#21

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 22:13
von P3 | 357 Beiträge

@glasi, müssen wir nicht, doch wer aufmuckt, bekommt den Werfer zu spüren. Man sollte mal über die Grenzen schauen.

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#22

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 22:31
von eisenringtheo | 9.188 Beiträge

Die Polizei, das Militär, überhaupt alle Behörden arbeiten auf der ganzen Welt und in jedem System ähnlich. Es gibt Vorschriften und Befehle. Diese müssen ausgeführt werden.
http://de.wikipedia.org/w/index.php?titl...=20070117123222
Pech hat man, wenn man auf der "falschen" Seite gedient hat. Die Welt ist nicht gerecht und nur gut, wenn man auf der Siegerseite ist.
Theo


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#23

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 22:40
von P3 | 357 Beiträge

@eisenringtheo, wann ist man auf der Siegerseite ? Die DDR-Dagebliebenen haben 89 ihren Staat ausgehebelt. Sind sie heute auf der Siegerseite ?

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#24

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 22:48
von wosch (gelöscht)
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Also liebe Leute, ich war jedenfalls kein staatstreuer Mitläufer, wenn schon denn schon eher ein mitlaufender Wegläufer.
Recht hatte er gehabt, der Wosch!
Schönen Gruß aus Kassel.


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#25

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 22:51
von eisenringtheo | 9.188 Beiträge

Zitat von P3
@eisenringtheo, wann ist man auf der Siegerseite ? Die DDR-Dagebliebenen haben 89 ihren Staat ausgehebelt. Sind sie heute auf der Siegerseite ?
Gruß
P3



Die DDR gibt es nicht mehr, die BRD gibt es noch. Seit 1986 (Perestroika) bestand die Gefahr, dass es eng werden könnte. Aber niemand in Partei oder Regierung hat einen Plan "B" ausgearbeitet.
Theo


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#26

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 22:54
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von P3
Man sollte erst mal den Begriff "Mitläufer" definieren.

Gruß
P3



Die Frage von P3 steht immer noch im Raum: Was ist ein "Mitläufer"?
Ich könnte mir 2 Definitionen vorstellen:

1. Jemand, der entgegen seiner persönlichen Auffassungen und Vorstellungen alles mitmacht, was der Staat von ihm verlangt - zwar mit Bauchschmerzen, aber man muss ja irgendwie zurechtkommen

oder

2. jemand, der sagt, was "die da oben" machen, kann ich eh nicht beeinflussen, wenn sie zum Beispiel meinen, ich soll Zettel falten für- ja wofür, vielleicht für die SERO-Sammlung - aber egal, das kratzt mich nicht, hab damit ja nichts auszustehen.

Das Ganze jetzt mal als Kategorisierung von den beiden Typen von Mitläufern, die mir so einfallen - und ich würde schon einen Unterschied zwischen den Beiden machen.

Gruss

icke



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#27

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 23:03
von ABV | 4.204 Beiträge

Um jetzt mal auf die Frage von Rainer Maria zurückzukommen, Mitläufer gab und gibt es schon immer. Jeder Staat, egal ob Demokratie oder Diktatur, benötigt loyale Bürger. Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur besteht meines Erachtens in den Folgen einer Verweigerung. Nichts desto trotz möchte ich sagen, dass jeder in sich gehen und darüber nachdenken sollte, wie er sich in gewissen Situationen selbst verhalten hätte. Das würde einige Debatten entkrampfen, so mancher könnte dann auch leichter über seine "Sünden" reden.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#28

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 23:05
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

was ind mitläufer,wer weis das schon zu definieren?sicher immer einzelfallsbetrachtungen.waren es nicht auch alle mitläufer die damals an der bornholmer brücke standen und los rannten in ein ungewisses um heute vielleicht die ersten bei der tafel zu sein?
ich weis es selber nicht,aber dieses lied erinnert mich stark an die wende als ich an meinem freien tag zu hause saß und mir alles in ruhe im fernsehen ansah.später gedanken hatte was soll nun werden,glücklich kann es enden oder schrecklich.heute für einige so,für andere anders.
http://www.youtube.com/watch?v=79Qg5NYtHS8
gruß andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#29

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 23:37
von P3 | 357 Beiträge

Der alte Schiller hat mal gesagt : " Wo viel Freiheit ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Pfad der Pflicht " Haben sich die alten Dichter geirrt ? Lieber Andy, kein Grenzer sollte sich irgendeinem Gericht zur Rede stellen müssen, die Verantwortung liegt immer in der Ursache. 17 Millionen Wehrmachtssoldaten folgten ihren Befehlen, die Rote Armee hat gesiegt, hat ihre Helden, sollte sich jede Kriegerwitwe Gedanken über die Ursache machen ?

