#41

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 13:37
von Udo (gelöscht)
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Zitat Rainman2:
"Wem aber dieses Ereignis nicht widerfuhr oder wer die ihm widerfahrenen Ereignisse nicht den Grenzen des Systems zuordnete, der konnte sich durchaus als aktiver Gestalter des Sozialismus sehen. Und das ist etwas anderes als Anpassung oder Mitläufertum. Man kann diese Leute aus heutiger Sicht naiv nennen, so wie ich das für mich in Anspruch nehme."

Ich sehe da für mich keine Naivität, denn ich habe mir, im Gegensatz zu Dir, nie Gedanken über das Verhältnis meiner Person zum Sozialismus gemacht. Ich wollte einfach nur leben und meinen Mitmenschen helfen. Dieser Zusammenhalt in Gemeinschaften, organisiert oder nicht organisiert, funktionierte so perfekt, dass ich mich auch mit ganzer Kraft eingebracht habe. (Beispiel: Aufbaustunden in der AWG: Natürlich war es nicht immer schön an Sonnabenden die Gehwege der AWG zu pflastern, aber wenn es vollbracht war, waren wir stolz auf das Geleistete (unsere Frauen mussten nicht mehr mit dem Kinderwagen durch den Dreck fahren) und haben darauf geachtet, dass dieser in Ordnung gehalten wurde. Heute interessiert niemanden mehr eine kaputte Bierflasche auf dem Gehweg.)
Diese Gemeinschaften zerbrachen nach der Wende, aus unterschiedlichsten Gründen, nahezu vollständig.
Ich weiss, warum ich keinen Grund sah, den letzten Meter über die weiße Linie zu gehen.
Udo

zuletzt bearbeitet 04.05.2009 13:59 | nach oben springen

#42

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 14:00
von Rainman2 | 5.763 Beiträge
Hallo sentry,

In Antwort auf:
Was ist denn das Wort für Leute, die einfach unter den gegebenen Umständen ihr Ding machen und ihr Leben leben, so gut es ihnen eben möglich ist?


Ich würde dazu sagen: "Leute, die einfach unter den gegebenen Umständen ihr Ding machen und ihr Leben leben, so gut es ihnen eben möglich ist". Es mag poltische Modelle geben, in denen man Menschengruppierungen einteilt (z.B. das vielzitierte: "Täter - Opfer - Mitläufer"). Aber es wird problematisch, auf dieser Ebene mit den Menschen zu reden, die es betrifft. Ich glaube, manudaves Anliegen zu verstehen: Das Schönmalen einer Zeit unter einer Diktatur, läuft aus seiner Sicht immer auch auf das Gutheißen, die Akzeptanz dieser Diktatur hinaus. Meine Kritik an manudave ist, dass er die abstrakte Ebene auch immer dann anzieht, wenn Leute sich einfach nur erinnern wollen. Damit geht das Gespräch kaputt. Es zwingt dann zum Schlagabtausch auf der abstrakten Ebene. Und der bringt nichts, als verhärtete Fronten und Positionen, die man vielleicht gar nicht mal vertreten würde.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 04.05.2009 14:02 | nach oben springen

#43

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 14:14
von sentry | 1.106 Beiträge

In Antwort auf:
Das Schönmalen einer Zeit unter einer Diktatur, läuft aus seiner Sicht immer auch auf das Gutheißen, die Akzeptanz dieser Diktatur hinaus. Meine Kritik an manudave ist, dass er die abstrakte Ebene auch immer dann anzieht, wenn Leute sich einfach nur erinnern wollen. Damit geht das Gespräch kaputt. Es zwingt dann zum Schlagabtausch auf der abstrakten Ebene. Und der bringt nichts, als verhärtete Fronten und Positionen, die man vielleicht gar nicht mal vertreten würde.


...deswegen versuche ich soweit wie möglich nur zu malen. Ob's schön war, muss jeder für sich selbst entscheiden.


