#21

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 01.05.2009 23:24
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Rainman,
zunächst danke ich dir für die mühevolle Erklärung. Du kannst das wirklich gut. Aber mir ging es hier ausschließlich um das von Zermatt eingestellte Zitat. Und da ist es mir egal, welche Art von Hass gemeint ist. Natürlich liegt es mir fern, eine Dämonisierung, von was auch immer, herbeizuführen. Schon gar nicht die Menschen pauschal zu verurteilen. Aber es gab Menschen, die dieses Zitat bewußt zur Beeinflussung des einfachen Volkes damals benutzt haben. Und diese Menschen, die das getan haben, verurteile ich. Heute gibt es leider immer noch Menschen, die daran glauben. Mir ist klar, das zwischen dem Zitat und deiner Zeit an der Grenze 20 Jahre liegen, Jahre in denen es nicht nur rhetorisch menschlicher geworden war. Ein Beispiel war auch der gängige Spruch von Frieden und Sozialismus. Schon im Kindergarten der DDR sollte vermittelt werden, das Kapitalismus und Frieden nicht zusammen passen. Später in der Schule ging diese Feindbilderziehung weiter, sie gipfelte im Wehrkundeunterricht ab 1979 und der vormilitärischen Ausbildung während der Ausbildungszeit zum Facharbeiter. Schon der einfache Bürger der BRD wurde nicht normal betrachtet. Der Staat lies keine Möglichkeit der Beeinflussung der Kinder und Jugend aus, was anfangs gut gemeint war schlug später ins Gegenteil um. Auch ich war anfangs froh in der DDR zu leben. So sicher vor allen Bösen. Wer immer nur Neues Deutschland lesen darf bzw. muss ist genauso schwach gebildet wie jemand der ständig Bild liest. Fakt ist, das es in den Schulen der BRD keine Feindbilderziehung in Bezug zur DDR gab. Man sprach immer von Brüdern und Schwestern, denen man mit Verständnis gegenübertreten sollte. Das es früher in der BRD eine soziale Marktwirtschaft gab, wurde verschwiegen. Aus bekannten Angstgründen ums Volk. Das Gelernte stimmte mit den damaligen Verhältnissen in der BRD überhaupt nicht überein. Das Gerede von teuren Mieten, Berufsverbot für DKP-Mitglieder und die vielen Lügen wurden rhetorisch gut verpackt unters Volk gebracht. In Wirklichkeit ging es damals dem einfachen Arbeiter oder Rentner besser als in der DDR, soviel zur Ausbeutung. Wer konnte sich denn im Delikat für 10,- Mark eine Tafel Schokolade kaufen, wenn er nur 4 Mark Stundenlohn hatte. War es denn richtig, für eine Wohnung 50 Mark zu bezahlen? Ich habe es erlebt, wie die Leute damit umgegangen sind. Heizung voll auf, Im Winter bei -15 Grad wurde permanent das Fenster offen gelassen. Täglich die Badewanne voll. Kostet ja nichts. Auch der Staat hatte dann nichts mehr zum investieren übrig. Genau das hat mit dazu beigetragen, das alles den Bach runter gehn musste. Selbst die humanste Sache, der Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz waren in der DDR damals schlechter. Beispiel: Asbest war im Westen schon lange verboten, ich erlebte mit, wie die Arbeiter gezwungen worden, damit zu arbeiten. Sie schrieben an Berlin, Honecker. Alles nur Geschwätz vom Klassenfeind, arbeitet mal schön weiter, hieß es. Die sind heute schon alle tot. Seid ihr mal in Bitterfeld, Buna, Leuna gewesen? Habt ihr gesehen, wie die Umwelt für unsere Kinder zerstört wurde. Wie Braunkohlebagger immer mehr Dörfer platt gemacht haben? Spätestens im Beruf, nach einigen Jahren wurde vielen DDR Bürgern deutlich, was die Wahrheit ist. Man hat von der Partei gesagt, ach, im Ruhrgebiet sieht es schlimmer aus. Lüge. Man hat Bilder gezeigt, welche über 15 Jahre alt waren. Beispiel: Essen war bereits 1983 eine grüne Stadt- im Zentrum des Ruhrgebietes. Aber davon konnte man sich als DDR-Bürger ja nicht überzeugen. Jetzt höre ich auf. Andere hier bringen auch immer toll lange Erklärungen. Deshalb habe ich es auch einmal versucht, auch wenn ich zugebe abgedriftet zu sein. Ich möchte ja nur, das ich etwas verstanden werde. Danke dafür.

