#61

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.09.2010 22:39
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von S51
Meine Zugehörigkeit zu dieser Welttruppe begann im Herbst, Oktober 1982. Ich erhielt eine Karte zwecks Einberufungsüberprüfung und hatte mich beim Wehrkreiskommando zu melden.
Früh am Morgen, gegen 07:30 Uhr, doch komischerweise war der "Laden" leer, dort , wo ich hin sollte. Während ich noch etwas irritiert die tatsächlich nichtexistierende Raumbezeichnung suchte, wurde ich in ein Zimmer gerufen. Außer einem Offizier, Major, war dort niemand. Und ich nun natürlich.
Er beglückwünschte mich zu meiner Entscheidung, den Wehrdienst mangels einer Stelle bei der BePo nun bei GT abzuleisten. Während ich noch rätselte, wozu hierfür extra ein Termin nötig sein sollte, kam er zur Sache.
Es sei notwendig es für den Schutz der Heimat, immer über die Absichten gegnerischer Truppen informiert zu sein. Er kenne meinen Berufswunsch, als Offizier zur K zu gehen aber es könnte sein, dass meine Aussichten für eine Karierre bei der Polizei nicht allzu gut wären, wenn Verwandte von mir wegen geheimdienstlicher Tätigkeit zur Verantwortung gezogen würden.
Der Treffer war gut.
Ich muss entsprechend ausgesehen haben. Also holte er aus. Es sei bekannt, dass Verwandte von mir bei den Zeugen Jehovas sehr aktiv waren. Und bekanntlich würde da einiges an Schriften die Besitzer wechseln. Da hatte er recht. Ich gehörte damals bis vor wenigen Jahren, als ich wegen einer Freundin ausgestiegen bin, ja selbst dazu.
Da jedoch mein klassenbewußter Standpunkt bekannt sei, gäbe es eine Möglichkeit, alles quasi nicht existent zu machen.
Die Variante klang besser als vorher.
Ich müsste lediglich für die Zeit als Soldat bei dem Bereich Aufklärung (oder hieß es Verwaltung Aufklärung?) tätig sein, müsste niemanden bespitzeln, nur gewisse Aufträge ausführen und könne jederzeit aufhören. Meine Akte wäre dann sauber und nie würde mich jemand etwas fragen. Ich müsste auch nie mehr antreten.
Nun muss ich dazu sagen, dass ich wegen meiner eigenen Vergangenheit eigentlich mit etwas derartigem gerechnet hatte. Diese Variante klang besser als andere Möglichkeiten. "Aufklärung", das war was, das hatte was. Bond war ein Anfänger dagegen - na gut, träumen darf man ja noch. Und von der Berechtigung und Notwendigkeit, auch so etwas für mein Land zu tun, war ich durchaus überzeugt.
Es gab keine Verpflichtung, nichts schriftliches. Nur eine Formel, mit der man sich mir gegenüber legitimieren konnte und ein Schweigeversprechen meinerseits. Das habe ich ein bischen frei ausgelegt, da nun innerhalb der Familie natürlich einige Vorsichtsmaßnahmen erforderlich waren.
Dann war lange Zeit, auch noch während der Uffz-Schule Ruhe. Erst nach etwa einem Vierteljahr, während eines Wachdienstes am letzten Posten der Glöwener Wache (Fahrzeugpark) wurde ich angesprochen. Nun hieß es, während der Wache extra zu lernen, wie kleine Behälter gefunden oder versteckt werden können. Auch Beurteilungen wurden trainiert. Allerdings meist nicht an konkreten, sondern fiktiven Personen.
