#1

NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.10.2010 22:54
von chucky | 1.213 Beiträge

Die NVA ein großer Bereich, ich selbst durfte nicht dort dienen.
Eine Frage.
War die NVA der Rückhalt der DDR.

Und wen ja ,warum.
Wie war die Ausrüstung?


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#2

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.10.2010 23:51
von YYYYYYYY (gelöscht)
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zum thema ausrüstung kannste ja mal hier stöbern.

http://www.militaertechnik-der-nva.de/St...tml#Technik2000

einfach ein bisschen scrollen


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#3

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.10.2010 23:56
von chucky | 1.213 Beiträge

danke dir, HpTGefr


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#4

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 16.10.2010 23:58
von Büdinger | 1.503 Beiträge

Zitat von chucky
Die NVA ein großer Bereich, ich selbst durfte nicht dort dienen.
Eine Frage.
War die NVA der Rückhalt der DDR.

Und wen ja ,warum.
Wie war die Ausrüstung?




Hallo chucky ,

ja so ist es, ich habe auch nicht in der NVA gedient. Allerdings mit dem Unterschied,
dass ich es nicht wollte.

Im folgenden Link kannst Du eigentlich nach heutiger Sicht alles (?) über die Nationale Volksarmee
der DDR erlesen.

NVA

Gruß

Ricardo


.

Ich finde Menschen faszinierend, die meinen mich zu kennen.
Manchmal drängt es mich sie zu fragen, ob sie mir ein bisschen was über mich erzählen können ...

Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich sage, aber niemals für das, was andere verstehen!

.
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#5

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:04
von chucky | 1.213 Beiträge

hi ricardo,

danke für den link


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#6

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:08
von Weichmolch (gelöscht)
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Interessante Fragestellung Chucky.
Das sollten wir in mehreren Richtungen diskutieren.
Beginnen wir mit einer Definition: Gehört die Armee zur Basis oder zum Überbau eines Staates?
Welche verfassungsmäßige Aufgaben hat eine Armee und wie ist das Selbstverständnis in der Streitkraft ausgeprägt?
Wenn wir dann auf die DDR im Speziellen eingehen, dann sollten die Randbedingungen beleuchtet werden. Auch die Geschichte des "Nachkrieges".

Und im Weiteren schwebt eine kardinale Frage über Allem: Ist eine Armee, die nur zur Verteidigung existiert (postuliert), nicht auch geeignet, Angriffshandlungen durchzuführen?

Der Weichmolch


zuletzt bearbeitet 17.10.2010 00:09 | nach oben springen

#7

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:17
von Weichmolch (gelöscht)
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Ricardo,

den von Dir eingestellten Link halte ich für ein Beispiel, das Wikipedia nicht der Quell umfassendes Wissens über die NVA ist. Einiges ist korrekt, anderes reine Vermutung.
Aber, insofern find ich es gut - dieser Eintrag liefert Reibungspunkte für eine mögliche, interessante Diskussion.

Weichmolch


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#8

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:19
von icke46 | 2.593 Beiträge

@weichmolch:

Da wäre aber meiner Meinung nach erstmal zu klären: Von welcher Armee spricht man? Spricht man nun allgemein von einer Armee, die jeder Staat hat, und hinterfragt diese Armee für alle Staaten - sprich: Bundeswehr = NVA = US Army = Rote Armee = Wehrmacht usw. usf.?

Ich würde zwischen diesen Armeen schon Unterschiede machen.

Gruss

icke



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#9

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:19
von YYYYYYYY (gelöscht)
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Zitat von Weichmolch
Interessante Fragestellung Chucky.
Das sollten wir in mehreren Richtungen diskutieren.
Beginnen wir mit einer Definition: Gehört die Armee zur Basis oder zum Überbau eines Staates?
Welche verfassungsmäßige Aufgaben hat eine Armee und wie ist das Selbstverständnis in der Streitkraft ausgeprägt?
Wenn wir dann auf die DDR im Speziellen eingehen, dann sollten die Randbedingungen beleuchtet werden. Auch die Geschichte des "Nachkrieges".

Und im Weiteren schwebt eine kardinale Frage über Allem: Ist eine Armee, die nur zur Verteidigung existiert (postuliert), nicht auch geeignet, Angriffshandlungen durchzuführen?

