#1

Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 08:20
von Angelo | 12.391 Beiträge

Achtzehn lange Monate sollte Söhnke Streckel in Hagenow als Soldat der Nationalen Volksarmee der DDR dienen, im Motorisierten Schützenregiment 29 "Ernst Moritz Arndt". Das stand schon seit seinem Abitur im Frühjahr 1989 fest. Als er dann am 17. November in der Kaserne vereidigt wurde, herrschte eine seltsame Stimmung: Die Soldaten hatten tagelang das Marschieren im Gleichschritt geübt, die Stahlhelme glänzten, Stiefel und Uniformen sahen tadellos aus. Die Männer waren rasiert und aufgeregt, die Familie endlich wiederzusehen. Der Fahneneinmarsch verlief noch gewohnt zackig. Dann hielt der Regimentskommandeur mit den altbewährten Parolen vom siegreichen Sozialismus und vom imperialistischen Feind im Westen eine markige Rede.Das Murren von Eltern, Geschwistern und Freundinnen wurde immer lauter, erste Pfiffe störten die Veranstaltung. Aber die Armee, so wollte es der Kommandeur den Zuhörern noch mit auf den Weg geben, müsse doch gerade in stürmischen Zeiten der Garant für die Sicherheit des Landes sein. Als dann noch die sowjetische Militärkapelle routiniert-scheppernd aufspielte, beendeten laute Buh-Rufe die feierlich-staatstragende Zeremonie vorzeitig. Die letzte Vereidigungsfeier nach altem Vorbild löste sich da schon auf. Die meisten Familien wollten nämlich nun unbedingt in den Westen fahren, so auch Söhnke Streckels Eltern. "Die Zeit ist schneller vorbei, als du jetzt denkst", tröstete ihn sein Vater. Er sollte Recht behalten.

hier weiter lesen
http://www.ndr.de/grenzenlos/bleiben/streckel100.html


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#2

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 08:56
von MatNag (gelöscht)
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Ich erlebte das ähnlich.
Ich war ab 04.09.90 Soldat der damals schon "sterbenden" NVA.
Eine Vereidigung fand nicht mehr statt. Die Offiziere und Unteroffiziere hatten mehr Angst vor den Rekruten bzw ihren Anwälten, oder sie waren mehr mit der Planung ihrer weiteren Zukunft beschäftigt.
Auf jeden Fall war es eine Zeit der "wirklichen Demokratie von unten".
Was ja auch nicht gerade unangenehm war.


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#3

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 09:01
von josy95 | 4.915 Beiträge

Kann da nur soviel zu berichten, das mein damaliger Flurnachbar auch Anfang November 1989 "einrücken" mußte zum Grundwehrdienst. Logisch, mit den der damaligen Zeit geschuldeten gemischten Gefühlen..., zumal er junger Familienvater mit einer 3- jährigen Tochter war. Er wurde irgendwo in die Nähe von Berlin/ Potsdam zu den Landstreitkräften eingezogen, ein größeres Objekt. wenn ich mich nicht irre, Beelitz...???? Was für eine Waffengattung...???, weiß ich auch nicht mehr.
Jedenfalls war er Weihnachten 89 auf Urlaub und es gab einiges zu berichten...!

