#1

Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 03.10.2010 09:31
von ABV | 4.202 Beiträge

Zu den Abwechslungen im öden Dienstalltag beim "Wachkommando Missionschutz" gehörten die gelegentlich durchgeführten Einsätze außerhab des Zuständigkeitsbereiches. In den allermeisten Fällen bedeuteten solche Einsätze aber nichts anderes, als irgendwo in einem Objekt oder gar auf der Ladefläche eines LKW, als Reserve, auf den imaginären "Ernstfall" zu warten. Für den 07. September stand für die Mitarbeiter der 4. Wachabteilung der WKM-Wache Pankow-Niederschönhausen, wieder solch ein Einsatz auf dem Dienstplan. Während der Termin des Einsatzes schon seit Jahresbeginn feststand, erfuhren wir den Einsatzort erst wenige Tage vorher. Wir sollten uns in die für die Be bzw. Überwachung der " Ständigen Vertretung der BRD in Ostberlin" zuständige Sonderdienststelle begeben. Den genauen Grund des Einsatzes erfuhren wir noch immer nicht, ahnten aber das der Einsatz mit dem Besuch Erich Honeckers in Bonn , zusammenhängt. Die besagte Sonderdienststelle war in einer früheren Wohnung an der Hannoverschen Straße, gegenüber der "StÄV", untergebracht. Unter dieser Wohnung befand sich eine weitere, welche von den Überwachungskräften des MfS als Stützpunkt genutzt wurde. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass hier früher der Liedermacher Wolf Biermann gewohnt haben soll. Weder die Dienststelle des MfS noch die des WKM waren von außen als solche erkennbar! Es exestierte kein einziges Hinweisschild welches einen Rückschluß auf den wahren Charakter der Wohnungen hätte geben können. Wir trafen gegen 10:00 Uhr Vormittag in der Dienststelle ein. Diese wurde von innen durch einen Posten bewacht, welcher die ganze Zeit auf einen Stuhl, direkt an der Wohnungstür, saß. Klingelte jemand an der Wohnungstür, spähte der Posten erst durch den Türspion, ehe er die Tür welche noch immer mit einer Kette gesichert war, um einen Spalt öffnete. Erst wenn zweifelsfrei feststand das die Person/oder Personen die notwendige Berechtigung zum Betreten der Dienststelle besaßen, gewährte ihnen der Posten Einlass. Zu dieser Dienststelle gehörte auch eine Küche, deren Angebot über dem der Wache Pankow lag. Kein Wunder, wer vor der "StäV" Dienst verrichtete, galt als "handverlesene Elite" im WKM. Solche Leute besaßen natürlich auch einen Anspruch auf bessere Verpflegung. Trotzdem hätte niemand von uns mit ihnen getauscht. Dienst an der "StäV" bedeutete in erster Linie im Blickpunkt der "Westkameras" zu agieren. Noch dazu mussten diese Polizisten stundenlang auf einer Stelle verharren und wurden bei Vorkommnissen, scbnell zum Sündenbock. Nee das war nichts für mich! Zumal ich mich damals schon erfolgreich um eine Stelle im damaligen VPKA Seelow bemüht und demzufolgte nur noch wenige Monate bei dem "Verein" abzudienen hatte. Der Leiter der Dienststelle, Major Schw., wies uns in unsere Aufgabe ein. Wie nicht anders zu erwarten, sollten wir als Einsatzreserve fungieren. Man rechnete wegen des Besuches von Erich Honecker im "Westen", tatsächlich mit spontanen Demonstrationen von Ausreisewilligen vor der StäV. Der Widerspruch das Honecker einerseits Menschen die Ausreise in die BRD verweigerte, andererseits aber selbst in dieses Land fuhr und sich obendrein noch empfangen und hofieren lies, war auch an den Verantwortlichen im Sicherheitsbereich bekannt. Die Worte des Major Schw. mit denen er uns auf das kommende vorbereitete, spiegelte eine fatale Denkweise wieder: " Genossen ihr seid hier heute als Einsatzreserve eingesetzt. Wenn es zu Demonsatrationen vor der Ständigen Vertretung kommt, werdet ihr unverzüglich alarmiert. Euer Einsatz erfolgt in zweiter Reihe, hinter den Einsatzkräften des MfS. Ihr seid dann dafür zuständig den Dreck zusammenzufegen" Mit diesen dratischen Worten meinte er, dass wir für die Zuführungen der Demonstranten zuständig waren. Die Zugeführten hätte man dann, mit bereitstehendenLKW, zur Wache Mitte verbracht. Ausgerüstet waren wir, neben unserer Dienstwaffe, mit dem kurzen, einschiebbaren Schlagstock und einer Fürungskette. Wohl war in diesem Augenblick niemand! Die zynischen Worte des Majors fanden keinen Beifall, natürlich widersprach aber niemand.
Ich bin heute noch dankbar, dass es an diesem Tag zu keinen Demonstrationen gekommen ist. Wer weiß welche Schuld ich damals persönlich auf mich geladen hätte? Einen Befehl zu verweigern wäe für mich nicht in Frage gekommen. Aber man musste dann auch mit den eventuellen Folgen leben können.
Fraglich ist allerdings, ob sich die DDR mit einer harten Aktion gegen Demonstranten, an solch einem Tag und quasi vor den Augen der Weltöffentlichkeit nicht selbst gewaltig geschadet hätte? In der Dienststelle befand sich ein Fernsehgerät, mit dem wir den Empfang Honeckers in Bonn, miterleben konnten. Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden, ich schließe mich da nicht aus, waren der Ansicht das dies quasi die inoffizielle Anerkennung der DDR durch die BRD war. Schließlich erhielt Honecker die gleichen Ehrungen wie andere Staatsmänner auch, wie konnte man angesichts dieser Bilder noch an der "Zweistaatlichkeit" zweifeln? Erich Honecker war auf dem Gipfel seiner Macht. Das aber ihm und der gesamten DDR nur zwei Jahre später ein tiefer Absturz, bis hin zum Untergang, bevorstand, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Der angebliche "Dreck" hatte das System weggefegt. Ob sich Major Schw. der späten Ironie seiner Worte bewusst ist?

