#21

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 19.01.2009 10:59
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Wolfgang vielleicht bin ich etwas zu sensible aufgewachsen was das Wort Dankbarkeit angeht und es stößt mir auf das diese alte DDR ständig ins Kreuz getreten wird von Leuten sprich dieser Jüdin/Australien siehe vorletzten Text (das ist natürlich nur ein Beispiel) die eigendlich um bei diesen Beispiel zu bleiben Schutz in der DDR gesucht hatten und Heute von alle dem nichts mehr wissen. Denn vor irgend etwas muss sie doch aus Australien geflohen sein umsonst verlasse ich doch nicht dieses wunderschöne Land.

Jetzt kannst du ja wieder vom Schlauch runter gehen!

Gruß

Rainer-Rainer


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#22

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 19.01.2009 16:13
von Galaxy (gelöscht)
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Die Vollständige Aufarbeitung des Holocausts an den Juden wurde in der DDR nicht betrieben.Höchstens wurde es am Rande behandelt. Ob in den Gedenkstätten oder in der Geschichtschreibung wurde der Widerstand zu 90% den Komunisten zugeordnet. Juden oder andere Kräfte kamen kaum vor. In meiner alten Heimatstadt gabs einen jüdischen Friedhof und nicht weit weg ein Denkmal zu Ehren des sogenannten Tag der Befreiung am 8.Mai. Das eine sah gepflegt aus und der Friedhof total demoliert und desolat. Auch das ist Antisemitismus.


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#23

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 19.01.2009 18:08
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Hallo Rainer-Maria,

hab den Schlauch jetzt verstaut.

Diese Salamea Genin, im Dritten Reich nach Australien geflohen, in den 60er Jahren in die DDR zurück, gibt mir auch Rätsel auf.
Sie kehrt zurück nach Deutschland (DDR) und getraut sich dann angeblich nicht sich als Jüdin zu "outen"? Da hol ich gleich wieder den Schlauch!

Was ich sonst so gelesen habe, deckt sich aber irgendwie mit meinen Erfahrungen, hab ich ja auch schon mal thematisiert.
Offenbar, mein Eindruck, ist in der SBZ/DDR alles was mit "Adolf" zu tun hatte, prinzipiell mal in die Westzonen/BRD verschoben worden. Von wegen die BRD ist der Nachfolgestaat. Dementsprechend werden dann auch die "Parolen" des Dritten Reiches in den Köpfen, hauptsächlich dieser Generation weitergelebt haben.


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#24

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 19.01.2009 18:40
von turtle | 6.961 Beiträge

Eigentlich wollte ich zu diesen Thema nichts mehr schreiben,nun nur kurz dazu.Wenn ich in ein Land auswandern möchte erkundige ich mich vorher genau über das Land und was mich eventuell erwartet!Das gelobte Land ist immer Israel und nicht die DDR gewesen!


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#25

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 20.01.2009 12:16
von Galaxy (gelöscht)
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Ist denn Verwahrlosen von Jüdischen Friedhöfen,kaum Erwähnung von jüd.Widerstand im Nationalsozialismus,Judenwitze,Alleinanspruch der Kommunisten auf Widerstand im 3.Reich,kein staatl.Interesse am jüd.Leben in der DDR,kein dipl.Kontakt zu Israel nicht auch Ausdruck von Antisemitismus?


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#26

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 20.01.2009 12:23
von manudave (gelöscht)
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Natürlich,

und genau darum dreht sich die genannte Wanderausstellung.