Nach der Grenzöffnung 89 muß es wohl auch in seiner Einheit drunter und drüber gegangen sein. Militärische Disziplin und Ordnung gingen dramatisch und rasant den berühmten Bach runter. Es gab wohl auch vermehrt Desertationen/ Fahnenfluchten gen Westen. Die Lage schien immer mehr aus dem Ruder zu laufen. Von ihrer Führung vermeintlich im Regen stehen gelassene Kommandeure und Offiziere (Vorgesetzte) waren mit der für sie vollständig neuen Situation total überfordert. Die größte (verständlichste) Sorge der militärisch Vorgesetzten galt dem Schutz von Waffen und Munition.
Ende November/ Anfang Dezember bildeten sich eine Art Soldatenräte, mehr oder minder Sprecher der unteren Manschaftsdienstgrade. Von anfänglichen schlecht organisierten Spontanversammlungen vor der Kaserne, die man Anfangs und in gewohnter Weise mit wirkungslosen Drohgebärden noch als Zusammenrottungen bezeichnete und die Rädelsführer wegen Meuterei, Befehlsverweigerung ect. bestrafen wollte bis nachher zu doch organisierten Versammlungen und Gesprächen am "runden Tisch" zwischen Vertretern der unteren Manschaftsdienstgrade und Offizieren.
Dazu berichtete er, das sich aus dem Offiziercorps im Dienstalter und Dienstgrad sehr unterschiedliche Offiziere sich unter die Soldaten mischten, versuchten, Rede und Antwort zu stehen und aufgeheizte Situationen zu beruhigen. Andeseits die als s.g. Sacktreter und bedingungslose Einpeitscher bekannten Offiziere und auch Unteroffiziere nicht zu sehen waren. Von plötzlichen akuten(!) Erkrankungen bis wohl auch hin zu "UE" (unerlaubtes Entfernen von der Truppe) und "Absetzungen Richtung Westen" einiger dieser sonst so tapferen Herren war die Rede. Wie dem auch sei, jeder, der in NVA, GT oder anderen bewaffneten Organen der DDR in unteren Manschaftsdienstgraden gedient hat, wird sich dieses Szenario auch heute noch bildhaft vorstellen können...!

Es gleicht sich geschichtlich zurückblickend genau wie (politisch) aktuell: Ist die Kacke am Dampfen, war keiner was gewesen, keiner wußte von was und Schuld haben immer die Anderen..., vor allem die, die räumlich nicht anwesend waren, aus was "für Gründen auch immer" nicht anwesend sein konnten...!

Jedenfalls beendete mein Nachbar schon im Frühjahr 1990 vorzeitig seinen "Ehrendienst" bei der NVA...!

So in etwa mag es sich in allen Standorten der NVA, GT und VP DDR- weit abgespielt, zugetragen haben, an denen Grundwehrdienstleistende und Uaz ihren ("Ehren-") Dienst ableisteten, ableisten mußten.

Es ist geschichtlich gesehen wie in vielen anderen Situationen dieser Zeit auch hier garantiert dem besonnenen Handeln aller Beteiligten zu danken, das keine dieser bestimmt oft brisanten Situationen irgendwie eskaliet ist!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 11.08.2010 09:07 | nach oben springen

#4

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 10:36
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