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#44

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 18:01
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo zusammen,
nun will ich auch noch meine Meinung hier dazugeben. Ich beginne mal so rhetorisch, wie ihr aufgehört habt. Ihr habt alle gemalt. Gut und auch schlecht. Aber es ist nun mal so, das das eigene Bild nicht jedem gefällt. Und das ist überhaupt nicht schlecht für uns. Ist das nicht auch der Sinn des Forums? Wir wollen doch Lebensgeschichten der anderen hören, zwangsweise auch deren Meinung. Auch wenn wir zunächst die Meinung des anderen aus bisheriger Überzeugung ablehnen, so zwingt sie indirekt unser Bewußtsein doch, sich damit zu beschäftigen. Auch noch nach unserer Antwort. Wenn auch nicht gleich, aber sicher später, bekommen wir so ein besseres objektives Bild über die Geschichte. Und genau das hat uns in der DDR gefehlt. Es hat uns gefehlt, weil es eine Bedingung zum Funktionieren dieser Diktatur war.

Nun noch eigene Antworten auf gewisse Dialoge:

In Antwort auf:"Was ist denn das Wort für Leute, die einfach unter den gegebenen Umständen ihr Ding machen und ihr Leben leben, so gut es ihnen eben möglich ist?" würde ich sagen, es sind angepasste Mitläufer.

Die Aussage von Captndelta: "Nur weil man nun selbst auf der freien Seite ist, heisst das noch lange nicht das man da persoenlich frei ist" finde ich einfach gut. Das man nicht versteht, das die abgehauen sind, finde ich bedenklich.

Nicht weniger gut finde ich Rainmans Aussage "Aber zwischen Mauertoten, Stasiknast, politischen Häftlingen auf der einen und Engagement in Betrieben, LPG-en, Schulen, Wohngebieten, im gesamten gesellschaftlichen Leben auf der anderen Seite, wo auch wirklich Dinge bewegt werden konnten und bewegt wurden, ist ein Unterschied."

Ich verstehe sehr gut, was ein Grenzer beim Stehen an der Linie gedacht hat. Obwohl ich nie die Gelegenheit dazu hatte. Aber das war sicher auch gut so. Die Republikflucht eines Bürgers war ja nicht gleich der Fahnenflucht. Hier standen ganz andere Konsequenzen dahinter. Obwohl auch die normale Republikflucht zu Verhaftungen der Verwandten geführt hatte, Beispiel-siehe Ballonflucht, 1978, der Bruder des Ballonfahrers, der nachweislich nicht gewusst hatte, wurde mehrere Jahre ins Gefängnis gesteckt. Hier verstehe ich auch sentry, das man abwiegen mußte. Ganz sicher spielte hier der eigene Egoismus und die Verantwortung anderen gegenüber, und nicht zuletzt die eigenen Lebenserfahrungen eine bedeutende Rolle. Und noch mal anders waren die Folgen für jene, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Allerdings haben die alle Folgen meist persönlich ausbaden dürfen (und das war teils sehr schlimm), bis sie vielleicht raus durften. Jedem, der meint, das war doch relativ einfach- dem könnte ich schlimme wahre Geschichten erzählen.

Also, in dem Sinne- macht weiter so!

Übrigens, wenn es von Interesse ist, erstelle ich gern mal eine Liste von Fahnenflüchtigen (Ost-West). Muß aber auch nicht sein.

Gruß, Augenzeuge







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#45

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 18:58
von S51 | 3.733 Beiträge