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#27

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 21.01.2009 09:45
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Gallaxy ich sehe schon, dieses Thema ist doch nicht so einfach abzulegen und entgegen meinen Text vom 18.1.09 ein paar Worte zu deinen Fragen vom 20.1.09 . Schade das es mir zur Zeit (Computerprobleme) nicht möglich ist diesen Beitrag "Wie leben Bürger jüdischen Glaubens in der DDR" von 1971 in Fragen über Fragen einzustellen. Denn da steht auch etwas von finanzieller, sogar erheblicher finanzieller Unterstützung der jüdischen Gemeinden durch den Staat darin. Auf die Frage der Redaktion: Konnten auch jüdische Friedhöfe wieder hergestellt werden? Antwortet Helmut Aris Präsident d.V.d.jüd. Gemeinden der DDR Zitat: Alle jüd. Friedhöfe, die bekannt geworden sind, werden von den Gemeinden gepflegt. Die Friedhöfe hätten also nicht so aussehen müssen wenn man einmal selbst mit Hand angelegt hätte denn das war ja in diesem Staat der Arbeiter und Bauern so üblich. Aber die jüd. Bürger dachten vielleicht das eine Pionier oder FDJ-Gruppe diese Aufgabe gleich mit übernimmt, logisch das die lieber ihren Schulgarten gepflegt haben! Private Gärtnerreien gab es in großer Zahl warum hat man zum Beispiel diese nicht mit den geschenkten Geld des Staates für die Grabpflege beauftragt? Im Buch DIE ERSTE REIHE von Stephan Hermlin einer Organisationsausgabe für die FDJ von 1951, übrigens ein vielgelesenes Buch ist neben kom. Widerstand so Lilo Herrmann, Olga Benario und Werner Seelenbinder u.a. auch Die Gruppe Baum mit aufgeführt, Kinder aus jüd. Mittelstand. Zugegeben es steht auf Seite 165 als letzter von 31 Beiträgen aber auch in deinem Land war es üblich die Bücher bis zur letzten Seite zu lesen. Ich kann gern noch weitere Literatur bis 1989 benennen, kurz gesagt man musste es bloß lesen aber Lady Chatterley war vielen vielleicht leichtere erotische Kost als Bücher vom Widerstand. Aber Hand aufs Herz Galaxy das habe ich ebenfalls gelesen denn ich war ja auch einmal ein junger Mann und nicht frei von fleischl. Gelüsten. Mit diesen 90% hast du nicht Unrecht, denn wer hat denn den Kopf hingehalten und so hart das jetzt klingt "für das Fallbeil hingehalten" wenn nicht die Kommunisten selbst. Aber sie standen eben allein auf weiter Flur. Um noch einmal auf den Beitrag von Wolfgang einzugehen, erinnere ich mich an meine Schulzeit und das Fach Geschichte wurde genau aufgeklärt über das Warum, Wieso, Weshalb. Also nicht Adolf und seine Generale alleine, nein auch die Rolle seiner Steigbügelhalter, der Parteien, der Konzerne denn wer profitierte denn davon und weiter zu Ländern wie England/Frankreich und ihrer unrühmlichen Rolle siehe Tschechesl. . Stalin war nicht so das Thema aber richtig ist auch das man mal Gedächtnisslücken hatte was die Nutzung der Lager nach 1945 betraf siehe unter Thema "Buchenwald" . BRD und Nachfolgestaat ist nicht so falsch denn wo sind denn die alten Richter wieder Richter, die alten Lehrer wieder Lehrer und die Konzernlenker wieder ..... . Das bischen 1968, diese Minirevolte was hat sie denn bewirkt? Nichts, Nullkomma Nichts. Also Galaxy Antisemitismus hin und her in diesem Staat DDR dieses Land sorgte dafür das ein jüd. Bürger ohne Angst Tag und Nacht auf der Straße spazieren konnte ohne das ihm einer nach dem Leben trachtete, er konnte seine Pessach-Feste feiern, sein Koscheres Fleisch essen den Wein trinken und vieles mehr. Er konnte sogar ein junges Mädchen aus tiefsten kom. Haushalt lieben lernen aber Halt gab es da nicht ein Bindungsproblem von Seiten der Juden selbst? Keine Ehe mit Nichtjuden! Oder sehe ich das falsch kläre mich auf. Denn die Kom. hätten damit kein Problem gehabt, auch mit Kindern aus so einer Liebe nicht . Aber ich bekomme meinen Opa von Comp. noch in den Griff, muss ihn doch bloß mal entrümpeln wie Wolfgang schreibt und dann stell ich das vom Anfang gleich hier ein. So, unsere alten fiesen EK'S hätten jetzt gesagt "Du darfst Fliege" , natürlich nochmal reinkommen wenn ich als junger Soldat nichts bösesahnent ohne Gruß in das Zimmer kam. Das hieß dann nochmal rausgehen und selbe Prozedur von vorn. Kleiner Abgängerspass bei Seite, du darfst Galaxy und unser junger Gästeführer von P.Alpha ebenfalls.

