#1

Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 13:34
von Rüganer (gelöscht)
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In Berlin, wo man die 8 Stunden auf dem Turm saß und immer nach DV in seine Richtung starrte, da hing das von den Gesprächen mit dem anderen ab, ob die Schicht schnell verging, oder ob es eine quälend langsame Stiererei auf die Lichttrasse in der Nacht oder den Kolonnenweg und den Hinterlandszaun am Tag war. Bei uns wurde beginnend über den Beruf und wo man herkommt, über die Familie und das Thema Nr. 1 bis hin zum Hobby gesprochen. Schlimm war nur, wenn man mit diesem 2. Mann kurz darauf wieder zusammen die Schicht hatte, dann kannte man schon seine Schwiegermutter mit Namen... Die Katastrophe war, wenn man dann noch eine Schicht mit ihm hatte, dann war es schrecklich... dann spielten wir schon : Ich seh etwas, was du nicht siehst...
Worüber habt Ihr gesprochen?


zuletzt bearbeitet 29.04.2010 18:26 | nach oben springen

#2

Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 18:21
von Roland 87 | 215 Beiträge

Solange wie man mit einen Soldaten ,Gefreiten oder Uffz draußen war, gab es immer etwas zu erzählen.Anders war es, wenn man mit einen GAKL draußen war,da wurde wenig erzählt.
Bei uns gab es wenig Turmschichten,wir waren mehr im Gelände unterwegs(2 Meter oder 6 Meter kontrollieren),höchstens man war auf der A-Gruppe.
Extrem langweilig waren Nachtschichten besonders auf der Rennstrecke.
Gruß Roland 87



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#3

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 18:43
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Roland 87
...Anders war es, wenn man mit einen GAKL draußen war,da wurde wenig erzählt.
...Gruß Roland 87



Jo, umgekehrt auch. Was wollte man sich auch gegenseitig erzählen ohne zu sehr in´s Private abzurutschen. Da man als GAK sowieso mit einem gewissen "Heiligenschein" (berechtigt wie auch unberechtigt) versehen war, durchaus verständlich. Umgekehrt auch, denn niemand wollte wegen irgend welcher unbedachten Worte seine Blutgruppe riskieren. Da hat das System der gegenseitigen Selbstkontrolle sogar dann bestens funktioniert, wenn es gar nicht dabei war.
Also hat man sich über Besonderheiten beim Gegenüber unterhalten. Wer vom BGS bevorzugt mit welchem Fahrzeug kam. Welches Fahrzeug man anhand von Motor- oder Fahrgeräuschen besonders gut erkennt. Bei welchem BFSO eher mit Streß zu rechnen war oder umgekehrt. Ich glaube, als GAK hat man gar nicht gemerkt, wenn man mit Einsilbigkeit dem Posten auf die Nerven gegangen ist. Im Hinterland waren wir unsere Schichten allein gewöhnt. Das hätte man, von den Urlaubern mal abgesehen, höchstens mit sich oder dem Hund sprechen können. Also haben wir es uns mit der Zeit abgewöhnt. Das Sprechen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#4

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 19:52
von Granate | 132 Beiträge

hey.ich fand die schweigescichten mit den allten gefreiten am schlimmsten.da ging man 8 stunden zum dienst,und kein wort.da ich aber viele witze konnte war das eis schnell gebrochen.annsonsten kam ich mit meinen stubengenossen gut klar.mein zugführer damals feldwebel lud mich zu sich nach hause ein big party gewesen.danach hat er mich in die einheit gefahren natürlich besoffen.ging aber alles gut gruss granate.



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#5

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 19:56
von PF75 | 3.294 Beiträge

Wie Rüganer schon sagte man sprach so ziemlich über alles.Ich hatte auch das Glück das ich als Vertrauensposten eingestuft war und überall hin durfte,bei uns im Zug waren wir 4 leute,je 2 mann 2.Halbjahr und 2 EK da war die auswahl an gesprächspartnern nicht sehr groß und dann waren wir noch alle auf einer stube da wußte man nach einiger zeit schon was der andere sagen wollte wenn er nur Luft holte.Durch die Batt.-Sicherung bekamen wir dann aber einen größeren Wirkungsbereich und so konnte man auch mit anderen Leuten mal auf Schicht,außerdem bekam ich moch eine ES und konnte öfters KS fahren.Bei KP-sicherung hätte ich wohl 1 Jahr auf dem BT 11 an der Bahnlinie gesessen.Schlimm wurde es auch ab und zu mal wenn man als EK Dienst nach Vorschrift machen mußte und dann auch noch Schweigeschichten durchziehen mußte um einige aufmüpfige Genossen wieder auf den Boden der Tatsachen bringen mußte.


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#6

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 19:59
von TexasEK81I | 29 Beiträge

In der ersten gemeinsamen Schicht stellten wir uns gegenseitig vor.
Danach kamen zum Teil viele gemeinsame Schichten.
Ich war im 2. Dienstahalbjahr ca. 30 Mal mit einem Uffz. draußen. Hm - ja -hm - wann hast du denn das Geld für deinen Wartbug zusammen? usw.
Ich habe dann mal erfahren, daß nicht jeder mit jedem raus durfte. Es gab wohl die Eingruppierungen 1 - 3 und eine "Sonderstufe".
Die mit Stufe 3(unsicher) durften nur mit Stufe 1 (relativ sicher) an den Kanten. Stimmt das?
Jedenfalls war das wohl der Grund - schön war es nicht.
Dann gab es noch die verordneten Schweigeschichten. Das passierte wenn jemand zu aufmüpfig war. Die Ek's einigten sich dann darauf und der Betroffene hatte ca. eine Woche ohne ein einziges Wort die 8 Stunden zu verbringen. Das war sehr schwer auszuhalten und wirkte meistens sofort.

