von Untergehölzt,u.s.w.Als wir mit unseren Arbeiten fertig waren und verließen den Grenzabschnitt,winkte uns von der anderen Seite ein Bauer oder es könnte auch ein Förster gewesen sein zu.Ich winkte zurück,vom LO aus.Das war es auch schon,1 std nachdem wir wieder in der GK waren,durfte ich beim Polit an tanzen.Der fragte mich,ob ich versucht hätte Kontakt aufzunehmen mit der Person.Ich erwiederte,Gen.Major ich stehe kurz vor dem Heimgang und ich habe nur die Hand gehoben mehr nicht.Damit war die Sache erledigt.Aber seitdem wußte ich ,das mich jemand angeschwärzt haben muss.
Im übrigen,eine Woche später grüßte mich die gleiche Person mit einen -Guten Morgen--als ich kurz vor der Ablösüng den K6 kontrollierte.Ich erwiederte es mit einen nicken des Kopfes.
Dies alles ereignete sich damals an der heutigen L203 --Lubsche Str,--nähe Schalsee


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#74

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 08:14
von sentry | 1.083 Beiträge

An der Autobahn-GÜSt Marienborn hatten wir jede Menge Kontaktaufnahmen der verschiedensten Art. Aus alliierten Fahrzeugen, die die Grenze passierten, wurden wir regelmäßig gegrüßt. Diese Grüße wurden eigentlich immer erwidert - je nach Situation und Mitstreitern im Abschnitt durch salutieren oder eben nur Kopfnicken, als Zeichen, dass man den Gruß wahrgenommen hat.

Ganz vorn an der Grenze auf dem Turm oder auch an der Linie, hing das Verhalten stark, von dem der Typen auf der Westseite ab. Provokante Ansprachen (vom einfachen "Komm doch 'rüber!" bis hin zu üblen Beschimpfungen) wurden dokumentiert und gemeldet, freundliche Ansprachen situationsbedingt auch mal erwidert.

Meine längste Unterhaltung hatte ich in der Silvesternacht 87/88. Wir standen wie immer zu dritt auf dem hohen Stahlgitterturm direkt an der Grenze...ein Uffz, zwei Soldaten. Kurz nach 00.00 Uhr kamen mehrere BGS-Angehörige aus der GKSt-Helmstedt an die Grenze und riefen uns ihre Neujahrsgrüße zu. Getreu dem gelegentlich gepredigten Motto "Jeder Grenzer ist ein kleiner Außenminister" , trugen wir unseren Teil zu Völkerverständigung und Aggressionsabbau bei und erwiderten die Grüße. Wir wechselten noch ein paar Sätze über Wetter, Feuerwerk, Schichtende, (zumindest bei uns nicht vorhandene) Alkoholika im Grenzdienst, wünschten uns noch eine ruhige Schicht bevor die Kollegen wieder abzogen.

Ich schätze 'mal unser Feindbild war wohl nicht stark genug ausgeprägt, dass wir allen Menschen gleichermaßen die kalte Schulter zeigten, bloß weil sie auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs standen.
Solch' freundliches Verhalten brachte uns denn auch gelegentlich Erleichterungen in unserem eigenen Grenzdienst:

Beispiel: In Marienborn passierten regelmäßig Gefahrguttransporter mit Ethylen die Grenze. Die Tankzüge durften wohl bloß 24h in der DDR bleiben und mussten von uns bei Ein- und Ausreise an den DHO gemeldet werden. Dazu musste man natürlich erstmal den ansonsten normal aussehenden Tanklastzug identifieren, dann mit dem Fernglas das Kfz-Kennzeichen aufklären und das ganze per GMN melden.
Das war natürlich nicht immer einfach, wenn die Ethylener nachts einreisten. Von der Kontrolle im Helmstedt bis zur Grenze waren es nur ein paar Meter und Tanklastzüge fuhren viele. Wenn man da mal ein bisschen pennte schaffte man es nicht mehr, das Kennzeichen zu erkennen oder verpasste den Ethylener ganz. Außerdem blendeten die Scheinwerfer stark, so dass man die Kennzeichen nur schwer ablesen konnte.
Wie auch immer der Informationsfluss war, aber ich bin sicher, ohne freundliche Grenzer wäre die unerwartete Hilfestellung der Trucker wohl nicht zustande gekommen:
Viele der Ethylen-Fahrer schalteten, während sie noch in der GKSt Helmstedt abgefertigt wurden kurz vor der Einreise einmal kurz ihre Rundumleuchte an. Das war in der Nacht natürlich hervorragend zu sehen und man wusste, wohin man die Aufmerksamkeit lenken musste.
Beim Passieren der Grenzline schalteten wiederum einige Fahrer kurz die Scheinwerfer ab, so dass wir völlig blendfrei vom Turm aus, das Kfz-Kennzeichen ablesen konnten...keine Ahnung woher die davon wussten, aber so lief das Ganze und warum hätten die uns helfen sollen, wenn sie gedacht hätten, wir sind der böse Feind?


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#75

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 12:05
von TOMMI | 1.987 Beiträge

Übrigens, beide Seiten waren auch bestens übereinander informiert.
So befanden sich einmal 3 Grenzauflärer auf dem vorgelagerten Hoheitsgebiet.
Fast in Berührungsweite befand sich auf westlichen Gebiet eine Streife
der Briten. Einer der Grenzaufklärer hatte den Namen Stein (ich nenne sonst keine
Namen, nur hier würde man ohne diesen die Schilderung nicht verstehen)
Dieser wurde von den Briten begrüßt mit: "Hello, Mister Stone!"


