#21

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 15:29
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Feliks D.
Tja Uwe das ist das Problem, das am Ende alles umsonst gewesen sein würde wußte ja niemand.
Hätte man dies gewußt, dann hätte niemand diesen Weg beschritten. Aber ich denke dieses Gefühl kennen viele von uns die ihr Leben in den Dienst des Aufbaus des Staats- und Gesellschaftssystems der DDR gestellt hatten.



Stimmt wohl, Felix. Und das schlimme ist, dass man obendrein für das Versagen anderer haftbar gemacht wird. Und sich für Dinge verantworten oder entschuldigen muss, mit denen man selbst nie etwas zu tun hatte.

Schönen Gruß nach Bayern aus dem kühlen Brandenburg.
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


nach oben springen

#22

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 15:40
von Alfred | 6.841 Beiträge

Feliks,

ich kenne keine Kundschafter die Arbeit als "umsonst" einschätzen.

ABV,

dann treffe deine Einschätzungen bitte nicht allegemein, sondern nenen Namen. Dann schauen wor weiter.


nach oben springen

#23

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 15:46
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von ABV


@Alfred und Seaman
Ich wollte mit der Aussage niemanden beleidigen oder angreifen. Mir steht aber noch immer der Mann vor Augen. Der war wirklich kaputt!! Ich für meinen Teil kann es nicht nachvollziehen, wenn man in einem Land lebt, und dann doch gegen die Interessen dieses Landes arbeite. Das ist für mich schizophren, anders kann man das doch gar nicht aushalten! Das ist meine persönliche Sicht der Dinge, die sicher andere anders sehen werden.
Gruß an alle
Uwe



Will auch keine Wortklauberei betreiben,ABV.
Für manchen Betrachter mag diese Tätigkeit schon schizophren anmuten.
Vielleicht war dieser Mensch,so wie du es beschreibst sogar "kaputt".
Trotzdem sollte man dann nicht verallgemeinern,alles "kaputte,schizophrene Typen".

seaman


nach oben springen

#24

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 15:51
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Alfred
Feliks,

ich kenne keine Kundschafter die Arbeit als "umsonst" einschätzen.




Ok, es hat 40 Jahre mehr Gerechtigkeit und Frieden auf dieser Welt gebracht als wir es heute haben, das stimmt. Aber im Sinne vom großen Ziel, das haben wir verfehlt und nur darauf abgestellt war der Einsatz umsonst da es nicht erreicht wurde. Das mit dieser Arbeit auch positive Nebenefekte erreicht wurden soll hier unbestritten sein!

Erzähl doch mal mehr wie diese ihr Erreichtes heute werten...


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
nach oben springen

#25

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 16:22
von nolle (gelöscht)
avatar

@Feliks.D
"Aber im Sinne vom großen Ziel, das haben wir verfehlt und nur darauf abgestellt war der Einsatz umsonst da es nicht erreicht wurde"

-------------------------------------------------
Jetzt wird es für mich Interessant. Der Satz gefällt mir und veranlasst mich zur Frage des "Warum"? Ich lese oft, wir haben es gut gemeint, es war alles richtig usw. und so fort. Das kommt mir vor wie das kochen im eigenen Saft. Es gab ja wohl irgendwelche Gründe dafür das dieses Ziel nicht erreicht wurde.
Die Idee als solche ist es ja nicht unbedingt, also waren doch die Fehler im System der Durchführung, Umsetzung der Idee. Davon lese ich in bestimmten Beiträgen aber leider gar nichts, da ist man anscheinend nur ganz schnell beleidigt, und es kommt ein ganz bestimmter herrischer Ton ins Spiel. Aber vielleicht wird es ja noch.
tschüß


nach oben springen

#26

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 16:31
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von ABV
@Felix
Sicher wird bei vielen auch die Überzeugung eine große Rolle gespielt haben. Ist ja richtig, aber gerade diese Leute müssen doch am Ende sehr enttäuscht gewesen sein. Agent zu sein, heißt ja sein ganzes Leben darauf einzustellen. Man lebt ständig in der Gefahr entdeckt zu werden und ins Gefängnis zu kommen, muss auf vieles zerzichten etc.. Nur um dann am Ende festzustellen, dass alles umsonst war?

@Alfred und Seaman
Ich wollte mit der Aussage niemanden beleidigen oder angreifen. Mir steht aber noch immer der Mann vor Augen. Der war wirklich kaputt!! Ich für meinen Teil kann es nicht nachvollziehen, wenn man in einem Land lebt, und dann doch gegen die Interessen dieses Landes arbeite. Das ist für mich schizophren, anders kann man das doch gar nicht aushalten! Das ist meine persönliche Sicht der Dinge, die sicher andere anders sehen werden.
Gruß an alle
Uwe