Gruß ihr Beiden

Rainer-Maria


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#28

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 08.02.2009 19:18
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo Gallaxy seid meinen Text vom 21.1.09 ist Zeit vergangen und ich hatte angenommen darauf eine kurze Antwort zubekommen evtl. von dir. Aus deinen Fragen vom 20.1.09 ist so denke ich bis auf die "keine dipl. Kontakte DDR/Israel und die Judenwitze" alles einigermaßen beantwortet. Aber auch für die noch offenen Fragen gab es Gründe, zum Beispiel über die Kontakte wurde hier schon diskutiert. Bleiben noch die Judenwitze übrig und es stimmt, sie gehören ebenfalls zur ostdeutschen Geschichte, allerdings der unrühmlichen Seite und wer sie heute leugnet fälscht eigendlich die Geschichte. Ich nehme der Gerechtigkeithalber an das auch im damaligen Westdeutschland diese Witze erzählt wurden. Weil ich ein Filmfan bin halte ich es mit dem Vater von Baby aus dem Kultfilm Dirty Dancing der am Ende sagt: Wenn ich einen Fehler mache gebe ich ihn zu. Denn vom schlechten Stil und da hat Wolfgang recht nehme auch ich mich nicht aus . Wenn sich über manche Sachen aber zuviel Emotionen aufbauen ist das nicht immer einfach. Kritisches zu Themen der Zeit und auch DDR-Vergangenheit, wie du im Forum der Grenztruppen schreibst da ist meine Meinung wer etwas einbringt sollte es auch glaubwürdig rüberbringen. Schön wäre es wenn ich diesmal eine Antwort bekommen würde.


Guß

Rainer-Maria


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#29

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 08.02.2009 21:21
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer,
bei allen Deinen Antworten betrachtest Du die BRD als Nachfolgestaat des dritten Reichs und tust so als wenn nach Gründung der DDR alle 17 mio Einwohner der DDR nun überzeugte Kommunisten waren. Das ja nun völlig falsch und Weltfremd.
In der BRD lebten ca. 25000 Juden während es in der DDR ende 1989 ca. 400 waren.
Dazu mal ein Link wie die Sowjetunion und die DDR die Juden behandelte: http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/65.html
Über die Zahlungen der BRD an die Juden brauchen wir wohl nicht sprechen. Die Gesamtschuld hatte aber "Gesamtdeutschland" und nicht nur ein Teil. Die DDR hielt sich aber aus dieser Verantwortung völlig raus.

Gruß
Peter

P.S. Du weißt doch sicherlich noch wo die braune Pest nach Grenzöffnung jede Menge Anhänger fand??


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#30

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 08.02.2009 21:53
von nightforce (gelöscht)
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Hallo Rainer-Maria,
du hast es eigendlich schon angesprochen. Antisemitismus ist doch kein rein deutsches Problem, war aber eines im dritten Reich, so sehe ich den geschichtlichen Ablauf.
Es gibt auch Ostfriesenwitze, Bayernwitze, Sachsenwitze, Politikerwitze, Blondinenwitze und zu DDR-Zeiten auch SED-Witze etc.
Auf der Schiene lässt sich Antisemitismus nicht bewerten.
Ich finde, zu heutiger Zeit sucht man danach, und wenn ja nur ein kleinstes Anzeichen vorhanden ist, versucht man es mit der Antisemitismius-Schiene und bekommt erstaunlicher Weise schnell Gehör.
Ich möchte hier auch kurz abschweifen zu einem Nachbarthread von Simson Suhl "Du kriegst keine Mülltonne", wenn er jetzt noch Jude wäre, dann wäre das wieder für mindestens drei Monate Hauptthema der Bild und anderer Medien.
Da liegt für mich der Hase im Pfeffer, er war kein Jude, eben nur ein Ossi, der in (s)ein Land ging und nicht integriert wurde.
Integration ist aber von beiden Seiten abhängig, und hier komme ich wieder auf den Punkt, den du selbst angeführt hast, Die ideologoische Rassenreinheit des jüdischen Volkes, oder wie darf man ein Eheverbot mit Nichtgläubigen anders werten?
Ist das nicht schon eine Form des religiösem Rassismus, wenn man nix anderes zulässt?
So schlimm die Verbrechen unserer Großväter gegenüber diesem religiösen Volk auch waren, es ist Geschichte und es wurde und wird noch immer genug Wiedergutmachung auf gesammtdeutschen Boden ausgeübt.
Was erwartete denn diese aus Australien ausgewanderte Frau in der DDR, daß sie wie eine Königin in einer Senfte durch Deutschland getragen wurde, nur weil die Generation davor ihre Familie vertrieben/ermordet hat?
Man erwartet von uns, das wir uns schuldig fühlen für Verbrechen unserer Ahnen, so sieht es aus.

