#81

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 27.06.2010 00:42
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow

Zitat von Gert

ich habe gelernt, dass die, die sich getroffen fühlen, immer die gleiche Verhaltensmuster zeigen, wenn ihnen die Argumente ausgehen : das bedeutet
1. die Sache ins lächerliche ziehen,
2. mit Zynismus oder Ironie reagieren und
3. wenn das alles nichts hilft Nebelkerzen werfen.

Aus dem Dunkeln oder dem off läßt es sich trefflich provozieren, man wird ja nicht erkannt. Alles läuft im Hintergrund, unter Nickname und so besteht kein Risiko, entlarvt zu werden. Ich vermute, das sind erlernte Techniken aus der Vergangenheit.
Schätze, du bekommst den Lebenslauf oder ähnlich Klartextvorlagen nicht.



sorry @gert, bei allem respekt, genau das was du hier anprangerst.....vollziehst du hier selbst. sich einfach nur an fakten halten geht nicht?

und vermutungen machen sich immer gut. ausgerechnet den, den du mit deiner antwort angesprochen hast, ist da absolut spitze drin...

p.s. mich verwundert etwas dein missionarischer eifer, nachdem du doch nur eine führung in hsh hattest....halte mich nicht für einen krümelkacker, aber wer dort in hsh den sog. "grotewohlexpress" aufstellen lässt, scheint es allgemein nicht so mit den tatsachen zu haben...




liegt wohl in meinem Charakter begründet, das mit dem missionarischen Eifer. Ich kann nun mal erstens Diktatoren nicht ausstehen ( das sind die Leute in der ehemaligen DDR, die das angerührt haben ) und Ungerechtigkeit bringt mich auch fürchterlich auf die Palme. Gott sei's gedankt, das ich das "nur" als Führung kennengelernt habe. Ich kann es mir nicht vorstellen, das als Realität kennen gelernt zu haben. Ich weiss nicht wie ich reagiert hätte aber ich glaube ich hätte mit denen ne ganze Menge Ärger bekommen.

Viele Grüße vom Rhein


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#82

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 13:55
von 17.Juni (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
@gert, es wäre nett wenn du dort alle gängigen folterpraktiken mal aufzählen könntest. bei der masse der opfer wird es ja wohl auch nicht allzuschwer sein, ein paar beispiele zu bringen...



Hallo,

GilbertWolzow, kann geholfen werden ! Leider habe ich diesen Thread erst jetzt beim "Studieren" der vielen neuen Beiträge gelesen und möchte nur einige Schilderungen wiedergeben die ich in unzähligen Gesprächen "sammeln" konnte.

So war es doch an der Tagesordnung die Verhöre mit einer Unterbrechung von 2 Stunden rund um die Uhr zu führen. Dabei wollen wir die speziellen "Unterdrucksetzmethoden" gar nicht alle aufzählen, die da hinreichen bis zur "Wegnahme" der eigenen Kinder.

Entzug von Zeitung, öffentlichen Rundfunk und Fernsehen und das verweigern von Kontaktmöglichkeiten zu den Angehörigen geschweige denn zu einem Anwalt.

Entgleisungen, oder besser gesagt körperliche Übergriffe-bei allzu großem Selbstbewußtsein- waren auch keine Seltenheit-.

Drohungen wie zum Beispiel das private Eigentum zu entziehen, kein Bein mehr auf den Boden zu bringen wenn du uns nicht alles sagst, waren ständig an der Tagesordnung.

Die Verhörmethoden haben sich seit der 80 iger Jahre gewandelt. Das MfS ist gezielt dazu übergegangen die Psyche der Menschen zu zerstören, die sich ihnen standhaft entgegen gestellt hat. Hatte sie dieses Ziel ein mal erreicht, dann waren bzw. sind diese Menschen über Jahre bzw. Jahrzehnte hinaus geschädigt bzw. innerlich zerbrochen und teilweise irreparabel zerstört.
Das war aber nicht immer möglich, denn es gab auch Menschen die konnten ihr Schicksal öffentlich machen. Diese wurden dann unter den bekannten Methoden abgeschoben, bzw. "verkauft".

Diese wenigen hier genannten Beispiele sind in meinen Augen massive psychische Folter, ich kann leider nicht sagen wie GilbertWolzow, diese Methoden bezeichnen würde. Sicherlich hat er bestimmt eine ganz andere Erklärung dafür-oder sollte ich besser Rechtfertigung schreiben ?
Ich hoffe ich werde als bald lesen, wie sich GilberWolzow zu meinen Worten äußert...

..bis dahin verbleibe ich der....

17.Juni

Ach ein Post Skryton habe ich noch:

Wurde dann, und das wurde in den meisten Fällen, eine Verurteilung "ausgesprochen", dann ging es meist in die bekannten Haftanstalten in denen die Haftmethoden, ich möchte es ein mal so beschreiben, noch weit aus schlimmer waren und in denen man das Wort Menschlichkeit - auch bei Verstößen gegen Recht und Gesetz ist sie gegenüber Gefangenent zu achten- ein Fremdwort war, bzw. aus dem Wortkabular der Vollzugsbeamten gstrichen wurde.
Einzelhaft - ohne Heizung, hygenische Toilette und Fenster-, das Stehen bis zu den Knöcheln im kalten Wasser, Repressalien von Mitgefangenen, meist kriminellen, sind auch nur wieder einige überlieferte Beispiele, die und das sollten sich die Kritiker meiner Zeilen sehr gut durchlesen, sich niemand ausdenkt bzw. niederschreibt und dazu noch Jahre braucht um diese zu verarbeiten.


zuletzt bearbeitet 04.07.2010 14:23 | nach oben springen

#83

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 14:52
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Vernehmungen rund um die Uhr ist doch mal wieder absoluter Quatsch. Sicher gab es in den wichtigen ersten Tagen ein höheres Pensum, dies hatte aber bestimmte psychologische Hintergründe und anschließend sank dieses Pensum schnell wieder. Über die Gründe für längere Vernehmungen schrieb ich schon und auch welchen Anteil der Beschuldigte teilweise daran hatte.