Der Weichmolch





@ weichmolch

ich denke aufjedenfall das eine verteidigungsarmee, auch eine angriffsarmee sein kann, ein klein wenig an der struktur gedreht und schon gehts.

wie ich meine gehört die armee zur basis. sie sollte nicht zum überbau eines staates gehören.


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#10

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:22
von chucky | 1.213 Beiträge

Weichmolch, wenn nicht von Dir, von wem sollte ich sonst wissen erhalten, sag mal


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#11

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:26
von chucky | 1.213 Beiträge

icke, ich hatte die NVA gemeint, weil mich das interessiert, komm ja ausn ostn, ungedient


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#12

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 00:59
von Weichmolch (gelöscht)
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Zitat von icke46
@weichmolch:

Da wäre aber meiner Meinung nach erstmal zu klären: Von welcher Armee spricht man? Spricht man nun allgemein von einer Armee, die jeder Staat hat, und hinterfragt diese Armee für alle Staaten - sprich: Bundeswehr = NVA = US Army = Rote Armee = Wehrmacht usw. usf.?

Ich würde zwischen diesen Armeen schon Unterschiede machen.

Gruss

icke



Genau solche Fragen sollten wir besprechen.
Ich sehe das wie ein Puzzle. Nehme ich ein Teil heraus und "feile" daran herum, passt es beim Einsetzen nicht mehr. Damit es passt, kann ich an den umgebenden Teilen feilen....usw.

Ergo - reden wir über Miliär - so meine Meinung - erst mal in generalis - dann über die NVA.

Weichmolch


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#13

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 06:13
von Büdinger | 1.503 Beiträge

Hallo Jürgen ,

deshalb hatte ich es ja auch so geschrieben:

Zitat von Büdinger
... Im folgenden Link kannst Du eigentlich nach heutiger Sicht alles (?) über die Nationale Volksarmee
der DDR erlesen. ...



Gruß

Ricardo


.

Ich finde Menschen faszinierend, die meinen mich zu kennen.
Manchmal drängt es mich sie zu fragen, ob sie mir ein bisschen was über mich erzählen können ...

Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich sage, aber niemals für das, was andere verstehen!

.
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#14

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 10:29
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Die meisten Länder mit Armeen werden sagen,das diese nur für Schutz und Verteidigungszwecke da ist.Von Angriff ist erst mal keine Rede.



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#15

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 11:16
von moreau | 384 Beiträge

Tschja! Alles gut und schön was ihr über Angriff und Verteidigung erzählt. Aber heißt es nicht auch so : "Angriff ist die beste Verteidigung!" Beide Fähigkeiten gehören zum 1*1 des Militärs, eine Armee die nur eins kann ist dem Untergang geweiht.

Gruß
Moreau

PS: Oder wolltet ihr die Fähigkeiten aus rein politischer Sicht diskutieren?


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#16

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 11:58
von Alfred | 6.841 Beiträge

Grundlage war immer die Militärdoktrin.

Ich stelle mal einen Beitrag ein, etwas länger aber für den einen oder anderen sicher interesssant:

Fritz Streletz
Generaloberst a.D.



Die Militärdoktrin der DDR als Teil der Militärdoktrin

des Warschauer Vertrages



In meinem Beitrag möchte ich auf einige Fragen der Militärdoktrin der DDR als teil der Militärdoktrin des Warschauer Vertrages eingehen.

Dabei beabsichtige ich 4 Fragen zu behandeln:

1. Einige allgemeine Bemerkungen zur Militärdoktrin
2. Die Militärdoktrin der DDR
3. Die Verteidigungsdoktrin des Warschauer Vertrages
4. Einige Schlussfolgerungen


In meinen Ausführungen spreche ich nur von Maßnahmen, Tatsachen und Fakten an denen ich mitgearbeitet bzw. die ich persönlich in meinen 3 Funktionen als

- Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef des Hauptstabes der NVA
- Stellvertreter des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages
- Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR

praktisch erlebt habe.

Gestatten Sie mir, zur 1. Frage überzugehen:

Einige allgemeine Bemerkungen zur Militärdoktrin


In der sozialistischen Militärdoktrin im Warschauer Vertrag verstanden wir unter Militärdoktrin:

Leitsätze der Partei- und Staatsführung

- die ausgehend von einer gründlichen Analyse des potenziellen Gegners
- d.h. der Bedrohungsanalyse und
- des politischen und militärischen Charakters eines möglichen Krieges
- sowie der Bestimmung der eigenen Ziele in diesem Krieg

o die Struktur, die Hauptbewaffnung, die politische Motivation

o die Grundsätze der Ausbildung und

o die Aufgaben der Streitkräfte

langfristig festzulegen.