Gruß nightforce

zuletzt bearbeitet 08.02.2009 21:55 | nach oben springen

#31

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 08.02.2009 22:18
von manudave (gelöscht)
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Das ist deine Meinung.

Nur weil die Täter mittlerweile aussterben, kann sich Deutschland nicht der Verantwortung entziehen. Sicher geht mir ein Michel Friedmann auch auf den Sack. Aber nicht wegen seiner Meinung, was den Antisemitismus in Deutschland angeht - da gebe ich ihm Recht, dass es eine unterschätzte Gefahr in Deutschland ist.
Ich mag ihn nur nicht, weil er arrogant rüberkommt. Das wiederum bedient dann so manches in Deutschland aufgebaute Klischee.


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#32

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 08.02.2009 22:40
von nightforce (gelöscht)
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Hallo manudave,
aus welcher Verantwortung soll man sich entziehen, wir tragen keine Verantwortung dafür was damals geschehen ist, somit sind wir auch nicht zur Verantwortung zu ziehen.
Zur Verantwortung kann man nur diejenigen ziehen, die Täter waren, alles andere ist Pauschalisierung.
Man kann nicht ein ganzes Volk als Täter darstellen, obwohl es gern so gesehen wird.

Gruß nightforce

zuletzt bearbeitet 08.02.2009 22:42 | nach oben springen

#33

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 09.02.2009 02:46
von Rainman2 | 5.754 Beiträge
Uiuiui - da hat sich ja schon einiges gesammelt.

@Transitfahrer: Zunächst eine Rückfrage zu Deiner Feststellung mit der braunen Pest nach der Grenzöffnung. Die fand im Osten jede Menge Anhänger - richtig. Aber: Woher kamen die Organisationen und das Geld zum Sammeln dieser Gehirnamputierten? (u.a. NPD, DVU) - Bringt uns das wirklich weiter in der Diskussion?

Zum Antisemetismus: Spätesten unter Stalin gab es auch in der Sowjetunion einen offenen Antisemetismus, der auch mit der Ermordung vieler Juden einherging. Das hielt noch bis in die 50-er Jahre an. Das bestätigen die hier bereits genannten Quellen. In diese Zeit fällt auch das Verlassen der meißten der hier in Zahlen genannten jüdischen Bürger.

