#41

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.05.2010 22:42
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Feliks D.

2. Diente nur ein sehr geringer Teil der Wehrpflichtigen bei den Grenztruppen, da der größte Teil in der NVA diente. Die Truppenstärkte der NVA betrug ca. 173.000 Soldaten, während bei den Grenztruppen lediglich ca. 38.000 Soldaten dienten und entsprechend fiel auch das Verhältnis der Wehrpflichtigen aus. Daher ist dein Gedanke, dass alle Männer an der Grenze dienten nicht realistisch.




Für 1971:

ca. 42.600

ohne Zivilkräfte.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#42

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 16.05.2010 22:42
von turtle | 6.961 Beiträge

Bei meinem ersten Fluchtversuch wusste ich nur das die Grenze stark bewacht wird.Von Stacheldraht Zaun und von Minen wurde geredet. Vom Sperrgebiet wusste ich auch.
Auch das geschossen wird war mir bekannt. Das alles war verdammt wenig! Die Karten die es gab konnte man vergessen da sie das Grenzgebiet nicht korrekt angezeigt haben. Ich war außerdem schlecht vorbereitet und hatte in meiner Dummheit nicht mit den freiwilligen Grenzhelfern gerechnet,denen jeder Fremde sofort auffiel. Das Ergebnis waren 18 Monate Zuchthaus.
Bei meinem 2.geglückten Fluchtversuch habe ich mich natürlich besser vorbereitet.Nun wusste ich mehr über die Grenzanlagen und deren Aufbau. Im Sperrgebiet war ich diesmal sehr vorsichtig. Die bittere Erinnerung an eine unmenschliche Grenze bleibt aber immer in meinem Gedächtnis haften.
Ich bedaure alle die an dieser Grenze ihr Leben ließen,egal ob Sperrbrecher oder Grenzsoldat.
Warum das alles? Gruß Peter(turtle)


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#43

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 00:44
von SkinnyTrucky | 1.260 Beiträge

Zitat von Rainer-Maria-Rohloff
Bella, auch meine Töchter, mittlerweile über zwanzig/ dreißig Jahre jung kennen den Werdegang ihres Vaters. Ist wohl Familientradition, zumal in unserer Familie schon immer Klartext geredet wurde.
Warum sollte ich mich verstecken, verleugnen zumal es ein ganz normaler Werdegang ist.
Nimm Lokführer Steckel in der schönen Geschichte im Buchenwaldfred. Auch er liebte seine Familie, war ein kritisch denkender Mensch und doch konnte er das Rad der Geschichte nicht herumreißen, in diesem "tausendjährigen Reich".



Du sollst dich doch garnich verstecken RMR....kuck mal, ich find die Idee von einer sozialen Gesellschaft ja auch nich verkehrt und man hätte es irgendwie sogar durchziehen können....ich find nur etwas befremdlich, das du die Umsetzung so regelrecht verteidigst....es ist doch bekannt was alles falsch lief....und um in deiner Geschichten-und-Märchenwelt zu sprechen....du *Scherge des Bösen*....nehm den Ausdruck bitte so wie den *Strammen Nazi*...ich weiß, du kannst das aus meinem Mund....kein Aussenstehender sollte sich jetzt wieder dran stören....ich mein's sarkastisch....und naja, du bringst ja selber den Lok-Führer in Buchenwald....irgendwie ham wa hier ne gemeinsame Ebene gefunden....eigendlich klasse RMR...das ist uns ja noch nie passiert hier im Forum....

so, ich geh jetz schlafen, muß früh raus....

buena notte

Mara


Kein Sex mit Nazis...!!!
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#44

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 11:02
von TOMMI | 1.988 Beiträge

Also besonders viel wusste die DDR-Bevölkerung über die Grenze nicht. Wenn, dann
kamen Informationen übers Westfernsehen, nicht selten waren diese etwas etwas nebulös.
Selbst die Leute, die im Grenzgebiet wohnten, waren nicht 100%ig informiert.
Hier eine kleine Begegnung, die ich am Freilichtmuseum zur Grenze bei Sorge im Harz
erlebte: (viele von Euch kennen sich da aus und waren selbst schon dort)