In Ilsenburg kam es dann vor, dass ich als KS von GAK Sachen übernahm und diese dann während des Ausganges an bestimmten Stellen wieder abgelegt habe. Keine Ahnung, was darin war. Vorher wurde ich immer zur 2000 gerufen. Ganz offiziell durch den UvD. Doch der 2000- er hatte mit mir wenig zu tun. Er verließ umgehend den Raum, wo ein anderer Offizier aus Berlin oder Dessau dann unter vier Augen die entsprechenden Absprachen traf. Wenn das Gerede durch diese Abordnungen mal wieder zu groß wurde (wer so gerufen wurde, konnte ja nur zur 2000 gehören), hatte ich auch mal wieder eine Einschätzung zu schreiben. Die wurde jedoch immer anders unterschrieben, als meine Legende bei der BA/MA. Es waren auch nicht sehr viele und manchmal habe ich erlebt, dass Soldaten Formulierungen von mir später bei Unterhaltungen benutzt haben. Das konnten sie nur über diesen Weg bekommen haben.
Eigentlich war das irre, hat aber gut funktioniert. Ich sagte mir eben, da musste durch.
Als GAK in Schierke war es analog. Man wurde zur 2000 befohlen und dort oder während eines Urlaubes in Blankenburg wurden die notwendigen Absprachen getroffen. War das zu offensichtlich, war danach eine dienstliche Einschätzung nach AO fällig. Eigentlich aber ging es dann um Absicherungen im Abschnitt, um Beobachtungen, wer sich wann im Bereich eines TBK aufhielt oder auch nur um die Sperre eines Bereiches durch Kontrollen aller Leute davor. Manchmal habe ich auch Personen begleitet oder "die Tür aufgehalten". Wofür, wem? Keine Ahnung. Für die Legitimation genügte ein Spruch, dann passierte alles nach Absprache. Stimmte irgend etwas nur ein bischen nicht, wurden die Leute als VGO festgenommen und allles andere ging mich auch nichts mehr an.
Das klingt jetzt alles sehr wichtig, war aber eher nur eine Randnotiz des Geschehens. Wohl weil ich dort zu jeder Zeit auch ganz ohne Licht und unnötige Geräusche jedes Ziel in Sperrzone und Schutzstreifen zu erreichen vermochte, habe ich sicher auch manchen Auftrag der HA I in Absprache erledigt. Denn dafür hieß ich anders. So zum Beispiel zwei Berichte, in denen es einmal um die Frage von eventuellen Gegneraktivitäten ging. Im zweiten Fall um Geheimnisverrat. Eigentlich aufgebauschte Gerüchte, die veriffiziert werden sollten. So etwas ging mich eigentlich absolut nichts an. Doch war ich mir nie sicher, ob das, was man mir so sagte, auch wirklich an dem war. Von meinem Gegenüber wußte ich nie mehr, als wann sie da sein würden und wie sie mich ansprechen würden. Keine Namen, manchmal nicht mal Aussehen, denn wie ich selbst auch trug man dann FDU plus Regenumhang. Auch, wenn es ausnahmsweise mal nicht regnete.