Gruß, Augenzeuge





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#22

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 00:46
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Hallo Augenzeuge,

von meiner Seite ein herzliches Dankeschön für Deinen Beitrag.

Liebe Grüße!
Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#23

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 07:36
von manudave (gelöscht)
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Übrigens,

in einem der deutschen Grenzmuseen gibt es ein großes Bild, wo drei Gakl´s direkt vor den weißen Pfosten in den Schneeanzügen stehen und einen amerikanischen Posten beobachten. Auch hier wären es höchstens 5 Schritte gewesen.
Das kann mancher Tourist wirklich nicht verstehen, warum die dort geblieben sind.

Aber ob ich als Soldat meine Familie, meine Verwandschaft und Freunde - durch meine Flucht - so in Bedrängnis bringen wollte, dass musste jeder für sich selbst entscheiden. Und viele haben es trotzdem getan...


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#24

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 09:48
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von manudave
Übrigens,
in einem der deutschen Grenzmuseen gibt es ein großes Bild, wo drei Gakl´s direkt vor den weißen Pfosten in den Schneeanzügen stehen und einen amerikanischen Posten beobachten. Auch hier wären es höchstens 5 Schritte gewesen.
Das kann mancher Tourist wirklich nicht verstehen, warum die dort geblieben sind.
Aber ob ich als Soldat meine Familie, meine Verwandschaft und Freunde - durch meine Flucht - so in Bedrängnis bringen wollte, dass musste jeder für sich selbst entscheiden. Und viele haben es trotzdem getan...

... die meisten allerdings nicht. Nur weil man nun selbst auf der freien Seite ist, heisst das noch lange nicht das man da persoenlich frei ist: Auch Conrad Schumann hat sich noch 9 Jahre nach dem Mauerfall erhaengt weil er nie wieder zu seiner Familie zurueckgefunden hat. Von daher hab' ich auch Respekt vor den Leuten die da "Nur einen Schritt in die Freiheit" gehabt haetten, und trotzdem gewusst haben was fuer sie und ihre Familie das beste ist.

-Th


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#25

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 12:14
von manudave (gelöscht)
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Zwischen einem unfrei in der BRD und einem unfrei in der DDR war aber doch noch ein himmelweiter Unterschied, oder?
Einzelschicksale sind das als Beispiel nicht unbedingt richtungsweisend...


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#26

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 13:13
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von manudave
Zwischen einem unfrei in der BRD und einem unfrei in der DDR war aber doch noch ein himmelweiter Unterschied, oder?
Einzelschicksale sind das als Beispiel nicht unbedingt richtungsweisend...


Sicher war da ein Unterschied. Das Thread-Thema "DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit" spielt allerdings doch eher auf Einzelschicksale ab, die jeder selbst entscheiden musste. Ich haette mein Leben nicht gern tauschen moegen mit jemand der da bis vorn an den Zaun darf, allerdings nicht weiter.

Ich kann mich noch erinnern als meine Mutter eines Tages ein sehr ernstes Gespraech mit uns hatte. Uns war schon vorher klar das die Ausreise beantragt war, aber nun ging's in die entscheidende Runde: das bedeutete das wir unsere Grosseltern im Westen endlich mal sehen wuerden, allerdings das wir unsere Grossmutter im Osten warscheinlich fuer laengere Zeit nicht mehr sehen koennen. Die Wahl war wirklich nicht leicht.

Jetzt stell dir mal vor Du stehst da einen Meter vor der Freiheit. Easy enough, das waere dann Freiheit. Allerdings deine Frau kommt nach Hoheneck, deine Kinder zu irgendwelchen Stasi-Eltern, und deine Eltern und Geschwister werden zwangsumgesiedelt.