Ich stand an den Resten des GSSZ mit dem aufgeklappten Tor. Am ehemaligen K2 entlang kam aus Richtung
Hohegeiß eine Frau, etwa Ende 50, Anfang 60. Sportliche Figur, dem Outfit nach eine Mischung aus Wanderin
und Joggerin. Sie erzählte, dass sie aus Sorge stammte und schien diese Anlagen gut zu kennen. Sie
wusste auch Bescheid über das Objekt Wietfeld, gar nicht so weit von da.
Irgendwann sagte ich: "Aber das ist doch hier erst einmal der erste Zaun, die eigentliche Grenze ist doch noch
ein Stück hin."
Voller Überzeugung antwortete sie: "Nein, dies hier ist die Grenze. Was dann noch kommt, ist ein Stück Niemandsland."
Ich überlegte: Sie musste doch wissen, dass etwa einen halben km weiter sich der Wachturm und der GZ1 befindet???
Normalerweise lasse ich mich auf Diskussionen ein, wenn ich mich im Recht weiß.
Aber um zu beweisen, dass ich mich da auch, vielleicht auch beser auskenne, hätte ich mich outen müssen, dass
ich "dabei" war. So schwieg ich und ließ sie erzählen. Heute hätte ich wonöglich anders gehandelt.


EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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#45

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 11:19
von wosch (gelöscht)
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[quote="TOMMI"]Also besonders viel wusste die DDR-Bevölkerung über die Grenze nicht. Wenn, dann
kamen Informationen übers Westfernsehen, nicht selten waren diese etwas etwas nebulös.
Selbst die Leute, die im Grenzgebiet wohnten, waren nicht 100%ig informiert.

Na Tommi, das wird ja auch nicht ernsthaft bestritten. Zeige mir mal den Experten, der 100 %ig Bescheid wußte!! Selbst diejenigen welche an der Grenze eingesetzt waren, wußten auch nicht alles 100 %tig. Du kannst aber durchaus davon ausgehen, daß es auch andere Beispiele gab als Deine Gesprächspartnerin aus Hohegeiß! Es gab nämlich auch Bewohner von Ortschaften direkt am Werra-Ufer, wo dieses die Grenze war und solche Bürger wie in Asbach bei Soden-Allendorf und, und und...., die mußte mal fragen. Damals brauchte man nicht unbedingt nur das Westfernsehen, es reichte schon, wenn man Bekannte, Freunde und Verwandte aus diesen Orten hatte um zu wissen, wie es an der Grenze aussah!!
Schönen Gruß aus Kassel.


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#46

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 12:14
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Fakt ist mal eines, wer etwas darüber in Erfahrung bringen wollte und nicht gerade blöd war konnte das auch.
Selbst ohne Internet gab es genug Info Möglichkeiten wie Westfernsehen, Westverwandschaft bei Fluchthelfers und Co nachfragen lassen und Kontakte zu ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen ( AGT ).

Allein durch die insgesamt hohe Zahl an Wehrpflichtigen und Zeitsoldaten bot hier sicher ein Potenzial zum Abschöpfen an Informationen bzw. wie in der Praxis auch Mittäter für einen 213 zu finden.
1986 müßte so ein ehemaliger GT Uffz.zusammen mit Mittätern im Bereich Eisenach erfolgreich einen Grenzdurchbruch begangen haben.

Wer sich also nicht infolge einer Kurzschlusshandlung auf den Weg machen mußte oder wollte, hatte durch aus die Möglichkeit sich ein Bild vom Grenzsicherungssystem zu schaffen.


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#47

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 12:24
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von Altermaulwurf
Fakt ist mal eines, wer etwas darüber in Erfahrung bringen wollte und nicht gerade blöd war konnte das auch.
Selbst ohne Internet gab es genug Info Möglichkeiten wie Westfernsehen, Westverwandschaft bei Fluchthelfers und Co nachfragen lassen und Kontakte zu ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen ( AGT ).

Allein durch die insgesamt hohe Zahl an Wehrpflichtigen und Zeitsoldaten bot hier sicher ein Potenzial zum Abschöpfen an Informationen bzw. wie in der Praxis auch Mittäter für einen 213 zu finden.
1986 müßte so ein ehemaliger GT Uffz.zusammen mit Mittätern im Bereich Eisenach erfolgreich einen Grenzdurchbruch begangen haben.

Wer sich also nicht infolge einer Kurzschlusshandlung auf den Weg machen mußte oder wollte, hatte durch aus die Möglichkeit sich ein Bild vom Grenzsicherungssystem zu schaffen.