Des weiteren beinhaltete die Militärdoktrin die Auffassungen und Maßnahmen der Partei und Staatsführung

- für die Vorbereitung der Partei- und Staatsführung auf den Verteidigungszustand
- der Bevölkerung- Zivilverteidigung und
- der Wirtschaft und des Territoriums ( Infrastruktur)

auf einen möglichen Krieg.

In unserem Militär-Lexikon wurde die Militärdoktrin in Kurzfassung wie folgt formuliert:

„MD, die in einem Staat bzw. einer Militärkoalition herrschenden sozial- politischen und militär- technischen Ansichten über Charakter, Abwehr, Vorbereitung und Führung möglicher Kriege“.

Im Sinne dieser Begriffsbestimmung hat jeder Staat, der Streitkräfte unterhält, Leitsätze für seine Militärpolitik.

Dabei ist es unerheblich ob dafür als Oberbegriff

- Militärdoktrin
- Bush-Doktrin- wie in den USA
- Verteidigungspolitische Richtlinien wie in der BRD oder
- Andere begriffe verwendet werden


Ich komme zur zweiten Frage:

Die Militärdoktrin der DDR

Die DDR – Militärdoktrin war in der Mehrzahl ihrer politischen und militärischen Leitsätze mit der sowjetischen Militärdoktrin deckungsgleich.

Dafür gab es aus militärischer Sicht vorrangig 2 Gründe:

1. Die DDR hatte niemals strategische Waffensysteme und sie hatte niemals die Verfügungsgewalt über Kernwaffen.
Sie hatte keine schweren Bomberfliegerkräfte und keine schweren Überwasserkräfte bzw. U-Boote. Was die Kernwaffenverfügungsgewalt betrifft, so gehörte die DDR zu den entschiedensten Verfechtern eines „Kernwaffensperrvertrages“ und zu dessen Erstunterzeichnern.

2. Bei einen solchen wichtigen Leitsatz der sowjetischen Militärdoktrin

„Jeder Aggressor ist auf seinem eigenen Territorium zu vernichten“

konnte das für die DDR auch nicht anders sein. Es ging darum, im Falle einer Aggression die Kampfhandlungen sofort auf das Territorium des Gegners zu verlagern. Allein diese beiden Faktoren waren wichtige Grundlagen für die Übereinstimmung unserer militär-politischen Ansichten und Aktivitäten mit denen des Warschauer Vertrages.

Unabhängig von der weitestgehenden Übereinstimmung in den Grundfragen zwischen der sowjetischen bzw. der Militärdoktrin des Warschauer Vertrages und der Militärdoktrin der DDR gab es einige Besonderheiten , die wir, als DDR, bei unseren militär- politischen und militär-technischen Maßnahmen berücksichtigen mussten, und die sich in unserer Militärdoktrin wiederspiegelten.


Gestatten Sie mir kurz auf einige dieser Probleme einzugehen.

1. Die Militär- geografische und Militär-strategische Lage der DDR

Die DDR wäre im Kriegsfall Aufmarsch – und Durchmarschraum von großen Teilen der 1.strategischen Staffel der Vereinten Streitkräfte und im erheblichen Ausmaß Frontzone geworden.
Daraus folgt:

Die

- territoriale Verteidigung und
- die operative Vorbereitung des Territoriums der DDR als

möglichen Kriegsschauplatz waren zwei erstrangige Faktoren für die Organisation der Landesverteidigung unseres Staates. Die DDR hatte die Verpflichtung übernommen, unter allen Lagebedingungen, die Operationsfreiheit der 1. strategischen Staffel zu gewährleisten. Deshalb mussten in Friedenszeiten alle Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden.

2. Weiterhin musste unsere MD die Rolle und die spezifischen Aufgaben der Grenztruppen an der Staatsgrenze zur BRD und zu Westberlin Berücksichtigung finden

Entsprechend der Vorgaben aus Moskau gab es an diesen Grenzen

- eine militärische Grenzsicherung.

An der Westgrenze waren es annährend 30.000 Mann an der Berliner Grenze rund 10.000 Mann. Militärisch gesehen waren es 3 Divisionen.