Ob ich jemandem geschadet habe? Ja, ich denke schon. Mich mit bestimmten Leuten im Abschnitt gleichzeitig zu sehen bedeutete für den Betreffenden immer die sofortige Versetzung. In zwei Fällen jedenfalls und das passierte schneller, als ich es bis in die Kompanie zurück schaffte. Alles aber unter dem Mantel der 2000, hatte ich da eher die Position des Zuschauers, ging es von dritter Seite aus.
Etwa drei Monate vor der Versetzung in die Reserve hat man mir den Vorschlag gemacht, als Offizier aufzukohlen und via Berlin direkt zu arbeiten. Ich meine, an sich war das sehr spannend und von der Notwendigkeit dieser Arbeit war ich auch überzeugt. Doch wollte ich, dass auf meinem Dienstausweis das steht, was ich auch mache. Es wurde mir zu heiß, Glück geht auch irgendwann zur Neige. Und ich hielt mich nicht für intelligent genug, dies an wichtigereren Stellen als bei der VP zu tun. Damit war dann dieses Thema beendet. Es ging noch bis knapp eine Woche vor Schluß und danach habe ich wie vereinbart nie wieder eine Anfrage bekommen. Die Legitimationsformel lief unbenutzt aus und wurde nie mehr erneuert.
Wie vereinbart muss meine Akte auch sauber gewesen sein. Denn niemand auch in meiner Umgebung wurde belangt und ich als ehemaliger Zeuge Jehovas, nie Pionier und FDJ erst seit der 10. Klasse landete als Schupo und später bei der K in Berlin. Eigentlich absolut unmöglich. Mit dem dadurch immer schwelenden Gerücht, für das MfS zu arbeiten, konnte ich gut leben. Einerseits garantierte mir dies, nicht angesprochen zu werden, andererseits wäre ich bei meinem vorlauten Mundwerk sonst sicherlich schnell mal abserviert worden. Wer immer mein zeitweiliger Brötchengeber war, er hat absolut Wort gehalten.
So hätte es bleiben können.
Die Wende kam dazwischen. Im Frühjahr 1994 hörte ich über britische Kreise, dass meine Zeit abgelaufen wäre. Eigentlich hatte ich ja dann mit was ganz anderem gerechnet aber pünktlich zu meinem Geburtstag verzichtete die Berliner Polizei dann auf meine Dienste.
Na gut, Festnahmen hatte ich und Illusionen, wie es umgekehrt gelaufen wäre, hatte ich nicht. Überrascht war ich nur von der Mitteilung, während der Zeit bei GT als "GMS" bei der HA I registriert gewesen zu sein. So etwas habe ich zwar vermutet aber nicht gewußt. Immerhin hatte ich nun schriftlich, dass meine Tätigkeit dort ab dem 31.10.1985 wegen Perspektivlosigkeit tatsächlich geendet hatte.
Ich bin weder dem MfS noch der MA irgendwie böse. Schließlich war mein eigener Anteil nicht gering. Ich habe bei meiner Berufswahl zumindest geahnt, dass es ohne Zugeständnisse nicht funktionieren könnte. Und ich war überzeugt genug, diese Tätigkeit nach bestem Wissen und Können zu erledigen.
Ich habe auch eine Prämie erhalten. Etwa einen Monat vor dem Ende meiner Dienstzeit gab es Kalender und Bücher im Werte von 200 Mark. Die wurden mir kurz vor der Heimfahrt über Nacht im Kofferraum meines Seitenwagens deponiert. So ein kleiner Gag doch denke ich, ich habe ihn gut verstanden.
Nun sind über 20 Jahre vergangen, da kann man ein bischen was davon schreiben.