Warum man nicht einfach rüberging? Da gab es viele gute Gründe:
1. Dort, wo man war, hatte das Leben eine relativ sichere Perspektive. Die eigenen Ziele waren abgesteckt und mit akzeptablen Einsatz erreichbar. Was einen auf der Gegenseite erwartete, wußte man nicht.
2. Zu Hause lebte die Familie. Sie zu verlassen, hätte bedeutet, sie entäuschen zu müssen. Damit wären auch Grundfesten der eigenen Existens weggebrochen und dies dann durch eigene Schuld. Nur um den persönlichen Vorteil willen.
3. Andere Teile der Familie waren davon abhängig, wie man sich selbst verhielt. Politische Überzeugungen hin oder her, so blind war man nicht, um nicht zu wissen, dass man durch unüberlegte Handlungen die Lebensperspektiven anderer gleich mit zerstören konnte.
4. Last but not least: Man hatte einen Eid geschworen. Es gab keinen vernünftigen, anständigen grund, ihn zu brechen. Ja, ich höre machen aufschreien aber was es auch in der DDR gegeben haben mag, Verbrechen analog jener aus dem WK II waren nicht darunter. Man wäre zum Verräter geworden. An den eigenen Überzeugungen, an den Kameraden, an der Familie und den Freunden. Ich war nun mal Soldat und mußte die Sache ordentlich zu Ende bringen.

Eine Liste der Fahnenflüchtigen? Laß lieber. Wer mag, soll sich selber nennen. Er wird hoffentlich gute Gründe haben, sich öffentlich mit dem was geschah auseinander zu setzen. Das ist jedem sein gutes Recht.
Wer nicht mag, auch gut. Auch sein gutes Recht. Ich denke, dass über solche Listen, die man ja über Dritte erstellt, nachgedacht werden mag, wenn keiner der Beteiligten mehr existiert. Denn ich habe noch diese und jene Äußerung im Ohr, die man mitunter früher zu hören bekam...


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#46

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 19:18
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Möchte gerne einen kurzen Auszug aus einem Buch hier bringen

Zwei der vorbeiziehenden DDR-Grenzsoldaten sondieren das Terrain,der dritte sticht mit dem Spaten Unkraut und Gräser
im Umkreis des kleinen Grenzsteins weg.Danach gehen sie weiter,schweigend,ohne ein Grusswort an ihre westlichen Berufskollegen.Auch die bayerischen Beamten bleiben stumm.Ein einziger Sprung der drei Männer,höchstens einen Meter
weit,würde genügen.Den bundesdeutschen Zöllnern sieht man an,das sie die DDR Grenzer für blöd halten,weil sie die Chance zur Flucht nicht nutzen


Ja ,das war damals die These der meisten,wer jetzt nicht abhaut ist dumm,ganz pauschal.So einfach war es natürlich
nicht,siehe euere Argumete.



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#47

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 20:26
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
(Beispiel: Aufbaustunden in der AWG: Natürlich war es nicht immer schön an Sonnabenden die Gehwege der AWG zu pflastern, aber wenn es vollbracht war, waren wir stolz auf das Geleistete (unsere Frauen mussten nicht mehr mit dem Kinderwagen durch den Dreck fahren) und haben darauf geachtet, dass dieser in Ordnung gehalten wurde. Heute interessiert niemanden mehr eine kaputte Bierflasche auf dem Gehweg.)



Ich glaube hier steckt mittlerweile ein generelles Problem in Deutschland. Wer sagt, dass man all diese guten Taten nicht mehr ausführen kann? Es gibt diese Vereine - sei es die Jugendfeuerwehr, die Pfadfinder oder Sportclubs. All die suchen händeringend Menschen die ehrenamtlich anfassen. Aber genau das findet man heute kaum noch, weil der Einzelne Bürger viel egoistischer geworden ist als das früher der Fall war. Ich für meinen Teil hab mir z.B. 15 Jahre als Schiedsrichter die dollsten Beleidigungen für ein paar Mark Spesen angehört - aber ich tat es für meinen Verein. (Dazu muss man wissen, das Vereine in Hessen ein Mindest-Soll an Schiedsrichtern haben).
Und so kann auch heute jeder seinen Beitrag zur Gemeinschaft beitragen - er muss es nur wollen.