In der DDR galten ein paar Grundsätze, die man nicht vergessen sollte, wenn man über die in den Quellen genannten Formen des Antisemitismus spricht.
1. "Religion ist Opium für das Volk". Nach diesem Grundsatz hatte es jegliche Religion in der DDR schwer und unterlag Einschränkungen. Insofern gab es Antikatholizismus, Antievangelismus und Antisemetismus etc. als reine Formen staatlicher Religionskritik. Die länderübergreifenden Kontakte von Vertretern der Religionen erweckten immer den Argwohn der staatlichen Stellen (in einigen Fällen übrigens auch zurecht).
2. Es gab Volkseigentum. Der Besitz an Produktionsmitteln und die Banken wurden in Volkseigentum übergeleitet. Dass es jüdische Industrielle und Bankiers gegeben hat, führte nun mal dazu, dass auch sie ihren Besitz nicht wieder erhielten. Das war kein spezieller Antisemitismus, das war der Versuch, die Herrschaft der Arbeiter und Bauern zu errichten.
3. Israel stand unter der Schirmherrschaft Großbritanniens (Kolonialmacht Palästinas) und der USA. Das waren seit spätestens 1946 die Feinde des sozialistischen Lagers im kalten Krieg. Wer auf deren Seite stand, wurde von uns automatisch auf die Feindliste gesetzt, zumindest in der ideologischen Auseinandersetzung. Das dazu keine Mark geflossen ist, sollte keinen wundern.
4. Dass man in der DDR nichts vom Leid des jüdischen Volkes gewusst haben soll und nur die antifaschistischen Kämpfer als die Leidenden dargestellt habe will, ist schlichtweg Humbug. Ich verweise nur kurz auf Jurek Beckers Roman "Jakob der Lügner" und die DDR-Verfilmung. Es gab eine starke Rezeption dieses Teils deutscher Geschichte. Wer das nicht wahrgenommen hat - es gibt überall Leute, die gegen den Schrubber gerannt sind. Auf dem Programm jeder Jugendweihevorbereitung stand der Besuch eines der Konzentrationslager. Dass da die Kämpfer im Vordergrund standen, mag verständlich sein, aber über das Leid aller anderen Opfer wurde da auch gesprochen.
5. Für den latenten Faschismus und auch den Antisemitismus in der DDR gab es leider einen Grundsatz: Es kann nicht sein, weil es nicht sein darf. Es gab keinen Kapitalismus in DDR und der war für uns schließlich die Grundlage des Faschismus. Wir haben sträflich das kleinbürgerliche Element dieser Schrecklichkeiten ignoriert und deswegen auch nie eine tiefgründige Auseinandersetzung geführt ("In der DDR kannten alle die Zusammenhänge. Leider wusste keiner, was da zusammenhängt.") Wir haben Spannungen mit ausländischen Arbeitern (u.a. Vietnamesen, Polen) nicht auf einen Neofaschistischen Kern untersucht und es so bekämpft. Das öffnete den "Protestlern" der neofaschistischen Organisationen nach 1990 Türen und Tore.

Soviel erstmal dazu
ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 09.02.2009 02:49 | nach oben springen

#34

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 10.02.2009 16:46
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Hallo alle zusammen ich gehe es mal der Reihenfolge nach an, Peter (Transitfahrer) schob mir gleich 17 Mill. Kommunisten und Weltfremdheit unter dabei hatte ich in Elbgrenze 15.10.08 u.a.einmal geschrieben Zitat: Ich will sagen 17 Mill Menschen gleich 17 Mill unterschiedliche Auffassungen und Meinungen von einer Sache und sei es der Sozialismus! Anschließend griff mir Rainman unter die Arme ich danke ihm für seine Ausführungen dazu. Du siehst Peter, die ehemaligen Arbeiterkinder aus dem Osten halten doch zusammen in ihrer Weltanschauung. Wenn ich jetzt Nightforce richtig verstanden habe muss Schluss sein mit Verantwortung, Schuld, Zahlungen der nachfolgenden Generationen. Und ich persönlich finde Zahlungen die nach dem Krieg und später erfolgten vollkommen in Ordnung aber es wird eine Endlosangelegenheit und da gebe ich ihm Recht, Schuld tragen allein die Täter und nicht wir jungen Nachfolgegenerationen. Übertrag das mal auf das normale Leben Manudave, folgendes Beispiel: Ein Mörder mit niedrigen Beweggründen hat seine Strafe verbüst oder auch nicht, vielleicht hielt er sich Jahrzehnte versteckt so wie dieser letzte aktueller Fall des KZ-Arztes und starb anschließend friedlich im Bett. Sollten jetzt seine Kinder, Enkel weiter büsen, Zahlungen leisten bzw. seine Schuld auf sich nehmen? Erst wenn diese Kinder, Enkel sagen würden: Das war doch vollkommen in Ordnung was der Opa da gemacht hat, erst in diesem Moment machen sie sich mitschuldig! Solche Fälle haben wir heute wieder und nicht nur in Deutschland, das gibt zu denken, dagegen muss man etwas tun. Aber ein gutes Beispiel was mir sagt wie heute jüdische Nachfolgergenerationen ticken. Es gibt dies Jüd. Organisation Name? die sich heute für die Interessen der Opfer und Enkel, Urenkel einsetzt. Alte mittlerweile sehr wertvolle Ölgemälde aus den Museen der ganzen Welt werden eingeklagt weil sie damals der Urahn X, das spätere Opfer in seiner Not oder auch nicht noch schnell verkauft hat. Das Museum Y gibt sie Zähneknirschend an den Urenkel heraus, so ein ektueller Fall war erst vor kurzem und was passiert? Es dauert keine 6 Monate und das Bild landet bei einen bekannten Versteigerungshaus in London, wird dort mit Millionen versilbert, das ist absolut kein Einzeilfall! Wiedergutmachnung? Ist eine leere Worthülse denn selbst die Opfer werden in diesen Moment vo ihren Enkeln verhöhnt. Wäre ich dieser Jüd. Urahn würde ich aus meinen Grab aufstehen und dem Urenkel aber auch so eine hinter die Ohren hauen das er sich drei Wochen danach nicht wieder einbekommt. Anschließend würde ich ihn verpflichten sich genau dieses Bild ins Schlafzimmer an das Fußende zu hängen damit er ständig daran erinnert wird warum damals der Opa und große Teile der Familie.... . Denn nur so bringe ich ihn dazu das er nicht genau das was Adolf und seine Spiesgesellen damals wollten heute selbst anderen Völkern überstülpt.
Zum Schluss noch zu Galaxy , statt von "Wut und Dominanz der Anderen" wie im Forum der GT zu schreiben bring dich wieder mit ein, sag was du auf den Herzen hast denn auch du kannst uns wiederlegen in der Meinung wenn es berechtigt ist.