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#30

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 23:37
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von P3
In Stuttgart waren keine Mitläufer am Start, hier hat man hart zugeschlagen.

Gruß
P3




Die haben von den VP s gelernt, die am 7.Oktober 1989 und anderen Daten im Vorfeld des 9.11.89 das Volk zusammenknüppelten. Habe gerade heute Abend in einer Sendung aus dieser Zeit blutig geschlagene Demonstranten aus Ostberlin gesehen.
Das heisst, das ich nicht in erster Linie aufrechnen will, aber die selbsternannten Sozialisten hier im Forum sollten mal die Geschichte mit dem Glashaus beachten, in dem man manchmal sitzt und es vielleicht gar nicht bemerkt

Gruß aus dem Rheinland


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#31

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 23:41
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von icke46

Zitat von P3
Man sollte erst mal den Begriff "Mitläufer" definieren.

Gruß
P3



Die Frage von P3 steht immer noch im Raum: Was ist ein "Mitläufer"?
Ich könnte mir 2 Definitionen vorstellen:

1. Jemand, der entgegen seiner persönlichen Auffassungen und Vorstellungen alles mitmacht, was der Staat von ihm verlangt - zwar mit Bauchschmerzen, aber man muss ja irgendwie zurechtkommen

oder

2. jemand, der sagt, was "die da oben" machen, kann ich eh nicht beeinflussen, wenn sie zum Beispiel meinen, ich soll Zettel falten für- ja wofür, vielleicht für die SERO-Sammlung - aber egal, das kratzt mich nicht, hab damit ja nichts auszustehen.

Das Ganze jetzt mal als Kategorisierung von den beiden Typen von Mitläufern, die mir so einfallen - und ich würde schon einen Unterschied zwischen den Beiden machen.

Gruss

icke

Zitat



Für mich ist ein Mitläufer jemand, der z.B. für eine berufliche Karriere einen Aufnahmeantrag in die SED unterschrieb, ohne dass er eigentliche aus Überzeugung Mitglied dieser Partei werden. wollte.

Gruß Gert



.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 21.10.2010 23:42 | nach oben springen

#32

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 21.10.2010 23:55
von P3 | 357 Beiträge

Die Brüder und Schwestern , die seinerzeit in die vermeintlich bessere Welt aufbrachen, um ihre Lage zu verbessern, haben nicht ihr Land verbessert.

Gruß
P3


Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, doch sicher ist der schmale Weg der Pflicht.


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#33

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 22.10.2010 01:22
von wosch (gelöscht)
avatar

Zitat von P3
Die Brüder und Schwestern , die seinerzeit in die vermeintlich bessere Welt aufbrachen, um ihre Lage zu verbessern, haben nicht ihr Land verbessert.

Gruß
P3




Die Brüder und Schwester aber, die bis zum Ende der DDR die Stellung gehalten hatten, weil sie sich nicht trauten für sie lebensgefährliche Wege einzuschlagen haben sich dann ab dem 9. November um so mehr darüber gefreut, auch mal einen Blick nach nebenan machen konnten! gefreut daß sie ab diesen Zeitpunkt ohne Gefahr für Leib und Leben
Schönen Gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 22.10.2010 08:21 | nach oben springen

#34

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 22.10.2010 06:57
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

Zitat von Gert




Für mich ist ein Mitläufer jemand, der z.B. für eine berufliche Karriere einen Aufnahmeantrag in die SED unterschrieb, ohne dass er eigentliche aus Überzeugung Mitglied dieser Partei werden. wollte.