..........................................................................................
Holla AM,

sicher auch ein Weg mehr zu erfahren,aber eben nicht einfach!(Trau schau wem)

Ein weiterer Aspekt in der Betrachtung sollte mal nicht vergessen werden,es gab eben auch DDR Bürger,
die wollten überhaupt nicht weg und die waren eben nicht alle bei der Stasi oder anderen Organen.
Hoffentlich bringe ich jetzt keinem sein "Neues Weltbild"durcheinander.
Au weia und das am Montag,die Woche fängt ja gut an.


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#48

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 12:34
von Altermaulwurf (gelöscht)
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Zitat Boelleronkel
"Holla AM,

sicher auch ein Weg mehr zu erfahren,aber eben nicht einfach!(Trau schau wem)

Ein weiterer Aspekt in der Betrachtung sollte mal nicht vergessen werden,es gab eben auch DDR Bürger,
die wollten überhaupt nicht weg und die waren eben nicht alle bei der Stasi oder anderen Organen.
Hoffentlich bringe ich jetzt keinem sein "Neues Weltbild"durcheinander.
Au weia und das am Montag,die Woche fängt ja gut an."

Klar, aber viele Menschen sind gerade unter Alkohol sehr kommunikativ und an Eitelkeit / Geltungsbewußtsein gestupft wird viel erzählt.

Sicher die überwaltigende Mehrheit hatte sich trotz aller Probleme in der DDR heimisch gefühlt und wollte nicht weg.

Mir ging es bloß darum darzustellen, wie einfach es war Erkenntnisse hierzu zu finden.


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#49

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 14:31
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich persönlich hätte mich nicht getraut jemand über die Grenze auszufragen. Nicht einmal einen Freund hätte ich dazu befragt. Zum einem war da Mißtrauen wem er davon erzählt.Er hätte mich ja nicht einmal selber anschwärzen müssen,sondern jemand dem er davon erzählte,oder der zufällig einiges mit aufgeschnappt hat. Zum anderen war ich heilfroh das ich das nie getan habe. Bei meinen Vernehmungen bestand doch die große Gefahr ihn mit hineinzuziehen.
Und glaubt mir ich weiß von was ich schreibe. So konnte ich nichts sagen ,damit noch einer zumindest große Schwierigkeiten bekam.
Es war aber durchaus möglich vieles nebenbei über die Grenze zu erfahren. Es lag an jedem selber das Puzzle zusammenzusetzen,und daraus etwas zu machen.
Ich habe es getan! Gruß Peter(turtle)


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#50

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 14:40
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von turtle
Bei meinem ersten Fluchtversuch wusste ich nur das die Grenze stark bewacht wird.Von Stacheldraht Zaun und von Minen wurde geredet. Vom Sperrgebiet wusste ich auch.
Auch das geschossen wird war mir bekannt.



Zitat von turtle

Ich habe es getan!




Hallo Peter,

gestatte mir eine kleine Frage, ganz ohne Ironie oder Hintergedanken.

Warum?

Ich kenne deine damalige Lage und Situation nicht und kann dies daher sicher nicht vollständig nachvollziehen, aber wenn ich dieses Wissen habe und mir dann heute ehrlich die Frage stelle ob ich es probiert hätte, wenn ich denn weggewollt hätte, dann komme ich immer zu der gleichen Antwort.

Niemals!


Ich denke die Gründe es beim Wissen um diese Lebensgefahr trotzdem zu probieren würden sicher auch andere hier interessieren. Sollte es um die Frage zu beantworten zu persönlich werden müssen, dann hat sicher ein jeder hier Verständnis wenn du darauf nicht eingehen möchtest.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 17.05.2010 14:41 | nach oben springen

#51

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 15:17
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Feliks,
Klar kannst Du wissen was damals in mir vorging! Aber da ich deswegen bereits einmal hier im Forum gefragt wurde kopiere ich das Wichtigste hier noch einmal.

