#1

Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 11:03
von rustenfelde | 676 Beiträge

Hier mal ein älterer Beitrag aus Spiegel online:
Wie schnell aus dem Routinedienst tödliche Gegnerschaft werden konnte, erfuhr auch der Feldwebel Klaus-Peter Braun, 22, der bei Rustenfelde nahe Heiligenstadt im August 1981 von dem Soldaten Roland Höhne, damals 24, mit drei Schüssen aus einer Kalaschnikow getötet wurde. Der Obduktionsbericht des gerichtsmedizinischen Instituts Jena stellte fest, schon der erste Schuß habe "die Herzspitze durchsetzt, Lunge, Magen, Bauchspeicheldrüse und die Aorta im Bauch geöffnet, was zum sofortigen Tod geführt hat".

Während die DDR-Kommandeure nach Untersuchung des Todesfalles von einem "langfristig vorbereiteten" sowie "kaltblütigen und hinterhältigen" Mord sprachen, gab der westwärts geflohene Höhne eine andere Darstellung. In der Tatnacht habe er mit Braun und einem weiteren Posten zunächst Skat gespielt und spontan seine Chance gewittert, als der dritte Mann wegen eines Alarms abrücken mußte.

Er habe den unbewaffneten Braun mit seiner Kalaschnikow bedroht und angekündigt, so Höhne, er gehe jetzt "die Flocke machen". Der Feldwebel aber ließ sich, Höhnes Darstellung zufolge, nicht einschüchtern, ging auf den Skatpartner zu und hielt den Gewehrlauf fest. Deshalb sei er, sagte Höhne aus, erschrocken zurückgewichen, wobei sich ein Feuerstoß von drei Schüssen gelöst habe.

Westdeutsche Richter schlossen sich dieser Version an: Höhne wurde zwei Jahre nach der Tat vom Göttinger Landgericht zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt - wegen fahrlässiger Tötung (Aktenzeichen 6 JS 648/81 - 18/83 II).

Meine Infos zu diesem Vorfall sind etwas anders, als hier dargestellt.

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#2

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 11:24
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von rustenfelde

Meine Infos zu diesem Vorfall sind etwas anders, als hier dargestellt.

Gruß RF



Dann solltest du sie nicht für Dich behalten. Das der Höhne dies anders geschildert hat um nicht als der Mörder zu gelten, der er war ist klar.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#3

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 11:29
von S51 | 3.733 Beiträge

Herzspitze, Lunge aber auch Magen und Bauchspeicheldrüse und die Aorta mit dem ersten Schuß getroffen? Das Geschoss muss sehr schräg von unten oder oben eingedrungen sein. Wenn es keine Zeichen eines Nahschusses gab, würde ich sagen, wurde der PF das erste mal getroffen, als er saß und der Schütze stand. Bei einer Rangelei, wie behauptet, muss die Waffe sehr schräg gehalten worden sein. Immerhin ist die Kalaschnikow doch eine Langwaffe, wo zwischen Mündung und Abzug etwa 60 cm liegen. Hat man getestet, ob bei einem derartigen Winkel während einer behaupteten Rangelei der Abzug überhaupt noch erreichbar war? War der Schütze so ein Riese oder vergleichsweise Zwerg, dass dies anatomisch möglich war? Hat er gelegen oder ist er gesprungen? Immerhin müsste sich dann der Schütze etwa entweder auf Kniehöhe oder knapp über Kopfhöhe des Opfers mit dem Abzug befunden haben. Bei einer Pistole ginge das, bei der MP-5/HK-5 müsste man sich schon sehr verrenken, die AK jedoch ist noch etwas größer.
Irgendwie ist die Sache so schwer vorstellbar.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#4

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 11:30
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Selbst in Hinblick auf die Schutzbehauptungen des Verbrechers Höhne, ist das Strafmaß einfach nur eine Verhöhnung des Opfers.


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#5

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 11:56
von rustenfelde | 676 Beiträge

Hier der Bericht eines Wissenden:


Zu der Sache Braun, die sich bei mir verinnerlicht hat. Zuvor solltest Du wissen, das der Täter mein ehemaliger Fahrer war, der im Ernstfall die R-125 (Funk- und Leitstelle des KC in der Gefechtsmäßigen Grenzsicherung)fahren sollte, die auf einen UaZ montiert war. Dieser Verbrecher war der ehemalige Soldat Höhne und war als Funker im KMTV - Trupp. Ich hatte ihm im Vorfeld selten vorn eingesetzt, und wenn mein P3 Fahrer im Urlaub war, dann ist er nur mit mir gefahren. Ich möchte da auch heute nicht ins Detail gehen, aber feststand, weil zu Hause bei H. es enorme Probleme gab, sollte dieser in die Stabskompanie versetzt werden. Soweit zur Vorgeschichte.
Am besagten Tag im August wurde Braun und Höhne auf der Füst. Rustenfelde zur Führung der GSi eingesetzt im Nachtaufzug. Ic Auf der FüSt., so stellten später die Ermittler fest, deutete nichts auf die Absicht Höhnes hin, FF zu werden. Irgendwann nach Mitternacht gab es eine GSZ-Auslösung im Bereich Pferdeberg und somit wurden die Kräfte und Mittel an der linken Flanke konzentriert. Rechts von Trennungslinie bis Sandlöcher war alles frei. Kurzentschlossen richtete Höhne die Waffe auf Braun und gab einen Feurerstoß ab, der im Ober- und Unterkörper tödliche Treffer hinterließ. Er war
sofort tot. Höhne verließ die Füst. und begab sich auf kürzesten Weg zum GZ, warf das Tragegestell darüber und überwand diesen. Vorher legte er seine Waffe ab, um nicht Gefahr zu laufen, von den Grenzschutzorganen der BRD als Terrorist erschossen werden.
Zwischenzeitlich stellte XXX, der Schirrmeister fest, dass er keine Verbindung zur Füst. mehr hat. Er löste sofort Kompaniealarm aus, die den kompletten Abschnitt abriegelten.

Fortsetzung folgt.

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


zuletzt bearbeitet 14.06.2010 11:59 | nach oben springen

#6

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 12:06
von rustenfelde | 676 Beiträge

Fortsetzung:
Die Kompanie lag also in der Abriegelung und der Spieß wurde auf die Füst. geschickt und da wurde dann diese Sauerei festgestellt.
Die Kompanie blieb bis zum Mittag in der Abriegelung und wurde dann komplett herausgelöst. Zwischenzeitlich war ich dann auch vor Ort .Am Morgen nach der Tatnacht waren dann die Gerichtsmediziner und die Spezialkommission des MfS vor Ort. Mittags wurde dann Braun über einen behelsmäßigen Flaschenzug über das Fenster zum Leichenwagen abgeseilt. Das war so befohlen worden, da natürlich zwischenzeitlich der BGS die Durchbruchstelle mit ebenfalls einer grossen Anzahl von Leuten sicherte. Zwischenzeitlich haben wir über diverse Kanäle erfahren, dass der BGS Höhne zum Nachstellen der Tat an die Grenze bringen wollte. Nachmittags fuhren dann Schützenpanzer auf und über 100 Mann BGS ging in Stellung. Unsererseits waren Kräfte der Sicherungskompanie vom Grenzkommando vor dem GZ gedeckt in Stellung gegangen. Diese hatten die Aufgabe, Höhne beim überschreiten der Grenzlinie festzunehmen
oder zu liquidieren. Da aber auch unserer damaliger Gegner nicht auf dem Kopf gefallen war, hat man Höhne sehr dezent im Hintergrund gelassen und nicht aus dem SPW gelassen.
Die anschließenden Gespräche und Untersuchungen in der Kompanie bei Soldaten und Vorgesetzten erspare ich mir im Detail.
Ein paar Tage später war die Trauerfeier in Bleicherode. Da ich damals noch das Glück hatte, zum Fahnenkommando des GR zu gehören, stand ich über zwei neben dem Sarg auf der Bühne im Volkshaus Bleicherode. Später wurden dann Gebäude und Schulen nach Braun benannt, heute gibt heißt kein Einziges mehr so.
Das Erschiessen erfolgte von vorn.

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#7

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 12:18
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@s 51, deine logischen feststellungen widersprechen damit den aussagen zum handlungsablauf vom soldaten höhne.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#8

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 12:33
von Köpenick | 46 Beiträge

Es gab vor dem Militärobegericht Leipzig vom 19.-21. Juli 1982 ein Verfahren gegen den abwesenden Straftäter. Dieser wurde von RA Friedrich Wolff verteidigt. In seinem Buch "Verlorene Prozesse 1953-1998" schildert Wolff in einem Kapitel den Ablauf der Beweisaufnahme. Dabei wurden durch die Tatortdokumentation, die gerichtsmedizinischen Gutachten und die Aussagen von weiteren Zeugen und Sachverständigen Zeugen die Einlassunegn des Beschuldigten im Wesentlichen widerlegt. Diese Erkenntnisse decken sich im wesentlichen mit dem oben gesagten.