Gruß Gert


oder einer der heute jeden tag für dumpinglöhne an seinem arbeitsplatz erscheint um ein paar cent über der grundsicherung zu haben und nach feierabend meckert das er wieder mal ausgebeutet wurde.
@gert,von der vp lernte die stuttgarter polizei bestimmt nicht.
ohne das du dich angegriffen wieder fühlst (was wir ja geklärt hatten),aber versuche alles mal von beiden seiten zu betrachten,den rädelsführer und mitläufer gibt es heute genauso wie schon immer in deutschland.nur sind die blickwinkel heute anders,man nennt sich eben wieder demokratisch aber besser.

gruß andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#35

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 22.10.2010 07:39
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Guten Morgen zusammen und hin zu Gert und den blutig geschlagenen Demonstranten in Ostberlin. Ist eigentlich alles richtig Gert, aber, da fällt mir doch sofort ein Aber und das Jahr 1968 in Westberlin ein.
Irgendwo hier hatten wir schon einmal das Thema, wo der Polizeioberste damals sinngemäß meinte: "Immer haut drauf auf die Rüben der Demonstranten und zwar so feste, das Keiner mehr aufsteht".
Vielleicht finde ich den Text in einem alten Jahrbuch noch, mal sehen? Wird bestimmt lustig Gert. Ja, ja, die Staatsgewalt ob nun in der Diktatur des Proletariat oder der Diktatur des Kapital unter dem Deckmäntelchen der Demokratie, sie kann ja nun nicht noch den Demonstranten auf Knien bitten, er möge doch bitte aufhören, um das sie nicht zuschlagen muss, müsste?

Rainer-Maria


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#36

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 22.10.2010 08:00
von matloh | 1.204 Beiträge

Zitat von P3
Die Brüder und Schwestern , die seinerzeit in die vermeintlich bessere Welt aufbrachen, um ihre Lage zu verbessern, haben nicht ihr Land verbessert.

Gruß
P3

kann man eine Diktatur überhaupt als "sein eigenes" Land bezeichnen? Schließlich hat man sich nicht ausgesucht dort geboren zu werden und verändern kann man auch kaum etwas (auch politischer Ebene).

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#37

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 22.10.2010 08:20
von eisenringtheo | 9.188 Beiträge

Zitat von Gert
[Für mich ist ein Mitläufer jemand, der z.B. für eine berufliche Karriere einen Aufnahmeantrag in die SED unterschrieb, ohne dass er eigentliche aus Überzeugung Mitglied dieser Partei werden. wollte.

Gruß Gert



Wie wertet ihr die, welche aus Karrieregründen in der DBD, NDPD, CDU oder LDPD mitgewirkt haben? Die meisten sind jetzt in den "Schwesterparteien" der BRD aktiv. Kann man da bedenkenlos "Persilscheine" ausstellen? Immerhin konnte man es bis zum Minister bringen, ein Amt, das auch in der DDR nicht ganz ohne Einfluss war.
Theo


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#38

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 22.10.2010 09:02
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von P3
In Stuttgart waren keine Mitläufer am Start, hier hat man hart zugeschlagen.

Gruß
P3




Die haben von den VP s gelernt, die am 7.Oktober 1989 und anderen Daten im Vorfeld des 9.11.89 das Volk zusammenknüppelten. Habe gerade heute Abend in einer Sendung aus dieser Zeit blutig geschlagene Demonstranten aus Ostberlin gesehen.
Das heisst, das ich nicht in erster Linie aufrechnen will, aber die selbsternannten Sozialisten hier im Forum sollten mal die Geschichte mit dem Glashaus beachten, in dem man manchmal sitzt und es vielleicht gar nicht bemerkt

Gruß aus dem Rheinland




Für mich ist ein Mitläufer jemand, der z.B. für eine berufliche Karriere einen Aufnahmeantrag in die SED unterschrieb, ohne dass er eigentliche aus Überzeugung Mitglied dieser Partei werden. wollte.