@s51 ein interessanter Bericht, den du da gepostet hast, wenn ich auch nicht alles verstehe( hab zu lange nicht mehr in der DDR gelebt). Was für mich aber neu war ist die Tatsache, dass die Kommunisten die Zeugen Jehovas verfolgten. Ich bin ein paar Jahre älter als du und näher an der Nazizeit. Diese haben den Zeugen J. auch übel mitgespielt und ich dachte das sei ein Privileg der Nazis.
Mmmmh, wie sich die Bilder gleichen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 04.09.2010 22:40 | nach oben springen

#62

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.09.2010 22:52
von icke46 | 2.593 Beiträge

@gert:

woraus liest Du in dem Bericht von S51, dass die Zeugen Jehovas in der DDR wie im Dritten Reich verfolgt wurden? Ich kann das daraus nicht lesen. Nur dass die Mitgliedschaft dem Fortkommen in staatlichen Institutionen hinderlich war - was aber ein grosser Unterschied zum Umgang mit den Zeugen Jehovas bei den Nazis ist - ohne den Umgang der DDR mit dieser Glaubensgemeinschaft beschönigen zu wollen.

Gruss

icke



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#63

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.09.2010 23:40
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von icke46
@gert:

woraus liest Du in dem Bericht von S51, dass die Zeugen Jehovas in der DDR wie im Dritten Reich verfolgt wurden? Ich kann das daraus nicht lesen. Nur dass die Mitgliedschaft dem Fortkommen in staatlichen Institutionen hinderlich war - was aber ein grosser Unterschied zum Umgang mit den Zeugen Jehovas bei den Nazis ist - ohne den Umgang der DDR mit dieser Glaubensgemeinschaft beschönigen zu wollen.

Gruss

icke



Bis in die 50-er Jahre war das wohl sehr relativ. Die letzten Verurteilungen wegen der (manchmal wirklich sehr "offensiven") Missionstätigkeit hat es wohl 1967 gegeben. Siehe bitte auch recht objektiv hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeugen_Jehovas
In meiner Bekanntschaft sind noch einige, die auch später zu kräftigen Geldbußen verdonnert wurden und mindestens drei, die noch bis in die 80-er Jahre wegen Wehrdienstverweigerung ihre obligatorischen 2 Jahre abgesessen haben.
Das war und ist eine Welt für sich. Als Abtrünniger stehe ich so ein bischen daneben, habe aber über die Familie noch viele Kontakte. Nein, natürlich offiziell nicht, zumindest nicht damals. Sie betrachten sich als Gottes Volk, dass den irdischen Herren nur begrenzt folgt. Zu DDR-Zeiten aber auch heute gehörten so antisozialistische Todsünden wie nicht wählen gehen, keine Mitgliedschaft in staatlichen Organisationen, alles militärische ablehnen wie auch bestimmte Berufe oder Hobbys nicht auszuüben, weder Blut zu spenden noch anzunehmen, nichts aus und mit Blut zu essen, zu ihren Markenzeichen. Ich passe also voll in das Bild. Na gut - vielleicht nicht ganz. Aber wenn schon aussteigen, dann auch mit Schmackes. Man musste, da einige Schriften aus den USA geschmuggelt wurden, schon mit herben Sanktionen rechnen, war im Wohnumfeld und der Schule bekannt wie ein bunter Hund und konnte sich so kleine Sachen wie EOS (Gymnasium) trotz Notendurchschnitt 2,0 zuverlässig abschminken. Ich bin aber nicht deshalb ausgestiegen, sondern weil ich als Jugendlicher eine Freundin hatte. Die war nicht nur nicht "von uns", sondern ich vermochte auch nicht einzusehen, wieso manches Schöne nun unbedingt eine Sünde sein sollte. Eben total uneinsichtig - das prägt und war auch später ein Markenzeichen von mir. Nicht immer zum Vorteil.
Allerdings muss ich auch anmerken, dass keineswegs alles in unserer Kleinstadt immer so heiß gegessen wie gekocht wurde. Drohungen gab es schon, wahrgemacht aber wurden sie selten. Man hat nur halt nie vorher gewußt, wann es wirklich ernst wurde.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.09.2010 23:44 | nach oben springen

#64

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.09.2010 23:55
von YYYYYYYY (gelöscht)
avatar

@ s51

sehr interessante einsichten s 51 und sehr aufschlussreich! wie ist eigentlich deine fam mit dir und deiner schönen freundin umgegangen?

VG
Janos


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#65

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 00:06
von seaman | 3.487 Beiträge

Ist schon interessant hier mitzulesen..
Bekomme Gänsehaut.


seaman


zuletzt bearbeitet 05.09.2010 00:11 | nach oben springen

#66

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 00:14
von icke46 | 2.593 Beiträge

@S51
Nicht, dass wir aneinander vorbeireden - dass man die Zeugen Jehovas mit den seinerzeit in den DDR-Gesetzen vorhandenen Mitteln verfolgt hat, zumindest bis Mitte der 60er-Jahre, wie Du schreibst, ist die eine Sache, die ich auch nicht in Ordnung finde. Ich sehe den Unterschied zur Nazizeit darin, dass es in der DDR keine KZ mit lila Winkeln für die Zeugen Jehovas gab - von daher würde ich schon differenzieren.