Über die Rolle und Aufgabe des RA im sozialistischen Rechtssystem wurde hier auch schon ausführlich geschrieben, so dass ich mir eine Wiederholung spare.

Entzug von Zeitschriften o.ä. wäre auch nur bedingt richtig und für mich keineswegs als Folter zu bezeichnen.
Körperliche Übergriffe waren strengstens untersagt und wurden bei bekanntwerden diziplinarisch geahndet. Zum Erlangen wahrheitsgemäßer Aussagen und für den Aufbau einer förderlichen Atmosphäre wären solche Maßnahmen auch unzweckmäßig, nein sogar hinderlich gewesen.

Gewisse Drohungen bzw. eher das Aufzeigen möglicher negativer Folgen um die Aussagebereitschaft des Beschuldigten zu fördern sind doch auch heute gang und gäbe und in jedem Krimi zu sehen. Auch wenn gewisse Vorgehensweisen zur Erhöhung der Aussagebereitschaft heute gerne als das Zerstören der Psyche oder Brechen des Beschuldigten bezeichnet werden, stellen diese für mich kein Mittel der Folter dar, sondern lediglich damals weltweit übliche Vernehmungstaktiken. Das diese heute natürlich anders aussehen als vor 25 Jahren ist kein Indiz dafür, das die damaligen die Bezeichnung Folter verdienten.
Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall! Schließlich diente eine schnelle und erfolgreiche Vernehmung doch auch dazu, das EV zeitnah abzuschließen und somit die verschärften Regelungen und Sicherheitsanforderungen, denen der Beschuldigte in der U-Haft unterworfen war, schneller zu beenden.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 04.07.2010 15:07 | nach oben springen

#84

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 15:10
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Vernehmungen rund um die Uhr ist doch mal wieder absoluter Quatsch. Sicher gab es in den wichtigen ersten Tagen ein höheres Pensum, dies hatte aber bestimmte psychologische Hintergründe und anschließend sank dieses Pensum schnell wieder. Über die Gründe für längere Vernehmungen schrieb ich schon und auch welchen Anteil der Beschuldigte teilweise daran hatte.

Über die Rolle und Aufgabe des RA im sozialistischen Rechtssystem wurde hier auch schon ausführlich geschrieben, so dass ich mir eine Wiederholung spare.

Entzug von Zeitschriften o.ä. wäre auch nur bedingt richtig und für mich keineswegs als Folter zu bezeichnen.
Körperliche Übergriffe waren strengstens untersagt und wurden bei bekanntwerden diziplinarisch geahndet. Zum Erlangen wahrheitsgemäßer Aussagen und für den Aufbau einer förderlichen Atmosphäre wären solche Maßnahmen auch unzweckmäßig, nein sogar hinderlich gewesen.

Gewisse Drohungen bzw. eher das Aufzeigen möglicher negativer Folgen um die Aussagebereitschaft des Beschuldigten zu fördern sind doch auch heute gang und gäbe und in jedem Krimi zu sehen. Auch wenn gewisse Vorgehensweisen zur Erhöhung der Aussagebereitschaft heute gerne als das Zerstören der Psyche oder Brechen des Beschuldigten bezeichnet werden stellen diese für mich kein Mittel der Folter dar, sondern lediglich damals weltweit übliche Vernehmungstaktiken. Das diese heute natürlich anders aussehen als vor 25 Jahren ist kein Indiz dafür, das die damaligen die Bezeichnung Folter verdienten.
Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall, schließlich diente eine schnelle und erfolgreiche Vernehmung doch auch dazu, das EV schnell abzuschließen und somit die verschärften Regelungen und Sicherheitsanforderungen der U-Haft, im Vergleich zur Strafhaft, schneller zu beenden.



@Feliks, also wenn ich dich richtig verstehe, interpretierst du den Beitrag von " 17.Juni" so, dass die Untersuchungshaftanstalten der Staatssicherheit annähernd den Komfortstandard der Interhotels hatten ? Wieviel Sterne würdest du denn einem solchen Etablissement geben ? Ich selbst kann es nicht beurteilen, da das Schicksal mir gnädig war und ich nie in einem solches Haus logieren (musste)konnte.
Viele Grüße vom Rhein


.
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#85

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 15:13
von werner | 1.591 Beiträge

@17.Juni

Anscheinend hast Du mit fast Allen gesprochen, die ihren Fall angeziegt und bis zur Verurteilung der Täter gebracht haben, denn bis Juni 2009 sah es so aus:

Gegen Angehörige der Staatssicherheit ergingen 69 Urteile, darunter für die Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, Amtsanmaßung, Öffnen von Briefsendungen, Hausfriedensbruch, Mandanten- und Patientenverrat, unerlaubte Festnahmen (17), Repressalien gegen Ausreisewillige (8), Verschleppung (16), Drohung mit Gewalt und psychische Repressalien zur Aussageerzwingung (19).