Natürlich kann ich nur meine Beweggründe für eine Republikflucht schreiben., besser gesagt wie entstand meine negative Einstellung zur DDR. Nun ich denke da muss ich beim Elternhaus anfangen ,das eigentlich nicht diese Bezeichnung verdient . Ich stamme aus einen Ort bei Leipzig (inzwischen eingemeindet) wo nach dem Krieg sowj.Soldaten stationiert waren. Ständig hörte ich was die wieder geklaut hatten, oder welche Frau vergewaltigt wurde. Was vergewaltigt war wusste ich nicht es muss aber etwas schlimmes gewesen sein. In der Schule lernten wir das Lied Partisanen vom Amur. Doch mein Onkel erzählte das waren alles Verbrecher ,welche feige aus dem Hinterhalt angegriffen haben und gefangene deutsche Soldaten bevor sie erschossen wurden grausam gefoltert haben! Als im Dorf die Bauern enteignet wurden hörte ich auch nur negatives über die Kommunisten und des SED Regimes. Doch im Westen soll alles besser sein. Meine ablehnende Haltung zur DDR wurde also da bereits geprägt. Später kam ich in ein Kinderheim wo ich die Sozialistische Erziehung genießen sollte. Doch mit Zwang erreichten die das Gegenteil! Als auch noch ständig massiv auf mich eingeredet wurde ich soll Rinderzüchter werden (wir hatten eine Paten LPG)
lernte ich aus Protest Bäcker da dass der einzige Laden in dem Kaff war. Ich hatte einfach das Heim vor vollendete Tatsachen gestellt mit dem Lehrvertrag .Meine Mutter hatte mit unterschrieben somit war das Rechtskräftig. Meine Orientierung ging immer mehr in Richtung Westen!
Ich empfand immer mehr dass der Sozialismus nicht mein Ding ist. Ich hatte Sehnsucht nach der weiten Welt, Freiheit (welche ich darunter Verstand) Ich kam mir vor wie mit Maulkorb und Zwangsjacke. Paris, New York, Rom, auch Moskau, oder Samarkand das wollte ich sehen.
Doch in der DDR gab es nur eine Richtung, und das auch nicht für alle oder mit viel Glück! Mit der Mauer und den Ausbau der Grenze zur BRD sah ich die DDR nur noch als riesiges Gefängnis .Mir war immer mehr klar das ich meine Träume da nie verwirklichen kann.
Nach meiner Lehre versuchte ich daher die DDR illegal zu verlassen. Ich war aber zu blöd und wurde bereits im Sperrgebiet festgenommen. Ich wurde mit 18 Jahren zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Natürlich habe ich das nicht als gerecht empfunden! Nein meine Liebe zur DDR wurde dadurch nicht besser,. Nach der Haft wurde mir Arbeit im VEB Leipziger Eisen und Stahlwerk zugewiesen. Ich bekam einen Sonderausweis der mich negativ abstempelte . Reisen durfte ich mit diesem Ausweis nun noch weniger! Einmal pro Woche musste ich mich beim ABV melden. Jeder kriminelle Straftäter wurde nach der Haft besser behandelt ,wegen der Wiedereingliederung in die sozialistische Gesellschaft.! Meine Zukunft sah ich nun in der DDR noch mehr negativ. Von einem Ausreiseantrag war mir damals (1968) nichts bekannt.
Also versuchte ich erneut die Republikflucht welche mir auch gelang. Ich fuhr in Hamburg zur See ,sah die Welt und erfüllte meine Träume !
Nein bereut habe ich meine Flucht nie es ist mir auch zu keinem Zeitpunkt in den Sinn gekommen in die DDR zurückzukehren! Das war nun fast eine Lebensgeschichte doch zum besseren Verständnis wollte ich so weit ausholen. Wäre mein Elterhaus oder meine Erziehung eine andere gewesen vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen. Doch ich denke auch dann hätte ich dem System in der DDR kritisch gegenübergestanden!
Gruß Peter(turtle)


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#52

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 15:24
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Alle Achtung Peter, dass Du hier diese Beweggründe dargestellt hast. So aus der Sicht heraus, ist es nicht verwunderlich, wie das alles gekommen ist.
Gruß von der Insel,

der Rüganer


zuletzt bearbeitet 17.05.2010 15:26 | nach oben springen

#53

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 15:30
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Danke für die ehrlichen Worte Peter, ich kannte diesen Text noch nicht.