auch ich kann aus eigenem Erleben, die bisher geschilderten Zustände bestätigen. Bis zum 09. November 89 waren noch straffe Befehlsstrukturen vorhanden, welche jedoch im Laufe der weiteren Zeit stark zerbröckelten. Neu einerufene Soldaten, wurden nach dem 09. November im Schnellverfahren vereidigt und anschließend aus dem Wehrdienst entlassen um den "Dienst" in der Volkswirtschaft als Kraftfahrer bzw. bei der Deutschen Reichsbahn und anderen wichtigen Einrichtugen zu absolvieren. Es verging kein Tag, an welchem ich gleich morgens vom RD (Oberoffizier rückwärtige Dienste) eine Liste mit den zu entlassenden Soldaten erhielt.
Ein besonderes "Hobby" von meinem Schreiber und meiner Person, wurde auch das Öffnen der Spinde in den Unterkünften von den sich unerlaubt vom Dienst entfernten Soldaten und Unteroffizieren. In der ersten Zeit wurde noch mit deutscher Gründlichkeit der Schrankinhalt schriftlich aufgelistet und die persönlichen Sachen extra verpackt. Letztere wurden dann zum Militärstaatsanwalt nach Berlin Karlshorst (Siegfried-Wiederra-Straße) verbracht und dort den wartenden Angehörigen ausgehändigt. Später wwurden die Sachen enfach in den Müll geworfen.................B/A Gegenstände wurden schon nicht mehr ordnungsgemäß bei der B/A Kammer zurück gerechnet, sondern als "Bündel" in die PIO Kammer geworfen.
Wachdienste konnten nicht mehr in der vollen Sollstärke absolviert werden, so dass nur noch die wichtigsten Postenpunkte besetzt wurden. So u.a. die Waffenwerkstatt mit dazu gehörigem Munipark. Der sonst "heilige" Gefechtspark, war nun ein Durchlaufobjekt für ausgesonderte Technik. Die Technik - hier die 120 mm Granatwerfer und 85 mm Kanonen - wurden an die NVA übergeben. Meine Personalstärke betrug am 17. Dezember 1989 noch 2/1/2/4 (Soll 5/1/9/37) und am 19. Dezember 1989 noch 2/1/1/2.
Ausgang- und Urlaub mußte lt. Befehl vorrangig gewährt werden. Ausgang konnte nunmehr für Soldaten bis Dienstbeginn gewährt werden. Ein Antrag auf Standortüberschreitung mußte nicht mehr gestellt werden. Teilweise bestimmten Soldatenräte über den Innendienst des Regiments. Hilfe und Antworten auf unsere Fragen, wurden von den Vorgesetzten entweder nicht beantwortet oder wenn beantwortet, dann mit Phrasen der 40-jährigen Vergangenheit. Der Alkoholkonsum unter den Berufssoldaten nahm erschreckend zu. Es war nicht verwunderlich, wenn der OvD, der GOvD und der WH zusammen saßen und eine Flasche zehn vor drei (Weinbrand) verkonsumierten. Befehle wurden durch "Bitten" ersetzt.............die Befehle welche noch gegeben wurden, waren im Durchschnitt drei bis vier Stunden nur noch Makulatur. Wenn ich daran denke, wie oft die 10/3 (Innendienstvorschrift) geändert wurde. Grenzdienst wurde in Minimalversion gefahren und war nur noch Grenzüberwachung. Der noch verbliebene Hauptteil der Truppe beschäftigte sich mit dem Errichten neuer Grenzübergänge bzw. dem Verputzen und Ausbessern des vorderen Sperrelements.
Der Ordnungshalber muß ich anfügen, dass die von mir wahrgenommenen Erlebnisse nicht auf jeden zutreffen und bestimmt nur ein Einzelerlebnis sind.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#5

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 13:37
von SFGA | 1.519 Beiträge

Passt auch zum Thema:


JgRgt 1 Schwarzenborn / HFlgUstgStff 1 Holzdorf

Wenn einer von uns müde wird,der andere für ihn wacht.Wenn einer von uns zweifeln will,der andere gläubig lacht.Wenn einer von uns fallen sollt',der andere steht für zwei,denn jedem Kämpfer gibt ein Gott den Kameraden bei.
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#6

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 14:42
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Schöner Beitrag @Chris sehr authentisch

Bedeutet also nicht danderes, als dass ihr auch so ziemlich allein da standet und von aller Obrigkeit verlassen wart. Die Möglichkeit Befehle mit Nachdruck durchzusetzen war damit auch nicht mehr gegeben und ihr habt das ganze Gebaren ohne Gegenwehr über euch ergehen lassen müssen.

Gerade das von Dir angesprochene Thema Soldatenräte bereitet mir heute noch Probleme und ich sehe dies sehr kritisch. Egal wie sehr sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern bleibt eine Armee immer noch eine Armee, mit allen Befehlen und Regularien. Selbst wenn die ganze Sache ab 11/89 unter der Flagge der Bundeswehr gelaufen wäre hätte es weiterhin Befehle gegeben die zu befolgen gewesen wären. Von den ganzen, von dir bestens beschriebenen, Einzelverbrechen nach den §§ 254, 255, 257 abgesehen sehe ich die Bildung von Soldatenräten ganz klar als einen schweren Fall von Meuterei an. Dies wäre in jeder Armee und in jedem Staat der Welt auch entsprechend verfolgt worden und auch hier hätte so verfahren werden müssen. Da kommt dann jedoch wieder die mangelnde Rückendeckung von oben ins Spiel, und so dürfen sich diese Typen heute als "Helden" feiern lassen, obwohl sie auch nach bundesdeutschen WStrG bis zu 10 Jahre verdient gehabt hätten.

