#1

Grenzdurchbruch 1989 in Hanum 7.GK/II.GB/GR-24

in Grenztruppen der DDR 04.09.2010 00:35
von ek53 | 54 Beiträge

Hi all,
in der damaligen rechten Nachbarkompanie (7. GK im GR24) Hanum
fiel es jemandem auf, daß auf dem K2 leicht kreisförmige Fegespuren
waren. Das besondere: Der Kreismittelpunkt lag am GSSZ.

Das hieß dann lange, lange Sackstand für die ganze Kompanie.
Das wurde auch bei uns in Nettgau etwas später ausgewertet: Dort hat sich
jemand (wohl aus der Nähe, vielleicht sogar direkt Hanum?) einen
Beton-Lochstein (solch einen, der unten am GSSZ mit einer Schraube
befestigt war und tief ins Erdreich ragte) bei dem sich die Schraube
stückweise lösen ließ, ausfindig gemacht.

Ein paar Tage später kam er, löste die Schraube ganz, buddelte
den Stein aus, kroch hindurch, "harkte" den K2, setzte den Stein
wieder ins Erdreich, dann verschwand er unbemerkt.

Ich glaube mich erinnern zu können, daß mehrere Tage vergingen,
bis jemandem mal der falsch herum liegende Harkenhalbkreis auffiel.
Der stundenlange Sackstand war letztlich also auch umsonst.

Gruß
ek53



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#2

RE: Grenzdurchbruch 1989 in Hanum 7.GK/II.GB/GR-24

in Grenztruppen der DDR 20.01.2011 17:58
von anamu (gelöscht)
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Hallo.

Mh, hab mich grad angemeldet (anamu), um antworten zu können und stell jetzt fst, dass das gar nicht nötig gewesen wäre. Egal, dauert eh länger.

So ähnlich könnte sich das abgespielt haben, wie ek53 schreibt. Ich war damals in Hanum Alarmgruppenführer (EK55 ;), dank Wende war früher Schluss) auf der FüSt, als das Loch entdeckt wurde.

Ein Posten der mit ´nem ELO, wenn ich mich recht erinnere, im Bereich Schweinewald - rechts von Hanum - eingesetzt war, meldete dem KGSi (ein BO Leutnant H., mein Zugführer), dass er Richtung GSSZ handeln wollte. Angeblich hätte dort jemand (er? ich habs vergessen) am Tag davor oder morgens was verloren. Kam mir seltsam vor aber ich hatte nie danach gefragt. Jedenfalls haben sie dabei das Loch unterm GSSZ sozusagen von hinten gefunden. Freundwärts GSSZ war ein Posten in der Nähe, der die Fegespuren als solche identifizierte.

Erst dann gab es Grenzalarm. Der KGSi hätte sonst erklären müssen, was sein Posten da oben gemacht hat, als er das Loch entdeckte. Außerdem wollte er wohl cool sein und die Regeln so exakt oder lasch interpretieren, wie es damals zumindest in Hanum nicht unüblich war. Also erst mal gucken, ob sich der Stress wirklich lohnt, statt sofort die Hupe drücken zu lassen.

Tatsächlich wurde später unter der Hand bekannt, dass bei der morgendlichen Kontrolle des K2 ein kleines Loch von der freundwärtigen Seite aufgefallen war. Der Uffz glaubte aber, dass das von einem Tier stammen könnte. Wir ahtten z.B. Dachse im Abschnitt. Es wurde also also sehr gründlich "geharkt". Die zweite These des Uffz war, dass der GSZ-Trupp an der Stelle gearbeitet hatte, weil wohl auch ein Abdruck eines Soldatenstiefel am freundwärtigen Rand des K2 war. Blickrichtung freundwärts.

Da ich mitgehört hatte, zogen wir uns schon mal an, bevor es offiziell Grenzalarm für die A-Gruppe gab. Der Postenpunkt, den ich besetzten sollte, lag nicht exakt gegenüber dem Loch. Aber mitten in der freien Landschaft, weswegen wir trotz zu erwartendem hohen Besuchs zunächst keine Deckung bezogen. Mein Posten (Soldat H.) fand in ein paar Meter Entfernung auf dem feindwärtigen Rand des K6 einen Abdruck. Dazu eine gut erkennbare Harkspur. Das ganze unmittelbar links von der Sichtblende (Mauer) Haselhorst.