Ich wünsche euch allen und euren Familien einen schönen 3. Oktober

euer Uwe
vom Oderstrand


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Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 03.10.2010 12:10
von TOMMI | 1.984 Beiträge

Das war während der Zeit meines Dienstes an der Grenze.
Von uns allen wurde es damals mit sehr großem Interesse verfolgt.
Vieles machte Hoffnung. zB:
*der Schießbefehl wurde aufgehoben und zwar "...während der Zeit des Besuches und auch danach..."
wir hofften damals tatsächlich, dass wir diese Bürde ein für allemal los wurden, vergeblich leider,
vorläufig zumindest.
*das Zitat Honeckers zum Besuch in seiner saarländischen Heimat (vom Oskar begrüßt mit "...willkommen dahemm...")
"Es wird die Zeit kommen, da uns Grenzen nicht mehr trennen, sondern verbinden......wo die Grenze zwischen der DDR
und der Bundesrepublik die selbe Bedeutung hat, wie unsere Grenze nach Polen und der ČSSR...."
Hatte er es ehrlich gemeint? Heute wissen wir, diese Sätze waren nicht im Protokoll vorgesehen.

Bemerkenswert war auch der Besuch in Bayern bei FJS. Da Honecker auf Fragen zu einer Wiedervereinigung
immer sagte, dass "im Ergebnis des 2.Weltkrieges zwei deutsche Staaten entstanden seien...",
sagte Strauss: "Wer für den Frieden eintritt, sollte sich nicht ständig auf die Ergebnisse von Kriegen berufen..."
Original abgedruckt im ND.
Noch an eine andere Sache kann ich mich erinnern. Die Zeit des Besuches war wohl die einzige, in der wir in
der Kaserne offen und ungestraft das Deutschlandlied hören durften, wenn Empfänge im Radio und/oder Fernsehen
übertragen wurden.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


zuletzt bearbeitet 03.10.2010 12:10 | nach oben springen

#3

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 03.10.2010 14:35
von ABV | 4.202 Beiträge

Das Honecker sogar in Bonn davon sprach, dass die die Grenze zwischen der DDR und Polen die Menschen nicht trennt, zeigt wie kaum ein anderer Satz seinen absoluten Realitätsverlust. Auf Grund der Ereignisse in Polen waren die paar Grenzübergänge die es gab, für den Normalbürger geschlossen. Die Ausreise nach Polen wurde nur nach vorliegender Einladung eines polnischen Bürgers, gestattet. Für die Angehörigen der bewaffneten Organe war Polen tabu, gewissermaßen den NSW gleichgestellt.