Gruß Gert

Hallo @Gert,

heisst es jetzt von der Volkspolzei lernen, heisst siegen lernen? Erstaunlich auf was Du hier kommst......
Desweiteren wäre es ja fast sinnvoll alle heutigen Parteimitglieder der etablierten Partein als Mitläufer zu bezeichnen. (ausgenommen vielleicht ein paar Linke und Grüne)
Ich frage mich auf welcher Wurstsuppe Du durch die Welt paddelst, wenn Du glauben solltest, das diese Mitglieder heute gutes für die lieben Mitbürger in den Wahlkreisen erreichen wollen. (ich weiss, Ausnahmen bestätigen die Regel)
Offensichtlich macht es für Dich aber einen Unterschied, ob man der SED oder einer anderen Partei hinterher rennt.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
zuletzt bearbeitet 22.10.2010 09:13 | nach oben springen

#39

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer, oder warum es in Deutschland so schwer ist, über die eigene Vergangen

in Leben in der DDR 22.10.2010 13:23
von don71 (gelöscht)
avatar

Was waren nach 45 Mitläufer dort sollte man anfangen. Jürgen


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#40

RE: Ein paar Gedanken über Mitläufer......

in Leben in der DDR 22.10.2010 16:11
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von ABV
Wer über die beiden untergegangenen deutschen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts spricht, neigt dazu die Bevölkerung in "Opfer" und "Täter" einzuklassifizieren. Dabei wird die zahlenmäßig stärkste Gruppierung, die der "Mitläufer", sehr häufig vergessen. Weder im "Tausendjährigen Reich", noch in der DDR, standen sich nur Himmlers, Goebbels, Mielkes und Honeckers auf der einen und Stauffenberg, Elsers und Bohleys auf der anderen Seite, gegenüber. Seit je her war es doch so, dass sich die Deutschen mit ihrem jeweiligen Staat arangierten. " Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe" lautet ein auch heute noch gültiger Spruch. Sowohl im Hitlerdeutschland als auch in der DDR konnte man als Normalbürger ein durchaus bequemes Leben führen. Es gab Millionen von Deutsche die solche Einrichtungen wie Konzentrationslager, das " Gelbe Elend" in Bautzen, Gestapo und MfS, nur vom Hörensagen kannten. Man musste sich nur brav anpassen und immer das Tun, was der Staat von einem verlangte. Denn in einer Dikatur toleriert der Staat nicht nur ein Nein!
Der Staat verlangt Unterstützung für sein Handeln, um die Bürger zu Komplizen zu machen. Jeder weiß was ihm blüt, wenn er diese Regel bricht. Es ist kein Geheimnis, dass der Staat, wie eine Diva, jeden mit "Liebesentzug" bestraft, der sich ihm verweigert. Um der eigenen oder der Karriere von Familienangehörigen willen, passt man sich an, macht mit. So kam es das junge Männer in den Krieg zogen, obwohl sie lieber Zuhause geblieben wären. Andere schützten eine Grenze, obwohl sie deren Fall herbeisehnten. Wieder andere wagten nicht Nein zu sagen, als sie der Staat zu Denunzianten machen wollte. Die Wünsche des Staates mussten erfüllt werden, auch wenn das eigene Gewissen etwas anderes sagte. Aber so sind wir Menschen nun einmal, nur wenige von uns taugen zum Helden. Und diese Helden fungieren dann eher als eine Art von schlechtem Gewissen, weil sie der lebende Ausdruck sind, dass auch ein Nein möglich gewesen wäre. Das beste Beispiel dafür ist die Volkskammerwahl am 18. März 1990, in der der Bürgerbewegung der DDR von den wählenden Mitläufern eine deutliche Abfuhr erteilt wurde. Und das obwohl die zahlenmässig relativ schwache Bürgerbewegung den vermeintlich starken Staat in die Knie gezwungen hatte! War das Ziel aber ersteinmal erreicht, bedurfte es keiner Helden mehr! Die Mitläufer versammelten sich lieber wieder unter dem Dach eines starken Staates, der ihnen diesmal Wohlstand und Freiheit versprach. Es liegt auch in der Natur vieler Mitläufer, grundsätzlich über andere Mitläufer die Nase zu rümpfen. Stereotypisches "Schwarz-Weiss-Denken" lenkt vom eigenen Versagen ab. Herr X war IM, also darf man auf ihn mit dem Finger zeigen! Bloß nicht nachfragen, warum X zum IM geworden war. Vielleicht müsste man sich womöglich eingestehen, dass man in der konkreten Situation genau wie X gehandelt haben würde. Y war Hauptamtlicher MfS-Mitarbeiter. Pfui Teufel, rufen auch die, die vor 1989 auch ganz gerne zu der Truppe mit der geheimnisvollen Auro gehört hätten.
Es ist kein Wunder, warum auch nach zwanzig Jahren nicht überall eine vernünftige Diskussionen zum Thema DDR-Vergangenheit möglich ist. Weil das Versagen der anderen, das eigene Gewissen auf wunderbare Art und Weise entlastet.

