#1

Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 10.06.2010 18:15
von Angelo | 12.396 Beiträge

Die als "Emmely" bundesweit bekanntgewordene Berliner Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt hob ihre Kündigung wegen Einlösung von zwei Pfandbons auf. Eine untere Wertgrenze für sogenannte Bagatellkündigungen lehnte das BAG aber weiter ab: Über jeden Fall sei im Einzelfall zu entscheiden. Die Supermarktkette Kaiser's hatte die Entlassung der Kassiererin mit dem Vertrauensbruch durch den Diebstahl der Pfandbons im Wert von zusammen 1,30 Euro begründet und von einer sogenannten Bagatellkündigung Gebrauch gemacht. Die Bundesarbeitsrichter erklärten nun, das in 30-jähriger Mitarbeit erworbene Vertrauen könne durch eine einmalige und geringe Verfehlung "nicht aufgezehrt" werden.

Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht (LAG) hatten die Einlösung der Pfandbons als eine grobe Pflichtverletzung gewertet, die zu einem unwiederbringbaren Vertrauensverlust des Arbeitgebers führe. Die Kündigung sei daher gerechtfertigt. Nach bisheriger Rechtsprechung des BAG ist eine Kündigung unabhängig vom Wert des Diebstahls zulässig, wenn das Vertrauen des Arbeitgebers zerstört und ihm unter Abwägung der beiderseitigen Interessen eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses daher nicht mehr zumutbar ist. Daran hielt das BAG auch in seinem neuen Urteil fest. Umgekehrt sei aber "nicht jede gegen die Vermögensinteressen des Arbeitgebers gerichtete Vertragspflichtverletzung ohne Weiteres ein Kündigungsgrund", betonten die Erfurter Richter.

hier weiter lesen
http://de.news.yahoo.com/2/20100610/twl-...se-4bdc673.html


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#2

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 08:56
von skbw | 216 Beiträge

meinen "herzlichsten" Glückwunsch zu diesem Urteil. Alle langjährigen Arbeitnehmer dürfen sich nun einfach bedienen, aber bitte nur einmal erwischen lassen. Wenn ich bisher immer ehrlich war, muß ich es jetzt nicht mehr sein. Das passt zu meinen Erfahrungen:
" Das Arbeitsgericht entscheidet immer im Interesse des Arbeitnehmers, nie im Interesse des Arbeitgebers. Für den Arbeitgeber gibt es kein Gericht" - Aussage meine Fachanwalts für Arbeitsrecht
" Der Arbeitnehmer hat nicht die Pflicht eine Leistung zu erbringen. Seine Pflicht besteht darin anwesend zu sein." - Arbeitsrichter in einer Güteverhandlung
" Eine Pflichtverletzung durch den Arbeitnehmer, solange sie nicht grob fahrlässig ist, gehört zum betrieblichen Risiko des Arbeitgeber und kann nicht dem Arbeitnehmer angelastet werden" - Arbeitsrichter in einer Güteverhandlung, die Pflichtverletzung wurde als "nur" fahrlässig eingestuft.


bis bald skbw


" Man kann nur zu einer eigenen Meinung gelangen, wenn man offen sein kann und sich auch irren darf. "

Maxie Wander
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#3

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 09:01
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

ich kann mit dem urteil schlecht umgehen...
einerseits war bei der kündigung die verhältnismässigkeit nicht gewahrt, andererseits ist jetzt (mindestens) dem kleinstdiebstahl tür und tor geöffnet worden...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#4

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 09:31
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Gilbert, da gebe ich dir recht, als Arbeitgeber würde ich eine solche Person nicht einstellen, zumal ja die Frau den Auftrag vom Chef hatte, an dem bewussten Tag die Bon´s aufbewahren sollte falls sich der Eigentümer melden sollte.
Hier das Urteil des BAG:

http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi...85&pos=0&anz=42


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#5

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 09:47
von Angelo | 12.396 Beiträge

Habe hier noch ein Beispiel:

Kündigung wegen Frikadellen-Klau
http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-ka...lt-1514058.html


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#6

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 10:01
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow
.
einerseits war bei der kündigung die verhältnismässigkeit nicht gewahrt, andererseits ist jetzt (mindestens) dem kleinstdiebstahl tür und tor geöffnet worden...