Wenn man zwischen Eckernloch und Zaun 1 Leute begleitet hat oder auch etwas weiter, dann lag dazwischen etwas mehr als 2 Kilometer Weg. Gesprochen wurde nur sehr wenig, denn man wollte nicht gehört werden aber mitkriegen, ob alles sauber war.
Doch hatte ich nie den Eindruck, es mit irgendwie "Gestörten" zu tun zu haben. Eher mit sehr Überzeugten, die wollten, was sie da gerade machten. Manchmal war die Überzeugung, dem Frieden zu dienen, für Leute wie mich dort schon "unheimlich", ein bischen befremdend. Weil unsereins den Eindruck hatte, viel zu sehr idealisiert zu werden.
Später in Berlin gab es manchen, der in Karlshorst wohnte. Dort traf man nicht auf Enttäuschte, sondern auf Leute, die nach wie vor der Überzeugung waren, dem Frieden gedient zu haben. Dass "alles ruhig" blieb, nahmen sie als Bestätigung und hatten wohl auch irgendwie recht. Über den Preis, den es sie kostete, waren sie sich klar. Nur der, ich nenne es mal so, absolute Glaube war einer Nüchternheit gewichen.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


nach oben springen

#27

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 17:40
von X-X-X (gelöscht)
avatar

Nachdem ich die Beitraege eingelesen habe, fiel mir ein, dass wir wieder ein bisschen vom Thema abgewichen sind. Macht ja nichts. Ich moechte erstmal die Psychologie eines Agenten ansprechen. Eine gewisse Labilitaet gehoert zur Psyche, da psychisch gesunde Menschen auf solche Risiken nicht freiwillig eingehen. Der Ueberlebensdrang ist nicht ohne Grund stark!! Auch eine gewisse Schizophraenie gehoert auch dazu....man lernt damit umzugehen. Es macht aber unter Umstaenden auch die Besten kaputt. In dem eigenen Land zu spionieren, waehrend man die Familie und Bekanntenkreis aufrechterhaelt..... das ist das Schwerste. Es war aber nicht umsonst! Viele haben es versucht, mich einzureden, dass alles umsonst war. Der Durchschnittsbuerger weiss von diesem Geschaeft eigentlich ganz und gar nichts. Sie koennen alle nachts beruhigt schlafen, weil andere Menschen ihre Leben opfern und aufs Spiel setzen. Und so soll es sein. Im Gefaengnis lernt man die Tage zaehlen. Wenn man sich aber beherrscht und stark bleibt, erkennt man, dass es viel wichtiger ist, dass jeder tag zaehlt. Jeder Tag Frieden zaehlt.... es war nicht umsonst. Alles Wertvolle hat seinen Preis.

Jens


nach oben springen

#28

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 17:41
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von icke46
Ich glaube schon, dass das Wort Schizophrenie im Zusammenhang mit Spionen durchaus treffend sein kann. GW hat dankenswerterweise die Familie Guillaume erwähnt, da kann man meiner Meinung nach die Schizophrenie nachvollziehen.

Es war doch so, dass beide Guillaumes mit einer Überzeugung hier in den Westen gekommen sind, und mussten dann logischerweise fast die entgegengesetzten Überzeugungen vertreten - sogar auch zb. gegenüber ihrem Sohn, der nach der Verhaftung seines Vaters ja aus allen Wolken gefallen ist. Und ähnlich war es ja bei vielen Spionen, wenn sie denn Familie und Kinder hatten. Diesen Sachverhalt kann man schon als schizophren bezeichnen.

Gruss

icke


Freilich,die Informationen,die Guillaume sammelte und weiterleitete,darunter war weniger der grosse Wurf als
mehr alltägliches .Ein Topspion war er nicht,eher ein kleines Würstchen.



nach oben springen

#29

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 17:44
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Zermatt


Freilich,die Informationen,die Guillaume sammelte und weiterleitete,darunter war weniger der grosse Wurf als
mehr alltägliches .Ein Topspion war er nicht,eher ein kleines Würstchen.




Das kannst Du einschätzen?

seaman


nach oben springen

#30

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 17:44
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Zitat von Zermatt

Zitat von icke46
Ich glaube schon, dass das Wort Schizophrenie im Zusammenhang mit Spionen durchaus treffend sein kann. GW hat dankenswerterweise die Familie Guillaume erwähnt, da kann man meiner Meinung nach die Schizophrenie nachvollziehen.

Es war doch so, dass beide Guillaumes mit einer Überzeugung hier in den Westen gekommen sind, und mussten dann logischerweise fast die entgegengesetzten Überzeugungen vertreten - sogar auch zb. gegenüber ihrem Sohn, der nach der Verhaftung seines Vaters ja aus allen Wolken gefallen ist. Und ähnlich war es ja bei vielen Spionen, wenn sie denn Familie und Kinder hatten. Diesen Sachverhalt kann man schon als schizophren bezeichnen.

Gruss

icke


Freilich,die Informationen,die Guillaume sammelte und weiterleitete,darunter war weniger der grosse Wurf als


zermatt wen du dich da mal irrst.den gegenbeweis werden sicher gleich einige antreten
mehr alltägliches .Ein Topspion war er nicht,eher ein kleines Würstchen.



nach oben springen

#31

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 17:50
von Merkur | 1.018 Beiträge

Zitat von Zermatt
Freilich,die Informationen,die Guillaume sammelte und weiterleitete,darunter war weniger der grosse Wurf als
mehr alltägliches .Ein Topspion war er nicht,eher ein kleines Würstchen.