Wie dem auch sei, ich hoffe wieder mehr von deinen fundierten Beiträgen lesen zu können.



P.S. Habe mir soeben den Film angesehen. Von den einfachen Wehrpflichtigen war sowas ja zu erwarten, aber der Genosse Unteroffizier schlägt dem Fass den Boden aus. Eine Schande für die Uniform.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 11.08.2010 19:48 | nach oben springen

#7

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 15:35
von Sachse (gelöscht)
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Soldatenräte in einer Armee? - Das grenzt bzw. überschreitet ja schon die Grenze zur Anarchie.
Und sicher ist solcherart nur unter den Bedingungen eines absterbenden Staates bzw. eines absterbenden Systems möglich.

Allerdings: Auch in der Entstehung der Novemberrevolution 1918 gabs ja Soldatenräte, die sich mit den Meuterern und Befehlsverweigerern solidarisiert hatten. Und diese Soldatenräte galten ja im Geschichtsbild der DDR!

Vielleicht haben ja die protestierenden Soldaten gut in Geschichte aufgepasst ...


diefenbaker hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 19:39
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Schöner Beitrag @Chris sehr authentisch

Bedeutet also nicht danderes, als dass ihr auch so ziemlich allein da standet und von aller Obrigkeit verlassen wart. Die Möglichkeit Befehle mit Nachdruck durchzusetzen war damit auch nicht mehr gegeben und ihr habt das ganze Gebaren ohne Gegenwehr über euch ergehen lassen müssen.
Gerade das von Dir angesprochene Thema Soldatenräte bereitet mir heute noch Probleme und ich sehe dies sehr kritisch. Egal wie sehr sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern bleibt eine Armee immer noch eine Armee, mit allen Befehlen und Regularien. Selbst wenn die ganze Sache ab 11/89 unter der Flagge der Bundeswehr gelaufen wäre hätte es weiterhin Befehle gegeben die zu befolgen gewesen wären. Von den ganzen, von dir bestens beschriebenen, Einzelverbrechen nach den §§ 254, 255, 257 abgesehen sehe ich die Bildung von Soldatenräten ganz klar als einen schweren Fall von Meuterei an. Dies wäre in jeder Armee und in jedem Staat der Welt auch entsprechend verfolgt worden und auch hier hätte so verfahren werden müssen. Da kommt dann jedoch wieder die mangelnde Rückendeckung von Oben ins Spiel, und so dürfen sich diese Typen heute als "Helden" feiern lassen, obwohl sie auch nach bundesdeutschen WStrG bis zu 10 Jahre verdient gehabt hätten.

Wie dem auch sei, ich hoffe wieder mehr von deinen fundierten Beiträgen lesen zu können.