Für diese Kräfte mussten die Aufgaben
- für die Friedenszeit und
- für den Verteidigungszustand
konzipiert werden.

Es war einmalig im Warschauer Vertrag, dass die Grenztruppen dem Verteidigungsminister unterstellt waren. Bei allen Umständen der Grenzsicherung sollten wir berücksichtigen:

Von unserer Grenze ist nie eine Gefahr für den frieden ausgegangen !

3. Eine weitere Besonderheit bei der Organisation der Landesverteidigung waren die Kampfgruppen der Arbeiterklasse

Auch hier mussten für

- die annährend 80.000 Angehörige der Kampfkräfte und
- die rund 100.000 Angehörigen der Sicherungskräfte

die Aufgaben im Frieden und die zu erwartenden Aufgaben im Verteidigungszustand bestimmt werden. Durch die Übernahme des größten teils der Sicherungsaufgaben auf dem Territorium der DDR (Brücken, Kasernenanlagen usw.) konnten sich die Divisionen der GSSD und der NVA vorrangig auf die Erfüllung ihrer Gefechtsaufgaben orientieren.

4.Unsere Militärdoktrin musste auch das Führungssystem der DDR im Verteidigungszustand berücksichtigen

Bekanntlich lagen unserem Führungssystem u.a.

- die 7 Bevollmächtigten
- die 15 Vorsitzenden der BEL sowie
- einige andere Führungsinstanzen(Blockparteien,
Massenorganisationen )
zu Grunde.

Die Mitglieder dieser Führungsgremien mussten im Frieden auf die möglichen Aufgaben im Verteidigungszustand vorbereitet werden.
Dieser Zielstellung dienten vorrangig die 3 zentralen Ausbildungsmaßnahmen des Nationalen Verteidigungsrates

- Meilenstein mit den leitenden Kadern der Partei- und Staatsführung mit 120 bis 130 Teilnehmern
- Meisterschaft mit den Mitgliedern der BEL 130 -150 Teilnehmer
- Mosaikstein mit den leitenden Kadern der Blockparteien und den Massenorganisationen 80 -100 Teilnehmer

Die in der Regel im 2 Jahres-Rhythmus durchgeführt wurden.

Eine der Hauptaufgaben dieser Schulungsmaßnahmen bestand darin

- die verantwortlichen Kader auf ihre möglichen Aufgaben im Verteidigungszustand vorzubereiten
- und sie, soweit wie möglich zum Kriegsbezogenen Denken und handeln zu befähigen.

5. Nicht zuletzt, mussten bei allen

- militär – politischen und militär- technischen Aktivitäten
- die Anwesenheit der GSSD

- mit ihren 18 Divisionen

- den 350 – 400.000 Soldaten

mit der modernsten Bewaffnung, einschließlich Kernwaffen auf dem Territorium Berücksichtigung finden.

Sicherlich könnten noch eine Reihe anderer Probleme angeführt werden, die in der Militärdoktrin der DDR ihren Niederschlag finden mussten.

Nicht erwähnt sollte auch folgende Tatsache bleiben:

Zigtausende Bürger der DDR haben freiwillig in ihrer Freizeit ohne wesentliche materielle Vergünstigungen umfangreiche Leistungen für die Landesverteidigung erbracht.
Das betraf unter anderem

- die Kampfgruppen der Arbeiterklasse
- die Zivilverteidigung
- die Spezialformationen der einzelnen Ministerien
- die freiwilligen Helfer der Deutschen Volkspolizei und der Grenztruppen
- die Gesellschaft für Sport und Technik

um nur einige zu nennen.

Das ist ein sichtbarer Beweis dafür, dass die Landesverteidigung der DDR ein gesamtgesellschaftliches Anliegen war.

Noch eine Bemerkung sei mir gestattet:

Alle Maßnahmen der Landesverteidigung wurden auf der Grundlage der Direktiven aus Moskau und der Beschlüsse des NVR der DDR in enger Abstimmung zwischen

- dem MfNV
- dem MfS und
- dem Minister des Innern und Chef der deutschen Volkspolizei

organisiert und realisiert.




Schlussfolgernd zur Militärdoktrin möchte ich jedoch unterstreichen:

Wie ein roter Faden zogen sich in unserer Militärdoktrin die beiden Grundforderungen:

1. Die gesamte Militärpolitik und alle militärischen Aktivitäten haben
- der Erhaltung und Festigung des Friedens in Europa zu dienen
2. Von deutschen Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen.