Manchmal kann ich mich über bestimmte Äusserungen wirklich nur wundern.
Da wird ein "kleines Würstchen" mal eben wegen Landesverrates zu 13 Jahren Haft verurteilt. Was haben dann die "großen Würstchen" bekommen ?
@Zermatt, hast Du ansatzweise eine Ahnung vom Informationsaufkommen Guillaumes und der entsprechenden Bewertung durch die Auswertung der HV A ?



nach oben springen

#32

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 17:57
von turmwache (gelöscht)
avatar

Herr Günter Guillaume besuchte 1987 oder 1988 eine FDJ-Versammlung in unserem kleinen VEB und erzählte dort seine geschichte , hierzu ist anzumerken, daß wir für Schalk die Banderolen mit der Aufschrift "Holländische Butter" gedruckt haben.
in dieser druckerei hatten wir offiziell einen "ehemaligen" mitarbeiter als drucker beschäftigt.
tw


nach oben springen

#33

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 18:03
von Altermaulwurf (gelöscht)
avatar

Zitat von KID
Nachdem ich die Beitraege eingelesen habe, fiel mir ein, dass wir wieder ein bisschen vom Thema abgewichen sind. Macht ja nichts. Ich moechte erstmal die Psychologie eines Agenten ansprechen. Eine gewisse Labilitaet gehoert zur Psyche, da psychisch gesunde Menschen auf solche Risiken nicht freiwillig eingehen. Der Ueberlebensdrang ist nicht ohne Grund stark!! Auch eine gewisse Schizophraenie gehoert auch dazu....man lernt damit umzugehen. Es macht aber unter Umstaenden auch die Besten kaputt. In dem eigenen Land zu spionieren, waehrend man die Familie und Bekanntenkreis aufrechterhaelt..... das ist das Schwerste. Es war aber nicht umsonst! Viele haben es versucht, mich einzureden, dass alles umsonst war. Der Durchschnittsbuerger weiss von diesem Geschaeft eigentlich ganz und gar nichts. Sie koennen alle nachts beruhigt schlafen, weil andere Menschen ihre Leben opfern und aufs Spiel setzen. Und so soll es sein. Im Gefaengnis lernt man die Tage zaehlen. Wenn man sich aber beherrscht und stark bleibt, erkennt man, dass es viel wichtiger ist, dass jeder tag zaehlt. Jeder Tag Frieden zaehlt.... es war nicht umsonst. Alles Wertvolle hat seinen Preis.

Jens





Mein aufrichtiger Respekt, KID @ Jens


nach oben springen

#34

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 18:37
von ABV | 4.202 Beiträge

Jetzt mal eine möglicherweise etwas ketzerisch klingende Frage:
Hat denn die NATO zu irgendeiner Zeit wirklich geplant, den Sozialismus mit Gewalt, sprich Krieg, zu beseitigen. Gibt es dafür wirkliche Beweise? Die bloße Existenz von Waffensystemen, bedeutet ja noch lange nicht, damit diese auch angewendet werden.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


nach oben springen

#35

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 18:41
von seaman | 3.487 Beiträge

Kurz vor dem Atomkrieg

Die Aufklärung des NATO-Manövers "Able Archer":
Wie die HVA, der Auslandsnachrichtendienst der DDR, dazu beitrug, den Kalten Krieg kalt zu halten

Von Rainer Rupp

Rainer Rupp arbeitete von 1977 bis 1993 in der Politischen Abteilung im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Wegen seiner Tätigkeit für den DDR-Auslandsnachrichtendienst HVA unter dem Decknamen "Topas" wurde er 1994 vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Wir dokumentieren Auszüge aus seinem Referat, das er am Wochenende auf Einladung des Zentrums für Studien des Kalten Krieges der süddänischen Universität Odense auf der Konferenz "Hauptverwaltung Aufklärung. Geschichte - Aufgaben - Einsichten" hielt.

In keinem seriösen politisch-wissenschaftlichen Diskurs käme jemand auf den Gedanken, den Auslandsnachrichtendienst bzw. die Spionageabwehr eines souveränen Staates in Frage zu stellen, insbesondere nicht unter den Bedingungen des Kalten Krieges. Und würde dies doch jemand tun und z.B. die Existenzberechtigung der britischen, dänischen, spanischen oder polnischen Geheimdienste grundsätzlich anzweifeln, dann würde zu Recht an seinem Menschenverstand gezweifelt. Dennoch passiert genau dies seit 17 Jahren im wiedervereinten Deutschland mit den Geheimdiensten der DDR. Dabei werden die Vorwürfe immer grotesker; schlimmer als zu den kältesten Zeiten des Kalten Kriegs.

