#1

Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 20.09.2010 19:43
von kinski112 (gelöscht)
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Hier ein Beitrag aus unserer Heimatzeitung "MT" zu Veranstaltungen in Meiningen und ehemals "Güst" Henneberg am 17.09.10 mit Rudolf Seiters.

Meiningen - Ein Kreis aus Thüringen und einer aus Bayern feiern gemeinsam ein Jubiläum - eine Tatsache, die sich vor gut 20 Jahren wohl kaum jemand vorstellen konnte. Am Freitag ist es Wirklichkeit geworden: Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen und sein unterfränkischer Nachbar, der Rhön-Grabfeld-Kreis, haben in einem gemeinsamen Festakt mit der Stadt Meiningen und zahlreichen Gästen aus dem Landkreis, aus Polen sowie dem hessischen Vogelsbergkreis an die Tage der friedlichen Revolution und die deutsche Wiedervereinigung erinnert. Landrat Ralf Luther hatte für diesen Abend die Moderation der Veranstaltung übernommen und freute sich besonders, dass er als Festredner Rudolf Seiters gewinnen konnte.

Dessen Vortrag war Höhepunkt in einer zwar relativ langen, aber würdigen Veranstaltung in der Meininger Multihalle. Rudolf Seiters hatte den Einheitsprozess mitten im Zentrum der Macht - als Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes - hautnah miterlebt und mitgestaltet. Vermutlich hat jeder der Gäste des Festaktes in den vergangenen Monaten Reportagen über die Wende im Fernsehen gesehen oder über die Ereignisse vor 20 Jahren gelesen. Besonderes berührt jedoch, wenn jemand wie Rudolf Seiters die Dinge persönlich und authentisch in Erinnerung ruft. Dafür gab es dann auch stehende Ovationen, die der Bundesminister a. D. sichtlich gerührt entgegen nahm.

"Wir Kommunalpolitiker hatten eine unvergleichlich spannende Zeit, es ist viel bewegt worden seit der Wende", stellte Meiningens Bürgermeister Reinhard Kupietz fest. Den "mutigen Entscheidern von damals" drückte er seine Hochachtung aus. "Wir sind ein Volk", reflektierte er die Forderung der Demonstranten von damals. "Die aktuellen Probleme müssen gemeinsam gelöst werden", erklärte Kupietz.

Ein Volk

Auch wenn heute die Mauer noch immer in etlichen Köpfen, ob in Ost oder West - existiert: für Thomas Habermann, Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises, "sind wir wirklich ein Volk geworden". Den Einsatz der Menschen der DDR, der letztlich zum Fall der Mauer führte, werde man nicht vergessen. Er sei selbst an der Grenze aufgewachsen und habe nie verstanden, dass man nicht zusammenkommen könne. Er würdigte zugleich die Rolle von Polen und Ungarn, denen man sehr viel zu verdanken habe. Und nicht zuletzt nannte er Pabst Johannes Paul II., der unheimlich viel im Hintergrund gewirkt habe.
Die beiden Staatssekretäre der Innenministerien der Freistaaten Thüringen und Bayern, Jörg Geibert und Gerhard Heck, dankten den verantwortlich handelnden Politikern von damals. "20 Jahre danach wissen wir natürlich alle viel besser, was wir hätten anders machen müssen. Damals nicht. Es war Eile angesagt." Der bayerische Innenstaatssekretär bedankte sich zudem für "die Art und das Niveau der Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung". In den vergangenen 20 Jahren sei Deutschland zu einem starken verlässlichen Partner herangewachsen, hob sein Thüringer Kollege Jörg Geibert hervor.