Der Grund für die Flucht ist nun klar, aber was waren deine Gedanken in Bezug auf die Gefahren bei der Flucht um die du ja wußtest? Gab es eine Art inneren Abwägungsprozess oder verdrängte man diese im "jugendlichen Leichtsinn" einfach um sein Ziel den Westen zu erreichen?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#54

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.05.2010 15:58
von turtle | 6.961 Beiträge

Hallo Feliks,
Es ist nicht so einfach zu beschreiben was meine Gedanken um die Gefahr waren. Warum begeben sich Menschen freiwillig in Gefahr? Der Extremsportler oder der Extrem Abenteurer?Sicherlich war auch jugendlicher Leichtsinn dabei.So warum sollte es ausgerechnet mich treffen. Aber wenn Du ein festes Ziel vor Augen hast und Du es nur mit einem gewissen Risiko erreichst musst Du es tun. Selbst wenn die Gefahr bestand Schaden zu nehmen oder im Westen zu scheitern,ich brauchte das für mein Selbstwertgefühl. Besonders mutig bin ich nicht einmal aber wollte es tun. Ich hätte mich aber auch nicht getraut beim Scheitern in die DDR zurückzukehren. Diese Blöße hätte ich mir nicht gegeben. Übrigens als ich unmittelbar die Grenzanlagen vor mir sah,hatte ich abgeschaltet,es war wie im Trance! Nichts hätte mich mehr aufgehalten.Auf Zurufe oder Schüsse hätte ich nicht mehr reagiert. Ich hätte es wahrscheinlich nicht einmal wahrgenommen. Genau sowenig wie ich Schmerzen verursacht durch Stacheldraht wahrnahm.
Gruß Peter(turtle)


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#55

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 02.08.2010 07:55
von Sachse (gelöscht)
avatar

@turtle

Da ich mich erst kürzlich angemeldet habe, hab ichs jetzt erst gelesen. Sehr interessant. Kannst du mir den Link schicken, wo ich alles nachlesen kann? Du schreibst ja von Auszügen.

Und ich bin manchmal am Verzweifeln, weil man einfach durch diese vielen 08/15-Themen, die mit "Forum DDR-Grenze" absolut nichts zu tun haben, nicht durchsteigt und ich wohl bis zu meiner Rente brauchen würde, um das mich Interessierende gelesen zu haben.

Möchte aber noch was zum Thema loswerden:

Ich denke, dass auch die Möglichkeiten, sich über die Grenze bei Insidern zu erkundigen, eher überschaubar waren. Zum einen unterlagen diese der Schweigepflicht und hätten sich selbst in Gefahr gebracht, andererseits wussten auch die Fragenden nicht 100%ig, wie der Gefragte darauf reagiert. Selbst guten Freunden erzählt man ja nicht alles ...

Und wenn ich mal von mir selbst ausgehe: Mich hat während meiner Dienstzeit daheim keiner gefragt, wie die Grenze aufgebaut ist, was dort im Einzelnen passiert usw. Ich meine, die meisten DDR-Bürger hatten sich seinerzeit damit abgefunden und betrachteten die Grenze als etwas Normales (auch, wenn es das nicht war).

Und ich selbst hatte nicht einmal meinen Eltern ggü. das Bedürfnis, darüber zu reden. Das hatte aber nichts mit Geheimniskrämerei od. dgl. zu tun. Das war eben einfach so.

Und da hier einige schrieben, dass man sich über die Westmedien darüber informieren konnte ... hm ... ich denke, das war nicht so effektiv. Die berichteten ja nur kurz und knapp und meistens über den konkreten Grenzzwischenfall bzw. die Flucht. Die gaben ja keine Anleitung, wie man die Grenze überwinden kann und zeigten vor allem keine Nahaufnahmen, worauf man beim Flüchten achten müsse.

Und mal ehrlich: So interessant waren die Flüchtlinge dann doch nicht ... das war Tagesgeschäft für die Medien. Danach gings wieder um andere Dinge.


zuletzt bearbeitet 02.08.2010 17:16 | nach oben springen

#56

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.09.2010 21:06
von Retter (gelöscht)
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Über die Grenze und deren Sicherung,wussten mit Sicherheit 70-80 % der DDR Bevölkerung bescheid. Die 20-30 % waren Sachsen aus dem Tal der Ahnungslosen.


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#57

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.09.2010 21:18
von Sachse (gelöscht)
avatar

... na ja ... wenn du das sagst.

Bescheid wissen heißt ja noch lange nicht, wissen, wie die Grenze aufgebaut und gesichert ist. Dass dort Menschen standen, die ein Gewehr hatten, klar, das wusste man. Auch, dass dort ein hoher Zaun war. Auch, dass es Minen gab. Aber schon hier war "Pumpe". Viel mehr wusste man mit Sicherheit nicht.