Gruß

Rainer-Maria


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#35

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 10.02.2009 17:51
von Wolfgang B. (gelöscht)
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Tja, Rainer-Maria,

da hast Du wohl den Nagel auf den Kopf getroffen, jedenfalls für mein Empfinden.
Ich meine "Schuld und Sühne" und so was in der Richtung.

Das Problem an der "Wiedergutmachung" ist, es geht NICHTS wiedergutzumachen! Nicht mit Geld und nicht mit guten Worten.
Wenn ich beispielsweise die Geschichte der Zwangsarbeiter nehme, deren Entschädigung, da steigt mir die Schamesröte ins Gesicht und das ist noch das Wenigste. Das ganze Prozedere, die unsägliche Verzögerungstaktik (jeder Tag spart ein paar hundert Euro) und dann überhaupt wie kannst Du mit, was weiß ich 1.000 EUR jemanden für jahrelange Zwangsarbeit mit allen Folgen davor und danach "entschädigen"?

Es muss doch endlich mal Schluss sein mit dieser elenden Aufrechnerei. Muss ich mein ganzes Leben ein schlechtes Gewissen haben, mich von solchen Leuten wie beispielsweise Michel Friedmann an den Pranger stellen zu lassen?

Ich bin "entsetzt" (es gibt kein passendes Wort) über das was man den Juden (und anderen) angetan hat, aber ich empfinde keine Schuld weil ich Deutscher bin, sondern höchstens eine Schuld der Menschheit anzugehören, die zu solchen Untaten (immer wieder) fähig ist.


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#36

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 10.02.2009 19:39
von manudave (gelöscht)
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Ein Problem ist, dass viele sich - durch Friedmanns unangenehme Art - angesprochen fühlen, obwohl man selbst kein Antisemit ist.
Allerdings sind es belegbare Fakten, dass es eben diesen Antisemitusmus in Deutschland - aber auch in anderen Ländern - wieder vermehrt gibt.
Und hier bin ich der festen Überzeugung, dass gerade wir Deutschen dem entgegen steuern müssen. Nicht weil wir persönlich das vor 70 Jahren verbrochen haben, sondern weil es gerade UNSERE Vorfahren waren.
Wir sind nicht schuld, an dem was geschehen ist und wir müssen uns auch nicht entschuldigen. Aber wir können verhindern, dass es ein zweites Mal passiert und dafür plädiere ich.