"Als ich im April 1989 zum Leiter des Bundeskanzleramtes berufen wurde, hat niemand damit gerechnet, dass wir eineinhalb Jahre später die deutsche Wiedervereinigung haben werden", erinnerte sich Rudolf Seiters. Sein Besuch bei Honecker am 4. Juli habe noch keinen Hinweis auf die tiefen Erschütterungen gegeben. "Ein paar Wochen später wurde die Lage dramatisch, die DDR geriet immer mehr unter Druck". Am 10. September öffnete Ungarn seine Grenze nach Österreich. "Wir haben unseren polnischen und ungarischen Freunden unheimlich viel zu verdanken. Wichtige Zeichen habe die Solidarnosc-Bewegung in Polen gesetzt. Für die Öffnung der ungarischen Grenze von Bedeutung sei ein Telefongespräch von Bundeskanzler Helmut Kohl und Michail Gorbatschow gewesen. "Die Ungarn sind gute Leute" - das war das Zeichen, dass Gorbatschow in Ungarn nicht eingreifen würde.

Mittags noch ahnungslos

Rudolf Seiters nannte neben den friedlichen Demonstrationen vor allem drei Ereignisse, die überzeugend die Hilflosigkeit und die Führungslosigkeit der DDR deutlich machen, den 30. September, den 9. November und den 19. Dezember.

"In Prag wurde der erste Stein aus der Mauer gebrochen, der 9. November war eine Folge von chaotischen Beratungen der DDR-Führung". Am 19. Dezember wurde Kohl, der zu einem Treffen mit DDR-Ministerpräsident Hans Modrow in die sächsische Metropole gereist war, bei seiner Rede vor den Trümmern der Dresdner Frauenkirche von den DDR-Bürgern euphorisch empfangen. "In dieser Nacht waren wir überzeugt, möglichst schnell die freien Wahlen durchzuführen", sagte Seiters.

Wie sich die Ereignisse in den Wendetagen überstürzten, zeigt auch folgende Episode, von der der ehemalige Bundesminister berichtete. Erst kürzlich habe ihn sein damaliger stellvertretender Büroleiter Axel Hartmann daran erinnert. Ihn habe er am Mittag noch wegen eines Kindergeburtstages ab Mittag mit den Worten freigegeben, dass es ruhig sei und heute sicher nichts mehr passiere. Am Abend dann hatte Politbüromitglied Günter Schabowski bei seinem legendären Auftritt in der Pressekonferenz die Reisefreiheit für alle DDR-Bürger verkündet. Da saß Rudolf Seiters gerade mit den Fraktionsvorsitzenden des Bundestages zusammen. Helmut Kohl war in Polen und Rudolf Seiters hat danach eine kurze Regierungserklärung abgegeben. In jener Nacht habe er nicht geschlafen, sagte er gegenüber der Redaktion. Wie die Entwicklung weiterlief, ist hinlänglich bekannt.

Ob dann alles zu schnell ging? Oder ob man hätte warten und auf einen langwierigen Weg mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung setzen konnte? Das hätte sehr viel Zeit gekostet und das Zeitfenster sei sehr eng gewesen. Der Übersiedlerstrom geriet erst mit der Einführung der D-Mark ins Stocken. Hinzu gekommen sei das Auseinanderbrechen der Sowjetunion, 1991 dann der Irak-Krieg. "Wir hätten später den Resonanzboden bei den Großmächten nicht mehr erreicht. Es gab keine vernünftige Alternative", ist sich Seiters auch 20 Jahre danach noch sicher. Die Erblast der DDR sei zudem viel größer als angenommen gewesen.

"Nicht überall blühen heute die Landschaften, aber viele Veränderungen sind spektakulär", resümierte er. Großen Anteil am Gelingen der deutschen Einheit habe der damalige Bundeskanzler Kohl, dem es beieindruckend gelungen sei, ein Vertrauensverhältnis in den Verhandlungen mit allen Politikern zu schaffen. Nun müsse der Prozess der europäischen Einigung fortgesetzt werden, betonte Rudolf Seiters.
Quelle: "MT" 20.09.2010


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#2

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 21.09.2010 08:59
von Freedom (gelöscht)
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Wieso zu schnell? 28Jahre hat man drauf gewartet.