Gestatten Sie mir zur 3. Frage überzugehen:

Die Verteidigungsdoktrin des Warschauer Vertrages

Nach langjähriger Vorbereitung wurde am 27.mai 1987 in Berlin auf der Tagung des Politisch Beratenden Ausschusses des Warschauer Vertrages

- die Verteidigungsdoktrin des Warschauer Vertrages

beschlossen.

Die höchsten Representanten des Warschauer Vertrages hoben hervor

- dass die entwickelten Waffen von unerhörter Zerstörungskraft
ein neues denken, ein neues Herangehen an die Fragen von Krieg und Frieden
an die Abrüstung und die anderen komplizierten globalen und regionalen Probleme erfordern.

Man war sich darüber im klaren:

In einen Kernwaffenkrieg würde es weder

Sieger noch Besiegte

geben.

Nach der Annahmen der neuen Militärdoktrin des Warschauer Vertrages gab es die grundlegende Veränderung

- das von der Absicht den Aggressor auf seinen eigenen Territorium zu vernichten
- Abstand genommen wurde.

Satt dessen bestand die Aufgabe darin

- die Unantastbarkeit der Grenzen zwischen NATO und Warschauer vertrag zu garantieren,
- aktive und standhafte Verteidigungshandlungen durchzuführen und
- den Aggressor in Grenzgefechten und Grenzschlachten zu vernichten.

Will man diese Verteidigungsdoktrin des Wartschauer Vertrages charakterisieren, so könnte man sie in 5 Punkten zusammenfassen.

1. Das Hauptziel der Militärpolitik ist die Erhaltung des Friedens und die Verhinderung des Ausbruchs eines Krieges
2. Die Staaten des Warschauer Vertrages stellen keine territorialen Forderungen an andere Staaten
3. Keine Nation, kein Staat wird als Feind betrachtet
4. Die gesamten Streitkräfte des Warschauer Vertrages werden nur auf Verteidigungshandlungen ausgerichtet
5. Die Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages werden
- niemals einen Krieg beginnen
- niemals als erste Kernwaffen einsetzen.

Durch die Annahme dieser neuen Verteidigungsdoktrin hat der Warschauer Vertrag, das sozialistische Militärbündnis ein Beispiel gegeben

- wie komplizierte internationale politische, militär-politische und militärische Fragen
- im gegenseitigen Einvernehmen

auf friedlichen Wege gelöst werden können.

Gleichzeitig wurde in BERLIN beschlossen:

„DIE STATTEN DES WARSCHAUER VERTRAGES BIETEN DER NATO AN, DIE MILITÄRDOKTRIN BEIDER BÜNDNISSE ZU VERGLEICHEN;UM MISSTRAUEN ABZUBAUEN UND WEGE ZUR GEMEINSAMEN FRIEDENSSICHERUNG ZU SUCHEN“

Leider wurde auch dieser Vorschlag von der NATO abgelehnt.

Keinen von diesen 5 von mir genannten Punkten finden wir in

- der amerikanischen Militärstrategie oder
- den militär-politischen Leitsätzen der Bundeswehr

wieder.

Dafür aber solche Aggressions- Begriffe in der neuen Bush-Doktrin wie

- Präventiv- Krieg
- Enthauptungsschlag
- Nuklearer – Erstschlag usw.

Auch für die Bundeswehr gilt:

Deutschland wird am Hindukusch verteidigt.

Noch eine abschließende Bemerkung zur Verteidigungsdoktrin des Warschauer Vertrages. Es geht nicht darum, in Nostalgie zu verfallen, sondern um der historischen Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Armeeführung der DDR, insbesondere der damalige Verteidigungsminister ,Armeegeneral Heinz Keßler, haben aktiven Einfluss auf den Inhalt dieser neuen strategischen Ansichten genommen. Schließlich hatten wir zur NATO, zur BRD, eine Grenze von 1.378 km, und zum NATO- Stützpunkt Westberlin eine Grenze von 161 km.

Die größten Truppen-Konzentrationen befanden sich auf dem Territorium beider deutscher Staaten.
Im Falle einer bewaffnetten Auseinandersetzung wäre das Territorium beider deutscher Staaten von der ersten Stunde an Frontgebiet geworden.