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#9

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 21:51
von Thunderhorse | 4.006 Beiträge

http://www.nva-forum.de/nva-board/index....opic=539&st=870
Ab Donnerstag, 15.Februar 2007, 19:52 Uhr
bis etwa Donnerstag, 15.Februar 2007, 21:51 Uhr


Zu den Beiträgen im Threat hier:
Bei dem einen oder anderen Satz ist anscheinend auch die Phantasie im Spiel.


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 14.06.2010 21:52 | nach oben springen

#10

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 22:05
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
avatar

Weilt der Herr Höhne heute noch unter den Lebenden und wie alt ist er mittlerweile?

R-M-R


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#11

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 22:09
von rustenfelde | 676 Beiträge

Höhne soll angeblich in Spanien verstorben sein. Er wäre jetzt ca.45 Jahre alt.

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#12

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 14.06.2010 22:23
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
avatar

rustenfelde, entschuldige, ich las den Anfangstext nicht richtig, er müsste also heute 53 Jahre alt sein, sollte er denn noch leben?
Aber interessant ist das schon, was so ein Mensch seinen Enkeln erzählt, wenn er denn einmal welche hätte? Eigentlich Stoff für einen guten Roman, den die Nachkommen des toten Feldwebel schreiben sollten.

R-M-R


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#13

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 10:22
von rustenfelde | 676 Beiträge

Ja stimmt R-M-R,
mit dem Alter hab ich mich vertippt- sorry! Der tote Feldwebel wurde postum zum Fähnrich befördert.

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#14

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 10:34
von TOMMI | 1.985 Beiträge

Zitat von rustenfelde
Ja stimmt R-M-R,
mit dem Alter hab ich mich vertippt- sorry! Der tote Feldwebel wurde postum zum Fähnrich befördert.

Gruß RF


....da hat er aber was von gehabt....


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#15

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 11:37
von rustenfelde | 676 Beiträge

Stimmt!!!

Gruß RF


"Ich weiß nicht, dass ich jemals von der zauberhaften Schönheit eines Erdfleckens so innerlichst berührt worden wäre."
Theodor Storm über das Eichsfeld (1856)


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#16

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 12:03
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Dafür konnten nun aber die bewaffneten Organe relativ wenig! Dieser Dank ist wohl eher an Herrn Höhne zu richten @Tommi. Aber wenn dieser wie beschrieben tatsächlich recht früh verstarb, dann will ich dem Schicksal mal dankbar sein.

Die posthume Beförderung war nun einmal die letztmögliche Ehrerweisung und sollte als solche auch nicht verächtlich gemacht werden!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 15.06.2010 12:03 | nach oben springen

#17

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 13:04
von turtle | 6.961 Beiträge

Habe diesen Satz heraus gegriffen!

Diese hatten die Aufgabe, Höhne beim überschreiten der Grenzlinie festzunehmen
oder zu liquidieren.

Damit habe ich trotz allem Verständnis ein Problem das es an Lynchjustiz erinnert.
Selbst dann nicht wenn in der BRD kein fairer Prozess zu erwarten war.
Zur Zeit des kalten Krieges gab es in der DDR auch öfters keine fairen Prozesse wenn die Straftat einen politischen Hintergrund hatte, oder zumindest es so sehen wollte.
Mord ist Mord auch ein DDR-Grenzsoldat hat das Recht auf einen fairen Prozess in der BRD gehabt damit der Täter eine gerechte Strafe bekommt! Leider war das nicht so und derartige Prozesse waren eine Farce! Aber ohne Prozess und ordentlicher Rechtssprechung zu liquidieren ist auch Unrecht. Hat eigentlich die DDR Rechtsprechung überhaupt in so einem Fall die Todesstrafe vorgesehen? Denn nichts anderes ist eine Liquidierung, nur eben ohne fairen Prozess.
Gruß Peter(turtle)


matloh hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 13:38
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von turtle
Hat eigentlich die DDR Rechtsprechung überhaupt in so einem Fall die Todesstrafe vorgesehen?



Mithin war die Todesstrafe eine Maßnahme der strafrechtlichen Verantwortlichkeit gem. § 23 (1) StGB und wäre nach § 112 (2) StGB in diesem Fall absolut zulässig gewesen. Alternativ hätte hier durchaus auch § 102 (1) i.V.m. § 102 (3) StGB zur Anwendung gebracht werden können. Eine Verurteilung nach § 112 StGB wäre jedoch der gängigere Weg gewesen, da insbesondere die erforderliche beabsichtige Schädigung der Staats- und Gesellschaftsordnung nach §102 StGB schwerer nachzuweisen wäre, als Heimtücke oder besondere Brutalität nach §112 StGB.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 15.06.2010 18:05 | nach oben springen

#19

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 14:21
von S51 | 3.733 Beiträge

"Diese hatten die Aufgabe, Höhne beim überschreiten der Grenzlinie festzunehmen
oder zu liquidieren.