Gruß an alle
Uwe



Kollege Judas

"Rentner, aktiv, sehr gesprächig, lange Wohndauer, gute Kenntnis im Wohngebiet, aufgeschlossen, höflich..." solche Einträge waren hundertfach in Stasi- Karteikarten zu lesen, wie ich aus der Lektüre der "Horch und Guck", Ausgabe 3/10 erfahren mußte.
Jene Rentner waren weder als IM noch als Hauptamtliche geführt worden, mehr noch sie hatten nicht mal primär die Absicht zu denunzieren und von dieser Klientel gab allein in Rostock 46.000 Karteikarten, mithin 20 % der damaligen Bevölkerung, dies nur, weil mitunter verharmlosend erwähnt wird, daß es nur 1,5% systemnahe (erfaßte) Mitarbeiter gab, die nachweislich aktiv in der Stasi mitwirkten.
Der Artikel (S. 52, Heft 69) hat mir bei der Recherche der eigenen Bewertung biografisch relevanter Vorgänge sehr geholfen.
Immerhin saß ich regelmäßig mit der Betriebsleitung (Chef war IM) zusammen, ohne jemals eine Stasiakte besessen zu haben, dafür wäre ich spätestens 1992 im Zusammenhang mit den äußerst fragwürdigen Säuberungsaktionen bei der DR rausgeflogen.
Es steht fest, daß auch nichtzertifizierte Personen durchaus effektiv tätige Systemstützen waren, ohne es möglicherweise zu wissen oder wissen zu wollen.
Allein mein damals fast ungebrochener Optimismus, sowohl für die eigene Zukunft als auch die Perspektiven der Republik veranlaßt mich zu der Annahme, daß ich niemandem wirklich geschadet haben könnte.
In diesem Leitergesprächen ging es fast immer um die Organisation zukünftiger Vorhaben, die Wünsche und Anliegen der Jugendfreunde, die ich als FDJ- Sekretär vorzutragen hatte und um meine Ideen bezüglich der Ausgestaltung meiner Berufstätigkeit im Traumberuf Lokführer.
Das teilweise hochaggressive Vokabular mit Blick auf die heutigen Eliten und aktuellen gesamtgesellschaftlichen Perspektiven resultiert aus Schlüsselerlebnissen von Frust, die früher unvorstellbar waren.
Neben bereits geschilderten Enteignungsvorgängen von Abwasserzweckverbänden (neu gebaute Anlage, nachfolgender Anschlußzwang an das Kanalnetz) , fast 500 DDR- Mark Eigenmittel+ 100 Aufbaustunden für eine Gemeinschaftsantenne und nachfolgender Übernahme eines Betreibers, der fortan von allen (auch denen ohne Mitwirkung am Projekt) die gleiche Monatsgebühr von allen einzieht, die willkürliche Festlegung des Rückkaufpreises von T- Online- Aktien ausgangs des Börsencrashs (Zwangsverkauf- Squeze out- zum historischem Tiefstkurs) und vieles andere mehr gab es eben auch -zig weitere Bewertungsansätze, die das aktuelle System sehr sehr schlecht aussehen lassen.
Für mich als Facharbeiter im sozialistischen Bahnbetriebswerk der Jahre 1982- 1990 hat es 100x mehr schöne Tage gegeben als heute, was im Endeffekt nichts anderes bedeutet, als daß ich damals praktisch keinen Grund hatte bei jenen Gesprächen mit staatlichen Leitern oder BPO- und Gewerkschaftsvorsitzenden derart negativ rüber zu kommen wie heute und in diesem Zusammenhang Kollegen oder Freunde zu denunzieren, dafür war die damalige Zeit viel zu unbeschwert.
Alle, die sich hier und anderswo als Richter mit DDR- Teilbiografie meinen profilieren zu müssen, sollten darüber einmal nachdenken, ob sie nicht auch wie Hackel aus dem volkseigenem Betrieb irgendwann mal mit irgendwem über irgendwas gesprochen haben...



zuletzt bearbeitet 22.10.2010 16:31 | nach oben springen



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