Wie wir alle wissen, hat ja die bundesdeutsche Gesetzgebung extra hierfür die Verjährung auf 40 Jahre verlängert, die Zahlen können sich also durchaus noch nach oben bewegen. Aber offenkundig sind die von Dir aus dem Hörensagen genannten Praktiken weder flächendeckend noch systematisch erfolgt, wie Du es hier glauben machen möchtest.

Schlimm genug, dass es solche Praktiken überhaupt gegeben hat, sofern sie heute noch nachweisbar und verfolgbar sind, das sei mal unbestritten. Und ich bin mir sicher, dass die demokratischste aller Justizen alle Register ziehen wird, schnell und effektiv zu urteilen, und sich nicht weitere 30 Jahre nimmt, um sich alsdann den eigenen Unrechtsurteilen zu widmen und diese Opfer endlich auch zu rehabiltieren. Aber die Opfer der DDR sind natürlich wesentlich wichtiger, weil man die ja politisch besser verwerten kann.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#86

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 15:20
von SCORN (gelöscht)
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hallo 17.juni,
deine aufzählung von "folter" überzeugt mich nicht. es würde im umkehrschluss bedeuten dass auch heute noch in der bundesrep., in den meisten europäischen ländern und gerade auch in den USA und so manchem verbündeten land ausserhalb europas gefoltert wird. einige deiner aufzählungen dürften gängige praxis in den meisten ländern dieser welt sein.

kannst du konkrete beispiele über "entgleisungen" bringen. auch wäre ich an exaktere daten bezüglich "im wasser stehen bis zum knöchel" interessiert. wie schon gesagt , der straftatbestand des "foltern" verjährt nicht. anzeigen in dieser angelegenheit bei der bundesanwaltschaft also möglich und falls begründet begrüssenswert!

interessant deine aussage daß nach urteilsverkündung in "viel schlimmere haftanstalten" verlegt wurde. das bedeutet wiederum das die untersuchungshaftanstalten des mfs "nicht so schlimm" waren wie die haftanstalten unter regie des mdi! bisher ist dieser fakt immer wortreich und recht emotional von einigen bestritten worden.

es gibt übrigens belegbare aussagen von leuten die in den 90iger jahren mit untersuchungshaft und vollzugshaft in der bundesrepublik zu tun hatten. einige von dir aufgezählte praktiken wurden dort so oder so ähnlich praktiziert. es sind die aussagen von kundschaftern welche vor den kadi gezerrt wurden, bei bedarf kann ich dir die ensprechende literatur nennen.

an die erlebnisse und erfahrungen des users Kid in us untersuchungs und militärhaft möchte ich erst gar nicht erinnern.

SCORN


zuletzt bearbeitet 04.07.2010 19:37 | nach oben springen

#87

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 15:21
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von werner


Und ich bin mir sicher, dass die demokratischste aller Justizen alle Register ziehen wird, schnell und effektiv zu urteilen, und sich nicht weitere 30 Jahre nimmt, um sich alsdann den eigenen Unrechtsurteilen zu widmen und diese Opfer endlich auch zu rehabiltieren.



Das lässt ja hoffen,obwohl die Mehrheit der Betroffenen dieses dann nicht mehr erleben wird....

seaman


zuletzt bearbeitet 04.07.2010 15:23 | nach oben springen

#88

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 15:26
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Hier wird ein martialisches Bild des MfS gezeichnet was es so nicht gab, deshalb diese Anekdote :
Auf meiner Dienststelle wurde ein langjähriger Genosse mal sehr streng diziplinarisch zur Verantwortung gezogen weil er einen ständigen Querulanten und mit unter Alkohol negativ öffentlichkeitswirksam in Erscheinung tretenden, nicht gerade arbeitssamen Bürger spasshaft drohte: " Mach Du so weiter, dann holt Dich der Schwarze Rabe". Der arme Kerl nahm sich das dermaßen zu Herzen war völlig verstört und im Gespräch mit einen anderen Mitarbeiter kam dies dann heraus ....................
Der Verursacher bestimmt schon 30 Jahre dabei, wurde regelrecht zerissen, Dienstlich und Parteilich empfindlich besraft.
Ich kannte den Betreffenden recht gut, war ein lustiger Typ und er war an den "hoffnungslosen Fall" dermaßen genervt, dass ihm das halt so etwas vorschnell über die Lippen kam.
Er mußte sich im übrigen auch dafür entschuldigen.


zuletzt bearbeitet 04.07.2010 15:29 | nach oben springen

#89

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 15:41
von werner | 1.591 Beiträge

@seaman

Das lässt ja hoffen,obwohl die Mehrheit der Betroffenen dieses dann nicht mehr erleben wird....
________________________________________________________________________________

Wahrscheinlich ist das auch der Hintergrund, warum die Verjährungsfrist so lange gehalten wurde. Da hat man immer einen guten Grund, um sich um die anderen Sachen nicht kümmern zu müssen. . . Und der Rest erledigt sich biologisch.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#90

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 18:07
von 17.Juni (gelöscht)
avatar