So, wie Du das hier sagst, ist es meiner Meinung nach nicht ganz richtig, bzw. hast Du in einem Satz zwei gegensätzliche Darstellungen.

Es ist nicht richtig, das Kleinstdiebstahl Tür und Tor geöffnet ist - nur sollte man die Abfolge schon beachten, also dem Betreffenden zunächst eine Abmahnung verpassen, und danach im Wiederholungsfall eine Kündigung aussprechen.

Solche Bagatelldelikte werden meines Erachtens gerne genutzt, um in irgendeiner Form missliebige Angestellte loszuwerden. Und dem hat das BAG einen Riegel vorgeschoben. Das man nun nach Herzenslust klauen darf, kann ich nun nicht erkennen.

Gruss

icke



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#7

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 11:37
von Altermaulwurf (gelöscht)
avatar

Zitat von GilbertWolzow
ich kann mit dem urteil schlecht umgehen...
einerseits war bei der kündigung die verhältnismässigkeit nicht gewahrt, andererseits ist jetzt (mindestens) dem kleinstdiebstahl tür und tor geöffnet worden...




Sehe ich nicht so.

Bisher war durch die Anerkennung von Bagatelldelikten bei einen skrupellosen Arbeitgeber der Kündigungsschutz faktisch nicht mehr existent - eine Büroklammer oder ein Blatt Papier bzw. der "Stromdiebstahl" von zehntel Cent Strom ( Handy geladen ) genügten um jemand unangenehmes los zu werden. Sogar nur der Verdacht reichte als zerstörte Vertrauensbasis aus ,um jemanden "billig zu entsorgen"

Mit der Abwägung zwischen erbrachter Betriebszugehörigkeit und Delikt ist hier glaub ein vertretbarer Weg gegangen wurden, abgemahnt werden kann ja trotzdem und die Verfehlung bleibt nicht sanktionslos.

In meiner Firma war man, zumindestens was Kontrollen anbetraf immer sehr moderat und fair, was allerdings den Missbrauch nicht gerade gerade verminderte ( relativ neuraligische gestzlich reglementierte Produktpalette ).
Eine generelle Festsetzung von " Freimengen " sehe ich aber auch kritisch und könnte zu Missbrauch führen.

Insgesamt hat die Ehrlichkeit und Loyalität der Beschäftigten nachgelassen, ein gesellschaftliches Phänomen, denn Politik, Banken und Großverdiener zeigen nicht gerade nacheifernswerte Normen auf und deren Selbstbedienungsmentalität schlägt nunauch beim kleinen Mann durch.


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#8

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 16:28
von X-X-X (gelöscht)
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Ich kann beide Positionen einsehen. Ich habe frueher als Manager bei einem Fast Food-Restaurant gearbeitet. Viele unserer Arbeiter lebten um oder unter der Armutsgrenze. Der Diebstahl von Lebensmittel usw, wurde als Kuendigungsgrund betrachtet. Obwohl bei 'Bagatellen' oft einiges bei den sonst fleissigeren Arbeitern absichtlich uebersehen wurde, durften wir eigentlich keinen Unterschied zwischen ein nicht bezahltes Scholo-Shake und zwei Kartons Schnittkaese machen. Diebstahl war Diebstahl.
Meinerseits habe ich bei Bagatellen den Angelstellten einmal (!) die Moeglichkeit angeboten, den Wert der Ware zu bezahlen. Ein 'naechstes Mal' gab es bei mir nicht. Selbst lebvensmittelreste, die in den Muell gehoerten, durften wir nicht aushaendigen.
Es geht hier m.E. um ein Grundprinzip, aber.... Ich habe Folgendes waehrend meiner Gerichtsverhandlung gehoert: "Junge Maenner kennen sich bei den Regeln gut aus; alte Herren bei den Ausnahmen." Die Dame haette bei mir eine Chance gehabt.

