#1

Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 24.10.2010 06:22
von Angelo | 12.391 Beiträge

Objekt "Kombinat" sowie der Bucker der Ausweichführungsstelle der HVA
Die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA, MfS-intern HV A) war der Auslandsnachrichtendienst der DDR und gehörte zum Ministerium für Staatssicherheit. Durch die Auflösung des MfS 1990 und die anschließende Offenlegung seiner Arbeitsweise wurde die HVA zum Gegenstand eines breiten öffentlichen Interesses und intensiver Forschung (seit 1991 in Verantwortung der deutschen Bundesbehörde BStU). Das Ende der HVA und damit das Bekanntwerden der Strukturen, Methoden und Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes stellt einen bislang einmaligen Sonderfall dar.Die Hauptaufgabe der HVA war die Auslandsaufklärung (Spionage), darunter die politische, Militär-, Wirtschafts- und Technologiespionage. Daneben zählten Aktionen gegen westliche Nachrichtendienste (Gegenspionage mittels „Eindringen“ in deren Strukturen), Sabotagevorbereitung und die so genannten „Aktiven Maßnahmen“ (z.B. Platzierung von Artikeln in West-Zeitungen, u.a. durch Aktivisten der Friedensbewegung)[1] im „Operationsgebiet“ BRD und West-Berlin sowie einigen weiteren Ländern zu den Aufgaben der HVA.

Bekannt geworden ist in der Öffentlichkeit die „Methode Romeo“ der DDR-Auslandsaufklärung HVA. Die Aufgabe so genannter „Romeos“ oder Romeo-Agenten bestand seit den frühen 1960er Jahren darin, Sekretärinnen von westdeutschen Politikern durch Vortäuschung von Liebe für sich zu gewinnen (Stasi-Jargon „intim betreut“), emotional abhängig zu machen oder sogar „gezielt nachrichtendienstlich“ zum Schein zu heiraten. Die oft ledigen und einsamen Frauen, die zuvor von ostdeutschen Experten ausgesucht wurden, gaben ohne Wissen des eigentlichen Auftraggebers geheime Dokumente ihres Arbeitsbereiches an ihre Liebhaber weiter. Im Jargon der Stasi wurde der Begriff „Ficken fürs Vaterland“ zu einem geflügelten Wort für diese Einsätze (siehe auch Heiratsbetrug)[2]. Teilweise wurde den Frauen die Herkunft ihrer Partner aus anderen Staaten als der DDR „unter falscher Flagge“ vorgetäuscht.

Seit Beginn der 1980er Jahre gewann die Militärspionage zunehmend an Bedeutung. Die Sowjetunion, die SED-Führung und der Minister für Staatssicherheit Erich Mielke erwarteten von der HVA angesichts des Kalten Krieges zwischen den Supermächten wesentliche Informationen zur Früherkennung von Kriegsvorbereitungen.

Die Hauptverwaltung Aufklärung lieferte den „Bruderdiensten“ im Ostblock – vor allem dem KGB – den Löwenanteil des Informationsaufkommens aus der Bundesrepublik Deutschland, einem wichtigen europäischen NATO-Mitglied. Der KGB hatte seinen Hauptsitz in Berlin-Karlshorst, der sowjetische Militärgeheimdienst GRU in Potsdam-Babelsberg, darüber hinaus gab es Verbindungsleute zu jeder Bezirksverwaltung. Hinzu kamen Spionageerfolge aus dem NATO-Hauptquartier in Brüssel und einigen westeuropäischen Staaten, etwa aus Großbritannien. In den USA hingegen konnte die HVA nie wirklich Fuß fassen, dort agierte fast nur der KGB. (Die bedeutsamen Erkenntnisse der DDR-Aufklärung etwa zur NSA stammten von deren West-Berliner Personal.)

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptverwaltung_Aufkl%C3%A4rung


zuletzt bearbeitet 24.10.2010 06:23 | nach oben springen

#2

RE: Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 24.10.2010 09:18
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

2010 hatte ich die Gelegenheit aus diesem Objekt einige Gegenstände (Möbel etc.) für mein Museum zu erwerben. Das Objekt befindet sich etwas außerhalb von Gosen und ist nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Objekt des MfS - im heutigen Gewerbepark Gosen.
Das Objekt wird zur Zeit geräumt, da ein Pächter/Nutzerwechsel erfolgt. Das Objekt befindet sich zu weiten Teilen noch im originalen Zustand. Die das Objekt umgebende HSA besteht zu Teilen noch aus den Betonmasten mit den dazu gehörigen Isolatoren. Die Umzäunung ist gleichfalls noch vorhanden sowie die Lichtertrasse noch teilweise funktionstüchtig. In den Gebäuden waren bei meinem Besuch noch teilweise die UK Gegenstände vorhanden. Die technischen Anlagen wurden bisher nur in zwei gebäuden auf DIN Norm umgebaut. In den anderen Häusern befinden sich noch originale Anlagen. Die Telefonanlage wurde gleichfalls nicht auf Telecomstandart gebracht, sondern nur abgeschaltet. Diese kann aber sofort wieder in Betrieb genommen werden. Der Kinosaal im ehemaligen Clubgebäude (zwischen Haus 3 und 4) sah aus als ob erst gestern die letzten Gäste dieses verlassen haben. Abgesehen davon, dass bereits Sammlerfreunde und Sonstige einen Teil der Einrichtungen "weggetragen" haben, befindet sich haus 5 noch im fast originalen Zustand. An den fenstern waren sogar noch die "Verdunklungsstoffe" angebracht. Vom Milchkännchen bis zum Archivregal war fast alles noch vorhanden und konnte erworben werden. Schreibtische, Aktenkleiderschränke,Bücherregale,Stahlblechschränke..................noch fast neu. Telefonanlagen vom Typ EVA und Variant, Wechselsprechanlagen..............alles noch vorhanden. Das Fotolabor sowie das Filmstudio gleichfalls noch vorhanden, dies teilweise noch mit dazugehöriger Technik. So u.a. Berge von ORWO Fotopapier, Entwicklerdosen etc.. jede Menge von westlicher Technik, welche jedoch teilweise an vorhandene DDR Technik angepasst wurde. Hochwertige Tontechnik von RFT stand auch noch rum. So u.a. ein komplettes Sende- und Regiemischpult.
Etwas verwundert vom guten Zustand der Liegenschaft, habe ich mich beim Verwalter danach erkundigt. Dieser teilte mir folgendes mit: Das Objekt blieb von den Februarereignissen 1990 fast verschont. Bereits im Vorfeld übernahm die Humbolt Universität einen Teil der Liegenschaft sowie die ehemaligen technischen Mitarbeiter. Diese konnten teilweise bis Juni/Juli 1990 die Hinterlassenschaft der HVA abwickeln. Da selbst alt eingessene "Gosener" und Neu-Zittauer Bürger der meinung waren, dass es sich bei dem Objekt um ein NVA Objekt handelt, blieb dies auch fast vom "Runden Tisch" verschont und auch vom "Volkszorn".
Leider wird das gesamte Objekt ab 2011 komplett umgebaut und es soll eine Hotelanlage entstehen.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#3