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#76

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 12:33
von S51 | 3.733 Beiträge

"Unser BFSO" hat mir knapp zwei Wochen vorher zum Unterfeldwebel gratuliert. Dafür konnte ich mich etwas mehr als ein halbes Jahr später revancieren mit einem Glückwunsch zur Enkeltochter. Schätze, wir waren da beide knapp vor dem "Abschuss" aber so ein paar kleine Gimmicks mussten hin und wieder mal sein.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#77

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 13:24
von karl143 (gelöscht)
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Was ich hier lese empfinde ich immer mehr als Wunsch zu damaligen Zeit. Es werden hier Vorgehensweisen wie grüßen, persönliche Ansprachen usw. geschildert, wie ich sie nicht erlebt habe. In meiner Dienstzeit habe ich bestimmt mehrere hundert Grenzstreifen erlebt. Mir ist in der ganzen Zeit nie ein GT Angehöriger untergekommen, der einen Gruß erwiderte. Und am Anfang der Dienstzeit war man noch so blauäugig und hat es immer wieder mit einem Gruß oder auch mit freundlichen Worten versucht. Hier wird eine Grenze mit dem Zusammentreffen von Ost und West beschrieben, wie es sie nie gab. Sie war unmenschlich, auf Menschen die von ihrem grundsätzlichen Recht gebrauch machen wollten, wurde geschossen als wenn es sich um Hasen handelt, und Freundlichkeit gab es an dieser Grenze nicht. Nicht einmal bei den Vermessungsarbeiten der Grenzkommission entwickelte sich etwas in Richtung Freundlichkeit. Gesucht wurde die Sachlichkeit - und mehr war nicht erwünscht - von der DDR Seite. Wie es die engl. Soldaten des BFS hielten kann ich nicht sagen. Aber vom Zoll und BGS weiß ich es. Also, bitte nicht diese Zeit im nachhinein in einem besseren Licht erscheinen lassen.


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#78

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 13:42
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="karl143"] Sie war unmenschlich, auf Menschen die von ihrem grundsätzlichen Recht gebrauch machen wollten, wurde geschossen als wenn es sich um Hasen handelt, und Freundlichkeit gab es an dieser Grenze nicht.

Hallo,

dieser Satz kam schon einmal ganz groß raus, in einer Reportage von Lothar Löwe ( Erster Leiter des ARD-Studios in Ostberlin, von 1974-76),
" an der Mauerer oder Grenze wird wie auf Hasen geschossen", dies war seine letzte Reportage aus Ostberlin, danach durfte er die DDR (Ostberlin) sofort verlassen.

dein1945, Berlin


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#79

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 13:49
von karl143 (gelöscht)
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Hallo dein 1945,
jetzt wo du es schreibst, erinnere ich mich. Stimmt, das war vor kurzem noch in irgendeinem Rückblick. Angeeckt sind ja aber alle Leiter des Ostberlin Studios der ARD.


zuletzt bearbeitet 29.06.2009 13:49 | nach oben springen

#80

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 29.06.2009 14:59
von sentry | 1.083 Beiträge

Zitat von karl143
Was ich hier lese empfinde ich immer mehr als Wunsch zu damaligen Zeit...

Hey karl,
nur so viel dazu: Ich bin fernab von jeder Grenzerromantisiererei. Das Thema entwickelte sich nun mal ein bisschen in Richtung Kontaktaufnahme und da habe ich etwas geschildert, was ich selbst an der Grenze erlebt habe.
Genauso unangebracht wie es wäre, daraus abzuleiten, dass die Grenze ein lauschiges Plätzchen war, wo verfeindete Soldaten permanent Schwätzchen hielten, halte ich es aber auch für unangebracht zu schreiben: "Hier wird eine Grenze mit dem Zusammentreffen von Ost und West beschrieben, wie es sie nie gab."
Ich lüge hier nicht und ich beschönige nichts (ich habe auch gar keinen Grund dazu), währenddessen Du Deine Erlebnisse induktiv verallgemeinerst.
Inhaltlich sicher größtenteils korrekt, was Du schreibst, aber die Ableitungen sind es nicht. Letztendlich waren alle an der Grenze, Ost wie West, Menschen und auch wenn es unwahrscheinlich erscheint, viele haben sich auch so verhalten...in jeder Hinsicht. Ich habe jedenfalls von beiden Seiten, uniformiert wie zivil, erheblich mehr Freundlichkeit, als Hasenabknallerei erlebt, selbst wenn uns das an dieser Grenze paradox vorkommen mag.
Aber angeblich sollen die Grabenkrieger der Kriegsparteien im 1. WK ja sogar gemeinsam Weihnachten gefeiert haben - Menschen sind zu allem fähig und können sich mit vielem arrangieren.

Dass wir uns einmal mit Kollegen von drüben unterhalten haben, hat die Grenze nicht menschlich gemacht, aber eins kann ich Dir sagen: Für uns (und wahrscheinlich auch für die) war sie einen Moment von ein bisschen Zwischenmenschlichkeit überdeckt. Eine Nachtschicht auf einem eiskalten, zugigen Turm war auch bei uns nicht gerade das, was wir uns für den Jahreswechsel erträumt hatten.
Tut mir leid, wenn das nicht in Dein Feindbild passt, aber Du brauchst daraus keine Verallgemeinerung ableiten.

Ich glaube mein Bild von der Grenze ist im Großen und Ganzen ganz realistisch. Wenn das Gespräch 'mal wieder auf die Perversitäten der Grenze kommt, kann ich auch dazu sicher einiges beitragen.


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