Von daher hab' ich Respekt vor den Leuten die da am letzten Meter an der Grenze waren, und dann trotzdem ihre Familie nicht im Stich gelassen haben. Das die meisten, die da ganz vorne waren, in irgendeiner weise erpressbar waren, und von daher ausgewaehlt wurden, ist klar.
-Th

zuletzt bearbeitet 02.05.2009 13:31 | nach oben springen

#27

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 14:40
von Augenzeuge (gelöscht)
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Nun mal etwas groteskes- eine Fotostory in Berlin, 1986:


Dateianlage:
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#28

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 16:49
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Möchte noch gerne zum Thema Feindbild ein Zitat bringen,auch wenn es nicht direkt zum Thema passt.

Es stammt vom "Spitzbart" aus dem Jahre 1957,auf einer Tagung von Kommandeuren und Politfunktionären der NVA

Alle Angehörigen der NVA müssen so erzogen werden,das sie einen Krieg zwischen der DDR und der Bundesrepublik
nicht etwa als einen Bruderkrieg auffassen.Die Soldaten müssen wissen,das jeder,der die Errungenschaften der DDR
antastet,als Klassenfeind zu behandeln ist,auch wenn es der eigene Vater,Bruder,Schwager oder sonstwer ist


Soweit W.Ulbricht zu diesem Thema



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#29

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 02.05.2009 17:05
von Augenzeuge (gelöscht)
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Danke, Zermatt.
So schnell ändern sich eben die Zeiten. Wenige Jahre zuvor hieß es noch: "Kein Deutscher darf wieder jemals eine Waffe in die Hand nehmen..."
Aber wir Deutschen waren nur der Spielball der Supermächte. Preussisch erzogen, meist ohne Widerspruch folgend...
Allerdings muß man schon ein abgebrühtes Individuum sein, wenn man den Krieg mit all seinen schrecklichen Folgen miterlebt hat und kurz danach wieder davon spricht. Vielleicht haben die Russen ihm was ins Essen gemacht....dabei lag Deutschland damals noch teils im Schutt. Natürlich war auch z.B. Adenauer nicht viel besser.....

Gruß, Augenzeuge


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#30

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 08:07
von sentry | 1.077 Beiträge

DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit....Dieser Titel ist, sorry, eine typische "Wessi-Phrase"...nicht so wie Angelo sie in Verbindung mit dem Bild benutzt hat, aber im eigentlichen Sinne des Wortes schon.

Sie unterstellt irgendwie, dass jeder Rumpelzoni erstmal pauschal fluchtwillig war, es mangelte ihm nur an Gelegenheit. Das zeugt von erheblicher Unwissenheit über das tatsächliche Leben in der DDR, ein Leben, dass sich leider heute nur noch schwer vermitteln lässt, da doch die ganze Diskussion von Schlagwörtern (Diktatur, Schießbefehl, Stasi...) geprägt ist.

Ich war kein GAKL, ich war nur Soldat im Grundwehrdienst, daher will ich weder über die allgemeine Linientreue noch die Rolle der GAKL's im System DDR philosphieren.
Ich war als GWDler auch "linienbestätigt". Ich war sicher Blutgruppe AA (ohne das wir das damals wussten). Wir sagten nur "bestätigt" oder "staubig" in diversen Abstufungen und AA wäre eben "linienbestätigt" gewesen, d.h. die Erlaubnis, bis an die Grenzlinie zu gehen.
Wie ich zu dieser Einstufung gekommen bin, ist ein eigenes Thema, ich habe mehr West- als Ostverwandtschaft, war nicht in der Partei und auch kein IM (wenn so eine Aussage überhaupt einen Wert hat). Meine Stasi-Akte geht ohne Diskussionen als "Opferakte" durch.
Im 2. Diensthalbjahr war ich 32x allein auf Grenzdienst, im 3. DHJ sogar 35x und dazu noch 5x direkt an der weißen Linie auf der Autobahn an der GÜSt Marienborn.
Immer wenn man da hinging, wurde man von den Kameraden verabschiedet: "Schick 'mal 'ne Postkarte aus Lappwald!" (Das war die erste Autobahnraststätte im Westen unmittelbar an der GKSt Helmstedt). Allen war klar, dass so ein Einsatz an der Linie für jeden Beteiligten der leichteste Weg in den Westen war. Und jedesmal, wenn man da vorne war, hat man überlegt, welche Konsequenzen es wohl hätte, wenn man jetzt diesen einen kleinen Schritt machen würde. Keiner würde hinterherkommen und dich zurückholen, schießen würde auch keiner. In der Regel war sowieso BGS und/oder GZD auch mit vorn, da konnte nichts passieren.
Ich war kaum volljährig, hatte gerademal Abitur in der Tasche. Was würde ich da drüben anfangen, wo würde ich hingehen, wie würde mein Leben weitergehen, wovon würde ich leben, würde meine Ausbildung anerkannt werden (ach, ich hatte ja kaum eine..), würde ich meinen Verwandten auf der Tasche liegen?