Ja Felixes war leider so. In persönlicher Einschätzung möchte ich sagen, dass die Führung - hier insbesondere im GR 33 - durch die Ereignisse des 9. November 1989 - kopflos geworden ist.
Ich kann mich noch an folgende Situation erinnern. 13.Dezember 1989 - Nachdem ich das Gebäude 1 - befand sich direkt neben dem Schmandhaus - und somit meine Batterie betreten hatte, erfolgte wie sonst auch üblich die Meldung des UvD an mich. Wie sonst auch üblich, war auf dem dem B-Flur keine Regung der Mannschaft zu vernehmen. Nach einem Rundgang durch Waschräume und Toiletten, mußte ich feststellen, dass die ordnung einer "Pisolottenhütte" glich. Ich befahl dem UvD..........dass für 0730 zum Morgenappel angetreten wurde. Die noch vorhandenen Mannschaften (inkl. Flammwerferzug und A-Batt. welche man mir übergeholfen hatte-jedoch ohne STAN) traten auch befehlsgemäß an. Nachdem ich verkündet (befohlen) hatte, dass ein erneutes Stuben- und Revierreinigen durchzuführen ist, erfolgte in halbmilitärischer Haltung die Wortmeldung eines Gefreiten. Dieser gab mir kund, dass der Soldatenrat des Grenzregiment beshlossen habe - dass kein Revierreinigen durchgeführt wird, sondern an Stelle dessen gemäß den Weisungen des Regimentskommandeurs - Ausgang zu gewähren ist und man bereits vor dem MA beschlossen wurde, Ausgang zu nehmen. Als Begründung wurde angeführt, dass die Batt. an diesem Tag "Wachfreie Zeit hätte" und somit sich nicht im Dienst befinde. Alle Ausgänger seien bereits im Ausgangsbuch eingetragen und somt stünde einem Ausgang nichts mehr im Wege. Als mir auf befehl das Ausgangsbuch gebracht wurde, sahen meine etwas erschrockenen Augen, dass mein BC bereits die Ausgänger bestätigt hatte. Ausgangbeginn 0700. Tja was machen???? Kurzer Hand verkündigte ich, dass der "Offiziersrat" der Granatwerferbatterie beschlossen hat, Ausgang zu gewähren - wenn die Batterie in einen würdigen Zustand versetzt wird. Nach dem Wegtreten wurden, wie gewohnt Bohnerkeule und Lappen geschwungen und meine Batterie glänzte wieder wie gewohnt.
Nachdem ich dann - bzw. mein Schreiber die Ausgangskarten verteilte hatte, klingelte mein Diensttelefon. Ich durfte beim StKGR antreten und mir die Frage gefallen lassen, warum ersten Ausgang gewährt wurde und zweitens warum ich nicht die militärische Einzelleitung beachte. Zähneknirschend zurück in meine Einheit - zweiter Anruf. Sofort zum Stab. Dort der gleiche OSL, welcher mich vorher zur "Sau" gemacht hat. Nunmehr sehr freundlich lobend meine "Eigeninitative" betreffs der Ausgänger. Grundtenor: Sehr Schön Genosse Oberfähnrich, so muß der Dialog der neuen zeit geführt werden.
Um mich hier nicht weiter an den Ereignissen ................ nach Rückkehr in meine Batterie, saß ich mit meinem Schreiber zusammen und wir tranken um ca. 1000 Uhr Kaffee "France". In unsere Runde gesellten sich dann noch andere dem Anschein nach Frustrierte. WER? Darüber möchte ich schweigen.

Auf jeden Fall: Danke Felix (der Glückliche) für Deine qualitaiv super Reaktion auf meinen Beitrag.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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zuletzt bearbeitet 11.08.2010 19:43 | nach oben springen

#9

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 19:51
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

auf jeden fall erfüllen diese handlungen der aa nach damaligem recht den tatbestand der meuterei.nur war in dieser damals verrückten zeit niemand gewillt das strafrechtlich zu verfolgen.der militärstaatsanwalt würde bei der masse der verfehlungen wohl noch heute ermitteln...und außerdem hatte sich diese zunft ja ein neues betätigungsfeld gesucht.ich denke da nur an ihre präsänz bei öffnung und schließung der dienststellen des mfs

ich "durfte" einmal an solch einer sitzung des soldatenrates teilnehmen(auch bei den gt gab es sie)danach habe ich gemeutert


zuletzt bearbeitet 11.08.2010 19:52 | nach oben springen

#10

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 20:00
von Sachse (gelöscht)
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Berichte mal, pitti!


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#11

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 20:04
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

da gibts nicht zu berichten.ich hatte einfach von diesem kinderkram die schnauze voll.forderungen wie:

- abschaffung der grußpflicht
-aufhebung der ausgangsbegrenzungszeit(jeder kommt zurück wie er will)
-verdoppelung der urlaubstage usw.usf

wo waren wir im kindergarten oder in einer armee?


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#12

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 20:12
von Sachse (gelöscht)
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Wie ging denn die "Runde" aus?
Bist du nur wütend raus?
Oder gabs ein "Grundsatzpapier" oder was Ähnliches?

