#1

Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 18:34
von Angelo | 12.391 Beiträge

Proteste von Dissidenten beim Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (18. Januar 1988)

„Brüüüder, zur Sohonne, zur Freihhheit …“

Scheppernde Lautsprecher beschallen die Route der „Kampfdemonstration“ für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch Ost-Berlin. Der heftige, stetige Marschtakt der Musik vermag nicht, die Schritte der „Werktätigen“ auf ihrem Weg zur Gedenkstätte nach Friedrichshain zu synchronisieren. Die Kälte ist wohl schuld, die Wasserlachen auf der Frankfurter Allee, der Nieselregen.

Weit hinten, am Frankfurter Tor, ist von Sonne und Freiheit nicht mehr viel zu hören, aber zu lesen: „Freiheit ist stets die Freiheit des Andersdenkenden“. Vor dem HO-Kaufhaus für Sport und Freizeit wird aus einer Gruppe von jungen Leuten der Friedens- und Menschenrechtsbewegung ein selbstgemaltes Transparent mit diesem Luxemburg-Zitat hochgehalten, doch nur für wenige Sekunden. Zwei Dutzend Männer mittleren Alters in auffällig unauffälliger DDR-Kluft stürzen sich auf die Träger, reißen das Spruchband herunter, zerren drei oder vier junge Männer aus der Gruppe, ziehen sie an den Armen hinter sich her zu einem unweit abgestellten Polizeiwagen.

Gleichzeitig stellen sich andere zivile Sicherheitskräfte mit ausladenden Transparenten vor die Kameras anwesender westlicher Fernsehteams. Nur wenige Male sind Rufe der Fortgeschleppten zu hören: „Freiheit!“ Aus der protestierenden Gruppe ruft jemand „Seht doch, so geht dieser Staat mit seinen Bürgern um“.

Aber es gibt keinen Widerhall in der Menge, keine Reaktion. Selbst als bei einem weiteren rabiaten Stasi-Einsatz die beiden kleinen Kinder in der protestierenden Gruppe vor Angst zu schreien beginnen, erneut jemand festgenommen wird, passiert bei den Umstehenden nichts. Als wäre nichts geschehen.

Äußerlich ist nach wenigen Minuten alles ruhig. Die restliche Gruppe der Protestierenden, vielleicht 20 bis 30 Frauen und Männer, die Kinder auf den Schultern, stehen mit dem mit dem Rücken zur Wand von den Staatsorganen eingekeilt. Unter den „Werktätigen“ am Platz herrscht unerträgliche Ruhe. Wo die Stasi ist, gibt es kein Aufsehen. Nicht, weil niemand ihre Aktion gesehen hätte, sondern weil sie überall in der Menge präsent ist.

Als sich nach einer Stunde die unabhängige Gruppe in Bewegung setzt, um sich der offiziellen Demonstration anzuschließen, kommt sie nicht weit. Ein halbes Hundert Stasi-Männer kreist die Gruppe ein: „Sie sind bei dieser Demonstration unerwünscht“, sagt ruhig ein Herr mit beigefarbener Windjacke. Er weist mit dem Arm zur Seite: „Sammeln Sie sich bitte dort“. Eine Frau aus der eingekesselten Gruppe verweist auf die offiziellen Aufrufe im ‚Neuen Deutschland’, an der „Kampfdemonstration“ für die 1919 gemordeten Revolutionäre teilzunehmen. „Warum halten Sie uns auf?“ will sie wissen.