RE: Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 24.10.2010 12:35
von Eumel | 139 Beiträge

Ist dieses Gelände irgendwo in der Nähe von Kaniswall (Neu-Zittau/ Goosen)? Muss heute eine Umweltbildungsstation dort sein. Anfang der 80er/ Ende 70er war dort ein Erholungsobjekt von der F (später HA III) mit ein paar Wohnhäusern noch drauf. Das war ein recht großes Gelände und ging bis zum See. Bei den Bildern ist wenig vom Umfeld zu sehen. Die ollen Garagen erinnern aber noch an das alte Gelände. Die sahen aber wohl überall gleich aus.

Zur Vergangenheit von Kaniswall habe ich leider nix gefunden. Stoße nur immer auf das Ausbildungsobjekt der A.


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#4

RE: Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 25.10.2010 10:56
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

@Eumel............das ehemalige Dienstobjekt der HVA befindet sich nicht in Kaniswall, sondern in Gosen - Eichwalderstraße 100.
Gelegen zwischen dem Seddinsee und dem Wernsdorfer See.


Größere Kartenansicht


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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zuletzt bearbeitet 25.10.2010 10:58 | nach oben springen

#5

RE: Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 25.10.2010 16:44
von Eumel | 139 Beiträge

Danke, das ist mal konkret. Ich kenne mich da nicht aus und heute sieht auch alles bei Google Maps etwas anders aus. Die Funktürme waren ja in Gosen? Das Objekt, welches ich meinte, war ein paar hundert Meter Luftlinie davon entfernt. Früher war da ringsum nur matschige Wiese und ein Plattenweg als Zufahrt.

Gerade noch mal bei Google geschaut. Das Objekt, welches ich meinte liegt wohl nordöstlich von Gosen liegen und hat damit nix zu tun.

Ist eben alles lange her...


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#6

RE: Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 25.10.2010 17:15
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Eumel
Danke, das ist mal konkret. Ich kenne mich da nicht aus und heute sieht auch alles bei Google Maps etwas anders aus. Die Funktürme waren ja in Gosen? Das Objekt, welches ich meinte, war ein paar hundert Meter Luftlinie davon entfernt. Früher war da ringsum nur matschige Wiese und ein Plattenweg als Zufahrt.

Gerade noch mal bei Google geschaut. Das Objekt, welches ich meinte liegt wohl nordöstlich von Gosen liegen und hat damit nix zu tun.Ist eben alles lange her...



.....................das von Dir gemeinte Objekt hat vielleicht nichts mit dem Objekt der HVA zu tun. Dürfte aber zum ehemaligen Gesamtkomplex Gosen gehören. Abseits an der heutigen L39 gelegen, nur eine Zufahrt, eine Ausfallstraße, natürlicher Schutz durch einen Wassergraben usw..


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#7

RE: Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 25.10.2010 17:36
von Angelo | 12.391 Beiträge

Im "Kombinat" in Gosen bei Berlin lernten DDR-Spione für Einsätze im westlichen Ausland. Im Juli 1988 ging die Anlage in Betrieb, nur zwei Jahre später holte der Lauf der Geschichte die Stasi ein. Das Areal blieb weitgehend unberührt; heute erinnern zahlreiche Relikte an die Nutzung durch die DDR-Staatssicherheit. AFPTV hat sich in Gosen umgesehen.


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#8

RE: Gelände MfS Hochschule Gosen HVA

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 25.10.2010 18:04
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Angelo
Im "Kombinat" in Gosen bei Berlin lernten DDR-Spione für Einsätze im westlichen Ausland. Im Juli 1988 ging die Anlage in Betrieb, nur zwei Jahre später holte der Lauf der Geschichte die Stasi ein. Das Areal blieb weitgehend unberührt; heute erinnern zahlreiche Relikte an die Nutzung durch die DDR-Staatssicherheit. AFPTV hat sich in Gosen umgesehen.




..............2010 war der Zustand noch fast genau so. Einzigste Ausnahme waren die im Film gezeigten Akten. Diese waren offensichtlich in dem Archiv welches im Haus 5 war, nicht mehr vorhanden.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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