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#3

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 21.09.2010 10:33
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

man musste schnell handeln...alles andere hätte sonst unwägbarkeiten mit sich gebracht, die man nicht abschätzen konnte.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#4

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 21.09.2010 11:25
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat

Zitat von GilbertWolzow
man musste schnell handeln...alles andere hätte sonst unwägbarkeiten mit sich gebracht, die man nicht abschätzen konnte.


hallo gilbert. kannst du mir das etwas genauer erklären.lg glasi



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#5

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 21.09.2010 12:07
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@glasi, viele, viele komponenten trugen doch zu diesem zeitpunkt zu den damaligen möglichkeiten bei. je länger man gezögert hätte wären ungeplante änderungen möglich gewesen. ich will sagen, zu dem zeitpunkt lief eigentlich alles wie geschmiert. was wäre z.b. gewesen wenn sich plötzlich einer der ehem. besatzungsmächte verweigert hätte? gemunkelt wird heute noch das gorbatschow geld wollte, viel geld....


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#6

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 21.09.2010 12:31
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat

Zitat von GilbertWolzow
@glasi, viele, viele komponenten trugen doch zu diesem zeitpunkt zu den damaligen möglichkeiten bei. je länger man gezögert hätte wären ungeplante änderungen möglich gewesen. ich will sagen, zu dem zeitpunkt lief eigentlich alles wie geschmiert. was wäre z.b. gewesen wenn sich plötzlich einer der ehem. besatzungsmächte verweigert hätte? gemunkelt wird heute noch das gorbatschow geld wollte, viel geld....


ach das meinst du. geld hat doch gorbi bekommen. und das nicht gerade wenig. aber du hast recht. denn schon im dezember 1990 war ja schon das nächste große ereigniß. ob mann dann noch zeit für uns gehabt hätte. aber spaß beiseite. ich denke mal die 3 westaliierten hätten uns keine steine in denn weg gelegt. gilbert. ich bin von deiner antwort sehr überrascht. positiv



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#7

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 21.09.2010 16:50
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Wenn das nicht schnell ging-weniger als 1 Jahr verging und es gab wieder ein Deutschland.Damit hatte keiner gerechnet.Aber wie schon geschrieben,der Zeitpunkt war günstig,alles sprach dafür.



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#8

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 21.09.2010 20:15
von wosch (gelöscht)
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Zitat von GilbertWolzow
man musste schnell handeln...alles andere hätte sonst unwägbarkeiten mit sich gebracht, die man nicht abschätzen konnte.




Da muß ich mich Deiner Einschätzung 100 %ig anschließen!!
Schönen Gruß vom Wolfgang aus Kassel.


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#9

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 17:23
von Bugsy | 454 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow im Beitrag #5
@glasi, viele, viele komponenten trugen doch zu diesem zeitpunkt zu den damaligen möglichkeiten bei. je länger man gezögert hätte wären ungeplante änderungen möglich gewesen. ich will sagen, zu dem zeitpunkt lief eigentlich alles wie geschmiert. was wäre z.b. gewesen wenn sich plötzlich einer der ehem. besatzungsmächte verweigert hätte? gemunkelt wird heute noch das gorbatschow geld wollte, viel geld....

Die Besatzungsmächte hatten keine andere Wahl. Die US wollte es so. Außerdem, keine Macht und kein Land der Erde hätte die Deutschen davon abhalten können, sich wieder zu vereinigen, wenn der Entschluss auf beiden Seiten festgestanden hätte.

Indes ging die Wiedervereinigung allemal zu schnell. Und zwar deshalb, weil die Wessis unter allen Umständen verhindern wollten, dass über eine neue Verfassung verhandelt wird. Die DDR-Bürger hatten gerade mal endlich das größere Maß an Demokratie, das sie schon immer wollten. Kannst du dir vorstellen, was von deren Seite an Forderungen auf den Tisch gekommen wären, wenn es darum gegangen wäre, eine neue Verfassung auszuhandeln? Das mussten die Wessis auf jeden Fall unterbinden.

Die Wiedervereinigung gemäß Artikel 146 des GG war (und immer noch ist) eigentlich illegal. Denn der Artikel schreibt vor, dass das GG mit der Aussicht auf eine deutsche Wiedervereinigung automatisch außer Kraft gesetzt wird und eine neue, gemeinsame Verfassung unumgänglich ist, mit einem anschließenden Votum des Volkes. Das Verfahren nach Artikel 23 war ebenso ungesetzlich, weil nur Bundesländer dem Bund beitreten können. Aber sogar zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung waren die Bundesländer in der DDR noch nicht neu konstituiert.