Und wie waren die flg. Tage?


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#13

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 20:15
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Zitat von Sachse
Wie ging denn die "Runde" aus?
Bist du nur wütend raus?
Oder gabs ein "Grundsatzpapier" oder was Ähnliches?

Und wie waren die flg. Tage?



ich hab die stund irgenswie durchgehalten.

ging mich danach nichts mehr an.einen tag später wurde ich kommandant aller güsten in einem kreis.da gabs nur berufssoldaten als personal.das war eine echt gute zeit


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#14

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 21:40
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Nehmen wir doch einmal die heutige Zeit und Soldaten der Bundeswehr haben auf einmal die Schnauze voll, mögen nicht mehr für verlogene Parolen oder andere Gründe in den Auslandseinsatz ziehen und bilden auf einmal Soldatenräte. Na, das wäre doch ein Spass?
Im übrigen und ohne hier ins Fettnäpfchen treten zu wollen.
" Ich hab immer ein Problem mit solchen DDR-Themen fünf Minuten vorm Umschwung, wo eigentlich schon Alles gegessen war" Die sind sowas von uninteressant...gut, ist meine ganz persönliche Meinung.

Rainer-Maria


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#15

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 21:53
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Pitti53
[quote="Sachse"]Wie ging denn die "Runde" aus?
Bist du nur wütend raus?
Oder gabs ein "Grundsatzpapier" oder was Ähnliches?

Und wie waren die flg. Tage?



ich hab die stund irgenswie durchgehalten.

ging mich danach nichts mehr an.einen tag später wurde ich kommandant aller güsten in einem kreis.da gabs nur berufssoldaten als personal.das war eine echt gute zeit[/quote]

komisch....irgendwie gleichen sich die Wege. Ich war dann Innendienstleiter an einer GÜSt. Auch von heute auf morgen.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
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#16

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 21:53
von Weichmolch (gelöscht)
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Nunja, Deine Skepsis ist sehr berechtigt, RMR. Der Eingangsbericht fand nach 20 Jahren seinen Weg in die Zeitungen dieses, unseres Deutschland. Leider - oder zum Glück (?) kenne ich ca. 10 ehem. Angehörige der in Hagenow stationierten Truppenteile persönlich, welche am besagtem Tag, jener Vereidigung, dort vor Ort waren. Völlig unabhängig von einander schildern die dieses militärische Zeremoniell ganz anders.

Weichmolch


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#17

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 21:58
von Sachse (gelöscht)
avatar

Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
...
Im übrigen und ohne hier ins Fettnäpfchen treten zu wollen.
" Ich hab immer ein Problem mit solchen DDR-Themen fünf Minuten vorm Umschwung, wo eigentlich schon Alles gegessen war" Die sind sowas von uninteressant...gut, ist meine ganz persönliche Meinung.

Rainer-Maria



... na na na ...


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#18

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 22:19
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Schöner Beitrag @Chris sehr authentisch

Bedeutet also nicht danderes, als dass ihr auch so ziemlich allein da standet und von aller Obrigkeit verlassen wart. Die Möglichkeit Befehle mit Nachdruck durchzusetzen war damit auch nicht mehr gegeben und ihr habt das ganze Gebaren ohne Gegenwehr über euch ergehen lassen müssen.

Gerade das von Dir angesprochene Thema Soldatenräte bereitet mir heute noch Probleme und ich sehe dies sehr kritisch. Egal wie sehr sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern bleibt eine Armee immer noch eine Armee, mit allen Befehlen und Regularien. Selbst wenn die ganze Sache ab 11/89 unter der Flagge der Bundeswehr gelaufen wäre hätte es weiterhin Befehle gegeben die zu befolgen gewesen wären. Von den ganzen, von dir bestens beschriebenen, Einzelverbrechen nach den §§ 254, 255, 257 abgesehen sehe ich die Bildung von Soldatenräten ganz klar als einen schweren Fall von Meuterei an. Dies wäre in jeder Armee und in jedem Staat der Welt auch entsprechend verfolgt worden und auch hier hätte so verfahren werden müssen. Da kommt dann jedoch wieder die mangelnde Rückendeckung von oben ins Spiel, und so dürfen sich diese Typen heute als "Helden" feiern lassen, obwohl sie auch nach bundesdeutschen WStrG bis zu 10 Jahre verdient gehabt hätten.