Gruß an alle Uwe


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#4

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 03.10.2010 15:26
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von ABV
Das Honecker sogar in Bonn davon sprach, dass die die Grenze zwischen der DDR und Polen die Menschen nicht trennt, zeigt wie kaum ein anderer Satz seinen absoluten Realitätsverlust. Auf Grund der Ereignisse in Polen waren die paar Grenzübergänge die es gab, für den Normalbürger geschlossen. Die Ausreise nach Polen wurde nur nach vorliegender Einladung eines polnischen Bürgers, gestattet. Für die Angehörigen der bewaffneten Organe war Polen tabu, gewissermaßen den NSW gleichgestellt.

Gruß an alle Uwe



ABV,

Herr Honecker hat die Aussage nach deiner Mitteilung bei seinen Besuch in der BRD .
Und da waren die Grenzübergangsstellen zur VR Polen geschlossen ??

Man konnte schon reisen, nur gab es Regeln ....


zuletzt bearbeitet 03.10.2010 15:30 | nach oben springen

#5

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 03.10.2010 15:38
von ABV | 4.202 Beiträge

Für den Normalbürger waren die Grenzübergangsstellen nach Polen quasi geschlossen. Ich habe schon immer an der polnischen Grenze gelebt. Ich hatte zu DDR-Zeiten nie den Eindruck, dass diese Grenze völkerverbinden war. Eigentlich war das Land hinter der Grenze den meisten ziemlich schnuppe. Teilweise ist das ja heute auch noch so, viele assoziieren Polen noch immer mit billigen Zigaretten und Benzin. In der DDR gab es einen Witz: "Hast du schon gehört, der Willy wollte abhauen. Abhauen, über die Grenze? Ja, so richtig über die Grenze. Wie viel Jahre Knast hat er denn bekommen? Gar keins, man hat ihn in die Irrenanstalt gesteckt. Warum das denn? Na, er wollte doch nach Polen abhauen."
Es gab so gut wie keine Kontakte über die Genze, heute weiß man auch das sich Polen und Westdeutsche damals viel näher standen, als Polen und DDR-Bürger. Mit anderen Worten, olle Erich hatte da einen ganz schönen Stuss erzählt. Aber außer ihm, dürfte den Quatsch aber niemand geglaubt haben.

Gruß an alle
Uwe


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#6

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 03.10.2010 17:25
von Huf (gelöscht)
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Eine Frage an @ABV: War es zu jener Zeit möglich, die Grenze DDR-Polen sozusagen "illegal" zu übertreten, oder gab es dort auch eine kontinuierliche Kontrolle durch unsere GT?

Huf


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#7

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 03.10.2010 20:45
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von Huf
Eine Frage an @ABV: War es zu jener Zeit möglich, die Grenze DDR-Polen sozusagen "illegal" zu übertreten, oder gab es dort auch eine kontinuierliche Kontrolle durch unsere GT?

Huf




Seitens der GT und seitens der Polnischen Grenztruppen.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#8

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 09:55
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Huf
Eine Frage an @ABV: War es zu jener Zeit möglich, die Grenze DDR-Polen sozusagen "illegal" zu übertreten, oder gab es dort auch eine kontinuierliche Kontrolle durch unsere GT?