Ausgerechnet die reaktionärsten Kreise in diesem Land, die Kriege von deutschem Boden aus wieder möglich gemacht haben, ausgerechnet diese Kreise haben es sich zum politischen Ziel gesetzt, den Auslandsnachrichtendienst der DDR, die HVA, zu delegitimieren, zu verhöhnen und zu kriminalisieren. Daß ihnen das bisher nicht so ganz gelungen ist, hat auch damit zu tun, daß der HVA selbst von ehemaligen Gegnern Respekt gezollt wird, nicht nur wegen ihrer außerordentlichen Effizienz und großen Professionalität, sondern auch wegen ihrer Erfolge bei der Sicherung des Friedens in den gefährlichsten Zeiten des Kalten Krieges.

Ein Beispiel dafür ist Milton Bearden, der u.a. in Deutschland Stationschef der CIA war und später zum Leiter der Sowjet- und Osteuropaabteilung im Hauptquartier des US-Geheimdienstes avancierte. Bei der Internationalen Spionagekonferenz am 7. Mai 2004 in Berlin sagte Bearden, daß es während des Kalten Krieges in brisanten Situationen sowohl auf seiten der USA als auch der Sowjetunion immer wieder zu gefährlichen "Fehleinschätzungen" und "schwerwiegenden Fehlkalkulationen" gekommen ist. "In der Tat ist hier die Frage angebracht, wie sehr das allgemeine Niveau des Verständnisses (des gegenseitigen Wissens), das den Kalten Krieg kalt hielt, durch die von der HVA ... gesammelten Erkenntnisse zusätzlich befördert wurde." Abschließend gestand er auch der HVA zu, nicht nur der DDR, "sondern auch der Sache des Friedens gut gedient" zu haben.

"Did East German Spies Prevent A Nuclear War? - Haben ostdeutsche Spione einen Atomkrieg verhindert?" So lautet der Titel einer Studie des US-Strategen Vojtech Mastny, in der er die hochgefährliche "Ryan"-Krise im Zusammenhang mit dem US-geführten provokativen NATO-Manöver "Able Archer" 1983 untersucht. Er verweist dabei auf die Dokumentation, die zum 20. Jahrestag dieses Manövers auf den Webseiten des Parallel History Project (PHP) veröffentlicht wurden und die von einer "unglaublichen Durchdringung der NATO durch Agenten des Warschauer Vertrags", aber insbesondere der DDR zeugen. Mastny ist Historiker und außenpolitischer Experte, der u.a. an renommierten US-Universitäten wie Columbia oder der Johns Hopkins School of Advanced International Studies gelehrt hat. Und als Professor für Strategie an der Kriegsakademie der US-Marine ist er auch ganz bestimmt kein Linker oder gar Freund der DDR.

Reagans Erstschlagspläne

Von den fast 30 Ost-West-Krisen im Kalten Krieg wird gemeinhin die Kuba-Krise als die gefährlichste Konfrontation zwischen den Blöcken gesehen. Das ist leicht verständlich, da die Krise in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde und die gesamte Menschheit mit bangte. Die "Ryan"- bzw. "Able Archer"-Krise blieb jedoch nicht nur vor der Öffentlichkeit vollkommen verborgen, auch die meisten Politiker und Militärs erfuhren nichts davon. Dennoch, bei keiner anderen Ost-West-Krise "hat die Welt so nahe vor einem Atomkrieg gestanden, wie bei dem 'Able Archer'-Vorfall", schreibt Mastny. Und mit dieser Einschätzung steht er nicht allein, weder in West noch Ost.

Auch der ehemalige Chef der I. Hauptverwaltung (Auslandsaufklärung) des sowjetischen KGB zu jener Zeit, Wladimir Alexandrowitsch Krjutschkow, hatte dies noch im vergangenen Jahr deutlich gemacht, als er zum Themenkomplex "Ryan" für den deutschen Dokumentarfilm "Agenten im Kalten Krieg" interviewt wurde. Dieser Film, der ebenfalls zu dem Schluß kommt, daß Kundschafter der HVA womöglich "den Dritten Weltkrieg verhindert" haben, ist kürzlich auf dem renommierten osteuropäischen Filmfestival in der Kategorie TV-Dokumentation ausgezeichnet worden. In der ARD wurde er kurz vor Mitternacht gezeigt, wenn es kaum noch Zuschauer gibt.

"Ryan" ist das russische Akronym für die Operation "Raketno Yadernoye Napadenie", was soviel wie "nuklearer Raketenangriff" bedeutet, den die sowjetische Führung ab 1981 - ein Jahr nach Amtsantritt von US-Präsident Ronald Reagan und seiner eiskalten Krieger - jeden Augenblick erwartete. Dafür hatte Moskau gute Gründe, denn unter Reagan wurde die Entspannungspolitik für tot erklärt. Zugleich wurden mit aggressiven Maßnahmen wie dem militärischen Überfall auf die unabhängige Inselrepublik Grenada 1983 die internationalen Beziehungen vergiftet. Eine gigantische Aufrüstung wurde eingeleitet, inklusive SDI (Star Wars), mit dem Ziel die Sowjetunion "tot zu rüsten" und damit das strategische Gleichgewicht zu Gunsten Washingtons zu kippen.