Wie dem auch sei, ich hoffe wieder mehr von deinen fundierten Beiträgen lesen zu können.



P.S. Habe mir soeben den Film angesehen. Von den einfachen Wehrpflichtigen war sowas ja zu erwarten, aber der Genosse Unteroffizier schlägt dem Fass den Boden aus. Eine Schande für die Uniform.



Feliks, ich stimme deiner Bewertung zu, dass ein essentieller Bestandteil einer Armee das Prinzip Befehl und Gehorsam ist, egal um welche Armee es sich handelt.
Als ich in den fünfziger Jahren in meiner Heimatstadt in Thüringen zur Schule ging, wurde mir in dem Geschi Unterricht ein Wissen vermittelt, dass es auf den Schiffen der kaiserlichen Marine 1918 in Kiel eine Meuterei der roten Matrosen gegeben hätte unter Führung der Matrosen Max Reichpietsch und noch einer, dessen Name mir nicht mehr einfällt. Es wurden Soldatenräte gebildet und die Schiffe am Auslaufen gehindert. Diese Aktion wurde als proletarische Heldentat verkauft. usw.
Nun meine Frage an dich : gibt es gute und böse Meutereien bei den Armeen dieser Welt ? Werden bestimmte Meutereien durch politische Motive vom negativen zum positiven transferiert bzw. umgedeutet ?

Zu diesem Widerspruch würde ich gern mal dein Meinung hören.

Viele Grüße aus z.Zt.Thüringen


.
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#19

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 22:19
von Stabsfähnrich | 2.046 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Nehmen wir doch einmal die heutige Zeit und Soldaten der Bundeswehr haben auf einmal die Schnauze voll, mögen nicht mehr für verlogene Parolen oder andere Gründe in den Auslandseinsatz ziehen und bilden auf einmal Soldatenräte. Na, das wäre doch ein Spass?
Im übrigen und ohne hier ins Fettnäpfchen treten zu wollen.
" Ich hab immer ein Problem mit solchen DDR-Themen fünf Minuten vorm Umschwung, wo eigentlich schon Alles gegessen war" Die sind sowas von uninteressant...gut, ist meine ganz persönliche Meinung.
Rainer-Maria



RMR-Deine Meinung in Ehren...............aber bitte lass doch mal einen Fred, wo man mal eigenen Gedanken nachgehen kann, ohne dass mal "blöd" dazwischen gequatscht wird. Die hier geschilderten Erlebnisse sind Zeugnis von Berufsoldaten und ich betone von Berufsoldaten. Berufsoldaten der Grenztruppen der DDR.
Ein Soldat im Grundwehrdienst, kann diese Schilderungen - hier im Einzelfall - nicht nach vollziehen. Und ich möchte explizit betonen - hier im Einzelfall bezogen auf dich nicht nach vollziehen. Daher kann ich Deine Meinung zwar nachvollziehen aber nicht akzeptieren.


Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de
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#20

RE: Aufstand bei der NVA

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.08.2010 22:26
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Was solls Sachse, der Zug war abgefahren. Sich da hinterher heiß zu machen, was noch alles möglich gewesen wäre und was nicht....ist schade um die Zeit.
Nichts gegen junge Soldaten, die gerade einberufen und schon von der Wende überrollt wurden...ein alter Preuße würde meinen "fast nicht gedient haben", aber das ist wie bei Mara...so locker mal rumgessen in ihrer Radarbude, gesoffen nebenbei, dann Fahnenflucht und dann die große Lippe, was sie denn alles bei der Armee erlebt hatte, der Punk in Uniform?
Au weia...wenn das meine Freundin liest?

Rainer-Maria


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