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#48

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 05.05.2009 17:25
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Rainman, hallo Zermatt,

wir hatten hier über das Zitat von Ulbricht aus den 50ern dikutiert.
Nun habe ich etwas gefunden, was ich doch noch einstellen wollte:

Ihr kennt es sicher alle...: "Als Offiziere sind wir bereit, in den jungen Patrioten... einen glühenden Haß gegenüber dem Imperialismus, seinen bewaffneten Kräften und allen anderen Feinden der Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes zu entfachen...."(Gelöbnis der Grenz-Offiziere, 1977)

Eigentlich enspricht das doch nicht dem Interesse der DDR auf friedliche Koexistenz dieser Zeit. Heute stellen sich sicher viele die Frage, warum man damals so wenig über diese Wortwahl nachgedacht hat. Mir stellt sich nun die Frage ob es ähnliches auch im Gelöbnis des BGS gabe. Weiß das jemand?

Gruß, Augenzeuge


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#49

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 05.05.2009 17:58
von Rainman2 | 5.763 Beiträge
Hallo Augenzeuge,

ist halt eine klassenkämpferische Formulierung, allerdings kenne ich das nicht. Du hast es aber herausgefordert, also hier das Glöbnis, das ich als Offizier abgegeben habe:

Als Offizier der Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik bin ich bereit, getreu dem Fahneneid, mene ganze Kraft, mein Wissen und Können unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands für die Verwirklichung des Klassenauftrages einzusetzen.

Das gelobe ich!

Als Offizier bin ich bereit, meinem sozialistischen Vaterland, der Deutschen Demokratischen Republik allzeit treu zu dienen, im Geiste des sozialistischen Patriotismus und proletarischen Internationalismus das Vermächtnis der revolutionären Vorkämpfer der Arbeiter-und-Bauern-Macht in Ehren zu erfüllen.

Das gelobe ich!

Als Offizier bin ich bereit, meine Unterstellten so zu erziehen und auszubilden, daß sie als tapfere Klassenkämpfer, pflichtbewußt und treu, an der Seite der Sowjetarmee und der anderen Waffenbrüder den Sozialismus und den Frieden gegen jeden Feind schützen.

Das gelobe ich!

Als Offizier bin ich bereit, an mich selbst hohe Forderungen zu stellen, militärische Meisterschaft zu erwerben und beispielhaft allen Anforderungen des militärischen Dienstes gerecht zu werden.

Dafür stehe ich ein! Das gelobe ich!


Mehr kann ich dazu erst mal nicht beitragen.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 05.05.2009 17:58 | nach oben springen

#50

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 05.05.2009 18:09
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Rainman,
nein, herausfordern wollte ich dich nicht. Bisher dachte ich nur, dass diese Rhetorik nur in den 50/60 er jahren existierte. Und nicht nach der Schlussakte von Helsinki. Und nun lese ich die in einem Buch. Deshalb war ich überrascht. Nun hast du sogar dein Gelöbnis hier eingestellt- danke- so ähnlich kannte ich das auch.
Vielleicht haben wir ja einen BGS-Insider hier, der mal das Gelöbnis der anderen Seite bringt.

Mehr würde mich nicht interessieren. Ansonsten denke ich, haben wir das Thema gut diskutiert.

Gruß, Augenzeuge


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#51

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 19:44
von tiroler (gelöscht)
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Hallo Raiman2!
Ich habe da eine Frage an die Experten.Die Grenzaufklärer standen oftmals dem Zoll,BGS oder auch der Polizei wenige Meter gegenüber.Nun meine Frage :"Haben sich wenigstens die Offiziere untereinander militärisch gegrüsst ?"Der Anstand gebietet es ja.

tiroler


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#52

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 19:58
von Pitti53 | 8.789 Beiträge
nein.auch das war für offiziere verboten

zuletzt bearbeitet 09.06.2009 19:59 | nach oben springen

#53

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 20:05
von Bunkerkommandant (gelöscht)
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Wow, die Frage ist cool. Das würde selbst mich interessieren.
Ich glaube, als Offizier an der Grenze hat man sich das dreimal überlegt. Gereizt hätte mich das schon, die Hand stolz hochzureißen an die Schläfe, aber wie hätte es der Grenzsoldat aufgefasst, den man dabei hat?
Ich weiß nicht, ob ich das getan hätte? Klaus-Peter, was sagst Du?