Die Wessis wollten nur wieder haben, was ihnen ihrer Meinung nach schon immer gehört hatte. Laut Kinkel in September 1992 war die DDR: „Ein Teil Deutschlands, das vorübergehend von einer Verbrecherbande illegal besetzt war“. Das sagt so ziemlich alles, Oder?

MsG


Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlicheit, der Sanitäter kommt zehn Minuten später.
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#10

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 17:35
von Polter (gelöscht)
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Zitat von Bugsy im Beitrag #9
Zitat von GilbertWolzow im Beitrag #5
@glasi, viele, viele komponenten trugen doch zu diesem zeitpunkt zu den damaligen möglichkeiten bei. je länger man gezögert hätte wären ungeplante änderungen möglich gewesen. ich will sagen, zu dem zeitpunkt lief eigentlich alles wie geschmiert. was wäre z.b. gewesen wenn sich plötzlich einer der ehem. besatzungsmächte verweigert hätte? gemunkelt wird heute noch das gorbatschow geld wollte, viel geld....

Die Besatzungsmächte hatten keine andere Wahl. Die US wollte es so. Außerdem, keine Macht und kein Land der Erde hätte die Deutschen davon abhalten können, sich wieder zu vereinigen, wenn der Entschluss auf beiden Seiten festgestanden hätte.

Indes ging die Wiedervereinigung allemal zu schnell. Und zwar deshalb, weil die Wessis unter allen Umständen verhindern wollten, dass über eine neue Verfassung verhandelt wird. Die DDR-Bürger hatten gerade mal endlich das größere Maß an Demokratie, das sie schon immer wollten. Kannst du dir vorstellen, was von deren Seite an Forderungen auf den Tisch gekommen wären, wenn es darum gegangen wäre, eine neue Verfassung auszuhandeln? Das mussten die Wessis auf jeden Fall unterbinden.

Die Wiedervereinigung gemäß Artikel 146 des GG war (und immer noch ist) eigentlich illegal. Denn der Artikel schreibt vor, dass das GG mit der Aussicht auf eine deutsche Wiedervereinigung automatisch außer Kraft gesetzt wird und eine neue, gemeinsame Verfassung unumgänglich ist, mit einem anschließenden Votum des Volkes. Das Verfahren nach Artikel 23 war ebenso ungesetzlich, weil nur Bundesländer dem Bund beitreten können. Aber sogar zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung waren die Bundesländer in der DDR noch nicht neu konstituiert.

Die Wessis wollten nur wieder haben, was ihnen ihrer Meinung nach schon immer gehört hatte. Laut Kinkel in September 1992 war die DDR: „Ein Teil Deutschlands, das vorübergehend von einer Verbrecherbande illegal besetzt war“. Das sagt so ziemlich alles, Oder?

MsG




Herrn Kinkel werd ich mich auch noch mal widmen. Er hat ja als Chef des BND 1980 auch fast 100 unschuldige Tote und hunderte z.T Schwerstverletzte zu verantworten.


Bugsy und seaman haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#11

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 18:33
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Polter im Beitrag #10
Zitat von Bugsy im Beitrag #9
Zitat von GilbertWolzow im Beitrag #5
@glasi, viele, viele komponenten trugen doch zu diesem zeitpunkt zu den damaligen möglichkeiten bei. je länger man gezögert hätte wären ungeplante änderungen möglich gewesen. ich will sagen, zu dem zeitpunkt lief eigentlich alles wie geschmiert. was wäre z.b. gewesen wenn sich plötzlich einer der ehem. besatzungsmächte verweigert hätte? gemunkelt wird heute noch das gorbatschow geld wollte, viel geld....

Die Besatzungsmächte hatten keine andere Wahl. Die US wollte es so. Außerdem, keine Macht und kein Land der Erde hätte die Deutschen davon abhalten können, sich wieder zu vereinigen, wenn der Entschluss auf beiden Seiten festgestanden hätte.