Jens


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#9

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 16:33
von chucky | 1.213 Beiträge

Na Kid, haste da nicht manches falsch gesehen


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#10

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 16:56
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von KID
Ich kann beide Positionen einsehen. Ich habe frueher als Manager bei einem Fast Food-Restaurant gearbeitet. Viele unserer Arbeiter lebten um oder unter der Armutsgrenze. Der Diebstahl von Lebensmittel usw, wurde als Kuendigungsgrund betrachtet. Obwohl bei 'Bagatellen' oft einiges bei den sonst fleissigeren Arbeitern absichtlich uebersehen wurde, durften wir eigentlich keinen Unterschied zwischen ein nicht bezahltes Scholo-Shake und zwei Kartons Schnittkaese machen. Diebstahl war Diebstahl.
Meinerseits habe ich bei Bagatellen den Angelstellten einmal (!) die Moeglichkeit angeboten, den Wert der Ware zu bezahlen. Ein 'naechstes Mal' gab es bei mir nicht. Selbst lebvensmittelreste, die in den Muell gehoerten, durften wir nicht aushaendigen.
Es geht hier m.E. um ein Grundprinzip, aber.... Ich habe Folgendes waehrend meiner Gerichtsverhandlung gehoert: "Junge Maenner kennen sich bei den Regeln gut aus; alte Herren bei den Ausnahmen." Die Dame haette bei mir eine Chance gehabt.

Jens


Ja,man könnte sagen.Diebstahl ist Diebstahl,egal wer ,wo ,wieviel,wann,warum......zack aus.
Vieleicht ist auch ein wenig Augenmass nicht das schlechtetse-allerdings müsste es in der Firma auch so sein-
alle oder keiner.



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#11

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 18:16
von Altermaulwurf (gelöscht)
avatar

Zitat von Zermatt

Zitat von KID

Jens


Ja,man könnte sagen.Diebstahl ist Diebstahl,egal wer ,wo ,wieviel,wann,warum......zack aus.
Vieleicht ist auch ein wenig Augenmass nicht das schlechtetse-allerdings müsste es in der Firma auch so sein-
alle oder keiner.




Leider wird es bei Managern da etwas anders gehandhabt, da haben sich in letzter Zeit einige Vorteile verschafft über die man mit den Kopf schütteln muss und die Folgen für die"Feinen Herren" - gleich Null Bestrafung aber + fette Abfindung


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#12

RE: Kassiererin Barbara E. kann an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

in Themen vom Tage 11.06.2010 19:37
von willie | 613 Beiträge

Hut ab vor dem Durchhaltevermögen dieser Frau -mit Sicherheit auch wesentlich durch die Medien beinflusst-
Aber sollten wir DEUTSCHEN uns nicht endlich mal wehren?
Bei der derzeitigen Regierung? Möglich oder doch nicht?
Mit einfachen Worten: Banken usw. bekommen die Millionen/Milliarden in den AR..h von der Regierung geblasen. Und bei dem "Otto-Normal-Verbraucher inkl.Harz4-Empfänger" wird das Zwiebellederporetomanaie immer weiter ausgewrungen. Irgendwann, ich hoffe schnell, wird auch der so stoltze Deutsche begreifen... jetzt ist Schluß.. und geht auf die Straße!! Siehe dazu Bauern in Frankreich (als Beispiel oder aber als VORBILD! man kann ja auch lernfähig sein!).
Denkt mal nach
Willie


...Rechtschreibfehler sind die Special Effects meiner Tastatur!...
zuletzt bearbeitet 11.06.2010 20:27 | nach oben springen


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