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#37

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 10.02.2009 20:07
von Rainman2 | 5.754 Beiträge
Hallo manudave,

es ist schwer, eine Grenze zum Antisemitismus zu ziehen. Gerade das Beispiel der Kritik an Michel Friedmann macht deutlich, wie schnell die Meinung von einer Person umschlagen kann auf eine grundsätzliche Haltung, oder wie dieses in der Wahrnehmung so interpretiert werden kann. Aus orthodoxer Sicht ist beispielsweis eine Kritik am Staat Israel bereits Antisemitismus. In den aktuellen Auseinandersetzungen der Friedensbewegung beobachte ich immer wieder dieses Totschlagsargument. Wir kommen aus einer Kultur, die gerade in den letzten Jahrzehnten eine Trennung von Staat und Kirche vollzogen hat. Für uns ist daher die Kopplung von Staat und Religion, wie sie in Israel geschieht, schwer nachvollziehbar. Aber der Staat Israel ist die Verwirklichung eines zweitausend Jahre alten Teils der jüdischen Religion. Ich trenne, nach unserer kulturellen Tradition, die Betrachtung von Kultur im allgemeinen, Religion darin im speziellen, und Staat. In dieser Trennung sehe ich mich nicht als Antisemit. Aus orthodoxer Sicht bin ich es, da ich die Politik Israels kritisch betrachte (so wie die Politik jedes anderen Staates auch). So ist das und ich kann damit leben.

Zur Schuldfrage: Ein starkes Bild in der Geschichte der BRD war Willy Brandts Kniefall in Warschau. Diese Geste ist unterschiedlich interpretiert worden, aber schwer anzugreifen. Eben weil es Willy Brandt war, der mit den Verbrechen an der polnischen Bevölkerung und auch den polnischen Juden nicht mehr zu tun hatte, als dass er auch Deutscher war. Es war ein Bekenntnis zur Verantwortung frei von persönlicher Schuld. Insofern bin ich auch gänzlich bei Dir, wenn es darum geht, einem von mir als solchen verstandenen Antisemitismus, in Form einer pauschalen und diskriminierenden Ablehnung der jüdischen Kultur und Religion, entgegen zu treten.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 10.02.2009 20:16 | nach oben springen

#38

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 10.02.2009 20:45
von Transitfahrer (gelöscht)
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Hallo Rainer,

wie kommst Du eigentlich darauf, daß die Juden in der BRD verfolgt wurden? Das war doch eher umgekehrt.
Dann zitiere ich Dich mal: BRD und Nachfolgestaat ist nicht so falsch denn wo sind denn die alten Richter wieder Richter, die alten Lehrer wieder Lehrer und die Konzernlenker wieder ..... Also die BRD der Nachfolgestaat des dritten Reichs. Ich bin zwar nur Jahrgang 63, aber davon habe ich nichts bemerkt. Weder in der Familie noch in der Schule oder in der BW. Ja ich weiß, jetzt kommst Du sicher mit dem Braunbuch. Das gibt es ja auch umgekehrt. Aber wenn ich lese, das alle ehemaligen Nazi Offiziere und Richter, die in der DDR lebten und Karierre machten, politisch umgepolt wurden (BDO u.s.w), dann galt dies nicht für die Leute, die in die BRD gingen oder blieben. Ziemlich einseitige Denkweise.

Gruß
Peter

Sorry für das Thema abschweifen


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#39

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 10.02.2009 23:51
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo Peter (Transitfahrer),

Zitat: Aber wenn ich lese, das alle ehemaligen Nazi Offiziere und Richter, die in der DDR lebten und Karierre machten, politisch umgepolt wurden (BDO u.s.w), dann galt dies nicht für die Leute, die in die BRD gingen oder blieben.