Damit habe ich trotz allem Verständnis ein Problem das es an Lynchjustiz erinnert.
Selbst dann nicht wenn in der BRD kein fairer Prozess zu erwarten war."

Hallo Turtle,
deine Vermutung hat etwas Wahres. Ausgehend davon, dass man von der bundesdeutschen Seite sowieso keine Gerechtigkeit erwartet hat, waren die Einsatzkräfte angesichts ihres getöteten Kameraden darauf eingerichtet, den Täter keinesfalls mehr entkommen zu lassen. Doch galt das eben nur, sollte er so leichtsinnig sein, wieder auf DDR-Gebiet zu gehen.
Heutzutage werden hierzulande nie jene Einsatzkräfte mit solchen Absicherungen betraut, aus deren Reihen der Verletzte oder Tote kam. Denn dann wäre eine ähnliche Reaktion zu erwarten. Aber gilt das auch für den Kosovo, für Afghanistan, den Irak?


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#20

RE: Flucht mit Mord an einen PF

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 15.06.2010 16:57
von SanGefr | 218 Beiträge

Auch in der Bundesrepublik gab und gibt es faire Prozesse. Das milde Urteil an Herrn Höhne liegt einzig und allein daran, dass die Ermittlungsbehörden der DDR den Ermittlungsbehörden der Bundesrepublik jegliche vernünftige Amtshilfe verweigerten. Sie waren der Meinung, der Täter wird in der DDR abgeurteilt und es ist demnach unsere Ermittlungssache. So durften keine bundesdeutsche Gerichtsmediziner die Leiche untersuchen. Den bundesdeutschen Ermittlungsbehörden verweigerte man die Zeugenbefragung, Beweisfotos usw. Lokaltermine für Richter, Gutachter, Staats- und Rechtsanwälte waren demnach auch nicht möglich. Es war nicht die Pflicht Höhne´s, seine Unschuld zu beweisen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Es war die Pflicht vom Gericht, Herrn Höhne die Schuld nachzuweisen. Und das war, ohne die Unterstützung der Behörden der DDR, gar nicht möglich. So war das Gericht einzig und allein auf die mageren Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft und die Aussage des Angeklagten angewiesen (sofern er denn was ausgesagt hat) Er brauchte als Beschuldigter nichts aussagen, das hat keinerlei Einfluss auf das Urteil. So wie Höhne geschildert hat, wenn er denn was ausgesagt hat, k ö n n t e es gewesen sein. Das Gegenteil ist aufgrund der "Bockigkeit" der DDR-Behörden nicht nachzuweisen gewesen. Deshalb mußte es zu diesem milden Urteil kommen. Nach den bundesdeutschen Gesetzen und der bundesdeutschen Rechtsprechung konnte einfach kein anderes Urteil gefällt werden, selbst dann nicht, wenn wir uns auf dem Kopf stellen und mit den Beinen Fliegen fangen. Auch in der Bundesrepublik marschieren Mörder, wenn es bewiesen wird, in den Knast. Also, lieb Freunde: Meckert nicht über die bundesdeutsche Gerichtsbarkeit, sondern bedankt Euch bei den DDR-Behörden, die so eifrig dem bundesdeutschem Gericht Knüppel zwischen die Beine geworfen haben.
Da fällt mir der Fall Egon Schultz ein. Dort haben die Ermittlungsbehörden der DDR den Ermittlungsbehörden der Bundesrepublik auch sehr wenig Amtshilfe geleistet und wenn, dann nur, was für die Schuld des Täters sprach. Da wurde ein Mensch in der Bundesrepublik für den Tod des Uffz Egon Schultz verurteilt, wenn auch relativ milde, obwohl er an dem Tod des Schultz überhaupt nicht schuldig war. Exakt nachgewiesen ist nämlich, dass Schultz bei der versuchten Festnahme irrtümlich und unbeabsichtigt von einem eigenen Kameraden erschossen wurde. Der angebliche Täter starb noch vor der Wende in dem Glauben, einen Menschen getötet zu haben. Von der DDR wurde den bundesdeutschen Behörden entlastendes Beweismaterial vorenthalten. Es bleibt schon einem der Bissen im Hals stecken, wenn ein Erich Honecker, wider besseres Wissen, auf der Trauerfeier des Uffz Egon Schultz eine Trauerrede hält, die an Heuchelei gar nicht zu überbieten war.


hardi24a, matloh, Sonne und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.06.2010 16:59 | nach oben springen


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