Was ein gewisses Risiko für den GV darstellte, denn der Bereich zwischen Sichtblende und GSSZ wir hier noch recht schmal. Unmittelbar neben der Ortslage Haselhorst waren es nicht mehr als ein paar Meter. Man konnte vom Kolonnenweg am K6 fast zum GSSZ spucken. Das heißt, hier war ständig ein Posten. Der aber, das erfordert Insiderwissen, war zumindest nachts fast regelmäßig aber vorschriftswidrig auf dem BT.

Ziemlich zeitgleich brauste ein junger Unterleutnant, der Grenze noch richtig aufregend fand heran. Ob mit Pappe oder Tesi, weiß ich nicht mehr. Name hab ich auch vergessen. Ich weiß auch nicht mehr, was er eigentlich im Abschnitt tat.
Der quatschte mir von einer zweiten Sprechstelle dazwischen, als ich dem KGSi Meldung von der Spur machen wollte. Der KGSi dachte zunächst, ich wollte mich nur anmelden und hätte mich beinahe weggedrückt. Die Offiziere, beide noch nicht lange an der Kante, waren ziemlich nervös. Der Unterleutnant hatte Mühe, die richtige Nummer des PP abzulesen. Ich glaube, wir waren schon damals alle nur Menschen.

Mein Posten musste den Unterleutnant anschließend festhalten, als der im Eifer des Geschehens fast unmittellbar auf der Spur über den K6 zum GSZ wollte. Bei näherer Betrachtung war jedoch auch vom Kollonenweg aus zu erkennen, das eine Platte aus dem GSZ rausgeschraubt war. Da war nix mehr zu machen. Weg iss weg. Es wurde natürlich auch im übrigen Grenzabschnitt nichts gefunden. Keiner mehr da.

Später wurde uns gesagt, dass ein ehemaliger Soldat der GK (EK 50 oder so), der sehr genau wusste, wie das Regime ablief, vermisst wurde. Zusammen mit einer weiteren Person aus seinem Umfeld. Die beiden kamen aus dem Leipziger Raum, wenn ich micht recht entsinne. Wegen der Insiderkenntnisse bis hin zum passenden Schraubenschlüssel und der Nutzung von Soldatenstiefeln erscheint mir die Erklärung nicht unlogisch.

Ich hab mich seit Ewigkeiten mit dem Thema GT nicht mehr beschäftigt. Deswegen sind die Erinnerungern natürlich spärlich. Vielleicht fallen mir noch Details oder Korrekturen ein, wenn ich länger drüber nachdenke.

Wir hatten ´89 übrigens zwei weitere Durchbrüche in dem sonst ruhigen Abschnitt. Gleich im Januar ein Uffz (oder schon Ufw) der nachts als Posten neben seinem KGSi auf der FüSt saß, bis er mal pinkeln musste. Ebenfalls 55er. Später Kabarettist im Saarland.
Und als die GüSts alle schon offen waren, musste ein Waldarbeiter den kurzen Weg zum Begrüßungsgeld nehmen und einem unserer Soldaten, der ja immer noch sichernder Posten spielen musste, Stress bereiten.
Beide Geschichten bei Interesse später.

Soweit mein Erstbeitrag. Beste Grüße vom zukünftigen User anamu


zuletzt bearbeitet 20.01.2011 18:43 | nach oben springen

#3

RE: Grenzdurchbruch 1989 in Hanum 7.GK/II.GB/GR-24

in Grenztruppen der DDR 20.01.2011 18:56
von Südharzer | 570 Beiträge

Hallo Anamu,

du schreibst bei Interesse mehr. Aber sicher haben wir Interesse an alten Grenzgeschichten,sagt ja eigentlich schon der Name des Forums.

Und glaube mir die Erinnerungen kommen allmählich wieder je mehr man über die alte Zeit nachdenkt.

Sei also herzlich willkommen im Club


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#4

RE: Grenzdurchbruch 1989 in Hanum 7.GK/II.GB/GR-24

in Grenztruppen der DDR 20.01.2011 19:04
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von anamu
Hallo.

Mh, hab mich grad angemeldet (anamu), um antworten zu können und stell jetzt fst, dass das gar nicht nötig gewesen wäre. Egal, dauert eh länger.

So ähnlich könnte sich das abgespielt haben, wie ek53 schreibt. Ich war damals in Hanum Alarmgruppenführer (EK55 ;), dank Wende war früher Schluss) auf der FüSt, als das Loch entdeckt wurde.