Ich gehe 'mal lieber einen Schritt von der Linie weg, nicht dass der komische Vogel da drüben (Eeh! Kommt doch rüber!") mir die Mütze vom Kopf reißt oder gar die Waffe von der Schulter!! Dann stehe ich schön bekloppt da.

Was passiert mit meiner Familie? Meine Eltern, mein Bruder, wie gehts mit denen weiter? Stasi-Erfahrungen haben wir schon zur genüge, wir wissen mittlerweile, wie das läuft! Ist das normale Leben für meine Leute zu Ende, wenn ich jetzt 30 cm weiße Farbe übersteige?
Was passiert mit meinen Kameraden in der Kompanie, was mit den beiden armen Hunden, die das Pech hatten, mit mir hier vorne zu stehen?
WAS SIND ÜBERHAUPT MEINE GANZ PERSÖNLICHEN GRÜNDE, DIE MICH JETZT IN DEN WESTEN ABHAUEN LASSEN WÜRDEN?
Den Stasi-Typen den Stinkefinger zeigen, die mich damals wegen Verdacht 213 verhaftet haben, mich als unschuldig freigelassen haben und jetzt hier auf die Linie gestellt haben? Ihnen zeigen, dass sie doch nicht so allwissend und allmächtig sind und sich auch mal gewaltig irren können? Ein paar von denen, die mich hierhergebracht haben, müssen bestimmt auch "über die Klinge springen".
Reicht das aus, um mein ganzes Leben hinter mir zu lassen, und meine Freunde und Verwandten in Gefahr zu bringen?

Ist es wirklich so unverständlich oder sogar dämlich, wenn Menschen, die sich diese oder ähnliche Fragen gestellt haben, das Land nicht verlassen haben, auch wenn sie die besten Gelegenheiten dazu hatten?


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#31

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 08:38
von Udo (gelöscht)
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Ich würde es mit dem Satz: "Ich hatte keinen Bock und keinen Grund die DDR zu verlassen." zusammenfassen.
Gruß
Udo


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#32

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 09:47
von manudave (gelöscht)
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@Udo

Dein Satz passt nicht zum vorherigen Text.

Dort wurde plausibel erklärt, was einem drohte, wenn man die DDR verließ. Aber nicht, dass man keinen Bock oder Grund hatte...


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#33

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 09:49
von sentry | 1.077 Beiträge
In Antwort auf:
Ich hatte keinen Bock und keinen Grund die DDR zu verlassen


...nicht so ganz.
Gründe hätte es schon gegeben, sonst hätte man sich ja keine Gedanken darüber gemacht. Will sagen: ich habe mir an der tschechischen Grenze noch nie überlegt, ob man nach Tschechien auswandern sollte.

Und "kein Bock" hört sich immer so ein bisschen nach Null-Bock-Zu-Träge-Lethargie an.

Aufwand, Nutzen, Risiken, Konsquenzen und Unwägbarkeiten waren zu meiner Zeit und in meiner Situation einfach nicht in einem angemessenen Verhältnis.