Huf



Hallo Huf!
Seitens der GT gab es keine ständige Bewachung der Staatsgrenze zu Polen, sondern lediglich eine Grenzüberwachung. Diese wurde von so genannten Grenzabschnittsposten, kurz GAP oder im Volksmund auch Grenz-ABV genannt. Ein GAP, meist ein Fähnrichsdienstgrad, war für einen bestimmten, mehrere Kilometer langen Grenzabschnitt verantwortlich. Üblicherweise wohnte der GAP auch in seinem Grenzabschnitt, sein Dienstzimmer befand sich in der Wohnung! Die GAP unterstanden dem Grenzabschnittskommando Frankfurt (Oder), welches für die Staatsgrenze zu Polen verantwortlich war. Der GAP streifte zu unregelmäßigen Zeiten durch seinen Abschnitt, dafür standen ihm ein Motorrad oder ein Trabant Kübel, zur Verfügung. Wie an den anderen Grenzen waren auch an der Grenze zu Polen "Freiwillige Helfer der Grenztruppen" im Einsatz. Die Hauptaufgabe des GAP und seiner Helfer bestand darin, die Ruhe und Ordnung an der Staatsgrenze durchzusetzen. Dazu gehörte die Kontrolle derGrenzzeichen auf Beschädigungen und die Durchsetzung der auch an der polnischen Grenze geltenden Grenzordnung. Diese konnte man natürlich nicht mit den Einschränkungen an der Westgrenze oder der "Berliner Mauer" vergleichen. Eine Einschränkung gab es aber auch an der Oder. Angler durften nur eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang an der Oder angeln. Andere Einschränkungen gab es meines Wissens nach nicht. Illegale Grenzübertritte spielten nur eine sehr untergeordnete Rolle. Die größte Gruppe der Grenzverletzer bildeten Fahnenflüchtige oder besser gesagt Heimwehkranke sowjetische Soldaten.
Auf polnischer Seite wurde die Grenze durch Kräfte der "WOP", des militärischen Grenzschutzes, gesichert. Das Kommando der für die Grenze zur DDR zuständigen WOP-Abteilung, befand sich in Krossno. Anders als bei den DDR-Grenztruppen kamen hier auch einfache Soldaten zum Einsatz. Die Überwachung erfolgte durch Streifen, zu Fuß oder motorisiert. Es gab auch einige Beobachtungstürme, welche aber schon vor 1989, nach und nach abgebaut wurden. Heute gibt es nur noch einen, aber längst nicht mehr genutzen B-Turm in Gorzyca, gegenüber dem deutschen Reitwein. Abschließend kann man sagen, dass die Grenze von den GT nur sporadisch von polnischer Seite aber intensiver bewacht wurde. Trotzdem kann man die Maßnahmen an dieser Grenze nicht mit denen an der Westgrenze vergleichen.

Mit der Hoffnung das ich dir helfen konnte
viele Grüße an dich
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

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#9

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 10:58
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

....war im mfs allgemeine bereitschaft. für einige diensteinheiten bestand erhöhte alarmbereitschaft. der leiter der hauptabteilung personenschutz (damals generalmajor) wolf ist mit nach bonn geflogen. er entstieg aber der maschine durch den hinteren ein/ ausgang. in den filmaufnahmen der kamerateams wurde kurioserweise ein schwenk auf den hinteneren ausstieg gezeigt ...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#10

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 16:33
von Huf (gelöscht)
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Danke Uwe, für Deine ausführliche Erläuterung!
Da die DDR-Ostgrenze nicht im Fokus stand, waren auch die Gepflogenheiten dort nicht so bekannt.

War es denn an der Grenze zur CSSR ähnlich?

Huf


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#11

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 16:41
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von ABV

Zitat von Huf
Eine Frage an @ABV: War es zu jener Zeit möglich, die Grenze DDR-Polen sozusagen "illegal" zu übertreten, oder gab es dort auch eine kontinuierliche Kontrolle durch unsere GT?