Wir lesen uns,
Thomas.


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#54

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 20:08
von Bunkerkommandant (gelöscht)
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Aha, da haben wir's.
Auch das wusste ich nicht.
War direkt verboten, ja?

Menno, wofür haben die uns Diplomatie büffeln lassen.


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#55

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 21:05
von S51 | 3.733 Beiträge

Das war verboten? Schwein gehabt, an dieses Verbot hat sich bei uns keiner gehalten. Wir haben das Gegenteil vorausgesetzt. Auf eine militärische Ehrenbezeigung, so hieß wohl der Handgruß an der Mütze bzw. dem Käppi, wurde immer entsprechend geantwortet. Und zwar durch den Postenführer. Jedoch ohne was zu sagen, das war wiederum nicht üblich und galt als verboten. Unsere Offiziere inklusive KC haben es vorne genauso gehandhabt.
Dafür gab es, als der BGS die Barierren gebaut hat, einige Gelegenheiten.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#56

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 21:22
von stalag-gra | 219 Beiträge

Hallo S51,

das interessiert mich nun. Welche Barrieren hat denn der BGS gebaut??

Gruß Stefan


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#57

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 21:48
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von tiroler
Hallo Raiman2!
Ich habe da eine Frage an die Experten.Die Grenzaufklärer standen oftmals dem Zoll,BGS oder auch der Polizei wenige Meter gegenüber.Nun meine Frage :"Haben sich wenigstens die Offiziere untereinander militärisch gegrüsst ?"Der Anstand gebietet es ja.
tiroler


Hallo Tiroler,

obwohl du Rainmen angesprochen hast, denke ich, eine Story könnte dich vorab auch interessieren.

Manchmal kannten sich die Offiziere durch Begehungen der gemeinsamen Grenzkommission. Später, als die Minen weggeräumt wurden, flog bei kontrollierten Sprengungen schon mal ein Gummideckel über die Grenze. Offiziell hätten daraus diplomatische Verwicklungen entstehen können. Kamen aber 2 vernünftige Menschen zusammen, in diesem Fall war es der Offizier des BGS, Reinhard Kilian und der Major der GT, Ulrich Schmidt, die sich hierbei kennengelernt und durch unkonventionelle Handlungen auch schätzen gelernt hatten. Dieser Major Schmidt wies seine "Jungs" an, das ein Grüßen der Gegenseite keinen Westkontakt darstellt. Dem wurde dann auch entsprochen. Deshalb kann es nicht direkt verboten gewesen sein, oder es wurde unterschiedlich gehandhabt.
Später standen sich die beiden am Grenzzaun gegenüber und haben auch mal privat geschwatzt. Über Urlaub und so. Ohne Zeugen natürlich.

Übrigens, am 14.11.89 durften die Grenzer noch nicht in den Westen, die MfSler schon. Der Major gab an den BGS-Offizier Hinweise, wer wer ist. Eine Woche später saß die Familie des Majors bei der Familie des BGS-Beamten im Wohnzimmer in Bayern. Es folgte eine angenommene Gegeneinladung, noch heute sind die beiden Freunde.

So viel zur möglichen Menschlichkeit, die leider oft anders war.

Gruß, Augenzeuge



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#58

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 22:00
von S51 | 3.733 Beiträge