Das kann (und muss wohl) bei Anderen ganz anders ausgesehen haben, obwohl ich davon überzeugt bin, dass sich viele Republikflüchtlinge längst nicht so viele Gedanken über die Konsequenzen ihres Tuns gemacht haben, wie ein Grenzer, der einfach und ungehindert in den Westen hätte spazieren können.

zuletzt bearbeitet 04.05.2009 09:50 | nach oben springen

#34

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 10:08
von Udo (gelöscht)
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@manudave
Richtig. Ich bezog mein Posting auch nicht auf den vorherigen Text, sondern auf die Überschrift des Threads.
Meine Aussage "keinen Bock" war wohl auch falsch gewählt.
Ich habe mir nie ernsthafte Gedanken gemacht, diesen einen Schritt über die Grenze zu tun. Überlegungen -ob oder ob nicht- gab es nur im Zusammenhang mit Grenzverletzungen und Lagen, bei denen man sich sein Gegenüber vorzustellen versuchte.
Zitat von sentry:
"Aufwand, Nutzen, Risiken, Konsquenzen und Unwägbarkeiten waren zu meiner Zeit und in meiner Situation einfach nicht in einem angemessenen Verhältnis."
Das war die längere Version meines Satzes: Ich hatte keinen (edit) Grund die DDR zu verlassen.
Leider scheint Dir das, manudave, undenkbar zu sein. Schade.
Grüße
Udo


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#35

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 10:09
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo sentry,
Nein es ist nicht unverständlich,was Du schreibst ist sogar sehr verständlich und nachvollziehbar!
Doch welche diesen Schritt trotzdem getan haben haben sicherlich auch ihre Gründe gehabt was genauso zu akzeptieren ist! Gruß Peter(Turtle)
Hallo
Eure Videos von der Grenze oder den ehemaligen Übergängen wirken auch heute noch bedrückend auf mich!
Ich bin froh das man heute ohne Einschränkung von München nach Rostock oder von Frankfurt(Oder) nach Fiesland reisen darf.


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#36

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 11:11
von sentry | 1.077 Beiträge
In Antwort auf:
Doch welche diesen Schritt trotzdem getan haben haben sicherlich auch ihre Gründe gehabt was genauso zu akzeptieren ist!


...nix dagegen zu sagen.
Für mich persönlich jedoch gilt: Ich respektiere die Gründe, akzeptiere sie jedoch nicht immer.
Bei einigen mir persönlich bekannten Fällen (Planung bzw. Versuch einer Republikflucht) lag z.B. in erster Linie ein gewisser pauschaler Hass auf Autorität vor, der den betreffenden Personen mit Sicherheit auch im Westen Probleme bereitet hätte. Das sind dann die Flüchtlinge, die eigentlich nur für ihr Leben den Weg des geringsten Widerstandes suchen, ohne eine Ahnung zu haben, ob sie ihn finden...vergleichbar mit heutigen Auswanderern nach Mallorca oder nach Neuseeland, die sich irgendetwas erhoffen, aber eigentlich nicht wirklich wissen was. Es kann eben nicht jeder einfach irgendwo ein Restaurant eröffnen oder Schafe züchten und davon gut leben
Wenn wir jetzt zurückkommen zu den Republikflüchtlingen, mit allen Konsequenzen, die so eine Flucht für das eigene Leben oder das Leben Dritter mit sich bringen konnte, ist es in vielen Fällen aus meiner Sicht nicht akzeptabel gewesen, so ein Wagnis einzugehen.

Nur um das ganz klar zu sagen: Ich beziehe das nicht pauschal auf alle Republikflüchtlinge. Es gab sicher eine Menge Leute mit echt guten Gründen, das Land zu verlassen...jedenfalls hat das Land genügend gute Gründe angeboten, wie wir alle wissen.

P.S.:
In Antwort auf:
...oder von Frankfurt(Oder) nach Fiesland reisen darf.


Freud'scher Versprecher?

zuletzt bearbeitet 04.05.2009 11:13 | nach oben springen

#37

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 12:14
von manudave (gelöscht)
avatar

In Antwort auf:
Leider scheint Dir das, manudave, undenkbar zu sein. Schade.


Dem ist nicht so - das hab ich eigentlich auch nie so gesagt. Sicher, wer sich sich angepasst hat, musste nicht unbedingt einen Grund haben zu flüchten. Wer nie angeeckt ist, hatte auch wenig Gründe - von der wirtschaftlichen Seite mal abgesehen.