Huf



Hallo Huf!
Seitens der GT gab es keine ständige Bewachung der Staatsgrenze zu Polen, sondern lediglich eine Grenzüberwachung. Diese wurde von so genannten Grenzabschnittsposten, kurz GAP oder im Volksmund auch Grenz-ABV genannt. Ein GAP, meist ein Fähnrichsdienstgrad, war für einen bestimmten, mehrere Kilometer langen Grenzabschnitt verantwortlich. Üblicherweise wohnte der GAP auch in seinem Grenzabschnitt, sein Dienstzimmer befand sich in der Wohnung! Die GAP unterstanden dem Grenzabschnittskommando Frankfurt (Oder), welches für die Staatsgrenze zu Polen verantwortlich war. Der GAP streifte zu unregelmäßigen Zeiten durch seinen Abschnitt, dafür standen ihm ein Motorrad oder ein Trabant Kübel, zur Verfügung. Wie an den anderen Grenzen waren auch an der Grenze zu Polen "Freiwillige Helfer der Grenztruppen" im Einsatz. Die Hauptaufgabe des GAP und seiner Helfer bestand darin, die Ruhe und Ordnung an der Staatsgrenze durchzusetzen. Dazu gehörte die Kontrolle derGrenzzeichen auf Beschädigungen und die Durchsetzung der auch an der polnischen Grenze geltenden Grenzordnung. Diese konnte man natürlich nicht mit den Einschränkungen an der Westgrenze oder der "Berliner Mauer" vergleichen. Eine Einschränkung gab es aber auch an der Oder. Angler durften nur eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang an der Oder angeln. Andere Einschränkungen gab es meines Wissens nach nicht. Illegale Grenzübertritte spielten nur eine sehr untergeordnete Rolle. Die größte Gruppe der Grenzverletzer bildeten Fahnenflüchtige oder besser gesagt Heimwehkranke sowjetische Soldaten.
Auf polnischer Seite wurde die Grenze durch Kräfte der "WOP", des militärischen Grenzschutzes, gesichert. Das Kommando der für die Grenze zur DDR zuständigen WOP-Abteilung, befand sich in Krossno. Anders als bei den DDR-Grenztruppen kamen hier auch einfache Soldaten zum Einsatz. Die Überwachung erfolgte durch Streifen, zu Fuß oder motorisiert. Es gab auch einige Beobachtungstürme, welche aber schon vor 1989, nach und nach abgebaut wurden. Heute gibt es nur noch einen, aber längst nicht mehr genutzen B-Turm in Gorzyca, gegenüber dem deutschen Reitwein. Abschließend kann man sagen, dass die Grenze von den GT nur sporadisch von polnischer Seite aber intensiver bewacht wurde. Trotzdem kann man die Maßnahmen an dieser Grenze nicht mit denen an der Westgrenze vergleichen.

Mit der Hoffnung das ich dir helfen konnte
viele Grüße an dich
Uwe





Hallo Uwe, eine Ergänzung. Ich hab als Angehöriger 6. Grenzbrigade Küste 1963 im Sommer 2 Monate Grenzdienst an der polnischen Grenze auf der Insel Usedom gemacht. Zwischen Ahlbeck und Kamminke am Oderhaff sind wir entlang der Grenze mit Postenpaar Streife gelaufen. Es gab auf deutscher Seite keine Grenzsperren, aber auf polnischer Seite war die Grenze fast so gesichert wie unsere Westgrenze, also mit Drahtzaun, Infrarotsperren, K 6 und natürlich Grenzsoldaten, die Streife liefen.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#12

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 16:48
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Hallo Uwe, eine Ergänzung. Ich hab als Angehöriger 6. Grenzbrigade Küste 1963 im Sommer 2 Monate Grenzdienst an der polnischen Grenze auf der Insel Usedom gemacht. Zwischen Ahlbeck und Kamminke am Oderhaff sind wir entlang der Grenze mit Postenpaar Streife gelaufen. Es gab auf deutscher Seite keine Grenzsperren, aber auf polnischer Seite war die Grenze fast so gesichert wie unsere Westgrenze, also mit Drahtzaun, Infrarotsperren, K 6 und natürlich Grenzsoldaten, die Streife liefen.

Gruß Gert
-----------------------------

Infrarotsperren? Hab ich auch 1989 noch nie gesehen! was soll das gewesen sein? waren die Polen uns voraus?


zuletzt bearbeitet 04.10.2010 16:49 | nach oben springen

#13

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 17:03
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von Huf
Danke Uwe, für Deine ausführliche Erläuterung!
Da die DDR-Ostgrenze nicht im Fokus stand, waren auch die Gepflogenheiten dort nicht so bekannt.

War es denn an der Grenze zur CSSR ähnlich?