Zugleich prahlten die mit Reagan in Washington an die Macht gekommenen Neokonservativen mit fertig ausgearbeiteten Plänen für den "begrenzten Nuklearkrieg", der für die USA "führbar und gewinnbar" sei. Schlimmer noch, im Rahmen der sogenannten nuklearen Modernisierung der NATO hatten die Kriegstreiber in Washington die Weichen gestellt, um sich mit Hilfe der Stationierung von Pershing-II-Mittelstreckenraketen in Europa ein vorzügliches Erstschlagspotential für den atomaren Überraschungsangriff auf die zivilen und militärischen Kommando-, Kontroll- und Kommunikationszentren der Sowjetunion zu schaffen.

Hier sei daran erinnert, daß nicht nur die Sowjets über diese Entwicklungen höchst alarmiert waren, sondern auch die europäische Öffentlichkeit. Insbesondere in Westdeutschland gingen damals aus Sorge über einen bevorstehenden Krieg, der nicht nur unser Land, sondern ganz Europa vernichtet hätte, Hunderttausende auf die Straße. Gegen die NATO-Politik machten damals in der BRD insbesondere die Grünen mobil. Sie stellten im April 1981 beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe Strafanzeige gegen die Bundesregierung, in der es u.a. hieß: "Da die neuen US-Waffen ... ausschließlich und eindeutig die Eigenschaften von Erstschlagswaffen besitzen, die das bislang herrschende atomare Gleichgewicht durchbrechen, macht sich die deutsche Bundesregierung durch ihre Zustimmung zu diesem Stationierungsbeschluß der Vorbereitung eines Angriffskrieges schuldig."

Im Rahmen der Operation Ryan, die als die größte Aktion der sowjetischen Aufklärung in Friedenszeiten im April 1981 startete, wurde versucht, möglichst umfassende Erkenntnisse über die Alarm- und Kriegsplanung der NATO und ihre Angriffsvorbereitungen in Erfahrung zu bringen, um auf dieser Basis im Ernstfall rechtzeitig reagieren zu können. Allerdings ging man in Moskau bereits davon aus, daß man aufgrund der in Europa stationierten US-amerikanischen atomaren Präventiv- und Präemptivschlagskapazitäten nur noch fünf bis acht Minuten Vorwarn- bzw. Reaktionszeit hatte. Bereits bei einem Mißverständnis konnte die nukleare Katastrophe drohen, denn die Sowjets waren natürlich nicht bereit, den drohenden amerikanischen Erstschlag einfach zu absorbieren, ohne vorher mit gleicher Münze zurückzuschlagen.

In der KGB-Instruktion Nr. 6282/PR/52 vom 17. Februar 1981 hieß es daher: "Die Tatsache, daß der Feind einen beträchtlichen Teil seiner strategischen Streitkräfte in erhöhter Gefechtsbereitschaft hält, ... macht es notwendig, Hinweise für die Vorbereitung eines atomaren Raketenangriffs zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu entdecken, noch bevor der Befehl an die Truppen zum Einsatz nuklearer Waffen erteilt wurde." Daher wurden die sowjetischen Geheimdienstniederlassungen im Ausland angewiesen, auf den kleinsten Hinweis für einen bevorstehenden Atomangriff zu achten. So erhielten die KGB-Residenten am 17. Februar 1983 die Direktive Nr. 374/PR/52, die zwanzig Indikatoren für einen unmittelbaren Kriegsbeginn auflistete, u.a.: "Halte die wichtigsten Regierungsinstitutionen, Hauptquartiere und anderen Anlagen, die an der Vorbereitung eines atomaren Raketenangriffs beteiligt sind, unter ständiger Beobachtung. (...) Bestimme das 'normale Tätigkeitsniveau' dieser Ziele während und außerhalb der Arbeitsstunden, z. B. die äußeren Merkmale ihrer täglichen Aktivitäten unter normalen Bedingungen (Differenzen der Zahl der dort geparkten Autos am Tage und am Abend, die Zahl der beleuchteten Zimmer während und nach der Arbeitszeit und Aktivitäten um diese Ziele herum an arbeitsfreien Tagen). Finde auf Basis der festgestellten 'normalen Tätigkeitsniveaus', jede Veränderung dieser Merkmale bei Sonderkonferenzen in einer Krisensituation heraus."

Moskaus reale Ängste

Der Kulminationspunkt der sowjetischen Kriegsangst kam im Herbst 1983 mit der NATO-Übung "Able Archer". Ausgerechnet zum Zeitpunkt, da die sowjetischen Aufklärer unter Hochdruck nach Anzeichen für einen nuklearen Erstschlag Ausschau hielten, begann die NATO unter US-Führung ein Manöver, in dem ein solcher Erstschlag unter sehr realistischen Bedingungen geübt wurde. Bereits im Vorfeld des Manövers zeichnete sich ab, daß "Able Archer" dem Szenario folgen würde, das aus der Sicht Moskaus die Vorbereitungsphase für einen atomaren Erstschlag war. Daher befürchtete Moskau, daß unter dem Deckmantel der regelmäßig wiederkehrenden Routineübung der nukleare Überraschungsangriff vorgetragen werden sollte. Nach Meinung der sowjetischen Führung wurden diese Befürchtungen auch durch ungewöhnliche Neuerungen bei "Able Archer 83" bekräftigt.