Das die Zeugen Jehovas schon ein sehr eigenes Volk sind, kann ich bestätigen. Immerhin kommen sie seit nunmehr über 40 Jahren zu uns ins Haus zwecks Bekehrung - und um den "Wachturm" und "Erwachet!", die beiden Zeitschriften zurückzulassen. Man hat sich daran gewöhnt, und ich nehme an, sie erfüllen da ihr Soll;-) - wenn sie auch mehr meine Mutter bearbeiten.

Und das mit der Verweigerung des Blutannehmens: Die Frau, die uns die ersten 20 Jahre besuchte - da war ich auch noch als Zuhörer dabei - hatte am Ende ihrer Hausbesuche eine schwere OP vor sich, ich weiss leider nicht mehr, worum es ging. Aber schlussendlich ist sie an der OP gestorben, eben wegen der Verweigerung von Bluttransfusionen.

Gruss

icke



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#67

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 00:19
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von HG82
@ s51

sehr interessante einsichten s 51 und sehr aufschlussreich! wie ist eigentlich deine fam mit dir und deiner schönen freundin umgegangen?

VG
Janos



Das war ein bischen problematisch. Der normale Gang der Dinge, also völliger Abbruch aller Beziehungen, war ja nicht möglich. Eigentlich ist das bei den Zeugen Jehovas ja sonst so Usus. Solche wie ich könnten ja Gläubige zur Sünde verleiten. Wir hatten nicht zu knapp Streit am Anfang, dann jedoch hat man sich geeinigt, dass Alltag und Glaube voeinander getrennt besser funktionieren. Dazu kommt, dass ich von Anfang an immer für klare Verhältnisse war. Es haben also alle vorher gewußt, dass da noch jemand war. Es haben alle gewußt, dass ich mich jedenfalls nicht drängen lassen würde. Wir haben andererseits auch zugesehen, niemanden zu provozieren und uns zurückgezogen, wenn Zusammenkünfte waren.
Ich würde uns auch damals als ganz normale Familie bezeichnen mit der kleinen Besonderheit, dass jede Seite akzeptiert hat, dass es da jeweils Punkte gab, die einen einfach nichts angingen. Die anzustoßen man vermieden hat, weil die Meinungen einfach zu konträr waren und sind. Jeder hat eben seine Meinung. Es gab keine Angriffe ihr gegenüber. Man hat lediglich am Anfang versucht, sie für den Glauben zu werben. Dass aber schnell aufgegeben. Feindschaft war es nicht aber Distanz.
Wir sind ja nicht mehr zusammen, kommen aber immer noch alle gut miteinander aus.
Später im Beruf waren die Fronten ja auch vorher klar. Ich würde nie gezielt jemanden angreifen, außer er provoziert es. Mit einer versuchten Erpressung etwa oder weil er eben kriminell würde. Dann hätte derjenige nicht mit meiner Wegsicht rechnen dürfen. Wobei ich die Ausübung des Glaubens ausdrücklich nicht als kriminell ansehe oder ansah. Die Freiheit, das für mich zu entscheiden, habe ich mir genommen. Um das klarzustellen, gab es noch einmal eine Zusammenkunft mit dem Vorsteher der Glaubensgruppe und daran haben sich alle, auch ich, gehalten. Wer ich war, was ich war, war immer bekannt. Nur die dienstlich relevanten Details natürlich nicht. So kommt es eben, dass wir auch heutzutage miteinander klarkommen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 05.09.2010 00:21 | nach oben springen

#68

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 00:25
von seaman | 3.487 Beiträge

Nachdem das Thema hier abgedriftet ist,wie hätte man eurer Meinung nach mit IMs* nach 1989/90 umgehen sollen?