Huf



Hallo Huf,

die Grenzüberwachung zur CSFR war im prinzip analog der zur VR Polen.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#14

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 17:36
von icke46 | 2.593 Beiträge

Das mit den Infrarotsperren schon 1963 ist für mich auch ein bisschen verwunderlich - möglicherweise geraten da einige Zeitabschnitte durcheinander. Aber den Grenzzaun auf Usedom gab es noch bis Anfang letzten Jahres - auch wenn er natürlich bedeutungslos war - wirkte auf mich wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

Aber vielleicht noch eine Frage an Uwe: Deine plastischen Schilderungen liest man immer wieder gerne - aber ich kann mir keinen Reim darauf machen, was die Vorschrift mit dem Angeln in der Oder (eine Stunde vor bis eine Stunde nach Sonnenuntergang) bezwecken sollte. Einen Sinn kann ich darin nicht sehen.

Gruss

icke



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#15

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 17:45
von exgakl | 7.223 Beiträge

Icke da konnten die Grenzer einfach besser kieken.... meinste wir wollte uns die Augen verderben?

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#16

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 18:58
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

um mal die aussage von @gert in die reihe zu bekommen, wann wurde der visafreie verkehr mit der vr polen damals eingeführt ?


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#17

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 19:03
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Honecker wirkte bei diesem Besuch,was man im TV sah,unsicher,hölzern,steif....sein gegenüber,der "Dicke"verhielt sich da aber auch nicht viel anders,seine körperliche Fülle konnte vieleicht einiges überdecken.Beide versuchten krampfhaft gute Mine zum Spiel zu machen,aber man merkte das dies kein normales Treffen 2 Staatschefs ist,denn beide waren Deutsche,der eine West ,der andere Ost.Eigentlich absurd.Für Kohl der schwerste Besuch.



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#18

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 19:10
von Huf (gelöscht)
avatar

Hallo @icke, die Erlaubnis zum Angeln in dem von Dir nachgefragten Tageszeitraum bezog sich auf die allgemeinen Angelbestimmungen des Anglerverbandes der DDR und war im ganzen Lande gültig, also unabhängig von der Grenznähe zur VR Polen. Das Angeln während des nicht genannten Tagesabschnittes galt als Nachtangeln und bedurfte einer besonderen Angelberechtigung.
Ich bin zwar offiziell noch heute berechtigter Angler in BB, M-V und S.-A., aber ich glaube, diese Tageszeiten gelten auch noch heute in den vorbenannten Tagesabschnitten. Leider habe ich viel zu wenig Zeit für dieses schöne Hobby.
Bei den Admins bitte ich um Nachsicht, wenn es jetzt ziemlich OT geworden ist!

Huf von der Elbe


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#19

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 19:34
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@zermatt, ich glaube mich entsinnen zu können, das erich honecker noch ein fehler beim protokoll unterlief. auch daran war die anspannung zu sehen...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#20

RE: Der Tag an dem Erich Honecker den "Klassenfeind" besuchte

in DDR Zeiten 04.10.2010 20:40
von ABV | 4.202 Beiträge

@Huf: Du hast Recht, was das Angeln betrifft. Ich bin nur darauf gekommen, weil diese Regelung auf den Angelkarten für die Oder immer besonders vermerkt war. Ansonsten gilt wie gesagt, dass es an der Staatsgrenze zu Polen für den Normalbürger keine Einschränkungen gab.
Nach der Wende, es muss so um 1991 gewesen sein, angelte ich mal wieder an der Oder. Da kam ein netter Herr aus den Westen Deutschlands des Wegs, wobei wir auch ins plaudern kamen. Als ich den Mann dann erzählte das ich schon seit meiner frühesten Jugendzeit an der Oder angele ( natürlich mit zeitlichen Unterbrechungen), sah er mich empört an. " Also das geht doch gar nicht. Aber das war doch hier alles Staatsgrenze, da kam doch zu DDR-Zeiten niemand ran!" Das war damals nicht das erste und auch nicht das letzte Mal, dass mich die Vorstellungen unserer westdeutschen Mitbürger zum schmunzeln brachten. Wer wollte es dem Mann auch verübeln?

Gruß an alle
Uwe


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zuletzt bearbeitet 04.10.2010 20:40 | nach oben springen


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