#41

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 10:56
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von snjunge
Nach 4 monatiger Einzelhaft in der U-Haft des MfS Schwerin am Demmlerplatz kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es sich bei den hier dargestellten "Papierunterlagen" wahrscheinlich um theoretische Schulungsunterlagen handelt.

Die Praxis, die ich dort erlebt habe, habe ich "doch" anders in Erinnerung.

Theorie und Praxis unterscheiden sich in der Realität.

Täter- und Opferaussagen werden sich immer unterscheiden, weil die Täter sich vor der Öffentlichkeit bestmöglichst darstellen wollen.

Gruß snjunge



Morgen SN,

da Du nun hier angemeldet bist und daher scheinbar auch äußern willst erlaube ich mir Dir 2 Fragen zu stellen.

1. Wann war deine U-Haft
2. Was genau hast Du anders in Erinnerung und vor allem wie?




Mit dem Wort Täter würde ich mich jedoch etwas zurückhalten! Erstens ist die inflationäre Verwendung dieses Begriffes im Bezug auf das MfS nicht nur unqualifiziert, sondern mit der Zeit auch ermüdend und zweitens wüßte ich nicht, dass diese Bezeichnung für mich und andere hier nach § 25 StGB amtlich festgestellt wurde. Da nun selbst dieser Rechtsstaat dafür keine Grundlage finden konnte, solltest Du ebenfalls darauf verzichten. Siehst Du dies anders, dann kommen wohl eher die Gründe die @seaman anführte zum tragen.

Warum sollten sich nun also ehem. MA in der Öffentlichkeit bestmöglichst darstellen wollen? Die Strafrente ist doch längst realisiert und wird auch nicht mehr abgeschafft werden, da bringt es doch den "Opfern" weitaus mehr sich in der Öffentlichkeit in ihrem Sinne zu profilieren.. Gibt es doch hier z.B. seit dem StrRehaG sogar noch etwas zu holen.

Wer hat nun die besseren Gründe seine Aussagen etwas zu optimieren?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 03.11.2010 10:57 | nach oben springen
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#42

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 11:04
von wosch (gelöscht)
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Zitat von seaman
Wollte nur mal zu bedenken geben,Verhöre ,U-Haft und das damit zusammenhängende Procedere,von Hausdurchsuchung,Leibesvisitation,Verhaftung bis zur Isolation von Angehörigen,stellen immer für den Betroffenen einen gravierenden Einschnitt in sein bisheriges Leben dar.
Keiner wird das als Treffen mit Freunden betrachten und je nach Psyche als eine bedrohliche Streßsituation empfinden.
Den Staat und seinen Vollzugsorganen wird man als die,an dieser persönlichen Situation, Schuldigen schnell ausmachen.
Da sind Begriffe wie Menschverachtung,ohnmächtige Wut und Hass schnell verinnerlicht.
Also nicht nur für DDR-Haftanstalten typisch von Betroffenen so empfunden.

seaman





Es kommt wohl auch immer etwas darauf an, wieso man in den Genuß einer solchen U-Haft gekommen war! Wenn man sich einer Schuld bewußt ist, weil man sich kriminell betätigt hatte, wird man die Unannemlichkeiten der U-Haft ganz anders wegstecken als die Inhaftierten, welche nur auf die Ihnen zugesichertes Rechte der "Freizügigkeit" Anspruch erhoben hatten. Das Einsperren von im Grunde genommen unschuldigen Menschen aus Gründen des eigenen Machterhaltes ist auch im Nachhinein durch nichts zu rechtfertigen und der Verweis auf Zustände in den Haftanstalten in der BRD entsprechen auch nicht der Wirklichkeit, da sich die Zustände in Diesen mit Denen in der DDR überhaupt nicht vergleichen ließen. Mir ist nicht bekannt, daß man in den Haftanstalten der BRD seines Namens verlustig wurde und nur noch eine Nummer war!! Man könnte jetzt noch von den Rechten sprechen, die auch dem U-Häftling auf dem Papier zustehen, die aber in der DDR-Praxis niemals zur Geltung kamen, man braucht sich bloß die Berichte von ehemaligen Häftlingen zu Gemüte führen, mann kann natürlich auch den Geschichten vom ehemaligen MfS-Personal Glauben schenken, ganz wie es beliebt und auf welcher Seite das Herz schlägt!
Schönen Gruß aus Kassel.


zuletzt bearbeitet 03.11.2010 11:05 | nach oben springen
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#43

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 11:07
von seaman | 3.487 Beiträge

Ziehe mich aus der Diskussion zurück...

seaman


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#44

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 11:27
von Alfred | 6.841 Beiträge

Wosch,

auch ind der U - Haft der BRD bist Du eine Nummer, nur mal als Info.