seaman
Gemeint:
*inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit


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#69

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 00:29
von icke46 | 2.593 Beiträge

@seaman - da verweise ich doch mal auf meinen Text von gestern 21.52 - vor dem Abdriften;-)

Gruss

icke



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#70

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 00:33
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von seaman
Nachdem das Thema hier abgedriftet ist,wie hätte man eurer Meinung nach mit IMs* nach 1989/90 umgehen sollen?

seaman
Gemeint:
*inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit



Wie mit Informanten des BND, VS oder MAD zum Beispiel auch. Ignorieren, den Sachverhalt.
Wer für das Land gearbeitet hat, hat es jedenfalls nicht verraten. Da beide deutsche Staaten dann zu einem Staat wurden, hätte man Dinge, die beide Staaten sich durch ihre Soldaten und wen auch immer zugefügt haben, einfach in den Skat drücken sollen. Sprich vergessen aber nicht bestrafen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#71

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 00:38
von seaman | 3.487 Beiträge

Das deckt sich mit meiner Einstellung..S51..deshalb hat sich wohl der Part "Deutsche Einheit" erledigt.

seman


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#72

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 07:13
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von icke46

Was wäre denn passiert, wenn S51 die Frage bejaht hätte?



Dann hätte man sich bereits zu diesem Zeitpunkt von ihm getrennt. Berlin musste aus zwei bestehenden aktiven Polizeistrukturen eine machen. Da hatte man reichlich Personal über.



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#73

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 07:21
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von S51
Aber die K I waren vor allem Leute, die latente Kriminalität aufgeklärt haben. Von relativ harmloser Kleinkriminalität wie Laubeneinbrüchen, Serieneinbrechern bis zu richtig schweren Sachen. Bandenkriminalität, illegale Prostitution, Hehlerei. Ja, richtig gelesen, all das gab es auch in der DDR. Vielleicht in geringerem Maße wie jetzt aber deshalb war es um so schwerer, diese Strukturen anders zu knacken als eben so. Sie haben uns Tips gegeben, durften selbst allerdings nicht tätig werden. Ohne die Leute von der K I und vor allem ohne deren Hinweise wären viele Verbrechen ungeklärt geblieben.



Dem kann ich nur zustimmen. Das Problem ist, dass das AG I und seine spezifischen Mittel und Methoden bis heute relativ unbekannt sind. Das führt selbst bei ehemaligen VP-Angehörigen zu Irritationen und falscher Beurteilung der Realitäten, siehe auf der HP unseres ABV/Oderbruchfotografen.
Wer zur Arbeit des AG I mal etwas lesen möchte, dem sei das Buch von Wolfgang Mittmann und Curt Klausmann "Die geheime K I der DDR" empfohlen.



zuletzt bearbeitet 05.09.2010 07:24 | nach oben springen

#74

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 09:02
von Zkom IV | 320 Beiträge

Hallo Miteinander,
wieder ein hochinteressanter Bericht. Habe dazu an die ehemaligen MfS ler mal eine Frage. Irgenwann 1986 tauchte in meiner Westberliner Wohnung ein netter Herr auf und wies sich als Mitarbeiter des LfV aus. Ich war natürlich extrem überrascht. Nach einigem Hin und Her, meine Frau durfte der Unterhaltung übrigens nicht beiwohnen, dann das :" Sie fahren doch oft nach Ostberlin ? Wir haben dort natürlich auch unsere Informanten. IHR Name ist dort im Gespräch. Hat man sie angeworben o.ä ?" Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass keinerlei Anwerbeversuche stattgefunden haben und wenn hätte ich diese natürlich sofort unserem Sicherheitsbeamten im Hauptzollamt gemeldet.
Der Herr verschwand dann wieder und ich habe nie mehr etwas von der Sache gehört. Auch bei weiteren Besuchen der "Hauptstadt" passierte nichts.
Nach der Wende habe ich meine Stasi Akte angefordert. Auch hier nichts. Nur eine , Karte für Angehörige gegnerischer Sicherheitsorgane wurde angelegt, lustigerweise mit dem Vermerk "Verdacht der Tätigkeit für einen ausländischen Geheimdienst" Bond lässt grüßen. Auch eine Nachfrage beim LfV verlief ergebnislos, angeblich keine Akte vorhanden.
Nun zur Frage: Wenn damals mein Name wirklich Gespräch irgendwo in den Weiten des MfS oder sonstiger Dienststellen gewesen sein sollte müsste es darüber doch Aufzeichnungen geben oder wurden solche vermeintlich kleinen Fällen nicht dokumentiert?
Gruß Frank



IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#75

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 10:03
von seaman | 3.487 Beiträge

Zkom IV,
vielleicht wurde über Dich lediglich ein Personendossier angelegt?

seaman


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#76

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 10:38
von Zkom IV | 320 Beiträge

Zitat von seaman
Zkom IV,
vielleicht wurde über Dich lediglich ein Personendossier angelegt?

seaman


Kann es sich dabei um diese Karte handeln, welche in der Stasi Akte war ? So ein Personendossier wurde doch aber bestimmte für alle Sicherheitskräfte der Westseite angelegt. Kann mir nicht vorstellen, dass dass so große Wellen geschlagen hat, um das LfV zu alarmieren.



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#77

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 10:58
von Zkom IV | 320 Beiträge

Bin gerade nochmal alle Beiträge zu diesem Thema durchgegangen, da fiel mir der Beitrag von S 51 besonders auf.
Könnte sein das wir uns mal flüchtig kennengelernt haben auf einer Fahrt zum Weihnachtsmarkt nach Lübeck im Dezember 1993 oder 1994.
Hast du damals, als du noch bei der Pol warst mal so eine Fahrt mitgemacht ? Wir waren damals eine gemischte Truppe vom C/4 des A 41 und FuBZ.
Gruß frank



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#78

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 11:00
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@zkom IV, du solltest dafür ein extra thema eröffnen, denn wenn wir das wirklich alles auseinandernehmen wollen, sind wir hier weg vom thema. für mich gibt es da einige dinge die nicht zu einander passen...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#79

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 11:17
von Zkom IV | 320 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
@zkom IV, du solltest dafür ein extra thema eröffnen, denn wenn wir das wirklich alles auseinandernehmen wollen, sind wir hier weg vom thema. für mich gibt es da einige dinge die nicht zu einander passen...



Ja gut, da hast Du Recht. Mache das gleich. Muß nur kurz zum Einsatz.



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#80

RE: ´Wie wurden IM geworben?

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.09.2010 20:22
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von SkinnyTrucky

Zitat von Feliks D.
Das Wirken und die Beweggründe jedes einzelnen IM differenziert zu betrachten und dann durch eine neutrale Gutachterkommission eventuelle arbeitsrechtliche Folgen festzulegen. Wie bei S51 verfahren wurde spottet jeder Rechtsstaatlichkeit und ist nichts anderes als eine Abrechnung des Siegers mit dem ehemaligen Gegner.



Ich versteh dich nich....1989 hat das Volk entschieden, diesen Blödsinn mit Grenze und all nicht mehr hinzunehmen.....das Volk ist also der Sieger.....wärt ihr mit dem Volk nich so hirnrissig umgesprungen, dann hätte es sich den *Gegner* sicher nich als Richter genommen.....du wirst mir aber zustimmen, das all die kleinen Schweinereien aufgedeckt gehören.....wenn es allerdings nicht mehr differenziert möglich ist, liegt das womöglich an der Aktenvernichtungswut eurerseits lieber Feliks.....