Eine Trennung zwischen Front und Hinterland hätte es nicht gegeben.

Uns, den sozialistischen Militärs war klar, dass ein möglicher Krieg auf dem Westeuropäischen Kriegsschauplatz, Millionen von unschuldigen Zivilisten das Leben kosten würde, und unheimliche Zerstörungen mit sich bringen würde.

Deshalb sahen wir unsere Hauptaufgabe

In der Kriegs- Verhinderung.

Das bei uns auch Militär-Politik Wort und tat übereinstimmten, wir in unserer praktischen Tätigkeit die neue Verteidigungs-Doktrin umsetzen, möchte ich an 2 Beispielen veranschaulichen.

1. Bereits 8 Wochen nach der Annahme der neuen Verteidigungsdoktrin wurden auf Befehl des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates Erich Honecker, die 3 Ausbildungsmaßnahmen

- Meilenstein
- Meisterschaft und
- Mosaikstein

durchgeführt.

Über 300 leitende Kader der Partei- und Staatsführung sowie der Gesellschaftlichen Organisationen wurden mit den wichtigsten Inhalt dieser Doktrin vertraut gemacht und die notwendigen Schlussfolgerungen für die Landesverteidigung daraus abgeleitet.
Bei der Auswertung dieser Schulungsmaßnahme forderte der Vorsitzende des NVR

„Jeder Fussbreit unseres Territoriums muss hartnäckig und aktiv verteidigt werden“.


2. Am 21. Januar 1989 faßte der NVR folgenden Beschluss:

- Die NVA einseitig um 10.000 Mann zu verringern
- 6 Panzer-Regimenter aufzulösen
- 600 Panzer zu reduzieren, die für volkswirtschaftliche Zwecke umgerüstet oder verschrottet werden
- 1 Fliegergeschwader aufzulösen und 50 Kampfflugzeuge außer Dienst zu stellen
- Gleichzeitig eine Reduzierung der Ausgaben für die nationale Verteidigung um 10% vorzunehmen.
- Die Reduzierungsmaßnahmen bis Ende 1990 abzuschließen und die Struktur der NVA auf einen noch strikteren Verteidigungscharakter umzugestalten

Diese beiden Beispiele dokumentieren anschaulich das Bestreben der Partei und Staatsführung

- die neue Verteidigungsdoktrin des WV zielstrebig in der DDR in die Praxis umzusetzen
- und damit einen aktiven Beitrag für die Entspannung und die Friedenssicherung in Europa zu leisten.

In diesen Zusammenhang darf ich an folgendes erinnern:

Am 10.und 11.Juni 1989 habe ich gemeinsam mit E. Krenz, auf Einladung von Oskar Lafontaine in Saarbrücken vor der Führungsspitze der SPD

- die neue Verteidigungsdoktrin des Warschauer Vertrages und
- die einseitigen Abrüstungsmaßnahmen der DDR vom 21.januar 1989

erläutert.

Meine Ausführungen als sozialistischer Militär in Uniform fanden breite Zustimmung der führenden Politiker der SPD.

Ich war Oskar Lafontaine, Egon Bahr, Professor Ehmke und anderen ein geachteter Gesprächspartner.

Knapp 2 Jahre später saß ich als so genannter „Krimineller“ in der Untersuchungshaft in Moabit zwischen Mördern und Berufsverbrechern.

Auch das zu unserer Geschichte !

Gestatten sie mir abschließend 3 Schlussfolgerungen vorzutragen

1. Die DDR hat als Mitglied im Warschauer Vertrag in ihrer 40 jährigen Geschichte einen aktiven Beitrag für die Friedenssicherung in Europa geleistet. Sie war auf allen Gebieten ein zuverlässiger Bündnispartner im Warschauer Vertrag.
2. Kein Land im Warschauer Vertrag hatte so umfassende Verpflichtungen auf dem Gebiet der Landesverteidigung gegenüber den vereinten Streitkräften des Warschauer Vertrages als die DDR. Kein Land im Warschauer vertrag hat so gewissenhaft und termingerecht alle militärischen Verpflichtungen erfüllt wie die DDR.
Aber kein Land des Warschauer Vertrages wurde 1989/90 von Gorbatschow und Schewardnadse so hinterhältig verraten und verkauft wie die DDR.
3. Im Leben lernt man auch sehr viel aus seinen Niederlagen. Ich bin bestrebt, trotz Verlustes meines Staates, meiner Armee und meiner sozialen Sicherheit erhobenen Hauptes in die Zukunft zu blicken.
Ich bin stolz darauf, als General in der Deutschen Armee gedient zu haben, die als einzige keinen Krieg geführt hat.
Trotz der vielen Verleumdungen, Schikanen, Demütigungen und Erniedrigungen habe ich meinen Aufrechten Gang nicht verloren.