Indes ging die Wiedervereinigung allemal zu schnell. Und zwar deshalb, weil die Wessis unter allen Umständen verhindern wollten, dass über eine neue Verfassung verhandelt wird. Die DDR-Bürger hatten gerade mal endlich das größere Maß an Demokratie, das sie schon immer wollten. Kannst du dir vorstellen, was von deren Seite an Forderungen auf den Tisch gekommen wären, wenn es darum gegangen wäre, eine neue Verfassung auszuhandeln? Das mussten die Wessis auf jeden Fall unterbinden.

Die Wiedervereinigung gemäß Artikel 146 des GG war (und immer noch ist) eigentlich illegal. Denn der Artikel schreibt vor, dass das GG mit der Aussicht auf eine deutsche Wiedervereinigung automatisch außer Kraft gesetzt wird und eine neue, gemeinsame Verfassung unumgänglich ist, mit einem anschließenden Votum des Volkes. Das Verfahren nach Artikel 23 war ebenso ungesetzlich, weil nur Bundesländer dem Bund beitreten können. Aber sogar zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung waren die Bundesländer in der DDR noch nicht neu konstituiert.

Die Wessis wollten nur wieder haben, was ihnen ihrer Meinung nach schon immer gehört hatte. Laut Kinkel in September 1992 war die DDR: „Ein Teil Deutschlands, das vorübergehend von einer Verbrecherbande illegal besetzt war“. Das sagt so ziemlich alles, Oder?

MsG




Herrn Kinkel werd ich mich auch noch mal widmen. Er hat ja als Chef des BND 1980 auch fast 100 unschuldige Tote und hunderte z.T Schwerstverletzte zu verantworten.



Du meinst die Story mit dem Münchner Attentat?
Hat da jemand, außer der "Jungen Welt", also eine seriösere Quelle, schon neue Erkenntnisse?
Ist relativ ruhig um den Luxemburger Prozess.


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#12

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 18:37
von Gelöschtes Mitglied
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Kinkel & Co., das wäre schon wieder ein eigener Thread. Er wird neben Genscher als der Zerstörer von Titos Jugoslawien in die Geschichte des Balkans eingehen. Mit der systematischen Spaltung der damaligen jugoslawischen Föderation und deren Folgen kleben an Fingern von Kinkel nicht nur das Blut von 100 unschuldigen Toten und hunderten z.T. Schwerverletzten.
Die inszenierten "Bruderkriege" zwischen Serben und Kroaten, der Überlebenskampf von Bosnien und Herzegowina und die Schaffung des künstlichen Satelitenstaates Kosovo haben tausende Menschenopfer bei den Serben, Kroaten und Bosniern gekostet. Das von Kinkel & Co. verfolgte viktorianische Prinzip von "teile und herrsche" ist letztendlich aufgegangen. Und heute ruft der Dieb, haltet den Dieb.

Vierkrug


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#13

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 18:49
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #11
Zitat von Polter im Beitrag #10
Zitat von Bugsy im Beitrag #9
Zitat von GilbertWolzow im Beitrag #5
@glasi, viele, viele komponenten trugen doch zu diesem zeitpunkt zu den damaligen möglichkeiten bei. je länger man gezögert hätte wären ungeplante änderungen möglich gewesen. ich will sagen, zu dem zeitpunkt lief eigentlich alles wie geschmiert. was wäre z.b. gewesen wenn sich plötzlich einer der ehem. besatzungsmächte verweigert hätte? gemunkelt wird heute noch das gorbatschow geld wollte, viel geld....

Die Besatzungsmächte hatten keine andere Wahl. Die US wollte es so. Außerdem, keine Macht und kein Land der Erde hätte die Deutschen davon abhalten können, sich wieder zu vereinigen, wenn der Entschluss auf beiden Seiten festgestanden hätte.

Indes ging die Wiedervereinigung allemal zu schnell. Und zwar deshalb, weil die Wessis unter allen Umständen verhindern wollten, dass über eine neue Verfassung verhandelt wird. Die DDR-Bürger hatten gerade mal endlich das größere Maß an Demokratie, das sie schon immer wollten. Kannst du dir vorstellen, was von deren Seite an Forderungen auf den Tisch gekommen wären, wenn es darum gegangen wäre, eine neue Verfassung auszuhandeln? Das mussten die Wessis auf jeden Fall unterbinden.