„Das wird man Ihnen zu gegebener Zeit am gegebenen Ort sagen“, heißt unbeirrt der Bescheid der Windjacke, „sammeln Sie sich dort“. Die Angewiesenen gehorchen. Der Gesprächston ist auffallend freundlich. Will aber jemand der Eingeschlossenen den Kreis am Rande der Frankfurter Allee verlassen, wird er unverzüglich von den Untergebenen der Windjacke rabiat angerempelt und zurückgedrängt. Die Argumente der Festgenommenen verfangen nicht: „Wir wissen mehr über sie, als Sie hier sagen“, verkündet der Stasi-Anführer. Er erntet Heiterkeit, als er wissen will, wer denn in der Gruppe „das Ganze organisiert hat, einer muß doch ‚den Hut aufhaben’ hier“, findet er, er müsse doch einen haben, um in „Verhandlungen zur Klärung des Sachverhalts einzutreten“. Kopfschütteln bei seinem Gegenüber. „Hier kann jeder für sich selbst reden, das begreifen sie nicht, daß etwas nicht organisiert ist“. Nur kurz ist die Windjacke etwas verlegen, dann ist er wieder in seinem Element.

Der Polizei-LKW ist eingetroffen. Die Personalpapiere der Festgenommenen werden eingesammelt, in einer schwarzen Dieselwolke verschwindet das Fahrzeug, um die unfreiwilligen Passagiere zu „gegebener Zeit“ an einem „gegebenen Ort“ abzuliefern.



Quelle: E. Mielke (Pseudonym?), „Sie sind bei dieser Demonstration unerwünscht”, tageszeitung, 18. Januar 1988.
http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/sub_...ocument_id=1186


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#2

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 19:13
von 94 | 10.792 Beiträge

Laut TAZ-Archiv lautet die Schlagzeile des Artikels, der über die am 17.Januar 1988 stattgefundenen Demonstration berichtete »DDR-"Kampfdemo" Stasi schlägt zu | Festnahmen bei offizieller "Kampfdemonstration" für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Ost-Berlin« und befand sich auf Seite 1 mit 35 Zeilen. Der Abruf ist leider kostenpflichtig, so das ich den Inhalt hier nicht zitieren kann/darf :(
Der Text unterscheidet sich aber schon etwas von dem oben Erwähntem, vielleicht etwas schlampig zurückübersetzt
http://www.taz.de/digitaz/.archiv/suche?...emm=01&eyy=1988


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 20.09.2010 19:15 | nach oben springen

#3

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 20:00
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Angelo
Vor dem HO-Kaufhaus für Sport und Freizeit wird aus einer Gruppe von jungen Leuten der Friedens- und Menschenrechtsbewegung ein selbstgemaltes Transparent mit diesem Luxemburg-Zitat hochgehalten, doch nur für wenige Sekunden.


wie sich diese zusammenschlüsse auch immer nannten... der grösste teil war jedoch antragsteller auf ständige austreise und hatte mit der ddr und den zielen von karl und rosa nichts am hut.

- selbstverständlich waren diese personen alle zufällig am treffpunkt "haus für sport und freizeit" am frankfurter tor
- selbstverständlich hatten sie sich nicht verabredet und es war die idee eines jeden einzelnen sich dort zu treffen
- sie wollten, so wie sonst auch immer, nur karl und rosa gedenken
- selbstverständlich glaubten sie, das die staatsmacht es nicht als provokation empfindet
- auch die mitgebrachten transparente entstanden, ganz spontan natürlich, erst kurz vorher
- westliche fernsehteams wussten nichts vom zufälligen treffen und waren auch ganz überrascht was sich vor ihren kameras tat
- sicherlich waren diese personen schon immer glühende rosa luxemburg verehrer und wollten nunmal ihr wissen testen

anmerkung:
- ein großteil der zufällig anwesenden personen spazierte vorher jeden sonntag ab 17.00 uhr von der friedrichstraße zum brandenburger tor und zurück um still auf ihre anträge auf ständige ausreise aufmerksam zu machen
- ebenfalls waren viele dieser personen, auch rein zufällig, auf der beerdigung von chris gueffroy * anwesend

* interessante familiengeschichte:
- opa ist kommunist gewesen und saß dafür im kz
- vater war fotograf bei der zeitschrift "armeerundschau"
- chris g. selbst, mit seiner mutter, antragsteller auf ständige ausreise


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 20.09.2010 20:07 | nach oben springen

#4

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 20:22
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Angelo
Vor dem HO-Kaufhaus für Sport und Freizeit wird aus einer Gruppe von jungen Leuten der Friedens- und Menschenrechtsbewegung ein selbstgemaltes Transparent mit diesem Luxemburg-Zitat hochgehalten, doch nur für wenige Sekunden.


wie sich diese zusammenschlüsse auch immer nannten... der grösste teil war jedoch antragsteller auf ständige austreise und hatte mit der ddr und den zielen von karl und rosa nichts am hut.

