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Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
in Grenzbilder der DDR: Augenzeugen zeigen Ihre Bilder der Grenze 21.02.2009 12:26von Angelo •
| 5.826 Beiträge

Der Grenzbereich im Schifflersgrund bei Bad Soden Allendorf. Das weiße Kreuz markiert die Stelle an der der damals flüchtende Heinz-Josef Große erschossen wurde. Der rote Pfeil deutet auf den Grenzstein. Etwa 25 Meter haben ihm bis zur Freiheit gefehlt. Wäre es flaches Gelände gewesen hätte ihm die Zeit womöglich gereicht den Grenzstein zu erreichen, wo bereits Bundesdeutsche Grenzer standen.
RE: Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
in Grenzbilder der DDR: Augenzeugen zeigen Ihre Bilder der Grenze 18.04.2010 22:00von willie •
| 251 Beiträge
Hallo,
habe zum Betrag einen interessanten Link gefunden: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/20_jahre_mauerfall/grenzland/1790036_6.-Station-Asbach-Sickenberg.html
Man beachte die Audioslideshow!
Ich möchte zum Fluchtgeschehen ein paar Fragen in den Raum stellen:
1. Vor Ort auf Bundesgebiet befanden sich zum Zeitpunkt der Flucht 2 Angehörige des Zollgrenzdienstes.
Diese waren jedoch bei Abgabe der Schüsse durch die Grenzsoldaten nicht in direkter
Schußlinie (seitlich versetzt und etwa 10 m höher!).
Wäre es möglich gewesen vom Bundesgebiet aus (unter Anwendung der Schußwaffe) Nothilfe zu leisten?
Vorausgesetzt man hätte sich in die Schußlinie begeben.
2. Wie hätte die DDR-Grenztruppe in solch einer Situation reagiert/reagieren müssen (gab es dafür bes.
Befehle?).
3. Was wäre geschehen, wenn man vom Bundesgebiet aus dem Flüchtenden "erste Hilfe" geleistet hätte?
Gruß Willie
RE: Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
in Grenzbilder der DDR: Augenzeugen zeigen Ihre Bilder der Grenze 18.04.2010 23:01von Greso •
| 731 Beiträge
Es wurde nie in Richtung BRD geschossen.(War verboten)Und von Westlicher Seite wurde auch nicht rübergeschossen(War auch verboten)
Es wurde schon Hilfe angeboten aber nur durch Zeichengebung oder Zurufe.Ansonsten bei Schüsse auf DDR Seite,gingen in der BRD alles in Deckung.
Ich hätte mich auch hingeschmissen.
Gruß Greso
RE: Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
in Grenzbilder der DDR: Augenzeugen zeigen Ihre Bilder der Grenze 18.04.2010 23:10von Thunderhorse •
| 1.275 Beiträge
Zitat von Greso
Es wurde nie in Richtung BRD geschossen.(War verboten)Und von Westlicher Seite wurde auch nicht rübergeschossen(War auch verboten)
Es wurde schon Hilfe angeboten aber nur durch Zeichengebung oder Zurufe.Ansonsten bei Schüsse auf DDR Seite,gingen in der BRD alles in Deckung.
Ich hätte mich auch hingeschmissen.
Gruß Greso
Die Schüssen gingen in Richtung Westen/Bundesgebiet, durch die ansteigende Hanglage schlugen diese jedoch noch auf dem Territorium der DDR ein.
Ansonsten bei Schüsse auf DDR Seite,gingen in der BRD alles in Deckung.
Echt???
"Mobility, Vigilance, Justice"
RE: Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
in Grenzbilder der DDR: Augenzeugen zeigen Ihre Bilder der Grenze 18.04.2010 23:10von S51 •
| 1.389 Beiträge
Zitat von willie
Hallo,
habe zum Betrag einen interessanten Link gefunden: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/20_jahre_mauerfall/grenzland/1790036_6.-Station-Asbach-Sickenberg.html
Man beachte die Audioslideshow!
Ich möchte zum Fluchtgeschehen ein paar Fragen in den Raum stellen:
1. ... Wäre es möglich gewesen vom Bundesgebiet aus (unter Anwendung der Schußwaffe) Nothilfe zu leisten?
Vorausgesetzt man hätte sich in die Schußlinie begeben.
2. Wie hätte die DDR-Grenztruppe in solch einer Situation reagiert/reagieren müssen (gab es dafür bes.
Befehle?).
3. Was wäre geschehen, wenn man vom Bundesgebiet aus dem Flüchtenden "erste Hilfe" geleistet hätte?
Gruß Willie
1. Nur unter Verletzung sämtlicher einschlägiger Gesetze und Verordnungen. Praktisch nein. Das wäre ein Fall für einen ganz großen Protest bei der Grenzkommission gewesen. Vermutlich auch ein disziplinarisches Risiko für die Beamten (Könnte man ein Beamter bleiben, wenn man internationales recht bricht?)
2. Voraussichtlich Anruf, Warnschuß und dann auch gezieltes "Feuer frei". Vermutlich in den Umständen geschuldeter sehr schneller Abfolge. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass hier ja schon das Feuer auf den Flüchtling eröffnet wurde. Grundlage war das Grenzgesetz, die Vorschriften über die Anwendung der Schußwaffe und die Vergatterung, Grenzverletzungen und Provokationen zu unterbinden.
Vermutlich würde dies dann auch sogar heutzutage in der Aufarbeitung so enden, dass zwar die Anwendung der Waffe gegen den Flüchtling verfolgt würde aber die Anwendung der Waffe gegen die bewaffneten Grenzverletzer auf der Gegenseite als korrekt durchginge. Mit allen Folgen für die Beamten, wie fehlender Rechtsschutz, Kostenübernahme der ärztlichen Versorgung...