Ein Posten der mit ´nem ELO, wenn ich mich recht erinnere, im Bereich Schweinewald - rechts von Hanum - eingesetzt war, meldete dem KGSi (ein BO Leutnant H., mein Zugführer), dass er Richtung GSSZ handeln wollte. Angeblich hätte dort jemand (er? ich habs vergessen) am Tag davor oder morgens was verloren. Kam mir seltsam vor aber ich hatte nie danach gefragt. Jedenfalls haben sie dabei das Loch unterm GSSZ sozusagen von hinten gefunden. Freundwärts GSSZ war ein Posten in der Nähe, der die Fegespuren als solche identifizierte.

Erst dann gab es Grenzalarm. Der KGSi hätte sonst erklären müssen, was sein Posten da oben gemacht hat, als er das Loch entdeckte. Außerdem wollte er wohl cool sein und die Regeln so exakt oder lasch interpretieren, wie es damals zumindest in Hanum nicht unüblich war. Also erst mal gucken, ob sich der Stress wirklich lohnt, statt sofort die Hupe drücken zu lassen.

Tatsächlich wurde später unter der Hand bekannt, dass bei der morgendlichen Kontrolle des K2 ein kleines Loch von der freundwärtigen Seite aufgefallen war. Der Uffz glaubte aber, dass das von einem Tier stammen könnte. Wir ahtten z.B. Dachse im Abschnitt. Es wurde also also sehr gründlich "geharkt". Die zweite These des Uffz war, dass der GSZ-Trupp an der Stelle gearbeitet hatte, weil wohl auch ein Abdruck eines Soldatenstiefel am freundwärtigen Rand des K2 war. Blickrichtung freundwärts.

Da ich mitgehört hatte, zogen wir uns schon mal an, bevor es offiziell Grenzalarm für die A-Gruppe gab. Der Postenpunkt, den ich besetzten sollte, lag nicht exakt gegenüber dem Loch. Aber mitten in der freien Landschaft, weswegen wir trotz zu erwartendem hohen Besuchs zunächst keine Deckung bezogen. Mein Posten (Soldat H.) fand in ein paar Meter Entfernung auf dem feindwärtigen Rand des K6 einen Abdruck. Dazu eine gut erkennbare Harkspur. Das ganze unmittelbar links von der Sichtblende (Mauer) Haselhorst.

Was ein gewisses Risiko für den GV darstellte, denn der Bereich zwischen Sichtblende und GSSZ wir hier noch recht schmal. Unmittelbar neben der Ortslage Haselhorst waren es nicht mehr als ein paar Meter. Man konnte vom Kolonnenweg am K6 fast zum GSSZ spucken. Das heißt, hier war ständig ein Posten. Der aber, das erfordert Insiderwissen, war zumindest nachts fast regelmäßig aber vorschriftswidrig auf dem BT.

Ziemlich zeitgleich brauste ein junger Unterleutnant, der Grenze noch richtig aufregend fand heran. Ob mit Pappe oder Tesi, weiß ich nicht mehr. Name hab ich auch vergessen. Ich weiß auch nicht mehr, was er eigentlich im Abschnitt tat.
Der quatschte mir von einer zweiten Sprechstelle dazwischen, als ich dem KGSi Meldung von der Spur machen wollte. Der KGSi dachte zunächst, ich wollte mich nur anmelden und hätte mich beinahe weggedrückt. Die Offiziere, beide noch nicht lange an der Kante, waren ziemlich nervös. Der Unterleutnant hatte Mühe, die richtige Nummer des PP abzulesen. Ich glaube, wir waren schon damals alle nur Menschen.

Mein Posten musste den Unterleutnant anschließend festhalten, als der im Eifer des Geschehens fast unmittellbar auf der Spur über den K6 zum GSZ wollte. Bei näherer Betrachtung war jedoch auch vom Kollonenweg aus zu erkennen, das eine Platte aus dem GSZ rausgeschraubt war. Da war nix mehr zu machen. Weg iss weg. Es wurde natürlich auch im übrigen Grenzabschnitt nichts gefunden. Keiner mehr da.

Später wurde uns gesagt, dass ein ehemaliger Soldat der GK (EK 50 oder so), der sehr genau wusste, wie das Regime ablief, vermisst wurde. Zusammen mit einer weiteren Person aus seinem Umfeld. Die beiden kamen aus dem Leipziger Raum, wenn ich micht recht entsinne. Wegen der Insiderkenntnisse bis hin zum passenden Schraubenschlüssel und der Nutzung von Soldatenstiefeln erscheint mir die Erklärung nicht unlogisch.