Generalobrst Streletz schildert dies u.a. mal so und da war er auch schon 64 Jahre alt:

"Es sei mir jedoch gestattet, ein Schreiben des Vorsitzenden Richters des Landgerichtes Berlin an den Anstaltsleiter zu zitieren, dass einen bestimmten Aufschluß über meine Lage in der Untersuchungshaft gibt.
In diesen Schreiben heißt es:
"Betrifft den Untersuchungsgefangenen Fritz Streletz der Justizvollzugsanstalt Moabit, Gefangenenbuch Nr. 2296/91 (Wobei diese Nummer immer wichtiger war als der Name. Danach wurde man immer eingeteilt, wurde man immer aufgerufen, wurde man sortiert)
Unter Bezugnahme auf das heutige Telefongespräch teile ich mit, dass von hier aus keine Bedenken bestehen, dass der oben angeführte Untersuchungsgefangene nach Maßgabe der technischen und personellen Möglichkeiten ein- bis zweimal monatlich unter Bewachung mit seiner Ehefrau telefoniert. Ich bitte ebenfalls, die Voraussetzungen für die Teilnahme an einer zweiten Freistunde und für einen Haftraum mit Stromversorgung zu schaffen, da der oben angeführte Untersuchungsgefangene sich seit dem 20. Mai 1991, d. h. fast 14 Monate, in U-Haft befindet.
Der Vorsitzende, ´Bräutigam´, Vorsitzender Richter am Landgericht."
Aus diesen Schreiben ist ersichtlich:
- 14 Monate befand ich mich in einer Zelle ohne Stromanschluß
- über ein Jahr war es mir nicht erlaubt, mit meiner Frau zu telefonieren,
- über 400 Tage durfte ich mich täglich nur eine Stunde an der frischen Luft bewegen, 23 Stunden saß ich täglich in der Zelle.
Da ich unter die Kategorie "Tatgenossen" fiel - das heißt tatsächlich so in westdeutschen Sprachgebrauch bei der Justiz, das hat nichts mit unseren Genossen zu tun, ich hatte einen großen blauen Punkt auf meiner Zellentür - bedeutete das:
- keine Teilnahme am Sport,
- keine Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen,
- keine Teilnahme an der Arbeit von Beschäftigungsgruppen sowie
- eine Reihe weiterer Einschränkungen ."

Zitat Ende.


Gert,

die Aktion "Sonnenschein" ist auch heute kein positives Erlebnis.


zuletzt bearbeitet 03.11.2010 11:34 | nach oben springen
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#45

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 11:29
von josy95 | 4.915 Beiträge

@Feliks D., sehr gutes Material, endlich mal wieder ein sehr interessantes und gut recheriertes Thema!

Auch wenn (logisch - warum sollte es auch anders sein, dafür sind wir alle hier!) es unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen, Erlebnisse gibt, seien mir drei Bemerkungen gestattet.

1. Hatte ich nicht das (zweifelhafte) "Vergnügen", jemals in U- Haft oder sonstiger Haft einzusitzen, es ist mir bis jetzt auch erspart geblieben, dort jemanden besuchen zu müssen. Für mich war und ist (!!!) der äußere Anblick einer Haftanstalt schon deprmierend und in gewisser Weise angst- und furchteinflößend genug!

2. Das in den s. g. Verwahrbochsen und eingebauten Zwischenböden 3 Gefangene eingepfercht werden sollten oder vielleicht gar waren, halte ich auch für absolut aus dem Reich der Fantasie. Wenn man dort drei Hunde mittlerer Größe reinbekommt ist das schon viel. Da glaub ich wirklich, das die Zwischenböden nur dazu vorgesehen waren, diese Verwahrboxen auch anderweitig und, wie beschrieben nutzen zu können. Obwohl die Bezeichnung Verwahrbox für mich einen gewissen faden Beigeschmack hat. Verwahren in einer "BOX" tut man in der Regel Gegenstände, allenfalls Tiere, aber keine Menschen! Möchte hier aber keineswegs eine Wortklauberei oder Erbsenzählung anfangen!

3. Über Methoden und Auslegung von Vorschriften habe ich meine eigene Meinung. Da hat es schon immer Menschen gegeben, gibt es auch heute noch(!), die besonders vom Ergeiz zerfressen, also aus den berühmt - berüchtigten niederen Beweggründen mit einer Art krankhafter Fantasie, einem krankhaften Einfallsreichtum eben diese Vorschriften nur für sich ausgelegen und umsetzten bzw. dies getan haben. Dieses in einer dann oft unheilvollen Verstrickung wie der Häufung in Anzahl deratiger Personen und duldenden Verhaltensweisen von Vorgesetzten, Kontrollgremien ect. .
Getreu dem Motto: Hat hier einer was gesehen...???

Darum: Nichts ist unmöglich. Gestern nicht wie heute. Wichtig dabei sind nur glaubhafte (Zeit-) Zeugen!


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 03.11.2010 11:32 | nach oben springen
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#46

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 11:45
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Alfred
Wosch,

auch ind der U - Haft der BRD bist Du eine Nummer, nur mal als Info.

Generalobrst Streletz schildert dies u.a. mal so und da war er auch schon 64 Jahre alt:

"Es sei mir jedoch gestattet, ein Schreiben des Vorsitzenden Richters des Landgerichtes Berlin an den Anstaltsleiter zu zitieren, dass einen bestimmten Aufschluß über meine Lage in der Untersuchungshaft gibt.
In diesen Schreiben heißt es:
"Betrifft den Untersuchungsgefangenen Fritz Streletz der Justizvollzugsanstalt Moabit, Gefangenenbuch Nr. 2296/91 (Wobei diese Nummer immer wichtiger war als der Name. Danach wurde man immer eingeteilt, wurde man immer aufgerufen, wurde man sortiert)
Unter Bezugnahme auf das heutige Telefongespräch teile ich mit, dass von hier aus keine Bedenken bestehen, dass der oben angeführte Untersuchungsgefangene nach Maßgabe der technischen und personellen Möglichkeiten ein- bis zweimal monatlich unter Bewachung mit seiner Ehefrau telefoniert. Ich bitte ebenfalls, die Voraussetzungen für die Teilnahme an einer zweiten Freistunde und für einen Haftraum mit Stromversorgung zu schaffen, da der oben angeführte Untersuchungsgefangene sich seit dem 20. Mai 1991, d. h. fast 14 Monate, in U-Haft befindet.
Der Vorsitzende, ´Bräutigam´, Vorsitzender Richter am Landgericht."
Aus diesen Schreiben ist ersichtlich:
- 14 Monate befand ich mich in einer Zelle ohne Stromanschluß
- über ein Jahr war es mir nicht erlaubt, mit meiner Frau zu telefonieren,
- über 400 Tage durfte ich mich täglich nur eine Stunde an der frischen Luft bewegen, 23 Stunden saß ich täglich in der Zelle.
Da ich unter die Kategorie "Tatgenossen" fiel - das heißt tatsächlich so in westdeutschen Sprachgebrauch bei der Justiz, das hat nichts mit unseren Genossen zu tun, ich hatte einen großen blauen Punkt auf meiner Zellentür - bedeutete das:
- keine Teilnahme am Sport,
- keine Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen,
- keine Teilnahme an der Arbeit von Beschäftigungsgruppen sowie
- eine Reihe weiterer Einschränkungen ."

Zitat Ende.


Gert,

die Aktion "Sonnenschein" ist auch heute kein positives Erlebnis.




Lieber Alfred, mir ist nicht bekannt, daß man in den Haftanstalten der BRD mit ´ner Nummer angeredet wurde, bzw. daß man sich mit einer Nummer melden mußte. Daß jedem Häftling in der BRD eine Tagebuchnummer (oder wie sie sonst noch heißen möge) zu Registrierungszwecken zugeordnet wird hat ja wohl mit dem entwürdigen Umgang des Nichtanspechens mit dem Namen nichts zu tun. In der BRD heißt es nach wie vor Herr oder Frau XYZ und das trifft auch auf die U-Häftlinge zu.
Schönen Gruß aus Kassel.

Und zu seaman: Mein Gutster, wenn Du jedesmal abhauen möchtest wenn ich auftauche, wirst Du noch viel zu tun haben.
Ebenfalls einen schönen Gruß aus Kassel.


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#47

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 11:50
von Alfred | 6.841 Beiträge

Wosch,

komisch.

Wenn Personen die in Haftanstalten der BRD einsaßen etwas feststellen, so kann dies nicht sein. Stellen dies Personen fest, die in der DDR einsaßen, dann war das so....


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#48

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 12:35
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote="Alfred"]

(Zitat @Alfred Auszüge)


Generalobrst Streletz schildert dies u.a. mal so und da war er auch schon 64 Jahre alt:

In diesen Schreiben heißt es:
"Betrifft den Untersuchungsgefangenen Fritz Streletz der Justizvollzugsanstalt Moabit, Aus diesen Schreiben ist ersichtlich:
- 14 Monate befand ich mich in einer Zelle ohne Stromanschluß
- über ein Jahr war es mir nicht erlaubt, mit meiner Frau zu telefonieren,
- über 400 Tage durfte ich mich täglich nur eine Stunde an der frischen Luft bewegen, 23 Stunden saß ich täglich in der Zelle.
Da ich unter die Kategorie "Tatgenossen" fiel - das heißt tatsächlich so in westdeutschen Sprachgebrauch bei der Justiz, das hat nichts mit unseren Genossen zu tun, ich hatte einen großen blauen Punkt auf meiner Zellentür - bedeutete das:
- keine Teilnahme am Sport,
- keine Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen,
- keine Teilnahme an der Arbeit von Beschäftigungsgruppen sowie
- eine Reihe weiterer Einschränkungen ."

Zitat Ende.


@Alfred,

ich lese das mit einer gewissen Genugtuung, tut mir leid, aber dem ist so!

Da hat der feine Herr Fritz Streletz mal annähernd und hautnah erleben dürfen, wie es Häftlingen erging, die auch unter seiner Mitwirkung und seinen garantiert dem gängigen SED- Jargon 100% angepaßten "Wertschätzungen" und Wortschöpfungen" zu diesen Häftlingen in DDR- Haftanstalten einsaßen! "Wertschätzungen und Wortschöpfungen"? Garantiert auch verbale Kreationen, Erfindungen seines geistigen Eigentums, seines Wortschatzes!
Ich beziehe mich hier bewußt auf politisch einsitzende Häftlinge und Häftlinge der berüchtigten Armeestrafanstalt Schwedt an der Oder, und klammere hier die Strafgefangenen aus, die wegen Mord und Totschlag und anderer gravierender Kapitaldelikte einsaßen. Sagt Dir der Armeeknast in Schwedt etwas??? Hier saßen Armeeangehöhrige wegen oftmals lapidarer Dinge wie Suizidversuch, anderer relativ harmloser Disziplinarverstöße ein. Manchmal glaub ich das nicht. Sonst würdest Du hier nicht so Partei ergreifen!
Und ob ich da mitreden kann? Klares JA! Hab selbst während meiner NVA- Zeit 3 Kameraden erlebt, die als total psychisch gebrochene Menschen, besser menschliche Wracks von dort zurückkehrten, und das nach nur 6 Monaten!

Sowas ist und bleibt der Würde eines Menschen extrem verachtend und gehört knallhart bestraft. Dabei gehe ich davon aus, das der Herr Streletz sich noch glücklich schätzen kann, in einem Knast der BRD gelandet zu sein! Hätte die DDR noch weiter fortbestanden und er hätte damit zu realen DDR- Haftbedingungen einsitzen müssen, wäre es ihm bestimmt noch etwas sauerer aufgestoßen, ganz geschweige davon, hätte er in der auch unter seinere Regie geführten NVA- Haftanstalt Schwedt eingesessen. Zu eben diesen Bedingungen, wie sie bis November 1989 bestanden haben!

Und wenn ich dann noch lese, "...keine Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen", @Alfred, dann kommen mir die Tränen! Aber nicht die Mitleidstränen, sondern Wuttränen in Verbindung mit Tränen vor lauter lachen, so grotesk wie das auch klingen mag!

josy95


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zuletzt bearbeitet 03.11.2010 12:38 | nach oben springen
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#49

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 12:42
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Alfred
Wosch,

auch ind der U - Haft der BRD bist Du eine Nummer, nur mal als Info.

Generalobrst Streletz schildert dies u.a. mal so und da war er auch schon 64 Jahre alt:

"Es sei mir jedoch gestattet, ein Schreiben des Vorsitzenden Richters des Landgerichtes Berlin an den Anstaltsleiter zu zitieren, dass einen bestimmten Aufschluß über meine Lage in der Untersuchungshaft gibt.
In diesen Schreiben heißt es:
"Betrifft den Untersuchungsgefangenen Fritz Streletz der Justizvollzugsanstalt Moabit, Gefangenenbuch Nr. 2296/91 (Wobei diese Nummer immer wichtiger war als der Name. Danach wurde man immer eingeteilt, wurde man immer aufgerufen, wurde man sortiert)
Unter Bezugnahme auf das heutige Telefongespräch teile ich mit, dass von hier aus keine Bedenken bestehen, dass der oben angeführte Untersuchungsgefangene nach Maßgabe der technischen und personellen Möglichkeiten ein- bis zweimal monatlich unter Bewachung mit seiner Ehefrau telefoniert. Ich bitte ebenfalls, die Voraussetzungen für die Teilnahme an einer zweiten Freistunde und für einen Haftraum mit Stromversorgung zu schaffen, da der oben angeführte Untersuchungsgefangene sich seit dem 20. Mai 1991, d. h. fast 14 Monate, in U-Haft befindet.
Der Vorsitzende, ´Bräutigam´, Vorsitzender Richter am Landgericht."
Aus diesen Schreiben ist ersichtlich:
- 14 Monate befand ich mich in einer Zelle ohne Stromanschluß
- über ein Jahr war es mir nicht erlaubt, mit meiner Frau zu telefonieren,
- über 400 Tage durfte ich mich täglich nur eine Stunde an der frischen Luft bewegen, 23 Stunden saß ich täglich in der Zelle.
Da ich unter die Kategorie "Tatgenossen" fiel - das heißt tatsächlich so in westdeutschen Sprachgebrauch bei der Justiz, das hat nichts mit unseren Genossen zu tun, ich hatte einen großen blauen Punkt auf meiner Zellentür - bedeutete das:
- keine Teilnahme am Sport,
- keine Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen,
- keine Teilnahme an der Arbeit von Beschäftigungsgruppen sowie
- eine Reihe weiterer Einschränkungen ."

Zitat Ende.


Gert,

die Aktion "Sonnenschein" ist auch heute kein positives Erlebnis.



@Alfred rot zitiert . Verstehe nicht , was du mir da sagen willst ????


Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#50

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 12:45
von Alfred | 6.841 Beiträge

Josy,

Du kannst einschätzen was Du möchtest, damit kann ich leben.

Es geht nur um die Tatsache, dass von einigen die Bedingungen der U - Haft in der BRD doch sehr verschoben dargestellt werden. Sprich als gebe es bestimmte Sachen nur in der DDR und nicht in der BRD.

Und frag mal KID wie es in entsprechenden Einrichtungen in den USA zugeht ........


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#51

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 12:50
von Alfred | 6.841 Beiträge

Gert ,

"Aktion Sonnenschein" ?

Das ist Knackisprache und ist der Begriff wenn man sich bücken darf und die Beamten dann ihrer Aufgabe walten.....


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#52

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 13:00
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@josy, zu schwedt gibt es ein extra forum, wo auch du dich anmelden kannst. dort geht es sachlicher zu (zwischen allen parteien) als du es z.zt. bist...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#53

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 13:05
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Alfred
Gert ,

"Aktion Sonnenschein" ?

Das ist Knackisprache und ist der Begriff wenn man sich bücken darf und die Beamten dann ihrer Aufgabe walten.....




OK kannte ich nicht diesen Begriff, liegt daran dass mir das alles erspart blieb. Ich war in meinem Leben nie in einem Knast außer in HSH zu einer Besichtigung/Museum wie du es nennen willst.

Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#54

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 13:15
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Alfred
Josy,

Du kannst einschätzen was Du möchtest, damit kann ich leben.

Es geht nur um die Tatsache, dass von einigen die Bedingungen der U - Haft in der BRD doch sehr verschoben dargestellt werden. Sprich als gebe es bestimmte Sachen nur in der DDR und nicht in der BRD.

Und frag mal KID wie es in entsprechenden Einrichtungen in den USA zugeht ........




@Alfred, da möchte, kann und will ich Dir nicht wiedersprechen!

Sag nur eines dazu, Schwerkriminelle wie Mörder, Kinderschänder, Millionengauner, Geiselgangster, Terroristen ect. haben es nicht anders verdient! Nur wenn politische Häftlinge, relativ harmlose Kleinkriminelle, der Pechvogel im Straßenverkehr mit Schwerkrimminellen auf eine Stufe, in einen "Pott" geworfen werden, dann ist das ein wahrliches ernsthaftes Problem!

Und für die, die dieses Problem (politisch) als Gesetzgeber zu verantworten haben, ist es mehr als müßig, wenn sie sich irgendwann mal vor einem irdischen Gericht eben dafür zu verantworten haben und unter selbigen Bedingungen ihre gerechte Strafe verbüßen müssen. Früher wie heute und auch in Zukunft!


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#55

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 13:26
von YYYYYYYY (gelöscht)
avatar

zum thema haftbedingungen in der brd weiter unten.



Leiden im Knast sind menschenrechtswidrig

Für die Haftbedingungen in Deutschland finden Experten zwei Worte: "trostlos und schockierend“. Bürgerrechtler zeichnen ein düsteres Bild des Lebens in deutschen Gefängnissen.

„Die Haftbedingungen in deutschen Gefängnissen sind nicht mehr vereinbar mit den Menschenrechten.“ Zu diesem Fazit kam am Wochenende das Komitee für Grundrechte und Demokratie. Die Bürgerrechtsorganisation hatte in Bonn zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen, Thema der Expertenrunde waren die Lebensbedingungen im Gefängnis. Dort verbüßen derzeit rund 75 000 Menschen eine Freiheitsstrafe.



hier gehts weiter http://www.tagesspiegel.de/politik/deuts...ig/1330558.html


ist doch interessant



wer den tagesspiegel nicht mag ..............................------->http://www.handelsblatt.com/archiv/laend...ingungen;795035


zuletzt bearbeitet 03.11.2010 13:28 | nach oben springen
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#56

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 13:30
von chucky | 1.213 Beiträge

nur die haft soll ja kein urlaub sein, ansonst kann man sich das ja sparen. obwohl für einige menschen ist der knast besseres leben.


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#57

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 13:40
von YYYYYYYY (gelöscht)
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das es kein urlaub sein soll , ist mir schon klar.ich wollte lediglich darauf aufmerksam machen , das es eben auch in der brd bedingungen gibt , die fragwürdig sind.

@ feliks

mich würde interessieren , wie oft ein untersuchungshäftling schreiben durfte? einmal im monat oder einmal die woche? gab es da unterschiede beim MfS und MdI?
ich hoffe die frage ist nicht blöd gestellt

VG
Janos


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#58

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 15:17
von YYYYYYYY (gelöscht)
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was ich gefunden habe zum thema post..........

Post- und Besuchsregelungen
Bis 1951 war es den Untersuchungsgefangenen des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes in
Hohenschönhausen generell nicht möglich, mit ihren Angehörigen in Kontakt zu treten. Sie durften
weder Briefe schreiben noch Besuch empfangen. Erst nach der Verurteilung war den Häftlingen
gestattet, sich mit ihren Familien in Verbindung zu setzen.138 Auch nach der Übernahme der
Haftanstalt durch die Stasi konnten die Gefangenen in der Regel nicht mit ihren Angehörigen
kommunizieren. Noch 1953 wurde angeordnet, den Inhaftierten keine Schreib- oder Besuchserlaubnis
zu erteilen.139 Um den „Erfolg“ der Ermittlungen nicht zu gefährden, sollten die Inhaftierten möglichst
isoliert bleiben und keine Gelegenheit zum Austausch mit ihren Angehörigen bekommen.
Ausgewählten Gefangenen war jedoch erlaubt, ihren Angehörigen zu schreiben oder Post zu
empfangen. Gustav Just, der 1957 fünf Monate in Hohenschönhausen verbringen musste, schildert,
dass ihm seine Ehefrau zu Ostern Schokolade schicken durfte.140
Auch in den 1960er Jahren bildeten Besuchstermine und Postkontakte die Ausnahme, meist wurden
sie erst nach Abschluss der Untersuchungen oder nach der Verurteilung genehmigt.141 So berichtet
ein Häftling, dass er erst nach Beendigung der Vernehmungen Post von seiner Mutter erhalten
hatte.142 Ein anderer empfing zum ersten Mal Besuch nach der Verurteilung – rund sechs Monate
nach seiner Verhaftung.143
Eine Bestimmung von 1968 erlaubte Besuch und Postempfang von den nächsten Angehörigen während
der Untersuchungshaft. Formal war die Genehmigung vom zuständigen Staatsanwalt und Gericht
abhängig.144 Wie schnell die Inhaftierten nach ihrer Einlieferung in die Untersuchungshaftanstalt
eine Besuchs- oder Schreiberlaubnis erhielten, wurde uneinheitlich gehandhabt. Die Regelung von
1968 gestattete dem Untersuchungshäftling, monatlich drei Briefe zu schreiben und zu erhalten
sowie einmal pro Monat für dreißig Minuten Besuch zu empfangen.145 Es lag jedoch im Ermessen des
Vernehmers, ob und welche Post den Inhaftierten ausgehändigt wurden.146
137 Interview mit Mario R. am 21.10.1998 (1987 in Haft).
138 Müller (1999), S. 63.
139 Vgl. Dienstanweisung Nr. 38/53 des Staatsekretärs SfS v. 1.12.1953 zur Zusammenarbeit der Organe des Staatssekretariats
für Staatssicherheit mit den Organen der Staatsanwaltschaft (GVS 3666/53), zit. n.: Beleites (2004), S. 41.
140 Vgl. Interview mit Gustav Just vom 29.11.2007.
141 Vgl. Sigrid Paul: „Mauer durchs Herz“, in: Knabe (2007), S. 243 (1963 inhaftiert); vgl. Interviews mit Günter Gerhard F. vom
30.8.1999 (1964 inhaftiert) und Hans-Jochen S. vom 16.4.2008 (1968/69 inhaftiert).
142 Vgl. Interview mit Werner G. vom 18.10.1999 (1964 in Haft).
143 Vgl. Interview mit Rüdiger O. vom 22.9.1996 (1962 in Haft).
144 Vgl. „Gemeinsame Anweisung über die Durchführung der Untersuchungshaft (Untersuchungshaftvollzugsordnung)“,
8.11.1968, BStU, MfS, ZA Minister, Tgb. Nr. BdL/69, S. 10f.
145 Vgl. ebd., S. 11.
146 Vgl. Interview mit Hans-Dieter C. vom 16.5.2008 (1978 in Hohenschönhausen); Fuchs (2009).
23
Briefe von Angehörigen oder vom zuständigen Verteidiger mussten die Untersuchungsgefangenen im
Beisein des Vernehmers lesen, anschließend wurden sie zu den Ermittlungsunterlagen gegeben. Post
durfte grundsätzlich nicht mit in die Zelle genommen werden. Wurde den Inhaftierten eine Schreiberlaubnis
erteilt, mussten sie ihre Briefe im Beisein des Vernehmers verfassen.147 Es durften keinerlei
Angaben zum Untersuchungsstand oder zu den Haftbedingungen übermittelt werden. Entsprach der
Brief nicht den formalen Anforderungen, musste er neu verfasst werden. Da die Häftlinge häufig versuchten,
ihren Angehörigen Informationen jenseits profaner Inhalte zukommen zu lassen, konnte die
Prozedur unter Umständen mehrere Male wiederholt werden, bis der Brief den Vorstellungen des
Vernehmers entsprach.148
Die Besuchstermine und die prozessvorbereitenden Anwaltsgespräche fanden unter Anwesenheit
des leitenden Vernehmers in der Berliner Magdalenenstraße statt.149 Die Inhaftierten durften auch
hier nicht über die Haftbedingungen oder über das Verfahren sprechen. Verstießen die Häftlinge gegen
diese Vorschrift, wurde der Besuchstermin abgebrochen. Für viele Untersuchungsgefangene war
der Kontakt zu den Angehörigen – meist nach längerer Zeit in Haft – emotional äußerst belastend;
einige von ihnen verzichteten daher auf weitere Besuchstermine.



aus.....http://www.stiftung-hsh.de/downloads/CAT...B-MfSONLINE.pdf



entspricht das der norm , oder war das von uha zu uha anders?


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#59

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 15:36
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von HpTGefr82
was ich gefunden habe zum thema post..........

Post- und Besuchsregelungen
Bis 1951 war es den Untersuchungsgefangenen des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes in
Hohenschönhausen generell nicht möglich, mit ihren Angehörigen in Kontakt zu treten. Sie durften
weder Briefe schreiben noch Besuch empfangen. Erst nach der Verurteilung war den Häftlingen
gestattet, sich mit ihren Familien in Verbindung zu setzen.138 Auch nach der Übernahme der
Haftanstalt durch die Stasi konnten die Gefangenen in der Regel nicht mit ihren Angehörigen
kommunizieren. Noch 1953 wurde angeordnet, den Inhaftierten keine Schreib- oder Besuchserlaubnis
zu erteilen.139 Um den „Erfolg“ der Ermittlungen nicht zu gefährden, sollten die Inhaftierten möglichst
isoliert bleiben und keine Gelegenheit zum Austausch mit ihren Angehörigen bekommen.
Ausgewählten Gefangenen war jedoch erlaubt, ihren Angehörigen zu schreiben oder Post zu
empfangen. Gustav Just, der 1957 fünf Monate in Hohenschönhausen verbringen musste, schildert,
dass ihm seine Ehefrau zu Ostern Schokolade schicken durfte.140
Auch in den 1960er Jahren bildeten Besuchstermine und Postkontakte die Ausnahme, meist wurden
sie erst nach Abschluss der Untersuchungen oder nach der Verurteilung genehmigt.141 So berichtet
ein Häftling, dass er erst nach Beendigung der Vernehmungen Post von seiner Mutter erhalten
hatte.142 Ein anderer empfing zum ersten Mal Besuch nach der Verurteilung – rund sechs Monate
nach seiner Verhaftung.143
Eine Bestimmung von 1968 erlaubte Besuch und Postempfang von den nächsten Angehörigen während
der Untersuchungshaft. Formal war die Genehmigung vom zuständigen Staatsanwalt und Gericht
abhängig.144 Wie schnell die Inhaftierten nach ihrer Einlieferung in die Untersuchungshaftanstalt
eine Besuchs- oder Schreiberlaubnis erhielten, wurde uneinheitlich gehandhabt. Die Regelung von
1968 gestattete dem Untersuchungshäftling, monatlich drei Briefe zu schreiben und zu erhalten
sowie einmal pro Monat für dreißig Minuten Besuch zu empfangen.145 Es lag jedoch im Ermessen des
Vernehmers, ob und welche Post den Inhaftierten ausgehändigt wurden.146
137 Interview mit Mario R. am 21.10.1998 (1987 in Haft).
138 Müller (1999), S. 63.
139 Vgl. Dienstanweisung Nr. 38/53 des Staatsekretärs SfS v. 1.12.1953 zur Zusammenarbeit der Organe des Staatssekretariats
für Staatssicherheit mit den Organen der Staatsanwaltschaft (GVS 3666/53), zit. n.: Beleites (2004), S. 41.
140 Vgl. Interview mit Gustav Just vom 29.11.2007.
141 Vgl. Sigrid Paul: „Mauer durchs Herz“, in: Knabe (2007), S. 243 (1963 inhaftiert); vgl. Interviews mit Günter Gerhard F. vom
30.8.1999 (1964 inhaftiert) und Hans-Jochen S. vom 16.4.2008 (1968/69 inhaftiert).
142 Vgl. Interview mit Werner G. vom 18.10.1999 (1964 in Haft).
143 Vgl. Interview mit Rüdiger O. vom 22.9.1996 (1962 in Haft).
144 Vgl. „Gemeinsame Anweisung über die Durchführung der Untersuchungshaft (Untersuchungshaftvollzugsordnung)“,
8.11.1968, BStU, MfS, ZA Minister, Tgb. Nr. BdL/69, S. 10f.
145 Vgl. ebd., S. 11.
146 Vgl. Interview mit Hans-Dieter C. vom 16.5.2008 (1978 in Hohenschönhausen); Fuchs (2009).
23
Briefe von Angehörigen oder vom zuständigen Verteidiger mussten die Untersuchungsgefangenen im
Beisein des Vernehmers lesen, anschließend wurden sie zu den Ermittlungsunterlagen gegeben. Post
durfte grundsätzlich nicht mit in die Zelle genommen werden. Wurde den Inhaftierten eine Schreiberlaubnis
erteilt, mussten sie ihre Briefe im Beisein des Vernehmers verfassen.147 Es durften keinerlei
Angaben zum Untersuchungsstand oder zu den Haftbedingungen übermittelt werden. Entsprach der
Brief nicht den formalen Anforderungen, musste er neu verfasst werden. Da die Häftlinge häufig versuchten,
ihren Angehörigen Informationen jenseits profaner Inhalte zukommen zu lassen, konnte die
Prozedur unter Umständen mehrere Male wiederholt werden, bis der Brief den Vorstellungen des
Vernehmers entsprach.148
Die Besuchstermine und die prozessvorbereitenden Anwaltsgespräche fanden unter Anwesenheit
des leitenden Vernehmers in der Berliner Magdalenenstraße statt.149 Die Inhaftierten durften auch
hier nicht über die Haftbedingungen oder über das Verfahren sprechen. Verstießen die Häftlinge gegen
diese Vorschrift, wurde der Besuchstermin abgebrochen. Für viele Untersuchungsgefangene war
der Kontakt zu den Angehörigen – meist nach längerer Zeit in Haft – emotional äußerst belastend;
einige von ihnen verzichteten daher auf weitere Besuchstermine.



aus.....http://www.stiftung-hsh.de/downloads/CAT...B-MfSONLINE.pdf



entspricht das der norm , oder war das von uha zu uha anders?




Ich bin zwar nicht gefragt, aber eines möchte ich dazu bemerken. Fast bei jeder Handlung in diesem Zitat steht :
"im Ermessen des Vernehmers ". Facit : diese Herren waren an keine Vorschriften gebunden, sondern haben nach gutdünken und Laune entschieden, ob einem U-Häftling Kontaktmöglichkeiten zu Verwandten und Verteidigern gewährt werden oder nicht. Das könnte zum Beispiel in der Praxis bedeuten, wenn sie in Vernehmungen nicht die gewünschten Ergebnisse erzielten, so könnten sie dieses Werkzeug als Mittel einsetzen um einen Gefangenen in der gewünschten Richtung platt zu machen, respektive gefügig, bis das erwünschte Geständnis kam. brrrrrrhh, allein die Vorstellung in einer solchen Situation zu sitzen???


Gruß Gert


.
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#60

RE: Das Aufnahmeverfahren in Untersuchungshaftanstalten des MfS

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 03.11.2010 16:05
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von HpTGefr82
Wurde den Inhaftierten eine Schreiberlaubnis
erteilt, mussten sie ihre Briefe im Beisein des Vernehmers verfassen.147 Es durften keinerlei
Angaben zum Untersuchungsstand oder zu den Haftbedingungen übermittelt werden. Entsprach der
Brief nicht den formalen Anforderungen, musste er neu verfasst werden. Da die Häftlinge häufig versuchten,
ihren Angehörigen Informationen jenseits profaner Inhalte zukommen zu lassen, konnte die
Prozedur unter Umständen mehrere Male wiederholt werden, bis der Brief den Vorstellungen des
Vernehmers entsprach.

entspricht das der norm , oder war das von uha zu uha anders?



Ok gehen wir die Punkte einmal der Reihe nach durch.

1. Typisch HSH, 3 Briefe im Monat ist ja nun eine gute Angabe. Wie lang darf denn ein Brief sein? Ich bin mir jedoch recht sicher, dass es eine Seite pro Woche war. Diese wurde in der Regel am Wochenende verfasst und auch nicht in meinem Beisein!

2. Kontrolliert wurde der Inhalt dann auch in der Regel am Montag. Verboten waren außer abfälligen Bemerkungen zu Staat und Gesellschaft auch Einlassungen in Bezug auf das Haftregime und das Untersuchungsverfahren an sich. Damit sollte verhindert werden, dass mögliche weitere Tatbeteiligte über den Stand der Untersuchung informiert bzw. gewarnt wurden.

3. Wurde ein Brief zurückgewiesen dann wurde der VH umgehend darüber informiert und durfte er im Regelfall noch in der selben Woche erneut geschrieben werden. Somit war also die erlaubte Seite pro Woche gesichert und der VH mußte nicht auf seinen Brief verzichten. Erhielt der Brief schwerwiegende Verfehlungen wie z.B. geheime Botschaften oder gar Handlungsanleitungen so wurde dieser dem Staatsanwalt übergeben und der Einzug desselben dem VH schriftlich zur Kenntnis gegeben. Wiederholungstätern bzw. Uneinsichtigen konnte die Schreiberlaubnis dann natürlich entzogen werden.


Edit: Tippfehler


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 03.11.2010 18:38 | nach oben springen
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