Das zehn Tage dauernde NATO-Manöver begann am 2. November 1983 und umspannte ganz Westeuropa. Zweck der Übung war die Simulaðtion einer koordinierten Freigabe von Atomwaffen und deren Einsatz. Das war Routine. Alarmierend waren jedoch die neuen Elemente der Übung. So wurden nukleare Mittelstreckenraketen ins Feld geführt, und zugleich wurde absolute Funkstille befohlen. Außerdem wurde zum ersten Mal ein neues Kodierungsformat für die Nachrichtenübermittlung eingesetzt. Zudem waren zum ersten Mal die Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedsländer in die Übung eingebunden, woraus man in Moskau auf deren ungewöhnlich hohe politische Bedeutung schloß. Last but not least gingen die Sowjets - fälschlicherweise - davon aus, daß die USA ihre höchste Alarmstufe "DEFCON 1" ausgerufen hatten, was für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff steht. Tatsächlich aber wurde "DEFCON 1" während "Able Archer" nur simuliert.

Die sowjetische Führung war offensichtlich vom unmittelbar bevorstehenden US-Angriff überzeugt; sie hatte ihre eigenen strategischen Atomstreitkräfte in den Alarmzustand versetzt und zudem ihre Luftstreitkräfte in der DDR und in Polen alarmiert. Das kleinste Versehen, und die Katastrophe wäre nicht mehr aufzuhalten gewesen.

Es sei sicher "keine Übertreibung", daß die HVA während des Kalten Krieges "die NATO recht gut abgedeckt hatte". Das hatte Ex-CIA-Abteilungsleiter Milton Bearden in seiner bereits erwähnten Rede in Berlin festgestellt. Auch Professor Mastny schreibt, daß "ostdeutsche Spione sogar an die am besten gehüteten Geheimnisse der NATO herankamen", um sie dann an die Sowjetunion weiterzugeben. In diesem Zusammenhang stellt er dann die "spannende Frage", ob DDR-Kundschafter mit Hilfe der von ihnen besorgten Informationen womöglich "die Empfänger in Moskau beruhigt" und auf diese Weise "einen Atomkrieg verhindert" haben.

"Topas" in Brüssel

Unter dem Decknamen "Topas" arbeitete ich von 1977 bis 1993 in der Politischen Abteilung im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Zu meinen Aufgaben gehörte u.a. der Vorsitz der CIG (Current Intelligence Group) im NATO-Lagezentrum. Dieses war das "innerste Sanktum", das "Allerheiligste", in dem alle Nervenstränge der NATO zusammenliefen. Zu normalen Zeiten sichteten die Mitglieder der CIG bei Arbeitsbeginn am frühen Morgen die Meldungen, die während der letzten 24 Stunden von den Nachrichtendiensten der NATO-Mitgliedsländer eingegangen waren. Unter meinem Vorsitz, den ich auf wöchentlicher Rotationsbasis ausübte, wurde dann eine Zusammenfassung der wichtigsten Entwicklungen und nachrichtendienstlichen Erkenntnisse angefertigt, die anschließend an die entsprechenden NATO-Dienststellen und an alle Mitgliedsländer geschickt wurde.

Bei NATO-Stabsübungen wie WINTEX/ðCIMEX oder in Krisensituationen war die CIG ständig besetzt, denn die Gruppe stellte das Nervenzentrum der NATO dar. Ihr Vorsitzender hatte in solchen Fällen die Aufgabe, den NATO-DPC (Verteidigungsplanungsrat), der normalerweise auf oberster Ebene tagte, regelmäßig über die eigene und die Feindlage zu unterrichten. So war ich in der hervorragenden Position, alle aktuellen Entwicklungen und Indikatoren, die eventuell auf einen nuklearen Überraschungsschlag der NATO hingewiesen hätten, rechtzeitig zu erkennen, dokumentarisch zu sichern und nach Ostberlin zu übermitteln. (Ein Alleingang der USA, an der NATO vorbei, wäre für mich jedoch nicht erkennbar gewesen.) Zugleich war ich vollkommen in den alljährlichen integrierten Verteidigungsplanungszyklus der NATO einbezogen. Damit standen mir stets sämtliche diesbezüglichen Dokumente zur Verfügung, die ich auch in ihrer Gesamtheit für die HVA sichern konnte.

Bei den Jahrestreffen mit meinen Führungsoffizieren der HVA hatten diese mir bereits die großen Sorgen der sowjetischen Genossen bezüglich "Ryan" ans Herz gelegt. Aber nichts in meinem Umfeld deutete auf die unmittelbare Vorbereitung eines NATO-Erstschlages hin, was ich anhand der gesicherten Materialien dokumentarisch zu untermauern suchte. Dann kam der Herbst 1983, und "Able Archer" rückte näher. Über einen Kurier wurde mir die Dringlichkeit der sowjetischen Befürchtungen nochmals nachdrücklich verdeutlicht.