Die Wiedervereinigung gemäß Artikel 146 des GG war (und immer noch ist) eigentlich illegal. Denn der Artikel schreibt vor, dass das GG mit der Aussicht auf eine deutsche Wiedervereinigung automatisch außer Kraft gesetzt wird und eine neue, gemeinsame Verfassung unumgänglich ist, mit einem anschließenden Votum des Volkes. Das Verfahren nach Artikel 23 war ebenso ungesetzlich, weil nur Bundesländer dem Bund beitreten können. Aber sogar zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung waren die Bundesländer in der DDR noch nicht neu konstituiert.

Die Wessis wollten nur wieder haben, was ihnen ihrer Meinung nach schon immer gehört hatte. Laut Kinkel in September 1992 war die DDR: „Ein Teil Deutschlands, das vorübergehend von einer Verbrecherbande illegal besetzt war“. Das sagt so ziemlich alles, Oder?

MsG




Herrn Kinkel werd ich mich auch noch mal widmen. Er hat ja als Chef des BND 1980 auch fast 100 unschuldige Tote und hunderte z.T Schwerstverletzte zu verantworten.



Du meinst die Story mit dem Münchner Attentat?
Hat da jemand, außer der "Jungen Welt", also eine seriösere Quelle, schon neue Erkenntnisse?
Ist relativ ruhig um den Luxemburger Prozess.




Lies mal hier :



http://www.tageblatt.lu/lup/eidesstattliche%20Erklaerung.pdf

http://www.tageblatt.lu/nachrichten/doss.../story/16301250


Kurt und seaman haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 19:44
von Kurt | 933 Beiträge

Die Gladio-Aktivitäten in der BRD und Italien sind ja allgemein bekannt, aber von den Luxemburgern hätte ich es nicht gedacht.

Bezugnehmend auf die Threadüberschrift, möchte ich sagen, daß der "Beitritt" zur BRD für die meisten Betriebe in der DDR definitiv zu schnell kam. Der Todesstoß für unsere Wirtschaft war aber schon die Einführung der D-Mark, einige Monate zuvor.

Wie eng das politische Zeitfenster wirklich war, können nur Menschen wissen, die bei den 2+4 Verhandlungen dabei waren.
Der größte Wackelkandidat war dabei vermutlich GB und nicht die Sowjetunion.


zuletzt bearbeitet 30.04.2013 19:50 | nach oben springen

#15

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 20:51
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Zitat von Kurt im Beitrag #14
Die Gladio-Aktivitäten in der BRD und Italien sind ja allgemein bekannt, aber von den Luxemburgern hätte ich es nicht gedacht.

Bezugnehmend auf die Threadüberschrift, möchte ich sagen, daß der "Beitritt" zur BRD für die meisten Betriebe in der DDR definitiv zu schnell kam. Der Todesstoß für unsere Wirtschaft war aber schon die Einführung der D-Mark, einige Monate zuvor.

Wie eng das politische Zeitfenster wirklich war, können nur Menschen wissen, die bei den 2+4 Verhandlungen dabei waren.
Der größte Wackelkandidat war dabei vermutlich GB und nicht die Sowjetunion.



Die "Straße" hat es durchgesetzt und die lautesten Schreier waren da nicht unbedingt immer die hellsten Köpfe, wie heute auch. Wobei ich nicht von der Meinung abzubringen bin, daß diese Forderung der Straße nicht vorrangig von ihr selbst kam, sondern von interessierter Seite aus konservativen Kreisen West hineingetragen wurde. So etwas, man kann sagen, zumindest von europäischer Bedeutung, läßt niemand im Selbstlauf.
Die SU wäre m.E. nicht mehr lange in der Lage gewesen, hier noch etwas wirksam abzublocken. Zu groß waren ihre eigenen Probleme. GB hatte vor allem Angst vor einer übermächtigen Konkurrenz, aber auch diese hätte es im Endeffekt nicht auf Dauer verhindern können. Gegen eine Konföderation wäre rechtlich nichts machbar gewesen und das wäre im Prinzip ebenfalls auf eine wirtschaftliche und damit auch politische Machtsteigerung Deutschlands hinausgelaufen.
Ich meine, mit heutigem Wissen wären die ersten Wahlen nach der Wende mit einem anderen Ergebnis verlaufen. Die CDU/CSU wären möglicherweise in der Opposition gelandet.