Hallo,

ich bedanke mich erst mal für die doch zahlreichen Antworten auf meinen Beitrag. Obwohl ich nur GilbertWolzow direkt angesprochen habe, scheinen sich doch auch einige andere User auf den Schlips getreten zu fühlen, vor allem Feliks D. Ich verstehe ja zu gut das diese User mein düster gezeichnetes Bild von den Verhör - und Strafvollzugsmethoden unbedingt wieder in ein helles Licht rücken müssen.
"Uns" müß Ihr nicht beweisen, dass diese Methoden die ganz einfach Unrecht sind und dazu erklärt wurden, es nicht sind ! Beweist es denen, die es direkt erlebt haben ! Es gibt viele deren Namen bekannt sind und die sich gerne mit Euch an einen Tisch setzen um Euch mal ihre Lebensgeschichte zu erzählen, ihr müßt nur den ersten Schritt tun !
Dazu gehört natürlich Mut und Aufrichtigkeit, solchen betroffenen Menschen dann direkt in die Augen zu sehen und dann auch noch die hier geäußerte Meinung zu vertreten. Es ist einfach hier im Forum mit angeblichen Fakten aufzuwarten und seine Gegenmeinung zu verfassen, diese dann aber auch gegenüber Betroffenen zu verteitigen, dazu gehört schon etwas mehr als nur hier zu schreiben.
Die Aufarbeitung unserer Geschichte heist auch das man sich mit den Opfern beschäftig und diese auch dementsprechend
rehabilitiert, und das nicht erst, wenn diese unzählige Ämter durchlaufen haben.
Diese Beiträge wurden mit großem Unverständnis von einigen Betroffenen gelesen. Da ich die Würde auch der Andersdenkenden hier nicht beschädigen möchte, erspare ich Euch jene Zitate bzw. Worte die gefallen sind.
Zu einem gegebenen Zeitpunkt werde ich weiter berichten bzw. schreiben, auch wenn das dem Einen oder auch dem Anderen nicht gefallen wird !

... in diesem Sinne verbleibe ich mit den besten Grüßen, auch an meine "Gegner"..

Euer 17.Juni

Eine Bitte habe ich noch an meine Kritiker !
Hört auf Vergleiche mit der bestehenden Bundesrepublik zu ziehen ! Wir beschäftigen uns hier mit dem Unrecht der ehemaligen DDR, da muß nicht immer der alte Klassenfeind herhalten und bewiesen werden, dass das bei dem auch nicht immer mit rechten Dingen zu geht nur um dann eine Rechtfertigung für sein eigenes Unrecht zu haben.
Bitte beherzigt meine Bitte !


zuletzt bearbeitet 04.07.2010 18:23 | nach oben springen

#91

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 18:17
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von Feliks D.
Vernehmungen rund um die Uhr ist doch mal wieder absoluter Quatsch. Sicher gab es in den wichtigen ersten Tagen ein höheres Pensum, dies hatte aber bestimmte psychologische Hintergründe und anschließend sank dieses Pensum schnell wieder. Über die Gründe für längere Vernehmungen schrieb ich schon und auch welchen Anteil der Beschuldigte teilweise daran hatte.

Über die Rolle und Aufgabe des RA im sozialistischen Rechtssystem wurde hier auch schon ausführlich geschrieben, so dass ich mir eine Wiederholung spare.

Entzug von Zeitschriften o.ä. wäre auch nur bedingt richtig und für mich keineswegs als Folter zu bezeichnen.
Körperliche Übergriffe waren strengstens untersagt und wurden bei bekanntwerden diziplinarisch geahndet. Zum Erlangen wahrheitsgemäßer Aussagen und für den Aufbau einer förderlichen Atmosphäre wären solche Maßnahmen auch unzweckmäßig, nein sogar hinderlich gewesen.

Gewisse Drohungen bzw. eher das Aufzeigen möglicher negativer Folgen um die Aussagebereitschaft des Beschuldigten zu fördern sind doch auch heute gang und gäbe und in jedem Krimi zu sehen. Auch wenn gewisse Vorgehensweisen zur Erhöhung der Aussagebereitschaft heute gerne als das Zerstören der Psyche oder Brechen des Beschuldigten bezeichnet werden stellen diese für mich kein Mittel der Folter dar, sondern lediglich damals weltweit übliche Vernehmungstaktiken. Das diese heute natürlich anders aussehen als vor 25 Jahren ist kein Indiz dafür, das die damaligen die Bezeichnung Folter verdienten.
Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall, schließlich diente eine schnelle und erfolgreiche Vernehmung doch auch dazu, das EV schnell abzuschließen und somit die verschärften Regelungen und Sicherheitsanforderungen der U-Haft, im Vergleich zur Strafhaft, schneller zu beenden.



@Feliks, also wenn ich dich richtig verstehe, interpretierst du den Beitrag von " 17.Juni" so, dass die Untersuchungshaftanstalten der Staatssicherheit annähernd den Komfortstandard der Interhotels hatten ? Wieviel Sterne würdest du denn einem solchen Etablissement geben ? Ich selbst kann es nicht beurteilen, da das Schicksal mir gnädig war und ich nie in einem solches Haus logieren (musste)konnte.
Viele Grüße vom Rhein




Dann solltest du nochmal genauer lesen, denn von Komfortstandards oder Interhotels schrieb ich nichts und dies würde auch dem, von mir jetzt für Dich noch einmal, rot hervorgehobenen widersprechen.

Ich habe mich lediglich dagegen verwahrt, die Tätigkeit von Untersuchungsführern der Linie IX hier mit Folterpraktiken in Verbindung bringen zu wollen. Dies entspricht nicht den Tatsachen und deshalb findest du auch keine einschlägigen Verurteilungen ehem. MA, denn die Formel ist ganz einfach: Keine Folter -> Keine Beweise -> Keine Verurteilung !!!