Die Sache war eher umgekehrt. Eine Reihe von Offizieren schlossen sich noch zur Zeit des Krieges dem NKFD oder dem BDO oder sogar beidem an. Zur Mitarbeit wurden sie direkt angesprochen, aber nicht gezwungen. Die Motivation aller zu untersuchen, geht wohl kaum. Beispiel Arno von Lenski (General bei Stalingrad). Er schloss sich dem NKFD und dem BDO an. Er war zur Erkenntnis gekommen, dass der Krieg beendet, dass ein neues Deutschland errichtet werden musste. Nach dem Krieg ging er in die DDR, trat der NDPD bei und wurde beim Aufbau der NVA zunächst als Chef der Panzertruppen eingesetzt. Bis 1961 wurden alle ehemaligen Wehrmachtsoffiziere aus dem aktiven Dienst in der NVA wieder entfernt. Bei Lenski erfolgte das 1958, glaube ich. 1960 wurde gegen ihn eine Untersuchung wegen seiner Mitarbeit am Volksgerichtshof eingeleitet. Die Ergebnisse wurden aber unter Verschluss gehalten. Ich kann nichts dazu sagen. Das mit dem "Umpolen": Viele Offiziere und Generale (Seydlitz, Paulus, Korfes) wurden von der Seite verraten, für die sie gekämpft hatten, ihre Familien wurden in Sippenhaft genommen. Sich dagegen zu stellen, dagegen zu kämpfen, hat mit "Umpolen" nichts zu tun. Allerdings, nicht alle, die im NKFD oder im BDO aktiv waren, blieben von rechtlichen Konsequenzen verschont (Seydlitz).

Vielleicht sollte man es sich nicht ganz so einfach machen. Eine Sache vielleicht noch: Das NKFD setzte sich aktiv für die Beendigung des Krieges ein. Es gab wütende Proteste anderer Kriegsgefangener dagegen (in solchen Streitigkeiten wollte sogar Paulus noch vermitteln). Auf der Seite dieser "Protestierer" standen die Hardliner, u.a. viele SS-Offiziere. Die wenigsten von ihnen ließen sich in der DDR nieder. Komisch!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#40

RE: Antisemitismus in der DDR

in Leben in der DDR 11.02.2009 00:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Wolfgang,
Ich wollte doch nichts mehr zu diesem Thema schreiben,es ist doch alles gesagt wurden. Wiedergutmachen kann man diese Verbrechen mit Geld sowieso nicht.Eine Kollektivschuld lehne ich ab und mitschuldig war ich auch nicht! Es ist auch richtig immer wieder zu mahnen das diese dunkle deutsche Vergangenheit nie vergessen wird.Wiederholen darf sich derartiges auch nie wieder, da kann man sich mit arrangieren. Es ist aber immer nur von den Juden die Rede, natürlich das Thema war ja Antisemitismus in der DDR. Trotzdem erlaube ich mir die Frage. Was ist mit Sinti, Roma, Geisteskranken, Homosexuelle, Komunisten. In die DDR kamen nach 45 auch weniger Juden als in die BRD zurück.Wiedergutmachungen,und Wiedergabe von Besitz gab es nur in der BRD.Es stimmt zwar in der DDR wurde vordergründig die Verfolgung der Kommunisten etc.erwähnt,aber verschwiegen wurde die Judenverfolgung im 3.Reich nicht.KZ Besuche gehörten mit zur Schule und da hörte,oder sah man was hauptsächlich den Juden wiederfuhr. In DDR Filmen griff man auch auf das Thema zurück. Rainman nannte schon Jakob der Lügner.Ich nenne z.B. noch
Professor Mamlock!Über die Beziehung DDR - Israel wurde hier auch schon genug geschrieben!
Manchmal frage ich mich wenn ich so nachdenke wie Israel seinen Staat aufbaute,mit Vertreibung und Gewalt.Wiviel Geld von den Widergutmachungen half mit Ihre Armee aufzubauen?
Den vielen Zwangsarbeitern,Roma,Sinti, im 3.Reich wurde auch nicht annähernd die Wiedergutmachung wie den Juden zuteil!Nachdenken kann ich ja mal darüber,ohne das ich gleich Antisemit bin.Das Thema Juden,Israel,Palestina,Gaza,Westjordanland,Araber,ist und wird immer Heikel sein, Pro und Kontra ,oder Streit,ist da vorprogramiert,je nach dem Gesichtspunkt des Einzelnen. Gruß Peter


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