Da es so gut wie unmöglich war, die Abwesenheit der Gefahr eines Erstschlages durch Beteuerungen zu beweisen, ging ich dazu über, systematisch alle CIG-Dokumente und Intelligence Memoranda aus dem Lagezentrum, samt aller anderen NATO-Dokumente über die aktuellen politischen Entwicklungen zu sichern und an die HVA zu schicken. Da ich kein Dokument, egal wie wichtig oder unwichtig, ausließ, und dazu auch noch meine persönlichen Einschätzungen mitlieferte, waren die Genossen in der HVA auf dem gleichen Wissensstand wie ich, und sie konnten daher gegenüber unseren sowjetischen Freunden entsprechend deutlich Stellung beziehen.

Wie Werner Großmann, der Nachfolger von Markus Wolf an der Spitze der HVA, in seinem Buch "Bonn im Blick" deutlich macht, kamen auch von anderen HVA-Aufklärern entwarnende Meldungen. Dennoch waren die Sowjets nur zögerlich bereit, selbst nach Beendigung von "Able Archer", sich zu "entspannen" und zum "normalen" Rhythmus des Kalten Kriegs zurückzufinden. Erst zwei Jahrzehnte später wird der bereits erwähnte ehemalige Chef der KGB-Auslandsaufklärung, Wladimir Krjutschkow, in dem ebenfalls bereits genannten Dokumentarfilm die besondere Rolle der HVA bei der Meisterung dieser schweren Krise öffentlich würdigen.

In seiner auf der offiziellen CIA-Webseite veröffentlichten Studie über die "Ryan"- bzw. "Able Archer"-Krise mit dem Titel "A Cold War Conundrum" bestätigt der CIA-Historiker Ben Fisher, daß die US-Führung überhaupt nichts von der sowjetischen Alarmstimmung gewußt hatte und erst viel später von den Briten davon erfuhr, wie nahe wir vor dem Dritten Weltkrieg gestanden haben. Von Selbstbesinnung oder gar Selbstkritik läßt sich in der ersten offiziellen Auswertung der Krise durch die CIA jedoch keine Spur finden. In der Studie "Implications of Recent Soviet Military-Political Activities", die im Mai 1984 vom CIA-Sowjetologen Fritz W. Ermarth verfaßt worden ist, heißt es: "Wir kommen zu dem Schluß, daß weder die sowjetischen Aktionen von einer ernsten Gefahr eines unmittelbar bevorstehenden Konfliktes mit den USA inspiriert sind noch die sowjetische Führung von einer solchen Bedrohung ausgeht." Stattdessen tut die CIA-Studie alle Berichte über angebliche sowjetische "Kriegsängste" als anti-amerikanische "Propaganda" ab.

Robert Gates, stellvertretender CIA-Chef während der "Able Archer"-Episode und derzeit Präsident George W. Bushs Verteidigungsminister, kam zu einem anderen Schluß, allerdings erst viele Jahre später. Nach dem Ende des Kalten Krieges und nachdem er Einsicht in eine Reihe von Dokumenten aus jener Zeit genommen hatte, die von Moskau zugänglich gemacht worden waren, räumte Gates ein, daß die Situation damals "sehr gefährlich" war und die sowjetische Führung 1983 "geglaubt hat, daß ein Angriff der NATO zumindest möglich war". Der Fehler der US-Nachrichtendienste war laut Gates, das "wahre Ausmaß" der sowjetischen Ängste "nicht erfaßt" zu haben.

Wichtig zum Verständnis der Reaktion der sowjetischen Führung im Rahmen der "Ryan"- bzw. "Able Archer"-Krise ist die Tatsache, daß die Neokonservativen in Washingtons sich nicht damit begnügten, über den begrenzten Atomkrieg zu reden, sondern sie bereiteten ihn offensichtlich auch systematisch vor. Ab Mitte Februar 1981 begannen sie eine Politik ständiger militärischer Provokationen entlang der sowjetischen Grenzen. Dabei drangen US-Einheiten immer wieder im Rahmen streng geheimer Operationen tief in sowjetische Territorialgewässer und in den sowjetischen Luftraum ein, wie das beim bereits genannten CIA-Historiker Ben Fisher nachzulesen ist.

Insbesondere im schwach verteidigten sowjetischen Norden gab es ständige Vorstöße amerikanischer Bomber, die oft viele Kilometer in den sowjetischen Luftraum eindrangen, bevor sie abdrehten. Diese Vorstöße sollten nicht nur die Fähigkeiten der sowjetischen Radar- und Luftabwehrsysteme testen, sondern mit Hilfe von Satellitenaufklärung auch die Kommando- und Kommunikationszentren der strategischen Luftverteidigung der Sowjetunion aufspüren, was für die Vorbereitung eines Angriffskrieges von entscheidender Bedeutung war.