- selbstverständlich waren diese personen alle zufällig am treffpunkt "haus für sport und freizeit" am frankfurter tor
- selbstverständlich hatten sie sich nicht verabredet und es war die idee eines jeden einzelnen sich dort zu treffen
- sie wollten, so wie sonst auch immer, nur karl und rosa gedenken
- selbstverständlich glaubten sie, das die staatsmacht es nicht als provokation empfindet
- auch die mitgebrachten transparente entstanden, ganz spontan natürlich, erst kurz vorher
- westliche fernsehteams wussten nichts vom zufälligen treffen und waren auch ganz überrascht was sich vor ihren kameras tat
- sicherlich waren diese personen schon immer glühende rosa luxemburg verehrer und wollten nunmal ihr wissen testen

anmerkung:
- ein großteil der zufällig anwesenden personen spazierte vorher jeden sonntag ab 17.00 uhr von der friedrichstraße zum brandenburger tor und zurück um still auf ihre anträge auf ständige ausreise aufmerksam zu machen
- ebenfalls waren viele dieser personen, auch rein zufällig, auf der beerdigung von chris gueffroy * anwesend

* interessante familiengeschichte:
- opa ist kommunist gewesen und saß dafür im kz
- vater war fotograf bei der zeitschrift "armeerundschau"
- chris g. selbst, mit seiner mutter, antragsteller auf ständige ausreise




Gilbert und welche Schlüsse ziehst du aus dieser Negativspirale ( aus Sicht des SED Staates )?
Gruß Gert


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#5

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 20:27
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

hatte ich doch geschrieben: interessante familiengeschichte


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#6

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 20:30
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
hatte ich doch geschrieben: interessante familiengeschichte



ist doch aber sehr allgemein und auch ausweichend von dir beantwortet.


.
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#7

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 20:30
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von GilbertWolzow

* interessante familiengeschichte:
- opa ist kommunist gewesen und saß dafür im kz
- vater war fotograf bei der zeitschrift "armeerundschau"
- chris g. selbst, mit seiner mutter, antragsteller auf ständige ausreise



Gilbert und welche Schlüsse ziehst du aus dieser Negativspirale ( aus Sicht des SED Staates )?
Gruß Gert




Diese Art Familiengeschichten gab es wohl öfter: Passend zum Nick von Gilbert sei mal Dieter Noll und sein Sohn genannt, dazu beispielsweise Karl Maron und Tochter - Bodo Uhse fällt mir auch noch ein.

Die Frage nach dem Warum ist wirklich interessant.

Gruss

icke



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#8

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 20:43
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Man kann doch nur lachen, wer da plötzlich alles auf Demos mitmarschieren wollte.
Vorher allesamt nur negativ in Erscheinung getreten und plötzlich bei Veranstaltungen mit einem eigenen Block erscheinen. Natürlich ohne jeden Wunsch der Provokation, ohne Hintergedanken und völlig ohne jeglichen organisatorischen Zusammenhalt. Sonderbar bloß, dass sonst genau dieser Personenkreis unter dem Dach der Kirche seine Untergrundtätigkeit verrichtet hat. Der Pfaffe von Sa* hat hier in NB ganze Arbeit geleistet und sich ja anschließend auch bei der Auflösung des MfS/AfNS hervorgetan.