Aber z.b. allein die 250.000 politischen Häftlingen hätten einen Grund gehabt - fast genauso viele wie die Staatssicherheit Mitarbeiter hatte - nur so nebenbei.


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#38

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 12:37
von Udo (gelöscht)
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@manudave
Da ich mir nicht anmaße für alle DDR-Bürger zu sprechen, schrieb ich diesen Satz:
ICH hatte keinen (edit) Grund die DDR zu verlassen.
Man beachte das ERSTE WORT des Satzes.
Danke.
Udo


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#39

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 13:04
von Rainman2 | 5.757 Beiträge
Hallo manudave,

kleine Anmerkung: Das Wort angepasst bedeutet, dass der- oder diejenige sich lediglich passiv auf das System eingelassen hat. Es gab aber genügend Leute, in meinem Umfeld jedenfalls, die das Ideal einer neuen Gesellschaft als Möglichkeit in diesem Staat sahen und deshalb aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft teilnahmen. Das ist keine Anpassung und das ist auch kein Mitläufertum im eigentlichen Sinne des Wortes. Das der Versuch der aktiven Mitgestaltung irgendwann an Grenzen stoßen musste, lag wiederum in der Logik der Diktatur. Wem aber dieses Ereignis nicht widerfuhr oder wer die ihm widerfahrenen Ereignisse nicht den Grenzen des Systems zuordnete, der konnte sich durchaus als aktiver Gestalter des Sozialismus sehen. Und das ist etwas anderes als Anpassung oder Mitläufertum. Man kann diese Leute aus heutiger Sicht naiv nennen, so wie ich das für mich in Anspruch nehme. Auf eine Stufe mit den Verbrechen des Systems kann man sie nur stellen, wenn sie sich daran aktiv beteiligt haben. Aber zwischen Mauertoten, Stasiknast, politischen Häftlingen auf der einen und Engagement in Betrieben, LPG-en, Schulen, Wohngebieten, im gesamten gesellschaftlichen Leben auf der anderen Seite, wo auch wirklich Dinge bewegt werden konnten und bewegt wurden, ist ein Unterschied. Wird einem Menschen, dessen Biografie sich an solcher Aktivität misst, einfach pauschal nur Anpassung oder Mitläufertum unterstellt, dann kann er auch mal unwillig reagieren.

Nur mal so am Rande, weil es manchmal eben auch diese kleinen Worte sind, die viel kaputt machen können. Ich glaube übrigens nicht, dass das für Dich undenkbar ist, da teile ich Udos Kritik nicht, aber mal dran erinnern kann nichts schaden.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 04.05.2009 13:05 | nach oben springen

#40

RE: DDR Grenzaufklärer: Nur einen Schritt in die Freiheit

in Grenzbilder innerdeutsche Grenze 04.05.2009 13:35
von sentry | 1.077 Beiträge

Ich persönlich finde nicht einmal Anpasser- und Mitläufertum negativ. Das sind ganz normale Erscheinungen in jeder Gesellschaft. Es gibt in keiner Gesellschaft nur Täter, Opfer und meinetwegen noch "Gestalter".
Selbst wenn ein Staat vorgibt "volkseigen" zu sein, gibt es Mitläufer. Selbst in der härtesten Diktatur hat kein Außenstehender das Recht, Menschen die keine Widerstandskämpfer waren, automatisch in die Nähe der Täter zu rücken.
Wenn in Deutschland 30-40% der unter 35-jährigen nicht wählen gehen, sind das maximal Mitläufer. Die Möglichkeit des Nichtwählens gab es aber in der DDR praktisch nicht. Der politisch nicht interessierte Mitläufer war in der DDR gar nicht so leicht auszumachen. Er hatte ein FDJ-Hemd, war vermutlich in der GST, später möglicherweise sogar in der Partei (Ja, selbst das war möglich - Mitläufer mit Parteibuch.) Er hat sich einfach nicht aktiv gesellschaftlich engagiert.
Mitläufer hört sich immer so dackelig an, Anpasser so opportunistisch. Was ist denn das Wort für Leute, die einfach unter den gegebenen Umständen ihr Ding machen und ihr Leben leben, so gut es ihnen eben möglich ist?


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