P.S.

Es gibt da eine Analyse von dir die ich sehr bemerkenswert finde.

Zitat von Gert

ich habe gelernt, dass die, die sich getroffen fühlen, immer die gleiche Verhaltensmuster zeigen, wenn ihnen die Argumente ausgehen : das bedeutet
1. die Sache ins lächerliche ziehen,

2. mit Zynismus oder Ironie reagieren und
3. wenn das alles nichts hilft Nebelkerzen werfen.




Deine Frage nach der Anzahl der Sterne dient entweder dazu um die Aussage bzw. mich 1. ins lächerliche zu ziehen, oder ist 2. absolut ironisch zu verstehen. Nach deiner eigenen Logik schließe ich daraus, dass dir scheinbar bei diesem Thema die Kenntnisse bzw. weitere Argumente fehlen.

Richtig?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 04.07.2010 22:05 | nach oben springen

#92

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 22:14
von werner | 1.591 Beiträge

@17.Juni

Deine Zeilen zeigen eigentlich nur, dass Du selbst spürst, dass Hörensagen offenbar nicht ausreichend ist und Verallgemeinerungen eher diskussionsschädlich. Und dass Du Dich auf den Schlips getreten fühlst.

Ich bestreite nicht, dass der von Dir genannte Bekanntenkreis Opfer von Unrecht geworden ist, aber offenbar versuchen eine Menge Menschen, aus dem persönlichen Schicksal tatsächlich Betroffener Kapital zu schlagen.

Fakten sind Fakten und nicht "angeblich", auch wenn Dir das nicht gefällt. Wir möchten hier differenziert darüber sprechen was passiert ist, dazu gehört aber auch, darüber zu sprechen, was eben nicht passiert ist!

Niemand will hier was schönreden, aber Schlagzeilen und allgmeine Texte gehören in die Zeitung und nicht in ein Forum, dass sich Fachforum nennt. Und es geht nicht darum, ob jemandem Deine Worte gefallen, sondern was daran sachlich und was daran durch Emotionen und Erfahrungen Betroffener so dargestellt wird, als ob dies alle Inhaftierten betroffen hätte und flächendeckend in den Haftanstalten an der Tagesordnung gewesen wäre.

Schau doch einfach mal in die Berichte der BStU oder sind die für Dich nur dann eine Diskussionsgrundlage, solange es um die Bestätigung Deiner eigenen Meinung geht?

Wie wir neben den offiziellen Verlautbarungen auch aus diesem Forum schon erfahren haben, gab es auch "einfache" Kriminelle, von denen nicht wenige rumlaufen und als Opfer des DDR- Unrechts rehabilitert werden möchten. Das ist mit Sicherheit auch nicht im Sinne der tatsächlichen Opfer, wenn sich solche Menschen in deren Windschatten bewegen. Denn nichts anderes zeigen die im anderen Beitrag genannten Fakten.

Und ich darf noch einmal nachlegen:
Es sind ca. 100.000 Ermittlungen wegen Unrecht aufgenommen worden, da sind sage und schreibe 46(!) Gefängnisstrafen rausgekommen, davon sind 42 unter 2 Jahren geblieben. Die bundesdeutschen Gerichte haben also Straftaten festgestellt, und zwar ziemlich flott, diese aber offenbar als weniger gewichtig bewertet.

Allein die Tatsache, dass von der gewaltigen Zahl der Ermittlungen nur eine recht kleine Zahl tatsächlich zu einer Verurteilung geführt hat und das in den paar Jahren seit 1989, bestätigt doch wohl, dass hier außerordentlich schnell gearbeitet wird und die Anzeigen überwiegend wenig fundiert waren, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Und unzählige Ämter bis zur Rehabilitierung? Das würde mich ernsthaft interessieren. Bitte erkläre es mir Unwissendem.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#93

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 22:36
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zu diesem Thema bietet sich dem interessierten Leser folgende Literatur an:

Einigkeit und Recht: Die DDR und die deutsche Justiz.
Besuchszeit. Westdiplomaten in besonderer Mission
Die Republik vor Gericht 1975-1995
Rechtsbeugung in der DDR. Die Sicht der Verteidigung

Mann muss nicht immer die gleiche Sicht auf die Vorgänge im Einzelnen haben und allen Schlußfolgerungen zustimmen, denn einige Dinge sehe ich anders als ein Teil der Autoren. Lesenswert sind sie allemal und ein ander Blickwinkel ist manchmal ganz erfrischend bzw. nützlich für weitere eigene Schlußfolgerungen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 04.07.2010 22:41 | nach oben springen

#94

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 23:15
von 17.Juni (gelöscht)
avatar

Zitat von werner
@17.Juni

Deine Zeilen zeigen eigentlich nur, dass Du selbst spürst, dass Hörensagen offenbar nicht ausreichend ist und Verallgemeinerungen eher diskussionsschädlich. Und dass Du Dich auf den Schlips getreten fühlst.

Ich bestreite nicht, dass der von Dir genannte Bekanntenkreis Opfer von Unrecht geworden ist, aber offenbar versuchen eine Menge Menschen, aus dem persönlichen Schicksal tatsächlich Betroffener Kapital zu schlagen.