Wie die Vorgänge und Bilder sich doch in allen Teilen der Republik glichen und welch ein Zufall wohl dahinter steckte. Heute weiß man nicht ob man lachen soll oder weinen, ob Mitleid haben mit denen die solchen Ausführungen und Zufällen glauben schenken, oder nur Müde lächeln. Ich denke ich genehmige mir ein mitleidiges Lächeln, denn sie wissen es nicht besser.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#9

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 20:56
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
- vater war fotograf bei der zeitschrift "armeerundschau"



Echt, war das der Sohn von DEM Fotografen. Wußte ich noch nicht, immer gern was dazulernend. 'Gueffroy' ist zwar kein Allerweltsname, aber laut yasni auch nicht sooo selten http://www.yasni.de/gueffroy/name+verzeichnis


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#10

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 21:05
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Man kann doch nur lachen, wer da plötzlich alles auf Demos mitmarschieren wollte.
Vorher allesamt nur negativ in Erscheinung getreten und plötzlich bei Veranstaltungen mit einem eigenen Block erscheinen. Natürlich ohne jeden Wunsch der Provokation, ohne Hintergedanken und völlig ohne jeglichen organisatorischen Zusammenhalt. Sonderbar bloß, dass sonst genau dieser Personenkreis unter dem Dach der Kirche seine Untergrundtätigkeit verrichtet hat. Der Pfaffe von Sa* hat hier in NB ganze Arbeit geleistet und sich ja anschließend auch bei der Auflösung des MfS/AfNS hervorgetan.

Wie die Vorgänge und Bilder sich doch in allen Teilen der Republik glichen und welch ein Zufall wohl dahinter steckte. Heute weiß man nicht ob man lachen soll oder weinen, ob Mitleid haben mit denen die solchen Ausführungen und Zufällen glauben schenken, oder nur Müde lächeln. Ich denke ich genehmige mir ein mitleidiges Lächeln, denn sie wissen es nicht besser.




Feliks, musst du nicht eher dir selbst ein mitleidiges Lächeln genehmigen ? Immerhin , sie, die "Pfaffen" und die Anderen, haben eine Armada von ca. 90.000 bis an die Zähne bewaffnete und hochmotivierte "Sicherheitsexperten" kurzerhand entwaffnet und neutralisiert. So dumm können diese Menschen doch gar nicht sein, das du ihnen ein mitleidiges Lächeln widmest. Als alter Kämpfer des ehem. "Ordens" müsstest du fairweise ihnen Respekt zollen.
Der Volksmund würde sagen, sie haben das MfS platt gemacht und das ist auch der richtige Ausdruck. Ich kann verstehen, dass dir das nicht schmeckt. Soviel Einfühlungsvermögen habe ich. Andererseits hält sich mein Mitleid sehr in Grenzen, denn diese Ende habt ihr euch im Schweisse eures Angesichts in den Jahrzehnten hart erarbeitet.Wenn ich Enkelkinder hätte, so würden sie so quittieren

Gruß Gert


.
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#11

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 20.09.2010 21:19
von YYYYYYYY (gelöscht)
avatar

Zitat von Gert

Zitat von Feliks D.
Man kann doch nur lachen, wer da plötzlich alles auf Demos mitmarschieren wollte.
Vorher allesamt nur negativ in Erscheinung getreten und plötzlich bei Veranstaltungen mit einem eigenen Block erscheinen. Natürlich ohne jeden Wunsch der Provokation, ohne Hintergedanken und völlig ohne jeglichen organisatorischen Zusammenhalt. Sonderbar bloß, dass sonst genau dieser Personenkreis unter dem Dach der Kirche seine Untergrundtätigkeit verrichtet hat. Der Pfaffe von Sa* hat hier in NB ganze Arbeit geleistet und sich ja anschließend auch bei der Auflösung des MfS/AfNS hervorgetan.

Wie die Vorgänge und Bilder sich doch in allen Teilen der Republik glichen und welch ein Zufall wohl dahinter steckte. Heute weiß man nicht ob man lachen soll oder weinen, ob Mitleid haben mit denen die solchen Ausführungen und Zufällen glauben schenken, oder nur Müde lächeln. Ich denke ich genehmige mir ein mitleidiges Lächeln, denn sie wissen es nicht besser.