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#16

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 22:30
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Kurt im Beitrag #14
Die Gladio-Aktivitäten in der BRD und Italien sind ja allgemein bekannt, aber von den Luxemburgern hätte ich es nicht gedacht.

Bezugnehmend auf die Threadüberschrift, möchte ich sagen, daß der "Beitritt" zur BRD für die meisten Betriebe in der DDR definitiv zu schnell kam. Der Todesstoß für unsere Wirtschaft war aber schon die Einführung der D-Mark, einige Monate zuvor.

Wie eng das politische Zeitfenster wirklich war, können nur Menschen wissen, die bei den 2+4 Verhandlungen dabei waren.
Der größte Wackelkandidat war dabei vermutlich GB und nicht die Sowjetunion.


Seit 1992 zum “Baroness of Kesteven….” erhoben war Maggie Thatcher mit Sicherheit eine der Querulanten. Sie zeigte wahrhaftig die Liebe meiner ehemaligen Landsleute in voller breitseits auf die Deutschen.

1989
November: Nach der Öffnung der Berliner Mauer setzt sich Thatcher bei den anderen drei Besatzungsmächten Frankreich, USA und Sowjetunion für den Erhalt des Status Quo ein. Sie schließt sich Mitterrand an, der für den Fall einer deutschen Wiedervereinigung mit Krieg droht, wird jedoch von US-Präsident George Bush sen. und SU-Führer Mikhail Gorbatschëw in ihre Schranken gewiesen.

The sogenannte Iron Lady hat eine very rusty legacy, eine sehr rostige Hinterlassenschaft.

Grosser Krach zwischen den pro und kontra- Englaendern – die bei ihrem Ableben mit dem Lied Ding Dong, the witch is dead…..(Wizard of Oz) aufwarteten….


Kurt hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 30.04.2013 23:34
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #12
Kinkel & Co., das wäre schon wieder ein eigener Thread. Er wird neben Genscher als der Zerstörer von Titos Jugoslawien in die Geschichte des Balkans eingehen. Mit der systematischen Spaltung der damaligen jugoslawischen Föderation und deren Folgen kleben an Fingern von Kinkel nicht nur das Blut von 100 unschuldigen Toten und hunderten z.T. Schwerverletzten.
Die inszenierten "Bruderkriege" zwischen Serben und Kroaten, der Überlebenskampf von Bosnien und Herzegowina und die Schaffung des künstlichen Satelitenstaates Kosovo haben tausende Menschenopfer bei den Serben, Kroaten und Bosniern gekostet. Das von Kinkel & Co. verfolgte viktorianische Prinzip von "teile und herrsche" ist letztendlich aufgegangen. Und heute ruft der Dieb, haltet den Dieb.

Vierkrug


rot mark. @Vierkrug
das kannst du doch nicht als ernstes Argument hier verkaufen wollen ?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#18

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 01.05.2013 08:39
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #17
Zitat von Vierkrug im Beitrag #12
Kinkel & Co., das wäre schon wieder ein eigener Thread. Er wird neben Genscher als der Zerstörer von Titos Jugoslawien in die Geschichte des Balkans eingehen. Mit der systematischen Spaltung der damaligen jugoslawischen Föderation und deren Folgen kleben an Fingern von Kinkel nicht nur das Blut von 100 unschuldigen Toten und hunderten z.T. Schwerverletzten.
Die inszenierten "Bruderkriege" zwischen Serben und Kroaten, der Überlebenskampf von Bosnien und Herzegowina und die Schaffung des künstlichen Satelitenstaates Kosovo haben tausende Menschenopfer bei den Serben, Kroaten und Bosniern gekostet. Das von Kinkel & Co. verfolgte viktorianische Prinzip von "teile und herrsche" ist letztendlich aufgegangen. Und heute ruft der Dieb, haltet den Dieb.