Fakten sind Fakten und nicht "angeblich", auch wenn Dir das nicht gefällt. Wir möchten hier differenziert darüber sprechen was passiert ist, dazu gehört aber auch, darüber zu sprechen, was eben nicht passiert ist!

Niemand will hier was schönreden, aber Schlagzeilen und allgmeine Texte gehören in die Zeitung und nicht in ein Forum, dass sich Fachforum nennt. Und es geht nicht darum, ob jemandem Deine Worte gefallen, sondern was daran sachlich und was daran durch Emotionen und Erfahrungen Betroffener so dargestellt wird, als ob dies alle Inhaftierten betroffen hätte und flächendeckend in den Haftanstalten an der Tagesordnung gewesen wäre.

Schau doch einfach mal in die Berichte der BStU oder sind die für Dich nur dann eine Diskussionsgrundlage, solange es um die Bestätigung Deiner eigenen Meinung geht?

Wie wir neben den offiziellen Verlautbarungen auch aus diesem Forum schon erfahren haben, gab es auch "einfache" Kriminelle, von denen nicht wenige rumlaufen und als Opfer des DDR- Unrechts rehabilitert werden möchten. Das ist mit Sicherheit auch nicht im Sinne der tatsächlichen Opfer, wenn sich solche Menschen in deren Windschatten bewegen. Denn nichts anderes zeigen die im anderen Beitrag genannten Fakten.

Und ich darf noch einmal nachlegen:
Es sind ca. 100.000 Ermittlungen wegen Unrecht aufgenommen worden, da sind sage und schreibe 46(!) Gefängnisstrafen rausgekommen, davon sind 42 unter 2 Jahren geblieben. Die bundesdeutschen Gerichte haben also Straftaten festgestellt, und zwar ziemlich flott, diese aber offenbar als weniger gewichtig bewertet.

Allein die Tatsache, dass von der gewaltigen Zahl der Ermittlungen nur eine recht kleine Zahl tatsächlich zu einer Verurteilung geführt hat und das in den paar Jahren seit 1989, bestätigt doch wohl, dass hier außerordentlich schnell gearbeitet wird und die Anzeigen überwiegend wenig fundiert waren, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Und unzählige Ämter bis zur Rehabilitierung? Das würde mich ernsthaft interessieren. Bitte erkläre es mir Unwissendem.



Hallo,

in Deiner eigenen Signatur findest Du die Antwort auf Deinen Beitrag ! Viel Spass beim Lesen wünscht Dir...

..der 17.Juni...


zuletzt bearbeitet 04.07.2010 23:18 | nach oben springen

#95

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 04.07.2010 23:27
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von Gert
[quote="Feliks D."]Vernehmungen rund um die Uhr ist doch mal wieder absoluter Quatsch. Sicher gab es in den wichtigen ersten Tagen ein höheres Pensum, dies hatte aber bestimmte psychologische Hintergründe und anschließend sank dieses Pensum schnell wieder. Über die Gründe für längere Vernehmungen schrieb ich schon und auch welchen Anteil der Beschuldigte teilweise daran hatte.

Über die Rolle und Aufgabe des RA im sozialistischen Rechtssystem wurde hier auch schon ausführlich geschrieben, so dass ich mir eine Wiederholung spare.

Entzug von Zeitschriften o.ä. wäre auch nur bedingt richtig und für mich keineswegs als Folter zu bezeichnen.
Körperliche Übergriffe waren strengstens untersagt und wurden bei bekanntwerden diziplinarisch geahndet. Zum Erlangen wahrheitsgemäßer Aussagen und für den Aufbau einer förderlichen Atmosphäre wären solche Maßnahmen auch unzweckmäßig, nein sogar hinderlich gewesen.

Gewisse Drohungen bzw. eher das Aufzeigen möglicher negativer Folgen um die Aussagebereitschaft des Beschuldigten zu fördern sind doch auch heute gang und gäbe und in jedem Krimi zu sehen. Auch wenn gewisse Vorgehensweisen zur Erhöhung der Aussagebereitschaft heute gerne als das Zerstören der Psyche oder Brechen des Beschuldigten bezeichnet werden stellen diese für mich kein Mittel der Folter dar, sondern lediglich damals weltweit übliche Vernehmungstaktiken. Das diese heute natürlich anders aussehen als vor 25 Jahren ist kein Indiz dafür, das die damaligen die Bezeichnung Folter verdienten.
Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall, schließlich diente eine schnelle und erfolgreiche Vernehmung doch auch dazu, das EV schnell abzuschließen und somit die verschärften Regelungen und Sicherheitsanforderungen der U-Haft, im Vergleich zur Strafhaft, schneller zu beenden.



@Feliks, also wenn ich dich richtig verstehe, interpretierst du den Beitrag von " 17.Juni" so, dass die Untersuchungshaftanstalten der Staatssicherheit annähernd den Komfortstandard der Interhotels hatten ? Wieviel Sterne würdest du denn einem solchen Etablissement geben ? Ich selbst kann es nicht beurteilen, da das Schicksal mir gnädig war und ich nie in einem solches Haus logieren (musste)konnte.
Viele Grüße vom Rhein




Dann solltest du nochmal genauer lesen, denn von Komfortstandards oder Interhotels schrieb ich nichts und dies würde auch dem, von mir jetzt für Dich noch einmal, rot hervorgehobenen widersprechen.