Wir hatten im Grenzabschnitt im einsehbaren Bereich zwischen dreieckigem Pfahl und Wurmberg immer wieder kleinere Zwischenfälle mit Urlaubern. Die haben aus dem Westen die Grenze überschritten und dann auf dem vorgelagerten Gebiet der DDR ihre Spielchen abgezogen. Meistens harmlos, manchmal aber auch Sachbeschädigungen und anderes. So etwa 40 mal pro Tag! Und immer Dokumentation und der übliche Protest an die gemeinsame Grenzkommission.
Irgendwann hat es der bundesdeutschen Seite wohl auch gereicht. Ich bin mir nicht recht sicher, war es nun Frühsommer 1984 oder 85, da begann der BGS entlang der Grenzlinie eine Holzbarierre zu bauen. So in etwa wie eine Holzkoppel für Pferde, nur niedriger. Wer nun mal nur so ein bischen provozieren wollte, musste drüber klettern. Das war zumindest schon eine psychologisch sehr wirksame Sache. Die Zwischenfälle gingen stark zurück auf etwa noch ein bis zwei pro Tag.
Unser Part als GAK während des Baues war es, zu prüfen, ob nicht auch ein Zentimeter des kostbaren DDR-Bodens "unziehmlich in Anspruch genommen" wurde. Etwa, weil ein Pfahl zu weit drüben gegründet wurde. Für beide Seiten war das sehr nervenzehrend, weil ein Protest durch uns ja neue Arbeit für den BGS bedeutete. Und das bei schwierigen Bodenverhältnissen (Felsbrocken, an denen die Bohrer abglitten). Am Abend waren beide Seiten zufrieden, wenn man sich einigen konnte. Einmal pro Woche hat entweder die Kompanieführung oder am Ende sogar das Bataillion unsere Arbeit auf dem vorgelagerten Gebiet überprüft.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#59

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 22:46
von Alpha4550 (gelöscht)
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Hallo S 51,

kannst Du etwas ausführlicher schildern, in welcher Form die DDR Grenztruppe Informationen über die Angehörigen von Zoll und BGS gesammelt hat?Ich selbst habe von 1986 - 1990 Dienst als Zollbeamter in Helmstedt verrichtet. Während dieser Zeit wurde ich mehrfach von Grenzaufklärern fotografiert. Wo sind all die Aufnahmen jetzt archiviert? Oder ist alles vernichtet worden? Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.

Gruß

Wolfram


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#60

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 09.06.2009 22:52
von Rainman2 | 5.763 Beiträge
Zitat von tiroler
Hallo Raiman2!
Ich habe da eine Frage an die Experten.Die Grenzaufklärer standen oftmals dem Zoll,BGS oder auch der Polizei wenige Meter gegenüber.Nun meine Frage :"Haben sich wenigstens die Offiziere untereinander militärisch gegrüsst ?"Der Anstand gebietet es ja.
tiroler


Hallo tiroler,

einiges dazu war schon gesagt, aber eben auch unterschiedliches. Hier mein Kenntnisstand und unsere Handhabung: Anfang der 80-er Jahre kam es zu einer "leichten Entkrampfung", d.h. der Krampf wurde nur etwas anders. Das führte dazu, dass ich in der Ausbildung an der OHS 1981/82 plötzlich lernte, dass der militärische Gruß von Angehörigen der bewaffneten Kräfte auf dem Boden der BRD zu erwiedern ist. Aber auch nur der militärische Gruß und nichts anderes. Dabei war der Dienstgrad egal. Inwieweit das an die Grenze vordrang, dass es eine solche Regelung gibt, weiß ich nicht zu sagen. Pitti53 schien nichts davon zu wissen. Allerdings war es ja auch manchmal schon eine perfide Form der Geheimhaltung, wenn es nur in eine Dienstvorschrift geschrieben wurde - wer liest das schon?! Für mich hatte diese Regelung allerdings keine praktischen Konsquenzen, da die Leute vom BGS immer nur versuchten mit "Guten Morgen" oder "Guten Tag" zu grüßen. Die Erwiederung darauf war aber zu meiner Zeit nicht gestattet. Und um Deine Frage, tiroler, vollständig zu beantworten: Wir haben nicht zuerst gegrüßt, wir durften nur einen eventuellen militärischen Gruß der anderen Seite erwiedern. Es gab allerdings Offiziere, die für die Aufnahme offizieller Kontakte bestätigt waren. Diese hatten ihre Rede mit dem militärischen Gruß zu eröffnen (kannte ich aber auch nur aus der Ausbildung, nicht aus der Praxis).

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 09.06.2009 22:53 | nach oben springen



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