Feliks, musst du nicht eher dir selbst ein mitleidiges Lächeln genehmigen ? Immerhin , sie, die "Pfaffen" und die Anderen, haben eine Armada von ca. 90.000 bis an die Zähne bewaffnete und hochmotivierte "Sicherheitsexperten" kurzerhand entwaffnet und neutralisiert. So dumm können diese Menschen doch gar nicht sein, das du ihnen ein mitleidiges Lächeln widmest. Als alter Kämpfer des ehem. "Ordens" müsstest du fairweise ihnen Respekt zollen.
Der Volksmund würde sagen, sie haben das MfS platt gemacht und das ist auch der richtige Ausdruck. Ich kann verstehen, dass dir das nicht schmeckt. Soviel Einfühlungsvermögen habe ich. Andererseits hält sich mein Mitleid sehr in Grenzen, denn diese Ende habt ihr euch im Schweisse eures Angesichts in den Jahrzehnten hart erarbeitet.Wenn ich Enkelkinder hätte, so würden sie so quittieren

Gruß Gert





@ gert


mich würde interessieren was du unter "bis an die zähne bewaffnet" verstehst? weil ich als "unwissender" denke da auch irgendwie an ---->smg s ,gramawa 40, etc


zuletzt bearbeitet 20.09.2010 21:37 | nach oben springen

#12

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 08:26
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Gert
Immerhin , sie, die "Pfaffen" und die Anderen, haben eine Armada von ca. 90.000 bis an die Zähne bewaffnete und hochmotivierte "Sicherheitsexperten" kurzerhand entwaffnet und neutralisiert. .


so, so, die pfaffen haben also "kurzerhand" das mfs "entwaffnet und neutralisiert".... @gert, höre bitte auf, fortlaufend solchen unsinn von dir zu geben. es wird langsam peinlich...


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#13

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 08:36
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

dank @gert sind wir ja vom eigentlichen thema weg...

die jährliche l/l feier bedeutete für das berliner mfs immer so eine art ausnahmezustand. das pb, auch teilweise staatsgäste, befanden sich auf offener strasse und mussten beschützt werden. gleichzeitig musste sichergestellt werden, das 100.000 demonstranten nicht gestört werden. entlang der strecke zum friedhof der sozialisten wurde jeder briefkasten bewacht. vorher wurden alle gullys und laternenmasten kontrolliert (jedoch nicht verschweisst wie bei bush bzw. putin) auf hausdächern hockten mitarbeiter des mfs um evtl. das leben bedrohter repräsentanten zu schützen. alles was laufen konnte im mfs musste raus zu dieser demonstration.
an sich war dieser tag immer stress und es verblieb wenig zeit derer dort auf dem friedhof zu gedenken. dem kult, dem politbüro dort auf einer tribüne zuzuwinken fand ich damals schon unpassend...


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#14

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 08:47
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Gilbert mal eine Frage an Dich, da Du ja beides hautnah erleben durftest.

Wie schätzt Du den Aufwand zur Absicherung der L/L Feier im Vergleich zur Absicherung der Parade ein? Deinen Ausführungen (Gulli, zielsichere Kräfte auf dem Dach, alles was laufen konnte usw.) entnehme ich für mich, dass dieser durchaus als vergleichbar zu bezeichnen war? Allerding gehe ich davon aus, dass aufgrund der speziellen Anforderungen (Überwachung der Waffenträger, unbrauchbarmachung der Waffen der Marschblöcke, hoher Anteil ausländischer Repräsentanten) bei der Absicherung der Parade, der Aufwand und die zeitlichen sowie personellen Anforderungen noch einmal um einiges höher gewesen sein müssen?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#15

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 08:54
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow

- selbstverständlich waren diese personen alle zufällig am treffpunkt "haus für sport und freizeit" am frankfurter tor
- selbstverständlich hatten sie sich nicht verabredet und es war die idee eines jeden einzelnen sich dort zu treffen
....