Ich habe mich lediglich dagegen verwahrt, die Tätigkeit von Untersuchungsführern der Linie IX hier mit Folterpraktiken in Verbindung bringen zu wollen. Dies entspricht nicht den Tatsachen und deshalb findest du auch keine einschlägigen Verurteilungen ehem. MA, denn die Formel ist ganz einfach: Keine Folter -> Keine Beweise -> Keine Verurteilung !!!


P.S.

Es gibt da eine Analyse von dir die ich sehr bemerkenswert finde.

Zitat von Gert

ich habe gelernt, dass die, die sich getroffen fühlen, immer die gleiche Verhaltensmuster zeigen, wenn ihnen die Argumente ausgehen : das bedeutet
1. die Sache ins lächerliche ziehen,

2. mit Zynismus oder Ironie reagieren und
3. wenn das alles nichts hilft Nebelkerzen werfen.




Deine Frage nach der Anzahl der Sterne dient entweder dazu um die Aussage bzw. mich 1. ins lächerliche zu ziehen, oder ist 2. absolut ironisch zu verstehen. Nach deiner eigenen Logik schließe ich daraus, dass dir scheinbar bei diesem Thema die Kenntnisse bzw. weitere Argumente fehlen.

Richtig?


Richtig, hast gut aufgepasst. Unter anderem wollte ich mal testen ob du das merkst. Aber ernsthaft, ich habe entgegen meinen formulierten Grundsätzen ausnahmsweise in diesem Beitrag die Ironie oder die ironische Übertreibung gewählt um deutlich zu machen, welch ein Unterschied zwischen der Beschreibung der Haftverhältnisse des Forumteilnehmers " 17.Juni" und deiner Replik besteht. Mit anderen Worten: Ich bin zwar selbst kein Augenzeuge, aber deine Erwiderung erscheint mir nur so vor Verharmlosung, Abwiegeln und ähnlichen Vokabular zu strotzen. Es klingt einfach nicht glaubwürdig, da ich aus anderen Publikationen der Vergangenheit mehr Bestätigungen für die Version "17.Juni" im Kopf habe. Jetzt frage mich bitte nicht wieder, wann und wo ich das gelesen habe. Es ist mir nicht so wichtig, dass ich dafür ein Tagebuch führe.

Viele Grüße vom Rhein

___________________________________________________________________________________________________

Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#96

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.07.2010 01:57
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat Gert:
Mit anderen Worten: Ich bin zwar selbst kein Augenzeuge, aber deine Erwiderung erscheint mir nur so vor Verharmlosung, Abwiegeln und ähnlichen Vokabular zu strotzen. Es klingt einfach nicht glaubwürdig, da ich aus anderen Publikationen der Vergangenheit mehr Bestätigungen für die Version "17.Juni" im Kopf habe. Jetzt frage mich bitte nicht wieder, wann und wo ich das gelesen habe.

Viele Grüße vom Rhein

___________________________________________________________________________________________________

Ungeteilter Beifall,Gert
Man muss hier kein Augenzeuge sein um etwas zu behaupten,man muss auch nicht nachweisen woher das unfehlbare Wissen stammt bzw. Quellen angeben.Mitunter reicht es hier schon wenn man selbst Erlebtes im"Unrechtsstaat", als nach 1989 Geborener glaubhaft vermittelt.
Da ist es unerheblich,ob man sein "Wissen" aus Kampfblatt Springer oder Superillu Burda bezieht.Siehe BGS-thread.

seaman


zuletzt bearbeitet 05.07.2010 02:04 | nach oben springen

#97

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.07.2010 08:05
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von 17.Juni

Zitat von werner
@17.Juni

Deine Zeilen zeigen eigentlich nur, dass Du selbst spürst, dass Hörensagen offenbar nicht ausreichend ist und Verallgemeinerungen eher diskussionsschädlich. Und dass Du Dich auf den Schlips getreten fühlst.

Ich bestreite nicht, dass der von Dir genannte Bekanntenkreis Opfer von Unrecht geworden ist, aber offenbar versuchen eine Menge Menschen, aus dem persönlichen Schicksal tatsächlich Betroffener Kapital zu schlagen.

Fakten sind Fakten und nicht "angeblich", auch wenn Dir das nicht gefällt. Wir möchten hier differenziert darüber sprechen was passiert ist, dazu gehört aber auch, darüber zu sprechen, was eben nicht passiert ist!

Niemand will hier was schönreden, aber Schlagzeilen und allgmeine Texte gehören in die Zeitung und nicht in ein Forum, dass sich Fachforum nennt. Und es geht nicht darum, ob jemandem Deine Worte gefallen, sondern was daran sachlich und was daran durch Emotionen und Erfahrungen Betroffener so dargestellt wird, als ob dies alle Inhaftierten betroffen hätte und flächendeckend in den Haftanstalten an der Tagesordnung gewesen wäre.

Schau doch einfach mal in die Berichte der BStU oder sind die für Dich nur dann eine Diskussionsgrundlage, solange es um die Bestätigung Deiner eigenen Meinung geht?

Wie wir neben den offiziellen Verlautbarungen auch aus diesem Forum schon erfahren haben, gab es auch "einfache" Kriminelle, von denen nicht wenige rumlaufen und als Opfer des DDR- Unrechts rehabilitert werden möchten. Das ist mit Sicherheit auch nicht im Sinne der tatsächlichen Opfer, wenn sich solche Menschen in deren Windschatten bewegen. Denn nichts anderes zeigen die im anderen Beitrag genannten Fakten.