Ich hab mich seit Ewigkeiten mit dem Thema GT nicht mehr beschäftigt. Deswegen sind die Erinnerungern natürlich spärlich. Vielleicht fallen mir noch Details oder Korrekturen ein, wenn ich länger drüber nachdenke.

Wir hatten ´89 übrigens zwei weitere Durchbrüche in dem sonst ruhigen Abschnitt. Gleich im Januar ein Uffz (oder schon Ufw) der nachts als Posten neben seinem KGSi auf der FüSt saß, bis er mal pinkeln musste. Ebenfalls 55er. Später Kabarettist im Saarland.
Und als die GüSts alle schon offen waren, musste ein Waldarbeiter den kurzen Weg zum Begrüßungsgeld nehmen und einem unserer Soldaten, der ja immer noch sichernder Posten spielen musste, Stress bereiten.
Beide Geschichten bei Interesse später.

Soweit mein Erstbeitrag. Beste Grüße vom zukünftigen User anamu



Willkommen im Forum Anamu - (Altmarkmuffel????), sehr schöner Sachvortrag. Bitte weiter so, vielleicht fallen Dir ja noch einige Details ein.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
www.grenzradio911.info
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#5

RE: Grenzdurchbruch 1989 in Hanum 7.GK/II.GB/GR-24

in Grenztruppen der DDR 21.09.2011 23:21
von ek53 | 54 Beiträge

Zitat von anamu
Hallo.


Erst dann gab es Grenzalarm. Der KGSi hätte sonst erklären müssen, was sein Posten da oben gemacht hat, als er das Loch entdeckte. Außerdem wollte er wohl cool sein und die Regeln so exakt oder lasch interpretieren, wie es damals zumindest in Hanum nicht unüblich war. Also erst mal gucken, ob sich der Stress wirklich lohnt, statt sofort die Hupe drücken zu lassen.

...
Was ein gewisses Risiko für den GV darstellte, denn der Bereich zwischen Sichtblende und GSSZ wir hier noch recht schmal. Unmittelbar neben der Ortslage Haselhorst waren es nicht mehr als ein paar Meter. Man konnte vom Kolonnenweg am K6 fast zum GSSZ spucken. Das heißt, hier war ständig ein Posten. Der aber, das erfordert Insiderwissen, war zumindest nachts fast regelmäßig aber vorschriftswidrig auf dem BT.
...
Soweit mein Erstbeitrag. Beste Grüße vom zukünftigen User anamu



Hi Anamu!
Ist ja schön, mal was von jemandem aus Hanum zu hören. Ich war ja in Nettgau, das bis kurz vor meiner Entlassung
8. GK gewesen war. Nettgau war scheinbar vor mir auch recht locker, insbesondere was die Fahrten zwischen Abschnitt
und Kompanie betraf. Da durften schon mal die Posten ganz aus dem Abschnitt heraus, um jemanden in die Kompanie
zu fahren. Oder es gab oft auch nur einen einzigen Posten ganz links an der TL zum nächsten GR (GR23? Steimke oder
Jahrstedt, die Halbwertszeit des Wissen schlägt manchmal erbarmungslos zu) und der Rechtsposten war am Tage gar nicht
da, manchmal nicht mal nachts.

Ablösung war, wenn ein Rechtsposten da war, meist innen am Tor (mir ist wie T120) gleich hinterm Ortsschild.

Zum Ende meiner Dienstzeit war der Rechtsposten zwischen der "Blende" in Gladdenstedt und der TL zu Hanum auch fast
immer präsent.
Oft sogar noch jemand in Wendisch-Brome an der ganz, ganz schmalen Stelle. Und dann wurde auch auf die Wechsel genauer
geachtet, am Rande (muß ja T119 gewesen sein) raus, der Ablöseposten am T120 oder T121 oder so rein. Oft noch in
der Ablösezeit mit Kontrolle K2/K6 verbunden, jedenfalls so, daß die 8 Stunden Dienst auch schön voll ausgenutzt werden.


Kennste noch Hauptmann Waldi? Der war manchmal auch OPD, der sprang auch oft im Abschnitt rum,
Kannste Dich noch an den Film "Müllers Büro" erinnern? Der wurde ja oft hin- und hergetauscht. Einmal
haben wir den sogar an der RTL persönlich übergeben.


Grüße
ek53



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