Zitat von Feliks D.
Natürlich ohne jeden Wunsch der Provokation, ohne Hintergedanken und völlig ohne jeglichen organisatorischen Zusammenhalt. Sonderbar bloß, dass sonst genau dieser Personenkreis unter dem Dach der Kirche seine Untergrundtätigkeit verrichtet hat.



Hey Jungs, woran zieht Ihr Euch denn da hoch? Von alldem habe ich in dem Artikel gar nichts gelesen. Nirgendwo steht, dass die Gruppe da spontan aufgetaucht wäre, sich vorher nicht kannt oder sonst irgend etwas von dem, was Ihr hier ins Feld führt.
Ich denke allen ist klar, dass sich die Gruppe da planmäßig postiert hat, um auf eine nicht ganz dumme Art (Luxemburg-Zitat) ein bisschen im Dreck zu rühren.

Im Übrigen war die Karl+Rosa-Demo für Viele ein Negativ-Highlight des durchorganisierten Jahres. Bei üblicherweise Ars*-Kälte durch die halbe Stadt zu marschieren, zu welchem Zweck auch immer, war uns nicht gerade ein inneres Bedürfnis. Meistens haben wir es nicht mal bis zum Frankfurter Tor geschafft, es sei denn Schild+Schwert waren auch vor den U-Bahneingängen an der Strecke postiert. In Friedrichsfelde bin ich jedenfalls all die Jahre nie angekommen.


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#16

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 09:02
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@feliks, beide veranstaltungen sind schwer zu vergleichen... bei der l/l- feier ging morgens meistens der rummel ab 05.00 - 05.30 uhr los und war gegen 14.00 - 15. 00 uhr beendet. das wochenende war durch die vor- und nachbereitschaft sowieso kaputt. zur l/l feier mussten fast alle diensteinheiten des mfs ran, während zur parade mehr die ha I, ha ps und agm/ s gefragt war. von den armen technikern der abt. n will ich garnicht reden .
der eigentliche zirkus begann doch erst nach der parade, wenn überall die feierlichkeiten und bürgerfeste abgesichert werden mussten. kannst du dir vorstellen, wie grausam es ist, sich olaf berger oder inka stundenlang anzutun ?

auch wenn ich beide veranstaltungen nicht vergleichen kann, jedoch war zur l/l feier das wetter bei weitem grausamer...


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#17

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 09:06
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von sentry

Im Übrigen war die Karl+Rosa-Demo für Viele ein Negativ-Highlight des durchorganisierten Jahres. Bei üblicherweise Ars*-Kälte durch die halbe Stadt zu marschieren, zu welchem Zweck auch immer, war uns nicht gerade ein inneres Bedürfnis. Meistens haben wir es nicht mal bis zum Frankfurter Tor geschafft, es sei denn Schild+Schwert waren auch vor den U-Bahneingängen an der Strecke postiert. In Friedrichsfelde bin ich jedenfalls all die Jahre nie angekommen.



jipp @sentry, viele bürger meldeten sich bei ihrem marschblock ihres betriebes und sahen anschliessend zu, dass sie land gewannen... ganz früher soll man dem begenet sein, dass man aus der betriebskasse den demonstranten nach friedrichsfelde noch 5 mark für ne bratwurst und nen bier in die hand drückte...
du willst mir doch aber nicht erklären @sentry, das das mfs an den u-bahneingängen stand um zu verhindern, dass sich betriebsangehörige verdünnisieren ?