Die Politiker der BRD sollten berücksichtigen.

Jede Gesellschaft wird auch danach beurteilt, wie sie ihre Gegner behandelt.

Die Geschichte wird, davon bin ich überzeugt, ein gerechtes Urteil über die DDR, ihre NVA und die Grenztruppen fällen.


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#17

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 12:56
von YYYYYYYY (gelöscht)
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wer sich für die aktuelle sichtweise der bw interessiert hier der link zum "weißbuch"

hier gehts zum bundesministerium der verteidigung



http://www.bmvg.de/fileserving/PortalFil..._2006_dt_mB.pdf


und hier noch eine ganz andere sichtweise


http://imi-online.de/download/webversion-imi-nato.pdf


zuletzt bearbeitet 17.10.2010 13:11 | nach oben springen

#18

RE: NVA, ein Rückhalt der DDR?

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 17.10.2010 13:38
von S51 | 3.733 Beiträge

Hallo Alfred,
Die Ausführungen sind schöne Theorie, die Praxis sah ein wenig grundlegend anders aus.
- Von modernster Ausrüstung konnte doch weder bei der GSSD noch bei unserer NVA wirklich die Rede sein. Technisch, vor allem aber kommunkationstechnisch waren wir bei den 70-er Jahren stehen geblieben. Aus Kostengründen war viele moderne Technik gar nicht vorhanden, von vornherein nicht geplant. Wie Laserzielgeräte beim T55 etwa, balistische Rechner beim T72. Die Liste könnte man endlos fortführen. Nich nur die NVA hat ihre Panzer kanibalisiert, um wenigstens ein paar Vorzeigeabteilungen funktionsfähig zu erhalten. In der sowjetischen Garnision Herman-Duncker-Str. in Karlshorst habe ich so etwas auch gesehen. Da fuhr nur jeder dritte Panzer, nur jeder zweite Lkw hatte noch eine Batterie. Flugtechnik war computermäßig sowohl in der Kapazität wie auch den taktischen Möglichkeiten auf reinen Verschleiß eingestellt. Im Falle des Falles wären 3 draufgegangen um einen Gegner abschießen zu können. Die Offiziere haben darüber ordentlich böse Witze gerissen. Wonach etwa bestimmt würde, der die glückliche Nr. 3 wäre, politische Überzeugung, taktisch, technisches Können oder Familie...Bei der taktischen Planung könnte man uns getrost bis in die 40-er Jahre zurückdatieren. Obwohl die Chinesen in den 80-er Jahren gegen die Vietnamesen böse gescheitert sind, die Sowjetarmee mit ihrer Angriffstechnik in Afghanistan trotz aller Siege verloren hatte, waren wir immer noch auf Massenangriff gegen hochtechnisierte Gegner gedrillt. Eindrucksvoll aber eigentlich selbstmörderisch.
Als ich in der Ausbildung "meine Leute" nicht quer über die Wiese zum Sturmangriff sondern drumherum in die Flanke geschickt habe, schwankte die Schule drei Tage, ob das nun Befehlsverweigerung oder doch "sehr gut" war. "Im Falle des Falles wären sie drann gewesen" habe ich zu hören bekommen. Schema F war doch angesagt. Wir hätten mindestens ein Drittel unserer Leute und Technik vollkommen sinnlos in die Mühle geschickt. Wie die Iraker seinerzeit auch...
Die NVA war anders als die BW heute ideologisch als "Armee des Volkes" ausgerichtet. Das hat ihren Einsatz seinerzeit gegen die 89-er Revoluzer unmöglich gemacht. Vielleicht war es so nicht geplant, ist aber gut gelaufen.
Jedoch nüchtern gesehen: Die Technik des Kannibalisierens praktiziert die BW heutztage ja auch... Insofern nähern wir uns alten Verhältnissen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 17.10.2010 13:39 | nach oben springen



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