Gruß TexasEk81I



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#7

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 20:43
von Huf (gelöscht)
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Gab es echte Freundschaften direkt an der Grenze unter den Kameraden, oder war man permanent mißtrauisch, so wie heute?


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#8

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 21:03
von Oss`n | 2.779 Beiträge

"Vorsicht"
ist nicht nur die Mutter der Porzellankiste, sondern war auch der Grundsatz für jeden Grenzer.
Den Überblick über Verhaltensweisen und Einstellungen Einzelner, innerhalb der Kompanie, hatte man relativ schnell.
Ich will für die Gakl keine Lanze brechen, aber nat. gab es auch da Kameraden, die absolut ok waren.
Schlimm war es, wenn die neuen Soldaten kamen.
Erst einmal wurde er mit Fragen nur so gelöchert.
"Bestätigte" Gefreite tauschten diese gesammelten Werke nat. immer aus.

Am Anfang lief der "neue" Soldat nat. immer voraus - nachts sowieso.
Waren dann alle Eventualitäten abgeklärt und er war auch willig, die bestehende Hierarchie zwischen Gefreiten und Soldaten an zu erkennen, wurde der Kontakt etwas lockerer und somit auch die Gespräche etwas persönlicher und nat. auch privater.

Nat. gab es immer Grundsätze.
Einer lautete: erzähle nie von privaten Problemen!

Probleme privater Natur wurden an einer Grenze absolut nicht gebraucht und hatten immer eine Versetzung in das Batt. oder in das Reg. zur Folge.
Das wollte nat. niemand von uns.

Ich glaube der Begriff "Blutgruppen" war auch inoffiziell zwischen den Soldaten und Gefreiten eine gängige Praxis.

Jeder bekam "seine" Blutgruppe.

Je nach Blutgruppe gestalteten sich dann auch die Gespräche.

Tja, so war das im Jahre 1987.


Oss`n


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#9

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 21:10
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Grenzpanzer
Gab es echte Freundschaften direkt an der Grenze unter den Kameraden, oder war man permanent mißtrauisch, so wie heute?



Das war wie überall. Mit den Meisten kam man gut aus und mit einigen gibt es Freundschaften, die auch nach über 25 Jahren noch bestehen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#10

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 21:15
von Punkgraf (gelöscht)
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@TexasEK81I
ja das stimmt wohl mit den Eingruppierungen. Ich muss da wohl auch mal runtergestuft worden sein. Hatte auch so ein Dauer-Uffz. Aber das war ok so. Wir haben uns gut verstanden. Es gelang uns sogar (Beziehungen waren schon immer gut) uns gemeinsam planen zu lassen. Ganz schön leichtsinnig, wenn ich mir das heute so überlege.

Wir haben in den gemeinsamen Schichten viel gekocht. Wir hatten diese großen Blech-Brotbüchsen. Darin wurde Gulasch oder ähnliches warm gemacht. Spiritustabletten waren immer sehr gefragt. Die aus dem Teil_1 waren auch immer alle.
Einmal haben wir (ich und der oben beschriebene Uffz) auf em BT9 gekocht (für Insider: Kollieiche): 2 mal zwei Magazine, die Reinigungsstäbe quer drüber - fertig war der Herd. Mir wird heute bei dem Gedanken noch ganz mulmig.
Es gab aber auch Schichten, wo man Halbe Halbe (einer schläft, einer wacht) gemacht hat - manchmal geplant, manchmal hat es sich so ergeben.
Einmal haben wir in der Garbe bei Aulosen alle Hinterlandposten (ca. 4 bis 5 Postentrios) zusammengezogen und an der Elbe im Wald in einem Bombentrichter oder etwas ähnlichem geschlafen.

Gruß vom Punkgrafen


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#11

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 21:36
von Huf (gelöscht)
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In einem Fernsehbericht habe ich einmal gelesen, dass Grenzsoldaten nach Zuverlässigkeit in Kategorien eingeteilt wurden. Ergaben sich daraus auch die Einteilungen in Postenpaare?
Und Punkgraf, hast Du deinen ehemaligen Abschnitt schon mal jetzt gesehen?


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#12

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 21:42
von PF75 | 3.294 Beiträge

@ Grenzpanzer
Geb mal bei Suche Blutgruppe ein da findest du viele komentare zu deiner Frage


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#13

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.04.2010 23:16
von Rostocker | 7.731 Beiträge

Ich sag es mal so aus meiner Sicht,war man mit einen Soldaten oder Gefreiten draußen.Ließ sich eher ein Vertrauensverhältnis aufbauen wie zu einen Vorgesetzten ob der nun Unteroffizier war oder Offizier.Die Gefreiten sagten sich nach einen halben Jahr habe ich die Scheiße hinter mir und die Soldaten sagten das gleiche ebend nur in einen Jahr ist Schluß hier.An genaue Gespräche und deren Themen kann ich mich nicht groß erinnern.Aber gesappelt wurde eigendlich immer.klar war es immer so wenn die Neuen kamen aus der Ausbildung,das man sich erstmal abgetastet hat.Und solche Gspräche waren draußen im Grenzdienst leichter jemanden kennen zu lernen wie drinnen in der GK.Man sprach halt unter vier Augen,und wenn man sich einig war vestand man sich auch in der GK:


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#14

RE: Postengespräche

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 30.04.2010 14:44
von Punkgraf (gelöscht)
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@Grenzpanzer
Ich war schon sehr oft da und Ende nächsten Monats geht's wieder hin. Muss doch ab und an mal nach dem rechten sehen.


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