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#18

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 09:08
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
dank @gert sind wir ja vom eigentlichen thema weg...

die jährliche l/l feier bedeutete für das berliner mfs immer so eine art ausnahmezustand. das pb, auch teilweise staatsgäste, befanden sich auf offener strasse und mussten beschützt werden. gleichzeitig musste sichergestellt werden, das 100.000 demonstranten nicht gestört werden. entlang der strecke zum friedhof der sozialisten wurde jeder briefkasten bewacht. vorher wurden alle gullys und laternenmasten kontrolliert (jedoch nicht verschweisst wie bei bush bzw. putin) auf hausdächern hockten mitarbeiter des mfs um evtl. das leben bedrohter repräsentanten zu schützen. alles was laufen konnte im mfs musste raus zu dieser demonstration.
an sich war dieser tag immer stress und es verblieb wenig zeit derer dort auf dem friedhof zu gedenken. dem kult, dem politbüro dort auf einer tribüne zuzuwinken fand ich damals schon unpassend...




oh sorry Gilbert, dass ich vom Thema abgewichen bin aber der Gedanke drängte sich mir gerade mal auf. Peinlich ?`Ich kann daran nichts peinliches sehen, ist doch deutsche Geschichte


.
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#19

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 09:13
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von sentry


Hey Jungs, woran zieht Ihr Euch denn da hoch? Von alldem habe ich in dem Artikel gar nichts gelesen. Nirgendwo steht, dass die Gruppe da spontan aufgetaucht wäre, sich vorher nicht kannt oder sonst irgend etwas von dem, was Ihr hier ins Feld führt.



Zitat von Angelo
Er erntet Heiterkeit, als er wissen will, wer denn in der Gruppe „das Ganze organisiert hat, einer muß doch ‚den Hut aufhaben’ hier“, findet er, er müsse doch einen haben, um in „Verhandlungen zur Klärung des Sachverhalts einzutreten“. Kopfschütteln bei seinem Gegenüber. „Hier kann jeder für sich selbst reden, das begreifen sie nicht, daß etwas nicht organisiert ist“.



Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 21.09.2010 09:13 | nach oben springen

#20

RE: Gedenkmarsch der SED für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

in DDR Zeiten 21.09.2010 09:20
von sentry | 1.077 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
du willst mir doch aber nicht erklären @sentry, das das mfs an den u-bahneingängen stand um zu verhindern, dass sich betriebsangehörige verdünnisieren ?



Mag ja sein, dass wir da etwas paranoid waren, aber als kleine Berlin-Mitte-Gang mit home base im PdR hatten wir dazu auch allen Grund
Fakt ist, dass wir nur Zivilisten waren und keine Ahnung von Einsatzgrundregeln und Kampfauftrag der Genossen in Zivil hatten. Es kam uns jedenfalls durchaus plausibel vor, dass die Typen, die wir als Angehörige des Organs in Zivil aufgeklärt hatten und die vor den U-Bahneingängen rumlungerten, den Auftrag hatten dafür zu sorgen, dass der Strom der Demonstranten auf dem Weg nach Friedrichsfelde nicht versiegt und dort womöglich nur noch ein klägliches Rinnsal an den Heldengräbern entlangfließt. Und wir hatten auch keine Lust, uns vor irgendjemandem zu erklären, unsere Personalien aufnehmem zu lassen oder sonst irgendwie in den Blick des Organs zu geraten. Also sind wir dann lieber weitergezogen - bis zum nächsten U-Bahneingang. Das war ja auch nicht jedes Jahr so...ich meine das Verpissen schon, aber nicht die Wächter vor den U-Bahneingängen. Gut möglich, dass da in einigen Jahren schlechte Erfahrungen gemacht wurden mit der Wetterabhängigkeit der Einstellung der Werktätigen, so dass es dann im nächsten Jahr ein paar glatte "Zivilisten" mit Regenschirm im Stoffbeutel vor die U-Bahneingänge verschlagen hat (muss ja kein MfS gewesen sein )
Wenn wir da falsch lagen, können wir da gerne heute drüber schmunzeln, tatsächlich tue ich das sogar während ich das hier schreibe. Aber so war das eben damals mit uns coolen kleinen Scheißern im Kampf gegen einen der effizientesten Geheimdienste der Welt.


zuletzt bearbeitet 21.09.2010 09:21 | nach oben springen



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