Und ich darf noch einmal nachlegen:
Es sind ca. 100.000 Ermittlungen wegen Unrecht aufgenommen worden, da sind sage und schreibe 46(!) Gefängnisstrafen rausgekommen, davon sind 42 unter 2 Jahren geblieben. Die bundesdeutschen Gerichte haben also Straftaten festgestellt, und zwar ziemlich flott, diese aber offenbar als weniger gewichtig bewertet.

Allein die Tatsache, dass von der gewaltigen Zahl der Ermittlungen nur eine recht kleine Zahl tatsächlich zu einer Verurteilung geführt hat und das in den paar Jahren seit 1989, bestätigt doch wohl, dass hier außerordentlich schnell gearbeitet wird und die Anzeigen überwiegend wenig fundiert waren, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Und unzählige Ämter bis zur Rehabilitierung? Das würde mich ernsthaft interessieren. Bitte erkläre es mir Unwissendem.



Hallo,

in Deiner eigenen Signatur findest Du die Antwort auf Deinen Beitrag ! Viel Spass beim Lesen wünscht Dir...

..der 17.Juni...





So viel zum Thema Fakten vs. Hörensagen . . . Freut mich, dass ich Dir meine differenziertere Sicht nahebringen konnte.

Kannst Du mir denn noch meine Frage nach den vielen Ämtern auf dem Weg zur Rehabilitation beantworten?? Das interessiert mich tatsächlich, darauf habe ich eine Antwort erwartet und die steht ganz sicher nicht in der Signatur.

Schönen Start in die Woche!


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#98

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.07.2010 10:13
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von 17.Juni


Diese wenigen hier genannten Beispiele sind in meinen Augen massive psychische Folter, ich kann leider nicht sagen wie GilbertWolzow, diese Methoden bezeichnen würde. Sicherlich hat er bestimmt eine ganz andere Erklärung dafür-oder sollte ich besser Rechtfertigung schreiben ?
Ich hoffe ich werde als bald lesen, wie sich GilberWolzow zu meinen Worten äußert...



vorab erstmal danke, dass du dir die mühe gemacht hast die v.g. beispiele aufzulisten. genau bei diesen beispielen stehe ich immer etwas zwischen den stühlen... gelten diese beispiele als folter ? sind sie damals international geächtet gewesen? gab es nach dem freikauf/ bzw. der freilassung diesbezügliche offizielle protestnoten der verschiedensten länder?

warum meinerseits "zwischen den stühlen". sollte es diese vernehmungspraktiken gegeben haben, so würde ich mich damit nicht identifizieren, denn es widerspricht meiner auffassung einer sauberen sachverhaltsermittlung. das der auffenthalt in einer u-haftanstalt äusserst unangenehm ist und psychischen stress auslöst, dürfte bekannt sein und klammern wir in der hiesigen diskussion mal aus.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#99

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.07.2010 10:36
von werner | 1.591 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
[quote="17.Juni"]

......
warum meinerseits "zwischen den stühlen". sollte es diese vernehmungspraktiken gegeben haben, so würde ich mich damit nicht identifizieren, denn es widerspricht meiner auffassung einer sauberen sachverhaltsermittlung. das der auffenthalt in einer u-haftanstalt äusserst unangenehm ist und psychischen stress auslöst, dürfte bekannt sein und klammern wir in der hiesigen diskussion mal aus.




Dem ist nichts hinzuzufügen!


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
zuletzt bearbeitet 05.07.2010 11:20 | nach oben springen

#100

RE: Zehn Jahre Provokation für Ewiggestrige

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 05.07.2010 10:47
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von 17.Juni

verweigern von Kontaktmöglichkeiten zu den Angehörigen geschweige denn zu einem Anwalt.



Ich gebe zu bedenken, dass das Auflisten von Beispielen natürlich noch nichts über deren Wahrheitsgehalt aussagt und selbst die Aussagen der Forschung diesbezüglich weit auseinander gehen.

Ein Beispiel möchte ich anhand der oben zitieren und häufig gehörten Aussage aufzeigen. Dazu bediene ich mich einiger Zitatauszüge aus einer Ausarbeitung von Petra Morawe, erschienen in der Zeitschrift für Politische Psychologie. In dieser werden verschiedenste Vorwürfe erhoben und es kommen auch einige Zeitzeugen zu Wort. In einem Teil lese ich, dass es keinerlei Kontaktmöglichkeiten zu den Angehörigen oder Anwälten gab. Weiter unten, zu einem anderen Vorwurf interviewt, führt ein Zeitzüge diese Behauptung jedoch ad Absurdum.

Zitat
Mann, U-Haft 1987, damals 21 Jahre alt (Zeitzeugen-Interview, 1999):
„... Ich wußte, daß meine Eltern
nicht wissen, wo ich bin. Die haben mich ja in Lichtenberg besucht, in dem Gefängnis
direkt neben der Stasi-Hauptzentrale, und die dachten natürlich immer,
daß ich dort auch untergebracht bin. Das wußte ja keiner, daß hier in Hohenschönhausen
diese Haftanstalt ist und daß ich auch hier untergebracht bin und
nur dort hingebracht werde, damit meine Eltern mich besuchen konnten. Oder
auch der Anwalt, wenn der mich besucht hat.
Das war alles in Lichtenberg...



Das einfach als Einwurf von meiner Seite zum nachdenken. Wohlgemerkt, beide Aussagen in derselben Ausarbeitung!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 05.07.2010 10:53 | nach oben springen


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