3. Das ist schwer zu beurteilen. Je nach Aufregung und Streßbewältigung beim Grenzer. Es könnte schlimmstenfals so enden, wie unter Punkt 2. Aber auch eine Duldung so lange, wie nicht versucht wird, den Getroffenen auf Westseite zu verbringen, wäre denkbar. Zwar wäre der Hilfeleistende auch ein Grenzverletzer und hätte mit seiner Festnahme zu rechnen. Aber andererseits würde er lediglich Hilfe leisten. Das könnte man irgendwie "erklären", etwa, dass so der politische Schaden für die DDR verringert würde. Ab dem Moment, wo versucht würde, den Getroffenen auf Westseite zu bringen, käme es sofort zu Punkt 2. Ein enormes Risiko! Völlig unkalkulierbar, weil keiner der Beteiligten seinen Gegenüber kennt und sicher sein kann, was der macht, was passieren wird. Das ist ungefähr so eine Situation wie seinerzeit bei Peter Fechter.
RE: Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
in Grenzbilder der DDR: Augenzeugen zeigen Ihre Bilder der Grenze 18.04.2010 23:13von Thunderhorse •
| 1.275 Beiträge
Zitat von willie
Hallo,
habe zum Betrag einen interessanten Link gefunden: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/20_jahre_mauerfall/grenzland/1790036_6.-Station-Asbach-Sickenberg.html
Man beachte die Audioslideshow!
Ich möchte zum Fluchtgeschehen ein paar Fragen in den Raum stellen:
1. Vor Ort auf Bundesgebiet befanden sich zum Zeitpunkt der Flucht 2 Angehörige des Zollgrenzdienstes.
Diese waren jedoch bei Abgabe der Schüsse durch die Grenzsoldaten nicht in direkter
Schußlinie (seitlich versetzt und etwa 10 m höher!).
Wäre es möglich gewesen vom Bundesgebiet aus (unter Anwendung der Schußwaffe) Nothilfe zu leisten?
Vorausgesetzt man hätte sich in die Schußlinie begeben.
2. Wie hätte die DDR-Grenztruppe in solch einer Situation reagiert/reagieren müssen (gab es dafür bes.
Befehle?).
3. Was wäre geschehen, wenn man vom Bundesgebiet aus dem Flüchtenden "erste Hilfe" geleistet hätte?
Gruß Willie
Zu 1:
Erst dann, wenn sich der /die Flüchtling/-e auf Bundesgebiet befunden hätte/-n.
Hierzu gab es entsprechende Weisungen/Anordnungen.
Zu 3. Hypotethisch auf diesen Fall bezogen, da hier keine EH geleistet wurde/werden konnte.
Es gab solche Fälle, jedoch meist war da noch keine DGP oder GT vor Ort.
"Mobility, Vigilance, Justice"
RE: Tod an der DDR Grenze bei Bad Sooden Allendorf
in Grenzbilder der DDR: Augenzeugen zeigen Ihre Bilder der Grenze 19.04.2010 02:54von S51 •
| 1.389 Beiträge
Zitat von Thunderhorse
Zu 1:
Erst dann, wenn sich der /die Flüchtling/-e auf Bundesgebiet befunden hätte/-n.
Hierzu gab es entsprechende Weisungen/Anordnungen.
Zu 3. Hypotethisch auf diesen Fall bezogen, da hier keine EH geleistet wurde/werden konnte.
Es gab solche Fälle, jedoch meist war da noch keine DGP oder GT vor Ort.
1. Hier wäre dann allerdings der Schußwaffeneinsatz durch die DDR-GT nicht mehr gerechtfertigt gewesen und hätte zu unterbleiben. Andernfalls wäre es rein rechtlich die umgekehrte Situation gewesen.
3. Der Unterschied von Theorie und Praxis. Wenn es keiner sieht - droht auch keine Gefahr. Praktisch zumindest, mit der Theorie sieht es anders aus. So etwas ist dann aber wohl meist bei Minenopfern geschehen, die es nach Auslösung aber vor dem Eintreffen der GT so weit geschafft haben, dass sie in Reichweite waren.
Auf BRD-Seite: Eine schwierige Situation. Da ist jemand. Verletzt, bewegt sich aber noch. Was macht man? Weggucken? Guckt eventuell von der Gegenseite jemand? Kommt Hilfe? Da ist niemand? Wer will dann etwas beweisen oder machen? Eine Frage des Gewissens.
Auf DDR-Seite: Andererseits, da drüben auf der anderen Seite des Zaunes scheint der GV zu sein. Irgendwas ist da passiert. Wie lange wird es dauern, bis wir dort sind? Ist dann noch Hilfe möglich oder geht "der" bis dahin drauf? Hat man ihn überhaupt sicher gesehen? Muss man ihn gesehen haben? Da, der Zöllner/BGS-ler oder die Soldaten machen "was". Gehen sie in Stellung, zielen sie auf mich? Nein? Vielleicht gucken sie ja nur? Muss ich gesehen haben, was sie tun? Wenn doch, kann mir einer das beweisen? Nein? Dann suche ich noch ein bischen. Die werden hoffentlich gleich fertig sein... und verschwunden.
Es ist ein Unterschied, jemanden gegenwärtig zu stoppen oder ihn danach wissentlich sich einige Zeit quälen zu lassen. Wir kannten ja unsere Verhältnisse. Wußten, dass es je nach Entfernung bis zu zwei Stunden dauern konnte, bis der Sani-LO vom Stab da war und GAK feindwärts aktiv werden konnten. Wenn von der Gegenseite keine Eskalation kam, hat sicher mancher noch eine Extrarunde gedreht, bis er die Spuren sicher deuten "konnte".
Das war mal so und mal eben anders.
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