.....ich will mal so sagen, da ich dich grad anspreche....du hast dich doch bestimmt nicht verantworten müssen für das was du Einzelnen angetan hast....nich das ich dir das wünsche, das würd ich nur, wenn du mir etwas angetan hättest wahrscheinlich....aber in deiner Position hast du sicher einiges zu verantworten....uns ist hier allen bekannt, wie deine Clienteel zu Geständnissen gebracht wurde und wofür sie gestehen mußten....ja, ich sag das jetzt einfach mal so pauschal weil heutzutage wohl niemand ins Gefängnis kommt, der sich mal klammheimlich einfach so absetzt aus Deutschland und woanders neu anfängt....ausser er hat was anderes als das blosse Weglaufen auf dem Kerbholz.....mir ist auch völlig egal, ob das damals in der DDR ein Straftatsbestand war einfach abzuhauen....für mich ist das sowieso ein unmögliches Gesetz gewesen....Republikflucht....pah, alsob die Menschen das Eigentum des Staates waren....

....okee, ich bin hier etwas offtoppic....aber gerade ich wurde zur Bespitzelung von Kameraden *geworben* die sich mit Fluchtgedanken tragen....bzw, ich sollte solche Kameraden ausfindig machen.....und für mich ist es deutlich...nich der Wegläufer ist schuld....nein, der Staat ist in der Verantwortung, wenn ihm die Menschen weglaufen....sie aber so drastisch mit Grenzregime und IMs und wat weiß ich noch alles dran zu hindern, ist/war falsch.....

groetjes uit de buurt van het Gardameer

Mara




Die Fluchtproblematik war systemrelevant für die DDR und ihre vollbeschäftigte Arbeiterklasse.
Fast jeder, der abgehauen war, hat Löcher im vormaligen Betrieb gerissen, erst recht am Ende der alten Republik, von den Schwierigkeiten die Bürgen solcher Ausreiser bekamen, mal ganz zu schweigen.
Diese Ausreisewelle hat 1989 jegliches Verhandeln um eine demokratische Folgerepublik auf den östlichen Territorium unmöglich gemacht, zu groß war der Druck auf die letzte Volkskammer der DDR.
Patriotismus ist etwas anderes.
Allein wenn man die ersten Demokratieversuche der politischen Nachrücker wie Modrow, Berghofer und Gysi betrachtet und die Reaktion großer Volksmassen darauf sieht man, daß letzten Endes Konsumidioten in Gestalt von geldgierigem Pack wie W. Schnur, Günter Krause u. a. ihre Vollstrecker gesucht und gewählt haben und das für alle "Deutschland- Einig- Vaterland"- Rufer die Demokratie ausschließlich in DM berechnet wird.
Die Allianz für Deutschland hat 1990 die Weiche in eine Schuldenrepublik gestellt, die sich nur noch mit Niedriglöhnern und Arbeitnehmern in Sklavenstatus über die Zeit zu retten vermag.
Die Merkel, die heute so etwas als Erfolg verbucht, lebt in ihrem eigenem Wandlitz.
Du schreibst, das Volk hätte entschieden, nun ja, ich hatte mich auch mal für Allimpex ** entschieden, las die Prospekte genauer, informierte mich in Fachzeitschriften und machte von meinem Rücktrittsrecht Gebrauch.
Ein solches hat der Wähler heute nicht mehr, da die Gewählten gar nicht mehr Herr im Hause sind sondern von allen Seiten erpreßbar sind und keineswegs mehr freie strategische Entscheidungen treffen können.
Nein werte Mara, in der Endzeit der DDR wurde einem ganzen Volk die Gretchenfrage gestellt und deren Antwort hat uns allen gezeigt, daß man eben nicht in der Masse am steinigen Weg in die Demokratie, sondern viel eher an fetten breitärschigen Autos und Südeuropareisen interessiert war.


(**Allimpex Limited war eine Betrügerfirma, die ihre Produkte aus dem grauen Kapitalmarkt meist über Bekannte an den Mann brachte, ohne das diese Vertreter wußten was sie überhaupt verkauften.)



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