Scheinheilige Debatte

Scheinheiligkeit bestimmt die seit 17 Jahren anhaltende Verteufelung der Deutschen Demokratischen Republik und ihrer Geheimdienste. Als souveräner Staat und als geachtetes Mitglied der Vereinten Nationen hatte die DDR natürlich das Recht, sich gegen offene und verdeckte Angriffe von außen und innen zu schützen. Aber das soll heute auf einmal nicht mehr gelten. Stattdessen wird versucht, die DDR und insbesondere ihre Geheimdienste zu dämonisieren.

Während die DDR-Aufklärung verunglimpft wird, arbeiten die Bundesregierung und ihre Geheimdienste, insbesondere der BND, mit den USA und deren Diensten aufs engste zusammen. So wird den USA Deutschland als logistische Basis zur Unterstützung des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen Irak zur Verfügung gestellt, gehen KSK-Soldaten in Afghanistan an der Seite von US-Einheiten auf Menschenjagd.

Doch im Unterschied zum "demokratischen" BND hat die "unrechtsstaatliche" HVA niemals freundschaftlichen und enge Beziehungen zu Geheimdiensten wie der CIA unterhalten, die kein Hehl daraus macht, Menschen zu töten, zu foltern oder in geheime Foltergefängnisse zu entführen. Im Unterschied zum BND hat die HVA z.B. keinen illegalen Waffenhandel betrieben oder gesetzwidrig Plutonium in einer Passagiermaschine nach Deutschland eingeschmuggelt. Im Unterschied zum BND hat die HVA keinem fremden Dienst geholfen, die eigenen entführten und gefolterten Staatsbürger zu verhören.

Im Unterschied zu den bundesdeutschen Geheimdiensten ist alles bekannt, was die HVA je getan hat. Die Akten sind offen. Die HVA hat keine Morde, keine Totschläge, keine anderweitigen Kapitalverbrechen zu verantworten, sie hat weder mit Menschenhändlern, Drogenbaronen noch anderen Schwerkriminellen zusammengearbeitet. Sie hat auch keine Killer- oder Terroristenkommandos ausgebildet. Weder hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter noch Kundschafter wurden jemals für derartige Delikte strafrechtlich belangt.

*

Quelle:
Rainer Rupp, November 2007


SET800 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 27.04.2010 18:42 | nach oben springen

#36

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 19:23
von ABV | 4.202 Beiträge

Danke Seaman für den Beitrag. Aber meine Skepsis kann er nicht beseitigen. Natürlich bin auch ich nicht so naiv, um zu glauben das Beweise für einen eventuellen Erstschlag der NATO heute jedermann zugänglich wären. Da wird man wohl auf ewig spekulieren und ggf. streiten müssen.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


nach oben springen

#37

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 19:32
von seaman | 3.487 Beiträge

Na ja,
die Dokumente der östlichen Seite sind frei zugänglich und einsehbar.
Um das Geschehen im Kalten Krieg realistisch zu bewerten fehlt natürlich die Offenlegung der westlichen Planungen.
Darauf werden wir wohl noch lange warten müssen bzw.uns mit peanuts abspeisen lassen müssen.
Die diese Dokumente schon mal in der Hand hielten bzw. sahen,hat man nach 1989 eingesperrt und mehr...

seaman


zuletzt bearbeitet 27.04.2010 19:34 | nach oben springen

#38

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 19:34
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

dann empfehle ich den neusten spiegel.da steht ein artikel übber den"weißen ritter" herman simm drin.nach einschätzung der nato einer ihrer schlimmsten agenten für den kgb


nach oben springen

#39

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 19:37
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von seaman
Na ja,
die Dokumente der östlichen Seite sind frei zugänglich und einsehbar.
Um das Geschehen im Kalten Krieg realistisch zu bewerten fehlt natürlich die Offenlegung der westlichen Planungen.
Darauf werden wir wohl noch lange warten müssen bzw.uns mit peanuts abspeisen lassen müssen.
Die diese Dokumente schon mal in der Hand hielten bzw. sahen,hat man nach 1989 eingesperrt und mehr...

seaman


Ja selbst wenn wir beide älter werden, als Jopy Heesters, werden wir das wohl nie erfahren. Aber vielleicht arbeiten ja mal spätere Generationen, die damit unbefangener umgehen, diesen ganzen Komplex vollständig auf?

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


nach oben springen

#40

RE: Spione der DDR und ihre Aufgaben

in Spionage Spione DDR und BRD 27.04.2010 19:43
von seaman | 3.487 Beiträge

Spätere Generationen können nur das bewerten,was man ihnen hinterlässt....
Deshalb sollte man auch dieses Forum unter diesem Gesichtspunkt sehen.

seaman


nach oben springen



Besucher
20 Mitglieder und 45 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: DerKurze
Besucherzähler
Heute waren 1681 Gäste und 121 Mitglieder, gestern 3466 Gäste und 184 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14354 Themen und 556984 Beiträge.

Heute waren 121 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen