#1

9.November 1989 im Kompaniedienst

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.09.2010 14:50
von mic44 | 183 Beiträge

Am 9.November hatte ich abens Kompaniedienst,als die Meldung kam.Mein KC war nicht erreichbar.Was war bei Euch los,wie lief es ab?


zuletzt bearbeitet 22.09.2010 18:00 | nach oben springen

#2

RE: 9.November 1989

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 22.09.2010 16:58
von bruno | 598 Beiträge

am 9. november 89 hatte ich eine 04-12 (04.00-12.00 uhr) schicht,
da ich am nächsten tag vku hatte, wurde ich noch zu einer19-03,
zusätzliche objektwache, eingeteilt. vor der vergatterung hatte ich noch
ein stück von der historischen pressekonferenz gesehen.
bei der vergatterung wurde uns mitgeteilt, das wer die ddr verlassen wollte
dies nicht mehr über ungarn oder die cssr machen müsste, sondern an einem
ganz normalen grenzübergang ddr/brd sich ausbürgern lassen konnte.
um 04.26 uhr bin ich dann, total übermüdet, von ahrenshausen mit den
zug nach erfurt gefahren, da wusste ich noch nicht das die grenze offen war.


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
zuletzt bearbeitet 22.09.2010 16:59 | nach oben springen

#3

RE: 9.November 1989

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 19.11.2012 16:04
von East67 | 9 Beiträge

Am 09.11.89 hatten wir an der OHS Nachtausbildung "Die Kompanie in der Grenzsicherung". Die Ausbildung fing um 17:00 Uhr an und wir waren um 00:30 Uhr wieder in der Unterkunft. Da war erst mal saubernmachen angesagt und nebenbei lief das Radio. Als dann die Meldung kam, dass die Grenze auf ist, haben wir uns sehr verdattert angeschaut und erst mal überlegt, was wir eigentlich den ganzen Abend im Ausbildungsgelände gemacht haben. Das wahre Erwachen kam dann am nächsten Tag. Da fing man so langsam an zu realisieren, dass eigentlich die ganze Zukunft gerade den Bach runtergegangen ist. Trotzdem haben wir alle zu unserem KC gehalten und sind mit nach Berlin gefahren. Dort haben wir dann auf der Mauer am Brandenburger Tor gestanden und aufgepasst, dass keiner hochklettert. Aber das hielt auch nicht lange an. Ich werde die Freude der Menschen über die geöffnete Grenze nie vergessen.


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#4

RE: 9.November 1989

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 19.11.2012 16:30
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Ah, ein Zeitzeuge von den Geschehnissen am BBT nach dem 9.11.1989

Willkommen hier East 67.

Wann seid ihr damals in Berlin angekommen, am 10.11. oder später?
Und damals mulmige Gefühle gehabt an/ auf der Panzermauer vor dem BBT, als ein GM-75 Mauerteil seitlich davon von westl Seite fast rausgebrochen wäre worden wäre?

Welche Befehle galten in einem solchem Fall?


zuletzt bearbeitet 19.11.2012 16:32 | nach oben springen

#5

RE: 9.November 1989

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 19.11.2012 17:56
von jecki09 | 422 Beiträge

wie in meiner Vorstellung bereits erwähnt waren wir aus dem GAR-40 am 09.11.1989 vor dem Brandenburger Tor.

Am Nachmittag des 09.11. kamen wir aus dem Feldlager von Germendorf zurück. Nach der Woche Germendorf ging ich so schnell wie möglich zu Hause ins Bett. Um 22:30 hat mich der Alarmmelder - mit Grenzalarm - geweckt. Das gab es noch nie. Die 700 m bis zur Einheit im Laufschritt zurück. In der ABK hieß es, alle Berufssoldaten und Auserwählte, Waffe kurz empfangen und ab auf den W 50. Die Fahrt ging von Oranienburg über die Autobahn dierekt nach Berlin. Man, was für ein Gewimmel auf den Straßen, selbst Mütter mit Kinderwagen und dass nach 23.00 Uhr. Hat uns schon gewundert. Infos -- was, wieso, weshalb, warum -- gab es keine. Nach dreimal Stellungsawechsel mit dem W 50 in Berliner Seitenstraßen, hieß es "Absitzen".

Wir standen vor den üblichen Absperrungen vor dem Brandenburger Tor. Viele Menschen waren vorn zu sehen und liefen auch von der Mauer in Richtung Unter den Linden uns entgegen.

Uns sagte man. Jeder der aus Richtung Mauer kommt wird ohne Kontrolle einfach durchgelassen, jedoch nach vorn keinen durchlassen.

Dann bildeten wir eine Linie, und gingen Schulter an Schulter, Waffe kurz und Kappi auf, nach vorn. Die uns von vorn entgegenkamen wurden durchgelassen und die Linie schloss sich danach wieder.

An der Mauer angekommen sahen wir, dass bereits Feuerwehrschläuche in großen Schlaufen über die Mauer hingen. An diesen Schläuchen kletterten Personen hoch oder auch runter. Als wir dann weiter vorgehen mussten, wollten alle die dort unten standen über die Schläuch schnell wieder hoch, oder wurden von oben hochgezogen. Manche kamen nicht ohne Schammen im Gesicht an der Kante der Betondeckplatte vorbei.

Als alle Personen weg - d.h. auf der Mauer waren- , standen wir mit dem Rücken zur Mauer etwa 1-2 m entfernt. Ober wurde geschrien, gegrölt und bereits gehämmert. Einer hatte sogar einen goßen Vorschlaghammer. Und wir unten nur mit Käppi. War schon ein mulmiges Gefühl nicht zu wissen was hinter einem passiert.

Wir standen so einige Stunden dort bis sich die Lage normalisiert und beruhigt hatte. Dann wurden wir abgezogen. Gegen 04: 30 Uhr waren wir wieder in O-Burg in der Einheit. Die Ursache unseres Einsatzes, die Rede von Schabowski, haben wir erst in der Einheit - von denen die nicht mit waren - erfahren.

Als ich am 10.11.1989 wieder - so wie befohlen un 08:00 Uhr in der Einheit war, war die Kompanie bereits wieder in Berlin. Somit durfte ich vom 10. zum 11. November 1989 eine unplanmäßige GOvD-Schicht machen. Einige die ich aus dem GAR kannte sah ich bereits im Fernsehn wie sie, nur diesmal auf der Mauer und nicht unten standen.


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#6

RE: 9.November 1989

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 19.11.2012 18:22
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Feuerwehrschläuche,

waren das die mit denen die Leute die vorher noch auf der Mauer am BBT waren von den GT mit Wasser abgespritzt wurden damit sie von der Mauer verschwinden? Der Platz vor dem BBT (westl.) bis zum Tor ist ja faktisch dann den Mauerkletterern überlassen worden. Es waren, bis zum Eintreffen der Verstärkungskräfte, zu viele und man wollte keine Gewalt beim Räumen anwenden.


zuletzt bearbeitet 19.11.2012 18:32 | nach oben springen

#7

RE: 9.November 1989

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 19.11.2012 18:31
von jecki09 | 422 Beiträge

Zitat von GZB1 im Beitrag #6


waren das die mit denen die Leute die vorher noch auf der Mauer am BBT waren von den GT mit Wasser abgespritzt wurden damit sie von der Mauer verschwinden? Der Platz vor dem BBT (westl.) bis zum Tor ist ja faktisch dann den Mauerkletterern überlassen worden.



ob da welche vorher "abgespritz" werden sollten, kann ich nicht sagen, da ich das nicht gesehen habe. Jedenfalls hingen die Schläuche in großen Schlaufen über die Mauer, so dass sie sich zum hoch klettern eigneten.


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#8

RE: 9.November 1989

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 19.11.2012 19:27
von ONTA | 26 Beiträge

Ja, war sicher spannend, für mich aber auch. Bin am Folgetag in Grenzeruniform zu meinem Flieger nach Schönefeld gefahren, um nach Leningrad zu kommen. Hatte erst ein wenig Bammel - aber die Leute haben mir sogar beim Koffertragen geholfen.



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