Vierkrug


rot mark. @Vierkrug
das kannst du doch nicht als ernstes Argument hier verkaufen wollen ?


Wenn es in die eigene Weltanschung paßt!


"Mobility, Vigilance, Justice"
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 01.05.2013 10:12
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Larissa im Beitrag #16
Zitat von Kurt im Beitrag #14
Die Gladio-Aktivitäten in der BRD und Italien sind ja allgemein bekannt, aber von den Luxemburgern hätte ich es nicht gedacht.

Bezugnehmend auf die Threadüberschrift, möchte ich sagen, daß der "Beitritt" zur BRD für die meisten Betriebe in der DDR definitiv zu schnell kam. Der Todesstoß für unsere Wirtschaft war aber schon die Einführung der D-Mark, einige Monate zuvor.

Wie eng das politische Zeitfenster wirklich war, können nur Menschen wissen, die bei den 2+4 Verhandlungen dabei waren.
Der größte Wackelkandidat war dabei vermutlich GB und nicht die Sowjetunion.


Seit 1992 zum “Baroness of Kesteven….” erhoben war Maggie Thatcher mit Sicherheit eine der Querulanten. Sie zeigte wahrhaftig die Liebe meiner ehemaligen Landsleute in voller breitseits auf die Deutschen.

1989
November: Nach der Öffnung der Berliner Mauer setzt sich Thatcher bei den anderen drei Besatzungsmächten Frankreich, USA und Sowjetunion für den Erhalt des Status Quo ein. Sie schließt sich Mitterrand an, der für den Fall einer deutschen Wiedervereinigung mit Krieg droht, wird jedoch von US-Präsident George Bush sen. und SU-Führer Mikhail Gorbatschëw in ihre Schranken gewiesen.

The sogenannte Iron Lady hat eine very rusty legacy, eine sehr rostige Hinterlassenschaft.

Grosser Krach zwischen den pro und kontra- Englaendern – die bei ihrem Ableben mit dem Lied Ding Dong, the witch is dead…..(Wizard of Oz) aufwarteten….





der Spruch ist gut



P:S. schön dass du wieder da bist, dann sehen wir uns ja in Eisenach, ich jedenfalls komme dorthin.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#20

RE: Ging es vor 20 Jahren mit der Wiedervereinigung zu schnell?

in Das Ende der DDR 01.05.2013 10:44
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von Larissa im Beitrag #16


1989
November: Nach der Öffnung der Berliner Mauer setzt sich Thatcher bei den anderen drei Besatzungsmächten Frankreich, USA und Sowjetunion für den Erhalt des Status Quo ein. Sie schließt sich Mitterrand an, der für den Fall einer deutschen Wiedervereinigung mit Krieg droht, wird jedoch von US-Präsident George Bush sen. und SU-Führer Mikhail Gorbatschëw in ihre Schranken gewiesen..





Viele im Westen sahen damals Gorbatschow schon als baldigen Pensionisten im "wohlverdienten Ruhestand". Und die Macht in Händen von Politikern und Militärs, die den Sozialismus "retten" wollten: Diese würde eine militärische Lösung gegen den Zerfall des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe und des Warschauer Paktes nicht ausschliessen . Mit dem Status quo wäre eine solche Gefahr gebannt. Thatcher und Mitterand konnten sich mit ihren Bedenken nicht durchsetzen. Die Angst vor einem Machtwechsel in der SU führte aber dazu, dass die Deutsche Einheit rasch möglichst erreicht werden sollte, damit eine Faktenlage geschaffen werden konnte, die nicht so leicht rückgängig gemacht werden konnte.
Hätte es die Befürchungen eines Machtwechsels nicht gegeben, so hätten auch die traditionellen "Sparparteien" im Westen, die CDU/CSU und FDP das Tempo gedrosselt, um die Kosten der Einheit niedrig zu halten. Die Wahlen hätte man dennoch gewonnen.
Theo


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