#1

„Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 10:38
von Angelo | 12.391 Beiträge

In ihrem Selbstverständnis war die DDR erster deutscher „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“. Am 5.5.1953 charakterisierte Walter Ulbricht die „antifaschistisch-demokratische Ordnung“ der DDR erstmals als „Diktatur des Proletariats“. Somit hatten die Arbeiter offiziell die Macht in der DDR. Aber in der Realität waren die angeblich herrschenden Arbeiter von allen wichtigen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Es herrschte die Parteibürokratie. Nach einer Umfrage in einem DDR-Kombinat fühlten sich 1989 82 Prozent der Befragten auf Betriebsebene „kaum vertreten“, im Hinblick auf die Politik des Landes sogar 90 Prozent. Am 17. Juni 1953 erhoben sich die Arbeiter mit einem Generalstreik gegen eine Erhöhung der Arbeitsnormen durch das SED-Regime. Dieser anfängliche Arbeiterprotest wirkte als Auslöser für einen Volksaufstand. So waren an den Demonstrationen gegen die SED-Herrschaft auch andere soziale Gruppen und Schichten mit konkreten politischen Forderungen beteiligt. In dieser Situation ließ sich die Macht der SED nur durch massiven Einsatz sowjetische Panzer erhalten: Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.

Quelle:http://www.kas.de/wf/de/71.6649/


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#2

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 10:55
von mic44 | 183 Beiträge

Es kam immer darauf an,in welchem Betrieb.Es gab auch Firmen,in denen so gut wie nur für den Export gearbeitet wurde.Da ging es.Aber ansonsten ist das schon richtig.Was kann man auch erwarten,wenn die Führung fern von jeder Realität gelebt hat.


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#3

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 13:31
von LO-Fahrer | 605 Beiträge

Die DDR war genausowenig ein "Arbeiter und Bauern Staat" wie die heutige BRD. Die politische Macht wird (damals wie heute) von einer mehr oder weniger selbst ernannten Gruppe von Politfunktionären ausgeübt, der wirkliche Wille des Volkes wird dabei weitestgehend ignoriert oder sogar als störend empfunden. Demokratische Wahlen.... daß ich nicht lache. In der Realität seht es doch so aus, daß die Politiker das gefälligst umzusetzen haben, was die Lobby anordnet. Bestes Beispiel: Laufzeitverlängerung für AKW oder "Gesundheitsreform". Der deutsche "Bürger" hat an dieser Stelle genau so wenig mitzureden oder gar zu entscheiden wie zu DDR-Zeiten der Angehörige der (herrschenden) Arbeiter-und-Bauern-Klasse. Die Einflussnahme des "einfachen Volkes" ist damals wie heute unerwünscht.


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#4

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 14:38
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Ich würde schon sagen ja, auch wenn Anspruch und Wirklichkeit manchmal auseinander gingen. Trotz ökonomischer Fehlentwicklungen war man stets bemüht ein gewissen Grundstandard zu gewährleisten und die Schere zwischen "unten und oben" ist bei weiten nicht so wie in der BRD.
Viele heute vergessene und manchmal über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gehende Sozialpolitische Maßnahmen zeigen das deutlich auf.
Bildung war nicht von der Herkunft oder dem Geldbeutel der Eltern abhängig, trotz gewissen Regularien gab es wesentlich mehr Chancengleichheit.
Insgesamt war das Leben wesentlich relaxter, nicht von Existenzangst geprägt und man hatte den Eindruck gebraucht zu werden.
Im Gegensatz zu heute konnte ich jederzeit Abends auf die Strasse, Rauschgift und organisierte Kriminalität waren ferne Welten.

Obwohl es mir rein materiell gesehen heute besser geht würde ich gern wieder tauschen.

Bevor sich bei einigen der Blutdruck in bedrohliche Regionen hebt, sicher war vieles nicht so wie angestrebt und öffentlich wieder gegeben. Die ökonomische Basis war halt schwach und einige Funktionäre haben sich auch in der DDR von der Basis gelöst.
Weiterhin ist auch fraglich ob das System der Subventionen bei Energie, Wohnung, Lebensmitteln usw. letztendlich nicht kontra produktiv war.


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#5

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 15:28
von wosch (gelöscht)
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Zitat von LO-Fahrer
Die DDR war genausowenig ein "Arbeiter und Bauern Staat" wie die heutige BRD. Die politische Macht wird (damals wie heute) von einer mehr oder weniger selbst ernannten Gruppe von Politfunktionären ausgeübt, der wirkliche Wille des Volkes wird dabei weitestgehend ignoriert oder sogar als störend empfunden. Demokratische Wahlen.... daß ich nicht lache. In der Realität seht es doch so aus, daß die Politiker das gefälligst umzusetzen haben, was die Lobby anordnet. Bestes Beispiel: Laufzeitverlängerung für AKW oder "Gesundheitsreform". Der deutsche "Bürger" hat an dieser Stelle genau so wenig mitzureden oder gar zu entscheiden wie zu DDR-Zeiten der Angehörige der (herrschenden) Arbeiter-und-Bauern-Klasse. Die Einflussnahme des "einfachen Volkes" ist damals wie heute unerwünscht.




Hallo Lo-Fahrer, bevor Du über Demokratische Wahlen in der BRD weiter lachen tust nimm bitte zur Kenntnis, daß mir im Gegensatz zu den Wahlen in der DDR eher zum Weinen zumute war. Einmal durfte (mußte) ich den Weg zum "Zettelfalten) antreten und gab natürlich das gewünschte "Votum" ab, so wie es von der Obrigkeit "eingefordert" wurde. Da Du dieses "Vergnügen" ja auch zweimal gehabt haben dürftest, müßtest Du Dich eigentlich an die Unterschiede noch erinnern können. Na wegen mir, lach ruhig weiter, soll ja so gesund sein!!
Damit es nicht OT wird: Muß es nicht eigentlich heißen "Volkseigener-Arbeiter und LPG-Bauern-Staat"?

Schönen Gruß aus Kassel.


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#6

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 15:38
von wosch (gelöscht)
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[quote="Altermaulwurf"]

Obwohl es mir rein materiell gesehen heute besser geht würde ich gern wieder tauschen.


Roman, wenn es Dir materiell zu gut gehen sollte und Du dich deswegen nicht wohl fühlst, ich bin gerne bereit Dir zu helfen und Dir vom "Materiellen" etwas abnehmen!
Schönen Gruß aus Kassel, auch an Nadine!


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#7

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 18:13
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Angelo
In ihrem Selbstverständnis war die DDR erster deutscher „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“. Am 5.5.1953 charakterisierte Walter Ulbricht die „antifaschistisch-demokratische Ordnung“ der DDR erstmals als „Diktatur des Proletariats“. Somit hatten die Arbeiter offiziell die Macht in der DDR. Aber in der Realität waren die angeblich herrschenden Arbeiter von allen wichtigen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen ausgeschlossen. Es herrschte die Parteibürokratie. Nach einer Umfrage in einem DDR-Kombinat fühlten sich 1989 82 Prozent der Befragten auf Betriebsebene „kaum vertreten“, im Hinblick auf die Politik des Landes sogar 90 Prozent. Am 17. Juni 1953 erhoben sich die Arbeiter mit einem Generalstreik gegen eine Erhöhung der Arbeitsnormen durch das SED-Regime. Dieser anfängliche Arbeiterprotest wirkte als Auslöser für einen Volksaufstand. So waren an den Demonstrationen gegen die SED-Herrschaft auch andere soziale Gruppen und Schichten mit konkreten politischen Forderungen beteiligt. In dieser Situation ließ sich die Macht der SED nur durch massiven Einsatz sowjetische Panzer erhalten: Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen.

Quelle:http://www.kas.de/wf/de/71.6649/



Arbeite mit- plane mit- regiere mit- Dieser sozialromantischen Slogan der SED war damals schon genauso weit weg von der Realität wie Merkels Spruch vom Aufschwung, der bei den Menschen ankommt.
Regierungen wollen vom ganzen Volk geliebt werden, das ist der große Konstruktionsfehler des Gemeinwesens.
Regierungen müssen Coaches sein, Eliten, die Zwänge und Erfordernisse beim Namen nennen und demokratische Lösungen anstreben und durchsetzen.
Demokratie ist die Unterordnung der Minderheit unter die Interessen der Mehrheit und diese Unterordnung wurde in der DDR in dem Maße übertrieben, wie sie heute zu lasch praktiziert wird, so daß man sich genau deshalb nach ein bißchen Diktatur zurücksehnt.
Alle sagen, daß Dax- Vorstände keine 200fachen Angestelltengehälter wert sind und daß wir keine 100 Krankenkassen brauchen und wenn wir ein bißchen mehr Arbeiterstaat wären, bekäme Ackermann nur noch 250.000 Euro im Jahr und keinem würde es schaden, nicht mal Ackermann.
Mit Sicherheit gäbe es dann auch mehr Bankfilialen zum Wohle des Kunden, weil ja nun 180 neue Stellen allein durch den Verzicht, zu dem man Ackermann verdonnert hat die Lohngelder frei werden würden, die man für die 180 neuen Bankkaufleute brauchen würde und das kann man auf die gesamte Wirtschaft hoch rechnen.
"So etwas tut man nicht" hat einst SPD-Chef Vogel in diesem Zusammenhang gesagt und weil man es trotzdem tut, wünschen sich weite Teile des Volkes eine Regierungspartei, die gegen so etwas unanständiges angeht.
Das andere Extrem sind die prestigeträchtigen Sozialhätscheleien unseres abgewickelten Politbüros gewesen.
Die waren so unsinnig und gefährlich, daß sie einer von vielen Nägeln zu dem Sarg waren, in den man am Ende die DDR hineingelegt hat.
Eine totalitäre Arbeiterregierung würde somit definitiv keinen Zuwachs an Gerechtigkeit bringen, Parteien der Arbeiterklasse wie sie einzig die Linkspartei eine ist, sind jedoch eine Pflichtversicherung gegen den Feudalismus und jeder der meint, daß vermeintliche Arbeiterparteien wie die SPD, in deren Regierungszeit übrigens die Gehaltsschübe seit Anfang 2000 zustande kamen, aus eigenem Antrieb ihre Liebe zum werktätigen Volk entdeckt haben, dem sei gesagt, daß so etwas nur wegen der Drohkulisse der linksdemokratischen Konkurrenz in den Parlamenten geschehen konnte.
Jegliches Einlenken, z.B. im Bezug auf Mindestlöhne und drastischere Regierungsauflagen bei Bankenrettungen gab es nur, weil diese parlamentarische Konkurrenz da ist, eine Konkurrenz deren Hauptaufgabe es ist, die Basiseliten also den qualifizierten Arbeiter bei der Verteilung des Volksvermögens entsprechend ihres Anteils an diesen Erträgen zu berücksichtigen.
Der Arbeiterstaat wie ich ihn auch in Erinnerung habe, hat eben diese Gratwanderung nicht geschafft, weil es damals wie übrigens auch heute einfacher war, dem schreienden und tobenden schwer erziehbaren Kind alles vorn und hinten reinzustecken, damit es nur endlich still ist.



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#8

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 18:42
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Wieder ein eigenes Beispiel, ich habe das schon einmal hier in einem Text, aber finde es nicht mehr...eingestellt. Wir, ein staatsnaher Baubetrieb, was aber, so denke ich mal im Gegensatz zu anderen Betrieben, kein grober Unterschied war, X-Monteure in verschiedenen Gewerken, gewährleistet wurden wiederum X Vergünstigungen/Erschwernisse für körperlich schwere Arbeiten, so auch Milchgeld, jeden Tag pro Mann ein halber Liter Milch.
Irgendso so ein "Sesselfurzer", ich nannte sie damals so, Leute aus den Büros kam eines schönen Tages auf die dumme Idee, das könnte eingespart werden?
Fazit, offener Streik der Werktätigen...Arbeiter ist der falsche Begriff, stammt es doch vom Lohnarbeiter im System des Kapital, das ging soweit, das die Gewerkschaft zusammen mit den Monteuren durchsetzte, das dieses Milchgeld weiterhin jeden Tag kostenlos aber auch jedem schwer arbeitendem Monteur zustand.
Es ging doch, und das ist nur ein kleines Beispiel der Durchsetzung der ganz einfachen Rechte des werktätigen Mannes, der Frau in der DDR.
Heute, geht der Zeitarbeiter für sagen wir 5,50 Euro Brutto inclusive Dreck, Staub, enormer körperlicher Belastung, ohne Milchgeld jeden Tag seiner Arbeit nach, rechtlos, immer darauf bedacht, die verdammte Unterschrift vom Vorarbeiter zu bekommen, das er was zum abrechnen hat.
Das soll die wahre Zukunft sein? Ich muss mal ganz müde lächeln und gut, das ich meinem ürsprünglich erlernten Beruf in der Baubranche seit geraumer Zeit den Rücken gekehrt habe, so lebe ich wahrlich ruhiger, entspannter, habe Zeit für meine Familie inclusive meiner kleinen Enkelin.

Rainer-Maria


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#9

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 22:40
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Angelo
In ihrem Selbstverständnis war die DDR erster deutscher „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“.

Immer diese halben Sachen. Da war noch mehr, denn richtig hieß es: "Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei."

Zitat von Angelo
Nach einer Umfrage in einem DDR-Kombinat fühlten sich 1989 82 Prozent der Befragten auf Betriebsebene „kaum vertreten“, im Hinblick auf die Politik des Landes sogar 90 Prozent.



Wie würde solch eine Umfrage heute aussehen, welcher Arbeitnehmer fühlt sich wohl schon in seinem Betrieb durch eine Partei vertreten? Und zur Beachtung von Volkes Wille bei der Politik des Landes müssten wir wohl nur einmal nach Afghanistan schauen.

Die DDR war ein Land der Menschen, während die BRD ein Land des Großkapitals ist!

Ansonsten halte ich es wie @Altermaulwurf, dessem wunderbarem Beitrag ich nichts weiter hinzufügen möchte.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 25.09.2010 22:45 | nach oben springen

#10

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 22:59
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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1989, es war das Endstadium der DDR. Ich schrieb schon mal sinngemäß: "Es war eine bleierne Zeit, so ging ich von meinem ganz persönlichen Gefühl in Betrieben aus, in denen wir damals im Raum Leipzig gearbeitet haben".
Der "große Vogel Strauß", die Führungsspitze der DDR muss zu diesem Zeitpunkt aber auch beide Ohren, beide Augen voll im Sand vergraben haben, ähnlich der Volksfremdheit der Politiker heute.
Was sollen diese Umfragen, so Angelo und so interessant der Fred für manche sein mag? Es ist, als ob ich meine Frau frage, ob sie mich noch begehrenswert findet, wenn ich mein eigenes Ding vor lauter Bauch nicht mehr sehe und unangenehm nach Schweiß stinke, weil ich zu faul bin, um einfache Hygenie zu betreiben.
Logisch, sie wendet sich dem Manne zu, der im Gegensatz zu mir etwas auf sich hält. Nur ob Der immer nach "Tabac Original" duftet, immer und zu jeder Zeit, der Geliebte, das bezweifle ich hier schon mal?

Rainer-Maria


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#11

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 23:04
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat

Zitat von Feliks D.

Zitat von Angelo
In ihrem Selbstverständnis war die DDR erster deutscher „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“.

Immer diese halben Sachen. Da war noch mehr, denn richtig hieß es: "Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei."

Zitat von Angelo
Nach einer Umfrage in einem DDR-Kombinat fühlten sich 1989 82 Prozent der Befragten auf Betriebsebene „kaum vertreten“, im Hinblick auf die Politik des Landes sogar 90 Prozent.



Wie würde solch eine Umfrage heute aussehen, welcher Arbeitnehmer fühlt sich wohl schon in seinem Betrieb durch eine Partei vertreten? Und zur Beachtung von Volkes Wille bei der Politik des Landes müssten wir wohl nur einmal nach Afghanistan schauen.

Die DDR war ein Land der Menschen, während die BRD ein Land des Großkapitals ist!

Ansonsten halte ich es wie @Altermaulwurf, dessem wunderbarem Beitrag ich nichts weiter hinzufügen möchte.




felix. vieleicht siehst du die dinge etwas anders wenn du wie ich von geburt an in der brd gelebt hättest?



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#12

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 23:40
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Möglich Glasi, sicher hat uns unsere Herkunft geprägt und uns grundlegende Werte und Überzeugungen vermittelt.

Aber um auf das Thema DDR als Arbeiterstaat zurück zu kommen, in der DDR warst Du trotz aller Probleme als Arbeiter mehr geachtet als hier in der BRD. Hier wird Dir von Oben recht schnell deutlich gemacht was Du als Arbeiter wert bist. Die Veränderungen in der Arbeitswelt sprechen Bände und der Anstieg psychischer Erkrankungen zeigt dies ganz gut auf.
Die zunehmend intensivierte Ausbeutung gerade in der BRD zeigt sich aber auch an Lohnentwicklung, Absicherung im Alter,bei Krankheit oder den massenhaften Missbrauch von Zeitarbeit.
Nach dem die DDR nun nicht mehr vorgeführt werden muss wird ganz ungeniert die Schraube angezogen.


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#13

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 23:50
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat

Zitat von Altermaulwurf
Möglich Glasi, sicher hat uns unsere Herkunft geprägt und uns grundlegende Werte und Überzeugungen vermittelt.

Aber um auf das Thema DDR als Arbeiterstaat zurück zu kommen, in der DDR warst Du trotz aller Probleme als Arbeiter mehr geachtet als hier in der BRD. Hier wird Dir von Oben recht schnell deutlich gemacht was Du als Arbeiter wert bist. Die Veränderungen in der Arbeitswelt sprechen Bände und der Anstieg psychischer Erkrankungen zeigt dies ganz gut auf.
Die zunehmend intensivierte Ausbeutung gerade in der BRD zeigt sich aber auch an Lohnentwicklung, Absicherung im Alter,bei Krankheit oder den massenhaften Missbrauch von Zeitarbeit.
Nach dem die DDR nun nicht mehr vorgeführt werden muss wird ganz ungeniert die Schraube angezogen.


altermaulwurf.da gebe ich dir voll uns ganz recht. aber glaub mir vor 25- 30 jahren sah es bei uns ganz anders. da wurde meiner meinung keiner ausgenutzt. wer bei uns arbeiten wollte fand arbeit. auch als ungelernter konntest du bei uns sein geld verdienen. in urlaub fahren, auto, haus. alles kein problem. 40 jahre in einer firma ? kein problem! LEIHARBEIT in den 80 jahre?? sowas kannte ich damals nicht. HEUTE!! heute ist alles anders. lg glasi



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#14

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 25.09.2010 23:52
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Ja glasi, wir sind so verschieden und da muss ich Feliks einmal Recht geben, wir sind so verschieden in der ganz einfachen Weltanschauung, das geht auf keine Kuhhaut.
Meine Töchter, zumal meine Jüngste werden das mal Alles ganz entspannter angehen wie wir, einfach aus der Betrachtung her, weil sie um die ganz einfachen Sachen aus der Geschichte der beiden deutschen Staaten Westdeutschland und DDR nichts mehr wissen? Wer sollte es Ihnen verdenken, wird doch die Geschichte immer vom Sieger geschrieben, zumindest in den Schulbüchern.
Und sie war es doch...muss ich mal so ganz simpel anfügen, ein "Arbeiterstaat", so gehe ich von meiner ganz persönlichen Entwicklung aus, im Arbeitsleben.
Sie war ein Staat der Werktätigen, etwas ganz besonderes, eigentlich ein Versuch, das Alte antiquierte...so dein Westdeutschland hinter sich zu lassen. Es ist ihr nicht gelungen und kein Neid, das alte antiquierte Westdeutschland, für mich riecht es heute noch muffig, es hat den Sieg davon getragen.
Nur, wie meinte der Peymann mal zum Koch so sinngemäß: "Sie meinen doch nicht ernsthaft, also das dieses heute herrschende System auf ewig in Deutschland Bestand haben wird?"
Olle Koch schluckte und wusste wahrlich nichts zu erwiedern, so erinnere ich mich, auch an sein herlich dummes Gesicht.

Rainer-Maria...und so gehen sie hin, die Systeme, nur der Mensch, der bleibt.


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#15

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 26.09.2010 00:20
von glasi | 2.815 Beiträge

tja rainer. so ist das nun mal. in der verganheit hat uns vieles getrennt. aber in der zukunft sind du, ich und felix einig. so kann und darf es nicht weitergehen. dieser moderner raubkapitalismus macht uns noch alle kaputt. lg glasi. ps: sprich bitte nicht immer von siegern und besiegten. das gibt es nicht. weil ost und west haben dieses ungerechte system am hals.



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#16

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 26.09.2010 01:00
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Zitat von glasi
tja rainer. so ist das nun mal. in der verganheit hat uns vieles getrennt. aber in der zukunft sind du, ich und felix einig. so kann und darf es nicht weitergehen. dieser moderner raubkapitalismus macht uns noch alle kaputt. lg glasi. ps: sprich bitte nicht immer von siegern und besiegten. das gibt es nicht. weil ost und west haben dieses ungerechte system am hals.




Ja die BRD die ich nach der Wende kennen gelernt habe, ist heute nicht mehr existent.
Der Wegfall eines alternativen Gesellschaftssystems wurde gnadenlos ausgenutzt und das zur Verfügung stehende Heer arbeitlos Gemachter, gegen das eigene Volk in soziale Konkurrenz gestellt.
EU und UN betreiben mit ihrer globalisierten Politik das Spiel der Großfinanz und die Front dagegen ist leider immer noch heillos zerstritten.
Wichtig ist ein Bündnis auf breiter gesellschaftlicher Basis gegen Großfinanz und Konzerne, um auf niedrigen Level und Global, Grundbedingungen für soziale Grundnormen und ökonomische Regeln zu schaffen.


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#17

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 26.09.2010 09:39
von LO-Fahrer | 605 Beiträge

Zitat von Wosch
Hallo Lo-Fahrer, bevor Du über Demokratische Wahlen in der BRD weiter lachen tust nimm bitte zur Kenntnis, daß mir im Gegensatz zu den Wahlen in der DDR eher zum Weinen zumute war. Einmal durfte (mußte) ich den Weg zum "Zettelfalten) antreten und gab natürlich das gewünschte "Votum" ab, so wie es von der Obrigkeit "eingefordert" wurde. Da Du dieses "Vergnügen" ja auch zweimal gehabt haben dürftest, müßtest Du Dich eigentlich an die Unterschiede noch erinnern können. Na wegen mir, lach ruhig weiter, soll ja so gesund sein!!
Damit es nicht OT wird: Muß es nicht eigentlich heißen "Volkseigener-Arbeiter und LPG-Bauern-Staat"?
Schönen Gruß aus Kassel.

Hallo Wosch, selbsverständlich war ich auch "Zettelfalten". Die einzigen Unterschiede sind heute, daß Du entscheiden kannst, ob Du überhaupt hingehst, und wenn ja,wo Du dein Kreuzchen setzt. Wessen Name auf dem Zettel draufsteht wird an anderer Stelle entschieden, damals wie heute. Und Du kannst zu 99,5% davon ausgehen daß die Person mit den meißten Kreuzchen zuerst auf ihr eigenes Wohl bedachtet ist und dann die Interessen von Partei und diversen Lobbyfreunden vertritt. Die Interessen des Zettelfalters und Kreuzchenspenders kommen schätzungsweise an 2585. Stelle.