Ich untermauere es mal mit einem Bsp. aus dem Raum Hildburghausen, wo die Frau meines Studienfreundes herkommt. Dort glaubten einige der Dorfbewohner noch 1991, dass man nicht durch den Wald laufen kann und Pilze suchen, weil dort Minen vergraben seien.

Wohlgemerkt: Da war die Grenze schon fast 2 Jahre offen!
Und die lebten gewiss nicht im Tal der Ahnungslosen.


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#58

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.09.2010 21:29
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von nucleardirk
Kann mir jemand sagen wieviel "offiziell" über die grenze bekannt war?
man liest immer wieder dass viele DDR Bürger wohl dachten die Hinterlandmauer sei die Grenze und danach beginne die Freiheit. Was wusste man bzw. konnte man wissen - über Schutzstreifen, Signalzaun etc?

Wissen hatten doch ansich nur die Jungs die an der Grenze stationiert waren - wobei das ja wohl jeder Mann gewesen sein müsste, oder gab es sowas wie "Verweigern" und Zivildienst ableisten? Wenn ja hatte man danach sicher nen dicken Vermekr in seiiner Stasi-Akte....



1. Der Wissensstand über den Aufbau der Staatsgrenze West war sicher unterschiedlich. Wie du bei @mara liest wußten z.B. Bewohner der grenznahen Gebiete sicherlich mehr als andere. Genaue Kenntnisse der technischen Absicherung hatten, wie du bereits richtig bemerkt hast, jedoch nur ehem. AGT und auch diese wußten nicht wie lang dieses Wissen aktuell war. Jeder Bürger der DDR wußte aber, dass die Grenze militärisch gesichert wurde und versuchte Grenzdurchbrüche daher Lebensgefährlich sind und strengstens geahndet werden. Wer einen Grenzdurchbruch wagte wußte um die Gefahr dabei tödlich zu verunglücken, siehe der Text von R-M-R (16.05.2010/17:50).

2. Diente nur ein sehr geringer Teil der Wehrpflichtigen bei den Grenztruppen, da der größte Teil in der NVA diente. Die Truppenstärkte der NVA betrug ca. 173.000 Soldaten, während bei den Grenztruppen lediglich ca. 38.000 Soldaten dienten und entsprechend fiel auch das Verhältnis der Wehrpflichtigen aus. Daher ist dein Gedanke, dass alle Männer an der Grenze dienten nicht realistisch.

3. Verweigern und Zivildienst gab es nicht, dafür gab es die Bausoldaten. Diese dienten nicht an der Waffe und waren in ihrer Art einzigartig im sozialistischen Lager.

4.Deine Aussage: "Wenn ja hatte man danach sicher nen dicken Vermekr in seiiner Stasi-Akte...." ist falsch, denn dies hört sich so an, als gäbe es über jeden Bürger der DDR eine Akte beim MfS und dies war nie der Fall! Das die Bausoldaten durch die HA I erfasst werden mußten war später leider eine zwingende Notwendigkeit, da bei diesen u.a. Vorfelderscheinungen der politischer Untergrundtätigkeit gehäuft auftraten.
Nichtsdestotrotz brachte ein Bausoldat es bis zum Verteidigungsminister.




Zitat in rot
Feliks, das Wort lediglich ist ja wohl etwas verniedlichend, oder ? Bei einer Grenzlänge von etwa 1400 km bedeutet das, dass alle circa 38 m ein Grenzsoldat steht, statistisch gesehen ? Die standen ja in Sichtweite Was muss die SED und ihr Politbüro für eine furchtbare Angst in all den Jahren gehabt haben.

Viele Grüße aus dem Rheinland


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#59

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.09.2010 21:35
von PF75 | 3.294 Beiträge

@ Gert

die lücken waren größer,wie mußten ja auch mal schlafen oder aufs Klo.


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#60

RE: Wieviel wusste der normale DDR Bürger über die Grenze?

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 08.09.2010 21:37
von Rainer-Maria-Rohloff (gelöscht)
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Irgendwo in einem Fred schrieb ich mal, das maximal 15% der DDR-Bürger über den unmittelbaren Aufbau der DDR-Grenze gut bescheid wussten. Der Rest nur vom Hörensagen. daran halte ich fest.

Rainer-Maria und Gert, ich verpiss mich gleich...brauchst nicht zu Erinnern.


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