zuletzt bearbeitet 26.09.2010 09:39 | nach oben springen

#18

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 26.09.2010 11:15
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Der Begriff vom Raubtiersozialismus, wie ihn einst Prof. Schröder geprägt hatte, indem er Daten über den Einkommensvergleich des unteren Dezils mit der oberen Einkommensdezimale heranzieht und so zu dem Ergebnis kommt, das die Relation von 1: 4,33 als DDR- Wert ähnlich dem heutigen statistischen Wert sein soll, hat somit eine gewisse Berechtigung.
Zwar gab es wohl im Arbeiter- und Bauern- Staat keine Superreichen wie Albrecht oder Haub, jedoch konnte man doch von einer proletarischen Oberschicht reden, die Chance einer solchen Zugehörigkeit war tatsächlich im Sozialismus gegeben und zwar ohne kriminell werden zu müssen.
Zunächst mußte man Kaufkraftabsauger wie TV- Farbfernseher, Schrankwände oder Schwarzmarktladas links liegen lassen und einen Job mit der Option auf hohe Überstundenaufkommen oder Möglichkeiten der Nebentätigkeit gefunden haben, wie z.B. das Mästen von Stallvieh mit volkseigenen Küchenabfällen, um es dann schlachtreif schwarz zu verkaufen.
Weitere Steigerungen waren sodann nach Verlassen der Legalität drin, indem man sich die sozialistische Subventionspolitik zu Nutze machte, so wie es A. Merkel mit ihrem Blaubeerenhandel in der Annahmestelle vorgemacht hat, indem sie mit einer Komplizin Blaubeeren teuer verkaufte und billig wieder einkaufte und mit diesem Ware- Geld- Kreislauf bereits als Thälmannpionier Pionierleistungen im sozialistischen Subventionsbetrug vollbrachte.
Diese Geschäfte wurden damals von nicht wenigen Zeitgenossen so oder so ähnlich und oft im großen Stil durchgezogen, was nicht gerade von einer soliden Moral zeugt, es geht aber hier um die bestehenden Möglichkeiten.
Zur Problematik der gefühlten und tatsächlichen Armut füge ich einmal einen Artikel bei, der relativ lang aber gespickt mit schlüssigen Argumenten zu sein scheint, jedoch möge man sich selbst seinen Reim darauf machen.
http://www.km.bayern.de/blz/eup/03_05/4.asp
Natürlich mag es wahr sein, daß unsere Sozialsysteme 6 Mio Spätaussiedler und einige Mio Ostrentnerinnen mit viel höheren Ansprüchen als Westrentnerinnen mit weniger Erwerbsjahren locker verkraftet haben aber der Hinweis, daß ohne Transfers aus dem Westen und Steuerzuschüsse ein ostdeutscher Arbeitnehmer 50 % Rentenbeitrag zu zahlen hätte macht nicht gerade Mut.
Wenn eine Kölnerin mit 900 Euro Einkommen z.B. nach Emden übersiedeln würde wäre sie in Köln arm, im Norden aber nicht mehr.
Daraus wird ersichtlich wie man mit solchen Statistiken Schindluder treiben kann, was leider auch C. Luft von der Linkspartei getan hat, um politische Wahlziele zu erreichen.
All das sind Eindrücke, die man nach der Lektüre des Artikels bekommen kann.
Was am Ende bleibt, ist wieder einmal der besorgte Blick auf die horrende Staatsverschuldung, mit der man alles noch ruhig zu stellen versucht.



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#19

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 26.09.2010 13:46
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von wosch

Zitat von LO-Fahrer
Die DDR war genausowenig ein "Arbeiter und Bauern Staat" wie die heutige BRD. Die politische Macht wird (damals wie heute) von einer mehr oder weniger selbst ernannten Gruppe von Politfunktionären ausgeübt, der wirkliche Wille des Volkes wird dabei weitestgehend ignoriert oder sogar als störend empfunden. Demokratische Wahlen.... daß ich nicht lache. In der Realität seht es doch so aus, daß die Politiker das gefälligst umzusetzen haben, was die Lobby anordnet. Bestes Beispiel: Laufzeitverlängerung für AKW oder "Gesundheitsreform". Der deutsche "Bürger" hat an dieser Stelle genau so wenig mitzureden oder gar zu entscheiden wie zu DDR-Zeiten der Angehörige der (herrschenden) Arbeiter-und-Bauern-Klasse. Die Einflussnahme des "einfachen Volkes" ist damals wie heute unerwünscht.




Hallo Lo-Fahrer, bevor Du über Demokratische Wahlen in der BRD weiter lachen tust nimm bitte zur Kenntnis, daß mir im Gegensatz zu den Wahlen in der DDR eher zum Weinen zumute war. Einmal durfte (mußte) ich den Weg zum "Zettelfalten) antreten und gab natürlich das gewünschte "Votum" ab, so wie es von der Obrigkeit "eingefordert" wurde. Da Du dieses "Vergnügen" ja auch zweimal gehabt haben dürftest, müßtest Du Dich eigentlich an die Unterschiede noch erinnern können. Na wegen mir, lach ruhig weiter, soll ja so gesund sein!!
Damit es nicht OT wird: Muß es nicht eigentlich heißen "Volkseigener-Arbeiter und LPG-Bauern-Staat"?

Schönen Gruß aus Kassel.



Eine gute Antwort gegen den Lo -Fahrer Gruß linamax


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#20

RE: „Die DDR war ein Arbeiterstaat“ ?

in Mythos DDR und Grenze 26.09.2010 13:53
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Linamax, wenn ich es richtig gelesen habe, dann warst du im Arbeitsleben in der DDR Konditor? Erzähl doch ganz einfach mal aus dieser Zeit, würde mich interessieren?

Rainer-Maria


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